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Atropin

13 Minuten Lesezeit
Atropin Ampulle

Atropin ist ein Anticholinergikum (Parasympatholytikum) und kompetitiver Antagonist an muskarinischen Acetylcholinrezeptoren. Dadurch wird der parasympathische Einfluss gehemmt und die sympathische Wirkung überwiegt. Am Herzen führt dies zu einer Steigerung der Herzfrequenz (positiv chronotrop) und zu einer Verbesserung der AV-Überleitung (positiv dromotrop). Zusätzlich bewirkt Atropin eine Reduktion von Speichel- und Bronchialsekretion, eine Bronchodilatation sowie eine Mydriasis

Im Rettungsdienst wird Atropin vor allem bei hämodynamisch relevanter Bradykardie sowie als Antidot bei Vergiftungen mit Alkylphosphaten oder Parasympathomimetika eingesetzt. Typische anticholinerge Nebenwirkungen sind Tachykardie, Mundtrockenheit, Harnverhalt, Unruhe und Delir. Bei AV-Block II (Mobitz) und AV-Block III ist die Wirksamkeit häufig eingeschränkt, da die Leitungsstörung unterhalb des AV-Knotens liegt. Bei schweren anticholinergen Intoxikationen mit Atropin kann Physostigmin als Antidot erforderlich sein.

Lernkarte Atropin
  • Wirkstoffklasse: Anticholinergika, Parasympatholytika
  • Handelnamen: z.B. Atropinsulfat B. Braun® , Atropin Accord® 

 

Atropin
Etikett: Atropin
  • Hämodynamisch relevante Bradykardie
  • Vergiftung mit Alkylphosphaten 
  • Überdosierung von Parasympathomimetika (Bsp.: Physostigmin)
  • Im Notfall bestehen keine Kontraindikationen!
  • Engwinkelglaukom
  • Tachykardie
  • Myasthenia gravis
  • Paralytischer Ileus
  • Hämodynamisch relevante Bradykardie (Erwachsene)
    • Initial: 0,5 mg i.v. (maximal 3 mg)
  • Antidot bei Vergiftung mit Alkylphosphaten
    • Initiale Testdosis: 
      • Erwachsene: 1 mg i.v.
      • Kinder: 0,01 mg/kgKG i.v.
  • Wenn nach Testdosis keine Tachykardie, Mundtrockenheit oder Mydriasis
     auftritt, erneute Atropingabe
    • Erwachsene: 5 mg i.v.
    • Kinder: 0,1 mg/kgKG i.v.
  • Bei starken Intoxikationen kann eine Dosis von über 100 mg notwendig sein
  • Kontinuierliche EKG-Überwachung: eingeschränkte Wirksamkeit bei AV-Block II (Mobitz) und AV Block III, da Störung unterhalb des His-Bündels
  • Wirkverstärkung bei Kombination mit anticholinergen wirkenden Medikamenten (z.B. trizyklische Antidepressiva, H1-Antihistaminika wie Clemastin, Antipsychotika)
  • Antidot: Physostigmin
  • Wirkeintritt: 1–2 min 
  • Wirkdauer: 1–2 Std
  • Metabolisierung: Teilweise hepatische Metabolisierung zu inaktiven Metaboliten
  • Ausscheidung: Überwiegend renal, etwa 30–60 % unverändert im Urin, Rest als Metaboliten
  • Atropin ist ein kompetitiver Antagonist an den muskarinergen Acetylcholinrezeptoren (Anticholinergikum/Parasympatholytikum)
    Der Parasympathikus wird gehemmt und die Wirkung des Sympathikus überwiegt 
  • Anticholinerge Effekte:
    • Steigerung der Herzfrequenz (positiv chronotrop) durch Hemmung des vagalen Einflusses am Sinusknoten
    • Verbesserung der AV-Überleitung (positiv dromotrop)
    • Reduktion von Speichel- und Bronchialsekretion
    • Bronchodilatation durch Hemmung muskarinischer Rezeptoren in der Bronchialmuskulatur
    • Mydriasis und Akkommodationshemmung
    • Zentrale anticholinerge Effekte bei höheren Dosen (Unruhe, Delir)
Parasympatholytika und Parasympathomimetika
  • Wirkung verstärkt bei gleichzeitiger Gabe von:
    • Weitere anticholinerg wirkende Substanzen (z. B. trizyklische Antidepressiva, H1-Antihistaminika wie Clemastin, Antipsychotika) → additive anticholinerge Effekte (Tachykardie, Delir, Harnverhalt, Ileus)
    • Sympathomimetika (z. B. Adrenalin, Dobutamin) → Additive chronotrope Wirkung → Ausgeprägte Tachykardie
  • Wirkung abgeschwächt bei gleichzeitiger Gabe von:
    • Parasympathomimetika (z. B. Neostigmin, Physostigmin, Pilocarpin) → Funktioneller Antagonismus
 Tipp
Praxisrelevant im Rettungsdienst:

Am wichtigsten ist die Kombination mit anderen anticholinergen Substanzen, da hier rasch ein anticholinerges Syndrom auftreten kann.

  • Mydriasis
  • Tachykardie
  • Verwirrtheit
  • Mundtrockenheit
  • Flush
  • Blasenentleerungsstörung
  • Reduzierte Schweißbildung (trockene Haut)
  • Temperatur: Nicht über 25 °C lagern
  • Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
  • Bedrohliche Bradykardie (RD)
  • Pharmakologie des Herz-Kreislauf-Systems (RD)
  • Parasympathikus
  • Fachinformation Atropinsulfat B. Braun 0,5 mg/ml Injektionslösung, Stand: 2015
  • Leitlinie: Reanimation 2021 – Leitlinien kompakt. German Resuscitation Council (GRC), überarbeitete Version 2022
  • Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
  • Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9
Zuletzt aktualisiert am 05.03.2026
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