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Anatomie des Auges und Augenhöhle

VB
9 Minuten Lesezeit

Die Augenhöhle (Orbita

  • Hauptfunktion: Schutzfunktion des Auges sowie Ursprung der Augenmuskeln, Durchtritt und Schutz für Nerven und Blutgefäße, Stabilisierung des Auges durch Fettkörper
  • Beinhaltet folgende Strukturen:
    • Augapfel (Bulbus oculi)
    • Augenmuskeln inklusive Lidhebermuskel (M. levator palpebrae superioris)
    • Nerven (N. opticus (II), N. oculomotorius (III), N. trochlearis (IV), N. abducens (VI))
    • Versorgende Gefäße (Arterien und Venen)
    • Tränenapparat (Tränendrüse, Tränensack, Tränen-Nasen-Gang)
    • Retrobulbärer Fettkörper (Corpus adiposum orbitae)
  • Besteht aus sieben Knochenteilen:
    • Stirnbein (Os frontale)
    • Jochbein (Os zygomaticum)
    • Oberkiefer (Maxilla)
    • Siebbein (Os ethmoidale)
    • Keilbein (Os sphenoidale)
    • Tränenbein (Os lacrimale)
    • Gaumenbein (Os palatinum)

Orbita – knöcherner Aufbau der Augenhöhle

Der Augapfel besteht aus drei Schichten, den sogenannten Augenhäuten, und lässt sich in einen vorderen und hinteren Augenabschnitt sowie in eine vordere und hintere Augenkammer einteilen. 

Auge (anatomischer Aufbau im Überblick)

Drei Augenhäute (Tunicae bulbi):

  1. Äußere Augenhaut (Tunica externa bulbi):
    1. Lederhaut (Sklera), geht im vorderen Bereich in die
    2. Hornhaut (Kornea) über
  2. Mittlere Augenhaut (Uvea, Tunica media bulbi):
    1. Regenbogenhaut (Iris)
    2. Ziliarkörper (Corpus ciliare)
    3. Aderhaut (Choridea)
  3. Innere Augenhaut (Tunica interna bulbi):
    1. Netzhaut (Retina) mit Sinneszellen (Stratum nervosum)
    • Pigmentepithel (Stratum pigmentosum) 

Einteilung nach Augenkammern (Camerae bulbi):

  • Definition: die Augenkammern sind mit Kammerwasser gefüllte Hohlräume im vorderen Bereich des Auges
  • Einteilung:
    • Vordere Augenkammer (Camera anterior bulbi):
      • Nach vorne (ventral): Hornhaut (Cornea)
      • Nach hinten (dorsal): Regenbogenhaut (Iris) und die vordere Linsenfläche (Lens)
      • Seitlich (lateral): Schlemm-Kanal (Sinus vensosus sclerae) im Kammerwinkel
    • Hintere Augenkammer (Camera posterior bulbi):
      • Raum zwischen Rückfläche der Regenbogenhaut (Iris) und vorderer Fläche der Linse (Lens) bzw. dem Ziliarkörper (Corpus ciliare)
      • Sie liegt somit hinter der Regenbogenhaut (Iris) und vor dem Glaskörper (Corpus vitreum) 

Einteilung nach Augenabschnitten:

  • Vordere Augenabschnitt (Segmentum anterius bulbi)
    • Bindehaut (Conjunctiva)
    • Vordere Anteil der Lederhaut (Sklera)
    • Hornhaut (Cornea)
    • Regenbogenhaut (Iris)
    • Linse (Lens)
    • Ziliarkörper (Corpus ciliare)
  • Hinterer Augenabschnitt (Segmentum posterius bulbi)
    • Glaskörper (Corpus vitreum)
    • Netzhaut (Retina)
    • Gelber Fleck (Macula lutea)
    • Sehnerv (Nervus opticus)
    • Aderhaut (Choriodea) 
Querschnitt des vorderen Augenabschnittes
Querschnitt des vorderen Augenabschnittes

Zu den Muskeln der Augenhöhle gehören sechs äußere Augenmuskeln, ein Lidheber, sowie drei innere Augenmuskeln.

