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Bakterien mit atypischem Gram-Verhalten

18 Minuten Lesezeit

Allgemeine Information

Nicht alle Bakteriengattungen lassen sich einer Gram-Gruppe zuordnen. Aufgrund struktureller oder morphologischer Besonderheiten reagieren sie in der Gram-Färbung nicht klassisch positiv oder negativ, oder aber lassen sich unter dem Lichtmikroskop nur unzureichend darstellen. Sie werden als “gram-variabel”, bzw. “gram-labil” klassifiziert. Im folgenden Artikel werden sie als Bakterien mit atypischem Gramverhalten” zusammengefasst.

Strukturelle Übersicht zu den Bakterien mit atypischem Gramverhalten
Strukturelle Übersicht zu den Bakterien mit atypischem Gramverhalten

Zu Bakterien mit atypischem Gramverhalten gehören die folgenden Gattungen:

  • Spirochäten
    • Borrelia
    • Leptospira
    • Treponema
  • Rickettsien
  • Chlamydien
  • Mycobakterien
  • Mycoplasmen

Im folgenden Artikel werden alle der oben genannten Erreger einmal mit ihren wichtigsten Eigenschaften beschrieben. Genauere Informationen zu den einzelnen Erregern finden sich in den jeweils dazugehörigen Artikeln (im Ordner: Erreger mit atypischem Gramverhalten).

Merkspruch zu Bakterien mit atypischem Gramverhalten

 Merke
Merkspruch

Mit dem folgenden Merkspruch kann das Erinnern der Erregergattungen leichter fallen:

„Borris schlürft leidenschaftlich Tee, Rick und Claus (mögen) Münzen aus Blei und Plastik.“ 

Die Merkhilfe kann thematisch in zwei Teile gegliedert werden. Der erste Teil bezieht sich auf die Spirochäten, als Untergruppe der Erreger mit atypischem Gramverhalten, und der zweite Teil umfasst die weiteren Erreger mit atypischem Gramverhalten.

Merkhilfe zu den Spirochäten
Merkhilfe zu Spirochäten

„Borris schlürft leidenschaftlich Tee…" repräsentiert die Klasse der Spirochäten und kann mit folgenden Erregern assoziiert werden:

  • Borris: repräsentiert die Gattung der Borrelia
  • Schlürft: repräsentiert die Familie der Spirochäten
  • Leidenschaftlich: repräsentiert die Gattung der Leptospira
  • Tee: repräsentiert die Gattung der Treponema

 

Merkhilfe zu den atypischen Gramerregern
Merkhilfe zu den atypischen Gramerregern

“…Rick und Claus (mögen) Münzen aus Blei und Plastik.” repräsentiert die weiteren Erreger:

  • Rick: repräsentiert die Gattung der Rickettsia
  • Claus: repräsentiert die Gattung der Chlamydia
  • nzen: repräsentiert die Vorsilbe “Myco-”
  • Blei: repräsentiert die Gattung der Mycobakterien
  • Plastik: repräsentiert die Gattung der Mycoplasmen

Zusammenfassung

Spirochäten (Spirochaetales) bilden eine Gruppe gramnegativer Bakterien, die sich durch ihre einzigartige Morphologie und Motilität auszeichnen.

Ihre charakteristischen Merkmale sind die schrauben- bzw. korkenzieherartig gewundene Form, sowie die ungewöhnliche Länge von 5-250 µm bei einem schmalen Durchmesser von 0,1-0,6 µm, welcher sie unter dem Standard Lichtmikroskop oft schwer darstellbar macht.

Zu den relevantesten humanpathogenen Spezies gehören die Gattungen Borrelia spp.”, Leptospira spp.” und "Treponema spp.". Ihre jeweils häufigsten Krankheitsbilder sind die Lyme-Borreliose, die Leptospirose, sowie Syphilis.

Taxonomie und Klassifikation

Übersicht der Erregereinordnung Spirochäten
Strukturelle Übersicht der Spirochäten

Die Spirochäten umfassen mehrere Gattungen, wovon drei für den Menschen pathologisch sind:

  • Borrelia
  • Leptospira
  • Treponema
 Merke
Merkhilfe zu den Spirochäten
Merkhilfe zu den Spirochäten

“Borris sammelt leidenschaftlich Teebeutel.”

