Medi Know
Logo Image

12-Kanal-EKG schreiben

Anlage eines 12-Kanal-EKGs
9 Minuten Lesezeit

Das 12-Kanal-EKG ist ein häufig eingesetztes diagnostisches Verfahren im Krankenhaus und im Rettungsdienst zur Beurteilung der elektrischen Herzaktivität. Es liefert wichtige Informationen zu Herzrhythmus, Erregungsleitung, Myokardischämien und strukturellen Herzerkrankungen. Die simultane Ableitung von 12 Kanälen ermöglicht eine dreidimensionale Beurteilung der kardialen Erregungsausbreitung. Es ist eine schnelle, kostengünstige und nicht-invasive Methode mit minimalen Risiken.

12-Kanal-EKG schreiben
Positionierung der Extremitätenelektroden
  • Verdacht auf Myokardinfarkt oder akutes Koronarsyndrom
  • Herzrhythmusstörungen, z. B. Vorhofflimmern oder AV-Block
  • Diagnostik von Brustschmerzen oder Dyspnoe
  • Screening bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren
  • Verlaufsbeobachtung bei bekannten Herzerkrankungen
  • Evaluation von Elektrolytstörungen oder Medikamentennebenwirkungen (z. B. QT-Verlängerung)

Es gibt keine absoluten Kontraindikationen für die Durchführung eines 12-Kanal-EKGs. Relative Kontraindikationen können sein:

  • Schwere Hauterkrankungen oder Verletzungen im Bereich der Elektrodenplatzierung
  • Ablehnung des Verfahrens durch die Person

Für die Durchführung und die Aufzeichnung eines EKGs ist eine mündliche Aufklärung ausreichend.

  1. EKG-Gerät mit farbcodierten EKG-Kabeln
  2. Klebeelektroden (oder Saugelektroden)
  3. Hautdesinfektionsmittel
  4. Rasierer bei starker Behaarung
  5. Patient:innenetikett
Material für die Anlage eines 12-Kanal-EKGs

Vorbereitung:

  • Begrüßung und Vorstellung der eigenen Funktion
  • Aufklärung über geplante Maßnahme und Einholung der mündlichen Einwilligung
  • Name und Geburtsdatum der Person erfragen
  • Person soll entspannt und ruhig auf einer Liege positioniert werden
  • Oberkörper frei machen; bei Bedarf Haare im Elektrodenbereich mit Rasierer entfernen

Elektrodenplatzierung (EKG-Kleben):

  • Extremitätenableitungen:
    • Rote Elektrode (R): am rechten Handgelenk (oder rechts subclaviculär)
    • Gelbe Elektrode (L): am linken Arm (oder links subclaviculär)
    • Grüne Elektrode (G): am linken Fußgelenk (oder an der linken Leistengegend)
    • Schwarze Elektrode (N; Erdung): am rechten Fußgelenk (oder an der rechten Leistengegend)
  • Brustwandableitungen:
    • V1 (rot): 4. ICR rechts parasternal
    • V2 (gelb): 4. ICR links parasternal
    • V4 (braun): 5. ICR links medioklavikulär
    • V3 (grün): Zwischen V2 und V4
    • V5 (schwarz): Auf gleicher Höhe wie V4, vordere Axillarlinie
    • V6 (violett): Auf gleicher Höhe wie V4, mittlere Axillarlinie
  • Verbindung der geklebten Elektroden mit den entsprechenden EKG-Kabeln
EKG-Elektrodenplatzierung für ein 12-Kanal-EKG
 Tipp
  • Elektrodenplatzierung bei Mamma/Adipositas: Brustwandableitungen stets auf den Thorax kleben (ggf. unterhalb des Brustgewebes) – nicht auf das Mamma-/Fettgewebe, da dies die Ableitqualität und Morphologie verändern kann
  • Symmetrie & Vergleichbarkeit: Bei Rechtsableitungen (z. B. V3R–V6R) konsequent auf spiegelbildlich gleiche Höhen- und Seitenlage achten, um eine saubere Links-Rechts-Vergleichbarkeit zu gewährleisten
 Merke
Merkhilfen
  • Extremitätenableitungen: Die Farben kann man sich gut anhand einer Ampel merken. Zuerst steht man an der roten Ampel und hat mit der rechten Hand den ersten Gang zum Anfahren eingelegt. Anschließend schaltet die Ampel auf Gelb und man greift mit der linken Hand sicher ans Lenkrad. Nun wird die Ampel grün und man lässt mit dem linken Fuß die Kupplung kommen. Mit dem rechten Fuß drückt man jetzt aufs Gas und die Autos hinter einem sehen den schwarzen Ruß aus dem Auspuff.
  • Brustwandableitungen:
    • Ampeln sind in Braunschweig lila → erst Ampelschema, dann braun, schwarz und lila
    • Alternativ: Beginn mit dem Ampelschema (rot, gelb, grün), dann folgenden Merksatz verwenden: Oma backt einen Kuchen, der braun werden soll. Der Kuchen wird aber schwarz, deshalb überzieht sie ihn mit lila Zuckerguss.
 Info

