EinBolusgeschehen ist eine akute Atemwegsverlegung, die den Atemweg komplett oder teilweise blockiert. Die häufigste Ursache ist das akzidentelle Verschlucken von Fremdkörpern. Durch die Einschränkung des Atemflusses handelt es sich hier um eine lebensbedrohliche Situation, die umgehend behandelt werden sollte.
Die Leitsymptome sind akut auftretende Dyspnoe in Kombination mit Husten während des Essens. Es kommt infolgedessen auch zu Zyanose, Panik und einem potenziell nur einseitigen Atemgeräusch.
Die Behandlung folgt einem ganz bestimmten Schema. Bei effektivem Husten soll der oder die Betroffene lediglich zu weiterem Husten angeregt werden. Ist oder wird dasHusten ineffektiv, sollen zuerst 5 Rückenschläge mit Erfolgskontrolle nach jedem Schlag durchgeführt werden. Besteht die Symptomatik weiterhin, sollen 5 Heimlich-Manöver, ebenfallsmit Erfolgskontrollen durchgeführt werden. Diese Maßnahmen werden im Wechsel wiederholt, bis eine Besserung oder Bewusstlosigkeit eintritt. Bewusstlosigkeit ist in diesem Fall mit einem Atem-Kreislaufstillstand gleichzustellen.
Fallbeispiel
Um den Einstieg in das Thema Bolusgeschehen etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: Akute Atemnot, Bolusgeschehen
Ort: Mehrparteienhaus
Alarmzeit: 16:20 Uhr
Anrufer:in: Ehemann
Anzahl der betroffenen Personen: 1
Zusatzinfo:
74-jährige, weibliche Patientin
Akut aufgetretene Atemnot während des Essens
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes steht der Ehemann der Patientin vor dem Wohnhaus und weist euch den Weg in die Wohnung.
Die Lage ist wie folgt:
Im Esszimmer stützt sich die Patientin, um Luft ringend, an einer Stuhllehne ab
Der Ehemann erzählt, sie habe sich wohl beim Essen verschluckt
Zuerst habe sie noch gehustet, doch dann sei sie still geworden und panisch aufgestanden
Dieses Bild wurde mit der KI-Software DALL·E (OpenAI) erstellt. Es wurde automatisch generiert und dient ausschließlich illustrativen Zwecken.
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit Bolusgeschehen aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Messung des Blutzuckers (außer bei unklarer Bewusstlosigkeit) in diesem Fall hintangestellt.
x
Keine kritischen Blutungen
A
Atemwegeverlegt
Schleimhäute zyanotisch
Patientin kann nicht sprechen
Akutes A-Problem
B
Inspektorisch:
Keine Thoraxexkursionen
Gestaute Halsvenen sichtbar
Auskultatorisch:
Keine Atemgeräusche hörbar
Akutes B-Problem
C
Hautkolorit zyanotisch
Insgesamt schweißig
Recap-Zeit: 3 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses an der A. radialis:
Rhythmisch
Schwach tastbar
Tachykard bei 110/Minute
Blutdruck: 100/65 mmHg
Mittelbares C-Problem
D
Wach, panisch
GCS 11
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 2
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Keine Verletzungen ersichtlich
Symptome:
Akute Atemnot
Panik
Allergien / Infektionen: keine bekannt
Medikamente: Ramipril
Patientengeschichte: immer wieder Blutdruckprobleme
Letzte Mahlzeit: zu Beginn der Symptomatik vor etwa 8 Minuten
Ereignis: akut aufgetretene Atemnot nach Verschlucken
Risikofaktoren: keine
Kein E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Definition
Bolusgeschehen (auch Atemwegsverlegung genannt) bezeichnet eine teilweise oder vollständige Blockade der Atemwege, die den Luftfluss in die Lunge einschränkt oder verhindert. Im Fall des Bolusgeschehen ist die Aspiration eines Fremdkörpers ursächlich für die Verlegung. Eine Atemwegsverlegung kann auch von Schwellungen, Entzündungen oder anatomische Anomalien verursacht werden und zu Atemnot oder Erstickungsgefahr führen.
