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Asthma bronchiale und COPD

11 Minuten Lesezeit

Asthma bronchiale

Mehr Informationen findest du hier: Asthma bronchiale.

Asthma bronchiale ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, welche mit einer reversiblen bronchialen Obstruktion und/oder Hyperreagibilität einhergeht.

Mögliche Ursachen für die Entstehung von Asthma sind unter anderem genetische Prädisposition sowie Allergen- oder Noxenexposition.

Je nach Ausprägung des Asthmas können Symptome wie chronischer Husten oder Dyspnoe auftreten. Diese können in milder Form vorliegen. Im Rahmen einer Exazerbation (Verschlechterung) oder eines Asthmaanfalls kann jedoch eine Notfalltherapie notwendig werden.

Ein akuter Asthmaanfall kann unter anderem durch Allergene, Infektionen, körperliche Belastung oder Medikamente (z.B. ASS und Betablocker) ausgelöst werden.

Asthma bronchiale

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

Mehr Informationen findest du hier: chronisch obstruktive Lungenerkrankung.

Ähnlich wie bei Asthma bronchiale entsteht die COPD durch eine chronische Entzündung der kleinen Bronchien. Diese wird überwiegend durch inhalative Noxen (z. B. Tabakrauch) ausgelöst. Es resultiert eine irreversible Obstruktion (Verengung) der kleinen Atemwege und eine Überblähung der Alveolen mit verminderter Gasaustauschfläche (= Emphysem). In der Folge kann weniger Sauerstoff ins Blut aufgenommen (Hypoxämie) und Kohlenstoffdioxid abgegeben (Hyperkapnie) werden. Anfangs kommt es zu einer Kompensation durch den Einsatz der Atemhilfsmuskulatur. Bei Erschöpfung oder Exazerbation (Verschlechterung z.B. durch einen zusätzlichen bronchopulmonalen Infekt) kann eine Akuttherapie notwendig werden.

