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Fremdkörperaspiration (NotSan)

Bolus, Verschlucken, Bolusgeschehen
34 Minuten Lesezeit

Eine Fremdkörperaspiration bezeichnet das Eindringen von Nahrung oder eines anderen Fremdkörpers in die Atemwege, wodurch eine partielle oder vollständige Atemwegsverlegung entstehen kann.

Bei effektivem Husten wird die betroffene Person zum kräftigen Weiterhusten aufgefordert und kontinuierlich beobachtet. Ist der Husten ineffektiv, werden bis zu fünf Rückenschläge durchgeführt. Anschließend folgen bei Säuglingen bis zu fünf Thoraxkompressionen und bei Kindern ab einem Jahr sowie Erwachsenen bis zu fünf Oberbauchkompressionen. 

Die Maßnahmen werden abwechselnd wiederholt, bis die Atemwegsverlegung beseitigt ist oder die Person bewusstlos wird. Bei Bewusstlosigkeit und fehlender oder nicht normaler Atmung wird unverzüglich mit der Reanimation begonnen. 

Ein Fremdkörper darf nur aus dem Mund entfernt werden, wenn er eindeutig sichtbar ist. Blindes Auswischen ist zu vermeiden.

Um den Einstieg in das Thema Fremdkörperaspiration etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.

Das Szenario

Einsatzmeldung:

  • Stichwort: Akute Atemnot, Fremdkörperaspiration
  • Ort: Mehrparteienhaus
  • Alarmzeit: 16:20 Uhr
  • Anrufer:in: Ehemann
  • Anzahl der betroffenen Personen: 1
  • Zusatzinfo:
    • 74-jährige, weibliche Patientin
    • Akut aufgetretene Atemnot während des Essens

Lageeinweisung vor Ort:

Beim Eintreffen des Rettungsdienstes steht der Ehemann der Patientin vor dem Wohnhaus und weist euch den Weg in die Wohnung. 

Die Lage ist wie folgt:

  • Im Esszimmer stützt sich die Patientin, um Luft ringend, an einer Stuhllehne ab
  • Der Ehemann erzählt, sie habe sich wohl beim Essen verschluckt
  • Zuerst habe sie noch gehustet, doch dann sei sie still geworden und panisch aufgestanden
Fallbeispiel: Bolusgeschehen (RD)

Ersteindruck nach xABCDE-Schema

Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit Fremdkörperaspiration aussehen könnte.

Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Messung des Blutzuckers (außer bei unklarer Bewusstlosigkeit) in diesem Fall hintangestellt.

x
  • Keine kritischen Blutungen
A
  • Atemwege verlegt
  • Schleimhäute zyanotisch
  • Patientin kann nicht sprechen

Akutes 
A-Problem

B
  • Inspektorisch:
    • Keine Thoraxexkursionen
    • Gestaute Halsvenen sichtbar
  • Auskultatorisch:
    • Keine Atemgeräusche hörbar
  • Palpatorisch:
    • Thorax insgesamt stabil
  • SpO2: 81 %

Akutes 
B-Problem

C
  • Hautkolorit zyanotisch
  • Insgesamt schweißig
  • Recap-Zeit: 3 Sekunden
  • Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
  • Palpation des Pulses an der A. radialis:
    • Rhythmisch
    • Schwach tastbar
    • Tachykard bei 110/Minute
  • Blutdruck: 100/65 mmHg

Mittelbares 
C-Problem

D
  • Wach, panisch
  • GCS 12
    • Öffnen der Augen: 4
    • Beste verbale Reaktion: 2 (aufgrund des Fremdkörpers)
    • Beste motorische Reaktion: 6
  • Pupillenkontrolle:
    • Isokor
    • Mittelweit
    • Lichtreagibel

Kein 
D-Problem

E
  • Keine Verletzungen ersichtlich
  • Symptome:
    • Akute Atemnot
    • Panik
  • Allergien / Infektionen: keine bekannt
  • Medikamente: Ramipril
  • Patientengeschichte: immer wieder Blutdruckprobleme
  • Letzte Mahlzeit: zu Beginn der Symptomatik vor etwa 8 Minuten
  • Ereignis: akut aufgetretene Atemnot nach Verschlucken
  • Risikofaktoren: keine

Kein 
E-Problem

 Achtung

Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.

 Definition
Fremdkörperaspiration

Bei einer Fremdkörperaspiration gelangt ein eingeatmeter oder beim Schlucken fehlgeleiteter Fremdkörper in die Atemwege. Abhängig von seiner Lage kann er im Larynx, in der Trachea oder im Bronchialsystem verbleiben, anstatt über den Ösophagus in den Verdauungstrakt zu gelangen.

  • Akzidentielle Aspiration von Fremdkörpern
    • Am häufigsten sind Kinder unter 3 und Menschen über 65 Jahren betroffen
  • Dysphagie (=Schluckstörung)
  • Bewusstseinstrübung
 Info

Auch andere Krankheitsbilder können sekundär zu einer Atemwegsverlegung führen. Dazu gehören zum Beispiel die Anaphylaxie, Infektionen, Trauma, Karzinome und einige weitere.

