Einleitung
Antikoagulation während einer Schwangerschaft
- Bei bestimmten Erkrankungen oder klinischen Situationen (z.B. mechanische Herzklappe
) ist aufgrund des erhöhten Thromboembolierisikos eine Antikoagulation, auch während der Schwangerschaft, notwendig - In der Schwangerschaft besteht eine erhöhte Gerinnungsneigung
- Patientinnen mit einem erhöhten Thromboembolierisiko und einer Indikation zur therapeutischen Antikoagulation haben während einer Schwangerschaft ein noch höheres Risiko für eine Thromboembolie. Bei diesen Patientinnen ist somit in der Regel auch während der Schwangerschaft eine Antikoagulation notwendig
- Einige Antikoagulantien
sind während der Schwangerschaft jedoch kontraindiziert und weisen teilweise eine Teratogenität (= können zu Fehlbildungen beim Fötus führen) auf. Für viele Wirkstoffe gibt es nicht genügend Daten zur Anwendung während einer Schwangerschaft - Es sollte daher eine ausführliche Aufklärung der schwangeren Patientin und eine Dokumentation erfolgen
- Das Risiko einer Blutung, einer Thromboembolie und einer Schädigung des Fötus müssen gegeneinander abgewogen werden. In manchen Fällen muss aufgrund des Mangels einer optimalen Therapie ein Zwischenweg gewählt werden
- Einnahme von Antikoagulantien
: - Risiko einer Teratogenität, Blutung des Fötus, retroplazentaren Blutung: Risiko eines Abortes/einer Frühgeburt
- Risiko einer Blutung der Patientin während der Schwangerschaft und der Geburt
- Keine Einnahme von Antikoagulantien
: - Risiko einer Thromboembolie der schwangeren Patientin
- Einnahme von Antikoagulantien
- DOAKs
sind während einer Schwangerschaft absolut kontraindiziert
Antikoagulation und Geburt
Während der Geburt
- Pausierung der Antikoagulation vor der Geburt
: - Vitamin-K-Antagonisten
: schlechte Steuerbarkeit ➜ Umstellung auf Heparin ab der 36. Schwangerschaftswoche (siehe Bridging ) - Vitamin-K-Antagonisten
weisen in der 6.-12. Woche die höchste Teratogenität auf ➜ ggf. Umstellung auf niedermolekulares Heparin
- Vitamin-K-Antagonisten
- Unfraktioniertes Heparin
bei subkutaner Anwendung: Pausierung 8-12 Stunden vor der Geburt - Unfraktioniertes Heparin
bei intravenöser Anwendung: Pausierung 4-6 Stunden vor der Geburt - Niedermolekulare Heparine
in prophylaktischer Dosierung: Pausierung 12 Stunden vor der Geburt - Niedermolekulare Heparine
in therapeutischer Dosierung: Pausierung 24 Stunden vor der Geburt
- Vitamin-K-Antagonisten
- Fortführung der Antikoagulation nach der Geburt
: - Natürliche Geburt
: 12 Stunden nach der Geburt - Sectio
caesarea: 24 Stunden nach der Geburt - Bei einer voraussichtlich langen Geburtsdauer und einem erhöhten Thromboembolierisiko kann ggf. eine Sectio
caesarea geplant werden, um die Zeiten besser abschätzen zu können - Bei einer rückenmarksnahen Regionalanästhesie (Periduralkatheter): Beachtung der spezifischen Zeitabstände vor und nach Punktion bzw. Katheterentfernung je nach Antikoagulans
- Natürliche Geburt
TVT und/oder Lungenarterienembolie
Antikoagulation bei einer tiefen Venenthrombose bei schwangeren Patientinnen und/oder Antikoagulation bei einer Lungenarterienembolie bei schwangeren Patientinnen:
- 1. Wahl: niedermolekulares Heparin
in therapeutischer Dosierung - Dauer: für mindestens 3 Monate, anschließend ggf. in reduzierter Dosierung bis mindestens 6 Wochen nach der Geburt
- Bei einer fehlenden oder geringen Thrombuslast in der Kontroll-Sonographie nach 3 Monaten kann die Dosierung auf eine halb-therapeutische oder prophylaktische Dosierung reduziert werden
- Pausierung während der Geburt
- Dauer: für mindestens 3 Monate, anschließend ggf. in reduzierter Dosierung bis mindestens 6 Wochen nach der Geburt
- Nach dem Auftreten einer schwangerschaftsassoziierten Thrombose und/oder Lungenarterienembolie
