Eine Fremdkörperaspiration bezeichnet das Eindringen von Nahrung oder eines anderen Fremdkörpers in die Atemwege, wodurch eine partielle oder vollständige Atemwegsverlegung entstehen kann.
Bei effektivemHusten wird die betroffene Person zum kräftigen Weiterhusten aufgefordert und kontinuierlich beobachtet. Ist der Husten ineffektiv, werden bis zu fünf Rückenschläge durchgeführt. Anschließend folgen bei Säuglingen bis zu fünfThoraxkompressionen und bei Kindern ab einem Jahr sowie Erwachsenen bis zu fünf Oberbauchkompressionen.
Die Maßnahmen werden abwechselnd wiederholt, bis die Atemwegsverlegung beseitigt ist oder die Person bewusstlos wird. Bei Bewusstlosigkeit und fehlender oder nicht normaler Atmung wird unverzüglich mit der Reanimation begonnen.
Ein Fremdkörper darf nur aus dem Mund entfernt werden, wenn er eindeutig sichtbar ist. Blindes Auswischen ist zu vermeiden.
Um den Einstieg in das Thema Fremdkörperaspiration etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: Akute Atemnot, Fremdkörperaspiration
Ort: Mehrparteienhaus
Alarmzeit: 16:20 Uhr
Anrufer:in: Ehemann
Anzahl der betroffenen Personen: 1
Zusatzinfo:
74-jährige, weibliche Patientin
Akut aufgetretene Atemnot während des Essens
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes steht der Ehemann der Patientin vor dem Wohnhaus und weist euch den Weg in die Wohnung.
Die Lage ist wie folgt:
Im Esszimmer stützt sich die Patientin, um Luft ringend, an einer Stuhllehne ab
Der Ehemann erzählt, sie habe sich wohl beim Essen verschluckt
Zuerst habe sie noch gehustet, doch dann sei sie still geworden und panisch aufgestanden
Ersteindruck nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit Fremdkörperaspiration aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Messung des Blutzuckers (außer bei unklarer Bewusstlosigkeit) in diesem Fall hintangestellt.
x
Keine kritischen Blutungen
A
Atemwege verlegt
Schleimhäute zyanotisch
Patientin kann nicht sprechen
Akutes A-Problem
B
Inspektorisch:
Keine Thoraxexkursionen
Gestaute Halsvenen sichtbar
Auskultatorisch:
Keine Atemgeräusche hörbar
Palpatorisch:
Thorax insgesamt stabil
SpO2: 81 %
Akutes B-Problem
C
Hautkolorit zyanotisch
Insgesamt schweißig
Recap-Zeit: 3 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses an der A. radialis:
Rhythmisch
Schwach tastbar
Tachykard bei 110/Minute
Blutdruck: 100/65 mmHg
Mittelbares C-Problem
D
Wach, panisch
GCS 12
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 2 (aufgrund des Fremdkörpers)
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Keine Verletzungen ersichtlich
Symptome:
Akute Atemnot
Panik
Allergien / Infektionen: keine bekannt
Medikamente: Ramipril
Patientengeschichte: immer wieder Blutdruckprobleme
Letzte Mahlzeit: zu Beginn der Symptomatik vor etwa 8 Minuten
Ereignis: akut aufgetretene Atemnot nach Verschlucken
Risikofaktoren: keine
Kein E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Definition
Fremdkörperaspiration
Bei einer Fremdkörperaspiration gelangt ein eingeatmeter oder beim Schlucken fehlgeleiteter Fremdkörper in die Atemwege. Abhängig von seiner Lage kann er im Larynx, in der Trachea oder im Bronchialsystem verbleiben, anstatt über den Ösophagus in den Verdauungstrakt zu gelangen.
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Akzidentielle Aspiration von Fremdkörpern
Am häufigsten sind Kinder unter 3 und Menschen über 65 Jahren betroffen
Dysphagie(=Schluckstörung)
Bewusstseinstrübung
Info
Auch andere Krankheitsbilder können sekundär zu einer Atemwegsverlegung führen. Dazu gehören zum Beispiel die Anaphylaxie, Infektionen, Trauma, Karzinome und einige weitere.