  • Borris mit Bart: Borrelien
  • Sammelt: Spirochäten
  • Leidenschaftlich: Leptospira
  • Teebeutel: Treponema

Eigenschaften

Morphoplogie

  • Form: schraubförmig, spiralig
  • Zellwand: dünne Peptidoglykanschicht
  • Außerhalb der Zellwand entspringen Endoflagellen von beiden Zellpolen in Richtung der Zellmitte, werden von äußerer Hüllmembran umgeben
  • Keine Kapsel, keine Sporenbildung

Charakteristik

  • Beweglichkeit: alle Spirochäten zeichnen sich durch ihre korkenzieherartig-roatatorische Bewegung aus
  • Zellinvasion: alle Spirochäten leben extrazellulär
  • Gramfärbung: alle Spirochäten sind gramnegativ, jedoch wegen ihres geringen Durchmessers unter dem Lichtmikroskop schwer darstellbar → alternative Färbemethoden zur Diagnostik
  • Sauerstoffbedarf: Erregerabhängig

Pathogenität und klinische Relevanz

Siehe Erregerabschnitte

 Info
Weitere Informationen zu der Klasse “Spirochaetales”

Aufgrund des großen Umfangs wurde die Klasse der Spirochäten in einen eigenen Artikel ausgelagert. In den folgenden Artikeln werden die dazugehörigen Gattungen kurz und zusammengefasst beschrieben.

Zusammenfassung

Merkhilfe Borrelia spp.
Merkhilfe Borrelia spp.

Borrelia spp. sind gramnegative, spiral-/schraubenförmige Bakterien und gehören zur Klasse der Spirochäten.

Sie leben obligat mikroaerophil und werden primär durch Vektoren wie Zecken oder Läuse auf den Mensch übertragen.

Zu den medizinisch wichtigsten Arten gehören Borrelia burgdorferi, der Erreger der Lyme Borreliose, Borrelia duttoni und Borrelia hermsii als Erreger des Zeckenrückfallfiebers, sowie Borrelia recurrentis, als Auslöser des Läuserückfallfiebers. Charakteristisch für Borrelia spp. ist ihre Fähigkeit, im menschlichen Körper zu persistieren und das Immunsystem zu umgehen, was zu chronischen Infektionen führen kann.

Die Diagnose erfolgt durch Klinik, Serologie und PCR.

 Info
Abkürzung B.

Der Begriff “Borrelia” wird im weiteren Verlauf mit “B.” abgekürzt.

 Info
Weitere Erklärungen

Genauere Informationen zum Erreger, sowie eine ausführlichere Erklärung der Merkhilfe finden sich im Artikel “Spirochäten”.

Steckbrief

Borrelia spp.
Borrelia spp.

Spezies

Wichtige humanpathogene Vertreter:

  • B. burgdorferi spp.
  • B. duttoni
  • B. hermsii
  • B. recurrentis
  • B. afzelii
  • B. garinii

Weitere Charakterstika

  • Sauerstoffbedarf: mikroaerophil
  • Pathogenität:
    • Endoflagellen und rotationsartige Fortbewegung: ermöglichen Eindringen in intaktes Gewebe, sowie in schwer erreichbare Nischen
    • Antigenvariation: erschwert dem Immunsystem die Detektion und Eliminerung der Erreger

Klinische Relevanz

ErregerKrankheitsbildInfektionswegTherapie
B. hermsiiZeckenrückfallfieber
  • Übertragung durch Lederzecken
  • Tetracyclin
  • Doxycyclin
  • Erythromycin
B. burgdorferiLyme Borreliose
  • Übertragung durch Schildzecken
  • Meist nach 24-48 h Kontakt

Im frühen Stadium:

  • Doxycyclin
  • Amoxicillin

Im disseminierten Stadium:

  • Doxycyclin in höherer Dosis
  • Ceftriaxon

B. recurrentis

B. duttoni

Läuserückfallfieber
  • Übertragung durch Kopf- und Kleiderläuse
  • Standard: Doxycyclin
  • Ggf. Erythromycin

Zusammenfassung

Merkhilfe Leptospira spp.
Merkhilfe Leptospira spp.

Leptospira spp. sind dünne, gramnegative Bakterien, die zur Klasse der Spirochäten gehören. Sie leben obligat aerob und finden sich in aquatischen Umgebungen sowie im Urin infizierter Tiere.

