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Berufseinstieg: Wahl der Klinik

8 Minuten Lesezeit

Am Berufsstart ergeben sich viele Fragen und Entscheidungen, die getroffen werden können. Eine wichtige Entscheidung ist die Wahl der Klinik für den Berufsstart.

Soll der Einstieg in einer Universitätsklinik (Uniklinik), in einem städtischen Krankenhaus, einem großen oder kleinen Krankenhaus oder vielleicht in einer Praxis erfolgen?

Die Entscheidung für den idealen Berufsstart hängt stark von den individuellen Karrierezielen, persönlichen Vorlieben und der gewünschten Work-Life-Balance ab.

Unikliniken bieten ein breites Spektrum an Weiterbildungen und Forschung, während städtische Krankenhäuser eine praxisorientierte Ausbildung mit frühzeitiger Verantwortung ermöglichen.

Kleine Kliniken bieten ein persönliches Umfeld und früh Verantwortung, während große Kliniken ein breites Spektrum an Fällen abdecken und interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie Spezialisierungen fördern.

Ein Einstieg im Krankenhaus bietet eine umfassende klinische Ausbildung und ermöglicht das Erlernen des Umgangs mit einer Vielzahl an Krankheitsbildern und Notfallsituationen. Die Tätigkeit in einer Praxis ermöglicht häufig eine bessere Work-Life-Balance und einen persönlicheren und längeren Kontakt zu den Patient:innen.

Jede Option hat ihre Vor- und Nachteile, und es lohnt sich, alle Faktoren sorgfältig abzuwägen, um den bestmöglichen Start in die ärztliche Karriere zu finden. Auch persönliche Präferenzen, wie der Wunsch nach Forschung, enger Teamarbeit oder einer langfristigen Patientenbindung, sollten dabei berücksichtigt werden, um einen Arbeitsplatz zu finden, der nicht nur beruflich, sondern auch persönlich zufriedenstellt.

Der Artikel richtet sich an Medizinstudierende.

 Info

Die Tipps und Informationen beruhen auf Erfahrungswerten und können stark variieren. Beispielsweise muss man an einer Uniklinik nicht unbedingt forschen. Auf der anderen Seite gibt es auch städtische Kliniken, in denen man gute Möglichkeiten zur Forschung hat.

 Tipp
Hospitieren

Vor dem Berufsstart sollte man in der Klinik, in der man arbeiten möchte, das PJ absolvieren oder dort hospitieren, um einen unmittelbaren Eindruck von den Arbeitsbedingungen und der Teamdynamik zu erhalten. Es kann sich lohnen, mit den Assistenzärzt:innen, die bereits in dieser Klinik arbeiten, zu sprechen und sie zu fragen, ob sie einen Berufsstart in der entsprechenden Abteilung empfehlen würden.

Universitätsklinik (& große Klinik)

Universitätsklinik (& große Klinik)

Vorteile:

  • Umfangreiche Weiterbildungsmöglichkeiten: Unikliniken bieten vielfältige und spezialisierte Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Oft sind die neuesten Behandlungsmethoden und Diagnostikverfahren verfügbar. Die Empfehlungen von neuen Studien oder Leitlinien werden schnell in die klinische Praxis implementiert. Hierdurch erhält man ein aktuelles, leitliniengerechtes Wissen und lernt neue Leitlinienempfehlungen schnell umzusetzen. Diese Fähigkeit ist auch für die spätere Zeit, unabhängig vom Tätigkeitsort, wichtig
  • Viele Fachdisziplinen: Die größere Struktur ermöglicht es, von einer Vielzahl an Fachdisziplinen zu profitieren. Die Möglichkeit, an verschiedenen Rotationen in spezialisierte Bereiche teilzunehmen, ermöglicht es, viele Fachbereiche kennenzulernen und eine fundierte Entscheidung für die eigene Spezialisierung zu treffen
  • Aufbau eines Netzwerks: Zudem sind oft gute nationale und internationale Kontakte vorhanden, die den Zugang zu internationalen Projekten und Netzwerken ermöglichen, was besonders für zukünftige Spezialisierungen vorteilhaft sein kann
  • Forschung und akademische Arbeit: Die Möglichkeit, an Forschungsprojekten mitzuwirken, ist an Unikliniken stark ausgeprägt und wird häufig sogar gefordert. Dies kann besonders attraktiv für Ärzt:innen sein, die Spaß an der Forschung haben und die sich eine Karriere in der akademischen Medizin oder Forschung vorstellen können. Häufig ist das Vorliegen vieler hochrangiger Publikationen die Voraussetzung für eine Position als Chefärzt:in
  • Lehre: An Unikliniken hat man weiterhin häufig die Möglichkeit, sich in der Lehre zu engagieren, sei es in Form von Blockpraktika und Seminaren oder von Vorlesungen
  • Vielfalt an Krankheitsbildern: An Universitätskliniken werden auch komplexe und seltene Krankheitsbilder behandelt. Diese Vielfalt an Fällen bietet die Möglichkeit, umfangreiches Wissen zu erwerben. Zudem fördert der Umgang mit vielfältigen und herausfordernden Patientenfällen die Fähigkeit, diagnostische und therapeutische Strategien zu entwickeln, die über das übliche Maß hinausgehen

