Die Anaphylaxie ist ein akut lebensbedrohlicher Notfall, der durch eine systemische Überempfindlichkeitsreaktion ausgelöst wird. Die Anaphylaxie ist ein dynamischerProzess, der sowohl respiratorische (Airway/Breathing) als auch kardiovaskuläre (Circulation) Probleme verursachen kann.
Zu den häufigsten Auslösern zählen:
Insektengifte
Nahrungsmittel
Arzneimittel
Die rettungsdienstlichen Maßnahmen bei der Anaphylaxie zielen in erster Linie darauf ab, Atmung und Kreislauf zu stabilisieren. Hierzu ist die intramuskuläre Gabe von Adrenalin die wichtigste und wirksamste Maßnahme.
Fallbeispiel
Info
DasfolgendeFallbeispiel beschreibt eine Anaphylaxie mit primärrespiratorischerSymptomatik.
Um den Einstieg in das Thema Anaphylaxie etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: Anaphylaxie
Ort: Einfamilienhaus, Wohnzimmer
Alarmzeit: 15:22 Uhr
Anrufer: Ehepartnerin
Anzahl der Betroffenen: 1
Zusatzinfo: Patient hat eine bekannte Allergie gegen Erdnüsse
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes sitzt der Patient, mit nach vornegebeugtemKopf,aufeinemStuhl.
Die Lage ist wie folgt:
Er wirkt ängstlich und ringtnachLuft
Der Patient antwortet nur noch mit einsilbigenWorten und ist starkheiser
Es bestehen ein ausgeprägter inspiratorischerStridor und begleitender Hustenreiz
Die Haut zeigt generalisierteUrtikaria am Rumpf und Gesicht, Lippen und Zunge sind deutlichgeschwollen
Die Ehefrau berichtet, dass der Patient versehentlich Erdnüsse im Abendessen gegessen habe
WenigeMinutennach dem Verzehr klagte er über Kribbelnim Mund und zunehmenderAtemnot
Daraufhin hat die Ehepartnerin den Notruf abgesetzt
Dieses Bild wurde mit der KI-Software DALL·E (OpenAI) erstellt. Es wurde automatisch generiert und dient ausschließlich illustrativen Zwecken.
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit einer Anaphylaxie aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Anlage eines 12-Kanal-EKG in diesem Fall hinten angestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x
Keine kritischen Blutungen
A
Atemwege geschwollen
Schleimhäute insgesamtblass
Patient ist ansprechbar, antwortet aber nur einsilbig
Deutlich ausgeprägter inspiratorischer Stridor + Hustenreiz
Akutes A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion normal
Keine Verletzungen oder Abnormalitäten sichtbar
Keine gestauten Halsvenen sichtbar
Tachypnoe
Auskultatorisch:
Inspiratorischer Stridor
Palpatorisch:
Thorax insgesamt stabil
SpO2: 86%, schlecht ableitbar
Atemfrequenz: 27/min
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Akutes B-Problem
C
Hautkolorit: Urtikaria
Insgesamt kaltschweißig
Rekap-Zeit: 3 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses am Handgelek:
Rhythmisch
Mäßig tastbar
Tachykard: 124/min
Mittelbares C-Problem
D
Wach, ansprechbar
GCS 15
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 5
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Keine Verletzungen ersichtlich
Symptome:
Ausgeprägte Dyspnoe
Deutlicher Stridor + Hustenreiz
Angioödem
Allergien/Infektionen: Allergie gegen Erdnüsse
Medikamente:
Keine Dauermedikation
Keine Akutmedikation
Patientengeschichte: Keine Vorerkrankungen
Letzte Mahlzeit: vor 20 Minuten, Abendessen
Ereignis:
Beginn nach Nahrungsaufnahme
Risikofaktoren: Allergie gegen Erdnüsse
Kein E-Problem
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Definition
Definition
Anaphylaxie ist eine akut einsetzende, potenziell lebensbedrohliche systemische Überempfindlichkeitsreaktion, die typischerweise mit respiratorischenund/oder kardiovaskulären Komplikationen einhergeht und häufig, jedoch nicht zwingend, Haut- oder Schleimhautreaktionen zeigt.
