Eine Anaphylaxie ist eine akut einsetzende, systemische und potenziell lebensbedrohliche Überempfindlichkeitsreaktion auf einen normalerweise harmlosen Auslöser, z.B. Nahrungsmittel, Insektengifte oder Medikamente. Die häufigste Form ist die allergische Anaphylaxie, bei der nach Kontakt mit dem Allergen eine IgE-vermittelte Aktivierung von Mastzellen und Granulozyten erfolgt. Dadurch werden Histamin und weitere Entzündungsmediatoren freigesetzt, die für die klinischen Symptome verantwortlich sind.
Zu den typischen Frühzeichen zählen Juckreiz, Flush, Urtikaria und Angioödeme. Mit zunehmendem Schweregrad können zusätzlich gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit oder Erbrechen, respiratorische Symptome wie Dyspnoe oder Stridor sowie kardiovaskuläre Manifestationen wie Tachykardie, Hypotonie oder ein anaphylaktischer Schock auftreten.
Die Diagnose wird in der Regel anhand der charakteristischen Symptomkonstellation in Verbindung mit einer bekannten oder vermuteten Allergenexposition gestellt.
Um schwere oder lebensbedrohliche Verläufe zu verhindern, sollte die Behandlung unverzüglich eingeleitet werden. Hierzu gehören insbesondere die frühzeitige Gabe von intramuskulärem Adrenalin ab Anaphylaxie Grad II als Medikament der ersten Wahl, eine ausreichende Volumentherapie zur Stabilisierung des Kreislaufs, das Beenden der weiteren Allergenexposition sowie die ergänzende Gabe von Antihistaminika zur Linderung der Symptomatik.
Info
DasfolgendeFallbeispiel beschreibt eine Anaphylaxie mit primärrespiratorischerSymptomatik.
Um den Einstieg in das Thema Anaphylaxie etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: Anaphylaxie
Ort: Einfamilienhaus
Alarmzeit: 15:22 Uhr
Anrufer: Ehepartnerin
Anzahl der Betroffenen: 1
Zusatzinfo:
Männlich, 34 Jahre alt
Patient hat eine bekannte Allergie gegen Erdnüsse
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes befindet sich der Patient in sitzenderPosition auf einem Stuhl und nimmt eine atemerleichternde Haltung mit nach vorngebeugtemOberkörper ein.
Die Lage ist wie folgt:
Der Patient wirkt deutlich ängstlich und zeigt eine ausgeprägteAtemnot
Eine verbaleKommunikation ist nur eingeschränkt möglich, Antworten erfolgen lediglich einsilbig
Zusätzlich besteht eine ausgeprägte Heiserkeit
Klinisch imponieren ein deutlicher inspiratorischerStridor sowie ein anhaltender Hustenreiz
Die Haut zeigt eine Urtikaria im Bereich von Gesicht und Armen
Darüber hinaus fällt eine Schwellung der Lippen im Sinne eines Angioödems auf
Die Ehefrau berichtet, dass der Patient versehentlich erdnusshaltigeBestandteile des Abendessens konsumiert habe
Wenige Minuten nach der Nahrungsaufnahme sei zunächst ein Kribbeln im Mundbereich aufgetreten
Im weiteren Verlauf entwickelte sich eine raschzunehmendeAtemnot
Aufgrund der progredienten Symptomatik setzte die Ehefrau umgehend den Notruf ab
Ersteindruck nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit einer Anaphylaxie aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Anlage eines 12-Kanal-EKG in diesem Fall hintenangestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x
Keine kritischen Blutungen
A
Atemwege geschwollen
Schleimhäute insgesamtblass
Patient ist ansprechbar, antwortet aber nur einsilbig
Deutlich ausgeprägter inspiratorischer Stridor + Hustenreiz
Akutes A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion normal
Keine Verletzungen oder Abnormalitäten sichtbar
Keine gestauten Halsvenen sichtbar
Tachypnoe
Auskultatorisch:
Inspiratorischer Stridor
Palpatorisch:
Thorax insgesamt stabil
SpO2: 86%, schlecht ableitbar
Atemfrequenz: 27/min
Akutes B-Problem
C
Hautkolorit: Urtikaria
Insgesamt kaltschweißig
Rekap-Zeit: 3 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses am Handgelek:
Rhythmisch
Mäßig tastbar
Tachykard: 124/min
Mittelbares C-Problem
D
Wach, ansprechbar
GCS 15
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 5
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Keine Verletzungen ersichtlich
Symptome:
Ausgeprägte Dyspnoe
Deutlicher Stridor + Hustenreiz
Angioödem
Allergien/Infektionen: Allergie gegen Erdnüsse
Medikamente:
Keine Dauermedikation
Keine Akutmedikation
Patientengeschichte: Keine Vorerkrankungen
Letzte Mahlzeit: vor 20 Minuten, Abendessen
Ereignis:
Beginn nach Nahrungsaufnahme
Risikofaktoren: Allergie gegen Erdnüsse
Kein E-Problem
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Definition
Anaphylaxie
Anaphylaxie bezeichnet eine akute, systemische und potenzielllebensbedrohlicheReaktiondesImmunsystems auf normalerweise harmlose Allergene wie Nahrungsmittel, Insektengifte oder Medikamente.