Die Übertragung auf den Mensch erfolgt häufig durch Kontakt mit kontaminiertem Wasser oder infizierten Tieren.

Zu den medizinischen relevanten Spezies zählt Leptospira interrogans, Erreger der Leptospirose, einr potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung, die von grippeähnlichen Symptomen bis hin zu schwerem Organversagen reichen kann (Weil-Syndrom).

 Info
Abkürzung “L.”

Leptospira” wird im weiteren mit “L.” abgekürzt.

 Info
Weitere Erklärungen

Genauere Informationen zum Erreger, sowie eine ausführlichere Erklärung der Merkhilfe finden sich im Artikel “Spirochäten”.

Steckbrief

Leptospira interrogans
Leptospira spp.

Spezies

  • Humanpathogene Spezies: Leptospira interrogans
  • Saprophytische Spezies: Leptospira biflexa (leben frei in der Umwelt, nicht pathogen)

Weitere Charakteristika

  • Sauerstoffbedarf: aerob
  • Pathogenität:
    • Endoflagellen und rotationsartige Fortbewegung: ermöglich das Eindringen in intaktes Gewebe, sowie in schwer erreichbare Nischen
    • Gewebeinvasion: durch enzymatischen Abbau der extrazellulären Matrix
    • Antigenvariation: erschwert dem Immunsystem die Detektion und Eliminierung der Erreger

Klinische Relevanz

ErregerKrankheitsbildReservoirInfektionswegTherapie
L. interrogansLeptospirose
  • Nagetiere
  • Wild-, Nutztiere
  • Teilsweise Haustiere, v.a. Hunde
  • Über mit Tierurin kontaminiertes Material, V.a. Wasser, Schlamm
  • Selten Mensch-zu Mensch (über Flüssigkeiten)

Frühphase, leichte Krankheitsverläufe:

  • Doxycyclin 

Schwere Leptospirose:

  • Ceftriaxon
  • Penicillin G

Zusammenfassung

Merkhilfe Treponema spp.
Merkhilfe Treponema spp.

Die Gattung Treponema spp.” umfasst dünne, spiralig geformte Bakterien, die der Ordnung der Spirochäten zugehören.

Sie sind gramnegativ und wachsen in mikroaerophilen oder anaeroben Umgebungen. Weiterhin kennezeichnend sind ihre langsame Teilungsrate, sowie ihre Fähigkeit zur Persistenz im Wirt.

Zu den klinisch wichtigsten Vertretern zählt Treponema pallidum, der Erreger der Syphilis, sowie weitere Arten, die für nicht-venerische Teponematosen (z.B. Pinta) verantwortlich sind.

Die Übertragung erfolgt überwiegend durch direkten Kontakt, meist sexuell oder durch Hautkontakt.

 Info
Abkürzung “T.”

Treponema” wird im weiteren mit “T.” abgekürzt.

 Info
Weitere Erklärungen

Genauere Informationen zum Erreger, sowie eine ausführlichere Erklärung der Merkhilfe finden sich im Artikel “Spirochäten”.

Steckbrief

Treponema pallidum
Treponema spp.

Spezies

Wichtige humanpathogene Vertreter:

  • T. pallidum subsp. pallidum
  • T. pallidum subsp. endemicum

Weitere Charakteristika

  • Sauerstoffbedarf: anaerob
  • Pathogenität:
    • Endoflagellen und rotationsartige Fortbewegung: ermöglich das Eindringen in intaktes Gewebe, sowie in schwer erreichbare Nischen
    • Gewebeinvasion: durch enzymatischen Abbau der extrazellulären Matrix
    • Immunevasion: durch fehlendes LPS auf der Zelloberfläche, sowie wenig Oberflächenantigene
      →Immunsystem kann Erreger nicht gut identifzieren, Reaktion und Eliminierung daher langsam 

Klinische Relevanz

ErregerKrankheitsbildInfektionswegTherapie
T. pallidum subsp. pallidumSyphilis
  • Sexuell
  • Kongenital, transplazentar
  • Selten durch Blut / kotaminierte Gegenstände

Erste Wahl:

  • Benzathinpenicillin G

Bei Penicillin-Allergie:

  • Doxycyclin
  • Erythromycin
T. pallidum subsp. endemicumEndemische Syphilis / Bejel
  • Enger Kontakt innerhalb Gemeinschaften
  • Über infizierte Gegenstände
  • 1mal-Gabe von Azithromycin
  • Alternativ: Penicillin, Doxycyclin
 Info
Differentialnamen Syphilis

Syphilis wird auch bezeichnet als:

  • Lues (venerea)
  • Harter Schanker
  • Morbus Schaudinn
  • Schaudinn-Krankheit

Zusammenfassung

Merkhilfe Rickettsia spp.
Merkhilfe zu “Rickettsia spp.”