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Ursachen
Akzidentielle Aspiration von Fremdkörpern
Am häufigsten sind Kinder unter 3 und Menschen über 65 Jahren betroffen
Dysphagie (=Schluckstörung)
Bewusstseinstrübung
Info
Auch andere Krankheitsbilder können sekundär zu einer Atemwegsverlegung führen. Dazu gehören zum Beispiel die Anaphylaxie, Infektionen, Trauma, Karzinome und einige weitere.
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Pathophysiologie
Merke
Reminder: Physiologische Grundlagen
Der rechte Hauptbronchus weist einen steileren Winkel auf und hat einen größeren Durchmesser als der linke Hauptbronchus
Fremdkörper rutschen eher in die rechte Lunge
DurchSchleimhautreizung, (zum Beispiel durch einen Fremdkörper) werdenSchutzreflexe ausgelöst
Niesen (schützt die oberen Atemwege wie Nasenhöhle und Rachen) und Husten schützt die unteren Atemwege (Bronchien)
Aspiration von Fremdkörpern:
Nahrung, Erbrochenes, Spielzeuge und andere kleine Gegenstände können beim Verschlucken zu einer Verlegung der Atemwege führen
Betroffen davon sind vor allem Kinder und ältere Menschen
Der Fremdkörper kann je nach Größe an allen Stellen der Atemwege stecken bleiben und je nachdem größere oder weniger große Beschwerden verursachen
Dysphagie:
Schluckstörung, häufig infolge neurologischer Erkrankungen
Kann zu einer stillen Aspiration führen → kein Husten- oder Würgereflex wird ausgelöst
Bewusstseinstrübung:
Schutzreflexe wie Würgen und Husteneingeschränkt oder ausgefallen
Achtung
Eine Atemwegsverlegung / Atemwegsobstruktion kann auch die Folge von anderen Krankheitsbildern sein. Dazu gehören zum Beispiel Anaphylaxie, Asthma, COPD, Infektionen, Trauma oder Karzinome.
Arten der Aspiration
Flüssigkeitsaspiration:
Blut, Speichel, Flüssigkeiten beim Trinken
Massenaspiration:
Erbrochenes, Blutkoagel
Fremdkörperaspiration:
Bei Erwachsenen eher große Fremdkörper wie Nahrung oder Zahnprothesen
Bei Kindern hauptsächlich kleine Fremdkörper wie Erdnüsse oder Apfel- oder Karottenstücke
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Klinischer Eindruck
Je nachdem, ob es sich um eine vollständige oder eine partielle Verlegung der Atemwege handelt, äußern sich verschiedene Symptome.
Partielle Verlegung:
Bei einer partiellen Verlegung ist der Atemweg nicht vollständig verschlossen, sodass noch Luft an dem Fremdkörper oder an der Schwellung vorbeiströmen kann. Dennoch handelt es sich hier um ein akutes Krankheitsbild.
Symptome:
Atemnot
Stridor: ein ziehendes / pfeifendes Geräusch, welches beim Ein- und / oder Ausatmen auftritt
Husten
Schwierigkeiten beim Sprechen
Angst / Unruhe: aufgrund der erschwerten Atembedingungen und der beginnenden Hypoxie sind Betroffene gestresst und panisch
Tachypnoe
Zyanose
Achtung
Aus einer partiellen Verlegung kann jederzeit eine vollständige Atemwegsverlegung entstehen!
Vollständige Verlegung:
Bei einer vollständigen Atemwegsverlegung handelt es sich um ein Notfallbild mit akutem Handlungsbedarf. Hier ist der Atemfluss vollständig blockiert.
Symptome:
Atemnot
Kein Husten oder Sprechen möglich
Zyanose
Panik
Inverse Atmung (Hebung des Thorax bei Exspiration und Einziehen des Thorax bei Inspiration)
Bewusstlosigkeit
Achtung
Bewusstlosigkeit infolge einer Atemwegsverlegung ist mit einem Kreislaufstillstand gleichzusetzen.
