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Antibiotika

35 Minuten Lesezeit

Antibiotika sind Substanzen, die eine hemmende Wirkung auf den Stoffwechsel von Mikroorganismen haben und sie so an ihrer Vermehrung oder ihrem Überleben hindern.

Im Gegensatz zu den eukaryotischen Zellen des menschlichen Körpers sind Bakterien prokaryotisch, das heißt, sie sind primitive einzellige Organismen. Diese Unterschiede in der Zellstruktur ermöglichen es Antibiotika, gezielt auf Bakterien zu wirken, ohne die menschlichen Zellen zu beeinträchtigen.

Antibiotika können je nach ihrer Wirkungsweise in zwei Kategorien eingeteilt werden:

  1. Bakterizide Antibiotika: Diese Antibiotika sind in der Lage, Bakterien direkt abzutöten. Sie greifen die bakterielle Zellwand oder die DNA an und führen zu einer irreversiblen Schädigung der Bakterienzellen
  2. Bakteriostatische Antibiotika: Diese Antibiotika hemmen das Wachstum und die Vermehrung von Bakterien, indem sie bestimmte Stellen des bakteriellen Stoffwechsels beeinflussen und so die Vermehrung der Bakterien verlangsamen oder stoppen. Sie töten die Bakterien nicht unbedingt ab, sondern erleichtern es dem körpereigenen Immunsystem, die verbleibenden Bakterien zu bekämpfen
Übersicht über die Antibiotika
Bakterizide vs. bakteriostatische Antibiotika
Wirkorte der Antibiotika
Wirkorte der Antibiotika
  • Allergien: β-Lactam-Antibiotika
  • Kardiotoxizität: Makrolide, Fluorchinolone
  • Hepatotoxizität: Ansamycine, Isoniazid 
  • Nephrotoxizität: Aminoglykoside, Glykopeptide
  • Gastrointestinale(GI)-Störungen: häufig durch Störung der Darmbakterien
  • Exantheme: Aminopenicilline, Tetrazykline, Makrolide, Sulfonamide
  • Störungen der Blutbildung: Folsäureantagonisten, Linezolid, Chloramphenicol
  • Zahn-, Knorpel- und Knochendestruktion, Tendopathien: Fluorchinolone, Tetrazykline

Während der Schwangerschaft können bestimmte Antibiotika das ungeborene Kind gefährden. Aus diesem Grund sollte der Einsatz von Antibiotika auf das notwendige Minimum beschränkt werden und nur dann erfolgen, wenn es für die Gesundheit der Mutter oder des Kindes unbedingt erforderlich ist. Ausführliche Informationen zur Arzneimittelsicherheit in der Schwangerschaft und Stillzeit findest du auf der Website „Embryotox.de“.

Bewährte Wirkstoffe (bevorzugt verwenden):

  • Penicilline (Amoxicillin, Ampicillin, Penicillin V, etc.)
  • Cephalosporine
  • Erythromycin und Azithromycin (Makrolide)

β-Lactam-Antibiotika gehören zu den am häufigsten eingesetzten Antibiotikaklassen und haben eine Wirksamkeit bei einer Vielzahl von bakteriellen Infektionen. Sie wirken durch eine Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese, indem sie an das Enzym Transpeptidase (Penicillin-bindendes Protein/PBP) binden und somit die Quervernetzung von Peptidoglykanen in der Bakterienzellwand verhindern. Sie besitzen eine große therapeutische Breite und sind in der Regel gut verträglich. Allen β-Lactam-Antibiotika ist eine β-Lactam-Ringstruktur im aktiven Zentrum gemeinsam.

 Merke

Zu den β-Lactam-Antibiotika gehören:

  • Penicilline
  • Cephalosporine
  • Carbapeneme
  • Monobactame

 

Wirkmechanismus von Beta-Lactam-Antibiotika
Wirkmechanismus Beta-Lacatam-Antibiotika

Resistenzmechanismen

  • Primäre Resistenz: keine Wirkung bei zellwandlosen Bakterien
  • Sekundäre Resistenz:
    • Bakterien können Beta-Lactamase produzieren, ein Enzym, das die Beta-Lactam-Ring-Struktur der Antibiotika spaltet und somit die Wirkung des Antibiotikums neutralisiert → Aufgrund dieses Resistenzmechanismus werden β-Lactam-Antibiotika oft mit β-Lactamase-Inhibitoren (BLI) kombiniert
    • Strukturelle Veränderung der Penicillin-Bindeproteine, wodurch diese nicht mehr effektiv vom Antibiotikum gehemmt werden können

Penicilline sind Antibiotika, welche durch Alexander Flemming 1928 entdeckt worden sind. Dieser hatte eine Bakterienkultur verschimmeln lassen und bemerkt, dass die Bakterien in der Nähe des Schimmelpilzes (Penicillium notatum) abgetötet wurden. Diese Entdeckung legte den Grundstein für die Entwicklung der heutigen Penicilline. Diese lassen sich wie folgt einteilen:

  • Schmalspektrumpenicilline:
    • Benzylpenicilline/Penicillin G
    • Phenoxymethylpenicilline/Penicillin V
    • Penicillinasefeste Penicilline/Isoxazolylpenicilline 
      (Flucloxacillin)
  • Breitspektrumpenicilline:
    • Aminopenicilline (Amoxicillin, Ampicillin)
    • Acylaminopenicilline/Ureidopenicilline (Piperacillin)
    • Penicillin + Beta-Lactamase-Inhibitor

Übersicht

 WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen
Penicilline 
Bakterizid
Klassische PenicillinePenicillin G = Benzylpenicillin (i.v./i.m.)

