EinBolusgeschehen ist eine akute Atemwegsverlegung, die den Atemweg komplett oder teilweise blockiert. Die häufigste Ursache ist das akzidentelle Verschlucken von Fremdkörpern. Durch die Einschränkung des Atemflusses handelt es sich hier um eine lebensbedrohliche Situation, die umgehend behandelt werden sollte.
Die Leitsymptome sind akut auftretende Dyspnoe in Kombination mit Husten während des Essens. Es kommt infolgedessen auch zu Zyanose, Panik und einem potenziell nur einseitigen Atemgeräusch.
Die Behandlung folgt einem ganz bestimmten Schema. Bei effektivem Husten soll der oder die Betroffene lediglich zu weiterem Husten angeregt werden. Ist oder wird das Husten ineffektiv, sollen zuerst 5 Rückenschläge mit Erfolgskontrolle nach jedem Schlag durchgeführt werden. Besteht die Symptomatik weiterhin, sollen 5 Heimlich-Manöver, ebenfallsmit Erfolgskontrollen, durchgeführt werden. Diese Maßnahmen werden im Wechsel wiederholt, bis eine Besserung oder Bewusstlosigkeit eintritt. Bewusstlosigkeit ist in diesem Fall mit einem Atem-Kreislaufstillstand gleichzustellen.
Um den Einstieg in das Thema Bolusgeschehen etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: Akute Atemnot, Bolusgeschehen
Ort: Mehrparteienhaus
Alarmzeit: 16:20 Uhr
Anrufer:in: Ehemann
Anzahl der betroffenen Personen: 1
Zusatzinfo:
74-jährige, weibliche Patientin
Akut aufgetretene Atemnot während des Essens
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes steht der Ehemann der Patientin vor dem Wohnhaus und weist euch den Weg in die Wohnung.
Die Lage ist wie folgt:
Im Esszimmer stützt sich die Patientin, um Luft ringend, an einer Stuhllehne ab
Der Ehemann erzählt, sie habe sich wohl beim Essen verschluckt
Zuerst habe sie noch gehustet, doch dann sei sie still geworden und panisch aufgestanden
Ersteindruck nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit Bolusgeschehen aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Messung des Blutzuckers (außer bei unklarer Bewusstlosigkeit) in diesem Fall hintangestellt.
x
Keine kritischen Blutungen
A
Atemwege verlegt
Schleimhäute zyanotisch
Patientin kann nicht sprechen
Akutes A-Problem
B
Inspektorisch:
Keine Thoraxexkursionen
Gestaute Halsvenen sichtbar
Auskultatorisch:
Keine Atemgeräusche hörbar
Palpatorisch:
Thorax insgesamt stabil
SpO2: 81 %
Akutes B-Problem
C
Hautkolorit zyanotisch
Insgesamt schweißig
Recap-Zeit: 3 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses an der A. radialis:
Rhythmisch
Schwach tastbar
Tachykard bei 110/Minute
Blutdruck: 100/65 mmHg
Mittelbares C-Problem
D
Wach, panisch
GCS 12
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 2 (aufgrund des Bolusgeschehens)
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Keine Verletzungen ersichtlich
Symptome:
Akute Atemnot
Panik
Allergien / Infektionen: keine bekannt
Medikamente: Ramipril
Patientengeschichte: immer wieder Blutdruckprobleme
Letzte Mahlzeit: zu Beginn der Symptomatik vor etwa 8 Minuten
Ereignis: akut aufgetretene Atemnot nach Verschlucken
Risikofaktoren: keine
Kein E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Definition
Bolusgeschehen (auch Atemwegsverlegung genannt) bezeichnet eine teilweise oder vollständige Blockade der Atemwege, die den Luftfluss in die Lunge einschränkt oder verhindert. Im Fall des Bolusgeschehen ist die Aspiration eines Fremdkörpers ursächlich für die Verlegung. Eine Atemwegsverlegung kann auch von Schwellungen, Entzündungen oder anatomische Anomalien verursacht werden und zu Atemnot oder Erstickungsgefahr führen.
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Akzidentielle Aspiration von Fremdkörpern
Am häufigsten sind Kinder unter 3 und Menschen über 65 Jahren betroffen
Dysphagie (=Schluckstörung)
Bewusstseinstrübung
Info
Auch andere Krankheitsbilder können sekundär zu einer Atemwegsverlegung führen. Dazu gehören zum Beispiel die Anaphylaxie, Infektionen, Trauma, Karzinome und einige weitere.