Einteilung nach Schweregrad
Grad
Haut- und Allgemeinsymptome
Respiratorische Symptome
Kardiovaskuläre Symptome
Gastrointestinale Symptome
I
Juckreiz
Flush (Hautrötung)
Urtikaria (juckende Quaddel)
Angioödem (Schleimhautschwellung, häufig an Lippen oder Augenliedern)
-
-
-
II
Juckreiz
Flush
Urtikaria
Angioödem
Rhinorrhö (Nasenlaufen)
Heiserkeit
Dyspnoe
Tachykardie (Anstieg HF <20/min)
Hypotonie (Abfall RR <20 mmHg)
Nausea (Übelkeit)
Krämpfe
Brechreiz
III
Juckreiz
Flush
Urtikaria
Angioödem
Larynxödem (Schwellung im Bereich des Kehlkopfs)
Bronchospasmus
Zyanose
Schock
Defäkation (Stuhlgang)
Erbrechen
IV
Juckreiz
Flush
Urtikaria
Angioödem
Atemstillstand
Kreislaufstillstand
Erbrechen
Info
Die Einteilung richtet sich nach den jeweils amstärkstenausgeprägtenSymptomen. Das Auftreten einzelner Symptome ist dabei nicht zwingend erforderlich.
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Ursachen
Typische Auslöser
Typische Auslöser einer Anaphylaxie lassen sich in folgende Gruppen einteilen:
Nahrungsmittel:
Erdnüsse, Baumnüsse (z.B. Walnüsse, Haselnüsse)
Milch
Eier
Fisch, Meeresfrüchte
Soja, Weizen, Sesam
Insektengifte:
Bienen- und Wespengift (Seltener: Hornissen, Hummeln)
Arzneimittel:
Antibiotika (insb. Penicilline, Cephalosporine)
NSAR (z. B. Ibuprofen, ASS)
Kontrastmittel
Novalgin
Impfstoffe (sehr selten)
Sonstige seltene Auslöser:
Duftstoffe
Konservierungsstoffe
Risikofaktoren für das Auftreten einer Anaphylaxie
Risikofaktoren
Beispiele
Verstärkende Faktoren
Alkohol
Infektionen
Psychischer Stress
Körperliche Anstrengung
Vorerkranungen
Asthma bronchiale
Mastozytose (pathologischen Vermehrung und Aktivierung von Mastzellen)
kardiovaskuläre Erkrankungen
Schilddrüsenerkrankungen
schwere Anaphylaxie in der Vergangenheit
Sonstiges
Männliches Geschlecht
Hohes Alter
Merke
Bestimmte endogene und exogeneFaktoren können das Auftreten und den SchweregradeinerAnaphylaxiebegünstigen. Sie können auch selbst der Auslösersein.
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52 %
22 %
Arzneimittel
22 %
7 %
Nahrungsmittel
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16 %
60 %
Sonstige, seltene Auslöser
3 %
5 %
Unbekannte Auslöser
6 %
7 %
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Pathophysiologie
Merke
Reminder: Physiologische Grundlagen
Mastzellen sind Immunzellen, die vor allem in der Haut, den Schleimhäuten der Atem- und Verdauungswege sowie in der Nähe von Blutgefäßen vorkommen. Sie spielen eine zentrale Rolle in der Entstehung einer Anaphylaxie und sind wesentlich an Entzündungs- und Abwehrreaktionen beteiligt.