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Diagnostik
Aktuelle Anamnese
Eigenanamnese:
Eine Eigenanamnese wird durchgeführt, wenn die betroffene Person in der Lage ist, selbst Auskunft über ihren aktuellen Zustand zu erteilen.
S (Symptome): plötzlicher Beginn, akute Atemnot, Unfähigkeit zu husten, kein Sprechen möglich, Panik
Erste-Hilfe-Maßnahmen (Heimlich Manöver) bereits erfolgt?
L (Letzte…): Mahlzeit vor einigen Minuten
E (Ereignis): Verschlucken
R (Risiko)
S (Schwangerschaft)
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei Verdacht auf ein Bolusgeschehen abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Fremdanamnese:
Eine Fremdanamnese wird durchgeführt, wenn die betroffene Person nicht selbst fähig ist, Auskunft über den eigenen Zustand zu erteilen (z.B. Bewusstlosigkeit, vollständige Atemwegsverlegung, Demenz).
Genauer Vorfall (z.B. von Insekt gestochen worden, Einsetzen der Beschwerden beim Essen)
Zustand vor Bewusstlosigkeit (z.B. Husten, Fieber, Halsschmerzen)
Erste-Hilfe-Maßnahmen (Heimlich-Manöver)
Info
Nach der Durchführung eines Heimlich-Manövers, muss die betroffene Person hospitalisiert werden, auch wenn sich die Symptomatik gebessert hat. Aufgrund der Krafteinwirkung auf die Bauchorgane kann es zu Rupturen kommen.
Haut (z. B. Blässe, Kaltschweißigkeit, Zyanose, Marmorierung → Schock/Hypoxie)
Palpation:
Von außen tastbare Schwellung oder Ausbuchtung der Trachea
Perkussion:
Je nach Art und Ausmaß der Atemwegsverlegung kann der Klopfschall hypersonor (=hohl) oder gedämpft sein
Auskultation:
Pfeifen, Giemen, Stridor, fehlende Atemgeräusch
Achtung
Einseitige Geräusche sind beiIntubation mit gleichzeitiger Atemwegsverlegung normal! In diesem Fall ist eine Lungenhälfte durch den Bolus blockiert und lässt keine Luft hindurch.
Info
Auf Differenzialdiagnosen wie beispielsweise Anaphylaxie und Herzinfarkt und die dafür typischen Symptome achten!
Tipp
Perkussion in der Präklinik:
Insbesondere im präklinischen Setting kann es aufgrund der Umgebungsgeräusche schwierig sein, die Auskultaion oder Perkussion adäquat interpretieren zu können. Nehmt euch ausreichend Zeit und weist eure Kolleg:innen sowie andere am Einsatz beteiligte Personen darauf hin, leise zu sein, um einen genauen Befund erheben zu können.
Erfahrungsgemäß wird die Perkussion jedoch vor Ort fast gänzlich vernachlässigt, da die fehlende Übung am Einsatz beteiligter Personen die Behandlung unnötig verzögern würde.