Nachteile:

  • Hohe Arbeitsbelastung: Unikliniken sind oft bekannt für ihre intensive Arbeitsbelastung, lange Arbeitszeiten und hohe Anforderungen. Insbesondere die Notwendigkeit, sich auch in Forschungsprojekte oder in die Lehre einzubringen, kann die Arbeitsbelastung weiter erhöhen
  • Hierarchien und eingeschränkte Eigenverantwortung: Die Hierarchien sind oft ausgeprägter und die Möglichkeiten, früh eigenverantwortlich zu arbeiten, sind teilweise begrenzt. Häufig kommt man erst später in die Funktionsbereiche oder in den OP und verbringt zu Beginn viel Zeit auf der Station. Dafür kann man später komplexere Therapien durchführen oder Techniken lernen, die in einem städtischen Krankenhaus nicht angeboten werden
  • Höhere Spezialisierung: An einer Uniklinik gibt es häufig viele spezialisierte Fachbereiche. Dies führt zu einer ausgeprägten interdisziplinären Zusammenarbeit und fördert die Expertise. Hierdurch gibt man jedoch häufig Entscheidungen ab und lernt meistens nur in seinem eigenen Fachgebiet (z.B. bei einer Schilddrüsenunterfunktion wird ein Endokrinologie-Konsil gestellt, statt diese selber einzustellen)

Kleines Krankenhaus

Kleines Krankenhaus

Vorteile:

  • Praxisorientierte Ausbildung: Städtische Krankenhäuser zeichnen sich durch eine praxisorientierte Ausbildung aus. Die Fälle sind häufig weniger komplex, aber dafür repräsentativ ("häufiges ist häufig"). Dies ermöglicht es, früh fundierte praktische Fertigkeiten der wichtigsten Verfahren zu entwickeln und Routine in den typischen Abläufen der wichtigsten Krankheitsbilder zu erlangen
  • Breite Ausbildung: Durch die geringere Spezialisierung in städtischen Krankenhäusern wird man häufiger breiter ausgebildet. An Unikliniken ist man häufig in einem Spezialgebiet (z.B. Kardiologie oder sogar nur Elektrophysiologie) tätig. An einem städtischen Krankenhaus gibt es häufig nur eine Abteilung für Innere Medizin, in der alle Untergebiete behandelt werden
  • Bessere Work-Life-Balance: Im Vergleich zur Uniklinik ist die Arbeitsbelastung oft geringer und die Work-Life-Balance kann ausgewogener sein, was vor allem für Berufseinsteiger von Vorteil ist
  • Familiäres Umfeld: Kleine Kliniken bieten ein familiäres Arbeitsumfeld, in dem der Austausch mit den Kolleg:innen sehr persönlich sein kann. Dies kann die Einarbeitung erleichtern und ein angenehmes Arbeitsklima schaffen. Dies kann insbesondere beim Berufsstart hilfreich sein
  • Frühzeitige Verantwortung: In städtischen Krankenhäusern erhalten junge Ärzt:innen oft schneller Eigenverantwortung, da die Hierarchien flacher sind und man schneller in die praktische Arbeit eingebunden wird. Dies fördert die Fähigkeiten zur Entscheidungsfindung und Verantwortung zu übernehmen

Nachteile:

  • Weniger Spezialisierung: Die Möglichkeit, an seltenen und komplexen Fällen zu arbeiten, ist in städtischen Krankenhäusern geringer. Dadurch fehlen manchmal die Gelegenheiten, hochspezialisiertes Wissen zu erlangen. Dies kann insbesondere dann ein Nachteil sein, wenn eine spätere Spezialisierung in einem bestimmten Fachgebiet angestrebt wird
  • Eingeschränkte Forschungsoptionen: Im Gegensatz zu Unikliniken bestehen oft nur geringe Möglichkeiten, sich in Forschungstätigkeiten einzubringen oder akademische Projekte zu verfolgen. Dies kann ein Nachteil sein für diejenigen, die eine akademische Karriere oder Forschungstätigkeit anstreben. Oftmals müssen Interessierte nach externen Projekten suchen, um entsprechende Erfahrungen zu sammeln. Eine erfolgreiche Forschungslaufbahn ist häufig eine Bedingung für eine Anstellung als Chefärzt:in
  • Fälle müssen teilweise verlegt werden: Komplexere Fälle müssen häufig an eine Uniklinik verlegt werden. Hierdurch bekommt man den Verlauf interessanter Fälle somit nur teilweise mit

