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Allgemeine Nierenfunktionen

EP
8 Minuten Lesezeit
  • Homöostatische Funktionen
    • Regulierung des Wasserhaushalts
      • Konstanthaltung der Wassermenge im Körper (42 L) und der 
        Osmolalität im Blut (290 mosm/kg H2O)
    • Regulation des extrazellulären Volumens
      • Konstanthaltung des extrazellulären Volumens (EZV) von ca. 15 L 
        (spielt eine Rolle bei der langfristigen Blutdruckregulation)
    • Regulierung des Elektrolythaushaltes
      • Konstanthaltung der Konzentration der wichtigsten Elektrolyte 
        wie Na+, K+, Ca2+, Mg2+, HCO3- und Phosphat
    • Regulation des Säure-Basen-Haushaltes
      • Konstanthaltung des pH-Wertes im Blut (7,4) durch Ausscheidung von Säuren und Basen über die Nieren
  • Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen
    • Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten wie Harnstoff 
      ( ca. 20 g/Tag), Kreatinin (ca. 1,2 g/Tag), Ammonium (ca. 1 g/Tag) und 
      Harnsäure (ca. 0,5 g/Tag)
    • Ausscheidung körperfremder Substanzen wie Medikamente
  • Biochemische Funktionen
    • Synthese von Hormonen und Enzymen wie Vitamin D (Calcitriol 
      Calcium- und Knochenstoffwechsel), Erythropoetin (➜ Blutbildung) und 
      Renin (➜ Regulation des Blutdrucks)
    • Synthese von Aminosäuren

Die Niere besteht aus der Nierenrinde (Cortex renalis) und dem Nierenmark (Medulla renalis). Nierenrinde und Nierenmark werden von den sogenannten Nephronen durchzogen. Pro Niere gibt es ca. 1 Million Nephrone, die damit die funktionell kleinste Einheit der Niere bilden. In der Nierenrinde befinden sich die Nierenkörperchen (kapillärer Gefäßknäuel (Glomerulus) + umliegenden Kapsel (Bowman-Kapsel)), die für die Bildung des Primärharns verantwortlich sind. Im Nierenmark befinden sich die Nierenkanälchen, die den Primärharn konzentrieren.

Aufbau der Niere

Struktur und funktionelle Einheiten der Nieren

Aufbau eines Nephrons:

 

Aufbau eines Nephrons
AbschnittHauptfunktionen
GlomerulusPrimärharnbildung
Proximaler TubulusMassenresorption (2/3 der Resorptionsleistung)
Henle-SchleifeHarnkonzentrierung durch einen kortikomedullären osmotischen Gradienten im Nierenmark
Distaler TubulusResorption von Na+ und Cl-
Verbindungsstück & SammelrohrFeineinstellung: Anpassung an den Bedarf des Körpers durch Resorption von H2O und Elektrolyten und Anpassung des pH-Wertes im Blut durch Sekretion von Säuren oder Basen

Nierenkörperchen:

Die Nierenkörperchen bestehen aus dem Glomerulus (Gefäßknäuel) und der Bowman-Kapsel (wird aus einem parietalen und viszeralen Blatt gebildet). Das Blutplasma wird aus den glomerulären Kapillaren über den glomerulären Filter in den Kapselraum gepresst. Die entstandene Flüssigkeit wird als Ultrafiltrat bezeichnet. Es enthält alle Stoffe des Blutplasmas, bis auf die Stoffe, die durch den glomerulären Filter im Blut zurückgehalten werden. Es enthält eine geringere Konzentration an Proteinen als das Blutplasma und bildet den Ausgangspunkt für die weitere Verarbeitung des Urins in den Nieren.

Der glomeruläre Filter bildet die Blut-Harn-Schranke. Er besteht aus dem diskontinuierlichen Endothel der glomerulären Kapillaren, der Basallamina des Endothels und den Podozyten mit deren Schlitzmembran.
Die 3 Schichten des Filters weisen eine unterschiedliche Durchlässigkeit auf und halten bestimmte Zellen und Stoffe im Blut zurück:

1. Schicht: Blutzellen werden zurückgehalten
2. Schicht: größere Proteine werden zurückgehalten
3. Schicht: Plasmaproteine wie Albumin werden zurückgehalten

Das pro Zeiteinheit von den Glomeruli filtrierte Volumen wird als glomeruläre Filtrationsrate (GFR) bezeichnet. An der Stelle, an der die afferenten und efferenten Arteriolen in die Bowman-Kapsel ein- bzw. austreten, kommt der erste Teil des distalen Konvoluts in direkten Kontakt mit den Arteriolen. Die Wand des distalen Konvoluts bildet an dieser Stelle einen Teil des juxtaglomerulären Apparates, der als Macula densa bezeichnet wird. An der Macula densa wird die NaCl-Konzentration gemessen. Je nach Höhe der NaCl-Konzentration wird die glomeruläre Filtrationsrate durch eine Dilatation oder Konstriktion der afferenten Arteriole angepasst. Die Macula densa spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Blutdrucks.