V.a. grampositive

  • Hochpotent bei Streptokokkeninfektionen
  • Treponema pallidum (atypisches Gramverhalten)
  • Corynebacterium diphteriae
  • Penicillin G: Enterokokkenlücke
  • Wirklücken bei Staph. aureus (über 80% resistent durch Ausbildung von Penicillinasen), Pseudomonas, Gonokokken, Meningokokken (zunehmende Resistenzentwicklung)
  • Streptokokkeninfektionen: Erysipel, Weichteilinfektionen - Penicillin G
  • Syphilis/Lues: Benzathin-Benzylpenicillin (Depot-Penicillin G) i.m.
  • Konnatale Lues: Penicillin G i.v.
  • Scharlach, Streptokokken-Angina: Penicillin V
  • Diphtherie
Penicillin V = Phenoxymethyl-penicillin (p.o.)
Depot-Penicillin G = Benzathin-Benzylpenicillin

Penicillinase-feste Penicilline

(Staphylokokken-penicilline)

Isoxazolyl-penicilline

Flucloxacillin

Grampositive

  • Penicillinase-bildende Staphylokokken/MSSA (Isoxazolylpenicilline als einzige penicillinasefeste Wirkstoffgruppe)
  • Staphylokokkeninfektionen der Haut, Schleimhaut, Weichteile, Atemwege
    • Weichteilinfektionen Staphylococcal scalded skin syndrome (SSSS)
    • Abszesse, Furunkel
  • Nativklappenendokarditis - kalkulierte Therapie: Ampicillin + Flucloxacillin + Gentamicin
    • Bei MSSA-Nachweis: Flucloxacillin
    • Bei Klappenprothese: Flucloxacillin + Rifampicin + Gentamicin

Oxacillin

Wirkmechanismus von Beta-Lactam-Antibiotika
Wirkmechanismus Beta-Lacatam-Antibiotika
Amino-penicillineAmoxicillin

V.a. grampositive

  • Listerienwirksam
  • Aber Wirklücke: Staph. aureus, Pseudomonas
  • Sinusitis, Otitis media, Pharyngitis, Pneumonie, HWI, Meningitis (Listerien-wirksam), Listeriose
  • Helicobacter pylori-Eradikation (Triple-Therapie französisch: Amoxicillin + Clarithromycin + PPI)
  • Neuroborreliose Stadium I (wenn schwanger oder KI für Doxycyclin)
  • Vaginitis/Vulvitis/Bartholinitis: Amoxicillin + Metronidazol
  • Ambulante Meningitis: Ceftriaxon + Ampicillin
  • Nativklappenendokarditis - kalkulierte Therapie: Ampicillin + Flucloxacillin + Gentamicin
    • Bei Enterokokken-Nachweis: Ampicillin + Gentamicin
  • Endokarditis-Antibiotikaprophylaxe (30-60 Minuten vor Eingriff)
  • Neugeborenen-Sepsis: Ampicillin + Gentamicin
Ampicillin (meist i.v.)
Acylamino-penicillinePiperacillin

Grampositive

Gramnegative inklusive Pseudomonas

  • V.a. Enterobakterien
  • Pseudomonasinfektionen
  • Nosokomiale Infektionen
 WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen

ß-Lactamase-Inhibitoren (BLI)

Keine eigene antibakterielle Wirkung

bei ß-Lactamase-bildenden Erregern

Aminopenicilline 
+ BLI
Sulbactam + Ampicillin

Grampositive

Gramnegative

  • Pneumonie
  • Pleuraempyem
  • Osteomyelitis, bakterielle Arthritis
  • Mastoiditis, Peritonsillar-, Parapharyngeal-, Retropharyngealabszess
  • Prophylaktische Therapie bei Bisswunden
Clavulansäure + Amoxicillin
Acylamino-penicilline 
+ BLI
Tazobactam + Piperacillin

Grampositive

Gramnegative inklusive Pseudomonas

  • Pneumonie
  • Kalkulierte Antibiotikatherapie bei Sepsis
  • Peritonitis bei älterer Perforation
  • Nekrotisierende Weichteilinfektion
  • Leichter Verlauf einer Otitis externa maligna/necroticans
  • Angina agranulocytotica

Nebenwirkungen

  • Allergische Reaktion (Penicillin-Allergie)
  • Neurotoxizität bei hohen Dosen
  • Jarisch-Herxheimer-Reaktion im Rahmen einer Lues-Therapie
    Entzündungsreaktion durch massiven Erregerzerfall
  • Aminopenicilline:
    • Arzneimittelexanthem
      Bei Antibiotikagabe bei infektiöser Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber), welche durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) ausgelöst wird
    • Allergie
    • Durchfall
Arzneimittelexanthem
Arzneimittelexanthem
 Merke
Penicilline

Meist gut verträglich, große therapeutische Breite, interagieren kaum mit menschlichen Enzymen; kaum relevante Interaktionen mit anderen Arzneimitteln!

Kontraindikationen

  • Penicillin-Allergie
  • Schwere Niereninsuffizienz
  • Infektiöse Mononukleose

Cephalosporine sind eine Gruppe von Beta-Lactam-Antibiotika, die strukturell mit den Penicillinen verwandt sind. Sie besitzen ein breites Spektrum im grampositiven und gramnegativen Bereich

 Achtung

Gegen die folgenden Erreger sind Cephalosporine nicht wirksam:

  • Atypische Erreger wie Mykoplasmen, Chlamydien oder Legionellen
  • Enterokokken (Enterococcus faecium und E. faecalis) → Enterokokkenlücke
  • Listerien → Listerienlücke
  • Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)
    Ausnahme: 5. Generation (Ceftarolin)
  • Clostridium difficile
 Tipp

Um die Listerienlücke zu schließen, werden Cephalosporine z. B. bei der kalkulierten Therapie der bakteriellen Meningitis mit Ampicillin kombiniert!

Übersicht

Die Cephalosporine werden abhängig von ihrem Wirkspektrum in fünf Generationen eingeteilt.

 WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen

Cephalosporine

Bakterizid

1. GenerationCefazolin (i.v.)

V.a. grampositive

Aber Listerienlücke und

Enterokokkenlücke  

(unwirksam bei Legionellen,

Chlamydien, Mykoplasmen,

Clostridium difficile)

  • Perioperative Prophylaxe
  • Versagen der Penicillintherapie
  • Einfache Staphylokokken-Infektionen/MSSA (Methicillin-sensitiver Staphylokokkus aureus)
  • Ambulant erworbene Pneumonie
  • Furunkel, Karbunkel, Abszess
  • Gelenkempyem
Cefalexin (p.o.)
2. Generation

Cefuroxim/ Cefuroximaxetil (i.v./p.o.)

