Die Analgosedierung umfasst sowohl die Analgesie (Schmerzlinderung) als auch die Sedierung(Bewusstseinsdämpfung) der Patient:innen. Dabei werden spezifische Medikamente wie Opioide und Benzodiazepine in geeigneter Dosierung und unter kontrollierten Bedingungen (Monitoring) verabreicht. Ziel ist es, eine ausreichende Schmerzlinderung und Sedierung zu erreichen, um unangenehme invasive diagnostische oder therapeutische Eingriffe durchführen zu können, während Schutzreflexe und Spontanatmung erhalten bleiben.
Ziele der Analgosedierung:
Analgesie
Sedierung
Anxiolyse
Toleranz gegenüber invasiven diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen
Optimierung der Rahmenbedingungen für den Eingriff
Verminderte Stressreaktion
Sauerstoffbrille oder Sauerstoffmaske
Beatmungsbeutel mit Maske
Infusionssystem
Medikamente:
Sedierung:
Standardmedikament: Propofol
Bei hämodynamischer Instabilität: Esketamin/Ketamin
Bei kardiovaskulären Risikopatient:innen: Etomidat
Zur Anxiolyse: Midazolam (Cave: die Kombination von Midazolam mit Propofol verlängert die Aufwachzeit deutlich)
Analgesie:
Piritramid
Oxycodon
Sufentanil
Remifentanil
Fentanyl
Material für Atemwegskomplikationen (Guedel-/Wendl-Tubus, supraglottische Atemwegshilfe, Materialien für endotracheale Intubation)
Beatmungsgerät überprüft und einsatzbereit
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Risikofaktoren: obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS), Allergien, erhöhtes Aspirationsrisiko, Hinweise auf einen schwierigen Atemweg, ASA ≥3, Alter >80 Jahre, BMI >30 kg/m2, Sprachbarriere, schwere kardiovaskuläre (instabile AP, NYHA >II oder pulmonale Erkrankung (ausgeprägte COPD).
Durchführung:
Applikation von Analgetika und Sedativa bzw. Injektionsanästhetika
Monitoring der Sedierung
Monitoring der Analgesie
Dokumentation von Verlauf und verabreichten Medikamenten
Nachsorge: mit weiterführender Überwachung nach Analgosedierung
Monitoring der Sedierung:
Ziel: Spontan atmende, kooperative und angstfreie Patient:innen.
Minimale/moderate Sedierung → Subjektive Scores (RASS oder Ramsay)
Erwünschte tiefe Sedierung → Objektives EEG-Monitoring (z. B. BIS)
Dokumentation obligat
Richmond Agitation and Sedation Scale (RASS)
Die RASS ist der Goldstandard zur Beurteilung der Sedierungstiefe und erfasst als einziger Score sowohl Sedierung als auch Agitation auf einer einheitlichen Skala.
Wert
Bezeichnung
Beschreibung
+4
Streitlustig
Aggressiv, unmittelbare Gefahr für das Personal
+3
Stark agitiert
Zieht Katheter/Zugänge, sehr unruhig
+2
Agitiert
Häufige ungerichtete Bewegungen, beatmungsintolerаnt (z.B. Atmung gegen Respirator)
+1
Unruhig
Ängstlich, unruhig, keine aggressiven Bewegungen
0
Wach und ruhig
Normalbefund
−1
Schläfrig
Nicht vollständig wach, aber anhaltender Augenkontakt auf Ansprache (>10 sek)
−2
Leichte Sedierung
Kurzzeitiger Augenkontakt auf Ansprache (<10 sek)
−3
Mäßige Sedierung
Bewegung oder Augenöffnung auf Ansprache, kein Augenkontakt
−4
Tiefe Sedierung
Keine Reaktion auf Ansprache, Bewegung nur auf körperlichen Reiz
−5
Nicht erweckbar
Keine Reaktion auf Ansprache oder körperliche Stimulation
Behavioral Pain Scale (BPS) – für intubierte Patient:innen
Behavioral Pain Scale – Non-Intubated (BPS-NI)
Ziel: BPS <6 und in keinem Bewertungsbereich >2 Punkte
Behavioral Pain Scale (BPS)
Item
Beschreibung
Punkte
Mimik
Ruhig, entspannt
Teilweise angespannt
Sehr angespannt
Schmerzverzerrte Grimasse
1 2 3 4
Obere Extremität
Keine Bewegung
Teilweise Bewegung
Flexion bzw. Bewegung der Finger
Geballte Fäuste
1 2 3 4
Adaptation an Beatmungsgerät
Toleranz
Gelegentliches Husten
Gegenatmen/Pressen
Maschinelle Beatmung unmöglich
1 2 3 4
Behavioral Pain Scale - Non-Intubated (BPS-NI)
Item
Beschreibung
Punkte
Mimik
Ruhig, entspannt
Teilweise angespannt