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Merke
Trachea
Reminder: Physiologische Grundlagen
Aufbau der Atemwege: Die oberen Atemwege reichen von Nase und Mund über den Rachen bis zum Kehlkopf (Larynx). Die unteren Atemwege beginnen mit der Luftröhre (Trachea) und verzweigen sich in die Bronchien
Engste Stelle: Bei Erwachsenen ist die Stimmritze (Glottis) die engste Stelle der Atemwege. Bei Kleinkindern ist zusätzlich der Raum unterhalb der Stimmritze (subglottisch) sehr eng
Rechter Hauptbronchus: Er verläuft steiler und hat einen größeren Durchmesser als der linke Hauptbronchus. Fremdkörper gelangen deshalb häufiger in die rechte Lunge
Schluckakt: Beim Schlucken verschließt der Kehldeckel (Epiglottis) den Kehlkopfeingang. Gleichzeitig schließt sich die Stimmritze und die Atmung setzt kurz aus
Schutzreflexe:Husten schützt die unteren Atemwege, Niesen die oberen Atemwege. Würgen und Schlucken verhindern das Eindringen von Material in den Kehlkopf
Laryngospasmus: Reflektorischer Verschluss der Stimmritze bei Reizung der Kehlkopfschleimhaut. Er schützt vor Aspiration, kann die Atemwegsverlegung aber selbst verstärken
Pathophysiologische Mechanismen
Akzidentielle Aspiration: Sprechen, Lachen oder Ablenkung beim Essen, unzureichendes Kauen (z. B. schlecht sitzende Zahnprothese) → Verschluss des Kehlkopfeingangs unvollständig → Bolus gelangt in Larynx oder Trachea
Kinder: Erkunden von Gegenständen mit dem Mund, fehlende Backenzähne → Nahrung wird unzureichend zerkleinert → Aspiration bei engen Atemwegen → schnelle und ausgeprägte Verlegung
Dysphagie (Schluckstörung): Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson oder Demenz → gestörter Schluckakt → Aspiration, teils als stille Aspiration ohne Husten- oder Würgereflex
Bewusstseinseintrübung: Alkohol, Intoxikation, Sedierung oder Krampfanfall → Schutzreflexe ↓ → Aspiration von Fremdkörpern, Erbrochenem oder Mageninhalt
Achtung
Eine Atemwegsverlegung kann auch die Folge anderer Krankheitsbilder sein. Dazu gehören zum Beispiel Anaphylaxie, Asthma, COPD, Infektionen, Trauma oder Karzinome.
Mechanismen der Atemwegsverlegung
Ventilstenose (partielle Verlegung):
Luft strömt beim Einatmen am Fremdkörper vorbei, beim Ausatmen verengen sich die Bronchien und der Auslass ist eingeschränkt → Air Trapping (Luftfalle) → Überblähung des betroffenen Lungenabschnitts
Komplette Verlegung:
Keine Belüftung distal des Fremdkörpers → Restluft wird resorbiert → Atelektase (Zusammenfallen des betroffenen Lungenareals)
Fremdkörperaspiration
Lage des Fremdkörpers
Wie bedrohlich eine Fremdkörperaspiration ist, hängt vor allem davon ab, wo der Fremdkörper stecken bleibt.
Lage
Folge
Typisches klinisches Bild
Kehlkopf (Larynx)
Häufig komplette Verlegung, zusätzlich Laryngospasmus möglich
Kein Sprechen, kein effektives Husten, inspiratorischer Stridor oder Stille, rasche Zyanose
Meist partielle Verlegung einer Lungenseite, häufiger rechts
Husten, einseitig abgeschwächtes Atemgeräusch, einseitiges Giemen, Sprechen meist möglich
Periphere Bronchien
Verlegung eines kleinen Lungenabschnitts
Oft wenig Symptome, später Husten, Fieber, Pneumonie
Akute Folgen der Atemwegsverlegung
Info
Auf eine Atemwegsverlegung reagiert der Organismus zunächst mit Schutzreflexen und sympathischer Aktivierung. Bleibt die Verlegung bestehen, kommt es im weiteren Verlauf durch Sauerstoffmangel zu Bewusstlosigkeit und unbehandelt zum hypoxischen Kreislaufstillstand.