Cefaclor

Sehr breites Spektrum (bessere Stabilität gegenüber 
ß-Lactamasen)

V.a. grampositive

  • V.a. Staphylokokkus aureus

Aber Listerienlücke und Enterokokkenlücke

(unwirksam bei Legionellen,

Chlamydien, Mykoplasmen,

Clostridium difficile)

Viele gramnegative

  • Enterobakterien, Haemophilus influenzae, Gonokokken, E. coli, Klebsiellen, Proteus
  • Unwirksam bei Pseudomonas
  • Perioperative Prophylaxe
  • Schwere septische Infektionen
  • Spontan bakterielle Peritonitis
  • Nosokomiale Wundinfektion ohne Verdacht auf MRE: Cefuroxim
  • Meningitis: Ceftriaxon + Ampicillin
  • Hirnabszess: Ceftriaxon + Metronidazol + Vancomycin
  • Neuroborreliose i.v.
  • Akute Epiglottitis
  • Salmonellose, Shigellose, Yersiniose: Ceftriaxon
  • Cholezystitis/Cholangitis: Ceftriaxon + Metronidazol
  • Offene Fraktur, bakterielle Arthritis
  • Prophylaktisch bei Bisswunden (+ Clindamycin/ Metronidazol)
  • Divertikulitis: Cefuroxim/ Ceftriaxon + Metronidazol
3. Generation (3a)Cefotaxim (i.v.)

Ceftriaxon (i.v.)

 

  • Gute ZNS-Gängigkeit
  • Lange HWZ von 8 Stunden, einmalige tägliche Gabe ausreichend
  • Meningokokken-wirksam
3. Generation (3b)Ceftazidim (i.v.)

Wenige grampositive

Aber Listerienlücke und Enterokokkenlücke

Viele gramnegative inklusive Pseudomonas

  • Nosokomiale Sepsis mit Pseudomonas-Verdacht
  • Beatmungsassoziierte Pneumonien: Ceftazidim + Ciprofloxacin
  • Kalkulierte Antibiotikatherapie bei Sepsis
  • Mastoiditis mit V.a. Pseudomonas: Ceftazidim + Clindamycin
  • Nosokomial erworbene Meningitis: Vancomycin + Meropenem + Metronidazol (Alternativ: Vancomycin + Ceftazidim + Metronidazol)
4. GenerationCefepim (i.v.)

Grampositive

Aber Listerienlücke und

Enterokokkenlücke  

(unwirksam bei Legionellen,

Chlamydien, Mykoplasmen,

Clostridium difficile)

Viele gramnegative inklusive Pseudomonas

  • Nosokomiale Sepsis mit Pseudomonas-Verdacht
  • Schwere lebensbedrohliche Infektionen: Pneumonie, schwere Infektionen der Harn- oder Gallenwege, Infektionen des Bauchraumes (inklusive Peritonitis), Sepsis
5. Generation (5a)Ceftarolin (i.v.)

Grampositive

Aber Listerienlücke und

Enterokokkenlücke  

(unwirksam bei Legionellen,

Chlamydien, Mykoplasmen,

Clostridium difficile)

Multiresistente: MRSA, VRE

Viele gramnegative
Nicht gegen Pseudomonas

  • MRSA-Infektionen
  • Schwere Haut- und Weichteilinfektionen
5. Generation (5b)Ceftobiprol

Nebenwirkungen

  • Kreuzallergie bei Penicillin-Allergie
  • Alkoholintoleranz
  • Gastrointestinale Nebenwirkungen
  • Erhöhte Blutungsneigung (Hemmung der Synthese von Vitamin-K-abhängigen Gerinnungsfaktoren) 
     
 Merke
Cephalosporine

→ Große therapeutische Breite: interagieren kaum mit menschlichen Enzymen; kaum relevante Interaktionen mit anderen Arzneimitteln
→ Cephalosporine erhöhen die Gefahr einer Infektion mit Clostridium difficile

Kontraindikationen

  • Penicillin-Allergie
  • Schwere Niereninsuffizienz

Carbapeneme sind eine Klasse von Beta-Lactam-Antibiotika, die gegen ein breites Spektrum von Bakterien wirksam sind. Sie gehören zu den Reserveantibiotika bei schweren bakteriellen Infektionen, insbesondere bei multiresistenten Erregern. Carbapeneme haben eine bakterizide Wirkung. Sie werden intravenös verabreicht und haben eine gute Gewebegängigkeit. Es ist wichtig, ihren Einsatz aufgrund der zunehmenden Entwicklung von Carbapenem-resistenten Bakterien auf ein Minimum zu beschränken und sie nur dann einzusetzen, wenn andere Antibiotika nicht wirksam sind.

Übersicht

WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen
Carbapeneme
Bakterizid
Imipenem

Grampositive

MRSA

Viele gramnegative 

z.T. auch ESBL/3-MRGN

Inklusive Pseudomonas 
(außer Ertapenem)

Wirklücke bei atypischen Erregern wie Mykoplasmen

  • Nosokomiale Infektionen
    • Sepsis mit Pseudomonas-Verdacht
    • Nosokomiale Pneumonie
    • Nosokomialer Harnwegsinfekt
    • Nosokomial erworbene Meningitis: Vancomycin + Meropenem + Metronidazol (Alternativ: Vancomycin + Ceftazidim + Metronidazol)
    • Komplizierte/nosokomiale Peritonitis
    • Nosokomialer Hirnabszess
  • Therapie der 1. Wahl bei ESBL/3-MRGN-Keimen (= resistent gegen Penicilline, Cephalosporine, Fluorchinolone)
  • Endogene Infektion durch Keime der normalen Darmflora


    Sollten nur als Reserveantibiotika eingesetzt werden, da ein hohes Risiko für die Selektion resistenter Keime besteht

Meropenem
Ertapenem

Nebenwirkungen

  • Neurotoxizität
  • Allergische Reaktionen
  • Sekundärinfektionen (orale Candidose, Pilzinfektionen der Vulva)

Kontraindikationen

  • Penicillin-Allergie
  • Schwere Niereninsuffizienz
  • Schwangerschaft, Stillzeit

 

Monobactame sind ausschließlich gegen aerobe gramnegative Bakterien wirksam. Sie enthalten nur einen Beta-Lactam-Ring, im Gegensatz zu den anderen Beta-Lactam-Antibiotika (Penicilline, Cephalosporine oder Carbapeneme), die mindestens zwei aneinander hängende Ringstrukturen enthalten. Dadurch rufen sie weniger allergische Reaktionen hervor. Der wichtigste Vertreter dieser Gruppe ist Aztreonam, das auch als Reserveantibiotikum eingesetzt wird.

WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen

Monobactame

Bakterizid

Aztreonam

Nur gramnegative

Pseudomonas

  • Chronische Lungeninfektion mit Pseudomonas (v.a. Mukoviszidose)

Nebenwirkungen

  • Husten
  • Verstopfte Nase
  • Pfeifendes Atemgeräusch

Kontraindikationen

  • Kreuzallergie bei Ceftazidim-Allergie aufgrund identischer Seitenkette

 

Glykopeptide

Glykopeptide sind Reserveantibiotika, die hauptsächlich zur Behandlung von schweren Infektionen durch grampositive Bakterien (Staphylokokken, Enterokokken und Clostridium difficile) eingesetzt werden. Gegenüber gramnegativen Bakterien sind sie wirkungslos, da sie aufgrund ihrer Molekülgröße die äußere Zellwand der gramnegativen Bakterien nicht durchdringen können. Die bekanntesten Vertreter der Glykopeptide sind Vancomycin und Teicoplanin, die insbesondere bei Infektionen durch Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) eingesetzt werden. Glykopeptide wirken bakterizid, indem sie an das Ende der Tetrapeptidkette in der bakteriellen Zellwand binden und die Quervernetzung der Peptidoglykanketten verhindern.

Wirkmechanismus Glykopeptide
Wirkmechanismus Glykopeptide
WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen

Glykopeptide

Bakterizid

Vancomycin

Teicoplanin  (meist bakterizid und teilweise bakteriostatisch)

Nur grampositive

MRSA

  • Vancomycin: Therapie der 1. Wahl bei MRSA
    • Kalkulierte Antibiotikatherapie bei Sepsis mit MRSA-Verdacht
    • Nosokomiale Pneumonie mit MRSA-Verdacht
  • Herzklappenprothesenendokarditis - kalkulierte Therapie: Vancomycin + Gentamicin + Rifampicin (MRSA-wirksam)
  • Katheterinfektionen
  • Hirnabszess: Ceftriaxon + Metronidazol + Vancomycin
  • Nosokomial erworbene Meningitis: Vancomycin + Meropenem + Metronidazol (Alternativ: Vancomycin + Ceftazidim + Metronidazol)
  • Infektiöse Endokarditis
  • Osteomyelitis
  • Pseudomembranöse Kolitis (orale Gabe!)
 Tipp

Glykopeptide werden schlecht resorbiert und müssen daher in der Regel intravenös verabreicht werden! Eine Ausnahme bildet die pseudomembranöse Kolitis. Hier kann Vancomycin oral verabreicht werden und so den auslösenden Keim Clostridioides difficile gezielt im Darm bekämpfen.

Nebenwirkungen

  • Nephrotoxisch
    → Vorsicht bei Kombination mit nephrotoxischen Substanzen (NSAR, Aminoglykoside, Aciclovir etc.)
  • Ototoxisch
  • Vancomycin: Gefahr eines Red-Man-Syndroms bei rascher Infusion (anaphylaktoide Reaktion)

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
  • Schwangerschaft
  • Niereninsuffizienz
  • Hörschäden
 Info

Das Red-Man-Syndrom ist eine seltene Nebenwirkung, die mit der Verabreichung von bestimmten Antibiotika wie Vancomycin in Verbindung steht. Durch eine Histamin-Freisetzung kommt es zu einer auffälligen Rötung der Haut, insbesondere im Gesicht, Nacken und Oberkörper, begleitet von Symptomen wie Juckreiz, Flushing (anfallsweise auftretende Rötung (Erythem)) und selten niedrigem Blutdruck. Durch die Einhaltung empfohlener Dosierungsrichtlinien und eine langsame Infusionsrate kann das Risiko für das Red-Man-Syndrom reduziert werden.

Epoxide

Epoxide sind eine Gruppe von Antibiotika, die durch ihre einzigartige chemische Struktur gekennzeichnet sind. Der wichtigste Vertreter ist das Fosfomycin. Es wirkt durch die Hemmung der Phosphoenolpyruvattransferase, welche ein wichtiges Enzym für die Bildung von N-Acetylmuraminsäure (NAM = Hauptbestandteil der bakteriellen Zellwand) darstellt.

Wirkmechanismus Fosfomycin
Wirkmechanismus Fosfomycin (Epoxid)
WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen
Epoxide 
Bakterizid
Fosfomycin

Einzelne grampositive

MRSA, MSSA

Gramnegative

  • Monotherapie der unkomplizierten Urozystitis bei nicht-schwangeren Frauen: Fosfomycin-Granulat (einmalig oral)

Nebenwirkungen

  • Insbesondere gastrointestinale Nebenwirkungen
  • Exantheme
  • Kopfschmerzen
  • Anstieg von Transaminasen und AP
  • Blutbildveränderungen

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
  • Niereninsuffizienz (GFR <10 ml/min)
  • Hämodialyse

Das bakterielle Ribosom hat eine etwas andere Struktur als das Ribosom von Eukaryoten, was bedeutet, dass Proteinsyntheseinhibitoren in der Regel selektiver für das bakterielle Ribosom sind und eine geringere Toxizität für eukaryotische Zellen aufweisen. Die Bakterien-Ribosomen bestehen aus zwei Untereinheiten, der 50S- und der 30S-Untereinheit, die sich während der Proteinsynthese miteinander verbinden, um eine 70S-Einheit zu bilden. Diese Einheit ist notwendig für die korrekte Translation der mRNA in Proteine.

Übersicht

Proteinbiosynthese-Inhibitoren

Makrolide

Wirkmechanismus Makrolide

Makrolide wirken bakteriostatisch, indem sie an die 50S-Untereinheit binden und dadurch die Translokation (also das „Entlanggleiten“ des Ribosoms an der mRNA) verhindern. Da das Wirkspektrum der Makrolide dem des Penicillin G ähnelt, können sie als Alternative bei Penicillinallergie verwendet werden.

WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen
Makrolide
Bakteriostatisch
Clarithromycin

Atypisches Gramverhalten: intrazelluläre Erreger

  • Chlamydien, Mykoplasmen

Einige grampositive

  • Streptokokken, Listerien

Einige gramnegative

  • Neisserien, Legionellen
  • Bei Verdacht auf eine Pneumonie mit atypischen Erregern
  • 1. Wahl als Ersatzantibiotikum bei Penicillin-Allergie (Wirkspektrum grundsätzlich sehr ähnlich)
  • Helicobacter pylori-Eradikation (Triple-Therapie italienisch/französisch: Clarithromycin, Azithromycin)
  • Gonorrhoe: Ceftriaxon + Azithromycin
  • Komplizierte Gonorrhoe bei Frauen: Ceftriaxon + Azithromycin + Levofloxacin + Metronidazol
  • Komplizierte Gonorrhoe bei Männern: Ceftriaxon + Azithromycin + Doxycyclin
  • 1. Wahl bei Pertussis (Keuchhusten)
  • Legionellose
  • Campylobacter-Enteritis
  • Shigellose
  • Schwere ETEC-, EIEC-Verläufe (E. coli) (Reisediarrhö)
  • Erkrankungen durch Chlamydien
  • Urogenitalinfektion
  • Lymphogranuloma venerum/inguinale
  • Anwendung in der Aknetherapie
  • Erythromycin (off-label): Förderung der Magenentleerung (motilitätssteigernd)
Azithromycin
Roxithromycin

