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Anlegen eines Tourniquets

6 Minuten Lesezeit

Das Tourniquet ist ein lebensrettendes Hilfsmittel zur Blutstillung bei starken Blutungen an Extremitäten. Es kommt insbesondere in der präklinischen Notfallversorgung sowie in der Militärmedizin zum Einsatz. Die Funktionsweise basiert darauf, das Gurtband straff um die betroffene Extremität oberhalb (proximal, körpernah) der Blutungsstelle zu legen und mithilfe der Zugvorrichtung so fest anzuziehen, dass die Durchblutung im darunterliegenden Bereich (distal, körperfern) vollständig unterbrochen wird.

Tourniquet
  • Indikationen zur sofortigen Anlage:
    • Unstillbare Blutungen: Massive Blutungen an Extremitäten, die durch direkte Kompression, Druckverbände, Hochlagerung oder Hämostyptika nicht gestillt werden können
    • Traumatische Amputationen proximal des Hand- oder Fußgelenks
    • Multiple Blutungsquellen an einer Extremität
    • Kritisches A-,B- und C-Problem und zusätzlich kritische Extremitätenblutung
    • Nicht erreichbare Blutungsquelle: z.B. bei Einklemmung, wenn eine direkte Kompression der Blutungsstelle nicht möglich ist
 Achtung

Hinweise auf eine unstillbare Blutung: pulsierende Blutungen, blutdurchtränkte Kleidung oder Verbände, große Blutlache neben der betroffenen Person und sichtbare traumatische Amputation.

  • Blutungen am Rumpf, Kopf oder Hals
  • Ungünstige Lokalisation, insbesondere am proximalen Oberschenkel 

In Notfällen ist eine detaillierte Aufklärung nicht erforderlich, da die Blutstillung oft lebensrettend ist. Dennoch können, sofern möglich, die durchgeführten Maßnahmen kurz und verständlich erklärt werden.

  • Einmalhandschuhe
  • Tourniquet
  • Marker zur Dokumentation der Anlegezeit
  • Sterile Kompressen
  • Ggf. Hämostyptika zur zusätzlichen Blutstillung
Materialien für die Anlage eines Tourniquets

Vorbereitung:

  • Eigenschutz: Eigene Sicherheit beachten → Bei einer Unfallstelle sollte diese gesichert sein, Schutzkleidung ist zu tragen
  • Handschuhe: Einmalhandschuhe anziehen
  • Primäre Wundversorgung: Aufgrund des Verletzungsausmaßes kann ein Tourniquet erforderlich sein. Das benötigte Material sollte griffbereit liegen, die Wunde wird mit sterilen Kompressen unter kontinuierlicher Kompression abgedeckt

Durchführung:

  • Platzierung: Tourniquet so distal wie möglich anbringen, um so viel gesundes Gewebe wie möglich zu erhalten, aber proximal der Verletzung (mindestens 5 cm/handbreit proximal der Verletzung) und immer proximal eines Gelenks
    • Nicht über Gelenk, über Fremdkörpern (z.B. gefüllten Hosentaschen) oder offenen Frakturen anlegen
  • Befestigung: Den Gurt in die Schnalle einfädeln, kräftig anziehen und den Stab so lange drehen, bis die Blutung sistiert
  • Fixierung: Stab in der vorgesehenen Rille verhaken und mit dem Klettverschluss sichern
  • Kontrolle: Überprüfen, ob die Blutung gestoppt ist. Falls weiterhin Blut austritt, 2. Tourniquet proximal anlegen
  • Dokumentation: Zeitpunkt der Anlage notieren, um die Ischämiezeit nachvollziehen zu können

Anlage eines Tourniquets

 Achtung

Ein Tourniquet sollte nur angelegt werden, wenn andere Maßnahmen zur Blutstillung erfolglos waren. Der Einsatz ist oft sehr schmerzhaft, kann jedoch lebensrettend sein. Es ist unbedingt auf eine ausreichende Analgesie, z.B. durch Ketamin oder Fentanyl zu achten.

 Tipp

Im Notfall kann auch eine Blutdruckmanschette verwendet werden. Diese kann über den systolischen Blutdruck aufgepumpt werden, sodass auch eine Blutstillung erzielt werden kann.

Flowchart: Kritische Extremitätenblutung (Anlage eines Tourniquets)
Kritische Extremitätenblutung
  • Schmerzen: Aufgrund der notwendigen starken Kompression oft starke Schmerzen → Auf ausreichende Analgesie achten!
  • Nervenschäden: Durch direkte Kompression der Nervenstrukturen
  • Ischämie: Längere Anwendungsdauer kann zu irreversiblen Gewebeschäden führen
  • Gewebeverlust: Insbesondere bei Anwendungszeiten >2 Stunden
  • Reperfusionssyndrom: Nach Entfernung des Tourniquets Gefahr der metabolischen Azidose und Hyperkaliämie
  • Kompartmentsyndrom: Durch Drucksteigerung in geschlossenen Gewebekompartimenten möglich
  • Venöse Stauung mit verstärkter Blutung: bei zu niedrigem Druck wird nur der venöse Abfluss, nicht aber der arterielle Zufluss unterbrochen → verstärkte Blutung 
 Tipp

Die Komplikationsrate steigt nach 2 Stunden an. Es sollte daher, sobald ausreichende Kapazitäten bestehen, die Abnahme des Tourniquets und Versorgung der Blutung mit Kompressionsverband ggf. mit Hämostypika erfolgen. 

Zuletzt aktualisiert am 10.08.2026
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