Reflektorische Reaktion: Reizung der Schleimhaut → Hustenstöße, Würgen, ggf. Laryngospasmus
Dekompensation: Anhaltende Hypoxie des Herzmuskels → Bradykardie → Kreislaufstillstand, meist mit nicht schockbarem Rhythmus
Bei Kindern ist die Bradykardie ein frühes Zeichen der drohenden Dekompensation
Postobstruktives Lungenödem
Das postobstruktive Lungenödem (Negativdruck-Lungenödem) ist eine seltene, jedoch potenziell lebensbedrohliche Komplikation einer Atemwegsverlegung.
Bei dem Versuch, gegen den verschlossenen Atemweg einzuatmen, entsteht im Brustkorb ein stark negativer Druck. Dadurch strömt vermehrt Blut in die Lungengefäße und der Druck in den Lungenkapillaren steigt. Flüssigkeit tritt in das Interstitium und in die Alveolen über.
Forcierte Einatmung gegen Verlegung → intrathorakaler Druck↓ → Druck in den Lungenkapillaren ↑ → Flüssigkeitsaustritt in die Alveolen → Lungenödem
Info
Das postobstruktive Lungenödem tritt häufig erst nach Beseitigung der Verlegung auf, innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden. Besonders betroffen sind junge, kräftige Patient:innen, die einen hohen Unterdruck erzeugen können. Typisch sind erneute Atemnot, feuchte Rasselgeräusche, schaumiges Sekret und ein Abfall der SpO₂.
Weitere Komplikationen sind Schleimhautverletzungen und Schwellungen durch den Fremdkörper oder Entfernungsversuche, eine Aspirationspneumonie sowie Verletzungen der Bauchorgane nach Oberbauchkompressionen.
Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme einer Fremdkörperaspiration
Partielle oder komplette Verlegung der Atemwege → Hypoxie und Hyperkapnie
Partielle Verlegung → Übergang in eine komplette Verlegung jederzeit möglich
Ventilstenose → Air Trapping und Überblähung
Komplette Verlegung eines Bronchus → Atelektase
Bewusstseinsverlust → Ausfall der Schutzreflexe und weitere Aspiration
Anhaltende Hypoxie → Bradykardie bis hypoxischer Kreislaufstillstand
Nach Beseitigung der Verlegung → Gefahr eines postobstruktiven Lungenödems
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Je nachdem, ob es sich um eine vollständige oder eine partielle Verlegung der Atemwege handelt, äußern sich verschiedene Symptome.
Merkmal
Partielle Verlegung
Vollständige Verlegung
Luftstrom
Noch vorhanden
Kein Luftstrom
Atemnot
Vorhanden
Vorhanden (schwer ausgeprägt)
Geräusche
Stridor (pfeifend/ziehend)
Keine Atemgeräusche
Husten
Möglich
Nicht möglich
Sprechen
Eingeschränkt
Nicht möglich
Allgemeinzustand
Angst, Unruhe
Starke Panik
Atmung
Tachypnoe
Inverse Atmung möglich
Hautfarbe
Ggf. Zyanose
Ausgeprägte Zyanose
Bewusstsein
Meist erhalten
Gefahr der Bewusstlosigkeit
Info
Einzelne Symptome können sowohl bei partieller als auch bei vollständiger Atemwegsverlegung auftreten und sind daher immer im Gesamtkontext zu beurteilen.
Merke
Aus einer partiellen Verlegung kann jederzeit eine vollständige Atemwegsverlegung entstehen!
Achtung
Bewusstlosigkeit infolge einer Atemwegsverlegung stellt eine akute lebensbedrohliche Situation dar und führt unbehandelt rasch zum Kreislaufstillstand.
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Merke
er stärkste Hinweis auf eine Fremdkörperaspiration ist ein beobachtetes Ereignis: Die Beschwerden setzen plötzlich während des Essens, Trinkens oder Spielens ein. Da Betroffene oft nicht sprechen können, ist die Fremdanamnese durch Angehörige oder Zeug:innen häufig entscheidend.