Definition
Anaphylaktischer Schock
Schwere Anaphylaxie (Grad III) mit distributivem Schock infolge einer ausgeprägten Vasodilatation und erhöhten Gefäßpermeabilität, die zu einer relativen Hypovolämie, Hypotonie und Kreislaufinsuffizienz führt.
Einteilung nach Schweregrad
Grad
Haut- und Allgemeinsymptome
Respiratorische Symptome
Kardiovaskuläre Symptome
Gastrointestinale Symptome
I
Juckreiz
Flush (Hautrötung)
Urtikaria (juckende Quaddel)
Angioödem (Schleimhautschwellung, häufig an Lippen oder Augenliedern)
-
-
-
II
Juckreiz
Flush
Urtikaria
Angioödem
Rhinorrhö (Nasenlaufen)
Heiserkeit
Dyspnoe
Tachykardie: Anstieg der Herzfrequenz um > 20/min
Hypotonie: Abfall des systolischen Blutdrucks um > 20 mmHg
Rhythmusstörungen
Nausea (Übelkeit)
Krämpfe
Brechreiz
III
Juckreiz
Flush
Urtikaria
Angioödem
Larynxödem (Schwellung im Bereich des Kehlkopfs)
Bronchospasmus
Zyanose
Schock
Defäkation (Stuhlgang)
Erbrechen
IV
Juckreiz
Flush
Urtikaria
Angioödem
Atemstillstand
Kreislaufstillstand
Erbrechen
Info
Die Einteilung richtet sich nach den jeweils amstärkstenausgeprägtenSymptomen. Das Auftreten einzelner Symptome ist dabei nicht zwingend erforderlich.
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Typische Auslöser
Auslöser
Typische Allergene bzw. Auslöser
Häufigkeit
Besonderheiten und Risikohinweise
Nahrungsmittel
Nüsse
Milch, Eier, Soja
Weizenprodukte
Fisch und Schalentiere
Kinder: verantwortlich für etwa 60 % der Anaphylaxien
Erwachsene: eher selten
Erdnüsse zählen zu den häufigsten Auslösern schwerer und potenziell tödlicher anaphylaktischer Reaktionen
Insektengifte
Wespen- und Bienenstiche
Kinder: etwa 25 % der Fälle
Erwachsene: häufigster Auslöser
Das Risiko schwerer Verläufe kann durch die Einnahme von Betablockern oder ACE-Hemmern erhöht sein
Medikamente
Antibiotika (insbesondere Penicilline und Cephalosporine
NSAR (z.B. Ibuprofen, Diclofenac, Metamizol)
Kontrastmittel
Kinder: etwa 10 % der Fälle
Erwachsene: ebenfalls einer der häufigsten Auslöser
Reaktionen treten häufig nach parenteraler Verabreichung auf und können sowohl IgE-vermittelt als auch nicht-IgE-vermittelt sein
Können allergische Reaktionen verstärken und eine sogenannte Summationsanaphylaxie begünstigen, beispielsweise bei bestehender Weizenallergie
Idiopathische Anaphylaxie
Kein identifizierbarer Auslöser nachweisbar
Etwa 20 % der Fälle
Trotz fehlender Ursache entsprechen Verlauf und Schweregrad denen anderer anaphylaktischer Reaktionen
Risikofaktoren für das Auftreten einer Anaphylaxie
Risikofaktoren
Beispiele
Verstärkende Faktoren
Alkohol
Infektionen
Psychischer Stress
Körperliche Anstrengung
Vorerkrankungen
Asthma bronchiale
Mastozytose (pathologischen Vermehrung und Aktivierung von Mastzellen)
kardiovaskuläre Erkrankungen
Schilddrüsenerkrankungen
schwere Anaphylaxie in der Vergangenheit
Sonstiges
Männliches Geschlecht
Hohes Alter
Merke
Bestimmte endogene und exogeneFaktoren können das Auftreten und den SchweregradeinerAnaphylaxiebegünstigen. Sie können auch selbst der Auslösersein.
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Merke
Reminder: Physiologische Grundlagen
Mastzellen sind Immunzellen, die vorwiegend in der Haut, den Schleimhäuten der Atem- und Verdauungswege sowie in der Nähe von Blutgefäßen vorkommen. Sie spielen eine zentrale Rolle in der Entstehung einer Anaphylaxie und sind wesentlich an Entzündungs- und Abwehrreaktionen beteiligt.
Wichtige Funktionen:
Allergische Sofortreaktion: Mastzellen tragen membranständige IgE-Antikörper. Bei erneutem Kontakt mit einem Allergen kommt es zur Kreuzvernetzung von IgE und zur Degranulation. Dabei werden Mediatoren wie Histamin, Leukotriene und Prostaglandine freigesetzt
Entzündungsmodulation: Mastzellen setzen Zytokine und Chemokine frei, die Immunzellen (z.B. Eosinophile, Neutrophile) anlocken und aktivieren
Abwehr von Parasiten: Durch Freisetzung von Mediatoren tragen Mastzellen zur Bekämpfung von Helminthen (Würmern) bei
Freigesetzte Hauptmediatoren:
Histamin: Vasodilatation, Erhöhung der Gefäßpermeabilität, Bronchokonstriktion, Juckreiz
Gastrointestinaltrakt / Haut: Bauchkrämpfe, Erbrechen und Diarrhö sowie Flush, Urtikaria und Ödembildung
Info
NichtjedeAnaphylaxie ist klassisch IgE-vermittelt. Auch über eine Komplementaktivierung (C3a/C5a = Anaphylatoxine) oder durch bestimmte Medikamente kann es direkt zur Mastzellaktivierung und damit zur Freisetzung vasoaktiver Mediatoren kommen.
Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme der Anaphylaxie
Systemische Vasodilatation + Kapillarleck
Bronchokonstriktion → Hypoxie
Angioödem
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Typische Zeichen
Achtung
Alarmsignale:
Schluckbeschwerden
Heiserkeit
Zyanose
Schockzeichen: Hypotonie, Marmorierung der Haut
Grad
Haut- und Allgemeinsymptome
Respiratorische Symptome
Kardiovaskuläre Symptome
Gastrointestinale Symptome
I
Juckreiz
Flush (Hautrötung)
Urtikaria (juckende Quaddel)
Angioödem (Schleimhautschwellung, häufig an Lippen oder Augenliedern)
-
-
-
II
Juckreiz
Flush
Urtikaria
Angioödem
Rhinorrhö (Nasenlaufen)
Heiserkeit
Dyspnoe
Tachypnoe
Inspiratorischer Stridor
Tachykardie (Anstieg HF <20/min)
Hypotonie (Abfall RR <20 mmHg)
Nausea (Übelkeit)
Krämpfe
Brechreiz
III
Juckreiz
Flush
Urtikaria
Angioödem
Larynxödem (Schwellung im Bereich des Kehlkopfs)
Bronchospasmus
Tachypnoe
Zyanose
Deutlich ausgeprägter inspiratorischer Stridor
Schock → persistierende Hypotonie
Defäkation (Stuhlgang)
Erbrechen
IV
Juckreiz
Flush
Urtikaria
Angioödem
Atemstillstand
Kreislaufstillstand
Erbrechen
Merke
Je nach Organbeteiligung können bei einer Anaphylaxie einzelneSymptome fehlen.
Achtung
Eine schwereallergischeReaktion kann auch ohneHautveränderungenoderallgemeineSymptomeauftreten.
Generalisierte Zeichen
Angst und Unruhe
Verwirrtheit
Vigilanzminderung
Schwindel
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Merke
Kriterien zur Diagnose einer Anaphylaxie:
Eine Anaphylaxie liegt nahe, wenn mindestens eines der folgenden Merkmale nach Allergenexposition auftritt:
Plötzliche Hautsymptome (z.B. Urtikaria, Angioödem) zusammen mit Atemwegsbeschwerden (z.B. Dyspnoe, Stridor) oder Kreislaufreaktionen (z.B. Hypotonie, Kollaps)
Akuter Symptombeginn in ≥2 Organsystemen (Haut, Atemwege, Kreislauf, Gastrointestinaltrakt) nach möglichem Allergenkontakt.
Blutdruckabfall nach Kontakt mit einem bekannten Allergen
Anamnese
Aktuelle Anamnese:
S (Symptome): Je nach Schweregrad unterschiedlich
Haut und Allgemeinsymptome: Juckreiz, Flush (Hautrötung), Urtikaria (juckende Quaddel), Angioödem (Schleimhautschwellung, häufig an Lippen oder Augenliedern)
A (Allergien, Infektionen): bekannte Allergien gegen Insektengifte, Nahrungsmittel oder Medikamente sowie Informationen zu früheren allergischen Reaktionen
M (Medikation): Einnahme von Risikomedikamenten (z.B. Betablocker, ACE-Hemmer, NSAR) sowie bereits verwendete Notfallmedikamente (z.B. Adrenalin-Autoinjektor, Antihistaminika, Salbutamol)
P (Patientengeschichte): Vorbestehende Erkrankungen wie Asthma bronchiale oder kardiovaskuläre Erkrankungen sowie frühere anaphylaktische Ereignisse
L (Letzte Mahlzeit): Zeitpunkt und Inhalt der letzten Nahrungsaufnahme, insbesondere bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie oder medikamentös ausgelöster Reaktion
E (Ereignis): Art und Zeitpunkt einer möglichen Allergenexposition, beispielsweise durch Insektenstiche, Medikamente oder Nahrungsmittel
R (Risiko): Vorliegen von Asthma, kardiovaskulären Erkrankungen, Mastozytose, höherem Lebensalter oder die Einnahme von Betablockern bzw. ACE-Hemmern
S (Schwangerschaft): Mögliche Schwangerschaft bei Patientinnen
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf eine Anaphylaxie abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Körperliche Untersuchung
Urtikaria
Inspektion:
Hautkolorit: Blässe oder Marmorierung können auf eine periphere Minderperfusion im Rahmen eines anaphylaktischen Schocks hinweisen
Zyanose: Hinweis auf eine ausgeprägte Hypoxie bei schwerer respiratorischer oder kardiovaskulärer Beteiligung
Erythem, Urtikaria und Angioödeme: Typische kutane Manifestationen einer anaphylaktischen Reaktion
Unruhe, Angst oder Bewusstseinsminderung: mögliche Zeichen einer zerebralen Minderperfusion infolge hämodynamischer Instabilität
Palpation:
Rekapillarisierungszeit: Eine Verlängerung spricht für eine eingeschränkte periphere Durchblutung bei Schockgeschehen