sollte bei weiteren Schwangerschaften eine Rezidivprophylaxe mit niedermolekularem Heparin in prophylaktischer Dosierung erfolgen - Bei Kontraindikation für Heparine
(z.B. vorbekannte HIT 2 ): Fondaparinux in therapeutischer Dosierung - Nicht empfohlen: Vitamin-K-Antagonisten
(nur bei fehlenden Therapiealternativen)
Vorhofflimmern
Antikoagulation bei Vorhofflimmern bei schwangeren Patientinnen:
- Indikationsstellung nach CHA2DS2-VASc-Score und Blutungsrisiko
- Bei akutem Vorhofflimmern
: elektrische oder medikamentöse Kardioversion mit Flecainid - Bei einer elektrischen Kardioversion
sollte auch ein Monitoring des Fötus erfolgen
- Bei einer elektrischen Kardioversion
- Bei Indikation für eine Antikoagulation: 1. Wahl niedermolekulares Heparin
- Peripartal sollte eine Pausierung oder Umstellung auf einen Perfusor mit unfraktioniertem Heparin
erfolgen - Alternativ:
- 1. Trimenon: niedermolekulares Heparin
- Anschließend vorübergehend: Vitamin-K-Antagonisten
mit einem Ziel-INR-Bereich von 2-2,5 - Im letzten Monat vor der Geburt
: niedermolekulares Heparin
- 1. Trimenon: niedermolekulares Heparin
- Peripartal sollte eine Pausierung oder Umstellung auf einen Perfusor mit unfraktioniertem Heparin
Mechanische Herzklappe
Antikoagulation bei mechanischer Herzklappe bei schwangeren Patientinnen:
- Vitamin-K-Antagonisten
weisen das geringste Risiko für Klappenthrombosen mechanischer Herzklappen während der Schwangerschaft auf - Eine Antikoagulation
mit niedermolekularem Heparin geht häufiger mit Thrombosen von mechanischen Herzklappen einher als eine Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten - Risko einer Thrombose einer mechanischen Herzklappe unter Antikoagulation
mit niedermolekularem Heparin : 10% - Risiko einer Thrombose einer mechanischen Herzklappe unter Antikoagulation
mit einem Vitamin-K-Antagonisten : 4%
- Risko einer Thrombose einer mechanischen Herzklappe unter Antikoagulation
- Eine Antikoagulation
mit Vitamin-K-Antagonisten während der Schwangerschaft geht mit dem Risiko von Fehlbildungen einher - Auch geringe Dosen von Phenprocoumon <3 mg/Tag oder Warfarin <5 mg/Tag weisen bereits ein Risiko für Komplikationen für den Fötus auf (10-15%)
- Bei einer höheren Dosierung kommt es zu einer Erhöhung der Fehlbildungsrate
- Die Erhaltungsdosis der Vitamin-K-Antagonisten
sollte daher so gering wie möglich zur Erreichung von Zielwerten im unteren Ziel-INR-Bereich gewählt werden
- Die Erhaltungsdosis der Vitamin-K-Antagonisten
Mögliches Vorgehen:
- Mögliches Vorgehen:
- Gabe von einem Vitamin-K-Antagonisten
mit Dosierung im unteren INR-Zielbereich der entsprechenden Prothesenform - In den Schwangerschaftswochen
6-12 besteht das höchste Risiko für eine Teratogenität der Vitamin-K-Antagonisten : ggf. Umstellung auf niedermolekulares Heparin - Anschließend Fortführung des Vitamin-K-Antagonisten
bis zur 36. Schwangerschaftswoche - Ab der 36. Schwangerschaftswoche
zur besseren peripartalen Steuerbarkeit der Antikoagulation : Umstellung auf ein niedermolekulares Heparin oder unfraktioniertes Heparin
- Gabe von einem Vitamin-K-Antagonisten
- Bei der Notwendigkeit hoher Erhaltungsdosen des Vitamin-K-Antagonisten
: - Im ersten Trimenon: Antikoagulation
mit niedermolekularem Heparin - Nach dem ersten Trimenon: Umstellung auf einen Vitamin-K-Antagonisten
- Ab der 36. Schwangerschaftswoche
zur besseren peripartalen Steuerbarkeit der Antikoagulation : Umstellung auf ein niedermolekulares Heparin oder unfraktioniertes Heparin
- Im ersten Trimenon: Antikoagulation
AchtungEine durchgehende Antikoagulation
während der Schwangerschaft mit niedermolekularem Heparin bei einer mechanischen Herzklappe geht im Vergleich zu einer Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten mit einem höheren Risiko für eine maternale thromboembolische Komplikation einher.