 Merke
Trachea
Trachea
Reminder: Physiologische Grundlagen
  • Aufbau der Atemwege: Die oberen Atemwege reichen von Nase und Mund über den Rachen bis zum Kehlkopf (Larynx). Die unteren Atemwege beginnen mit der Luftröhre (Trachea) und verzweigen sich in die Bronchien
  • Engste Stelle: Bei Erwachsenen ist die Stimmritze (Glottis) die engste Stelle der Atemwege. Bei Kleinkindern ist zusätzlich der Raum unterhalb der Stimmritze (subglottisch) sehr eng
  • Rechter Hauptbronchus: Er verläuft steiler und hat einen größeren Durchmesser als der linke Hauptbronchus. Fremdkörper gelangen deshalb häufiger in die rechte Lunge
  • Schluckakt: Beim Schlucken verschließt der Kehldeckel (Epiglottis) den Kehlkopfeingang. Gleichzeitig schließt sich die Stimmritze und die Atmung setzt kurz aus
  • Schutzreflexe: Husten schützt die unteren Atemwege, Niesen die oberen Atemwege. Würgen und Schlucken verhindern das Eindringen von Material in den Kehlkopf
  • Laryngospasmus: Reflektorischer Verschluss der Stimmritze bei Reizung der Kehlkopfschleimhaut. Er schützt vor Aspiration, kann die Atemwegsverlegung aber selbst verstärken

Pathophysiologische Mechanismen

  • Akzidentielle Aspiration: Sprechen, Lachen oder Ablenkung beim Essen, unzureichendes Kauen (z. B. schlecht sitzende Zahnprothese) → Verschluss des Kehlkopfeingangs unvollständig → Bolus gelangt in Larynx oder Trachea
  • Kinder: Erkunden von Gegenständen mit dem Mund, fehlende Backenzähne → Nahrung wird unzureichend zerkleinert → Aspiration bei engen Atemwegen → schnelle und ausgeprägte Verlegung
  • Dysphagie (Schluckstörung): Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson oder Demenz → gestörter Schluckakt → Aspiration, teils als stille Aspiration ohne Husten- oder Würgereflex
  • Bewusstseinseintrübung: Alkohol, Intoxikation, Sedierung oder Krampfanfall → Schutzreflexe ↓ → Aspiration von Fremdkörpern, Erbrochenem oder Mageninhalt
 Achtung

Eine Atemwegsverlegung kann auch die Folge anderer Krankheitsbilder sein. Dazu gehören zum Beispiel Anaphylaxie, Asthma, COPD, Infektionen, Trauma oder Karzinome.

Mechanismen der Atemwegsverlegung

Ventilstenose (partielle Verlegung): 

Luft strömt beim Einatmen am Fremdkörper vorbei, beim Ausatmen verengen sich die Bronchien und der Auslass ist eingeschränkt → Air Trapping (Luftfalle) → Überblähung des betroffenen Lungenabschnitts

Komplette Verlegung: 

Keine Belüftung distal des Fremdkörpers → Restluft wird resorbiert → Atelektase (Zusammenfallen des betroffenen Lungenareals)

Fremdkörperaspiration
Fremdkörperaspiration

Lage des Fremdkörpers

Wie bedrohlich eine Fremdkörperaspiration ist, hängt vor allem davon ab, wo der Fremdkörper stecken bleibt.

LageFolgeTypisches klinisches Bild
Kehlkopf (Larynx)Häufig komplette Verlegung, zusätzlich Laryngospasmus möglichKein Sprechen, kein effektives Husten, inspiratorischer Stridor oder Stille, rasche Zyanose
Luftröhre (Trachea)Partielle oder komplette Verlegung beider LungenStridor, biphasische Atemgeräusche, ausgeprägte Atemnot
HauptbronchusMeist partielle Verlegung einer Lungenseite, häufiger rechtsHusten, einseitig abgeschwächtes Atemgeräusch, einseitiges Giemen, Sprechen meist möglich
Periphere BronchienVerlegung eines kleinen LungenabschnittsOft wenig Symptome, später Husten, Fieber, Pneumonie

Akute Folgen der Atemwegsverlegung

 Info

Auf eine Atemwegsverlegung reagiert der Organismus zunächst mit Schutzreflexen und sympathischer Aktivierung. Bleibt die Verlegung bestehen, kommt es im weiteren Verlauf durch Sauerstoffmangel zu Bewusstlosigkeit und unbehandelt zum hypoxischen Kreislaufstillstand.