Anamnese
S (Symptome): Plötzlich einsetzende Atemnot, Husten oder Unfähigkeit zu husten, Unfähigkeit zu sprechen, Stridor, Panik, Griff an den Hals
A (Allergien, Infektionen): Bekannte Allergien und Kontakt zu einem Allergen als Hinweis auf eine Anaphylaxie. Fieber oder Infekt als Hinweis auf eine infektiöse Ursache
M (Medikation): Für das Akutereignis meist nicht relevant. Sedierende Medikamente können die Schutzreflexe einschränken, Antikoagulanzien erhöhen das Blutungsrisiko bei Entfernungsversuchen
P (Patientengeschichte): Bekannte Schluckstörung, neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson oder Demenz, Zahnprothese, frühere Aspirationsereignisse
L (Letzte Mahlzeit): Art der Nahrung und Zeitpunkt, z. B. Fleischstück, Nüsse, Weintrauben oder Bonbons
E (Ereignis): Hergang, Zeitpunkt, Art und Größe des Fremdkörpers, bereits durchgeführte Erste-Hilfe-Maßnahmen wie Rückenschläge oder Oberbauchkompressionen
R (Risiko): Alkohol oder Intoxikation, Bewusstseinsstörung, Kleinkind im Haushalt, Zugang zu Knopfbatterien oder Magneten
S (Schwangerschaft): Bei Schwangeren werden statt Oberbauchkompressionen Thoraxkompressionen durchgeführt
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei Verdacht auf eine Fremdkörperaspiration abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Körperliche Untersuchung
Inspektion:
Erstickungszeichen: Betroffene greifen sich mit einer oder beiden Händen an den Hals
Mundhöhle und Rachen: Sichtbarer Fremdkörper, Erbrochenes, Blut oder Schwellung
Ein Fremdkörper wird nur entfernt, wenn er eindeutig sichtbar ist. Blindes Auswischen ist zu vermeiden
Atemarbeit: Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, juguläre und interkostale Einziehungen, Nasenflügeln bei Kindern
Thoraxexkursionen: Seitendifferent, abgeschwächt oder fehlend. Inverse Atmung (Schaukelatmung) als Zeichen einer kompletten Verlegung
Haut und Schleimhäute:Zyanose, Blässe, Kaltschweißigkeit oder Marmorierung als Zeichen der Hypoxie und sympathischen Aktivierung
Halsvenen: Gestaute Halsvenen durch den erhöhten Druck im Brustkorb bei forcierter Atemarbeit
Bewusstseinslage: Unruhe und Panik, bei zunehmender Hypoxie Bewusstseinseintrübung
Palpation:
Hals und Luftröhre: Tastbare Schwellung oder Ausbuchtung der Trachea, Hautemphysem (Knistern unter der Haut) als Hinweis auf eine Verletzung der Atemwege
Thorax: In der Regel stabil
Puls: Initial tachykard, bei Dekompensation bradykard
Rekapillarisierungszeit: Verlängert bei fortgeschrittener Hypoxie und Kreislaufbeeinträchtigung
Perkussion:
Hypersonorer Klopfschall: Über dem betroffenen Lungenabschnitt bei Air Trapping (Ventilstenose)
Gedämpfter Klopfschall: Bei Atelektase oder Sekretverhalt
Präklinisch ist die Perkussion wegen der Umgebungsgeräusche oft schwer zu beurteilen und darf die Behandlung nicht verzögern
Auskultation:
Inspiratorischer Stridor: Hinweis auf eine Verlegung im Bereich von Kehlkopf oder oberer Trachea
Biphasischer Stridor: Hinweis auf eine Verlegung in der Trachea
Einseitig abgeschwächtes oder fehlendes Atemgeräusch: Hinweis auf einen Fremdkörper im Hauptbronchus, häufiger rechts
Einseitiges Giemen: Hinweis auf eine partielle Verlegung eines Bronchus
Fehlendes Atemgeräusch beidseits (stille Lunge): Alarmzeichen einer kompletten Verlegung
Achtung
Ein einseitig fehlendes Atemgeräusch nach Intubation spricht nicht automatisch für eine Fehllage des Tubus. Ein Fremdkörper, der durch die Intubation oder Beatmung in einen Hauptbronchus vorgeschoben wurde, kann eine Lungenhälfte blockieren.
Tipp
Auskultation und Perkussion in der Präklinik
Insbesondere im präklinischen Setting kann es aufgrund der Umgebungsgeräusche schwierig sein, Befunde adäquat zu interpretieren. Nehmt euch ausreichend Zeit und weist eure Kolleg:innen sowie andere am Einsatz beteiligte Personen darauf hin, leise zu sein.
