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Acetylsalicylsäure

ASS
13 Minuten Lesezeit
Acetylsalicylsäure

Acetylsalicylsäure (ASS) ist ein Thrombozytenaggregationshemmer und Analgetikum, das die Cyclooxygenase-1 und -2 (COX-1/COX-2) irreversibel hemmt. Durch Hemmung von COX-1 wird die Thromboxan-A₂-Synthese der Thrombozyten blockiert, wodurch die Plättchenaggregation für die gesamte Lebensdauer der Thrombozyten (ca. 7–11 Tage) gehemmt wird. Zusätzlich wirkt ASS analgetisch und antipyretisch.

Im Rettungsdienst ist ASS ein Schlüsselmedikament beim akuten Koronarsyndrom (STE-ACS/NSTE-ACS) und sollte frühzeitig verabreicht werden, sofern keine Kontraindikationen bestehen. Außerdem kann es beim akuten Migräneanfall eingesetzt werden. Die Wirkung tritt bei i.v.-Gabe rasch ein. Wichtige Nebenwirkungen sind vor allem ein erhöhtes Blutungsrisiko, gastrointestinale Beschwerden sowie Analgetika-Asthma. ASS darf nicht bei aktiven Blutungen, ASS-Allergie, schweren Leber-/Nierenfunktionsstörungen oder im 3. Trimenon der Schwangerschaft angewendet werden. 

Lernkarte Acetylsalicylsäure
  • Wirkstoffklasse: Thrombozytenaggregationshemmer, Analgetikum
  • Handelsnamen: Aspirin®, ASS-ratiopharm®, Acetylsalicylsäure HEXAL®
Etikett: Acetylsalicylsäure
  • Akutes Koronarsyndrom (STE-ACS, NSTE-ACS)
  • Akuter Migräneanfall
  • Akute Blutungen (GI-Trakt, Hirnblutungen)
  • Schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörung
  • Überempfindlichkeit/Allergie gegen ASS, Salicylate oder NSAR
  • Schwangerschaft (3. Trimenon)
  • Erwachsene:
    • Akutes Koronarsyndrom: 250 mg i.v. 
    • Akuter Migräneanfall: 1000 mg oral oder i.v. 
  • Bei Kindern (<12. Lebensjahr) keine ASS-Gabe bei viralem Infekt
    → Gefahr eines Reye-Syndroms
  • Die Kombination von ASS mit Prednisolon erhöht das Risiko für Magen-Darm-Ulzera
  • Wirkeintritt: 2–5 min (bei i.v.-Gabe)
  • Wirkdauer:
    • Thrombozytenaggregationshemmung für ca. 7–11 Tage
    • Analgesie: 6–8 Std
  • Metabolismus: Rasche hepatische Hydrolyse zu Salicylsäure (aktiver Metabolit) mit anschließender Konjugation
  • Ausscheidung: Überwiegend renal als Salicylat und Metaboliten, pH-abhängig (alkalischer Urin ↑ Ausscheidung)

Acetylsalicylsäure hemmt die Cyclooxygenase 1 und 2 irreversibel

  • COX1: Hemmung der Thromboxan-Synthese der Thrombozyten
    Thromboxan kann nicht resynthetisiert werden → Daher Thrombozytenaggregationshemmung für 7-11 Tage
  • COX2: Hemmung der Prostacyclin-Synthese des Endothels
    → Prostacyclin kann resynthetisiert werden → Analgetischer, antipyretischer Effekt (fiebersenkend) für 6-8 Stunden
Analgetika-Asthma (ASS-Asthma)
  • Wirkung verstärkt bei gleichzeitiger Gabe von:
    • Antikoagulantien (z. B. Heparin, Phenprocoumon, DOAK) → Erhöhtes Blutungsrisiko
    • Weitere Thrombozytenaggregationshemmer (z. B. Clopidogrel, Ticagrelor) → Additive Hemmung der Plättchenfunktion
    • Glukokortikoide → Erhöhtes Risiko für Magen-Darm-Ulzera und Blutungen
    • Alkohol → Verstärkte gastrointestinale Schleimhautschädigung
  • Wirkung abgeschwächt bei gleichzeitiger Gabe von:
    • NSAR wie Ibuprofen (bei zeitgleicher oder vorangegangener Gabe) → kompetitive Hemmung an COX-1Abschwächung der irreversiblen Thrombozytenhemmung von ASS
    • Urikosurische Substanzen (z. B. Probenecid)
  • Erhöhtes Blutungsrisiko (z.B. bei Operationen)
  • GI-Beschwerden (Sodbrennen, Übelkeit, Bauchschmerzen)
  • Analgetika-Asthma durch vermehrte Leukotrien-Bildung
  • Reye-Syndrom: bei Kindern (<12. LJ) mit viralem Infekt und ASS-Einnahme
  • ASS-Unverträglichkeit (Morbus Widal, Morbus Samter)
  • Magen- und Darmulzera
  • Verschlechterung der Nierenfunktion
  • Temperatur: Nicht über 25 °C lagern
  • Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
  • Akutes Koronarsyndrom
  • Nicht-Opioid-Analgetika
  • Thrombozyten-Aggregationshemmer
  • Leitlinie: Akutes Koronarsyndrom (ACS) – Leitlinien für das Management des akuten Koronarsyndroms,  European Society of Cardiology (ESC) Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) e. V.
  • ratiopharm GmbH: Fachinformation ASS-ratiopharm 100 mg TAH Tabletten, Stand: August 2022
  • Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
  • Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9
Zuletzt aktualisiert am 23.02.2026
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