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Klinik und Anamnese
    • Asthma bronchiale: akute Dyspnoe insbesondere nachts und früh morgens, Thorakale Einziehungen, vorwiegend im Kindes- und Jugendalter
      • Auslöser: Allergene, Infektionen, Tabakrauch, kalte Luft, Medikamente wie ASS oder Betablocker, körperliche Belastung
    • COPD: Atemnot, chronischer Husten, Auswurf (AHA-Regel), Fassthorax, Kachexie, erhöhte Atemfrequenz & Tachykardie, v.a. ab dem 50. Lebensjahr
      • Auslöser: Infektionen (in 80% der Fälle) 
    • Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, Zyanose, Giemen, Brummen
  • Pulsoxymetrie
    • Blutgasanalyse (BGA)
      • Bei schwerer Exazerbation arterielle BGA
        • pO2↓: hypoxämische respiratorische Insuffizienz (Partialinsuffizienz)
        • pCO2↑: hyperkapnische respiratorische Insuffizienz (Globalinsuffizienz)
Hypoxische und hyperkapnische respiratorische Insuffizienz
  • Labor: Entzündungsparameter (Leukozyten, CRP, Procalcitonin) zum Ausschluss einer bakteriellen Infektion
  • Bei Verdacht auf eine Infektion Blutkulturen abnehmen
  • Röntgen-Thorax: Ausschluss anderer Differentialdiagnosen (z.B. Pneumonie)
  • Lungenfunktionsdiagnostik: Peak-Flow-Messung (PEF)↓ 
    • Nachweis einer Bronchialobstruktion FEV1/VC (Tiffeneau-Index)↓ 
      • Mit Teilreversibilität bei Asthma bronchiale 
      • Ohne Reversibilität bei COPD
  • Patient:in beruhigen und hinsetzen, sofern dieser/diese flach im Bett liegt (verbesserte Lungenbelüftung und Hinzunahme der Atemhilfsmuskulatur möglich)
  • Lippenbremse: Patient:in atmet gegen locker aufeinander aufliegende Lippen aus → Hierdurch wird ein Kollaps der Bronchiolen verhindert
  • Sauerstoffgabe mit einem spO2-Ziel von 92-95% (CAVE: bei COPD nur vorsichtige Sauerstoffgabe von 1-2 Litern mit regelmäßigen BGA-Kontrollen)
  • Inhalation mit Salbutamol 1,25 mg–2,5 mg/Ipratropiumbromid 0,5 mg über einen Dauervernebler oder zunächst 2-4 Hübe Salbutamol
  • Zusätzlich Prednisolon 50 mg–100 mg p.o. oder i.v. (nie inhalative Anwendung aufgrund des verzögerten Wirkeintritts)
    Bei COPD: anschließend Prednisolon 20–40 mg für ca. 10 Tage
  • Bei ausbleibender Besserung: Gabe von Terbutalin 0,25 mg–0,5 mg s.c. oder Reproterol 0,09 mg i.v. (CAVE: Tachykardien möglich)
  • In schweren Fällen/bei Therapieresistenz (Hyperkapnie, Hypoxämie, Azidose, Vigilanzminderung): Beatmung (Nicht-invasiv (NIV), im Verlauf ggf. invasiv)
  • Bei starker Dyspnoe/Unruhe: COPD - Morphin 2–5 mg s.c. (CAVE: Atemdepression möglich), Asthma - Promethazin 12,5-25 mg i.v. (Morphin sorgt für Histaminfreisetzung und kann einen Asthmaanfall verstärken)
  • Bei zusätzlicher kardialer Dekompensation/Lungenödem: ggf. Furosemid 40 mg i.v. 
  • Bei Fieber: ggf. Fiebersenkung mit Paracetamol 1 g als Kurzinfusion
  • Bei allergischem Asthma: Meidung auslösender Faktoren
  • Bei Verdacht auf eine Infektexazerbation und purulentem Sputum: kalkulierte antiinfektive Therapie z.B. mit Ampicillin/Sulbactam 2 g 1-1-1 für 5–7 Tage (vorher Blutkulturen abnehmen)
Therapie bei bronchialer Obstruktion
 Achtung

Bei einem Asthmaanfall dürfen keine ß-Blocker gegeben werden, da diese eine Bronchokonstriktion begünstigen! 
Bei zusätzlichem Vorhofflimmern sollte statt ß-Blockern Verapamil zur Frequenzkontrolle gegeben werden.

Für weitere Informationen siehe auch BlutgasanalyseSauerstoffsättigung.

Zielwert der Sauerstoffsättigung

Bei Patient:innen sollte eine Sauerstoffsättigung von über 92 % angestrebt werden. Hierzu sollte das Grundleiden nach Möglichkeit kausal therapiert werden. Durch unterstützende Maßnahmen wie Oberkörperhochlagerung (bei Herzinsuffizienz/Lungenödem), Inhalation, Atemtraining und Sauerstoffgabe kann eine vorübergehende Besserung erreicht werden.

Der Sauerstoffanteil in der Atemluft beträgt 21 %. Über eine Nasenbrille oder Maske wird der Einatemluft purer Sauerstoff beigemischt. Bei einer Maske mit Reservoir erhöht sich die inspiratorische O2-Konzentration (FiO2) auf ca. 60 %. Die Einatemluft hat also unter Sauerstoffgabe einen deutlich höheren Sauerstoffanteil.

Zielwert der Sauerstoffsättigung bei COPD-Patient:innen

Bei Patient:innen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) ist besondere Vorsicht bei der Sauerstoffgabe geboten. Bei COPD-Patient:innen besteht häufig eine chronische Hypoxie (O2↓) und Hyperkapnie (CO2↑)

Eine unkontrollierte, hochdosierte Sauerstoffgabe bei Patient:innen mit COPD kann zu einem Anstieg des CO₂-Spiegels (Hyperkapnie) führen und in schweren Fällen eine Bewusstseinsminderung verursachen.