  • Die sechs äußeren Augenmuskeln:
    • Funktion: dienen der Bewegung des Augapfels
    • Vier gerade Augenmuskeln
      • M. rectus superior
      • M. rectus inferior
      • M. rectus lateralis
      • M. rectus medialis
    • Zwei schräge Augenmuskeln
      • M. obliquus superior
        • Mit Rollknorpel: Trochlea musculi obliqui superioris bulbi (ligamentäres Hypomochlion), dient als Umlenkung für die Sehne des Musculus obliquus superior
      • M. obliquus inferior
  • Lidheber:
    • Funktion: hebt das Oberlid
    • M. levator palpebrae suprerioris
  • Innere Augenmuskeln:
    • Pupillenverenger (M. sphincter pupillae)
    • Pupillenerweiterer (M. dilatator pupillae)
    • Ziliarmuskel (M. ciliaris)

Äußere Augenmuskeln

Äußere Augenmuskulatur (Ansicht von lateral)

Äußere Augenmuskeln

MuskelUrsprungAnsatzFunktion
M. rectus superiorAnulus tendineus communis (oberer Anteil)Oben am AugapfelSehachse geht nach oben, Hebung (Elevation)
M. rectus inferiorAnulus tendineus communis (unterer Anteil)Unten am Augapfel Sehachse geht nach unten, Senkung (Depression)
M. rectus lateralis Anulus tendineus communis (seitlicher Anteil) Seitlich am AugapfelSehachse geht nach außen (Abduktion) 
M. rectus medialisAnulus tendineus communis (mittlerer Anteil) Innenseite des AugapfelsSehachse geht nach innen (Adduktion)
 Merke

Die vier geraden Augenmuskeln haben ein und denselben Ursprung: Anulus tendineus communis (ein Sehnenring). 

MuskelUrsprungAnsatzFunktion
M. obliquus superior Corpus ossis sphenoidalesSeitliche im oberen, hintere Quadrant des AugapfelsSenkt, abduziert und rotiert den Augapfel nach innen
M. obliquus inferiorCrista lacrimalis posterior (auf der Maxilla) Seitliche im unteren, hintere Quadrant des AugapfelsHebt, abduziert und rotiert den Augapfel nach außen
M. levator palpebrae superiorisAla minor ossis sphenoidalisAm Oberlid (Vorderfläche des Tarsus) Hebt das Oberlid

Funktion der äußeren Augenmuskeln

Innervation der Augenmuskeln und zugehörige Bewegungen
Die Pfeile zeigen die Richtung an, in der die entsprechenden Muskeln das Auge drehen können.

Die motorische Innervation der äußeren Augenmuskeln erfolgt über die folgenden drei Hirnnerven:

  • Nervus oculomotorius (III)
  • Nervus trochlearis (IV)
  • Nervus abducens (VI)
HirnnervMuskel
Nervus oculomotorius (N. III)
  • Musculus rectus superior
  • Musculus rectus inferior
  • Musculus rectus medialis
  • Musculus obliquus inferior
  • Musculus levator palpebrae superioris
Nervus trochlearis (N. IV)
  • Musculus obliquus superior
Nervus abducens (N. VI)
  • Musculus rectus lateralis
  • Musculus retractor bulbi
 Achtung

Der Nervus opticus (II. Hirnnerv) leitet visuelle Informationen von der Retina zum Gehirn. Er innerviert keine Augenmuskeln.

Arterielle Versorgung des Auges

Aus der Arteria carotis interna entspringt die Arteria ophthalmica, welche zahlreiche kleinere Äste abgibt und die Augenhöhle sowie die darin enthaltenen Sturkturen versorgt.

