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Atmungskette

EP
9 Minuten Lesezeit
  • Ort: Die Atmungskette ist in die innere Mitochondrienmembran eingebettet
  • Funktion: Die Atmungskette ist der letzte Schritt der aeroben Zellatmung und produziert den Großteil der Zellenergie in Form von Adenosintriphosphat (ATP)
  • Elektronentransportkette: Die Atmungskette besteht aus einer Reihe von Proteinkomplexen und Molekülen, die Elektronen von NADH + H+ und FADH2 durch die Komplexe I–IV der Atmungskette transportieren
  • Protonenpumpe: Während der Elektronentransport stattfindet, pumpen die Proteinkomplexe Protonen (H+) aus der mitochondrialen Matrix in den Intermembranraum
  • Protonengradient: Die Pumpe erzeugt einen elektrochemischen Protonengradienten, da im Intermembranraum mehr Protonen vorhanden sind als in der Matrix
  • ATP-Synthase: Die ATP-Synthase ist ein Enzym, das den Protonengradienten nutzt, um ATP zu synthetisieren. Sie katalysiert die Bildung von ATP aus Adenosindiphosphat (ADP) und anorganischem Phosphat (Pi)
  • Sauerstoff als Elektronenakzeptor: Am Ende der Atmungskette fungiert Sauerstoff (O2) als der finale Elektronenakzeptor, der Elektronen und Protonen aufnimmt und Wasser (H2O) bildet
  • ATP-Ausbeute: Aus einem Glukosemolekül beträgt die ATP-Ausbeute, inklusive der oxidativen Phosphorylierung in der Atmungskette, 32 ATP-Moleküle
  • Effizienz: Die Atmungskette ist hoch effizient in der ATP-Produktion im Vergleich zu anaeroben Stoffwechselwegen. Pro NADH + H+ werden 2,5 ATP geliefert, während FADH2 1,5ATP liefert
  • Verbindung mit anderen Wegen: Die Atmungskette ist eng mit dem Citratzyklus und der Glycolyse verbunden, da diese Stoffwechselwege die Elektronendonor- Moleküle (NADH + H+, FADH2) liefern, die in der Atmungskette Elektronen transportieren
  • Problem:
    • NADH + H+ aus dem Zytosol (Aus der Glycolyse, PDH-Reaktion, Citratzyklus, ß- Oxidation, Oxidative Desaminierung von Glutamat) kann nicht direkt in die mitochondriale Matrix transportiert werden
    • Ursache: Die innere Mitochondrienmembran ist für NADH und H+ undurchlässig
  • Lösung: Elektronen werden über spezielle Shuttle-Systeme transportiert:
    • Malat-Aspartat-Shuttle: vor allem in Herz- und Leberzellen (effizient)
    • Glycerin-3-phosphat-Shuttle: Skelettmuskulatur, Gehirn (schneller, weniger effizient)

Malat-Aspartat-Shuttle:

  • Malatdehydrogenase: Die Malatdehydrogenase im Zytosol oxidiert NADH + H+, indem sie es zur Reduktion von Oxalacetat zu Malat verwendet
  • Malattransport in die Mitochondrien: Malat kann die äußere Mitochondrienmembran durch einen speziellen Transporter passieren und wird im Inneren der Mitochondrien wieder zu Oxalacetat reduziert
  • Oxalacetat-Aspartat-Umwandlung: Im Inneren der Mitochondrien wird Oxalacetat zu Aspartat transaminiert, wodurch α-Ketoglutarat aus Glutamat gebildet wird
  • Aspartat-Transport in den Zytosol: Das neu gebildete Aspartat kann die Mitochondrienmembran verlassen und in das Zytosol gelangen
  • Rückumwandlung zu Oxalacetat: Im Zytosol wird das Aspartat zu Oxalacetat transaminiert, wobei Glutamat aus α-Ketoglutarat entsteht. Dieses Oxalacetat kann dann durch die Malatdehydrogenase zu Malat reduziert werden
Malat-Aspartat-Shuttle

Glycerin-3-phosphat-Shuttle: 

