Ein akuter Asthmaanfall äußert sich durch das plötzliche Auftreten von Atemnot, Husten und pfeifenden Atemgeräuschen infolge einer Bronchokonstriktion. Diese Symptome erfordern eine sofortige therapeutische Intervention, da sie zu einer lebensbedrohlichen Situation eskalieren können. Hält der Anfall länger als 24 Stunden an und ist nicht durch Bronchodilatatoren beherrschbar, spricht man von einem Status asthmaticus, der mit einer zunehmenden respiratorischen Insuffizienz einhergeht.
Asthma entsteht auf Grundlage einer genetischen Prädisposition und kann durch Umweltfaktoren wie Allergene, Atemwegsinfektionen oder Reizstoffe ausgelöst werden. Auch psychosoziale Belastungen und bestimmte Medikamente können als Trigger wirken.
Die Asthma-Trias beschreibt die drei pathophysiologischen Hauptmechanismen, die bei einem Asthmaanfall zur Obstruktion der Atemwege führen:
Bronchokonstriktion: Verkrampfung der glatten Muskulatur in den Bronchien, die den Atemwegsdurchmesser verringert
Schleimhautödem: Entzündungsbedingte Schwellung der Bronchialschleimhaut, die den Luftstrom weiter einschränkt
Vermehrte Schleimproduktion: Übermäßige Sekretion von zähem Schleim, der die Atemwege zusätzlich verlegt
Die frühzeitige Lagerung in sitzender Position und die Anleitung zur Lippenbremse sind essenziell. Eine Sauerstoffgabe und die Inhalation von Bronchodilatoren sind spezifische Maßnahmen. Bei schweren Fällen kommen zusätzlich Glukokortikoide, oder eine nichtinvasive Beatmung (CPAP-PS) zum Einsatz. Beim Versagen dieser Maßnahmen bleibt als ultima Ratio die invasive Beatmung.
Um den Einstieg in das Thema Asthma bronchiale etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: Akute Atemnot
Ort: Privathaushalt, Küche
Alarmzeit: 13:10 Uhr
Anrufer: Mitbewohnerin des Betroffenen
Anzahl der Betroffenen: 1
Zusatzinfo:
Männlich, 22 Jahre alt
Bekanntes Asthma bronchiale
Berichtet über akute Atemnot nach Kontakt mit Katze (bekannte Allergie)
Lageeinweisung vor Ort:
Der Patient wird bei Eintreffen des Rettungsdienstes sitzend, nach vorn gebeugt, auf einem Stuhl, vorgefunden. Die Mitbewohnerin berichtet, dass der Patient eine Katze gestreichelt habe und kurz darauf über ein Engegefühl in der Brust und über zunehmende Atemnot klagte. Die mehrfache Verwendung seines Asthmasprays (Salbutamol) zeigte keine ausreichende Wirkung.
Die Lage ist wie folgt:
Auf Ansprache reagiert der Patient, ein exspiratorischer Stridor ist wahrnehmbar
Der Patient wirkt stark ängstlich und ringt sichtlich nach Luft
Eine Lippenzyanose ist deutlich sichtbar
Ersteindruck nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit Asthma bronchiale aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Messung des Blutzuckers in diesem Fall hintangestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x
Kein aktiver äußerer Blutverlust sichtbar
A
Atemwege frei, allerdings exspiratorischer Stridor hörbar
Schleimhäute blass
Pat. spricht selbständig
Kein A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion beidseits physiologisch
Keine Halsvenenstauung sichtbar
Tachypnoe, 26 / min
Auskultatorisch:
Beidseits Stridor
Palpatorisch:
Thorax insgesamt stabil
SpO2: 86 %
Akutes B-Problem
C
Hautkolorit blass
Rekap-Zeit: 2 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses am Handgelenk
Rhythmisch
Gut tastbar
Tachykard, 127 / min
Mittelbares C-Problem
D
Wach, orientiert, ansprechbar
GCS 15
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 5
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Keine Verletzungen ersichtlich
Temperatur: 37,1 °C
Symptome:
Atemnot, Zyanose
Expiratorischer Stridor
Allergien/Infektionen: bekannte Allergie auf Tierhaare
Ereignis: Auftreten der Atemnot nach Kontakt mit Katze
Risikofaktoren: Allergie gegen Tierhaare, Raucher
Kein E-Problem
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Ein akuter Asthmaanfall ist gekennzeichnet durch das plötzliche Auftreten von Atemnot, Husten sowie pfeifenden Atemgeräuschen infolge einer Bronchokonstriktion, die auf eine gesteigerte Empfindlichkeit des Bronchialsystems (bronchiale Hyperreagibilität) zurückzuführen ist. Diese Symptome machen eine sofortige therapeutische Intervention erforderlich.