Vitalparameter
Parameter
Typischer Befund / Veränderung
Pathophysiologischer Hintergrund
Herzfrequenz
Tachykardie, bei Dekompensation Bradykardie
Sympathikusaktivierung durch Atemnot und Angst. Bei anhaltender Hypoxie des Herzmuskels Abfall der Herzfrequenz, bei Kindern früh
Blutdruck
Initial normal bis erhöht, im Verlauf Hypotonie
Sympathische Aktivierung mit Vasokonstriktion. Bei Dekompensation Versagen der Kreislaufregulation
Atemfrequenz
Tachypnoe, im Verlauf Bradypnoe bis Apnoe
Gesteigerte Atemarbeit gegen das Hindernis. Bei Erschöpfung und Hypoxie Abfall der Atemfrequenz
Sauerstoffsättigung
Erniedrigt
Fehlender Gasaustausch distal der Verlegung. Bei partieller Verlegung kann die SpO₂ anfangs noch normwertig sein
etCO₂ (Kapnographie)
Erhöht oder fehlende Kurve
Hypoventilation mit CO₂-Anstieg. Bei kompletter Verlegung kein Ausatemstrom messbar
Temperatur
Meist normal
Fieber spricht für eine verschleppte Aspiration mit Pneumonie oder eine infektiöse Ursache der Atemwegsverlegung
Blutzucker
Meist normal
Messung bei Bewusstseinsstörung zur Abgrenzung anderer Ursachen
Einschätzung des Schweregrades
Entscheidend für das weitere Vorgehen ist die Frage: Ist das Husten effektiv? Die Unterschiede zwischen partieller und vollständiger Verlegung sind im Abschnitt Klinischer Eindruck tabellarisch dargestellt.
Vigilanz: Beurteilung des Bewusstseinszustands, beispielsweise mittels GCS-Score. Eine zunehmende Eintrübung ist ein Zeichen der Dekompensation
Hustenqualität: Kräftige, laute Hustenstöße sprechen für effektives Husten. Leises, stimmloses oder fehlendes Husten spricht für ineffektives Husten
Sprechfähigkeit: Ganze Sätze, einzelne Wörter oder keine Antwort möglich
Atemarbeit und Atemgeräusche: Zunehmender Stridor, Einziehungen und Erschöpfung als Zeichen der Verschlechterung
Tipp
Die Einschätzung ist eine Momentaufnahme. Aus einer partiellen Verlegung kann jederzeit eine vollständige Verlegung werden. Hustenqualität, Sprechfähigkeit und Vigilanz deshalb kontinuierlich neu beurteilen.
Weiterführende apparative Diagnostik
Kapnographie:
Fehlende Kurve: Bei kompletter Verlegung oder Apnoe
Erhöhter etCO₂-Wert: Bei Hypoventilation
Verlaufskontrolle: Überprüfung der Ventilation nach Fremdkörperentfernung oder Atemwegssicherung
12-Kanal-EKG:
Tachykardie: Typisches Zeichen der sympathischen Aktivierung
Bradykardie: Zeichen der hypoxiebedingten Dekompensation und Warnsignal für einen drohenden Kreislaufstillstand
Rhythmusstörungen und Ischämiezeichen: Durch Hypoxie und Azidose möglich, insbesondere bei vorbestehender Herzerkrankung
Direkte Laryngoskopie: Inspektion von Rachen, Kehlkopfeingang und Stimmritze bei bewusstlosen Patient:innen. Ein sichtbarer Fremdkörper kann mit der Magill-Zange entfernt werden
Tipp
Die direkte Laryngoskopie ist Diagnostik und Therapie zugleich. Fremdkörper unterhalb der Stimmritze sind damit nicht sichtbar. Ihr Nachweis und ihre Entfernung erfolgen in der Klinik, in der Regel mittels Bronchoskopie.
Info
Viele aspirierte Fremdkörper wie Nahrung, Nüsse oder Kunststoffteile sind im Röntgenbild nicht sichtbar. Ein unauffälliges Röntgenbild schließt eine Fremdkörperaspiration deshalb nicht aus.
Differenzialdiagnosen
Differenzialdiagnose
Typische Symptome
Anaphylaxie
Schwellung von Zunge und Rachen, Urtikaria, Hypotonie, Bronchospasmus
Plötzlicher Kollaps beim Essen, Atemnot, Thoraxschmerz
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Info
Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
Merke
Bei einer Fremdkörperaspiration steht primär das mechanische Freimachen und Sichern der Atemwege im Vordergrund, nicht die Pharmakotherapie. Erst nach erfolgreicher Atemwegssicherung folgen weiterführende Maßnahmen wie Sauerstoffgabe, Beatmung und Monitoring.
