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Adrenalin

Epinephrin
13 Minuten Lesezeit
Adrenalin Ampulle

Adrenalin ist ein Katecholamin und wirkt als nichtselektiver Agonist an α1-, β1- und β2-Adrenozeptoren. Über α1 führt es zu peripherer Vasokonstriktion mit Anstieg des Blutdrucks und Verbesserung der Koronar- und Zerebralperfusion, über β1 zu Steigerung von Herzfrequenz, Kontraktilität und Erregungsleitung mit Zunahme des Herzzeitvolumens, und über β2 zu Bronchodilatation sowie Hemmung der Mediatorfreisetzung aus Mastzellen

Im Rettungsdienst ist Adrenalin ein Schlüsselmedikament bei Reanimation, Anaphylaxie und schwerer Bronchospastik. Die Applikation erfolgt i.v. oder i.o. (v. a. in der Reanimation), bei Anaphylaxie primär i.m. in den anterolateralen Oberschenkel, in ausgewählten Situationen auch inhalativ bei ausgeprägter Bronchialobstruktion. Der Wirkeintritt erfolgt rasch, die Wirkdauer ist kurz, weshalb wiederholte Gaben erforderlich sein können. Wichtige Nebenwirkungen sind Tachykardie, Arrhythmien, Hypertonie und Unruhe

 Info

Das Medikament gehört gemäß Pyramidenprozess des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst e.V. (DBRD) zum Mindestportfolio der Ausbildung von Notfallsanitäter:innen.

Lernkarte Adrenalin
  • Wirkstoffklasse: Direkte Sympathomimetika , Katecholamine
  • Synonym: Epinephrin
Adrenalin
Etikett: Adrenalin

 

  • Reanimation
  • Bradykardie
  • Anaphylaxie
  • Weitere:
    • Pseudokrupp
    • Schock
    • Nasenbluten (getränkte Nasentamponade)
  • Im Notfall: keine absoluten Kontraindikationen
  • Hypertonie, Tachykardie, Phäochromozytom, Hyperthyreose, intraarterielle 
    Injektion
  • Reanimation Erwachsene (ALS): 
    • Kammerflimmern/pVT: 1 mg i.v./i.o. nach der 3. Defibrillation, dann alle 3–5 min
    • Asystolie/PEA: 1 mg i.v./i.o. so schnell wie möglich
  • Reanimation Kinder (PALS): 
    • Kammerflimmern/pVT: 0,01 mg/kgKG i.v./i.o. nach der 3. Defibrillation
      dann alle 3–5 min
    • Asystolie/PEA: 0,01 mg/kgKG i.v./i.o. so schnell wie möglich
  • Bradykardie (Erwachsene): 2–10 µg/min i.v/i.o., wenn Atropin keine Wirkung 
    gezeigt hat
  • Anaphylaxie:
    • Erwachsener: 0,5 mg i.m. in die Oberschenkelaußenseite
    • Kinder (6–12 Jahre): 0,3 mg i.m. 
    • Kinder (<6 Jahre): 0,15 mg i.m.
    • Verneblung (bei Bronchospastik oder Pseudokrupp): 2–4 mg pur
  • Bei Symptomen einer Anaphylaxie (Hautrötung, Atembeschwerden, Missempfindung in Mund und Rachen) schnell handeln → Adrenalin i.m.
  • Adrenalin-Autoinjektor ist teilweise in Notfallsets für Allergiker enthalten
  • Wirkeintritt: 30 sek
  • Wirkdauer: 3–5 min
  • Metabolisierung: Rascher Abbau durch Catechol-O-Methyltransferase (COMT) und Monoaminooxidase (MAO) zu inaktiven Metaboliten (v. a. Metanephrin, Vanillinmandelsäure)
  • Ausscheidung: Renal als Metabolite über den Urin
  • Adrenalin gehört zu den direkten Sympathomimetika 
    • Adrenalin entsteht über mehrere Syntheseschritte aus der Aminosäure Tyrosin 

Katecholamine - Synthese

  • Es wirkt aktivierend auf 𝛼1-/β1-/β2-Adrenozeptoren:
    • 𝛼1: Vasokonstriktion → Anstieg des Blutdrucks und Reduktion von Schleimhautödemen, z. B. bei Anaphylaxie in den oberen Atemwegen
    • β1: Positiv chronotrop (Herzfrequenz↑), inotrop (Kontraktilität↑), lusitrop (Erschlaffungsgeschwindigkeit↑), dromotrop (Erregungsleitung↑), bathmotrop (Erregbarkeit ↑) → Steigerung des Herzzeitvolumens durch kombinierte Frequenz- und Kontraktilitätszunahme
    • β2: Bronchodilatation
  • Weitere Effekte: 
    • Steigerung der Koronar- und zerebralen Perfusionsdrücke im Rahmen der Reanimation
    • Glykogenolyse und Glukoneogenese → Anstieg des Blutzuckerspiegels
    • Reduzierte Darmtätigkeit
    • Erhöhung des myokardialen Sauerstoffverbrauchs
    • Erhöhte Schweißproduktion
    • Zentrale Unruhe, Tremor, Angstgefühl bei systemischer Gabe
    • Pupillenerweiterung (Mydriasis)
  • Wirkabschwächung von Adrenalin: 
    • Durch α-Blocker und β-Blocker
  • Wirkungsverstärkung von Adrenalin: 
    • Durch MAO‑Hemmer, COMT‑Hemmer, trizyklische/tetrazyklische Antidepressiva, Sympathomimetika, Levodopa, Theophyllin, Levothyroxin, Antihistaminika (v.a. Chlorphenamin, Tripelenamin, Diphenhydramin)
  • Besonderes Risiko (Adrenalinumkehr): 
    • Durch die Gabe von nichtselektiven β‑Blockern (z.B. Propranolol) → Diese blockieren sowohl β1- als auch β2-Rezeptoren
    • Dadurch bleibt bei Adrenalingabe nur die Wirkung an den α-Rezeptoren erhalten, was zu einer ausgeprägten Vasokonstriktion führt → Paradoxer starker Blutdruckanstieg (hypertensive Krise) 
  • Tachykarde Herzrhythmusstörungen
  • Hypertonie (Blutdruckanstieg)
  • Hyperglykämie (BZ-Anstieg)
  • Hypokaliämie
  • Mydriasis
  • Tremor, Unruhe
  • Temperaturlimit: Keine Lagerung über 25°C → Wirksamkeit kann sinken
  • Schutzmaßnahmen: Vor Licht und Wärmequellen schützen
  • Lagerungshinweise des Herstellers berücksichtigen
  • Sympathikus (Pharmakologie)
  • Pharmakologie des Herz-Kreislauf-Systems (RD)
  • Fachinformation Adrenalin 1:1000 InfectoPharm Injektionslösung, Stand: 2024
  • Leitlinie: Reanimation 2025 – Leitlinien kompakt. German Resuscitation Council (GRC)
  • S2k-Leitlinie Akuttherapie und Management der Anaphylaxie, Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI)
  • Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
  • Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9
Zuletzt aktualisiert am 13.03.2026
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