Wenn der Anfall länger als 24 Stunden anhält und nicht durch Bronchodilatatoren kontrolliert werden kann, spricht man von einem Status asthmaticus. Dabei entwickelt sich eine zunehmende respiratorische Insuffizienz, die potenziell lebensbedrohlich ist.
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Asthma bronchiale entsteht multifaktoriell auf der Grundlage einer genetischen Prädisposition und infolge von verschiedenen Umweltfaktoren.
Endogene Risikofaktoren:
Genetische Prädisposition
Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis: atopische Dermatitis, allergische Rhinitis (wie auch das Asthma bronchiale, sind atopische Erkrankungen mit einer vermehrten Bildung von IgE assoziiert)
Exogene Risikofaktoren:
Allergene (z.B. Pollen, Hausstaub, Tierhaare)
Körperliche Anstrengung
Atemwegsinfektionen
Inhalation von Reizstoffen, kalter Luft, chemischen Noxen, Tabakrauch
Medikamenteneinnahme: Acetylsalicylsäure (ASS), Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Betablocker (vor allem unselektive Betablocker), Parasympathomimetika
Psychosoziale Belastungsfaktoren (z.B. Stress)
Achtung
Heuschnupfen (allergische Rhinitis) gilt als allergische, entzündliche Erkrankung des Nasen-Rachen-Raumes, die auf die unteren Atemwege übergreifen und dort zu Asthma führen kann („Etagenwechsel“).
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Merke
Reminder: Physiologische Grundlagen
Anatomie & Funktion der kleinen Atemwege:
Die kleinen Atemwege (Bronchioli) besitzen keinen Knorpel
Sie werden durch elastische Fasern des Lungenparenchyms stabilisiert
Im physiologischen Zustand verursachen sie nur einen geringen Strömungswiderstand
Elastische Retraktionskraft der Lunge:
Die Lunge enthält Elastinfasern → verantwortlich für Dehnbarkeit und Rückstellkraft
Alveoläre Septen strukturieren die Lungenbläschen undermöglichen eine große Gasaustauschfläche
Ein feines Bindegewebsnetz stabilisiert das Lungenparenchym
Die Exspiration ist überwiegend passiv →erfolgt durch die elastische Retraktionskraft der Lunge
Durch den radialen Zug halten sie die kleinen Atemwege während der Exspiration offen
Mukoziliäre Clearance:
Die Selbstreinigung der Atemwege erfolgt durch:
Becherzellen → Schleimproduktion
Flimmerepithel (Zilien) → Transport des Schleims nach kranial
Gasaustausch (alveoläre Ventilation):
In den Alveolen diffundiert Sauerstoff (O₂) aus der Atemluft in die pulmonalen Kapillaren und damit ins Blut
Kohlenstoffdioxid (CO₂) diffundiert aus dem Blut der Kapillaren in die Alveolen und wird anschließend abgeatmet
Regulation der Atmung:
Atemantrieb erfolgt über:
CO₂-Anstieg (Hauptantrieb)
pH-Wert
O₂-Abfall (untergeordnet)
Regulation des Atemwegsdurchmessers:
Glatte Muskulatur reagiert auf:
Parasympathische Aktivität → Konstriktion
Sympathische Aktivität → Dilatation
Asthma bronchiale entwickelt sich aus einer Kombination von endogenen Risikofaktoren wie genetischer Prädisposition und exogenen Risikofaktoren. Beim allergischen Asthma kommt es nach Allergenexposition (z.B. Pollen, Schimmelpilz, Hausstaubmilben, Tierepithelien) zu einer allergischen Reaktion vom Soforttyp (IgE-vermittelt) mit Mastzelldegranulation und Freisetzung von Histamin, Leukotrienen und Bradykininen (siehe unten). Zusätzlich kann es zu einer IgG-vermittelten Immunreaktion vom Spättyp kommen.
Beim nicht-allergischen Asthma können Faktoren wie körperliche Anstrengung, Kälte, inhalative Noxen oder Infektionen Auslöser der Asthmasymptome sein.
