Alltägliche Herausforderungen im Einsatz
Rettungsdienstpersonal ist im Einsatz mit zahlreichen alltäglichen Herausforderungen konfrontiert. Zu diesen zählen unter anderem:
- Unaufmerksame Verkehrsteilnehmer
- Schnittstellenprobleme und Kommunikationsschwierigkeiten, z. B. zwischen Leitstelle und Rettungsdienst
- Komplikationen bei der Übergabe von Patienten in Notaufnahmen
Diese Situationen können als belastend empfunden werden, insbesondere wenn sie als bedrohlich wahrgenommen werden (z. B. mit Angst verbunden) oder als störende Faktoren im Arbeitsablauf auftreten. In solchen Fällen wirken sie als Stressoren.
Physische Belastungen
Physische Anforderungen stellen eine erhebliche Belastung dar, insbesondere beim Heben und Tragen von Patienten oder Ausrüstung. Zwar kommen mittlerweile unterstützende Hilfsmittel wie elektrische Tragestühle oder hydraulische Tragen zum Einsatz, dennoch bleibt die körperliche Beanspruchung ein signifikanter Faktor.
Einsatzfrequenz und strukturelle Belastungen
Die derzeit hohen Einsatzzahlen im Rettungsdienst erhöhen die Belastung zusätzlich. Die häufigen Alarmierungen wirken nicht nur direkt stressauslösend, sondern verstärken auch bestehende Belastungsfaktoren. Hinzu kommen:
- Hohe Verantwortung
- Eingeschränkte Kontrolle über das Arbeitsumfeld
- Besondere psychische Belastung bei Einsätzen mit Kindern oder Patienten, zu denen eine persönliche Beziehung besteht
Emotionale Belastungen
Eine weitere Dimension bilden emotionale Belastungen. Diese entstehen unter anderem in Situationen, in denen Handlungen gegen die eigene Überzeugung erfolgen oder starke negative Emotionen wie Wut, Angst oder Hilflosigkeit erlebt werden. Wenn solche Erfahrungen regelmäßig auftreten, kann dies die berufliche Tätigkeit dauerhaft belasten.
Psychische Folgen und Krankheitsbilder
Langfristige oder wiederkehrende Belastungen können zur Entstehung psychischer Erkrankungen führen. Studien zeigen, dass Rettungskräfte häufiger an folgenden Störungen leiden als andere Berufsgruppen im Einsatzdienst (z. B. Polizei oder Feuerwehr):
- Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
- Emotionale Erschöpfung und Depersonalisierung
- Burn-out-Symptomatik
Moralische Verletzungen („Moral Injury“) als Belastungsfaktor
Ein spezieller Belastungstyp ist die sogenannte „moral injury“ (moralische Verletzung). Sie beschreibt einen inneren Konflikt zwischen beruflichen Anforderungen und persönlichen oder ethischen Überzeugungen. Dies kann z. B. der Fall sein, wenn medizinische Maßnahmen aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen (z. B. fehlende Freigabe) verzögert werden müssen, obwohl der Notfall eine sofortige Intervention erfordert.
Depression und Komorbidität
Die Prävalenz von Depressionen ist bei Rettungsdienstmitarbeiter:innen höher als in der Allgemeinbevölkerung. Angesichts der bekannten Zusammenhänge zwischen PTBS und Depression ist eine gezielte Untersuchung dieser Wechselwirkungen notwendig, um Komorbiditäten frühzeitig zu erkennen und adäquat zu behandeln.