Hauttemperatur: kalte, feuchte Haut weist auf eine kompensatorische periphere Vasokonstriktion hin
Pulsqualität und Herzfrequenz: Initial zeigt sich häufig eine Tachykardie als Kompensationsmechanismus, im fortgeschrittenen Stadium können Bradykardien oder Herzrhythmusstörungen auftreten
Angioödem
Angioödeme: Schwellungen im Bereich von Lippen, Zunge oder Rachen können palpatorisch erfassbar sein
Abdomen: gelegentlich kann eine diffuse Druckempfindlichkeit oder Abwehrspannung bei gastrointestinaler Beteiligung bestehen
Perkussion:
Perkussionsbefund: In der Regel unauffällig. Auffällige Befunde können auf alternative oder begleitende Differenzialdiagnosen, beispielsweise einen Pneumothorax oder ein Lungenödem, hinweisen
Auskultation:
Stridor: Hinweis auf eine obere Atemwegsobstruktion durch Schleimhautödem
Giemen oder exspiratorischer Stridor: Zeichen einer bronchialen Obstruktion infolge eines Bronchospasmus
Abgeschwächtes Atemgeräusch: Kann bei schwerer Atemwegsverlegung oder ausgeprägtem Bronchospasmus auftreten
Achtung
Hauptverursacher tödlicher Verläufe:
Hypoxie bei Atemwegsverlegung
Anhaltender Schock
Vitalparameter
Parameter
Typischer Befund
Klinische Bedeutung
Atemfrequenz
Tachypnoe
Kompensatorische Reaktion auf Hypoxie oder respiratorische Beeinträchtigung
Sauerstoffsättigung (SpO₂)
Vermindert
Folge einer gestörten Oxygenierung durch Bronchospasmus, Atemwegsödem oder Hypoperfusion
Herzfrequenz
Initial erhöht (Tachykardie), im Spätstadium ggf. vermindert (Bradykardie)
Ausdruck der Kreislaufkompensation bzw. einer fortschreitenden Dekompensation
Blutdruck
Zunächst normwertig, später Hypotonie bis zum Schock
Folge systemischer Vasodilatation und Flüssigkeitsverschiebung in das Interstitium
EKG
Sinustachykardie, ggf. Herzrhythmusstörungen
Kann auf Hypoxie, hämodynamische Belastung oder medikamentöse Einflüsse zurückzuführen sein
Körpertemperatur
Meist normwertig
Keine primäre Störung der Thermoregulation zu erwarten
Blutzucker
In der Regel normwertig
Dient vor allem dem Ausschluss metabolischer Ursachen der Symptomatik
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Info
Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
Merke
ZielderBehandlung durch den Rettungsdienst ist die rascheStabilisierungvonKreislauf und Atmung. Die intramuskuläreGabevonAdrenalin in die Außenseite des Oberschenkels ist hierzu die wichtigsteundwirksamsteTherapiemaßnahme.
Basismaßnahmen
Allergenzufuhr stoppen: Entfernung beziehungsweise Unterbrechung der weiteren Allergenexposition (z.B. Entfernung eines Insektenstachels oder Beendigung einer Medikamentengabe)
Angepasste Lagerung: Symptomorientierte Positionierung zur Unterstützung von Kreislauf und Atmung
Schocklagerung: Bei Hypotonie oder Kreislaufversagen Hochlagerung der Beine um 30–60° zur Verbesserung des venösen Rückstroms
Halb- oder Oberkörperhochlagerung: Bei Dyspnoe oder Larynxödem zur Erleichterung der Atmung
Venöser Zugang: Anlage eines peripheren intravenösen Zugangs zur Verabreichung von Medikamenten und Volumentherapie
Sauerstoffgabe: Hochdosierte Sauerstofftherapie (10–15 L/min) zur Verbesserung der Oxygenierung und Behandlung einer Hypoxie
Kontinuierliches Monitoring: Überwachung von Blutdruck, Sauerstoffsättigung und EKG zur frühzeitigen Erkennung von Kreislauf- oder Atemwegsverschlechterungen
Spezifische Maßnahmen nach Manifestation
Leitsymptome
Therapie Erwachsene
Therapie Kinder
Haut und Allgemeinsymptome, z.B. Juckreiz, Flush, Urtikaria, Angioödem
H1-Antihistaminika, z.B. Dimetinden 0,1 mg/kgKg i.v., max. 8 mg oder Clemastin 0,05 mg/kgKG i.v.
Ggf. H2-Blocker, z.B. Cimetidin 200 mg i.v.
Kritische Abwägung ob i.v. Zugang für H1-Antihistaminika nötig
H1-Antihistaminika, z.B. Clemastin:
> 12 Jahre 2 mg i.v.
6-12 Jahre 1,5 mg
< 6 Jahre 1,0 mg i.v.
Glukokortikoid, z.B. Prednisolon:
> 12 Jahre 40 mg i.v.
6-12 Jahre 20 mg i.v.
