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Antikonvulsiva

Anfallssuppressiva, Antiepileptika
5 Minuten Lesezeit

Antikonvulsiva bzw. Anfallssuppressiva werden zur symptomatischen Therapie von epileptischen Anfällen eingesetzt. Es handelt sich dabei um eine heterogene Wirkstoffgruppe, welche durch die Interaktion mit verschiedenen zentralen Ionenkanälen und Rezeptoren antikonvulsiv wirkt.

Epileptische Anfälle entstehen durch unkontrollierte elektrische Entladungen. Hierdurch kann es je nach zerebralem Entladungsgebiet zu unterschiedlichen Symptomen (unkontrollierte Bewegungen, Sehstörungen, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle) kommen. Abhängig davon, ob die Entladungen nur ausgewählte Bereiche einer Hemisphäre oder beide Gehirnhälften betreffen, unterscheidet man zwischen fokalen und generalisierten Anfällen. Die medikamentöse Therapie richtet sich nach der Anfallsform.

Einteilung Epilepsie
 Merke

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Gleichgewicht zwischen neuronaler Hemmung und Erregung zu Gunsten der neuronalen Erregung verschoben wurde.

Status epilepticus

Der Status epilepticus ist definiert als ein persistierender epileptischer Anfall oder eine Serie nicht vollständig reversibler epileptischer Anfälle. Er ist potentiell lebensbedrohlich aufgrund der Gefahr eines Atemstillstands, einer Azidose und eines Hirnödems.

Antikonvulsiva reduzieren die neuronale Erregbarkeit. Sie hemmen spannungsabhängige aktivierende Na+- bzw. Ca2+-Kanäle oder aktivieren inhibitorische GABA-Rezeptoren.

Übersicht über die Wirkorte der Antikonvulsiva

Fokale Epilepsieformen

WirkstoffeSpezifische NebenwirkungenBesonderheiten
Lamotrigin  
(1. Wahl)
  • Schwächegefühl
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Einschleichen notwendig
    → Gefahr von gefährlichen Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom)
  • Mittel der Wahl in der Schwangerschaft
Levetiracetam 
(1. Wahl)
  • Schläfrigkeit
  • Reizbarkeit
  • Gut verträglich
  • Einsatz in Kombinations- und Monotherapien
Carbamazepin  
(2. Wahl)
  • Hyponatriämie
  • Leukopenie
  • Teratogenität im 1. Trimenon
  • Starke CYP3A4 und CYP2C19 Induktion
Pregabalin  
(2. Wahl)
  • Sehstörungen
  • Gewichtszunahme
  • Entzugssymptomatik beim Absetzen
Gabapentin  
(2. Wahl)
  • Schwindel  
  • Mundtrockenheit
  • Einsatz bei neuropathischen Schmerzen
Topiramat  
(2. Wahl)
  • Gewichtsabnahme
  • Einsatz in der Migräneprophylaxe
Phenytoin  
(2. Wahl)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Gingivahyperplasie
  • Hypertrichose (vermehrte Behaarung)
  • Viele Interaktionen
Valproat  
(2. Wahl)
  • Tremor
  • Übelkeit
  • Hepatotoxisch
  • Teratogen
  • Relativ nebenwirkungsarm 
    → Häufig verwendet
  • Schnelle Aufdosierung möglich 

Generalisierte Anfälle

WirkstoffeSpezifische NebenwirkungenBesonderheiten
Valproat  
(1. Wahl)
  • Tremor
  • Übelkeit
  • Hepatotoxisch
  • Teratogen
  • Relativ nebenwirkungsarm 
    → Häufig verwendet
  • Schnelle Aufdosierung möglich 
Lamotrigin  
(2. Wahl)
  • Schwächegefühl
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Einschleichen notwendig
    → Gefahr von gefährlichen Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom)
  • Mittel der Wahl in der Schwangerschaft
Topiramat (2.Wahl)
  • Gewichtsabnahme
 

Absencen

Valproat  
(1. Wahl)
  • Tremor
  • Übelkeit
  • Hepatotoxisch
  • Teratogen
  • Relativ nebenwirkungsarm 
    → Häufig verwendet
  • Schnelle Aufdosierung möglich 
Ethosuximid  
(1. Wahl)
  • Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom)
  • Gastrointestinale Störungen
  • Insbesondere bei Absencen im Kindesalter
  • Kontraindikation:
    • Generalisierte tonisch-klonische Epilepsie (Grand-mal) → Kann Anfälle induzieren

Status epilepticus (Stufentherapie)

1. Stufe
  • Benzodiazepine:
    • 1. Wahl: Lorazepam i.v.
    • 2. Wahl: Midazolam i.v., Clonazepam i.v. 

oder Diazepam i.v.

2. Stufe
  • Einsatz von Antikonvulsiva:
    • Aufsättigung mit Levetiracetam, Phenytoin, Phenobarbital, Valproat
3. Stufe
  • Einsatz von Injektionsanästhetika
    • Propofol
    • Barbiturate

Weitere wichtige Indikationen von Antikonvulsiva

  • Neuropathischer Schmerz: Pregabalin, Gabapentin, Carbamazepin
  • Phasenprophylaxe bei bipolarer Störung: Carbamazepin, Lamotrigin, Valproat (auch zur Therapie der akuten Manie geeignet)
  • Trigeminusneuralgie: Carbamazepin
  • Migräneprophylaxe: Topiramat
  • Doppelbilder
  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsstörungen
 Achtung

Wechselwirkungen: Die meisten Antikonvulsiva sind Induktoren oder Inhibitoren von CYP-Enzymen → Hohes Interaktionspotential!

  • Freissmuth et al.: Pharmakologie und Toxikologie. Springer 2012, ISBN: 978-3-642-12353-5.
  • Karow, Lang-Roth: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012
  • Lüllmann et al.: Pharmakologie und Toxikologie. 15. Auflage Thieme 2002, ISBN: 3-133-68515-5
  • Wehling: Klinische Pharmakologie. 2. Auflage Thieme 2011, ISBN: 978-3-131-60282-4
Zuletzt aktualisiert am 30.09.2024
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