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Arterieller Zugang

7 Minuten Lesezeit

Ein arterieller Zugang wird primär für die invasive Blutdruckmessung zur Überwachung bei hämodynamisch instabilen Patient:innen sowie für die Durchführung regelmäßiger arterieller Blutgasanalysen. Häufige Punktionsstellen ist die A. radialis der nicht-dominanten Hand. 

Materialien den arteriellen Zugang für die Seldinger-Technik
  • Invasive Blutdruckmessung
    • Bei hämodynamisch instabilen Patient:innen (z.B. Schock, Polytrauma, Sepsis)
    • Bei Patient:innen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko (z.B. Herzinsuffizienz, KHK, Herzrhythmusstörungen etc.)
    • Überwachung einer Therapie mit vasoaktiven Wirkstoffen (z.B. Katecholaminen)
    • Bei Operationen mit zu erwartenden hohen Volumenverlusten
    • Bei Operationen, bei denen eine genaue Blutdruckkontrolle notwendig ist (z.B. bei intrakraniellen Operationen)
  • Arterielle Blutgasanalyse
    • Bei respiratorischer Insuffizienz
    • Bei Operationen unter Ein-Lungen-Ventilation
  • Pulskonturanalyse
    • Bestimmung von Schlagvolumen- und Pulsdruckvariation (SSV, PPV)
 Achtung

Im Notfall bestehen keine absoluten Kontraindikationen!

  • Pathologien im Punktionsbereich (Verbrennungen, Hauterkrankungen, Voroperationen, Bestrahlung, Thrombus in der zu punktierenden Arterie)
  • Durchblutungsstörungen (pathologischer Allen-Test, Morbus Raynaud, ausgeprägte Atherosklerose, Ischämie)
  • Gerinnungsstörungen (50er-Regel)
  • Operation im Punktionsbereich (A.radialis: Bypass-Operation, Shunt-OPs etc.)
  • Bekannte Allergien gegen Kathetermaterialien
  • Häufig A. radialis (nicht dominante Hand bevorzugen) oder A. femoralis
  • Selten: A. brachialis, A. ulnaris, A. dorsalis pedis
  • Blutungsanamnese, Allergien
  • Aufklärung über Durchführung, Komplikationen und alternative Möglichkeiten (häufig bereits in der Prämedikationsambulanz durchgeführt, Dokumentation überprüfen) → Ausnahmen: Notfälle oder richterliche Anordnungen
  • Allen-Test: testet die Kollateralisierung der Hohlhand über die A. radialis und 
    A. ulnaris
Allen-Test
 Achtung

Die diagnostische Wertigkeit des Allen-Tests wird kontrovers diskutiert. Die Durchführung kann neben der Untersuchung der Kollateralisierung auch aus forensischen Gründen sinnvoll sein. Bei klinischem Zweifel kann zusätzlich eine Duplexsonographie erfolgen.