Nierenkörperchen
Grundprinzipien der Urinbildung

1. Filtration: Primärharnbildung

  • Entspricht, bis auf Plasmaproteine, dem eiweißfreien Blutplasma 
    (pro Tag ca. 180 L)
  • Enthält unter anderem Wasser, Natriumionen, Chloridionen, Bicarbonat, weitere Elektrolyte, Glucose, Laktat, Aminosäuren, Acetat, Citrat
Resorption

2. Tubuläre Resorption

  • Pro Tag ca. 179 L (ca. 99% des Primärharns)
  • Größtenteils im proximalen Tubulus und im 
    absteigenden Teil der Henle-Schleife
  • Rückresorption 2/3 des Wassers und des NaCls, ca. 90%, 
    ca. 95% des Bicarbonats und nahezu 100% der Glucose und Aminosäuren

3. Tubuläre Sekretion

Sekretion
  • Sekretion verschiedener Stoffe wie von Harnstoff
    Harnsäure, Protonen, Ammoniak und Kalium

4. Ausscheidung des Endurins

  • Pro Tag ca. 1 L
  • Ausscheidung von harnpflichtigen Substanzen: 
    insbesondere Harnstoff, Kreatinin, Harnsäure, Oxalat, Ammoniak

Gefäßabschnitte

Durchblutung der Nieren

Die Blutzufuhr zur Niere erfolgt über die A. renalis (1). Von dort gelangt das Blut zunächst in die Segmentarterien (2). Diese münden in die Aa. lobares (3), welche anschließend in die Aa. interlobares (4) müden. Diese verlaufen zwischen zwei Nierenpyramiden kapselwärts. Die Aa. interlobares (4) verzweigen sich in die Aa. arcuatae (5). Aus den Arteriae arcuatae (5) entspringen wiederum senkrecht die Aa. interlobulares (6).

Aus den Aa. interlobulares (6) entspringen die Aa. afferentiae (7), die sich in den Glomeruli (8) in zahlreiche parallele Gefäßschlingen aufteilen. Diese Gefäßschlingen münden in die Aa. efferentiae (9), die sich wiederum verzweigen:

  • Die efferenten Gefäße der oberflächlichen Glomeruli geben peritubuläre Kapillaren (10) ab, die ein Gefäßnetz um die Tubuli in der Nierenrinde bilden. Im peritubulären Kapillarnetz finden Resorptions- und Sekretionsprozesse statt
  • Die efferenten Gefäße der tiefer gelegenen Glomeruli, auch als juxtamedulläre Glomeruli bezeichnet, geben die Vasa recta (11) ab, die in langen Kapillarschlingen das Mark versorgen und oft bis zur Papillenspitze absteigen. Die Vasa recta dienen vor allem der Harnkonzentrierung nach dem Gegenstromprinzip (siehe Gegenstromprinzip)

    Die peritubulären Kapillaren und die Vasa recta münden schließlich über verschiedene Verzweigungen in die V. renalis (12).

 

Durchblutung der Niere

Renaler Blutfluss

Die Nieren sind die am stärksten durchbluteten Organe des Körpers mit einer Durchflussrate von ca. 1 Liter pro Minute, bezogen auf ihr Gewicht, das nur 0,4 % des gesamten Körpergewichts ausmacht. Etwa 20 % des Herzzeitvolumens fließen durch die Nieren, wobei die Nierenrinde mit 90 % des renalen Blutflusses im Vergleich zum Nierenmark den größten Anteil hat. Der größte Teil des Blutes fließt durch die Glomeruli, die sich in der Nierenrinde befinden. Die intensive Durchblutung der Nieren resultiert nicht aus einem hohen Sauerstoffverbrauch (die Sauerstoffsättigung in den Nierenvenen beträgt ca. 90 %), sondern dient hauptsächlich der Filtration und der Bildung des Primärharns.

Wichtige Kenndaten der Nierenfunktion:

Kenndaten Wert
Renaler Blutfluss (RBF)
  • Blut, das pro Minute durch die Nieren fließt
1.200 ml/min 
(20 % des Herzzeitvolumens)
Renaler Plasmafluss 
(RPF)
  • Plasmavolumen, das pro Minute durch die Nieren fließt
  • Berücksichtigt nur die flüssigen Komponenten des Blutes, nicht die Blutzellen
600 ml/min
Glomeruläre Filtrationsrate (GFR)
  • Plasmavolumen, das pro Minute in allen Nierenkörperchen zusammen filtriert wird
  • Gibt Rückschlüsse auf die Effizienz der Nieren bei der Filtration des Blutes
120 ml/min 
(ca. 180 l/Tag)
Filtrationsfraktion (FF)
  • Anteil des renalen Plasmaflusses, das filtriert wird (20%)
  • FF =  GFR/RPF
  • Die restlichen 80% des Blutplasmas werden nicht filtriert und fließen über die Vasa efferentia wieder ab
GFR/RPF = 120 ml/min / 600 ml/min  
= 0,2 = 20 %
Fraktionelle Ausscheidung (FA)
  • Prozentualer Anteil einer Substanz, die nach der Filtration tatsächlich über den Urin ausgeschiedenen wird
  • FA=  "ausgeschiedene Menge" /"filtrierte Menge"
  • Wenn die FA = 100% beträgt, wird der Stoff nachdem er filtriert wurde vollständig ausgeschieden
  • FA <100% = Resorption
  • FA = 100% = keine tubulären Transportprozesse
  • FA >100% = Sekretion
Bsp. Wasser: 
0,9 l/Tag werden über den Urin ausgeschieden / 180 l/Tag werden filtriert = 0,005 
= 0,5% des filtrierten Wassers werden über den Urin ausgeschieden
Resorption
  • Menge eines Stoffes, die aus dem Urin zurück ins Blut aufgenommen wird
99 % des filtrierten Wassers werden resorbiert
Urinausscheidung
  • Urinvolumen, das innerhalb von einem Tag ausgeschieden wird
1-2 l/Tag
Zuletzt aktualisiert am 10.12.2024
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