Wichtige Funktionen:
Allergische Sofortreaktion: Mastzellen tragen membranständige IgE-Antikörper. Bei erneutem Kontakt mit einem Allergen kommt es zur Kreuzvernetzung von IgE und zur Degranulation. Dabei werden Mediatoren wie Histamin, Leukotriene und Prostaglandine freigesetzt
Entzündungsmodulation: Mastzellen setzen Zytokine und Chemokine frei, die Immunzellen (z.B. Eosinophile, Neutrophile) anlocken und aktivieren
Abwehr von Parasiten: Durch Freisetzung von Mediatoren tragen Mastzellen zur Bekämpfung von Helminthen (Würmern) bei
Freigesetzte Hauptmediatoren:
Histamin: Vasodilatation, Erhöhung der Gefäßpermeabilität, Bronchokonstriktion, Juckreiz
Funktion: an mehreren Prozessen beteiligt unteranderem Vasodilation, Bronchokonstriktion, Gefäßpermeabilität
Antihistaminika:H1-Antihistaminika blockieren die Rezeptoren und lindern die Symptome der allergischen Reaktion
H2-Rezeptoren:
Lokalisation: Herzmuskelzellen, Belegzellen des Magens, Mastzellen und im zentralen Nervensystem
Funktion: Regulation der Magensäure, Schleimproduktion in den Atemwegen, Gefäßpermeabilität
Antihisaminika:H2-Antihistaminika blockieren dei Rezeptoren und reduzieren die Magensäureproduktion
Die Anaphylaxie ist eine akute, systemische Reaktion, die durch eine massive Aktivierung von Mastzellen und Basophilen ausgelöst wird. Dies geschieht meist IgE-vermittelt nach erneutem Kontakt mit einem spezifischen Allergen. Dabei binden die Allergene an IgE-Antikörper auf der Zelloberfläche, was zur Degranulation führt.
In der Folge werden innerhalb von Sekunden bis Minuten Entzündungsmediatoren freigesetzt:
Histamin: Vasodilatation, Erhöhung der Gefäßpermeabilität, Bronchokonstriktion, Juckreiz
Die Aktivierung von Mastzellen führt zur Freisetzung von Histamin, Prostaglandinen und Leukotrienen → H1-Rezeptoren an Endothelzellen → Vasodilatation und erhöhte Gefäßpermeabilität → Urtikaria, Flush und Ödeme (z. B. Angioödem)
Histamin, Leukotriene und andere Mediatoren bewirken eine Kontraktion der glatten Bronchialmuskulatur → Bronchokonstriktion → Dyspnoe, Heiserkeit, Husten, Stridor
Gleichzeitig kommt es zur Schleimhautödembildung und vermehrten Schleimproduktion
Als Spätfolge fördern Zytokine die systemische Entzündungsreaktion
Herz-Kreislauf-System:
Histamin und andere Mediatoren verursachen über H1- und H2-Rezeptoren eine systemische Vasodilatation und ein Kapillarleck am Gefäßsystem → Austritt von Volumen ins Interstitium → Volumenmangel → vermindertes Herzzeitvolumen (HZV) → Schock
Stimulation H2-Rezeptoren am Herz → Tachykardie
Gastrointestinaltrakt:
Histamin und andere Mediatoren führen zu einer Kontraktion der glatten Darmmuskulatur → Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Defäkation
Reduzierte intestinale Durchblutung durch Hypotonie → Beschwerden werden verstärkt
Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme der Anaphylaxie
Systemische Vasodilatation + Kapillarleck
Bronchokonstriktion → Hypoxie
Angioödem
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Klinischer Eindruck
Typische Zeichen
Achtung
Alarmsignale:
Schluckbeschwerden
Heiserkeit
Zyanose
Schockzeichen: Hypotonie, Marmorierung der Haut
Grad
Haut- und Allgemeinsymptome
Respiratorische Symptome
Kardiovaskuläre Symptome
Gastrointestinale Symptome
I
Juckreiz
Flush (Hautrötung)
Urtikaria (juckende Quaddel)
Angioödem (Schleimhautschwellung, häufig an Lippen oder Augenliedern)
-
-
-
II
Juckreiz
Flush
Urtikaria
Angioödem
Rhinorrhö (Nasenlaufen)
Heiserkeit
Dyspnoe
Tachypnoe
Inspiratorischer Stridor
Tachykardie (Anstieg HF <20/min)
Hypotonie (Abfall RR <20 mmHg)
Nausea (Übelkeit)
Krämpfe
Brechreiz
III
Juckreiz
Flush
Urtikaria
Angioödem
Larynxödem (Schwellung im Bereich des Kehlkopfs)
Bronchospasmus
Tachypnoe
Zyanose
Deutlich ausgeprägter inspiratorischer Stridor
Schock → persistierende Hypotonie
Defäkation (Stuhlgang)
Erbrechen
IV
Juckreiz
Flush
Urtikaria
Angioödem
Atemstillstand
Kreislaufstillstand
Erbrechen
Merke
Je nach Organbeteiligung können bei einer Anaphylaxie einzelneSymptome fehlen.