Sehr angespannt
Schmerzverzerrte Grimasse
1 2 3 4
Obere Extremität
Keine Bewegung
Teilweise Bewegung
Flexion bzw. Bewegung der Finger
Geballte Fäuste
1 2 3 4
Verbaler Ausdruck
Keine verbale Äußerung von Schmerzen
Gelegentliches Stöhnen (<3/min, <3 sek)
Oftmaliges Stöhnen (>3/min, >3 sek)
Weinen oder verbale Äußerung von Schmerzen
1 2 3 4
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Sättigungsabfall SpO2 ≤90 %
Sauerstoffzufuhr über Nasenbrille erhöhen
Unterbrechung der Zufuhr von Allgemeinanästhetika
Lautes Ansprechen (Kommandoatmung)
Öffnung der Atemwege:
Kopf überstrecken
Esmarch-Handgriff
Verwendung von Atemwegshilfen (Guedel-/ Wendl-Tubus)
Maskenbeatmung (Sauerstoffversorgung an Beatmungsbeutel anschließen)
Bei Übergang in Allgemeinanästhesie (ohne schnelle Reversibilität) → Atemwegssicherung durch supraglottische Atemwegshilfe oder endotracheale Intubation
Arterielle Hypotonie
Volumengabe (balancierter Vollelektrolytlösung)
Kopftieflagerung (Autotransfusion)
Gabe von Vasokonstriktoren
Hypertensive Entgleisung
Bei unzureichender Analgesie: Nachdosieren
Blutdruck und Manschette erneut kontrollieren (ggf. fehlerhafte Messung)
Herzrhythmusstörungen
Bei Bradykardie: Atropin z.B. 0,5–1 mg i.v, max. 3 mg. oder Adrenalin bei ausbleibender Atropin-Wirkung z.B. Adrenalin 2–10 μg/min i.v. als Dauerinfusion
Bei Tachykardie: Harnblase voll? Analgesie ausreichend? Ggf. nachdosieren
Herz-Kreislauf-Stillstand
Kardiopulmonale Reanimation starten
Aspiration
Kopftieflagerung
Absaugen oder bronchoskopische Entfernung des Aspirats
Lagerungsschäden (Dekubitus)
Druckentlastung durch Lagerung und Polsterung
Delir
Ruhige Atmosphäre schaffen
Hinweis auf Orientierungshilfen (Uhren, Erwähnung von Zeit, Ort und Situation)
Häufige Personalwechsel vermeiden
Medikamentöse Therapie (insb. bei Eigen- oder Fremdgefährdung):
Bei Morbus Parkinson oder Lewy-Body-Demenz sind viele Antipsychotika aufgrund des antidopaminergen Wirkmechanismus kontraindiziert.Daher sollte hier Clozapin verwendet werden.
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Nach Beendigung der Sedierung ist eine strukturierte Nachüberwachung von mindestens 30 Minuten erforderlich. Bei Bedarf sollte die Nachsorge verlängert werden, insbesondere nach schmerzhaften Interventionen oder nach Antagonisierung zentral wirksamer Substanzen (z. B. Flumazenil, Naloxon) aufgrund des Risikos einer Resedierung.
Ort: Aufwachraum oder vergleichbarer Erholungsraum mit Notfallausstattung
Personal: Lückenlose Überwachung durch qualifiziertes Personal (auch während Transporten)
Nach Antagonisierung (Flumazenil, Naloxon) ist die Überwachungszeit zu verlängern, da die Wirkdauer der Antagonisten kürzer ist als die der Sedativa/Opioide → Resedierungsgefahr
Entlasskriterien:
Alle folgenden Kriterien müssen erfüllt sein. Entlassungszeitpunkt wird individuell ärztlich festgelegt. Dokumentation des Entlassungszustands ist obligat.
Kriterium
Ziel
Atmung
Suffiziente Spontanatmung
Schutzreflexe
Schluck-, Würge- und Hustenreflex vorhanden
Kreislauf
Stabile Hämodynamik ohne Unterstützung
Bewusstsein
Wach, orientiert
Temperatur
Normothermie Erwachsene ein Normbereich von 35,0–37,5°C (bei sublingualer oder axillärer Messung)
Schmerz
Adäquate Analgesie / Schmerzfreiheit
Übelkeit
Keine oder minimale PONV
Mobilität
Vergleichbar mit Ausgangszustand
Trinken
Flüssigkeitsaufnahme möglich
Organisation
Sichere Begleitung nach Hause gewährleistet
Info
Fahrtauglichkeit
Patient:innen sind nach Analgosedierung für 24 Stunden fahruntauglich und dürfen weder Fahrzeuge führen noch Maschinen bedienen. Die Aufklärung darüber erfolgt vor und nach dem Eingriff, umfasst sowohl Patient:in als auch Begleitperson und muss dokumentiert werden.
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