  • Reflektorische Reaktion: Reizung der Schleimhaut → Hustenstöße, Würgen, ggf. Laryngospasmus
  • Sympathische Aktivierung: Atemnot und Angst → Panik, Tachykardie, Tachypnoe, Blutdruckanstieg, Kaltschweißigkeit
  • Hypoxämie und Hyperkapnie: Fehlender Gasaustausch → SpO₂ ↓, CO₂ ↑ → Zyanose, respiratorische Azidose, Bewusstseinseintrübung
  • Dekompensation: Anhaltende Hypoxie des Herzmuskels → Bradykardie → Kreislaufstillstand, meist mit nicht schockbarem Rhythmus
    • Bei Kindern ist die Bradykardie ein frühes Zeichen der drohenden Dekompensation

Postobstruktives Lungenödem

Das postobstruktive Lungenödem (Negativdruck-Lungenödem) ist eine seltene, jedoch potenziell lebensbedrohliche Komplikation einer Atemwegsverlegung.

Bei dem Versuch, gegen den verschlossenen Atemweg einzuatmen, entsteht im Brustkorb ein stark negativer Druck. Dadurch strömt vermehrt Blut in die Lungengefäße und der Druck in den Lungenkapillaren steigt. Flüssigkeit tritt in das Interstitium und in die Alveolen über.

  • Forcierte Einatmung gegen Verlegung → intrathorakaler Druck↓ → Druck in den Lungenkapillaren ↑ → Flüssigkeitsaustritt in die Alveolen → Lungenödem
 Info

Das postobstruktive Lungenödem tritt häufig erst nach Beseitigung der Verlegung auf, innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden. Besonders betroffen sind junge, kräftige Patient:innen, die einen hohen Unterdruck erzeugen können. Typisch sind erneute Atemnot, feuchte Rasselgeräusche, schaumiges Sekret und ein Abfall der SpO₂.

Weitere Komplikationen sind Schleimhautverletzungen und Schwellungen durch den Fremdkörper oder Entfernungsversuche, eine Aspirationspneumonie sowie Verletzungen der Bauchorgane nach Oberbauchkompressionen.

 Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme einer Fremdkörperaspiration
  • Partielle oder komplette Verlegung der Atemwege → Hypoxie und Hyperkapnie
  • Partielle Verlegung → Übergang in eine komplette Verlegung jederzeit möglich
  • Ventilstenose → Air Trapping und Überblähung
  • Komplette Verlegung eines Bronchus → Atelektase
  • Bewusstseinsverlust → Ausfall der Schutzreflexe und weitere Aspiration
  • Anhaltende Hypoxie → Bradykardie bis hypoxischer Kreislaufstillstand
  • Nach Beseitigung der Verlegung → Gefahr eines postobstruktiven Lungenödems

Je nachdem, ob es sich um eine vollständige oder eine partielle Verlegung der Atemwege handelt, äußern sich verschiedene Symptome.

MerkmalPartielle VerlegungVollständige Verlegung
LuftstromNoch vorhandenKein Luftstrom
AtemnotVorhandenVorhanden (schwer ausgeprägt)
GeräuscheStridor (pfeifend/ziehend)Keine Atemgeräusche
HustenMöglichNicht möglich
SprechenEingeschränktNicht möglich
AllgemeinzustandAngst, UnruheStarke Panik
AtmungTachypnoeInverse Atmung möglich
HautfarbeGgf. ZyanoseAusgeprägte Zyanose
BewusstseinMeist erhaltenGefahr der Bewusstlosigkeit
 Info
Einzelne Symptome können sowohl bei partieller als auch bei vollständiger Atemwegsverlegung auftreten und sind daher immer im Gesamtkontext zu beurteilen.
 Merke
Aus einer partiellen Verlegung kann jederzeit eine vollständige Atemwegsverlegung entstehen!
 Achtung

Bewusstlosigkeit infolge einer Atemwegsverlegung stellt eine akute lebensbedrohliche Situation dar und führt unbehandelt rasch zum Kreislaufstillstand.

 Merke

er stärkste Hinweis auf eine Fremdkörperaspiration ist ein beobachtetes Ereignis: Die Beschwerden setzen plötzlich während des Essens, Trinkens oder Spielens ein. Da Betroffene oft nicht sprechen können, ist die Fremdanamnese durch Angehörige oder Zeug:innen häufig entscheidend.

Anamnese

  • S (Symptome): Plötzlich einsetzende Atemnot, Husten oder Unfähigkeit zu husten, Unfähigkeit zu sprechen, Stridor, Panik, Griff an den Hals
  • A (Allergien, Infektionen): Bekannte Allergien und Kontakt zu einem Allergen als Hinweis auf eine Anaphylaxie. Fieber oder Infekt als Hinweis auf eine infektiöse Ursache
  • M (Medikation): Für das Akutereignis meist nicht relevant. Sedierende Medikamente können die Schutzreflexe einschränken, Antikoagulanzien erhöhen das Blutungsrisiko bei Entfernungsversuchen
  • P (Patientengeschichte): Bekannte Schluckstörung, neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson oder Demenz, Zahnprothese, frühere Aspirationsereignisse
  • L (Letzte Mahlzeit): Art der Nahrung und Zeitpunkt, z. B. Fleischstück, Nüsse, Weintrauben oder Bonbons
  • E (Ereignis): Hergang, Zeitpunkt, Art und Größe des Fremdkörpers, bereits durchgeführte Erste-Hilfe-Maßnahmen wie Rückenschläge oder Oberbauchkompressionen
  • R (Risiko): Alkohol oder Intoxikation, Bewusstseinsstörung, Kleinkind im Haushalt, Zugang zu Knopfbatterien oder Magneten
  • S (Schwangerschaft): Bei Schwangeren werden statt Oberbauchkompressionen Thoraxkompressionen durchgeführt
 Tipp
Nutze Schemata

Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei Verdacht auf eine Fremdkörperaspiration abgefragt werden sollten und vorliegen könnten. 

Körperliche Untersuchung

Inspektion:

  • Erstickungszeichen: Betroffene greifen sich mit einer oder beiden Händen an den Hals
  • Mundhöhle und Rachen: Sichtbarer Fremdkörper, Erbrochenes, Blut oder Schwellung
    • Ein Fremdkörper wird nur entfernt, wenn er eindeutig sichtbar ist. Blindes Auswischen ist zu vermeiden
  • Atemarbeit: Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, juguläre und interkostale Einziehungen, Nasenflügeln bei Kindern
  • Thoraxexkursionen: Seitendifferent, abgeschwächt oder fehlend. Inverse Atmung (Schaukelatmung) als Zeichen einer kompletten Verlegung
  • Haut und Schleimhäute: Zyanose, Blässe, Kaltschweißigkeit oder Marmorierung als Zeichen der Hypoxie und sympathischen Aktivierung
  • Halsvenen: Gestaute Halsvenen durch den erhöhten Druck im Brustkorb bei forcierter Atemarbeit
  • Bewusstseinslage: Unruhe und Panik, bei zunehmender Hypoxie Bewusstseinseintrübung

Palpation:

  • Hals und Luftröhre: Tastbare Schwellung oder Ausbuchtung der Trachea, Hautemphysem (Knistern unter der Haut) als Hinweis auf eine Verletzung der Atemwege
  • Thorax: In der Regel stabil
  • Puls: Initial tachykard, bei Dekompensation bradykard
  • Rekapillarisierungszeit: Verlängert bei fortgeschrittener Hypoxie und Kreislaufbeeinträchtigung

Perkussion:

  • Hypersonorer Klopfschall: Über dem betroffenen Lungenabschnitt bei Air Trapping (Ventilstenose)
  • Gedämpfter Klopfschall: Bei Atelektase oder Sekretverhalt
    • Präklinisch ist die Perkussion wegen der Umgebungsgeräusche oft schwer zu beurteilen und darf die Behandlung nicht verzögern

Auskultation:

  • Inspiratorischer Stridor: Hinweis auf eine Verlegung im Bereich von Kehlkopf oder oberer Trachea
  • Biphasischer Stridor: Hinweis auf eine Verlegung in der Trachea
  • Einseitig abgeschwächtes oder fehlendes Atemgeräusch: Hinweis auf einen Fremdkörper im Hauptbronchus, häufiger rechts
  • Einseitiges Giemen: Hinweis auf eine partielle Verlegung eines Bronchus
  • Fehlendes Atemgeräusch beidseits (stille Lunge): Alarmzeichen einer kompletten Verlegung
 Achtung

Ein einseitig fehlendes Atemgeräusch nach Intubation spricht nicht automatisch für eine Fehllage des Tubus. Ein Fremdkörper, der durch die Intubation oder Beatmung in einen Hauptbronchus vorgeschoben wurde, kann eine Lungenhälfte blockieren.

 Tipp
Auskultation und Perkussion in der Präklinik

Insbesondere im präklinischen Setting kann es aufgrund der Umgebungsgeräusche schwierig sein, Befunde adäquat zu interpretieren. Nehmt euch ausreichend Zeit und weist eure Kolleg:innen sowie andere am Einsatz beteiligte Personen darauf hin, leise zu sein.

Vitalparameter

ParameterTypischer Befund / VeränderungPathophysiologischer Hintergrund
HerzfrequenzTachykardie, bei Dekompensation BradykardieSympathikusaktivierung durch Atemnot und Angst. Bei anhaltender Hypoxie des Herzmuskels Abfall der Herzfrequenz, bei Kindern früh
BlutdruckInitial normal bis erhöht, im Verlauf HypotonieSympathische Aktivierung mit Vasokonstriktion. Bei Dekompensation Versagen der Kreislaufregulation
AtemfrequenzTachypnoe, im Verlauf Bradypnoe bis ApnoeGesteigerte Atemarbeit gegen das Hindernis. Bei Erschöpfung und Hypoxie Abfall der Atemfrequenz
SauerstoffsättigungErniedrigtFehlender Gasaustausch distal der Verlegung. Bei partieller Verlegung kann die SpO₂ anfangs noch normwertig sein
etCO₂ (Kapnographie)Erhöht oder fehlende KurveHypoventilation mit CO₂-Anstieg. Bei kompletter Verlegung kein Ausatemstrom messbar
TemperaturMeist normalFieber spricht für eine verschleppte Aspiration mit Pneumonie oder eine infektiöse Ursache der Atemwegsverlegung
BlutzuckerMeist normalMessung bei Bewusstseinsstörung zur Abgrenzung anderer Ursachen

Einschätzung des Schweregrades

Entscheidend für das weitere Vorgehen ist die Frage: Ist das Husten effektiv? Die Unterschiede zwischen partieller und vollständiger Verlegung sind im Abschnitt Klinischer Eindruck tabellarisch dargestellt.