Achtung
Eine schwereallergischeReaktion kann auch ohneHautveränderungenoderallgemeineSymptomeauftreten.
Generalisierte Zeichen
Angst und Unruhe
Verwirrtheit
Vigilanzminderung
Schwindel
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Diagnostik
Anamnese
Aktuelle Anamnese:
S (Symptome): Je nach Schweregrad unterschiedlich
Haut und Allgemeinsymptome: Juckreiz, Flush (Hautrötung), Urtikaria (juckende Quaddel), Angioödem (Schleimhautschwellung, häufig an Lippen oder Augenliedern)
A (Allergien, Infektionen): bekannte Allergie gegen Insektengifte, Nahrungsmittel oder Medikamente
M (Medikation): Adrenalin-Autoinjektor als Notfallmedikament, Salbutamol als Bedarfsmedikation bei bekannter Allergie
P (Patientengeschichte): Karidovaskuläre Vorerkrankungen, Asthma bronchiale als Risikofaktor
L (Letzte Mahlzeit)
E (Ereignis): z.B. Insektenstiche, Aufnahme von Nahrungsmitteln, Einnahme von Arzneimitteln
R (Risiko): Allergie gegen Insektengifte, Medikamente, Nahrungsmittel, kardiovaskuläre Vorerkrankungen, Asthma, hohes Alter, männliches Geschlecht
S (Schwangerschaft): Mögliche Schwangerschaft bei Patientinnen
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schemazu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf eine Anaphylaxie abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Abdominelle Abwehrspannung als Hinweis für ein akutes Abdomen
Perkussion:
Der Perkussionsbefund sollte physiologisch ausfallen. Ist das nicht so, muss differenzialdiagnostisch gedacht werden
Auskultation:
Stridor/Giemen möglich
Achtung
Hauptverursacher tödlicher Verläufe:
Hypoxie bei Atemwegsverlegung
Anhaltender Schock
Vitalparameter
Atemfrequenz: erhöht
Sauerstoffsättigung: abhängig von der Perfusion
Herzfrequenz: erhöht, im Spätstadium erniedrigt
EKG: Sinustachykardie, im Verlauf auch Arrhythmien und Bradykardie möglich
Blutdruck: initial normoton, im Verlauf erniedrigt
Temperatur: normal
Blutzucker: normal
Merke
Kriterien zur Diagnose einer Anaphylaxie:
Eine Anaphylaxie liegt nahe, wenn mindestens eines der folgenden Merkmale nach Allergenexposition auftritt:
Plötzliche Hautsymptome (z.B. Urtikaria, Angioödem) zusammen mit Atemwegsbeschwerden (z.B. Dyspnoe, Stridor) oder Kreislaufreaktionen (z.B. Hypotonie, Kollaps)
Akuter Symptombeginn in ≥2 Organsystemen (Haut, Atemwege, Kreislauf, Gastrointestinaltrakt) nach möglichem Allergenkontakt.