Als Reaktion auf diese Auslöser kommt es zur Aktivierung von Immunzellen und zur Freisetzung von Entzündungsmediatoren, die zu einer Entzündung der Atemwege und zu einer Überempfindlichkeit gegenüber verschiedenen Reizen (bronchiale Hyperreagibilität) führen. Es kommt zur charakteristischen Asthma-Trias aus Bronchokonstriktion, Schleimhautödem und vermehrter Schleimproduktion, die zur Obstruktion der Atemwege führt. Bei länger bestehendem chronischen Asthma treten darüber hinaus weitere Umbauprozesse (Remodelling) wie Hypertrophie der glatten Bronchialmuskulatur, Verdickung der Basalmembran und vermehrte Bildung von Blutgefäßen auf.
Allergenbindung an IgE auf Mastzellen → Mastzellendegranulation
Direkte Reizung des Epithels
Zelltyp dominierend
Mastzellen
Eosinophile Granulozyten
Häufig neutrophile Granulozyten
Teilweise auch eosinophile Granulozyten
Mediatorfreisetzung
Histamin
Leukotriene
Prostaglandine
Histamin
Leukotriene
Prostaglandine
Hyperreagibilität
Durch Immunreaktion getriggert
Durch chronische Reizung verstärkt
Begleiterkrankungen
Häufig Atopie (Heuschnupfen, Neurodermitis)
Oft keine Atopie
Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme bei Asthma
Immunologische Reaktion mit AusschüttungvonEntzündungsmediatoren → bronchiale Hyperagilität
Obstruktion durch Asthma-Trias:
Bronchokonstriktion
Schleimhautödem
Vermehrte Schleimproduktion
Reduktion des Atemwegsradius → gesteigerter Atemwegswiderstand (Hagen-Poiseuille-Gesetz)
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Typische Zeichen
Anfallsartige Atemnot, Dyspnoe
Thorakales Engegefühl
Exspiratorischer Stridor (durch Obstruktion der kleinen Bronchien), verlängertes Exspirium
Hinweise auf Hyperkapniezeichen? → Hautrötung, Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Tachykardie
Generalisierte Zeichen
Tachypnoe
Oft als Reaktion auf eine Hypoxie und die beeinträchtigte Atmungskapazität
Zyanose
Bläuliche Verfärbung der Haut und Schleimhäute, insbesondere der Lippen
Angst und Unruhe
Hypotonie
Tachykardie
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Hinweise auf einen schweren Asthmaanfall? → Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, Zyanose, Kreislaufinstabilität, thorakale Einziehungen
Hinweise auf einen Status asthmaticus? → Symptomatik seit >24 Stunden
A (Allergien, Infektionen): Hinweise auf Allergene als Auslöser?
M (Medikation): Bronchodilatatoren, oft als Akutmedikation, z.B. Salbutamol-Spray
P (Patientengeschichte): Häufigkeit / Schwere der Anfälle in der Vergangenheit, sonstige Vorerkrankungen?
L (Letzte…): Letzte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme?
E (Ereignis): Allergenexposition? Körperliche Anstrengung?
R (Risiko): Raucherhaushalt? Haustiere? Berufsanamnese (z.B. Bäckerasthma)? Psychosoziale Faktoren?
S (Schwangerschaft): Mögliche Schwangerschaft bei weiblichen Patientinnen
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf einen akuten Asthmaanfall abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Klinische Untersuchung
Inspektion:
Blässe
Zyanose
Tachypnoe
Einsatz der Atemhilfsmuskulatur („Kutschersitz“)
Ggf. thorakale Einziehungen
Palpation:
Der Palpationsbefund sollte physiologisch ausfallen. Ist das nicht so, muss differenzialdiagnostisch gedacht werden
Perkussion:
Hypersonorer Klopfschall (Hinweis auf übermäßigen Luftgehalt in der Lunge)
Auskultation:
Trockene Nebengeräusche wie Stridor, Pfeifen, Brummen, verlängertes Exspirium (verlängerte Ausatmung)
Maximalbefund „Silent chest“: Atemgeräusche aufgrund einer massiven Lungenüberblähung und ausgeprägter Obstruktion stark abgeschwächt oder nicht mehr hörbar
Differenzialdiagnosen
Die Differenzialdiagnosen bei Atemwegserkrankungen sind entscheidend, um eine gezielte Behandlung einzuleiten und lebensbedrohliche Zustände frühzeitig zu erkennen. Eine fehlerhafte Einschätzung kann zu einer inadäquaten Therapie führen. Daher ist eine gründliche Anamnese und Untersuchung unverzichtbar.