Rickettsia spp. sind weltweit verbreitete, pleomorphe, gramnegative Bakterien, mit obligat intrazellulärem Lebensstil. Da sie wichtige Stoffwechselwege verloren haben, sind sie auf die Versorgung durch die Wirtszelle angewiesen. Diese Eigenschaft macht ihre Kultivierung im Labor schwierig.

Sie sind vor allem als Erreger von Zoonosen bekannt und werden durch Arthropoden (z. B. Zecken, Läuse, Milben, Flöhe) auf den Menschen übertragen. Durch sie ausgelöste Infektionen (Rickettsiosen) reichen von milden fieberhaften Erkrankungen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen. Typische Krankheitsbilder umfassen das Rocky-Mountain-Fleckfieber, den epidemischen und murinen Typhus sowie das Tsutsugamushi-Fieber.

Rickettsien infizieren hauptsächlich Endothelzellen und verursachen vaskuläre Entzündungen, welche für viele der klinischen Symptome, wie Fieber, Hautausschläge und in schweren Fällen Multiorganversagen, verantwortlich sind.

  •  Info
    Abkürzung “R.”

    Rickettsia” wird im weiteren mit “R.” abgekürzt.

Steckbrief

Rickettsia spp.
Rickettsia spp.

Spezies

Wichtige humanpathogene Vertreter:

  • Fleckfieber-Gruppe (Typhus-Gruppe, TG):
    • R. prowazekii
    • R. typhi
  • Zeckenbissfieber-Gruppe (Spotted Fever Group, SFG): zahlreiche Spezies, darunter:
    • R. rickettsii

Morphologie

  • Form: kokkoid oder kurz-stäbchenförmig
  • Zellwand: sehr dünne Peptidoglykanschicht, äußere Membran mit wenig Lipopolysaccharid
  • Keine Kapsel, keine Sporen
Zellwandaufbau Vergleich: gramnegative Erreger vs. Rickettsien
Zellwandaufbau Vergleich: gramnegative Erreger vs. Rickettsien

Eigenschaften

  • Beweglichkeit: keine aktive Beweglichkeit wegen fehlender Geiseln; intrazelluläre Bewegung entlang Zytoskelett der Wirtszelle
  • Zellinvasion: obligat intrazellulär
  • Gramfärbung: gramnegativ, aber schwaches Gramverhalten wegen dünner Peptidoglykanschicht
  • Sauerstoffbedarf: obligat aerob

Pathogenität

Die Pathogenität der Rickettsien ergibt sich aus einer Kombination der folgenden Eigenschaften:

Blutgefäß, Endothel
  • Fähigkeit zur Zellinvasion und intrazelluläre Vermehrung
  • Schädigung des Wirtsgewebes

→ Im Mittelpunkt: enge Interaktion mit Endothelzellen, führt zu Vaskulitis und daraus resultierenden systemischen Auswirkungen

Klinische Relevanz

ErregerKrankheitsbildInfektionswegTherapie
R. prowazekii (TG)Epidemisches Fleckfieber
  • Vektor: Kleiderlaus
  • Übertragung durch Kot infizierter Kleiderläuse
  • Doxycyclin
R. typhii (TG)Endemisches (murines) Fleckfieber
  • Vektor: Flöhe
  • Übertragung durch Biss/Kot
R. rickettsiiRocky-Mountain-Fleckfieber
  • Vektor: Zecke
  • Übertragung durch Biss/Kot

Zusammenfassung

Merkhilfe Chlamydia spp.
Merkhilfe Chlamydia spp.

Die Gattung Chlamydia spp. umfasst gramnegative, obligat intrazellulär lebende Bakterien, die aufgrund ihres kleinen Genoms und ihres speziellen Lebenszyklus auf die Wirtszelle angewiesen sind.