Erythromycin

Roxithromycin, Azithromycin und Clarithromycin haben eine günstigere Pharmakokinetik und antibakterielle Wirksamkeit als Erythromycin und sollten daher vorgezogen werden

Nebenwirkungen

  • Hepatotoxizität
  • QT-Zeit-Verlängerung
  • Diarrhö
  • CYP3A4-Inhibition
    → Können bei Kombination mit Phenprocoumon oder Dabigatran den Abbau verzögern und zu einem erhöhten INR und einer erhöhten Blutungsneigung führen
    → Bei Kombination mit Statinen: Gefahr von Rhabdomyolyse und Myopathie
  • Viele Interaktionen
 Achtung

Aufgrund des ähnlichen Wirkmechanismus von Makroliden und Lincosamiden (Clindamycin) können sie sich gegenseitig abschwächen. Sie sollten deshalb nicht kombiniert werden. Außerdem können partielle Kreuzresistenzen bestehen.

Kontraindikationen

  • Makrolid-Allergie
  • Schwere Leberinsuffizienz (relativ)
 Tipp

Makrolide erhöhen den Serumspiegel von Statinen → Wegen der Gefahr von lebensbedrohlichen Rhabdomyolysen sollte eine Statintherapie während der Makrolidtherapie pausiert werden!

Lincosamide

Lincosamide sind eine Klasse von Antibiotika, deren einziger Vertreter Clindamycin ist. Sie zeichnen sich durch eine gute Gewebe- und Knochengängigkeit aus und werden vor allem als Reserveantibiotika bei Infektionen mit resistenten Staphylokokken und Anaerobiern eingesetzt. Clindamycin wirkt bakteriostatisch, indem es an die 50S-Untereinheit bindet und so die Proteinbiosynthese blockiert. Dadurch wird die Bildung funktionsfähiger Proteine verhindert und das Bakterienwachstum gehemmt.

WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen

Lincosamide

Bakteriostatisch

Clindamycin

Grampositive

  • Anaerobier (Clostridien, Actinomyces) —> wirksamstes Antibiotikum gegen Anaerobier
  • Keine Wirkung gegen Enterokokken
  • Sehr gute Gewebegängigkeit, Knochengängigkeit
  • Antibakteriell + Hemmung der Toxinproduktion bakterieller Erreger
  • Ersatzantibiotikum bei Penicillin-Allergie
  • Bei Haut- und Weichteilinfektionen: Furunkel, Karbunkel, Abszess
  • Toxic-Shock-Syndrome
  • Osteomyelitis, Phlegmone, Empyem
  • Nekrotisierende Weichteilinfektion
  • Mastoiditis mit V.a. Pseudomonas: Ceftazidim + Clindamycin
  • Bakterielle Vaginose (Gardnerella vaginalis)

Nebenwirkungen

  • Hohes Risiko für pseudomembranöse Kolitis
  • Gastrointestinale Nebenwirkungen

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff

Oxazolidinone

Wirkmechanismus Linezolid

Oxazolidinone sind eine relativ neue Gruppe von Proteinsyntheseinhibitoren. Der einzige Vertreter dieser Gruppe, Linezolid, ist wirksam gegen grampositive Bakterien, einschließlich MRSA, Vancomycin resistente Enterokokken und weitere multiresistente Bakterien. Linezolid ist daher ein Reserveantibiotikum für die Behandlung von schweren Infektionen, die durch multiresistente Bakterien verursacht werden. Der Wirkmechanismus von Linezolid beruht auf seiner Fähigkeit, an die 50S-Untereinheit des bakteriellen Ribosoms zu binden und die Bildung des Initiationskomplexes der Proteinsynthese zu verhindern.

WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen
Oxazolidinone
Bakteriostatisch
Linezolid

Nur grampositive

MRSA, VRE, multiresistente Keime

  • Therapie der 1. Wahl bei MRSA: kalkulierte Antibiotikatherapie bei Sepsis mit Verdacht auf MRSA-Infektion
  • Linezolid als Reserveantibiotikum bei MRSA-Infektion
  • Therapie der 1. Wahl bei VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken)

 

Reserveantibiotikum für Infektionen durch multiresistente grampositive Erreger

Nebenwirkungen

  • Metallischer Geschmack
  • Blutbildveränderungen
  • Gastrointestinale Nebenwirkungen
  • Anstieg der alkalischen Phosphatase und Transaminasen
  • Vaginale und/oder orale Candidose
  • Hypertonie
  • Kopfschmerzen

Kontraindikationen

  • Keine Kombination mit MAO-Hemmern, SSRIs, Trizyklika, Triptanen oder Sympathomimetika
    → Hemmung der MAO-A und MAO-B
  • Schwangerschaft, Stillzeit

Aminoglykoside

Wirkmechanismus Aminoglykoside

Aminoglykoside sind eine Gruppe von Antibiotika, die vor allem gegen gramnegative Bakterien eingesetzt werden. Aufgrund ihrer geringen oralen Bioverfügbarkeit werden Aminoglykoside meist intravenös oder lokal verwendet. Aminoglykoside wirken bakterizid, indem sie durch Anlagerung an der 30S-Untereinheit Ablesefehler der mRNA und damit fehlerhafte Proteine verursachen.

WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen
Aminoglykoside
Bakterizid
Gentamicin

Atypisches Gramverhalten

  • Mycobacterium tuberculosis

Eingeschränkt grampositive

  • Synergistisch bei Enterokokken 

Gramnegative inklusive Pseudomonas, E. coli und Klebsiellen

  • Listerien-Meningitis: Gentamicin + Ampicillin
  • Nativklappenendokarditis - kalkulierte Therapie: Ampicillin + Flucloxacillin + Gentamicin
  • Herzklappenprothesenendokarditis - kalkulierte Therapie: Vancomycin + Gentamicin + Rifampicin (MRSA-wirksam)
  • Tuberkulose Zweitrangmedikament: Streptomycin
  • Atemwegsinfektion bei zystischer Fibrose/Mukoviszidose: Tobramycin inhalativ
  • Neugeborenen-Sepsis: Ampicillin + Gentamicin

 

Um eine möglichst hohe Spitzenkonzentration zu erreichen und die Toxizität zu reduzieren, wird die gesamte Tagesdosis morgens verabreicht!