Vitalparameter:
Abhängig vom Fortschreiten der Symptomatik
Niedrige Sauerstoffsättigung
Veränderte Atemfrequenz, kann von Bradypnoe, über Tachypnoe bis Apnoe reichen
Zuerst Tachykardie, dann Bradykardie
Hypotonie
Fieber ist möglich
Verlängerte Rekapillarisierungszeit
Weitere Diagnostik:
Laryngoskop zur Inspektion der unteren Atemwege und gegebenenfalls Entfernen eines Fremdkörpers mittels Magill-Zange
Achtung
Die Freigabe, das Laryngoskop für diese Zwecke zu verwenden, ist abhängig von internen Vorgaben
Das Laryngoskop sollte nur verwendet werden, wenn es ausreichend beherrscht wird
Bei Verdacht auf eine Schwellung als Ursache für die Atemwegsverlegung sowie bei Kindern, ist besondere Vorsicht geboten.Aufgrund der bereits gereizten Schleimhaut bzw. der empfindlichen Schleimhaut bei Kindern besteht hier ein größeres Risiko für Komplikationen
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Therapie
1. Ersteinschätzung
Patient:in kann effektiv husten:
Zum Husten ermuntern
Engmaschige Überwachung
Auf drohende Verschlechterung achten
Lagerung nach Wunsch der Person meist mit aufrechter Oberkörper bevorzugt
Patient:in kann nicht (mehr) effektiv husten:
Altersgerechtes Maßnahmen zur Fremdkörperentfernung einleiten
2. Maßnahmen nach Altersgruppe
Säugling (< 1 Jahr):
5 kräftige Rückenschläge (zwischen die Schulterblätter)
Wenn kein Erfolg → 5 Thoraxkompressionen
Anschließend Wechsel zwischen Rückenschlägen und Bruststößen
Fortführen bis Fremdkörper entfernt oder Säugling bewusstlos wird
Kind (> 1 Jahr) und Erwachsene:
5 kräftige Rückenschläge
Wenn kein Erfolg → 5abdominelle Kompressionen (Heimlich-Manöver)
Anschließend Wechsel zwischen 5 Rückenschlägen und 5 abdominellen Kompressionen
Fortführen bis Fremdkörper entfernt oder Patient:in bewusstlos wird
Mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter schlagen. Wichtig ist es, auf eine Vorwärtsbewegung zu achten.
Dominante Faust mit der Daumenseite nach innen zwischen Brustbein und Bauchnabel legen. Mit der anderen Hand umschließen und kräftig nach ventral und kranial ziehen.
3. Patient:in wird bewusstlos
Laryngoskopie und Extraktionsversuch des Fremdkörpers mit Magill-Zange (besondere Vorsicht bei Kindern)
Bei Nichterfolg → Reanimation
Defibrillator/Monitor so früh wie möglich anschließen
Ggf. Absaugen von Sekreten und kleineren Fremdkörpern
Info
Mithilfe des Tubus kann ein aspirierter Fremdkörper in einen der Hauptbronchien geschoben werden, um so zumindest eine einseitige Beatmung zu ermöglichen.
Weitere Maßnahmen
Koniotomie:
Indikation
Ultima ratio bei vollständiger Atemwegsverlegung oder „cannot intubate, cannot ventilate“-Situation
Akut lebensbedrohliche Hypoxie, bei der nichtinvasive Maßnahmen und supraglottische Atemwegshilfen versagen oder nicht anwendbar sind
Typische Ursachen: massive Fremdkörperaspiration im oberen Atemweg, Trauma mit Obstruktion, Anaphylaxie mit glottischem Ödem, Verlegung durch Tumorblutung
Durchführung:
Lagerung: Kopf überstrecken, falls möglich (Optimierung der Landmarken)
Identifikation: Membrana cricothyroidea (zwischen Schildknorpel und Ringknorpel) palpieren
Antiseptik: Kurze Desinfektion, kein Zeitverlust bei vitaler Indikation
Inzision:
Horizontale Haut- und Membraninzision über dem Lig. cricothyroideum
Länge ca. 1,5–2 cm
Eröffnung: Aufspreizen mit Schere, Klemme oder Tubusmandrin
Einbringen: Endotrachealtubus (z.B. ID 5,0–6,0 bei Erwachsenen) oder spezieller Koniotomiekanüle
Bei einer Atemwegsverlegung ist eine medikamentöse Therapie normalerweise nicht erforderlich. Falls andere Krankheitsbilder sekundär eine Atemwegsverlegung verursachen, kann eine Therapie beispielsweise mit Adrenalin oder ß2-Sympathomimetika erforderlich sein.