Basismaßnahmen
Zum Hustenauffordern
Schweregrad der Fremdkörperaspiration einschätzen
KontinuierlicheBeurteilungundÜberwachung, besonders der Vigilanz
Beruhigung
Maßnahmen nach Altersgruppe:
Altersgruppe
Bei Bewusstsein
Bewusstlos
Säugling (< 1 Jahr)
5 kräftige Rückenschläge (zwischen die Schulterblätter)
Wenn nicht erfolgreich → 5 Thoraxkompressionen
Anschließend Wechsel zwischen Rückenschlägen und Bruststößen
Fortführen bis Fremdkörper entfernt oder Säugling bewusstlos wird
Atemwege öffnen
5 Beatmungen
Ggf. Absaugen von Sekreten und kleineren Fremdkörpern
CPR 15:2
Kind (> 1 Jahr) und Erwachsene
5 kräftige Schläge zwischen die Schulterblätter
Wenn nicht erfolgreich → 5x Oberbauchkompressions-Manöver
Anschließend Wechsel zwischen 5 Rückenschlägen und 5 abdominellen Kompressionen
Fortführen bis Fremdkörper entfernt oder Patient:in bewusstlos wird
CPR 30:2
Ggf. Absaugen von Sekreten und kleineren Fremdkörpern
Tipp
Oberbauchkompressions-Manöver:
Das Oberbauchkompressions-Manöver wird bei einer Fremdkörperverlegung der Atemwege angewendet, wenn der Patient nicht mehr effektiv husten oder sprechen kann.
Zur Durchführung stellt man sich hinter den Patienten, umfasst ihn von hinten und platziert eine Faust zwischen Nabel und Rippenbogen. Die andere Hand greift die Faust. Anschließend werden mehrere kräftige, ruckartige Druckstöße nach innen und oben ausgeführt, um den Fremdkörper zu lösen.
Bei Säuglingen wird das Oberbauchkompressions-Manöver nichtangewendet. Hier erfolgen stattdessen Rückenstöße und Thoraxkompressionen.
Spezifische Maßnahmen
Strukturen des Larynx
Direkte Laryngoskopie + Versuch der Fremdkörperentfernung mittels Magill-Zange
Bei einer Atemwegsverlegung ist eine medikamentöse Therapie normalerweise nicht erforderlich. Falls andere Krankheitsbilder sekundär eine Atemwegsverlegung verursachen, kann eine Therapie beispielsweise mit Adrenalin oder ß2-Sympathomimetika erforderlich sein.
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Fremdkörperaspiration bei Kindern
Neutralposition (=Schnüffelstellung) Durch den großen Hinterkopf bei Säuglingen kann es zu einem Abknicken der Atemwege in Rückenlage kommen. Um eine Atemkontrolle durchzuführen müssen Mundöffnung und Körperachse in einem rechten Winkel zueinander stehen.
Bei Kindern sind die Atemwege enger als bei Erwachsenen. Zudem haben sie eine verhältnismäßig große Zunge. Bei Bewusstlosigkeit muss der Kopf weniger überstreckt und bei Säuglingen muss der Kopf in Neutralposition gebracht werden.
Der Kehlkopf liegt bei Kindern zudem höher und weiter vorn.Des Weiteren ist ihre Atemhilfsmuskulatur weniger gut ausgeprägt und sie ermüden schneller. Man kann man bei Atemnot vorwiegend juguläre und interkostale Einziehungen beobachten. Durch einen erhöhten Sauerstoffbedarf kommt es schneller zur Dekompensation. Bei Säuglingen darf kein Oberbauchkompressions-Manöver durchgeführt werden, stattdessen sollen Thoraxkompressionen erfolgen.
Achtung
Knopfbatterien
Bei Kindern kann es zur Aspiration von Knopfbatterien von Spielzeugen kommen. Sollte der Verdacht bestehen, dass ein Kind eine Knopfbatterie verschluckt haben könnte, muss, auch wenn keine Beschwerden vorliegen, unbedingt ein Krankenhaus aufgesucht werden.
