
Atropin ist ein Anticholinergikum (Parasympatholytikum) und kompetitiver Antagonist an muskarinischen Acetylcholinrezeptoren. Dadurch wird der parasympathische Einfluss gehemmt und die sympathische Wirkung überwiegt. Am Herzen führt dies zu einer Steigerung der Herzfrequenz (positiv chronotrop) und zu einer Verbesserung der AV-Überleitung (positiv dromotrop). Zusätzlich bewirkt Atropin eine Reduktion von Speichel- und Bronchialsekretion, eine Bronchodilatation sowie eine Mydriasis
Im Rettungsdienst wird Atropin vor allem bei hämodynamisch relevanter Bradykardie sowie als Antidot bei Vergiftungen mit Alkylphosphaten oder Parasympathomimetika eingesetzt. Typische anticholinerge Nebenwirkungen sind Tachykardie, Mundtrockenheit, Harnverhalt, Unruhe und Delir. Bei AV-Block II (Mobitz) und AV-Block III ist die Wirksamkeit häufig eingeschränkt, da die Leitungsstörung unterhalb des AV-Knotens liegt. Bei schweren anticholinergen Intoxikationen mit Atropin kann Physostigmin als Antidot erforderlich sein.
- Fachinformation Atropinsulfat B. Braun 0,5 mg/ml Injektionslösung, Stand: 2015
- Leitlinie: Reanimation 2021 – Leitlinien kompakt. German Resuscitation Council (GRC), überarbeitete Version 2022
- Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
- Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9