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Besondere Situationen
Bolusgeschehen bei Kindern:
Bei Kindern sind die Atemwege enger als bei Erwachsenen. Zudem haben sie eine verhältnismäßig große Zunge. Bei Bewusstlosigkeit muss der Kopf weniger überstreckt werden und bei Säuglingen muss der Kopf in Neutralposition gebracht werden.
Neutralposition (=Schnüffelstellung) Durch den großen Hinterkopf bei Säuglingen kann es zu einem Abknicken der Atemwege in Rückenlage kommen. Um eine Atemkontrolle durchzuführen müssen Mundöffnung und Körperachse in einem rechten Winkel zueinander stehen.
Der Kehlkopf liegt bei Kindern zudem höher und weiter vorne.Des Weiteren ist ihre Atemhilfsmuskulatur weniger gut ausgeprägt und sie ermüden schneller. Man kann man bei Atemnot vor allem juguläre und interkostale Einziehungen beobachten. Durch einen erhöhten Sauerstoffbedarf kommt es schneller zur Dekompensation. Bei Säuglingen darf kein Heimlich-Manöver durchgeführt werden, stattdessen sollen Thoraxkompressionen erfolgen.
Die Daumen werden am unteres Drittel des Sternums nebeneinander gelegt und der Brustkorb des Säuglings mit den Händen umfasst. Die Kompression wird nach dorsal/kranial durchgeführt.
Bei Kindern kann es zur Aspiration von Knopfbatterien von Spielzeugen kommen. Sollte der Verdacht bestehen, dass ein Kind eine Knopfbatterie verschluckt haben könnte, muss, auch wenn keine Beschwerden vorliegen, unbedingt ein Krankenhaus aufgesucht werden.
Knopfbatterien bleiben vorwiegend bei Kindern leicht in den Schleimhautfalten des Ösophagus stecken. Hier schließt sich möglicherweise ein elektrischer Kreis oder es kommt zu einer chemischen Reaktion. Das kann zu Verätzungen und Blutungen der Schleimhaut führen.
Honig als präklinische Maßnahme
Honig kann das Fortschreiten der Verätzung verlangsamen, aber nicht verhindern
Einsatz wegen fehlender Alternativen und guter Verfügbarkeit in Haushalten
Voraussetzungen:
Kind älter als 1 Jahr (CAVE: Botulismusrisiko bei Säuglingen!)
Lithium-Batterieoder Typ unbekannt
Ingestion < 12 Stunden
Keine Schluckstörung / kein Aspirationsrisiko
Dosierung:
10 ml Honig (≈ 2 Teelöffel) alle 10 Minuten oral verabreichen
maximal 6 Gaben
Atemwegsverlegung infolge von Trauma:
Weichteilverletzungen, knöcherne Verletzungen, Aspirationsgefahr, Blutungen oder Verletzungen der Atmungsorgane können eine sofortige Intubation erforderlich machen.
Merke
Strangulation oder direkte Krafteinwirkung auf den Kehlkopf sind besonders gefährlich
Ausgeschlagene Zähne können aspiriert werden
Anaphylaxie:
Eine Anaphylaxie ist eine akut auftretende Entzündungsreaktion auf Allergene. Dabei werden Mediatoren wie Histamin, Leukotriene und Prostaglandine aus Mastzellen und basophilen Granulozyten freigesetzt. Die Gewebepermeabilität ist erhöht und es kommt zu einer Umverteilung des Blutvolumens. Schwellung der Atemwege ist möglich.
Infektionen:
Verschiedene Atemwegerkrankungen können durch Schwellung zu Atemwegsverlegungen führen. Eine Epiglottitis(seltenes Krankheitsbild seit der Impfung gegen H. influenzae Typ B, verursacht eine akute Laryngopharyngitis mit Schwellung der Epiglottis) ist besonders gefährlich, da sie abrupt zu einer vollständigen Atemwegsverlegung führen kann.
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Weitere Therapie im klinischen Setting
Nach einem abgelaufenen Bolusgeschehen ist es wichtig, einen Verbleib von Fremdkörperresten in der Lunge auszuschließen, da es sonst zu Infektionen kommen kann.
