Die PQ-Strecke stellt die Zeit der Überleitung der Erregung von den Vorhöfen auf die Kammern über den AV-Knoten dar. Die PQ-Strecke ist physiologisch unter 100 ms lang. Das PQ-Intervall umfasst die PQ-Strecke und die P-Welle und sollte maximal 200 ms lang sein.
Bei pathologischen Veränderungen des AV-Knotens kann es zu einer Verzögerung oder zu einer gänzlichen Unterbrechung der atrioventrikulären Erregungsüberleitung kommen. Dies wird als AV-Block bezeichnet.

Beim AV-Block Grad I ist das PQ-Intervall auf über 200 ms verlängert. Jede Vorhoferregung wird in gleichem Abstand auf die Kammern übergeleitet. Es liegt somit weiterhin ein regelmäßiger Sinusrhythmus vor.


Beim AV-Block Grad II kommt es zu einer partiellen Blockierung der AV-Überleitung. Es folgt nicht mehr auf jede P-Welle ein QRS-Komplex.
Die AV-Blöcke ähneln in ihrer Systematik sehr den SA-Blöcken. So kann der AV-Block II. Grades ebenfalls in den Typ Wenckebach und den Typ Mobitz unterteilt werden.
Beim Typ Wenckebach kommt es zu einer zunehmend länger werdenden Überleitungszeit, bis die AV-Überleitung komplett blockiert ist. Dies erkennt man im EKG an zunehmenden PQ-Zeiten und intermittierenden P-Wellen ohne zugehörigen QRS-Komplex.
Beim Typ Mobitz bleibt das PQ-Intervall konstant. Jedoch kommt es auch hier zu einer intermittierenden kompletten Blockierung der AV-Überleitung.

Beim AV-Block Grad II Typ Wenckebach liegt die Störung meist im AV-Knoten.
Beim AV-Block Grad II Typ Mobitz liegt die Störung typischerweise infranodal und meistens weiter distal im His-Bündel.
Der Typ Mobitz hat eine größere Gefahr, in einen kompletten AV-Block überzugehen und weist daher eine schlechtere Prognose auf. Kommt es zu einem Ausfall der Überleitung, muss ein untergeordnetes Schrittmacherzentrum AV-Knoten-nah oder in der Kammer die Erregungsbildung übernehmen. Liegt das Schrittmacherzentrum nah am Sinusknoten, so ähnelt der QRS-Komplex sehr der physiologischen Form. Wenn das Schrittmacherzentrum jedoch distal liegt, muss die Erregung einen Umweg nehmen und der QRS-Komplex stellt sich verbreitert und abnorm konfiguriert dar. Je distaler das Schrittmacherzentrum gelegen ist, desto niedriger ist in der Regel die Ersatzherzfrequenz.
AV-Block Grad II - Überleitung
Ähnlich zum Vorhofflattern kann man auch beim AV-Block II. Grades die Überleitungsfrequenz angeben. Wird jede Vorhofaktion auf die Kammern übergeleitet, spricht man von einer 1:1 Überleitung. Wenn nur jede zweite Aktion übergeleitet wird, liegt eine 2:1 Überleitung vor. Wenn lediglich auf alle drei P-Wellen ein QRS-Komplex folgt, liegt eine 3:1 Überleitung vor.

Beim AV-Block Grad III besteht eine komplette Unterbrechung der Überleitung. Im EKG zeigt sich dies in einer Dissoziation der P-Wellen von den QRS-Komplexen. Die P-Wellen und die QRS-Komplexe erscheinen regelmäßig in ihrer eigenen Rhythmik. Es liegt jedoch kein Bezug zueinander vor.


Ist der AV-Knoten komplett blockiert, muss sich ein neues Schrittmacherzentrum distal der Blockierung bilden. Das Ersatzzentrum hat eine geringere Frequenz als der Sinusknoten. Daher sind die Kriterien für einen AV-Block III. Grades eine komplette Dissoziation der P-Wellen von den QRS-Komplexen bei einem regelmäßigen Rhythmus und eine Kammerfrequenz, die niedriger ist als die Vorhoffrequenz. Wenn sich einzelne P-Wellen im QRS-Komplex verstecken und man sich nicht sicher ist, ob die P-P-Intervalle rhythmisch sind, eignet sich mal der Kardiologen-Trick. Mit diesem kann man separat die QRS-Komplexe und die P-Wellen durchzirkeln.
Ähnlich zum AV-Block Typ II, ist beim Block Typ III die Unterscheidung zwischen proximaler und distaler Blockierung von prognostischer Bedeutung. Je distaler das Ersatzzentrum liegt, desto geringer die Herzfrequenz und desto unförmiger der QRS-Komplex.
Plötzlicher AV-Block / Übergang in einen AV-Block III° – Präautomatische Pause
Wenn es zu einem plötzlichen AV-Block kommt, dauert es etwas, bis das untergeordnete Ersatzzentrum den Rhythmus übernimmt. Diese Zeit nennt man präautomatische Pause. In dieser Zeit liegt eine Asystolie vor. Je distaler das Ersatzzentrum liegt, desto länger dauert die Pause.

Für praktische EKG-Fallbeispiele zum Thema zum Üben der EKG-Auswertung siehe:
Für viele weitere praktische EKG-Fallbeispiele zum Üben siehe Ordner EKG-Fallbeispiele oder EKG-Fallbeispiele-Kurs.
- Leitlinie: Schrittmacher- und kardiale Resynchronisationstherapie, European Society of Cardiology (ESC) Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)