Tobramycin
Amikacin
Streptomycin
Paromomycin

Nebenwirkungen

  • Nephrotoxisch
    → Vorsicht bei der Kombination mit Glykopeptiden (Vancomycin), NSAR, Amphotericin B, Furosemid etc.
  • Neurotoxizität
  • Oto-vestibulo-toxisch → Hör- und Gleichgewichtsstörungen 
    → Vor Therapiebeginn HNO-ärztliche Mitbeurteilung

Kontraindikationen

  • Schwangerschaft, Stillzeit
  • Niereninsuffizienz
  • Bekannte Hör- und Gleichgewichtsstörungen
 Achtung

Aminoglykoside sollten nicht mit anderen nephrotoxischen Substanzen (Vancomycin, Cisplatin, Ciclosporin, Amphotericin B, etc.) kombiniert werden.

Tetrazykline

Tetrazykline sind eine Klasse von Antibiotika, die seit den 1940er Jahren eingesetzt werden. Sie wirken bakteriostatisch, indem sie an die 30S-Untereinheit des bakteriellen Ribosoms binden und so die Anlagerung der tRNA an die mRNA blockieren. Dadurch wird die Proteinbiosynthese und das Bakterienwachstum gehemmt. Tetrazykline haben ein breites Wirkungsspektrum und sind wirksam gegen eine Vielzahl von grampositiven und gramnegativen Bakterien, gegen Spirochäten wie Borrelien und gegen einige intrazelluläre Erreger wie Chlamydien und Rickettsien.

WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen

Tetrazykline

Bakteriostatisch

Doxycyclin

Atypisches Gramverhalten: intrazelluläre Erreger

  • (Chlamydien, Mykoplasmen)

Grampositive

Einzelne gramnegative

  • Erkrankungen durch Chlamydien oder Gonokokken
  • Bei Verdacht auf eine Pneumonie mit atypischen Erregern
  • Lyme-Borreliose
  • Urogenitalinfektion
  • Lymphogranuloma venerum/inguinale
  • Adnexitis: Ceftriaxon + Doxycyclin + Metronidazol
  • Vaginitis/Vulvitis: Doxycyclin + Metronidazol
  • Tetrazyklin: Helicobacter pylori-Eradikation (Bismut-Quadrupeltherapie: Bismut + Tetrazyklin + Metronidazol + PPI)
  • Cholera
  • Anwendung in der Aknetherapie
  • Anwendung zur Malariaprophylaxe

Nebenwirkungen

  • Nephrotoxisch
  • Hepatotoxisch
  • Einlagerung in Knochen und Zähne
    → Komplexbildung mit Ca2+-Ionen
    → Keine Einnahme mit Milch!
  • Schleimhautschäden an Mund- und Rachenschleimhaut
  • Photosensibilisierung

Kontraindikationen

  • Kinder bis zum 8. Lebensjahr
    → Zahnschäden, Zahnverfärbungen und Wachstumsstörungen
  • Schwangerschaft, Stillzeit
  • Schwere Nieren- und Leberinsuffizienz

Glycylcycline

Glycylcycline sind eine relativ neue Gruppe von Antibiotika, die als Derivate der Tetrazykline entwickelt wurden. Der erste und einzige Vertreterin dieser Wirkstoffgruppe ist Tigecyclin. Glycylcycline haben ein breites Wirkungsspektrum und sind gegen eine Vielzahl von grampositiven und gramnegativen Bakterien wirksam, einschließlich multiresistenter Stämme. Der Wirkmechanismus der Glycylcycline besteht darin, dass sie an die 30S-Untereinheit des bakteriellen Ribosoms binden (5-fach höhere Affinität als Tetrazykline) und die Anlagerung der tRNA blockieren. Glycylcycline werden aufgrund ihres breiten Wirkspektrums und der Möglichkeit, auch resistente Infektionen zu behandeln, in bestimmten Fällen als Alternative zu anderen Antibiotika eingesetzt.

WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen
Glycylcyclin
Bakteriostatisch
Tigecyclin

Grampositive inklusive MRSA und VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken)

Gramnegative
ESBL-bildende Erreger

  • MRSA-Infektionen
  • Enterokokken-Infektionen
  • Komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen
  • Komplizierte intraabdominelle Infektionen

Nebenwirkungen

  • Hepatotoxizität
  • Pankreatitis
  • Verdauungsstörungen

Kontraindikationen

  • Schwangerschaft, Stillzeit
  • Leberinsuffizienz
  • Für Jugendliche <18 Jahren nicht empfohlen

Chloramphenicol

Wirkmechanismus Chloramphenicol

Chloramphenicol ist ein bakteriostatisch wirkendes Breitbandantibiotikum. Es hemmt die bakterielle Proteinbiosynthese, an der 50S-Untereinheit indem es die Peptidyltransferase und damit die Bildung neuer Peptidbindungen blockiert. Chloramphenicol kann sowohl gegen grampositive als auch gramnegative Bakterien und intrazelluläre und zellwandlose Erreger eingesetzt werden. Aufgrund der seltenen, aber potentiell lebensbedrohlichen Nebenwirkung der aplastischen Anämie und hoher Resistenzraten wird Chloramphenicol nur noch selten verwendet.

ErregerspektrumSpezifische Indikationen
Chloramphenicol
Bakteriostatisch

Grampositive

Gramnegative

  • 2. Wahl bei:
    • Augeninfektionen (lokale Anwendung)
    • Salmonelleninfektionen (Typhus, Paratyphus, Sepsis, Meningitis)
    • Bakterielle Meningitiden (Haemophilus influenzae, Meningokokken, Gruppe-B-Streptokokken)
    • Shigellenruhr
    • Rickettsien-Infektionen

Nebenwirkungen

  • Myelotoxisch/Knochenmarkstoxisch
    → Panzytopenie, aplastische Anämie (potentiell lebensbedrohlich, Auftreten mit einer Verzögerung von 2–8 Wochen)
  • Neurotoxizität (Neuritis nervi optici, etc.)
  • Allergische Reaktionen
  • Grey-Syndrom: bei Neugeborenen kann es aufgrund einer unzureichenden Glucuronidierung zu einer Akkumulation von Chloramphenicol mit Atemproblemen, Kreislaufversagen und grauer Hautverfärbung kommen