Sie durchlaufen zwei Entwicklungsstadien: das infektiöse Elementarkörperchen (EK) und das metabolisch aktive Retikularkörperchen (RK).

Chlamydia spp. ist verantwortlich für eine Vielzahl von Infektionen beim Menschen, darunter sexuell übertragbare Krankheiten (C. trachomatis), respiratorische Infektionen (C. pneumoniae) und zoonotische Infektionen (C. psittaci). Diese Erreger können akute und chronische Krankheitsbilder verursachen, oft mit einer asymptomatischen Verlaufsform.

 Info
Abkürzung “C.”

Chlamydia” wird im weiteren mit “C.” abgekürzt.

Steckbrief

Chlamydia trachomatis Retikularkörperchen
Chlamydia spp. unter dem Lichtmikroskop

Spezies

Wichtige humanpathogene Vertreter:

  • Chlamydia trachomatis
  • Chlamydia pneumoniae
  • Chlamydia psittaci

Morphologie

  • Form: Kokkoid
  • Zellwand: enthält kein Peptidoglykan

Eigenschaften

  • Genom: kompakt, zirkulär, zusätzlich häufig Plasmid
  • Beweglichkeit: Unbeweglich aufgrund fehlender Geiseln
  • Zellinvasion: obligat intrazellulär
  • Gramfärbung: gramnegativ, Gramfärbung für diagnostische Zwecke wenig relevant
  • Sauerstoffbedarf: obligat aerob

Pathogenität

  • Lipopolysaccharide (LPS) auf äußerer Membran: wirken als Endotoxine proinflamatorisch
  • Elementarkörperchen und intrazelluläre Ansiedelung: führt zu Umgehung der Immunantwort
  •  Info

    Besonderheiten: Entwicklungszyklus

    Chlamydia-Spezies durchlaufen einen komplexen Lebenszyklus mit zwei unterschiedlichen Entwicklungsstadien:

    • Elementarkörperchen (EB):
      • Infektiöse Form
      • Metabolisch inaktiv (können sich nicht teilen) → EBs werden in die Wirtszelle aufgenommen und beginnen dort ihre Vermehrung
    • Retikularkörperchen (RB):
      • Nicht-infektiöse Form
      • Metabolisch aktiv: Verantwortlich für die Vermehrung innerhalb der Wirtszelle

Klinische Relevanz

ErregerKrankheitsbildReservoirInfektionswegTherapie
C. trachomatis
→Serotypen A, B, Ba, C
  • Trachom (chronische Konjunktivits)
  • Mensch
  • Schmierinfektion
  • 1mal-Gabe von Azithromycin
  • Alternativ: Doxycyclin
C. trachomatis
→Serotypen D-K
  • Urogenitale Infektionen
  • Neugeborenen Konjunktivitis
  • Atypische Pneumonie bei Neugeborenen
  • Sexuell
  • Perinatal
C. trachomatis
→Serotypen L1, L2, L3
  • Lymphogranuloma venerum
C. pneumoniae
  • Atypische Pneumonie
  • Pharyngitis
  • Bronchitis
  • Tröpfcheninfektion
  • Doxycyclin
C. psittaci
  • Psittakose / Ornithose
    →Atpyische Pneumonie
  • Vogel
  • Inhalation von Aerosolen aus infiziertem Material
 Info
Chlamydia als STD (Sexually transmitted disease)

Chlaymdia trachomatis, Serotyp D-K, ist die häufigste sexuell übertragene Infektion weltweit.

Zusammenfassung

Merkhilfe Mycobakterien
Merkhilfe zu “Mycobakteria spp.”

Mykobakterien sind grampositive, säurefeste Bakterien, die aufgrund ihrer komplexen Zellwand, die reich an Mykolsäuren ist, besondere Resistenz gegen chemische und physikalische Einflüsse aufweisen.

Sie umfassen über 150 bekannte Arten, darunter bedeutende pathogene Vertreter wie Mycobacterium tuberculosis (Erreger der Tuberkulose) und Mycobacterium leprae (Erreger der Lepra).

Einige fakultativ pathogene Mykobakterien werden unter NTM (=nichttuberkulöse Mykobakterien), beziehungsweise MOTT (Mycobacteria other than tuberculosis) zusammengefasst und sind häufig ubiquitäre Umweltkeime, die opportunistische Infektionen bei immunsupprimierten Personen verursachen können. Sie erzeugen keine Tuberkulose und kein Lepra.