Die distale Extremitätenableitung (Platzierung der Elektroden an den Händen und Füßen) ist der Standard für ein diagnostisch gut vergleichbares 12-Kanal-EKG. Eine Torso-Platzierung der Extremitätenelektroden ist bei Artefakten, Transport, Reanimation oder Monitoring oft sinnvoll, kann jedoch QRS-Amplituden, Achsenlage sowie ST-/T-Veränderungen beeinflussen und dadurch insbesondere bei ACS-Diagnostik und Verlaufskontrollen die Interpretation verändern. Bei Verwendung sollte dies daher eindeutig dokumentiert werden.

Aufzeichnung:

  • Sicherstellen, dass alle Elektroden fest haften
  • EKG-Aufzeichnung starten und das Signal überprüfen
  • Artefakte (z. B. durch Bewegung) minimieren
  • Bei Arrhythmien sollte ein längerer Rhythmusstreifen für die bessere Beurteilbarkeit geschrieben werden

Dokumentation:

  • Ergebnis speichern und ggf. ausdrucken
  • Elektroden entfernen
  • Ankleiden
 Info
EKG-Ableitungen V7-V9
Weitere EKG-Diagnostik bei Herzinfarkt:

Die Ableitungen V7 bis V9 dienen dem Nachweis posteriorer Myokardinfarkte und werden ergänzend zum 12-Kanal-EKG angebracht. Die Elektroden werden auf dem Rücken der Patient:in in gleicher Höhe wie V6 (5. ICR) positioniert. V7 wird in der hinteren Axillarlinie, V8 auf der mittleren Skapularlinie und V9 paravertebral. Dabei werden die Elektroden V4-V6 verwendet. Bei Bedarf kann die Scapula leicht nach vorne gezogen werden, um eine optimale Positionierung der Elektroden zu gewährleisten. Diese Ableitungen erweisen sich insbesondere bei Hinweisen auf einen posterioren Infarkt im regulären EKG als außerordentlich hilfreich.

EKG-Ableitungen V3r-V6r

Die rechtspräkordialen EKG-Elektroden V3r bis V6r dienen der verbesserten Beurteilung der rechten Herzhälfte, insbesondere bei Verdacht auf einen rechtsventrikulären Infarkt. Die Positionen entsprechen den Standardableitungen V3 bis V6, jedoch erfolgt die Anbringung spiegelbildlich auf der rechten Thoraxhälfte: V3r wird zwischen V1 und V4r angebracht, V4r in der 5. ICR rechts in der Medioclavicularlinie, V5r in der vorderen Axillarlinie rechts und V6r in der mittleren Axillarlinie rechts. Diese Ableitungen ergänzen die Standardableitungen und verbessern die Diagnostik insbesondere bei inferioren Infarkten mit möglicher rechtsventrikulärer Beteiligung.

Achtung: Sobald die geklebten EKG-Ableitungen von der normalen Weise abweichen, muss dieses auf dem Ausdruck vermerkt werden, da dies die Geräte nicht von alleine können!

  • Hautreaktionen wie Rötungen oder Irritationen durch Elektroden
Lernkarte 12 Kanal-EKG schreiben
 
Zuletzt aktualisiert am 15.07.2026
Nicht-invasive Blutdruckmessung
Subkutane Injektion
Deine Medizin-Lernplattform
Jetzt weiterlesen
Zugang zu diesem und über 800 weiteren leitlinienbasierten Artikeln, unserem einzigartigen medizinischen AI-Tutor und Quiz