Versorgung in der Notaufnahme
Wurde Patient:innen mit einem Heimlich-Manöver behandelt, ist es wichtig, im Nachhinein mögliche Rupturen der Bauchorgane mittels Ultraschall auszuschließen.
Radiologische Kontrolle:
In vielen Fällen wird ein Röntgen-Thoraxangefertigt. Oftmals sind verschluckte Objekte nicht röngtendicht und die Aufnahme liefert keinen Aufschluss. Dennoch können Überblähungen sichtbar sein. Ein unauffälliger Röntgen-Thorax schließt eine Fremdkörperasipiration nicht aus.
Fremdkörperentfernung:
Liegt ein Fremdkörper zu tief, um ihn abzusaugen oder mittels Magill-Zange zu entfernen, wird eine Entfernung mittels Bronchoskopiebevorzugt. Hierbei ist eine Dringlichkeitseinschätzung wichtig, da Nüchternheit das Aspirationsrisiko verringert. Bei akuten Ereignissen, wie einem Fremdkörper in den oberen Atemwegen (<24 h) mit begleitender Dyspnoe, sollte unmittelbar eine Entfernung erfolgen. Im subakuten (>24 h) oder chronischen (>2 Wochen) Verlauf sollte auf Nüchternheit geachtet werden. Prinzipiell gilt, dass ein aspirierter Fremdkörper baldmöglichst entfernt werden sollte.
Figure out, Kashif M, Talib Hashmi HR, Khaja M. Early Recognition of Foreign Body Aspiration as the Cause of Cardiac Arrest. Case Rep Crit Care. 2016;2016:1329234. doi: 10.1155/2016/1329234. Epub 2016 Feb 23. PMID: 27006837; PMCID: PMC4781940.
Fremdkörperentfernung aus dem rechten und linken Hauptbronchus mittels einer Bronchoskopie
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Transport
Lagerung
Bei Bewusstsein
Aufrechter Oberkörper (90°)
Bei Bewusstlosigkeit
Stabile Seitenlage, wenn keine Wirbelsäulenverletzung vorliegt
Rückenlage mit Esmarch-Handgriff oder Freihalten der Atemwege mittels Naso- oder Oropharyngealtuben
Überwachung:
Kontinuierliche Überwachung, ob Veränderungen im Atemmuster auftreten
Monitoring:
Sauerstoffsättigung (SpO2) und gegebenenfalls Kapnographie (EtCO2)
Herzfrequenz
Tipp
Antizipation: Immer auf eine Lageänderung vorbereitet sein!
Wahl des Zielkrankenhauses
Die Wahl des Zielkrankenhauses ist abhängig vom individuellen Fall. Primär wird eine internistische Notaufnahme benötigt. Das Zielkrankenhaus sollte auch über eine chirurgische Abteilung verfügen, da nach einem Heimlich-Manöver Organschäden auftreten können.
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Prüfungswissen
Zur Zusammenfassung hier die Hard Facts, die bei der Examensvorbereitung oder im Einsatz helfen können:
Ursachen:
Aspiration von Fremdkörpern
Pathophysiologie:
Fremdkörper rutschen häufig in den rechten Hauptbronchus, da dieser steiler verläuft
Betroffen sind besonders Kinder und ältere Menschen
Nach erfolgreichem Heimlich-Manöver →Hospitalisieren
Bei Bewusstlosigkeit:CPR 30:2, sichtbaren Fremdkörper entfernen, Atemweg sichern
Ultima ratio:Koniotomie bei „cannot intubate, cannot ventilate“
Therapieleitfaden:
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Quellen
LPN - Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin: Patientenversorgung und spezielle Notfallmedizin. S+K, 6. Auflage. ISBN: 978-3-96461-011-9
Wetsch, Wolfgang A. et al: Kurzlehrbuch Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. 3. Auflage: Thieme, 2024, ISBN: 978-3132456624
Zuletzt aktualisiert am 11.03.2026
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