Mykobakterien zeichnen sich durch ihre Fähigkeit aus, innerhalb von Makrophagen zu überleben und sich zu vermehren, was eine effektive Immunabwehr behindert. Des Weiteren leben sie obligat aerob und wachsen langsam, was Diagnostik und Therapie erschwert. 

Die Therapie mykobakterieller Infektionen ist aufgrund ihrer internen Resistenzmechanismen oft langwierig und erfordert spezifische Antibiotikakombinationen.

  •  Info
    Abkürzung “Mb.”

    Mycobacterium wird im weiteren mit “Mb.” abgekürzt. Dies dient der Unterscheidung von “Mp.” für Mycoplasma”, da es einige namensgleiche Erreger, z.B. Mycoplasma bovis und Mycobacterium bovis, in beiden Gattungen gibt (siehe nachfolgender Abschnitt).

Steckbrief

Mycobacterium tuberculosis
Mycobacterium tuberculosis in einer Ziehl-Neelsen Färbung

Spezies

Wichtige humanpathogene Vertreter:

  • Mycobaterium-tuberculosis-Komplex
    • Mb. tuberculosis
    • Mb. africanuum
    • Mb. bovis
  • Mycobacterium leprae
  • Atypische Mykobakterien
    (auch: Non-Tuberculosis Mycobacterium complex (NTM) / Mycobacteria other than tuberculosis (MOTT))
    • Mycobacterium-avium-Komplex
      • Mb. avium
      • Mb. intracellulare
    • Mb. marinum

Morphologie

  • Form: Unbewegliche Stäbchen, Länge 2–10 µm
  • Zellwand: Dick, reich an Lipiden (Mykolsäuren), säurefest
    → Macht Bakterien sehr resistent gegenüber Unwelteinflüssen
  • Keine Sporenbildung oder Kapsel

Eigenschaften

  • Beweglichkeit: unbeweglich aufgrund fehlender Geiseln
  • Zellinvasion: je nach Spezies
    • Pathogene Mykobakterien: intrazellulär, bevorzugt Makrophagen
    • Nicht-tuberkulöse Mykobakterien (NTM): sowohl intra- als auch extrazellulär
  • Gramfärbung: schwach positiv bis gramneutral, daher Nachweis mittels Ziehl-Neelsen-Färbung (säurefest)
  • Sauerstoffbedarf: Obligat aerob

Pathogenität

  • Überleben in Makrophagen: Hemmung der Phagosomen-Lysosomen-Fusion
  • Langsames Wachstum: Erschwert Immunabwehr und Therapie
  • Zellwand-Komponenten (z. B. Cord-Faktor, Lipoarabinomannan): Schutz vor Immunantwort

Klinische Relevanz

Erreger(gruppe)KrankheitsbildReservoirInfektionswegTherapie

M. tuberculosis-Komplex

  • Mb. tuberculosis
  • Mb. africanum
  • Mb. bovis
  • Tuberkulose
  • Mensch
  • Rind
  • Tröpfcheninfektion
  • Mb. bovis: fäkooral über Lebensmittelkontamination

Standard-Therapie:

  • Pyrazinamid
  • Rifampicin
  • Ethambutol
  • Isoniazid
  • Alternativ zu Ethambutol: Streptomycin

Merkspruch: PREIS

Mb. leprae
  • Lepra
  • Mensch
  • Gürteltier
  • Tröpfcheninfektion
  • Direkter Hautkontakt
  • Zoonotisch über Blut

Komplexes Therapieschema, Kombitherapie folgender Antibiotika für 6-12 Monate:

  • Dapson
  • Clofazimin
  • Rifampicin

NTM/MOTT-Komplex

  • Mb. avium
  • Mb. intracellulare
  • Mb. marinum
  • Atypische Tuberkulose, chron. Entzündungen
    V.a. Lunge, Darm, Niere
  • Haut- und Weichteilinfektionen
  • Mensch
  • Geflügel
  • Fisch
  • Tröpfcheninfektion
  • Kutan
  • Fäkooral

Kombi-Therapie:

  • Azithromycin
  • Ethambutol
  • Rifampicin

Zusammenfassung

Merkhilfe zu Mycoplasma spp.
Merkhilfe zu Mycoplasma spp.