Knopfbatterien bleiben vorwiegend bei Kindern leicht im Ösophagus stecken. Hier schließt sich möglicherweise ein elektrischer Kreis oder es kommt zu einer chemischen Reaktion. Das kann zu Verätzungen und Blutungen der Schleimhaut führen.
Honig als präklinische Maßnahme
Honig kann das Fortschreiten der Verätzung verlangsamen, aber nicht verhindern
Einsatz wegen fehlender Alternativen und guter Verfügbarkeit in Haushalten
Voraussetzungen:
Kind älter als 1 Jahr (CAVE: Botulismusrisiko bei Säuglingen!)
Lithium-Batterieoder Typ unbekannt
Ingestion < 12 Stunden
Keine Schluckstörung / kein Aspirationsrisiko
Dosierung:
10 ml Honig (≈ 2 Teelöffel) alle 10 Minuten oral verabreichen
maximal 5 Gaben
Atemwegsverlegung infolge von Trauma
Weichteilverletzungen, knöcherne Verletzungen, Aspirationsgefahr, Blutungen oder Verletzungen der Atmungsorgane können eine sofortige Intubation erforderlich machen.
Merke
Strangulation oder direkte Krafteinwirkung auf den Kehlkopf sind besonders gefährlich
Ausgeschlagene Zähne können aspiriert werden
Anaphylaxie
Eine Anaphylaxie ist eine akut auftretende Entzündungsreaktion auf Allergene. Dabei werden Mediatoren wie Histamin, Leukotriene und Prostaglandine aus Mastzellen und basophilen Granulozyten freigesetzt. Die Gewebepermeabilität ist erhöht und es kommt zu einer Umverteilung des Blutvolumens. Schwellung der Atemwege ist möglich.
Infektionen
Verschiedene Atemwegserkrankungen können durch Schwellung zu Atemwegsverlegungen führen. Eine Epiglottitis (seltenes Krankheitsbild seit der Impfung gegen H. influenzae Typ B, verursacht eine akute Laryngopharyngitis mit Schwellung der Epiglottis) ist besonders gefährlich, da sie abrupt zu einer vollständigen Atemwegsverlegung führen kann.
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Zielkrankenhaus
Grundsätzlich sollten Patient:innen nach einer Fremdkörperaspiration in eine Klinik mit internistischer Notaufnahme transportiert werden, auch wenn sich die Symptomatik gebessert hat. Gründe sind mögliche Restfremdkörper, Schleimhautverletzungen und das Risiko eines postobstruktiven Lungenödems. Die Auswahl der Zielklinik richtet sich nach der Lage des Fremdkörpers, dem Alter der Patient:innen und den bereits durchgeführten Maßnahmen.
Persistierende Symptome oder Verdacht auf Restfremdkörper (Husten, Stridor, einseitig abgeschwächtes Atemgeräusch) → Klinik mit Möglichkeit zur Bronchoskopie (Pneumologie, Thoraxchirurgie oder HNO)
Kinder → Klinik mit Kinderklinik und Möglichkeit zur kindgerechten Bronchoskopie
Durchgeführte Oberbauchkompressionen (Oberbauchkompressions-Manöver) → Klinik mit chirurgischer Abteilung aufgrund möglicher Verletzungen der Bauchorgane
Verdacht auf verschluckte Knopfbatterie oder Magnete → Klinik mit Endoskopie, siehe Besondere Situationen
Atemwegssicherung, Reanimation oder anhaltende Bewusstseinsstörung → Klinik mit Intensivstation und Schockraum
Info
Nach der Durchführung eines Oberbauchkompressions-Manövers muss die betroffene Person hospitalisiert werden, auch wenn sich die Symptomatik gebessert hat. Aufgrund der Krafteinwirkung auf die Bauchorgane kann es zu Verletzungen kommen.