Blutdruckabfall nach Kontakt mit einem bekannten Allergen
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Therapie
Merke
ZielderBehandlung durch den Rettungsdienst ist die rascheStabilisierungvonKreislauf und Atmung. Die intramuskuläreGabevonAdrenalin in die Außenseite des Oberschenkels ist hierzu die wichtigsteundwirksamsteTherapiemaßnahme.
Allgemeine Maßnahmen
Allergenzufuhr stoppen (z.B. Stachel entfernen)
Symptomorientierte Lagerung
Etablierung i.v.-Zugang
Hochdosierte Sauerstoffgabe (10-15 l/min)
Monitoring (RR, SpO2, EKG)
Spezifische Maßnahmen
Führende Herz-Kreislauf-Symptomatik:
Adrenalin i.m.
Bei persistierender Hypotonie
H1-Antihistaminika, z.B. Dimetinden
Volumensubstitution mit Vollelektrolytlösung
Tipp
Praxistipp Adrenalin intravenös
Herstellen der Verdünnung: 1 ml (1 mg) in 100 ml NaCl 0,9 % verdünnen → 0,01 mg/ml = 10 µg/ml
Initiale Verabreichung von 5 ml (0,05 mg = 50 µg)
Wiederholung alle 3-5 Minuten bis RRsyst. <70 mmHg
Info
Persistierende Hypotonie trotz Adrenalingabe und adäquater Volumentherapie → Gabe von Noradrenalin mittels Perfusor zur Kreislaufstabilisierung verabreicht werden.
Führende Obstruktion der Atemwege:
Adrenalin i.m.
Adrenalin inhalativ
H1-Antihistaminika, z.B. Dimetinden
Ggf. inhalative ß2-Sympathomimetika, z.B. Salbutamol
Info
Anhaltende Obstruktion der Atemwegetrotz obiger Therapie → Gabe intravenöseβ2-Sympathomimetika, z.B. Reproterol erwägen.
Führende Hautmanifestation:
H1-Antihistaminika, z.B. Dimetinden
Führende abdominelle Symptomatik:
H1-Antihistaminika, z.B. Dimetinden
Ggf. Spasmolytika, z.B. Butylscopolamin
Ggf. Antiemetikum, z.B. Ondasetron
Info
Die Rolle von Kortikosteroiden bei Anaphylaxie - Update ERC 2025
Die prophylaktische Gabe von Kortikosteroiden zur Vermeidung verlängerter oder biphasischer Reaktionen ist nicht evidenzbasiert
Neuere Studien zeigen sogar ein erhöhtes Risiko für ungünstige Verläufe, z.B.:
zweite Adrenalin-Gabe erforderlich
stationäre Aufnahme
Intensivpflichtigkeit
Nach aktueller Empfehlung des ERC wird der routinemäßige Einsatz von Kortikosteroiden bei der Anaphylaxiebehandlung nicht empfohlen.
Atemwegsmanagement
Bei anaphylaktischenReaktionenmitBeteiligung der oberenAtemwege soll das Atemwegsmanagementeskalierend erfolgen. Bereits frühzeitig ist mit einer schwierigen bis unmöglichen Intubation zu rechnen, insbesondere bei raschzunehmendemSchleimhautödem im Bereich von Zunge, Pharynx oder Epiglottis. Bei drohender oder bestehender Atemwegsverlegung und fehlender Möglichkeit zur Oxygenierung ist als ultima ratio eine Notfallkoniotomie durchzuführen.
Weitere Maßnahmen
Darüber hinaus ist eine kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter entscheidend, um auf Veränderungen des Zustands der Patient:innen schnell reagieren zu können. Die Kommunikation zwischen Rettungsdienst und der aufnehmenden Klinik ist ebenfalls von großer Bedeutung, um eine optimale Weiterbehandlung zu gewährleisten.