Mycoplasma spp. ist eine Gruppe minimalistisch ausgestatteter, zellwandloser Bakterien der Klasse Mollicutes. Sie gehören zu den kleinsten selbstreplizierenden Organismen.

Mykoplasmen sind fakultativ oder strikt parasitär und leben extrazellulär, interagieren jedoch durch Toxinfreisetzung stark mit den umliegenden Wirtszellen. Sie besiedeln eine Vielzahl von Wirten, einschließlich Menschen, Tiere und Pflanzen. Zu den typischen, durch sie verursachten Erkrankungen, gehören die atypische Pneumonien (Mp. pneumoniae), urogenitale Infektionen (Mp. genitalium, Mp. hominis) und chronische Entzündungen. Pathogenitätsfaktoren umfassen Adhäsine, Toxine wie das CARDS-Toxin, sowie die Produktion reaktiver Sauerstoffspezies.

Als zelluläre Besonderheiten weisen sie ein kleines Genom auf und sind dadurch von großem Interesse für die synthetische Biologie. Das Fehlen einer Zellwand macht sie resistent gegenüber Antibiotika der Beta-Lactam-Klasse. Die anitbiotische Behandlung erfolgt mit Makrolid-Antibiotika, Tetracyclinen oder Fluorchinolonen.

  •  Info
    Abkürzung “Mp.”

    Mycoplasma wird im weiteren mit “Mp.” abgekürzt. Dies dient der Unterscheidung von “Mb.” für “Mycobaterium”, da es einige namensgleiche Erreger, z.B. Mycoplasma bovis und Mycobacterium bovis, in beiden Gattungen gibt (siehe vorheriger Abschnitt).

Steckbrief

Mycoplasma gallisepticum
Mycoplasma gallisepticum

Spezies

Wichtige humanpathogene Vertreter:

  • Mycoplasma pneumoniae
  • Mycoplasma genitalium
  • Mycoplasma hominis

Morphologie

  • Form: vielgestaltig (pleomorph), häufig kugelig (kokkoid); Ihre Kolonien zeigen eine typische Spiegeleiform
  • Besonderheiten der Zellstruktur:
    • Fehlende Zellwand
    • Dreischichtige Zellmembran, reich an Sterolen
  • Keine Kapsel, keine Sporenbildung

Eigenschaften

  • Sind die kleinsten und einfachsten selbst replizierende Bakterien
  • Beweglichkeit: Fehlende Oberflächengeiseln, gleitende Fortbewegung mittels Oligosacchariden auf festen Oberflächen (z.B. Epithelgewebe)
  • Zellinvasion: Intrazellulär und obligat parasitär
  • Gram-Färbung: gramnegativ → keine Murein-haltige Zellwand, daher nicht mittels Gramfärbung anfärbbar
  • Sauerstoffbedarf: fakultativ anaerob

Pathogenität

Hauptfaktor der Pathogenität:

  • Toxinfreisetzung: CARDS-Toxin schädigt Schleimhautepithelzellen 
    → Funktionsversagen
  • Zellschädigung durch Phospholipasen: Membranschädigung
  • Inflammation durch Oxidativen Stress und Lipoproteine

Klinische Relevanz

ErregerKrankheitsbildReservoirInfektionswegTherapie
Mp. pneumoniae
  • Atypische Pneumonie
  • Mensch (Atemwege)
  • Tröpfcheninfektion
  • Erste Wahl: Azithromycin
    (CAVE: zunehmende Resistenzen)
  • Alternativ: Doxycyclin, Fluorchinolone 
Mp. genitalium
  • Urethritis
  • Beckenentzündung
  • Mensch (Genitaltrakt)
  • Sexuell
  • Azithromycin
  • Ggf. Fluorchinolone
Mp. hominis
  • Opportunistische Infektionen
  • Physiologische Keimflora
  • Sexuell, perinatal
  • 1mal-Gabe Doxycyclin
  • Alterantiv: 1mal-Gabe Azithromycin

Spirochäten allgemein:

Borrelien:

Leptospira:

Treponema:

Rickettsien:

Chlamydien:

Mykobakterien:

Mycoplasmen:

Zuletzt aktualisiert am 14.04.2025
Staphylococcus saprophyticus
Borreliose
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