< 6 Jahre 10 mg i.v.
alternativ rektale Gabe 50-100 mg
Abdominelle Symptome, z.B. Nausea, Krämpfe, Brechreiz
H1-Antihistaminika, z.B. Dimetinden 0,1 mg/kgKg i.v., max. 8 mg oder Clemastin 0,05 mg/kgKG i.v.
Ggf. H2-Blocker, z.B. Cimetidin 200 mg i.v.
Ggf. Spasmolytika, z.B. Butylscopolamin 20-40 mg i.v.
Ggf. Antiemetikum, z.B. Ondasetron 4 mg i.v.
H1-Antihistaminika, z.B. Clemastin:
> 12 Jahre 2 mg i.v.
6-12 Jahre 1,5 mg
< 6 Jahre 1,0 mg i.v.
Ggf. Spasmolytika, z.B. Butylscopolamin 0,3 mg/kgKG
Glukokortikoid, z.B. Prednisolon:
> 12 Jahre 40 mg i.v.
6-12 Jahre 20 mg i.v.
< 6 Jahre 10 mg i.v.
alternativ rektale Gabe 50-100 mg
Obstruktive Ventilationsstörung, z.B. exspiratorischer Stridor, Bronchospastik
Adrenalin i.m. 0,5 mg in die Außenseite des Oberschenkels, ggf. Wiederholung alle 5-10 Minuten
Adrenalin inhalativ 4mg pur über Verneblermaske
Ggf. inhalative ß2-Sympathomimetika, z.B. Salbutamol 2,5 - 5 mg mit 6-10 Litern O2 über Verneblermaske
H1-Antihistaminika, z.B. Dimetinden 0,1 mg/kgKg i.v., max. 8 mg oder Clemastin 0,05 mg/kgKG i.v.
Ggf. H2-Blocker, z.B. Cimetidin 200 mg i.v.
Adrenalin i.m.:
> 12 Jahre 0,5 mg
6-12 Jahre 0,3 mg
< 6 Jahre 0,15 mg
Adrenalin inhalativ 4mg pur über Verneblermaske
Ggf. inhalative ß2-Sympathomimetika, z.B. Salbutamol 2,5 mg über Verneblermaske
H1-Antihistaminika, z.B. Clemastin:
> 12 Jahre 2 mg i.v.
6-12 Jahre 1,5 mg
< 6 Jahre 1,0 mg i.v.
Glukokortikoid, z.B. Prednisolon:
> 12 Jahre 40 mg i.v.
6-12 Jahre 20 mg i.v.
< 6 Jahre 10 mg i.v.
alternativ rektale Gabe 50-100 mg
Beeinträchtigung der oberen Atemwege, z.B. Schwellung im Rachenbereich, inspiratorischer Stridor, Heiserkeit
Adrenalin i.m. 0,5 mg in die Außenseite des Oberschenkels, ggf. Wiederholung alle 5-10 Minuten
Adrenalin inhalativ 4mg pur über Verneblermaske
H1-Antihistaminika, z.B. Dimetinden 0,1 mg/kgKg i.v., max. 8 mg oder Clemastin 0,05 mg/kgKG i.v.
Ggf. H2-Blocker, z.B. Cimetidin 200 mg i.v.
Adrenalin i.m.:
> 12 Jahre 0,5 mg
6-12 Jahre 0,3 mg
< 6 Jahre 0,15 mg
Adrenalin inhalativ 4mg pur über Verneblermaske
H1-Antihistaminika, z.B. Clemastin:
> 12 Jahre 2 mg i.v.
6-12 Jahre 1,5 mg
< 6 Jahre 1,0 mg i.v.
Glukokortikoid, z.B. Prednisolon:
> 12 Jahre 40 mg i.v.
6-12 Jahre 20 mg i.v.
< 6 Jahre 10 mg i.v.
alternativ rektale Gabe 50-100 mg
Hämodynamisch wirksame Herz-Kreislauf-Reaktion, z.B. persistierende Hypotonie
Adrenalin i.m. 0,5 mg in die Außenseite des Oberschenkels, ggf. Wiederholung alle 5-10 Minuten
Bei persistierender Hypotonie <70 mmHG → Adrenalin i.v. 0,05mg alle 3-5 Minuten, max. 0,5 mg
H1-Antihistaminika, z.B. Dimetinden 0,1 mg/kgKg i.v., max. 8 mg oder Clemastin 0,05 mg/kgKG i.v.
Ggf. H2-Blocker, z.B. Cimetidin 200 mg i.v.
Vollelektrolytlösung 500-1000 ml i.v.
Adrenalin i.m.:
> 12 Jahre 0,5 mg
6-12 Jahre 0,3 mg
< 6 Jahre 0,15 mg
H1-Antihistaminika, z.B. Clemastin:
> 12 Jahre 2 mg i.v.
6-12 Jahre 1,5 mg
< 6 Jahre 1,0 mg i.v.
Glukokortikoid, z.B. Prednisolon:
> 12 Jahre 40 mg i.v.
6-12 Jahre 20 mg i.v.
< 6 Jahre 10 mg i.v.
alternativ rektale Gabe 50-100 mg
Vollelektrolytlösung 10-20 ml/kg KG i.v.
Achtung
Die Gabe von Adrenalin ist ab Stadium II indiziert.