Erkrankung
Auskultationsbefund
Perkussionsbefund
COPD
Verlängertes Exspirium, Giemen/Brummen, evtl. abgeschwächt oder Silent Chest
Hypersonor
Atemwegsobstruktion der oberen Atemwege
Inspiratorischer Stridor
ggf. gedämpft
Lungenödem
Feuchte, grobblasige Rasselgeräusche
Gedämpft
Pneumonie
Feuchte, feinblasige Rasselgeräusche
Gedämpft
Pneumothorax
Abgeschwächtes Atemgeräusch auf der betroffenen Seite
Hypersonor
Lungenemphysem
Abgeschwächtes Atemgeräusch
Hypersonor
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Info
Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
Basismaßnahmen
Patient:innen in sitzender Position lagern
Patient:innen beruhigen und beim Atmen anleiten (Atemkommandos)
Lippenbremse einsetzen lassen
Zum Einsatz der Atemhilfsmuskulatur anleiten
Bei allergischen Auslöser:
Weitere Allergenexposition vermeiden (z.B. durch Ortswechsel)
Sauerstoffgabe per Maske
Info
Lippenbremse
Bei der Lippenbremse wird ein möglichst positiver Druck aufrechterhalten, um die Bronchien auch bei der Ausatmung zu erweitern. Der Mechanismus besteht darin, dass die Ausatmung gegen die fast geschlossenen Lippen erfolgt. Dadurch wird einerseits ein positiver Atemwegsdruck in der Ausatemphase erzeugt, andererseits wird die Konzentration auf eine lange Ausatmung erhöht, was der Panik bei Atemnot entgegenwirken kann.
Spezifische Maßnahmen
Angepasste Volumentherapie mit kristalloiden Infusionslösungen
Inhalation per Verneblermaske von β2-Sympathomimetikum, ggf. ergänzt durch Anticholinergikum:
Erwachsene: 0,09 mg i.v. als Kurzinfusion, bei Bedarf Wiederholung nach 15 min möglich
Kinder:1 μg/kgKG/min als Kurzinfusion über 10 min
Terbutalin 0,25–0,5 mg s.c., bei Bedarf Wiederholung nach 20 min möglich
Ggf. intravenöse Gabe von Magnesiumsulfat 2 g in 50 ml NaCl 0,9 % langsam i.v.
Bei fortbestehender Symptomatik:
Nichtinvasive Beatmung mit Druckunterstützung (z.B. CPAP-PS)
Ggf. invasive Beatmung
Tipp
Beim akuten Asthmaanfall stehen inhalative β2-SympathomimetikaimVordergrund
Glucocorticoide sollten wegen des verzögerten Wirkungseintritts oral, rektal oderintravenös verabreicht werden
Achtung
Betablocker sind bei jeder Form des Asthmaanfalls kontraindiziert!
Weitere Maßnahmen
Nichtinvasive Kapnografie verwenden
Auskunft über Atemtätigkeit der Patient:innen (AF, Atemmuster, CO₂-Werte)
Frühzeitiges Erkennen einer Hyperkapnie möglich
Engmaschige Überwachung der Vitalparameter während der Fahrt
Achtung
Beurteilung von etCO₂-Werte bei spontan atmenden Patient:innen
Die absoluten etCO₂-Werte müssen mit Vorsicht betrachtet werden, da die Messung in einem nicht geschlossenen System stattfindet.
Von primärem Interesse ist der zeitliche Verlauf der absoluten Werte:
Steigende Werte im Verlauf: → Hinweis auf hyperkapnisches, respiratorisches Versagen
Sinkende Werte im Verlauf: → Hinweis auf Therapieerfolg
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Endotracheale Intubation bei Status asthmaticus
Zeigt die vorherige Therapie keine ausreichende Wirkung, müssen Patient:innen intubiert und kontrolliert beatmet werden.
Zu den wichtigsten Indikationen zählen:
Zunehmende Erschöpfung der Atemmuskulatur mit drohender oder manifester respiratorischer Insuffizienz
Persistierende Hypoxie trotz maximaler, medikamentöser Therapie und nicht-invasiver Beatmung
Die Entscheidung zur Intubation sollte stets in enger Abwägung der Risiken und unter Beachtung der spezifischen pathophysiologischen Besonderheiten beim Status asthmaticus erfolgen.