Kontraindikationen

  • Schwangerschaft, Stillzeit
  • Schwere Leberinsuffizienz
  • Erkrankungen des hämatopoetischen Systems

Fluorchinolone (Gyrasehemmer)

Fluorchinolone wirken bakterizid, indem sie die DNA-Synthese in den Bakterienzellen hemmen. Hierfür binden sie an die DNA-Gyrase (Topoisomerase II) oder die Topoisomerase IV, welche für die Entwindung und Reparatur der DNA verantwortlich sind. Dadurch kommt es zu einer Störung der DNA-Replikation und letztendlich zum Absterben des Bakteriums. Fluorchinolone haben ein breites Spektrum an Wirksamkeit gegen grampositive und gramnegative Bakterien und werden daher zur Behandlung von Infektionen der Atemwege, des Harntrakts, der Haut, der Knochen und des Weichteilgewebes eingesetzt. Jedoch sind sie aufgrund möglicher schwerwiegender Nebenwirkungen, wie Sehnenrupturen, Psychosen und lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen, mit Vorsicht anzuwenden.

Die Fluorchinolone lassen sich anhand ihres Wirkspektrums in vier Gruppen einteilen:

WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen
(Fluor)-Chinolone/Gyrasehemmer
Bakterizid

Norfloxacin  

(Gruppe 1)

V.a. gramnegative Stäbchen
  • Gonorrhoe
  • Komplizierte Harnwegsinfekte

Ciprofloxacin  

(Gruppe 2)

Grampositive

  • Schlecht wirksam gegen Streptokokken

Gramnegative

  • Ciprofloxacin auch Pseudomonas-wirksam
  • Pyelonephritis
  • Divertikulitis: Ciprofloxacin + Metronidazol (bei Penicillin-Unverträglichkeit)
  • Campylobacter-Enteritis (2. Wahl nach Azithromycin)
  • Ambulant erworbene Peritonitis: Ciprofloxacin/Levofloxacin + Metronidazol
  • Otitis externa: Ciprofloxacin-Ohrentropfen (lokale Anwendung)

Ciprofloxacin ist aufgrund der UAWs & Interaktionen heutzutage bei unkompliziertem HWI nur noch Mittel der 2. Wahl

Levofloxacin  

(Gruppe 3)

Grampositive

  • Im Vergleich zur Gruppe 2 besser wirksam gegen grampositive Kokken

Gramnegative

  • 1. Wahl bei Legionellen

Atypisches Gramverhalten

  • Chlamydien, Mykoplasmen
  • Mycobacterium tuberculosis
  • Pyelonephritis
  • Schwere/nosokomiale Atemwegsinfekte: atypische Pneumonie
  • Schwere systemische Infekte
  • Tuberkulose Zweitrangmedikament
  • Bei Erkrankungen durch Chlamydien (2. Wahl nach Doxycyclin und Makroliden)
  • Urogenitalinfektion
  • Komplizierte Gonorrhoe bei Frauen: Ceftriaxon + Azithromycin + Levofloxacin + Metronidazol

Moxifloxacin  

(Gruppe 4)

Anaerobier

Grampositive

  • Im Vergleich zu Gruppe 3 besser wirksam gegen grampositive Kokken

Gramnegative

  • Nicht Pseudomonaswirksam

Atypisches Gramverhalten

  • Chlamydien, Mykoplasmen
  • Mycobacterium tuberculosis
  • Schwere/nosokomiale Atemwegsinfekte: atypische Pneumonie
  • Schwere systemische Infekte
  • Tuberkulose Zweitrangmedikament

Nebenwirkungen

  • QT-Zeit-Verlängerung
  • Aortenaneurysma oder -dissektion
  • Muskuläre Beschwerden, Tendinitis, Sehnenruptur (Achillessehne häufig)
  • Keine Einnahme mit Milch (Chelatbildung)
  • Neurotoxizität, Senkung der Krampfschwelle
  • Hepatotoxizität
  • Arthropathien, Knorpelschäden
  • Verschlechterung einer Myasthenia gravis möglich
  • Gastrointestinale Nebenwirkungen
  • Hyper-/Hypoglykämien
  • Phototoxizität/Hautreaktion
  • Psychiatrisch: innere Unruhe, wahnhafte Episoden, Schlafstörungen
  • Viele Interaktionen

Kontraindikationen

  • Schwangerschaft, Stillzeit
  • Kinder, Jugendliche
  • Krampfleiden (Epilepsie – Fluorchinolone/Gyrasehemmer senken die Krampfschwelle)
  • Niereninsuffizienz
  • Leberinsuffizienz
  • Herzrhythmusstörungen
  • Sehnenerkrankungen
 Achtung
Rote-Hand-Briefe
  • Risikoerhöhung für: Aortenaneurysmata und –dissektionen sowie für eine Herzklappeninsuffizienz (systemisch oder inhalative Anwendung)
  • Schwere anhaltende/irreversible unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) des Bewegungsapparates und des peripheren sowie zentralen Nervensystems

Nitroimidazole

Nitroimidazole sind eine Gruppe antimikrobieller Wirkstoffe, die insbesondere gegen Protozoen und anaerobe Bakterien eingesetzt werden. Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe ist Metronidazol. Metronidazol wirkt auf eine einzigartige Weise, indem es durch die Reduktion von Nitrogruppen zu reaktiven Radikalen führt. Diese Radikale können DNA-Strangbrüche verursachen und dadurch eine bakterizide Wirkung auf Bakterien ausüben.

WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen
Nitroimidazole
Bakterizid

Metronidazol

Bakterizid

Protozoen
Giardia lamblia (Giardiasis)
Entamoeba histolytica (Amöbiasis)
Trichomonas vaginalis (Trichomoniasis)


Anaerobier: Clostridium difficile, Actinomyces, Bacteroides fragilis

Grampositive

  • Nicht Staphylokokken-wirksam, Nicht Enterokokken-wirksam, Nicht E. coli-wirksam

Gramnegative

  • Amöbiasis
  • Giardiasis/Lambliasis
  • Trichomonaden-Infektion
  • Vaginitis, Vulvitis, bakterielle Vaginose
  • Pelvic inflammatory disease (Endometritis, Salpingitis, Adnexitis)
  • Divertikulitis: Cefuroxim/Ciprofloxacin + Metronidazol
  • Cholezystitis/Cholangitis: Ceftriaxon + Metronidazol
  • Helicobacter pylori-Eradikation (italienische Triple-Therapie, Bismut-Quadrupeltherapie)
  • Pseudomembranöse Kolitis
  • Hirnabszess: Ceftriaxon + Metronidazol + Vancomycin
  • Nosokomial erworbene Meningitis: Vancomycin + Meropenem oder Vancomycin + Ceftazidim (zusätzlich Metronidazol, wenn Meningitis in Folge einer Operation mit Zugang über die Schleimhäute entstanden ist)