Atemwegssymptome + Schock → Oberkörperhochlagerung, ggf. Anpassung im Verlauf
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Besondere Situationen
Reanimation
Kommt es im Rahmen einer Anaphylaxie zum Kreislaufstillstand, gelten die allgemeinen Leitlinien der kardiopulmonalen Reanimation (CPR).
Merke
Im Rahmen der Reanimation können 1000 mg Prednisolon zusätzlich verabreicht werden, wirken jedoch nicht akut kreislaufstabilisierend. Die meisten Rettungsdienstbereiche halten hierfür spezielle Präparate bereit.
Anaphylaxie bei Kindern
Die Behandlung von Kindern orientiert sich grundsätzlich an der Therapie von Erwachsenen, lediglich die Dosierungen werden alters- und gewichtsgerecht angepasst.
Achtung
Dosierung Adrenalin i.m.:
Kind > 12 J.: 0,5 mg i.m (0,5 ml)
Kind 6–12 J.: 0,3 mg i.m. (0,3ml)
Kind < 6 J.: 0,15 mg i.m. (0,15 ml)
Wesentlich ist das frühzeitigeErkennenkritischerVitalparameter. Die folgende Tabelle zeigt die Alarmgrenzen auf und unterstützt so die Einschätzung potenziell lebensbedrohlicher Zustände:
Vitalwerte
bis 1 Jahr
1-5 Jahre
6-14 Jahre
über 14 Jahren
Herzfrequenz
> 160/min
>130/min
>120/min
>110/min
Blutdruck syst.
<50 mmHg
<60 mmHg
<60 mmHg
<70 mmHg
Atemfrequenz
>40/min
>35/min
>30/min
>25/min
Sauerstoffsättigung
>92 %
>92 %
>92 %
>92 %
Anaphylaxie unter Therapie mit Betablockern
Bei Patient:innen, die β-Adrenozeptorantagonisten als Dauermedikation einnehmen und nichtausreichendaufwiederholteAdrenalingaben oder andere vasokonstriktive Substanzen ansprechen, wird die Gabe von Glukagon empfohlen. Es besitzt eine positiv inotrope Wirkung und kann eine Hochregulierung von β-Rezeptoren an der Zelloberfläche bewirken. Zu beachten ist jedoch, dass Glukagonausschließlich auf die kardialen Symptome wirkt.
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Weitere Therapie im klinischen Setting
Versorgung in der Notaufnahme
In dieser Notlage kann es helfen, sich mental auf die nächsten Schritte vorzubereiten. Dafür ist es ratsam, schon auf der Fahrt zum Krankenhaus zu erklären, wie das weitere Procedere im Krankenhaus aussieht und worauf die Person sich potenziell einstellen muss.
Achtung
Da die Therapie je nach aufnehmendem Krankenhaus und Behandler:in variieren kann, empfiehlt es sich nicht, einen bestimmten Behandlungsweg detailliert zu beschreiben. Eine grobe Skizzierung des weiteren Behandlungspfades reicht völlig aus, um Unsicherheiten zu minimieren. Die weiteren Informationen dienen ausschließlich eurer Information als Fachpersonal!
Versorgung im Schockraum:
Info
Anmeldekriterien für eine Schockraum-Alarmierung
Die Alarmierung eines Schockraumssollteim Rahmen einer Anaphylaxie bei folgenden Befunden und/oder durchgeführten Maßnahmen erfolgen:
Drohende Atemwegsverlegung, z.B. Angioödem
Atemfrequenz ≤ 6/min oder ≥ 30/min
Persistierende Hypotonie
Intravenöse Adrenalingabe
Atemwegssicherung
In der Notaufnahme erfolgt eine engmaschige Kreislaufüberwachung. Ziel ist die Stabilisierung der Patientin bzw. des Patienten, die Verhinderung einer biphasischen Reaktion und die Einleitung weiterer diagnostischer und therapeutischer Schritte.