  • Wichtige Äste der A. ophthalmica:
    • A. centralis retinae
      Funktion: Versorgung der Netzhaut (Retina)
    • A. lacrimalis
      Funktion: Versorgung der Tränendrüse (Glandula lacrimalis)
    • A. supraorbitalis
      Funktion: Versorgung des M. rectus superior und des M. levator palpebrae superioris
    • Rami musculares arteriae ophthalmicae
      Funktion: Versorgung der äußeren Augenmuskeln

Arterielle Gefäßversorgung des Auges und der Orbita

Venöser Abfluss des Auges

Der venöse Abfluss erfolgt über kleinere venöse Gefäße sowie die beiden Hauptvenen:

  • Vena ophthalmica superior
  • Vena ophthalmica inferior
  • Beide Venen münden in den Sinus cavernosus

Venöser Abfluss des Auges und der Orbita

 Info
  • Die A. centralis retinae ist ein Endarterie – ein Verschluss führt zur Erblindung im betroffenen Auge (Amaurosis fugax bzw. Arteria-centralis-retinae-Verschluss).
  • Venae ophthalmicae besitzen keine Klappen – dadurch können Keime aus den peripheren Gesichtsvenen in den zentralen Sinus cavernosus gelangen und dort eine Sinus-cavernosus-Thrombose verursachen

Der Tränenapparat besteht aus:

  • Einem tränenbildenden Teil
    • Tränendrüse (Glandula lacrimalis)
  • Einem tränenableitenden Teil
    • Tränenwege (Viae lacrimales) 

Tränendrüse (Glandula lacrimalis

  • Lage: sie befindet sich in der Tränendrüsengrube (Fossa glandulae lacrimalis) im oberen äußeren Bereich der Augenhöhle
  • Eigenschaft: physiologisch ist sie nicht tastbar
  • Funktion: sie produziert und sondert Tränenflüssigkeit ab, welche die Hornhaut (Cornea) befeuchtet und vor dem Austrocknen schützt
 Info

Die Tränendrüse ist normalerweise nicht tastbar. Bei Entzündungen, wie zum Beispiel bei einer Dacryoadenitis, kann sie jedoch tastbar werden.  

Tränenwege (Viae lacrimales)

  • Verlauf
    • Durch die Kontraktion des Augenringmuskels (M. orbicularis oculi) wird die von der Tränendrüse produzierte Tränenflüssigkeit von außen nach innen (von temporal nach nasal) transportiert
      • Die Tränenpünktchen (Punctum lacrimale superius et inferius) nehmen die Tränenflüssigkeit auf
      • Sie leiten weiter in die Tränenröhrchen (Canaliculus superior et inferior), die in den Tränensack (Saccus lacrimalis) münden
      • Von dort gelangt die Tränenflüssigkeit über den Tränen-Nasen-Gang (Ductus nasolacrimalis) in die untere Nasenmuschel (Concha nasalis inferior), wo sie abfließt

Tränenapparat – Drüsen- und Abflusswege

Tränenfilm 

  • Aufbau: der Tränenfilm besteht aus drei Schichten
    1. Äußere Lipidschicht
      1. Produziert von: den Meibom-Drüsen, Talg- und Schweißdrüsen
      2. Funktion: verhindert schnelle Verdunstung der Tränenflüssigkeit
    2. Mittlere wässrige Schicht
      1. Produziert von: der Tränendrüse
      2. Funktion: sorgt für die Reinigung und die Gleitfähigkeit der Hornhautoberfläche
    3. Innere Muzinschicht
      • Produziert von: Becherzellen der Bindehaut (Konjunctiva)
      • Funktion: stabilisiert den Tränenfilm
Dreischichtiger Tränenfilm
 Info

Die Tränenflüssigkeit enthält Enzyme (wie Lysozym) und Immunglobuline (IgA), welche eine antimikrobielle Eigenschaft besitzen und so die Augenoberfläche vor Infektionen schützen.

  • Paulsen et al: Sobotta Lerntabellen Anatomie Muskeln, Gelenke und Nerven. Ursprung-Ansatz-Innervation-Funktion. Elsevier 2022, ISBN: 978-3-437-44160-8
  • Schünke et al: PROMETHEUS Kopf, Hals und Neuroanatomie. Georg Thieme Verlag 2018, ISBN: 978-3-13-242091-5
  • Lang et al: Augenheilkunde. Georg Thieme Verlag 2024, ISBN: 978-3-13-245444-6
Zuletzt aktualisiert am 18.01.2026
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