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Merke
Reminder: Physiologische Grundlagen
Der rechte Hauptbronchus weist einen steileren Winkel auf und hat einen größeren Durchmesser als der linke Hauptbronchus
Fremdkörper rutschen eher in die rechte Lunge
DurchSchleimhautreizung, (zum Beispiel durch einen Fremdkörper) werdenSchutzreflexe ausgelöst
Niesen (schützt die oberen Atemwege wie Nasenhöhle und Rachen) und Husten schützt die unteren Atemwege (Bronchien)
Aspiration von Fremdkörpern:
Fremdkörper wie Nahrung, Erbrochenes oder kleine Gegenstände können beim Verschlucken zu einer Atemwegsverlegung führen
Besonders betroffen sind Kinder und ältere Menschen
Je nach Größe und Lage kann der Fremdkörper in verschiedenen Abschnitten der Atemwege stecken bleiben und unterschiedlich starke Beschwerden verursachen
Dysphagie:
Schluckstörung, häufig infolge neurologischer Erkrankungen
Kann zu einer stillen Aspiration führen → kein Husten- oder Würgereflex wird ausgelöst
Bewusstseinstrübung:
Schutzreflexe wie Würgen und Husten eingeschränkt oder ausgefallen
Achtung
Eine Atemwegsverlegung / Atemwegsobstruktion kann auch die Folge von anderen Krankheitsbildern sein. Dazu gehören zum Beispiel Anaphylaxie, Asthma, COPD, Infektionen, Trauma oder Karzinome.
Mechanismen der Atemwegsverlegung
Ventilstenose (partielle Verlegung):
Einlass von Luft beim Einatmen, aber eingeschränkter Auslass beim Ausatmen
Führt zu Air trapping (Luftfalle) mit Überblähung des betroffenen Lungenabschnitts
Komplette Verlegung:
Keine Belüftung distal des Fremdkörpers
Führt zu Atelektase (Zusammenfallen des betroffenen Lungenareals)
Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme eines Bolusgeschehens
Partielle oder vollständige Verlegung der Atemwege → Hypoxie
Bei unvollständiger Verlegung → Air Trapping
Bewusstseinsverlust → Ausfall der Schutzreflexe
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Je nachdem, ob es sich um eine vollständige oder eine partielle Verlegung der Atemwege handelt, äußern sich verschiedene Symptome.
Merkmal
Partielle Verlegung
Vollständige Verlegung
Luftstrom
Noch vorhanden
Kein Luftstrom
Atemnot
Vorhanden
Vorhanden (schwer ausgeprägt)
Geräusche
Stridor (pfeifend/ziehend)
Keine Atemgeräusche
Husten
Möglich
Nicht möglich
Sprechen
Eingeschränkt
Nicht möglich
Allgemeinzustand
Angst, Unruhe
Starke Panik
Atmung
Tachypnoe
Inverse Atmung möglich
Hautfarbe
Ggf. Zyanose
Ausgeprägte Zyanose
Bewusstsein
Meist erhalten
Gefahr der Bewusstlosigkeit
Info
Einzelne Symptome können sowohl bei partieller als auch bei vollständiger Atemwegsverlegung auftreten und sind daher immer im Gesamtkontext zu beurteilen.
Merke
Aus einer partiellen Verlegung kann jederzeit eine vollständige Atemwegsverlegung entstehen!
Achtung
Bewusstlosigkeit infolge einer Atemwegsverlegung stellt eine akute lebensbedrohliche Situation dar und führt unbehandelt rasch zum Kreislaufstillstand.
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Aktuelle Anamnese
Eigenanamnese:
Eine Eigenanamnese wird durchgeführt, wenn die betroffene Person in der Lage ist, selbst Auskunft über ihren aktuellen Zustand zu erteilen.
S (Symptome): plötzlicher Beginn, akute Atemnot, ggf. Unfähigkeit zu husten, kein Sprechen möglich, Panik, ggf. Stridor hörbar, Unfähigkeit zu sprechen
A (Allergien, Infektionen): Für das Akutereignis nicht relevant, im Nachgang normale Anamnese
M (Medikation): Für das Akutereignis nicht relevant, im Nachgang normale Anamnese über Dauer- oder Bedarfsmedikation
Erste-Hilfe-Maßnahmen (Heimlich-Manöver) bereits erfolgt?
