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Anämie

4 Minuten Lesezeit
 Definition

Von einer Anämie spricht man bei einer Erniedrigung des Hb-Wertes, des Hämatokrits oder der Erythrozytenzahl.

Mittels der Transfusion von Erythrozytenkonzentraten kann eine Anämie kurzfristig therapiert werden. Eine nachhaltige Therapie ist jedoch nur möglich, wenn man die Ursache herausfindet. Neben akuten und chronischen Blutungen gibt es viele weitere Ursachen, wie z.B. eine Hämolyse, eine chronische Erkrankung oder ein Mangel an Eisen oder Vitaminen.

Im Folgenden geben wir euch eine Übersicht über die Ursachen und die Laborparameter, anhand derer ihr differenzialdiagnostisch vorgehen könnt. Die häufigste Anämie ist die Eisenmangelanämie. Im Artikel Eisenmangel gehen wir auf die Eisenmangelanämie und deren laborchemische Diagnostik gesondert ein. Im Artikel Hämolyse gehen wir gesondert auf die Hämolyseparameter ein.

Laborchemische Differenzialdiagnostik einer Anämie

Bei einem geringen Hb-Wert liegt eine Anämie vor. Abhängig vom MCV und MCH-Wert unterscheidet man:

  • MCV↓: Mikrozytäre Anämie
  • MCH↓: Hypochrome Anämie
     
  • MCV=: Normozytäre Anämie
  • MCH=: Normochrome Anämie
     
  • MCV↑: Makrozytäre Anämie
  • MCH↑: Hyperchrome Anämie

Mikrozytäre, hypochrome Anämie

Bei einer mikrozytären, hypochromen Anämie ist anhand des Ferritinwertes eine weitere Differenzierung möglich. Eine erniedrigter Ferritinwert ist praktisch beweisend für eine Eisenmangelanämie. Da Ferritin ein Akute-Phase-Protein ist, kann es bei einer Entzündung erhöht sein. Ist die Transferrinsättigung vermindert und der soluble (löslicher) Transferin-Rezeptor erhöht, so spricht dies für eine Eisenmangelanämie.

Anhand der Entzündungsparameter und der Hämolysezeichen lässt sich eine weitere Differenzierung zwischen Anemia of chronic disease und einer Thalassämie erreichen.

Die Eisenmangelanämie und die Anemia of chronic disease sind die häufigsten Anämieformen.

Normochrome Anämie

Bei einer normochromen Anämie liefern die Retikulozyten wichtige Hinweise auf die Genese. Bei einer erhöhten Blutbildung kommt es zu erhöhten Retikulozytenwerten.

Bei einer subakuten Blutung sind die Retikulozyten daher erhöht. Die Hämolyseparameter geben Aufschluss über das Vorliegen einer Hämolyse. Bei dieser kommt es ebenfalls zu einer erhöhten Nachbildung der Erythrozyten.

Bei einer renalen oder aplastischen Anämie kommt es zu einer verminderten Blutbildung im Knochenmark, auf der die Anämie beruht. Daher sind bei diesen Anämieformen die Retikulozyten erniedrigt.

Makrozytäre Anämie

Eine makrozytäre Anämie ist meistens auf einen Vitamin-B12- oder Folsäure-Mangel zurückzuführen. Bei dem Verdacht auf einen Vitaminmangel sollten die Vitamin-Spiegel bestimmt werden. Es sollte auch eine Abklärung der Ursache des Vitamin-Mangels erfolgen. So kann eine Typ-A-Gastritis zu einer verminderten Aufnahme von Vitamin-B-12 führen. In diesem Fall wird die Anämie als perniziöse Anämie bezeichnet.

Bei einer makrozytären Anämie sollte ebenfalls an ein myelodysplastisches Syndrom gedacht werden.

MCV & MCH bei einer Eisenmangelanämie und bei einem Vitamin-B12- oder Folsäuremangel

Anämieformen: MCV und MCH

Bei einer Eisenmangelanämie kommt es zu einer mikrozytären, hypochromen Anämie. Dies liegt daran, dass zwar genug Erythrozyten gebildet werden können, jedoch nicht genug Eisen für die Synthese von Hämoglobin vorliegt. Es resultieren kleine Erythrozyten mit einer geringen Hämoglobinbeladung.

Bei einem Vitamin-B12- oder Folsäuremangel können nicht genug Erythrozyten gebildet werden. Die vorhandenen Erythrozyten werden übermäßig mit Hämoglobin beladen und es resultieren große Erythrozyten mit einem hohen Hb-Gehalt.

Akute Blutung

Bei einer akuten Blutung ist der Hb-Wert in der Regel nicht sofort erniedrigt. Erst im Verlauf kommt es zu einem ausgleichenden Flüssigkeitseinstrom in die Gefäße und so zu einer Verdünnung des Hb-Wertes. Es kann also trotz (noch) normwertigem Hb-Wert eine akute Blutung vorliegen.

Akute Blutung - Beurteilung des Hb-Wertes

 Achtung

Bei einer akuten Blutung ist der Hb-Wert in der Regel nicht sofort erniedrigt. Es kann also trotz normwertigem Hb-Wert eine akute Blutung vorliegen.

Zuletzt aktualisiert am 26.09.2024
Blutbild
Eisenwerte und Eisenmangelanämie
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