Tipp
Persistierende Hypotonie trotz Adrenalingabe und adäquater Volumentherapie → Gabe von Noradrenalin (0,02 bis 0,15 µg/kg/Minute i.v.) mittels Perfusor zur Kreislaufstabilisierung verabreicht werden.
Info
Die Rolle von Kortikosteroiden bei Erwachsenen mit Anaphylaxie: Update ERC 2025
Die prophylaktische Gabe von Kortikosteroiden zur Vermeidung verlängerter oder biphasischer Reaktionen ist nicht evidenzbasiert
Nach aktueller Empfehlung des European Resuscitation Council wird der routinemäßige Einsatz von Kortikosteroiden in der akutenAnaphylaxiebehandlungbeiErwachsenennicht empfohlen
Bei Kindern ist der Einsatz unverändert
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Anaphylaxie bei Kindern
Die Behandlung von Kindern orientiert sich grundsätzlich an der Therapie von Erwachsenen, lediglich die Dosierungen werden alters- und gewichtsgerecht angepasst.
Achtung
Dosierung Adrenalin i.m.:
Kind > 12 J.: 0,5 mg i.m (0,5 ml)
Kind 6–12 J.: 0,3 mg i.m. (0,3ml)
Kind < 6 J.: 0,15 mg i.m. (0,15 ml)
Wesentlich ist das frühzeitigeErkennenkritischerVitalparameter. Die folgende Tabelle zeigt die Alarmgrenzen auf und unterstützt so die Einschätzung potenziell lebensbedrohlicher Zustände:
Vitalwerte
bis 1 Jahr
1-5 Jahre
6-14 Jahre
über 14 Jahren
Herzfrequenz
>160/min
>130/min
>120/min
>110/min
Blutdruck syst.
<50 mmHg
<60 mmHg
<60 mmHg
<70 mmHg
Atemfrequenz
>40/min
>35/min
>30/min
>25/min
Sauerstoffsättigung
<92 %
<92 %
<92 %
<92 %
Anaphylaxie unter Therapie mit Betablockern
Bei Patient:innen, die β-Adrenozeptorantagonisten als Dauermedikation einnehmen und nichtausreichendaufwiederholteAdrenalingaben oder andere vasokonstriktive Substanzen ansprechen, wird die Gabe von Glukagon (1-2 mg langsam i.v.) empfohlen. Es besitzt eine positiv inotrope Wirkung und kann eine Hochregulierung von β-Rezeptoren an der Zelloberfläche bewirken. Zu beachten ist jedoch, dass Glukagon ausschließlich auf die kardialen Symptome wirkt.
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Zielkrankenhaus
Grundsätzlich sollte der Transport in eine Klinik mit Schockraum, Intensivkapazität sowie einer 24-Stunden-Bereitschaft für Atemwegs- und Kreislaufmanagement erfolgen. Die Auswahl der Zielklinik richtet sich nach dem Schweregrad der Anaphylaxie, dem klinischen Verlauf sowie der Stabilität der Patient:innen.
Anaphylaxie ab Grad II → stationäre Weiterbehandlung in einer Klinik mit Überwachungs- und Intensivkapazität
Persistierende Dyspnoe, Larynxödem oder hämodynamische Instabilität → Transport unter Notarztbegleitung in ein Zentrum mit Intensivkapazität
Schwere anaphylaktische Reaktionen mit Kreislaufbeteiligung → direkte Vorstellung im Schockraum mit intensivmedizinischer Versorgungsmöglichkeit
Nach initialer Stabilisierung → klinische Überwachung zum Ausschluss eines biphasischen Verlaufs, der bis zu 24 Stunden nach dem Ereignis auftreten kann
Transportbegleitende Maßnahmen
Sauerstofftherapie: Weiterführen der Sauerstofftherapie zur Behandlung einer Hypoxie und Sicherstellung einer ausreichenden Gewebeoxygenierung
Wärmeerhalt: Vermeidung einer Hypothermie durch Decken und gegebenenfalls vorgewärmte Infusionslösungen
Monitoring: Kontinuierliche Überwachung von EKG, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Bewusstseinslage zur frühzeitigen Erkennung einer Kreislauf- oder Atemwegsverschlechterung
Volumentherapie: Gabe balancierter Vollelektrolytlösungen zur Kompensation von Vasodilatation und Flüssigkeitsverlusten infolge des Kapillarlecks
Absaugbereitschaft: Bereitstellung einer Absaugvorrichtung zur Sicherung der Atemwege bei Erbrechen, Sekretansammlung oder Blutungen
Reanimationsbereitschaft: Vorbereitung auf mögliche Reanimationsmaßnahmen insbesondere bei refraktärem Schock oder fortschreitender Kreislaufinsuffizienz
Angepasste Lagerung: Symptomorientierte Positionierung zur Unterstützung von Kreislauf und Atmung
Schocklagerung: Bei Hypotonie oder Kreislaufversagen Hochlagerung der Beine um 30–60° zur Verbesserung des venösen Rückstroms
Halb- oder Oberkörperhochlagerung: Bei Dyspnoe oder Larynxödem zur Erleichterung der Atmung
Übergabe in der Klinik
Strukturierte Übergabe: Nach standardisierten Schemata wie ISOBAR oder SINNHAFT
Direkte Übergabe an Schockraum- oder Notaufnahmeteam insbesondere bei fortbestehender Atemwegs- oder Kreislaufinstabilität
Übergabe relevanter Informationen zu:
Zeitpunkt und Art der Allergenexposition
Klinischem Verlauf und Symptomdynamik
Atemwegs-, Kreislauf- und Hautmanifestationen
Verabreichten Medikamenten einschließlich Anzahl und Zeitpunkt von Adrenalingaben
Sauerstofftherapie
Durchgeführter Volumentherapie
Aktuellen Vitalparametern und Monitoringbefunden
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Definition
Definition
Anaphylaxie
Anaphylaxie bezeichnet eine akute, systemische und potenzielllebensbedrohlicheReaktiondesImmunsystems auf normalerweise harmlose Allergene wie Nahrungsmittel, Insektengifte oder Medikamente.