  • Vigilanz: Beurteilung des Bewusstseinszustands, beispielsweise mittels GCS-Score. Eine zunehmende Eintrübung ist ein Zeichen der Dekompensation
  • Hustenqualität: Kräftige, laute Hustenstöße sprechen für effektives Husten. Leises, stimmloses oder fehlendes Husten spricht für ineffektives Husten
  • Sprechfähigkeit: Ganze Sätze, einzelne Wörter oder keine Antwort möglich
  • Atemarbeit und Atemgeräusche: Zunehmender Stridor, Einziehungen und Erschöpfung als Zeichen der Verschlechterung
 Tipp

Die Einschätzung ist eine Momentaufnahme. Aus einer partiellen Verlegung kann jederzeit eine vollständige Verlegung werden. Hustenqualität, Sprechfähigkeit und Vigilanz deshalb kontinuierlich neu beurteilen.

Weiterführende apparative Diagnostik

  • Kapnographie:
    • Fehlende Kurve: Bei kompletter Verlegung oder Apnoe
    • Erhöhter etCO₂-Wert: Bei Hypoventilation
    • Verlaufskontrolle: Überprüfung der Ventilation nach Fremdkörperentfernung oder Atemwegssicherung
  • 12-Kanal-EKG:
    • Tachykardie: Typisches Zeichen der sympathischen Aktivierung
    • Bradykardie: Zeichen der hypoxiebedingten Dekompensation und Warnsignal für einen drohenden Kreislaufstillstand
    • Rhythmusstörungen und Ischämiezeichen: Durch Hypoxie und Azidose möglich, insbesondere bei vorbestehender Herzerkrankung
  • Direkte Laryngoskopie: Inspektion von Rachen, Kehlkopfeingang und Stimmritze bei bewusstlosen Patient:innen. Ein sichtbarer Fremdkörper kann mit der Magill-Zange entfernt werden
 Tipp

Die direkte Laryngoskopie ist Diagnostik und Therapie zugleich. Fremdkörper unterhalb der Stimmritze sind damit nicht sichtbar. Ihr Nachweis und ihre Entfernung erfolgen in der Klinik, in der Regel mittels Bronchoskopie.

 Info

Viele aspirierte Fremdkörper wie Nahrung, Nüsse oder Kunststoffteile sind im Röntgenbild nicht sichtbar. Ein unauffälliges Röntgenbild schließt eine Fremdkörperaspiration deshalb nicht aus.

Differenzialdiagnosen

DifferenzialdiagnoseTypische Symptome
AnaphylaxieSchwellung von Zunge und Rachen, Urtikaria, Hypotonie, Bronchospasmus
EpiglottitisHohes Fieber, Speichelfluss, kloßige Sprache, Schluckschmerzen, sitzende Haltung
PseudokruppBellender Husten, Heiserkeit, inspiratorischer Stridor
Asthma-Anfall / exazerbierte COPDAtemnot, verlängerte Ausatmung, Giemen
Akutes KoronarsyndromPlötzlicher Kollaps beim Essen, Atemnot, Thoraxschmerz
 Info

Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.

 Merke

Bei einer Fremdkörperaspiration steht primär das mechanische Freimachen und Sichern der Atemwege im Vordergrund, nicht die Pharmakotherapie. Erst nach erfolgreicher Atemwegssicherung folgen weiterführende Maßnahmen wie Sauerstoffgabe, Beatmung und Monitoring.

Basismaßnahmen

  • Zum Husten auffordern
  • Schweregrad der Fremdkörperaspiration einschätzen
  • Kontinuierliche Beurteilung und Überwachung, besonders der Vigilanz
  • Beruhigung

Maßnahmen nach Altersgruppe:

AltersgruppeBei BewusstseinBewusstlos
Säugling (< 1 Jahr)
  • 5 kräftige Rückenschläge (zwischen die Schulterblätter)
  • Wenn nicht erfolgreich → 5 Thoraxkompressionen
  • Anschließend Wechsel zwischen Rückenschlägen und Bruststößen
  • Fortführen bis Fremdkörper entfernt oder Säugling bewusstlos wird
  • Atemwege öffnen
  • 5 Beatmungen 
  • Ggf. Absaugen von Sekreten und kleineren Fremdkörpern
  • CPR 15:2
Kind (> 1 Jahr) und Erwachsene
  • 5 kräftige Schläge zwischen die Schulterblätter
  • Wenn nicht erfolgreich → 5x Oberbauchkompressions-Manöver
  • Anschließend Wechsel zwischen 5 Rückenschlägen und 5 abdominellen Kompressionen
  • Fortführen bis Fremdkörper entfernt oder Patient:in bewusstlos wird
  • CPR 30:2
  • Ggf. Absaugen von Sekreten und kleineren Fremdkörpern
 Tipp
Oberbauchkompressions-Manöver
Oberbauchkompressions-Manöver:

Das Oberbauchkompressions-Manöver wird bei einer Fremdkörperverlegung der Atemwege angewendet, wenn der Patient nicht mehr effektiv husten oder sprechen kann.

Zur Durchführung stellt man sich hinter den Patienten, umfasst ihn von hinten und platziert eine Faust zwischen Nabel und Rippenbogen. Die andere Hand greift die Faust. Anschließend werden mehrere kräftige, ruckartige Druckstöße nach innen und oben ausgeführt, um den Fremdkörper zu lösen.

Bei Säuglingen wird das Oberbauchkompressions-Manöver nicht angewendet. Hier erfolgen stattdessen Rückenstöße und Thoraxkompressionen.

Spezifische Maßnahmen 

Strukturen des Kehlkopfs
Strukturen des Larynx
  • Direkte Laryngoskopie + Versuch der Fremdkörperentfernung mittels Magill-Zange
  • Sicherung der Atemwege durch:
    • Supraglottische Atemwegshilfe
    • Endotracheale Intubation (durch erfahrene Anwender:in)
  • Ultima Ratio → Notfallkonitomie durchführen
 Info

Bei einer Atemwegsverlegung ist eine medikamentöse Therapie normalerweise nicht erforderlich. Falls andere Krankheitsbilder sekundär eine Atemwegsverlegung verursachen, kann eine Therapie beispielsweise mit Adrenalin oder ß2-Sympathomimetika erforderlich sein. 

DBRD Algorithmus: Fremdkörperentfernung - Erwachsene
DBRD Algorithmus: Fremdkörperentfernung - Kinder

Fremdkörperaspiration bei Kindern

Neutralposition bei Säuglingen
Neutralposition (=Schnüffelstellung) Durch den großen Hinterkopf bei Säuglingen kann es zu einem Abknicken der Atemwege in Rückenlage kommen. Um eine Atemkontrolle durchzuführen müssen Mundöffnung und Körperachse in einem rechten Winkel zueinander stehen.

Bei Kindern sind die Atemwege enger als bei Erwachsenen. Zudem haben sie eine verhältnismäßig große Zunge. Bei Bewusstlosigkeit muss der Kopf weniger überstreckt und bei Säuglingen muss der Kopf  in Neutralposition gebracht werden.

Der Kehlkopf liegt bei Kindern zudem höher und weiter vorn. Des Weiteren ist ihre Atemhilfsmuskulatur weniger gut ausgeprägt und sie ermüden schneller. Man kann man bei Atemnot vorwiegend  juguläre und interkostale Einziehungen beobachten. Durch einen erhöhten Sauerstoffbedarf kommt es schneller zur Dekompensation. Bei Säuglingen darf kein Oberbauchkompressions-Manöver durchgeführt werden, stattdessen sollen Thoraxkompressionen erfolgen.

Thoraxkompression beim Säugling

 Achtung
Knopfzellbatterien
Knopfbatterien

Bei Kindern kann es zur Aspiration von Knopf­batterien von Spielzeugen kommen. Sollte der Verdacht bestehen, dass ein Kind eine Knopfbatterie verschluckt haben könnte, muss, auch wenn keine Beschwerden vorliegen, unbedingt ein Krankenhaus aufgesucht werden.  

Knopfbatterien bleiben vorwiegend bei Kindern leicht im Ösophagus stecken. Hier schließt sich möglicherweise ein elektrischer Kreis oder es kommt zu einer chemischen Reaktion. Das kann zu Verätzungen und Blutungen der Schleimhaut führen. 

Honig als präklinische Maßnahme
  • Honig kann das Fortschreiten der Verätzung verlangsamen, aber nicht verhindern 
  • Einsatz wegen fehlender Alternativen und guter Verfügbarkeit in Haushalten

Voraussetzungen:

  • Kind älter als 1 Jahr (CAVE: Botulismusrisiko bei Säuglingen!)
  • Lithium-Batterie oder Typ unbekannt
  • Ingestion < 12 Stunden 
  • Keine Schluckstörung / kein Aspirationsrisiko

Dosierung:

  • 10 ml Honig (≈ 2 Teelöffel) alle 10 Minuten oral verabreichen
  • maximal 5 Gaben
Erste Hilfe bei Verdacht auf Knopfzell-Ingestion

Atemwegsverlegung infolge von Trauma

Weichteilverletzungen, knöcherne Verletzungen, Aspirationsgefahr, Blutungen oder Verletzungen der Atmungsorgane können eine sofortige Intubation erforderlich machen.