L (Letzte…): Mahlzeit vor einigen Minuten
E (Ereignis): Erstickungsunfall, z.B. in Zusammenhang mit Essen/Trinken oder Kleinteilen
R (Risiko): Hinweise auf erhöhte Gefahr durch Intoxikation? Schluckstörungen? Atemwegserkrankungen?
S (Schwangerschaft): Mögliche Schwangerschaft beachten
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei Verdacht auf ein Bolusgeschehen abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Fremdanamnese:
Eine Fremdanamnese wird durchgeführt, wenn die betroffene Person nicht selbst fähig ist, Auskunft über den eigenen Zustand zu erteilen (z.B. Bewusstlosigkeit, vollständige Atemwegsverlegung, Demenz).
Genauer Vorfall (z.B. von Insekt gestochen worden, Einsetzen der Beschwerden beim Essen)
Zustand vor Bewusstlosigkeit (z.B. Husten, Fieber, Halsschmerzen)
Bereits erfolgte Erste-Hilfe-Maßnahmen (Heimlich-Manöver)?
Nach der Durchführung eines Heimlich-Manövers, muss die betroffene Person hospitalisiert werden, auch wenn sich die Symptomatik gebessert hat. Aufgrund der Krafteinwirkung auf die Bauchorgane kann es zu Verletzungen kommen.
Haut (z.B. Blässe, Kaltschweißigkeit, Zyanose, Marmorierung → Schock/Hypoxie)
Palpation:
Von außen tastbare Schwellung oder Ausbuchtung der Trachea
Perkussion:
Je nach Art und Ausmaß der Atemwegsverlegung kann der Klopfschall hypersonor (=hohl) oder gedämpft sein
Auskultation:
Pfeifen, Giemen, Stridor, fehlendes Atemgeräusch
Achtung
Einseitige Geräusche sind bei Intubation mit gleichzeitiger Atemwegsverlegung normal! In diesem Fall ist eine Lungenhälfte durch den Bolus blockiert und lässt keine Luft hindurch.
Info
Auf Differenzialdiagnosen wie Anaphylaxie und die dafür typischen Symptome achten!
Tipp
Perkussion in der Präklinik:
Insbesondere im präklinischen Setting kann es aufgrund der Umgebungsgeräusche schwierig sein, die Auskultation oder Perkussion adäquat interpretieren zu können. Nehmt euch ausreichend Zeit und weist eure Kolleg:innen sowie andere am Einsatz beteiligte Personen darauf hin, leise zu sein, um einen genauen Befund erheben zu können.
Erfahrungsgemäß wird die Perkussion jedoch vor Ort fast gänzlich vernachlässigt, da die fehlende Übung am Einsatz beteiligter Personen die Behandlung unnötig verzögern würde.
Vitalparameter:
Abhängig vom Fortschreiten der Symptomatik
Niedrige Sauerstoffsättigung
Veränderte Atemfrequenz, kann von Bradypnoe, über Tachypnoe bis Apnoe reichen
Zuerst Tachykardie, dann Bradykardie
Hypotonie
Fieber ist möglich
Verlängerte Rekapillarisierungszeit
Weitere Diagnostik:
Laryngoskop zur Inspektion der unteren Atemwege und gegebenenfalls Entfernen eines Fremdkörpers mittels Magill-Zange
Achtung
Bei Verdacht auf eine Schwellung als Ursache für die Atemwegsverlegung sowie bei Kindern, ist besondere Vorsicht geboten.Aufgrund der bereits gereizten Schleimhaut bzw. der empfindlichen Schleimhaut bei Kindern besteht hier ein größeres Risiko für Komplikationen.
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Info
Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
Merke
Beim Bolusgeschehen steht primär das mechanische Freimachen und Sichern der Atemwege im Vordergrund, nicht die Pharmakotherapie. Erst nach erfolgreicher Atemwegssicherung folgen weiterführende Maßnahmen wie Sauerstoffgabe, Beatmung und Monitoring.
