Zu den ventrikulären Rhythmusstörungen gehören die ventrikulären Extrasystolen, die ventrikulären Tachykardien und das Kammerflattern sowie das Kammerflimmern.
Merke
Ventrikuläre Extrasystole (VES): Vorzeitige, aus dem Ventrikelmyokard stammende Erregung außerhalb des Sinusrhythmus, die im EKG als breitkomplexiger, vorzeitiger QRS-Komplex (meist ohne vorangehende P-Welle) mit typischer kompensatorischer Pause erscheint
Ventrikuläre Tachykardie (VT): Rhythmusstörung mit schneller, meist regelmäßiger ventrikulärer Erregung, bei der im EKG in der Regel noch einzelne, breitkomplexige QRS-Komplexe erkennbar sind (typisch ~100–250 Kammeraktionen/min)
Kammerflattern: Extrem schnelle ventrikuläre Rhythmusstörung mit meist >250 Kammeraktionen/min, bei der die Erregung häufig nahezu sinusoidal („wellenförmig“) erscheint und QRS-Komplexe nicht mehr klar voneinander abgrenzbar sind; Übergang in Kammerflimmern ist häufig
Kammerflimmern (VF):Chaotische, desorganisierte elektrische Aktivität der Kammern ohne effektive Pumpfunktion; im EKG sind keine geordneten QRS-Komplexe mehr abgrenzbar und es besteht unmittelbare Reanimationspflicht
Im Kammermyokard können ventrikuläre Tachykardien entstehen, insbesondere durch Reentry-Kreisläufe um Myokardnarben sowie seltener durch gesteigerte Automatie oder getriggerte Aktivität. Durch das ektope Erregungszentrum kommt es zu einer Dissoziation der Kammer- und Vorhoferregung. Dabei ist die Kammerfrequenz schneller als die Vorhoffrequenz.
Im EKG äußern sich ventrikuläre Tachykardien aufgrund der ektopen Erregungsentstehung in einem breitkomplexen (meist ≥120 ms), deformierten, schenkelblockartig imponierenden QRS-Komplex. Die Morphologie ist abhängig vom Ursprungsort.
Da die Kammer unabhängig vom Sinusknoten erregt wird, liegt in den meisten Fällen eine vollständige AV-Dissoziation vor. Das heißt, die P-Wellen und die QRS-Komplexe liegen zwar regelmäßig vor, sie sind jedoch unabhängig voneinander. Die P-Welle kann also vor, im oder auch nach dem QRS-Komplex erscheinen. Eine Ausnahme stellen sogenannte Capture-Beats dar. Capture Beats sind im EKG einzelne, normal geformte (schmale) QRS-Komplexe, die während einer ventrikulären Tachykardie (VT) auftreten. Sie entstehen, wenn ein supraventrikulärer Impuls vom Sinusknoten die Ventrikel trotz AV-Dissoziation erregt. Ihr Vorkommen ist ein spezifisches Anzeichen für eine ventrikuläre Ursache der Tachykardie.
Eine weitere Besonderheit stellen sogenannte Fusion Beats dar. Fusion Beats sind hybride QRS-Komplexe, die entstehen, wenn die Kammern gleichzeitig durch eine supraventrikuläre Erregung (z. B. Sinusimpuls über das Reizleitungssystem) und eine ventrikuläre Erregung (z. B. bei ventrikulärer Tachykardie) aktiviert werden. Im EKG zeigt sich dadurch ein QRS, dessen Morphologie zwischen einem typischen VT-Komplex und einem normal übergeleiteten Schlag liegt und als hoch spezifischer Hinweis auf eine VT gilt.
Auch bei einem AV-Block III° besteht eine vollständige AV-Dissoziation. Bei diesem liegt die Vorhoffrequenz über der Kammerfrequenz. Bei der ventrikulären Tachykardie hingegen liegt die Kammerfrequenz über der Vorhoffrequenz.
Dauert die ventrikuläre Tachykardieunter 30 Sekunden an, so wird diese als nicht-anhaltend oder auf Englisch non-sustained ventricular Tachykardia (nsVT) bezeichnet.
Eine anhaltende ventrikuläre Tachykardie (sustained VT) ist eine ventrikuläre Tachykardie, die 30 Sekunden oder länger andauert oder aufgrund von hämodynamischer Instabilität (z. B. Synkope) eine sofortige Intervention erfordert.
Monomorphe ventrikuläre Tachykardie - Siehe auch EKG-Fallbeispiel 14
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Kammerflattern
Zu den ventrikulären Tachykardien gehört auch das Kammerflattern und das Kammerflimmern.
Beim Kammerflattern kommt es zu kreisenden und regelmäßigenErregungen in den Kammern mit Kammerfrequenzen über 250 Schlägen pro Minute. Es kann in ein Kammerflimmern übergehen.
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Kammerflimmern
Beim Kammerflimmern kommt es zu einer gänzlich unkoordinierten und ineffektiven Kontraktion der Ventrikel. Es lassen sich keine QRS-Komplexe mehr ableiten.
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Fallbeispiele
Für ein praktisches EKG-Fallbeispiel zum Thema zum Üben der EKG-Auswertung siehe: EKG-Fallbeispiel 14
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