Definition
Anaphylaktischer Schock
Schwere Anaphylaxie (Grad III) mit distributivem Schock infolge einer ausgeprägten Vasodilatation und erhöhten Gefäßpermeabilität, die zu einer relativen Hypovolämie, Hypotonie und Kreislaufinsuffizienz führt.
Grad I: Die Reaktion beschränkt sich auf die Haut und Schleimhäute mit Symptomen wie Juckreiz, Flush, Urtikaria oder Angioödem
Grad II: Zusätzlich zu den Hautmanifestationen treten erste systemische Beschwerden auf, unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Dyspnoe, Tachykardie oder eine beginnende Hypotonie
Grad III: Es zeigen sich schwere, potenziell lebensbedrohliche Symptome wie Larynxödem, Bronchospasmus, Zyanose sowie Zeichen eines anaphylaktischen Schocks
Grad IV: Die Anaphylaxie führt zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand und/oder Atemstillstand mit Bewusstlosigkeit
Ursachen
Nahrungsmittel: z.B. Nüsse
Insektengifte: z.B. Wespengift
Arzneimittel: z.B. NSAR
Sonstige seltene Auslöser: z.B. Duftstoffe
Risikofaktoren für eine anaphylaktische Reaktion beachten
Pathophysiologie
Auslöser: Allergenkontakt → Kreuzvernetzung von IgE-Antikörpern auf Mastzellen → Mastzelldegranulation → Freisetzung vasoaktiver Mediatoren (Histamin, Leukotriene, Prostaglandine, Tryptase, Platelet-Activating Factor)
Histamin als zentraler Mediator:
Gefäßsystem:
H1-vermittelte Vasodilatation der Arteriolen und präkapillären Sphinkter → systemischer Gefäßwiderstand ↓ → Blutdruck ↓
Endothelkontraktion ↑ → Gefäßpermeabilität ↑ → Plasmaaustritt ins Interstitium → Kapillarlecksyndrom → relativer und teilweise absoluter Volumenmangel
Bronchialsystem: H1-vermittelte Kontraktion der glatten Bronchialmuskulatur → Bronchokonstriktion → Giemen und Hypoxie
Nervensystem: Reizung sensorischer Nervenendigungen → Juckreiz, Angst und Unruhe
Leukotriene und Prostaglandin D₂:
Ausgeprägte und länger anhaltende bronchospastische Wirkung im Vergleich zu Histamin
Gefäßpermeabilität ↑ → Schleimproduktion ↑ und Rekrutierung eosinophiler Granulozyten ↑
Klinischer Eindruck
Achtung
Alarmsignale:
Schluckbeschwerden
Heiserkeit
Zyanose
Schockzeichen: Hypotonie, Marmorierung der Haut
Grad
Haut- und Allgemeinsymptome
Respiratorische Symptome
Kardiovaskuläre Symptome
Gastrointestinale Symptome
I
Juckreiz
Flush (Hautrötung)
Urtikaria (juckende Quaddel)
Angioödem (Schleimhautschwellung, häufig an Lippen oder Augenliedern)
-
-
-
II
Juckreiz
Flush
Urtikaria
Angioödem
Rhinorrhö (Nasenlaufen)
Heiserkeit
Dyspnoe
Tachykardie (Anstieg HF <20/min)
Hypotonie (Abfall RR <20 mmHg)
Nausea (Übelkeit)
Krämpfe
Brechreiz
III
Juckreiz
Flush
Urtikaria
Angioödem
Larynxödem (Schwellung im Bereich des Kehlkopfs)
Bronchospasmus
Zyanose
Schock
Defäkation (Stuhlgang)
Erbrechen
IV
Juckreiz
Flush
Urtikaria
Angioödem
Atemstillstand
Kreislaufstillstand
Erbrechen
Diagnostik
Merke
Kriterien zur Diagnose einer Anaphylaxie:
Eine Anaphylaxie liegt nahe, wenn mindestens eines der folgenden Merkmale nach Allergenexposition auftritt:
Plötzliche Hautsymptome (z.B. Urtikaria, Angioödem) zusammen mit Atemwegsbeschwerden (z.B. Dyspnoe, Stridor) oder Kreislaufreaktionen (z.B. Hypotonie, Kollaps)
Akuter Symptombeginn in ≥2 Organsystemen (Haut, Atemwege, Kreislauf, Gastrointestinaltrakt) nach möglichem Allergenkontakt.