Basismaßnahmen
Zum Hustenauffordern
Schweregrad der Fremdkörperaspiration einschätzen
KontinuierlicheBeurteilungundÜberwachung, besonders der Vigilanz
Beruhigung
Maßnahmen nach Altersgruppe:
Altersgruppe
Bei Bewusstsein
Bewusstlos
Säugling (< 1 Jahr)
5 kräftige Rückenschläge (zwischen die Schulterblätter)
Wenn nicht erfolgreich → 5 Thoraxkompressionen
Anschließend Wechsel zwischen Rückenschlägen und Bruststößen
Fortführen bis Fremdkörper entfernt oder Säugling bewusstlos wird
Atemwege öffnen
5 Beatmungen
Ggf. Absaugen von Sekreten und kleineren Fremdkörpern
CPR 15:2
Kind (> 1 Jahr) und Erwachsene
5 kräftige Schläge zwischen die Schulterblätter
Wenn nicht erfolgreich → 5 Oberbauchkompressionen (Heimlich-Manöver)
Anschließend Wechsel zwischen 5 Rückenschlägen und 5 abdominellen Kompressionen
Fortführen bis Fremdkörper entfernt oder Patient:in bewusstlos wird
CPR 30:2
Ggf. Absaugen von Sekreten und kleineren Fremdkörpern
Tipp
Heimlich-Manöver:
Das Heimlich-Manöver wird bei einer Fremdkörperverlegung der Atemwege angewendet, wenn der Patient nicht mehr effektiv husten oder sprechen kann.
Zur Durchführung stellt man sich hinter den Patienten, umfasst ihn von hinten und platziert eine Faust zwischen Nabel und Rippenbogen. Die andere Hand greift die Faust. Anschließend werden mehrere kräftige, ruckartige Druckstöße nach innen und oben ausgeführt, um den Fremdkörper zu lösen.
Bei Säuglingen wird das Heimlich-Manöver nichtangewendet. Hier erfolgen stattdessen Rückenstöße und Thoraxkompressionen.
Spezifische Maßnahmen
Strukturen des Larynx
Direkte Laryngoskopie + Versuch der Fremdkörperentfernung mittels Maggil-Zange
Bei einer Atemwegsverlegung ist eine medikamentöse Therapie normalerweise nicht erforderlich. Falls andere Krankheitsbilder sekundär eine Atemwegsverlegung verursachen, kann eine Therapie beispielsweise mit Adrenalin oder ß2-Sympathomimetika erforderlich sein.
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Bolusgeschehen bei Kindern
Bei Kindern sind die Atemwege enger als bei Erwachsenen. Zudem haben sie eine verhältnismäßig große Zunge. Bei Bewusstlosigkeit muss der Kopf weniger überstreckt und bei Säuglingen muss der Kopf in Neutralposition gebracht werden.
Neutralposition (=Schnüffelstellung) Durch den großen Hinterkopf bei Säuglingen kann es zu einem Abknicken der Atemwege in Rückenlage kommen. Um eine Atemkontrolle durchzuführen müssen Mundöffnung und Körperachse in einem rechten Winkel zueinander stehen.
Der Kehlkopf liegt bei Kindern zudem höher und weiter vorn.Des Weiteren ist ihre Atemhilfsmuskulatur weniger gut ausgeprägt und sie ermüden schneller. Man kann man bei Atemnot vorwiegend juguläre und interkostale Einziehungen beobachten. Durch einen erhöhten Sauerstoffbedarf kommt es schneller zur Dekompensation. Bei Säuglingen darf kein Heimlich-Manöver durchgeführt werden, stattdessen sollen Thoraxkompressionen erfolgen.
Die Daumen werden am unteres Drittel des Sternums nebeneinander gelegt und der Brustkorb des Säuglings mit den Händen umfasst. Die Kompression wird nach dorsal/kranial durchgeführt.
Achtung
Knopfbatterien
Bei Kindern kann es zur Aspiration von Knopfbatterien von Spielzeugen kommen. Sollte der Verdacht bestehen, dass ein Kind eine Knopfbatterie verschluckt haben könnte, muss, auch wenn keine Beschwerden vorliegen, unbedingt ein Krankenhaus aufgesucht werden.
Knopfbatterien bleiben vorwiegend bei Kindern leicht im Ösophagus stecken. Hier schließt sich möglicherweise ein elektrischer Kreis oder es kommt zu einer chemischen Reaktion. Das kann zu Verätzungen und Blutungen der Schleimhaut führen.