 Info

Früher wurde angenommen, dass bei COPD-Patient:innen der Atemantrieb hauptsächlich durch den Sauerstoffmangel (hypoxischer Atemantrieb) gesteuert wird. Demnach könne eine Sauerstoffgabe den Atemantrieb vermindern und dadurch zu Atemversagen führen. Dieses Konzept gilt heute jedoch als überholt bzw. stark relativiert.

→ Aktuelle Erkenntnisse sehen den Hauptmechanismus der CO₂-Erhöhung vielmehr in einer Störung des Ventilations-Perfusions-Verhältnisses (V/Q-Mismatch)

  • Bei COPD sind viele Lungenareale schlecht belüftet, weshalb es dort normalerweise zu einer hypoxischen Vasokonstriktion kommt
  • Dadurch wird der Blutfluss in diese schlecht ventilierten Bereiche reduziert und in besser belüftete Areale umgeleitet
  • Wird jedoch hochdosiert Sauerstoff verabreicht, wird diese hypoxische Vasokonstriktion aufgehoben
  • Hierdurch werden auch die schlecht ventilierten Lungenareale stärker durchblutet, obwohl dort weiterhin nur wenig Ventilation stattfindet
  • Das Ventilations-Perfusions-Verhältnis verschlechtert sich, und es kommt funktionell zu einem Rechts-Links-Shunt, wodurch weniger CO₂ abgeatmet werden kann und der CO₂-Spiegel im Blut ansteigt.

Relevanz der Blutgasanalyse:

Bei COPD-Patient:innen sollte daher regelmäßig Blut für eine BGA entnommen werden, um die Sauerstoffsättigung und den pCO2-Wert zu kontrollieren. Eine Erhöhung der Sauerstoffgabe kann erfolgen, solange der pCO2 Werte von 60-70 mmHg nicht übersteigt bzw. die Hyperkapnie nicht zu einer respiratorischen Azidose oder Bewusstseinstrübung führt. Steigt der pCO2-Wert bei einer zu geringen Sauerstoffsättigung an, spricht dies für eine Erschöpfung der Atemmuskulatur. Zur Unterstützung wird eine Beatmung (z.B. NIVnicht-invasive Beatmung) notwendig. Im Falle einer relevanten Hypoxie sollte auch bei Patient:innen mit COPD eine Sauerstoffgabe erfolgen. Die Sauerstoffgabe sollte von einer engmaschigen Kontrolle der pCO2-Werte begleitet werden. Bei einer zunehmenden Hyperkapnie sollte die Indikation für eine NIV-Therapie evaluiert werden.

Zielwert der Sauerstoffsättigung bei COPD-Patient:innen
BGA-Fallbeispiel: respiratorische Azidose bei COPD
BGA-Fallbeispiel: respiratorische Azidose bei COPD
 Achtung
Konsequenzen für die Sauerstofftherapie
  • Bei akuter Hypoxie sollte Sauerstoff zur Stabilisierung gegeben werden, bei Bedarf auch initial hochdosiert
  • Eine dauerhaft unkontrollierte, hochdosierte Sauerstoffgabe sollte vermieden werden
  • Die Sauerstofftherapie sollte zielgerichtet titriert werden, mit einem SpO₂-Zielbereich von etwa 88–92 % sowie einer klinischen Verbesserung
  • Bei respiratorischer Insuffizienz und steigendem Sauerstoffbedarf sollte frühzeitig eine nichtinvasive Beatmung (NIV) in Betracht gezogen werden. Dies auch bereits im präklinischen Setting

Algorithmus Asthmaanfall

Algorithmus: akut exazerbierte COPD

Für ein praktisches BGA-Fallbeispiel zum Üben der BGA-Auswertung siehe: BGA-Fallbeispiel 3

Zuletzt aktualisiert am 13.03.2026
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