 Merke
  • Strangulation oder direkte Krafteinwirkung auf den Kehlkopf sind besonders gefährlich
  • Ausgeschlagene Zähne können aspiriert werden

Anaphylaxie

Eine Anaphylaxie ist eine akut auftretende Entzündungsreaktion auf Allergene. Dabei werden Mediatoren wie Histamin, Leukotriene und Prostaglandine aus Mastzellen und basophilen Granulozyten freigesetzt. Die Gewebepermeabilität ist erhöht und es kommt zu einer Umverteilung des Blutvolumens. Schwellung der Atemwege ist möglich.

Infektionen

Verschiedene Atemwegserkrankungen können durch Schwellung zu Atemwegsverlegungen führen. Eine Epiglottitis (seltenes Krankheitsbild seit der Impfung gegen H. influenzae Typ B, verursacht eine akute Laryngopharyngitis mit Schwellung der Epiglottis) ist besonders gefährlich, da sie abrupt zu einer vollständigen Atemwegsverlegung führen kann. 

Zielkrankenhaus

Grundsätzlich sollten Patient:innen nach einer Fremdkörperaspiration in eine Klinik mit internistischer Notaufnahme transportiert werden, auch wenn sich die Symptomatik gebessert hat. Gründe sind mögliche Restfremdkörper, Schleimhautverletzungen und das Risiko eines postobstruktiven Lungenödems. Die Auswahl der Zielklinik richtet sich nach der Lage des Fremdkörpers, dem Alter der Patient:innen und den bereits durchgeführten Maßnahmen.

  • Persistierende Symptome oder Verdacht auf Restfremdkörper (Husten, Stridor, einseitig abgeschwächtes Atemgeräusch) → Klinik mit Möglichkeit zur Bronchoskopie (Pneumologie, Thoraxchirurgie oder HNO)
  • Kinder → Klinik mit Kinderklinik und Möglichkeit zur kindgerechten Bronchoskopie
  • Durchgeführte Oberbauchkompressionen (Oberbauchkompressions-Manöver) → Klinik mit chirurgischer Abteilung aufgrund möglicher Verletzungen der Bauchorgane
  • Verdacht auf verschluckte Knopfbatterie oder Magnete → Klinik mit Endoskopie, siehe Besondere Situationen
  • Atemwegssicherung, Reanimation oder anhaltende Bewusstseinsstörung → Klinik mit Intensivstation und Schockraum
 Info

Nach der Durchführung eines Oberbauchkompressions-Manövers muss die betroffene Person hospitalisiert werden, auch wenn sich die Symptomatik gebessert hat. Aufgrund der Krafteinwirkung auf die Bauchorgane kann es zu Verletzungen kommen.

Transportbegleitende Maßnahmen

  • Transportzielzeit: Zügiger Transport mit frühzeitiger Voranmeldung bei persistierender Symptomatik, nach Atemwegssicherung oder Reanimation
  • Lagerung:
    • Bei erhaltenem Bewusstsein: aufrechter Oberkörper (90°) oder die Position, die Patient:innen selbst einnehmen. Patient:innen nicht in eine liegende Position zwingen
    • Bei Kindern: Transport möglichst auf dem Schoß einer Bezugsperson, sofern dies sicher möglich ist
    • Bei Bewusstlosigkeit mit Spontanatmung: stabile Seitenlage, wenn keine Wirbelsäulenverletzung vorliegt. Alternativ Rückenlage mit Esmarch-Handgriff oder Freihalten der Atemwege mittels Naso- oder Oropharyngealtubus
  • Monitoring: Kontinuierliche Überwachung von SpO₂, Kapnographie (etCO₂), EKG, Herzfrequenz, Blutdruck, Atemfrequenz und Bewusstseinslage
  • Überwachung des Atemmusters: Auf zunehmenden Stridor, ineffektives Husten, Einziehungen und Erschöpfung achten. Aus einer partiellen Verlegung kann jederzeit eine vollständige Verlegung werden
  • Sauerstofftherapie: Bedarfsgerechte Sauerstoffgabe mit einer Ziel-SpO₂ von 94 bis 98 %
  • Beruhigung: Angst und Panik steigern den Sauerstoffbedarf. Ruhig sprechen, unnötige Maßnahmen vermeiden, Bezugspersonen einbeziehen
  • Material griffbereit: Absaugung, Laryngoskop, Magill-Zange, Material zur Atemwegssicherung und Koniotomie-Set
  • Nahrungskarenz: Keine Nahrung und keine Flüssigkeit geben
  • Wärmeerhalt: Vermeidung einer Auskühlung durch geeignete Wärmeerhaltungsmaßnahmen