- Während einer Schwangerschaft und gleichzeitiger Antikoagulation
sind engmaschige klinische Kontrollen und engmaschige Kontrollen der Gerinnungsparameter erforderlich: - Bei Vitamin-K-Antagonisten
: Ziel-INR im unteren Bereich des INR-Zielbereiches abhängig von der Klappenprothese - Bei niedermolekularem Heparin
: - Bei Aortenklappenprothese: Zielwert der Anti-Faktor-Xa-Aktivität
im Bereich 0,8-1,2 IE/ml - Bei Mitral- und rechtsseitiger Herzklappenprothese
: Zielwert der Anti-Faktor-Xa-Aktivität im Bereich 1,0-1,2 IE/ml
- Bei Aortenklappenprothese: Zielwert der Anti-Faktor-Xa-Aktivität
- Bei Vitamin-K-Antagonisten
AchtungVitamin-K-Antagonisten
sollten während einer Schwangerschaft aufgrund der Gefahr von Missbildungen nicht gegeben werden. Es sollte eine Kontrazeption während der Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten erfolgen.
- Im ersten Trimenon: erhöhtes Risiko für Geburtsschäden und einen Tod des Fötus mit zunehmender Dauer der Gabe von Vitamin-K-Antagonisten
- Größtes Risiko in der 6.-12. Schwangerschaftswoche
- Während des 2. und 3. Trimenon besteht unter der Gabe von Vitamin-K-Antagonisten
ein erhöhtes Risiko für eine intrauterine oder unter der Geburt auftretende (zerebrale) Blutung des Fötus aufgrund einer Gerinnungshemmung des fötalen Blutes Während der Stillzeit
sollten die gestillten Kinder prophylaktisch Vitamin K erhalten. Obwohl eine Schwangerschaft eine Kontraindikation für Vitamin-K-Antagonisten
darstellt, gibt es klinische Situationen (z.B. Patientinnen mit einer mechanischen Herzklappe), in denen die Gabe von Vitamin-K-Antagonisten erwogen werden sollte.
Antiphospholipidsyndrom
Schwangerschaft und Antiphospholipidsyndrom
- Bei mehrfachen Spontanaborten und Schwangerschaftswunsch: niedermolekulares Heparin
und ASS (off-label – z.B. ASS 50-150 mg 1-0-0 p.o. bis zur 34. Schwangerschaftswoche ) - 1. und 2. Trimenon: niedermolekulares Heparin
und ASS (off-label – z.B. ASS 50-150 mg 1-0-0 p.o. bis zur 34. Schwangerschaftswoche ) - Im 3. Trimenon sollte kein ASS
gegeben werden, da dies zu einem vorzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus führen kann - Phenprocoumon kann teratogen wirken und sollte daher nach Möglichkeit nicht gegeben werden (bei mechanischer Herzklappe: siehe Antikoagulation bei mechanischer Herzklappe bei schwangeren Patientinnen)
- Im 3. Trimenon sollte kein ASS
- 3. Trimenon bis 6. Woche postpartal
: niedermolekulares Heparin
Quellen
- Fachinformationen

