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Antidiarrhoika

3 Minuten Lesezeit

Antidiarrhoika sind Medikamente, die zur Behandlung von Durchfall (Diarrhö) eingesetzt werden. Durchfall ist beim Menschen ein häufiges Symptom als Ausdruck von verschiedensten Ursachen (infektiöse Erreger, Nahrungsmittelallergie, Medikamentennebenwirkungen, Stress). In der Regel ist Durchfall harmlos und selbstlimitierend. Bei der Therapie sollte die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache mit eingeschlossen werden.

 Definition

Diarrhö

Von einer Diarrhö spricht man bei Vorliegen von mindestens einem der folgenden Symptome:

  1. Häufige Stuhlentleerungen ≥ 3 ungeformte Stühle pro Tag
  2. Verminderte Stuhlkonsistenz (Wassergehalt >75%)
  3. Erhöhtes Stuhlgewicht (>250 g pro Tag)
  • Akute Diarrhö: ≤4 Wochen
  • Chronische Diarrhö: >4 Wochen

Nicht-medikamentöse Therapie

Häufig ist die nicht-medikamentöse Therapie bestehend aus ausreichender Flüssigkeitszufuhr, Schonkost (Suppen, geriebener Apfel, etc.) und der Applikation von einer Wärmflasche bei Krämpfen ausreichend.

Medikamentöse Therapie

Da Antidiarrhoika bei falscher Anwendung die Erkrankungsdauer und -schwere verlängern können, wird ein routinemäßiger Einsatz nicht empfohlen
Bei Nachweis eines bakteriellen Erregers können zusätzlich Antibiotika zum Einsatz kommen.

WirkstoffeWirkungBesonderheiten

Orale Rehydratations-lösungen

  • OralpädonⓇ
  • ElotransⓇ
  • Ersatz von Elektrolyten und Flüssigkeit
  • Einsatz ab dem Säuglingsalter möglich

Motilitätshemmer

  • Loperamid
  • Reduziert Peristaltik durch Bindung an Opioidrezeptoren in der Darmwand
  • Keine analgetische Wirkung
  • Nicht ZNS-gängig
  • Cave: Loperamid ist Substrat von P-Glykoprotein und CYP3A4

Nebenwirkungen:

  • QT-Zeit-Verlängerung
  • Obstipation
  • Blähungen
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel

Kontraindikationen:

  • Nicht an Kinder <2 Jahren
  • Ileus
  • Obstipation
  • Akuter Schub einer Colitis Ulzerosa
  • Bakterielle Diarrhö mit Fieber oder blutigem Stuhl
    Loperamid würde Toxinausscheidung verzögern
  • Pseudomembranöse Kolitis

Probiotika

  • Lactobacillus
  • Saccharomyces boulardii
  • Fördern Aufbau einer gesunden Darmflora
  • Können Erkrankungsdauer verkürzen
  • Evidenz begrenzt

Enkephalinase-Inhibitoren

  • Racecadotril
  • Reduziert die Sekretion von Wasser und Elektrolyten ins Darmlumen
    ⟶ Antisekretorische Wirkung

Nebenwirkungen:

  • Kopfschmerzen
  • Hautausschläge

Kontraindikationen:

  • Bakterielle Diarrhö mit Fieber oder blutigem Stuhlgang
  • Pseudomembranöse Kolitis

Verdauungsenzyme

  • Pankreatin
  • Lactase
  • Ersatz der körpereigenen Enzyme
 

Weitere Mittel: 

  • Kohle
  • Bindet unspezifisch Toxine im Darm
    ⟶ Adsorbierende Wirkung
  • Cave: mindestens 2 Stunden Abstand bis zur Einnahme weiterer Medikamente
  • Kaolin (weißer Ton)
  • Aluminiumsilikat mit adsorbierender Wirkung
  • Cave: mindestens 2 Stunden Abstand bis zur Einnahme weiterer Medikamente
  • Apfelpulver
  • Das enthaltene Pektin bindet Wasser und schützt die Darmschleimhaut
  • Cave: mindestens 2 Stunden Abstand bis zur Einnahme weiterer Medikamente
Lernkarten: Gastrointestinaltrakt
Beispielseite

Link zum Download

  • Freissmuth et al.: Pharmakologie und Toxikologie. Springer 2012, ISBN: 978-3-642-12353-5.
  • Karow, Lang-Roth: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012
  • Lüllmann et al.: Pharmakologie und Toxikologie. 15. Auflage Thieme 2002, ISBN: 3-133-68515-5
  • Wehling: Klinische Pharmakologie. 2. Auflage Thieme 2011, ISBN: 978-3-131-60282-4
Zuletzt aktualisiert am 28.12.2024
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