Übergabe in der Klinik

  • Strukturierte Übergabe nach standardisierten Schemata wie SINNHAFT oder ISOBAR
  • Übergabe relevanter Informationen zu:
    • Zeitpunkt und Hergang des Ereignisses
    • Art und Größe des Fremdkörpers, ggf. ausgestoßenen Fremdkörper oder einen Vergleichsgegenstand mitnehmen
    • Wurde der Fremdkörper vollständig entfernt oder besteht Verdacht auf einen Restfremdkörper?
    • Durchgeführte Maßnahmen: Rückenschläge, Oberbauch- oder Thoraxkompressionen, Laryngoskopie mit Magill-Zange, Atemwegssicherung, Dauer einer Reanimation
    • Verlauf von Atemmuster, Atemgeräuschen und Vigilanz
    • Aktuelle Vitalparameter einschließlich SpO₂ und etCO₂
    • Vorerkrankungen wie Schluckstörung oder neurologische Erkrankungen sowie die Dauermedikation
    • Ansprechen auf die Therapie und aktueller klinischer Zustand
  • Patient:innen mit gesichertem Atemweg, nach Reanimation oder mit persistierender Atemwegsverlegung sollten direkt an das Schockraumteam übergeben werden

Ursachen:

  • Akzidentielle Aspiration beim Essen, Trinken oder Spielen
  • Dysphagie (Schluckstörung), z. B. nach Schlaganfall, bei Parkinson oder Demenz
  • Bewusstseinseintrübung mit eingeschränkten Schutzreflexen
  • Besonders betroffen sind Kinder unter 3 Jahren und Menschen über 65 Jahre

Pathophysiologie

  • Fremdkörper rutschen häufiger in den rechten Hauptbronchus, da dieser steiler verläuft und weiter ist
  • Kehlkopf und Trachea: Gefahr der kompletten Verlegung → rasche Hypoxie
  • Ventilstenose: Einlass beim Einatmen, eingeschränkter Auslass beim Ausatmen → Air Trapping
  • Komplette Verlegung eines Bronchus → Atelektase
  • Anhaltende Hypoxie → Bradykardie → hypoxischer Kreislaufstillstand
  • Nach Beseitigung der Verlegung: Gefahr eines postobstruktiven Lungenödems

Symptome

  • Plötzliche Atemnot während des Essens, Trinkens oder Spielens
  • Ineffektives Husten: leise, stimmlos oder fehlend
  • Sprechen eingeschränkt oder nicht möglich, Griff an den Hals
  • Stridor, Zyanose, Panik
  • Möglicherweise einseitig abgeschwächtes oder fehlendes Atemgeräusch, häufiger rechts

Diagnostik

  • Leitfrage: Ist das Husten effektiv?
  • Fremdanamnese: Beobachtetes Ereignis, Art des Fremdkörpers, bereits durchgeführte Maßnahmen
  • Inspektion der Mundhöhle: Fremdkörper nur entfernen, wenn er eindeutig sichtbar ist, kein blindes Auswischen
  • Monitoring: SpO₂, Kapnographie (fehlende Kurve bei kompletter Verlegung), 12-Kanal-EKG
  • Direkte Laryngoskopie bei Bewusstlosigkeit: Inspektion bis zur Stimmritze, Entfernung mit der Magill-Zange

Transport und Übergabe

  • Klinikeinweisung nach jeder Fremdkörperaspiration, auch bei gebesserter Symptomatik
  • Nach Oberbauchkompressions-Manöver: Klinik mit chirurgischer Abteilung wegen möglicher Verletzungen der Bauchorgane
  • Verdacht auf Restfremdkörper: Klinik mit Möglichkeit zur Bronchoskopie, bei Kindern mit Kinderklinik
  • Lagerung: Bei erhaltenem Bewusstsein aufrechter Oberkörper oder selbst gewählte Position
  • Übergabe: Art des Fremdkörpers, durchgeführte Maßnahmen und ob der Fremdkörper vollständig entfernt wurde

Therapie

  • Bei effektivem Husten: zu weiterem Husten anregen
  • Bei ineffektivem Husten:
    • Säugling: 5 Rückenschläge ↔ 5 Bruststöße
    • Kind/Erwachsener: 5 Rückenschläge ↔ 5 abdominelle Kompressionen (Oberbauchkompressions-Manöver)
    • Nach erfolgreichem Oberbauchkompressions-Manöver → Transport in die Klinik 
  • Bei Bewusstlosigkeit: CPR 30:2, sichtbare Fremdkörper entfernen, Atemweg sichern
  • Ultima Ratio: Koniotomie bei „cannot intubate, cannot ventilate“

 

 Tipp
Wenn ihr mehr Informationen und weitere therapeutische Maßnahmen erfahren möchtet, empfehlen wir euch die verlinkten Artikel aus dem klinischen Bereich.
  • Fremdkörperaspiration im Kindesalter
  • Fremdkörperingestion im Kindesalter
  • Diagnostik in der Pneumologie
Zuletzt aktualisiert am 28.10.2026
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