  • Reaktionen:
    1. Übertragung der Elektronen auf Dihydroxyacetonphosphat:
      • Reaktion: Dihydroxyacetonphosphat + NADH + H+ → Glycerin-3-phosphat + NAD+
      • Ort: Zytosol
      • Enzym: Zytosolische Glycerin-3-phosphat-Dehydrogenase
    2. Oxidation von Glycerin-3-phosphat in den Mitochondrien
      • Oxidation an der inneren Mitochondrienmembran:
        • Glycerin-3-phosphat wird wieder zu Dihydroxyacetonphosphat oxidiert
        • Reaktion findet an der membrangebundenen, FAD-abhängigen mitochondrialen Glycerin-3-phosphat-Dehydrogenase statt
      • Elektronen- und Protonenübertragung:
        • Elektronen und Protonen werden auf enzymgebundenes FAD übertragen
        • FAD wird dabei zu FADH2 reduziert
      • Elektronentransfer in die Atmungskette:
        • FADH2 wird wieder zu FAD oxidiert
        • Elektronen werden auf Ubichinon (Coenzym Q) der inneren Mitochondrienmembran übertragen
        • Ubichinol (reduzierte Form von Ubichinon) überträgt die Elektronen an Komplex III der Atmungskette
Glycerin-3-phosphat-Shuttle

Komplexe I-IV der Atmungskette: 

  • Bestandteile:
    • Enzyme mit prosthetischen Gruppen (wie Flavonukleotide und Eisen- Schwefel-Cluster)
    • In der inneren Mitochondrienmembran lokalisiert
  • Funktion:
    • Protonenpumpen: Komplexe I, III und IV pumpen Protonen aus der Matrix in den Intermembranraum und erzeugen so einen elektrochemischen Protonengradienten
  • Cofaktoren:
    • Flavonukleotide (FMN und FAD): Elektronenübertragung
    • Eisen-Schwefel-Cluster:
      • Enthalten Fe- und S-Atome, z. B. 3Fe-4S oder 4Fe-4S
      • Eisen kann zwischen zwei Oxidationsstufen wechseln: Fe2+ ↔ Fe3+
      • Eingebunden über Cysteinreste in Proteine
    • Kupferionen: In Komplex IV relevant
    • Hämgruppen: Elektronentransport in Cytochromen

Überträgermoleküle der Atmungskette:

  • Redoxmoleküle:
    • Frei beweglich in der Mitochondrienmembran
    • Verbinden die Komplexe I-III miteinander, indem sie Elektronen aufnehmen und entlang der Atmungskette transportieren
  • Ubichinon (Coenzym Q):
  • Aufbau:
    • Besteht aus einem Chinon und einer Isoprenseitenkette (lipophiler Schwanz, mobil in der Membran)
    • Strukturelle Ähnlichkeit zu den Vitaminen E und K
    • Elektronentransport:
      • Kann 2 Elektronen und 2 Protonen aufnehmen
      • Zustandswechsel:
        • Ubichinon + 1 Elektron + 1 Proton → Semichinon (radikalische Zwischenverbindung)
        • Semichinon + 1 Elektron + 1 Proton → Ubichinol (reduziertes Coenzym Q = QH2)
    • Funktion:
      • Transportiert 2 Elektronen von Komplex I und II zu Komplex III
  • Cytochrom c:
    • Lage:
      • Membranassoziiert im Intermembranraum, an der Außenseite der inneren Membran
    • Funktion:
      • Transportiert 1 Elektron von Komplex III zu Komplex IV
    • Aufbau:
      • Proteine mit einer Hämgruppe als prosthetische Gruppe
      • Hämgruppe:
        • Porphyrinring (bestehend aus 4 Pyrrolringen) mit einem zentralen Eisenatom
        • Eisen besitzt zwei Oxidationsstufen: Fe2+Fe3+
        • Eignung als Elektronenüberträger
      • Eigenschaften:
        • Kann nur 1 Elektron (keine Protonen) transportieren
        • Einteilung der Cytochrome basierend auf den Absorptionseigenschaften der Hämgruppe in a-, b- oder c-Typ
  • Komplex I: NADH-Ubichinon-Oxidoreduktase
    • Aufbau:
      • Größter Komplex der Atmungskette
      • Cofaktoren: Flavonukleotid (FMN) und 8 Eisen-Schwefel-Cluster
    • Funktion:
      1. Elektronenübertragung von NADH + H+FMN (Reduktion zu FMNH2)
      2. Elektronenweitergabe von FMNH2 Eisen-Schwefel-Cluster
      3. Reduktion von Fe3+ zu Fe2+
      4. Elektronenübertragung von reduziertem Eisen-Schwefel-Cluster → Ubichinon (Reduktion zu Ubichinol)
    • Pumpfunktion:
      • Die freigesetzte Energie wird genutzt, um 4 H+ aus der Matrix in den Intermembranraum zu pumpen
    • Ergebnis: Aufbau eines Protonengradienten
  • Komplex II: Succinat-Ubichinon-Oxidoreduktase
    • Aufbau:
      • Befindet sich auf der Innenseite der inneren Mitochondrienmembran (durchzieht sie nicht)
      • Cofaktoren: FAD, Eisen-Schwefel-Cluster, Häm b
    • Funktion:
      • Elektronenübertragung von Succinat FAD (Reduktion zu FADH2) im Rahmen des Citratzyklus
      • Weiterleitung der Elektronen von FADH2Eisen-Schwefel-Cluster
      • Übertragung der Elektronen von reduziertem Eisen-Schwefel-Cluster → Häm b → Ubichinon (Reduktion zu Ubichinol)
    • Pumpfunktion: Keine
    • Energetische Effizienz: Geringer als bei Komplex I, da nur 1,5 ATP pro FADH2 generiert werden
  • Komplex III: Ubichinon-Cytochrom-c-Oxidoreduktase
    • Aufbau:
      • Besteht aus Cytochrom b, Cytochrom c1 und einem Eisen-Schwefel-Cluster (Rieske-Zentrum)
    • Funktion:
      • Elektronenübertragung:
        • Von Ubichinol (QH2) → Cytochrom b → Cytochrom c1Cytochrom c
        • Übertragung von Elektronen aus Ubichinol in zwei getrennte Wege (Q-Zyklus):
          • Ein Elektron wird auf Cytochrom c übertragen
          • Ein zweites Elektron wird in den Q-Zyklus integriert
    • Protonenpumpenfunktion:
      • 4 H+ werden in den Intermembranraum gepumpt
  • Komplex IV: Cytochrom-c-Oxidase
    • Oxidation von Cytochrom c: Elektronenbeladene Cytochrom-c-Moleküle werden durch den Komplex IV (Cytochrom-c-Oxidase) wieder oxidiert
    • Reduktion von Sauerstoff:
      • 2 Elektronen werden auf 1⁄2 O2 übertragen → Bildung von Wasser (H2O)
      • Stärkster exergoner Vorgang der Atmungskette (Knallgasreaktion)
    • Elektronenübertragung durch Metallzentren:
      • Komplex IV enthält Kupfer- und Hämkomplexe als Elektronenüberträger
    • Protonentransport:
      • Die frei werdende Energie pumpt 4 Protonen in den Intermembranraum → Aufbau des Protonengradienten
    • Bedeutung von Sauerstoff:
      • Unersetzlicher Elektronenakzeptor für den letzten Schritt der Atmungskette
  • Komplex V: ATP-Synthase
    • Aufbau:
      • F0-Einheit: Protonenkanal, eingebettet in die Membran
      • F1-Einheit: Ragt in die Matrix, katalysiert die ATP-Synthese
    • Funktion:
      • Protonenfluss durch die F0-Einheit erzeugt eine Drehbewegung in der F1- Einheit (120° pro Schritt)
      • Diese mechanische Energie wird in chemische Energie für die ATP-Synthese umgewandelt:
        • Bindung von ADP + P (L-Konformation)
        • Synthese von ATP (T-Konformation)
        • Freisetzung von ATP (O-Konformation)
    • Effizienz:
      • Pro 3-4 Protonen wird 1 ATP synthetisiert

Übersicht über die Atmungskette:

Atmungskette
  • Elektronentransportkette von NADH
    • Vereinfachter Ablauf: NADH + H+ → Komplex I → Ubichinol → Komplex III → Cytochrom c → Komplex IV → H2O
    • Anzahl der gepumpten Protonen (H+): 10
      • Komplex I: 4 H+
      • Komplex III: 4 H+
      • Komplex IV: 2 H+
    • H2O-Bildung:
      • 2 H+ werden für die Wasserbildung verbraucht (ursprünglich aus NADH + H+)
      • Diese Protonen werden nicht zur ATP-Synthese mitgezählt
    • ATP-Ausbeute pro NADH:
      • 2,5 ATP (P/O-Quotient = 2,5 ATP pro 1⁄2 O2)
  • Elektronentransportkette von FADH2
    • Vereinfachter Ablauf: FADH2 → Komplex II → Ubichinol → Komplex III → Cytochrom c → Komplex IV → H2O
    • Anzahl der gepumpten Protonen (H+): 6
      • Komplex II: keine Protonenpumpe.
      • Komplex III: 4 H+
      • Komplex IV: 2 H+
    • H2O-Bildung:
      • 2 H+ werden für die Wasserbildung verbraucht (ursprünglich aus FADH2)
      • Auch diese Protonen werden nicht zur ATP-Synthese mitgezählt
    • ATP-Ausbeute pro FADH2:
      • 1,5 ATP (P/O-Quotient = 1,5 ATP pro 1⁄2 O2)
  • Export von ATP
    • Transporter: ATP/ADP-Antiporter (ATP/ADP-Translokator)
    • Funktionsweise:
      • Exportiert ATP (4 negative Ladungen) aus dem Mitochondrium
      • Importiert gleichzeitig ADP (3 negative Ladungen) ins Mitochondrium
      • Netto: 1 negative Ladung wird aus dem Mitochondrium transportiert
    • Antrieb:
      • Das negative Membranpotential über der Mitochondrienmembran treibt den Transport an:
        • Außen: positiv geladen
        • Innen: negativ geladen
      • Ziel: Ladungsausgleich (elektrisches Potential)
  • Aerober Glucoseabbau:
    • Glycolyse: 2 ATP, 5 ATP aus 2 NADH + H+ (bei Malat-Aspartat-Shuttle)
    • Pyruvatoxidation (PDH-Reaktion): 5 ATP aus 2 NADH + H+
    • Citratzyklus: 2 GTP, 15 ATP aus 6 NADH + H+, 3 ATP aus 2 FADH2
  • Gesamtausbeute:
    • 32 ATP (pro Glucosemolekül)
StoffwechselwegATP/GTP-AusbeuteNADH + H+ & FADH2
Glycolyse
  • 2 ATP
  • 2 NADH + H+ = 5 ATP
Oxidative Decarboxylierung von Pyruvat 
  • 2 NADH + H+ = 5 ATP
Citratzyklus
  • 2 GTP
  • 6 NADH + H+ = 15 ATP
  • 2 FADH2 = 3 ATP
Gesamtausbeute
 
  • 4 ATP
  • 28 ATP
  • Hemmung der Atmungskette
    • Hemmung von Komplex I:
      • Substanzen: Amytal (Barbiturat), Rotenon (Insektizid)
    • Hemmung von Komplex III:
      • Substanz: Antimycin A (Antibiotikum)
    • Hemmung von Komplex IV:
      • Substanzen:
        • Blausäure (HCN), Cyanid (CN)
        • Kohlenmonoxid (CO)
        • Schwefelwasserstoff (H2S)
  • Hemmung der ATP-Synthase
    • Oligomycin:
      • Blockiert Protonenfluss durch die F0-Einheit → hemmt ATP-Synthese
    • Atracytlosid:
      • Hemmt den ATP/ADP-Antiporter → ATP wird nicht mehr effizient exportiert
  • Entkopplung der Atmungskette
    • Definition:
      • Zerstörung des Protonengradienten → Elektronentransportkette läuft weiter, aber ATP-Synthese ist blockiert
      • Die Energie aus dem Protonenfluss wird als Wärme freigesetzt
    • Pathologische Entkoppler:
      • DNP (2,4-Dinitrophenol)
      • CCCP (Carbonylcyanid)
    • Physiologische Entkoppler:
      • Thermogenin (UCP-1) in braunem Fettgewebe → zitterfreie Wärmebildung
Zuletzt aktualisiert am 18.09.2025
Citratzyklus
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