Nebenwirkungen

  • Neurotoxizität (Polyneuropathie)
  • Alkoholunverträglichkeit
  • Gastrointestinale-Störungen
  • Metallischer Mundgeschmack

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
  • Erkrankungen des zentralen Nervensystems

Sulfonamide und Diaminopyrimidine

Sulfonamide und Diaminopyrimidine sind zwei Klassen von Antibiotika, die zur Gruppe der Folsäureantagonisten gehören. Sulfonamide binden an das Enzym Dihydropteroinsäure-Synthetase und hemmen dadurch die Synthese von Dihydrofolsäure. Diaminopyrimidine hemmen das Enzym Dihydrofolatreduktase, das für die Synthese von Tetrahydrofolsäure benötigt wird. Cotrimoxazol ist eine Kombination aus Sulfamethoxazol, einem Sulfonamid, und Trimethoprim, einem Diaminopyrimidin. Durch die Kombination dieser zwei Wirkstoffe werden zwei aufeinanderfolgende Schritte gehemmt und es ergeben sich synergistische Effekte. Da bereits viele Bakterienstämme resistent gegen diese Antibiotika geworden sind, werden sie oft nur noch als Zweitlinientherapie eingesetzt.

WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen
Sulfonamide und Diaminopyrimidine
Teilweise bakterizid

Cotrimoxazol

= Trimethoprim + Sulfamethoxazol

(Dihydrofolat-reduktase-Inhibitoren + Sulfonamide)

Grampositive

Enterokokken unwirksam

Gramnegative

Pseudomonas unwirksam

  • Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (für mindestens 3 Wochen)
  • Harnwegsinfekte (2. Wahl)

Nebenwirkungen

  • Stevens-Johnson-Syndrom (Maximalform: toxisch epidermale Nekrolyse)
  • Exantheme
  • Gastrointestinale Nebenwirkungen

Kontraindikationen

  • Allergie gegen Sulfonamide und/oder Trimethoprim
  • Schwangerschaft
  • Früh- & Neugeborene
 Info

Das Stevens-Johnson-Syndrom ist eine schwere, seltene und lebensbedrohliche immunvermittelte Reaktion, die hauptsächlich durch die Anwendung von Medikamenten (Sulfonamide, Allopurinol) ausgelöst wird. Es ist gekennzeichnet durch schmerzhafte Ulzerationen und Erosionen der Haut und Schleimhäute, begleitet von einer Blasenbildung und Ablösung des betroffenen Gewebes. Sind mehr als 30% der Hautoberfläche betroffen spricht man von einer toxisch epidermalen Nekrolyse (TEN). Die Therapie besteht im Absetzen der auslösenden Medikamente und einer Behandlung wie bei Verbrennungen.

Zyklische Lipoproteine

Die Zytoplasmamembran ist der Angriffspunkt der zyklischen Lipoproteine. Der wichtigste Vertreter dieser Gruppe ist das Daptomycin. Daptomycin ist ein großes Molekül mit einem hydrophilen Peptidanteil (wasserliebend). Außerdem besitzt es einen lipophilen Anteil (fettliebend). Substanzen, die sowohl hydrophile als auch lipophile Anteile besitzen, werden auch als amphiphil bezeichnet. Die Phospholipid-Doppelschicht ist ebenfalls amphiphil. Daher kann sich Daptomycin in die Zellmembran einlagern und einen Ionenkanal bilden. Dies führt zu einer Depolarisation der Zelle und damit zu einer Protein-Dysfunktion und einer Hemmung der RNA- und DNA-Synthese.

 Tipp

Fun Fact: Daptomycin wird durch Surfactant in den Lungen inaktiviert und kann daher nicht bei bakteriellen Infektionen der Lungen eingesetzt werden.

Wirkmechanismus Daptomycin
WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen

Zyklische Lipopeptide

Bakterizid

DaptomycinNur grampositive
  • Komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen
  • Staphylokokkus aureus Bakteriämie
  • Wird vom Surfactant in den Lungenalveolen inaktiviert, daher ist es als Antibiotikum zur Behandlung von Pneumonien ungeeignet

Reserveantibiotikum

Nebenwirkungen

  • Myopathie → Bei Therapiebeginn CK-Kontrolle
  • Erhöhte Leberwerte
  • Kopfschmerzen
  • Gastrointestinale Nebenwirkungen

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff

Kationische Peptide/Polymyxine

Kationische Peptide sind kurze Sequenzen von Aminosäuren, die positiv geladen sind. Sie unterscheiden sich von herkömmlichen Antibiotika in ihrer Wirkungsweise, da sie nicht auf ein spezifisches Ziel abzielen, sondern die äußere Zellmembran von gramnegativen Erregern destabilisieren. Dadurch kommt es zur Lyse der Zelle und letztendlich zum Absterben des Erregers (bakterizid). Colistin wird auch vermehrt in der Veterinärmedizin eingesetzt, sodass bereits resistente Keime in Abwässern von Tierhaltungsbetrieben nachgewiesen werden konnten.

 

WirkstoffErregerspektrumSpezifische Indikationen
Kationische Peptide/Polymyxine
Bakterizid
ColistinNur gramnegative
  • Inhalationstherapie bei Mukoviszidose mit chronischer Pseudomonas-Besiedelung

Nur topische Therapie (systemisch schlechte Verträglichkeit, schlechte Resorption bei oraler Gabe)

Lernkarte: Erregertherapie
Antibiotika-Lernkarten (Beispielseite)
Beispielseite (PDF-Datei zum Herunterladen mit allen Seiten weiter unten)
  
  • Freissmuth et al.: Pharmakologie und Toxikologie. Springer 2012, ISBN: 978-3-642-12353-5.
  • Karow, Lang-Roth: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012
  • Lüllmann et al.: Pharmakologie und Toxikologie. 15. Auflage Thieme 2002, ISBN: 3-133-68515-5
  • Wehling: Klinische Pharmakologie. 2. Auflage Thieme 2011, ISBN: 978-3-131-60282-4
Zuletzt aktualisiert am 08.08.2026
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