Honig als präklinische Maßnahme
Honig kann das Fortschreiten der Verätzung verlangsamen, aber nicht verhindern
Einsatz wegen fehlender Alternativen und guter Verfügbarkeit in Haushalten
Voraussetzungen:
Kind älter als 1 Jahr (CAVE: Botulismusrisiko bei Säuglingen!)
Lithium-Batterieoder Typ unbekannt
Ingestion < 12 Stunden
Keine Schluckstörung / kein Aspirationsrisiko
Dosierung:
10 ml Honig (≈ 2 Teelöffel) alle 10 Minuten oral verabreichen
maximal 5 Gaben
Atemwegsverlegung infolge von Trauma
Weichteilverletzungen, knöcherne Verletzungen, Aspirationsgefahr, Blutungen oder Verletzungen der Atmungsorgane können eine sofortige Intubation erforderlich machen.
Merke
Strangulation oder direkte Krafteinwirkung auf den Kehlkopf sind besonders gefährlich
Ausgeschlagene Zähne können aspiriert werden
Anaphylaxie
Eine Anaphylaxie ist eine akut auftretende Entzündungsreaktion auf Allergene. Dabei werden Mediatoren wie Histamin, Leukotriene und Prostaglandine aus Mastzellen und basophilen Granulozyten freigesetzt. Die Gewebepermeabilität ist erhöht und es kommt zu einer Umverteilung des Blutvolumens. Schwellung der Atemwege ist möglich.
Infektionen
Verschiedene Atemwegerkrankungen können durch Schwellung zu Atemwegsverlegungen führen. Eine Epiglottitis (seltenes Krankheitsbild seit der Impfung gegen H. influenzae Typ B, verursacht eine akute Laryngopharyngitis mit Schwellung der Epiglottis) ist besonders gefährlich, da sie abrupt zu einer vollständigen Atemwegsverlegung führen kann.
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Lagerung
Bei Bewusstsein
Aufrechter Oberkörper (90°)
Bei Bewusstlosigkeit
Stabile Seitenlage, wenn keine Wirbelsäulenverletzung vorliegt
Rückenlage mit Esmarch-Handgriff oder Freihalten der Atemwege mittels Naso- oder Oropharyngealtuben
Überwachung:
Kontinuierliche Überwachung, ob Veränderungen im Atemmuster auftreten
Monitoring:
Sauerstoffsättigung (SpO2) und gegebenenfalls Kapnographie (EtCO2)
Herzfrequenz
Tipp
Antizipation: Immer auf eine Lageänderung vorbereitet sein!
Wahl des Zielkrankenhauses
Die Wahl des Zielkrankenhauses ist abhängig vom individuellen Fall. Primär wird eine internistische Notaufnahme benötigt. Das Zielkrankenhaus sollte auch über eine chirurgische Abteilung verfügen, da nach einem Heimlich-Manöver Organschäden auftreten können.
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Zur Zusammenfassung hier die Hard Facts, die bei der Examensvorbereitung oder im Einsatz helfen können:
Ursachen:
Aspiration von Fremdkörpern
Pathophysiologie:
Fremdkörper rutschen häufig in den rechten Hauptbronchus, da dieser steiler verläuft
Betroffen sind besonders Kinder und ältere Menschen
Nach erfolgreichem Heimlich-Manöver →Transport in die Klinik
Bei Bewusstlosigkeit: CPR 30:2, sichtbare Fremdkörper entfernen, Atemweg sichern
Ultima Ratio: Koniotomie bei „cannot intubate, cannot ventilate“
Therapieleitfaden:
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Tipp
Wenn ihr mehrInformationen und weiteretherapeutischeMaßnahmen erfahren möchtet, empfehlen wir euch die verlinktenArtikel aus dem klinischenBereich.
Fremdkörperaspiration im Kindesalter
Fremdkörperingestion im Kindesalter
Diagnostik in der Pneumologie
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Wetsch, Wolfgang A. et al: Kurzlehrbuch Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. 3. Auflage: Thieme, 2024, ISBN: 978-3132456624
DBRD - Deutscher Berufsverband Rettungsdienst e.V., Musteralgorithmen 2026, Version 11, Stand: 27.02.2026
Zuletzt aktualisiert am 31.05.2026
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