Labordiagnostik:
Tryptase: Wichtiger Marker zum Nachweis der Mastzellaktivierung
Blutbild, CRP,Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte
BGA bei respiratorischer Beteiligung oder Schockzeichen
Laktat als Hinweis auf Hypoperfusion
Weitere Versorgung in der Klinik
Maßnahmen auf der Station:
Stationäre Überwachung für mindestens 6–24 Stunden, abhängig vom Schweregrad der Erstreaktion, Komorbiditäten und Reaktionsverlauf
Kontinuierliches Monitoring von Vitalparametern (RR, HF, SpO₂, EKG)
Bei schweren Verläufen: engmaschige Überwachung auf IMC oder Intensivstation
Ggf. Fortführung antiallergischer Medikation
Merke
Bei etwa 1–20 % der Anaphylaxien kann es zu einem zweizeitigen Verlauf kommen. Dabei treten erneut Symptome auf, typischerweise nach 2 bis 24 Stunden, ohne dass eine erneute Allergenexposition stattgefunden hat.
Ursachenklärung und Prävention:
Allergologische Abklärung: Identifizierung des Auslösers
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Transport
Die Wahl des Zielkrankenhauses richtet sich nach dem individuellen Fall. Idealerweise wird eine Klinik angesteuert, die sowohl eine internistische Versorgung als auch die Möglichkeit einer intensivmedizinischen Versorgung bietet.
Während dem Transport ist auf folgendes zu achten:
Engmaschige Kreislaufüberwachung
Reevaluation des Zustands, besonderer Fokus auf mögliche Verschlimmerung von Kreislauf- und Atemwegssituation
Notfallmedikation bereithalten → Adrenalin als „Push Dose Pressor" zur i.v. Applikation
Tipp
Push Dose Pressor
Katecholamine können einerseits für den Perfussor aufgezogen werden oder auch für einen „Push Dose Pressor". Dabei werden diese so verdünnt, dass wenn man 1-2ml des Medikaments verabreicht die selbe Wirkung eintritt und kein Schaden entstehen kann.
Merke
Zusammenfassung Transport
Zielkrankenhaus: Internistische Abteilung, ggf. mit der Möglichkeit einer intensivmedizinischen Überwachung
Reevaluation des Zustands
Bei Bedarf → Schockraum
Notfallmedikamente bereithalten
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Prüfungswissen
Definition:
Definition
Anaphylaxie ist eine akut einsetzende, potenziell lebensbedrohliche systemische Überempfindlichkeitsreaktion, die typischerweise mit respiratorischenund/oder kardiovaskulären Komplikationen einhergeht und häufig, jedoch nicht zwingend, Haut- oder Schleimhautreaktionen zeigt.
Ursachen:
Nahrungsmittel: z.B. Nüsse
Insektengifte: z.B. Wespengift
Arzneimittel: z.B. NSAR
Sonstige seltene Auslöser: z.B. Duftstoffe
Risikofaktoren für eine anaphylaktische Reaktion beachten
Pathophysiologie:
Die Anaphylaxie ist eine akute, systemische Reaktion, die durch eine massive Aktivierung von Mastzellen und Basophilen ausgelöst wird. Dies geschieht meist IgE-vermittelt nach erneutem Kontakt mit einem spezifischen Allergen. Dabei binden die Allergene an IgE-Antikörper auf der Zelloberfläche, was zur Degranulation führt.
In der Folge werden innerhalb von Sekunden bis Minuten Entzündungsmediatoren freigesetzt:
Histamin: Vasodilatation, Erhöhung der Gefäßpermeabilität, Bronchokonstriktion, Juckreiz
Überwachung für 6-24 Stunden → Gefahr des zweizeitigen Verlaufs
Labordiagnostik
Allergologische Abklärung
Transport:
Zielkrankenhaus: Internistische Abteilung, ggf. mit der Möglichkeit einer intensivmedizinischen Überwachung
Reevaluation des Zustands
Bei Bedarf → Schockraum
Notfallmedikamente bereithalten
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