Transportbegleitende Maßnahmen
Transportzielzeit: Zügiger Transport mit frühzeitiger Voranmeldung bei persistierender Symptomatik, nach Atemwegssicherung oder Reanimation
Lagerung:
Bei erhaltenem Bewusstsein: aufrechter Oberkörper (90°) oder die Position, die Patient:innen selbst einnehmen. Patient:innen nicht in eine liegende Position zwingen
Bei Kindern: Transport möglichst auf dem Schoß einer Bezugsperson, sofern dies sicher möglich ist
Bei Bewusstlosigkeit mit Spontanatmung: stabile Seitenlage, wenn keine Wirbelsäulenverletzung vorliegt. Alternativ Rückenlage mit Esmarch-Handgriff oder Freihalten der Atemwege mittels Naso- oder Oropharyngealtubus
Monitoring: Kontinuierliche Überwachung von SpO₂, Kapnographie (etCO₂), EKG, Herzfrequenz, Blutdruck, Atemfrequenz und Bewusstseinslage
Überwachung des Atemmusters: Auf zunehmenden Stridor, ineffektives Husten, Einziehungen und Erschöpfung achten. Aus einer partiellen Verlegung kann jederzeit eine vollständige Verlegung werden
Sauerstofftherapie: Bedarfsgerechte Sauerstoffgabe mit einer Ziel-SpO₂ von 94 bis 98 %
Beruhigung: Angst und Panik steigern den Sauerstoffbedarf. Ruhig sprechen, unnötige Maßnahmen vermeiden, Bezugspersonen einbeziehen
Material griffbereit:Absaugung, Laryngoskop, Magill-Zange, Material zur Atemwegssicherung und Koniotomie-Set
Nahrungskarenz: Keine Nahrung und keine Flüssigkeit geben
Wärmeerhalt: Vermeidung einer Auskühlung durch geeignete Wärmeerhaltungsmaßnahmen
Übergabe in der Klinik
Strukturierte Übergabe nach standardisierten Schemata wie SINNHAFT oder ISOBAR
Übergabe relevanter Informationen zu:
Zeitpunkt und Hergang des Ereignisses
Art und Größe des Fremdkörpers, ggf. ausgestoßenen Fremdkörper oder einen Vergleichsgegenstand mitnehmen
Wurde der Fremdkörper vollständig entfernt oder besteht Verdacht auf einen Restfremdkörper?
Durchgeführte Maßnahmen: Rückenschläge, Oberbauch- oder Thoraxkompressionen, Laryngoskopie mit Magill-Zange, Atemwegssicherung, Dauer einer Reanimation
Verlauf von Atemmuster, Atemgeräuschen und Vigilanz
Aktuelle Vitalparameter einschließlich SpO₂ und etCO₂
Vorerkrankungen wie Schluckstörung oder neurologische Erkrankungen sowie die Dauermedikation
Ansprechen auf die Therapie und aktueller klinischer Zustand
Patient:innen mit gesichertem Atemweg, nach Reanimation oder mit persistierender Atemwegsverlegung sollten direkt an das Schockraumteam übergeben werden
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Ursachen:
Akzidentielle Aspiration beim Essen, Trinken oder Spielen
Dysphagie (Schluckstörung), z. B. nach Schlaganfall, bei Parkinson oder Demenz
Bewusstseinseintrübung mit eingeschränkten Schutzreflexen
Besonders betroffen sind Kinder unter 3 Jahren und Menschen über 65 Jahre
Pathophysiologie
Fremdkörper rutschen häufiger in den rechten Hauptbronchus, da dieser steiler verläuft und weiter ist
Kehlkopf und Trachea: Gefahr der kompletten Verlegung → rasche Hypoxie
Ventilstenose: Einlass beim Einatmen, eingeschränkter Auslass beim Ausatmen → Air Trapping
Nach erfolgreichem Oberbauchkompressions-Manöver →Transport in die Klinik
Bei Bewusstlosigkeit: CPR 30:2, sichtbare Fremdkörper entfernen, Atemweg sichern
Ultima Ratio: Koniotomie bei „cannot intubate, cannot ventilate“
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Tipp
Wenn ihr mehrInformationen und weiteretherapeutischeMaßnahmen erfahren möchtet, empfehlen wir euch die verlinktenArtikel aus dem klinischenBereich.
Fremdkörperaspiration im Kindesalter
Fremdkörperingestion im Kindesalter
Diagnostik in der Pneumologie
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Wetsch, Wolfgang A. et al: Kurzlehrbuch Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. 3. Auflage: Thieme, 2024, ISBN: 978-3132456624
DBRD - Deutscher Berufsverband Rettungsdienst e.V., Musteralgorithmen 2026, Version 11, Stand: 27.02.2026
Zuletzt aktualisiert am 28.10.2026
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