  • Klebeband und Unterlegrolle → Für die korrekte Lagerung
  • Fahrbarer Tisch als Ablage
  • Haube und Mundschutz (bei A. femoralis: + steriler Kittel und US-Überzug)
  • Hautdesinfektionsmittel
  • (1) Sterile Handschuhe in passender Größe
  • (2) Steriles Lochtuch
  • (3) Sterile Kompressen/Tupfer
  • Bei wachen Patient:innen: Lokalanästhesie
    • (4) Spritze
    • 5–10 ml Lokalanästhetikum (z.B. Lidocain)
    • (5) Aufziehkanüle
    • (6) Dünne Kanüle mit einer Größe von 25 G–26 G zur Infiltrationsanästhesie der Haut
  • Arterienkatheter-Set
    • (7) Punktionskanüle
    • (8) Seldinger-Draht
    • (9) Arterieller Katheter (i.d.R. Größe: 20 G)
  • Warnaufkleber mit roter Schrift
  • Fixierungsmaterial
    • (10) Pflaster und Klebestreifen
    • (11) Alternativ oder zusätzlich: Nahtmaterial, Nadelhalter & Pinzette zur Annaht
Materialien den arteriellen Zugang für die Seldinger-Technik
  1. Lagerung und Desinfektion der Punktionsstelle
    1. Zur optimalen Positionierung der 
      A. radialis wird die Hand im Handgelenk nach dorsal überstreckt
    2. Ist die Arterie im Punktionsbereich 
      (2–4 cm proximal des Handgelenks) gut tastbar?
    3. Desinfektion der Punktionsstelle
  2. Hygienische Händedesinfektion
  3. Anziehen steriler Handschuhe
  4. Lochtuch so auflegen, dass die geplante Punktionsstelle mittig im Lochbereich positioniert ist
  5. Palpation der Arterie
  6. Bei wachen Patient:innen: Infiltrationsanästhesie
    1. Lokalanästhetikum steril aufziehen und mit dünner Kanüle kleines kutanes und subkutanes Depot setzen, Wirkeintritt abwarten
  7. Punktion der Arterie im 30-40°-Winkel
    1. Nadelschliff nach oben
    2. Kompresse unter Kanülenende legen
    3. Cave: Nicht zu kräftig palpieren → Starke Kompression erschwert die Punktion
  8. Korrekte Punktion: pulsatiler, hellroter Blutfluss aus der Punktionskanüle
  9. Seldinger-Draht mit weichem Ende einführen
    1. Das Einführen sollte ganz leicht gehen
    2. Einführen bis 3 cm des Drahtes aus der Punktionskanüle ragen
  10. Entfernen der Punktionskanüle
    1. Unter ständiger Fixierung des Drahtes
  11. Auffädeln und Einführen des Katheters
  12. Fixierung des Katheters
    1. Meist mit Katheterpflaster
    2. Auf Intensivstation oft zusätzl. mit Annaht
  13. Entfernung des Seldinger-Drahtes
  14. Anschluss ans Druckspülsystem, Durchspülen des Katheters (Alternativ: Durchspülen mit 10 ml NaCl 0,9%- Spritze)
  15. Kennzeichnung des arteriellen Katheters, um eine versehentliche intraarterielle Injektion zu vermeiden
  16. Dokumentation
Anlage eines arteriellen Zugangs
  • Warnsignal: brennende Schmerzen im Versorgungsgebiet
  • Intraarteriellen Zugang belassen und nicht herausziehen!
  • Maßnahmen:
    1. Aspiration, um mögliche Reste des fälschlich injizierten Medikamentes aus Zuleitung und Katheter zu entfernen
    2. Verdünnung durch Injektion von 10–20 ml 0,9 %iger NaCl-Lösung
    3. Weitere mögliche Maßnahmen:
      1. Lösung von Gefäßspasmen: intraarterielle Injektion von 5–10 ml Lidocain 1 %
      2. Ggf. Injektion von Vasodilatatoren (Prostaglandin-Infusion) → Verbesserung der Perfusion
      3. Ggf. lokale oder systemische Antikoagulation mit Heparin
      4. Ggf. Blockade des Plexus brachialis oder Ganglion stellatum 
        → Vasodilatation durch Sympathikolyse
  • Hygienische Händedesinfektion
  • Anziehen von Mundschutz und nicht sterilen Untersuchungshandschuhen
  • Verband entfernen (das Besprühen des Pflasters mit Desinfektionsmittel kann hilfreich sein)
  • Druckspülsystem entfernen
  • Ggf. Nähte des Katheters durchtrennen
  • Punktionsstelle desinfizieren
  • Katheter zügig und gleichmäßig herausziehen
  • Punkti­ons­s­telle mit Kompressen kräftig komprimieren für 3–5 min
  • Druckverband anlegen für 3–5 min
  • Nachkontrolle auf Blutung oder Ischämie im distal gelegenen Versorgungsgebiet
 Info
Druckverband
  1. Sterile Kompresse auf die Wunde legen
  2. Zweimal mit einer Mullbinde umwickeln
  3. Nicht saugfähiges Druckpolster auf die Wunde legen (größer als die Wunde)
  4. Restliche Mullbinde umwickeln
  5. Enden der Mullbinde verknoten
Anlage eines Druckverbands
Zuletzt aktualisiert am 28.04.2026
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