Krankenhaus

Krankenhaus

Vorteile:

  • Vielfältige Krankheitsbilder: Im Krankenhaus werden Patienten mit unterschiedlichen und teils komplexen Krankheitsbildern behandelt. Dies bietet eine große Bandbreite an praktischen Erfahrungen und ermöglicht es, ein tiefes Verständnis für verschiedene Krankheitsprozesse zu entwickeln
  • Teamarbeit und interdisziplinärer Austausch: Im Krankenhaus ist das Arbeiten im Team essenziell. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachdisziplinen bietet Möglichkeiten, sich zu vernetzen und voneinander zu lernen
  • Krisenmanagement: Der Umgang mit Notfallsituationen oder Komplikationen kann im Krankenhausalltag gelernt werden. Weiterhin bekommt man im Krankenhaus häufig unmittelbarer den Verlauf der Patient:innen und die Folgen von Entscheidungen mit. Hierdurch kann man seinen klinischen Blick verbessern und sich anhand von direktem und indirektem Feedback verbessern. In der Praxis kann man die Krankheitsverläufe meistens über längere Zeit verfolgen, jedoch findet der Kontakt hierbei eher intermittierend statt

Nachteile:

  • Hohe Arbeitsbelastung: Die Arbeitszeiten und der Dienstplan sowie die Arbeitsweise im Krankenhaus können belastend sein. Lange Dienste und Nachtarbeit sind häufig unvermeidbar. Dies kann zu einer hohen körperlichen und psychischen Belastung führen, die nicht jeder langfristig bewältigen möchte
  • Hierarchische Strukturen: Die Strukturen sind oft hierarchisch organisiert, was besonders am Anfang zu einer begrenzten Autonomie führen kann. Entscheidungsprozesse dauern häufig länger, da viele Abstimmungen notwendig sind, dies kann manchmal frustrierend sein

Praxis

Vorteile:

Praxis
  • Kontinuierliche Patientenversorgung: In der Praxis besteht die Möglichkeit, Patient:innen kontinuierlich zu betreuen. Dies ermöglicht das Verfolgen von Krankheitsverläufen über längere Zeiträume hinweg und den Aufbau einer vertrauensvollen Arzt-Patienten-Beziehung
  • Planbare Arbeitszeiten: Die Arbeitszeiten in einer Praxis sind meist planbarer und es gibt weniger Nacht- und Wochenenddienste, was eine bessere Work-Life-Balance ermöglicht
  • Breites diagnostisches Wissen: In einer hausärztlichen oder allgemeinmedizinischen Praxis ist das Wissen über eine breite Palette an Erkrankungen und Symptomen gefordert, was zu einer umfassenden klinischen Kompetenz führen kann. Dies fördert die Fähigkeit, differenzialdiagnostisch zu denken und zu arbeiten

Nachteile:

  • Begrenzte Spezialisierungsmöglichkeiten: In einer Praxis ist das Spektrum der Fälle begrenzt. Die Möglichkeit, hochkomplexe Erkrankungen oder akute Fälle zu behandeln, ist im Vergleich zum Krankenhaus geringer. Dies kann insbesondere dann ein Nachteil sein, wenn eine tiefergehende fachliche Spezialisierung angestrebt wird
  • Weniger Austausch mit Kolleg:innen: Der Austausch mit anderen Ärzt:innen und Fachdisziplinen ist oft geringer als im Krankenhaus, was die Lernmöglichkeiten einschränken kann. Insbesondere bei unklaren oder schwierigen Fällen fehlt manchmal der unmittelbare Rat von Kolleg:innen, der in einer Klinik verfügbar wäre
  • Eigenverantwortung und Wirtschaftlichkeit: In der Praxis trägt man als niedergelassene Ärzt:in nicht nur die Verantwortung für die Patientenversorgung, sondern auch für die Organisation und die Wirtschaftlichkeit der Praxis. Dies kann zusätzlichen Druck verursachen, da neben den medizinischen Aufgaben auch organisatorische und ökonomische Aspekte zu bewältigen sind. Als angestellte:r Ärzt:in kann man diese zusätzlichen Aufgaben jedoch häufig abgeben
Zuletzt aktualisiert am 30.10.2024
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