Blutdruckabfall nach Kontakt mit einem bekannten Allergen
Inspektion:
Hautkolorit: Blässe oder Marmorierung können auf eine periphere Minderperfusion im Rahmen eines anaphylaktischen Schocks hinweisen
Zyanose: Hinweis auf eine ausgeprägte Hypoxie bei schwerer respiratorischer oder kardiovaskulärer Beteiligung
Erythem, Urtikaria und Angioödeme: Typische kutane Manifestationen einer anaphylaktischen Reaktion
Unruhe, Angst oder Bewusstseinsminderung: mögliche Zeichen einer zerebralen Minderperfusion infolge hämodynamischer Instabilität
Palpation:
Rekapillarisierungszeit: Eine Verlängerung spricht für eine eingeschränkte periphere Durchblutung bei Schockgeschehen
Hauttemperatur: kalte, feuchte Haut weist auf eine kompensatorische periphere Vasokonstriktion hin
Pulsqualität und Herzfrequenz: Initial zeigt sich häufig eine Tachykardie als Kompensationsmechanismus, im fortgeschrittenen Stadium können Bradykardien oder Herzrhythmusstörungen auftreten
Angioödeme: Schwellungen im Bereich von Lippen, Zunge oder Rachen können palpatorisch erfassbar sein
Abdomen: gelegentlich kann eine diffuse Druckempfindlichkeit oder Abwehrspannung bei gastrointestinaler Beteiligung bestehen
Perkussion:
Perkussionsbefund: In der Regel unauffällig. Auffällige Befunde können auf alternative oder begleitende Differenzialdiagnosen, beispielsweise einen Pneumothorax oder ein Lungenödem, hinweisen
Auskultation:
Stridor: Hinweis auf eine obere Atemwegsobstruktion durch Schleimhautödem
Giemen oder exspiratorischer Stridor: Zeichen einer bronchialen Obstruktion infolge eines Bronchospasmus
Abgeschwächtes Atemgeräusch: Kann bei schwerer Atemwegsverlegung oder ausgeprägtem Bronchospasmus auftreten
Therapie
Merke
ZielderBehandlung durch den Rettungsdienst ist die rascheStabilisierungvonKreislauf und Atmung. Die intramuskuläreGabevonAdrenalin in die Außenseite des Oberschenkels ist hierzu die wichtigsteundwirksamsteTherapiemaßnahme.
Basismaßnahmen:
Allergenzufuhr stoppen: Entfernung beziehungsweise Unterbrechung der weiteren Allergenexposition (z.B. Entfernung eines Insektenstachels oder Beendigung einer Medikamentengabe)
Angepasste Lagerung: Symptomorientierte Positionierung zur Unterstützung von Kreislauf und Atmung
Schocklagerung: Bei Hypotonie oder Kreislaufversagen Hochlagerung der Beine um 30–60° zur Verbesserung des venösen Rückstroms
Halb- oder Oberkörperhochlagerung: Bei Dyspnoe oder Larynxödem zur Erleichterung der Atmung
Venöser Zugang: Anlage eines peripheren intravenösen Zugangs zur Verabreichung von Medikamenten und Volumentherapie
Sauerstoffgabe: Hochdosierte Sauerstofftherapie (10–15 L/min) zur Verbesserung der Oxygenierung und Behandlung einer Hypoxie
Kontinuierliches Monitoring: Überwachung von Blutdruck, Sauerstoffsättigung und EKG zur frühzeitigen Erkennung von Kreislauf- oder Atemwegsverschlechterungen
Spezifische Maßnahmen:
Angepasst, je nach Manifestation
Besondere Situationen
Besonderheiten bei Kindern: Alarmgrenzen Vitalparameter beachten
Vitalwerte
bis 1 Jahr
1-5 Jahre
6-14 Jahre
über 14 Jahren
Herzfrequenz
> 160/min
>130/min
>120/min
>110/min
Blutdruck syst.
<50 mmHg
<60 mmHg
<60 mmHg
<70 mmHg
Atemfrequenz
>40/min
>35/min
>30/min
>25/min
Sauerstoffsättigung
>92 %
>92 %
>92 %
>92 %
Transport
Grundsätzlich sollte der Transport in eine Klinik mit Schockraum, Intensivkapazität sowie einer 24-Stunden-Bereitschaft für Atemwegs- und Kreislaufmanagement erfolgen. Die Auswahl der Zielklinik richtet sich nach dem Schweregrad der Anaphylaxie, dem klinischen Verlauf sowie der Stabilität der Patient:innen.
Anaphylaxie ab Grad II → stationäre Weiterbehandlung in einer Klinik mit Überwachungs- und Intensivkapazität
Persistierende Dyspnoe, Larynxödem oder hämodynamische Instabilität → Transport unter Notarztbegleitung in ein Zentrum mit Intensivkapazität
Schwere anaphylaktische Reaktionen mit Kreislaufbeteiligung → direkte Vorstellung im Schockraum mit intensivmedizinischer Versorgungsmöglichkeit
Nach initialer Stabilisierung → klinische Überwachung zum Ausschluss eines biphasischen Verlaufs, der bis zu 24 Stunden nach dem Ereignis auftreten kann
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Tipp
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Algorithmus: erwartet schwieriger Atemweg
Algorithmus: unerwartet schwieriger Atemweg
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