Tipp
Ketamin ist beim Status asthmaticus ein Mittel der Wahl, da es sowohl die Intubation erleichtert als auch die pathophysiologischen Mechanismen der Atemwegsobstruktion günstig beeinflusst.
Ketamin (R-Enantiomer „altes Ketamin“) hat eine deutlich größere bronchodilatatorische Wirkung als Esketamin.
Analgetika-Asthma
Definition
Das Analgetika-Asthma ist eine nicht-allergische Form des Asthmas, die durch die Einnahme von COX-hemmenden Schmerzmitteln (z.B. ASS) ausgelöst wird.
Durch die Hemmung der Cyclooxygenase (COX) wird die Bildung von Prostaglandinenreduziert, die normalerweise eine bronchienerweiternde und entzündungshemmende Wirkung haben.
Gleichzeitig wird die Arachidonsäure vermehrt über den Lipoxygenase-Weg abgebaut, wodurch vermehrtbronchokonstriktorischwirksameLeukotriene entstehen → diese führen zu Bronchokonstriktion, Schleimproduktion und Schleimhautödem und damit zur typischen Atemwegsverengung.
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Die Wahl des Zielkrankenhauses richtet sich nach dem individuellen Fall. Idealerweise wird eine Klinik angesteuert, die sowohl eine internistische Versorgung als auch die Möglichkeit einer intensivmedizinischen Versorgung bietet
Es sollte auf freie Atemwege geachtet werden und eine ständige Überwachung der Vitalparameter, insbesondere SpO2 und etCO2-Werte erfolgen. Bei instabiler Kreislaufsituation sollte der Transport unter kontinuierlicher Kreislaufüberwachung und gegebenenfalls medikamentöser Unterstützung erfolgen.
Achtung
Erfolgt der Transport unter nichtinvasiver oder invasiver Beatmung, müssen die Beatmungseinstellungen gründlich überwacht und auf den jeweiligen Patient:innenzustand angepasst werden.
Hier ist eine telefonische Voranmeldung auf der Intensivstation oder dem Schockraum zwingend notwendig.
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Zur Zusammenfassung hier die Hard Facts, die bei der Examensvorbereitung oder im Einsatz helfen können:
Definition:
Plötzliches Auftreten von Atemnot, Husten sowie pfeifenden Atemgeräuschen infolge eines Bronchospasmus, der auf eine gesteigerte Empfindlichkeit des Bronchialsystems zurückzuführen ist
Asthma-Trias:
Bronchokonstriktion
Schleimhautödem
Vermehrte Schleimproduktion
Symptome:
Anfallsartige Atemnot, Dyspnoe, Tachypnoe
Zyanose
Thorakales Engegefühl
Exspiratorischer Stridor
Trockener Husten
Ursachen:
Endogene Risikofaktoren:
Genetische Prädisposition
Exogene Risikofaktoren:
Allergene (z.B. Pollen, Hausstaub, Tierhaare)
Körperliche Anstrengung
Atemwegsinfektionen
Inhalation von Reizstoffen, kalter Luft, chemischen Noxen, Tabakrauch
Medikamenteneinnahme
Pathophysiologie:
Immunologische Reaktion mit AusschüttungvonEntzündungsmediatoren → bronchiale Hyperagilität
Obstruktion durch Asthma-Trias:
Bronchokonstriktion
Schleimhautödem
Vermehrte Schleimproduktion
Reduktion des Atemwegsradius → gesteigerter Atemwegswiderstand (Hagen-Poiseuille-Gesetz)
Diagnostik:
Fokus auf SpO2 und etCO₂-Werte
Auskultationsbefund:
Expiratorischer Stridor
Maximalbefund: „Silent chest“
Hypersonorer Klopfschall
Differenzialdiagnosen beachten
Therapie:
Lippenbremse
Inhalation von β2-Sympathomimetikum (Salbutamol) + Anticholinergikum (Iptratropiumbromid)
Glukokortikoid-Gabe (Prednisolon)
Ggf. intravenöse Gabe von β2-Sympathomimetikum (z.B. Reproterol)
Ggf. intravenöse Gabe von Magnesiumsulfat
Bei fortbestehender Symptomatik:
Nichtinvasive Beatmung (CPAP-PS)
Ggf. invasive Beatmung
Transport:
Zielklinik mit internistischer Versorgung, je nach Schweregrad mit intensivmedizinischer Versorgung
Kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter
Auf Hyperkapniezeichen achten
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