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BGA-Fall 10: Panikattacke

6 Minuten Lesezeit

Ein 24-jähriger Patient, Lundberd Schröder, wird in die Notaufnahme gebracht, nachdem er während einer Prüfungsphase plötzlich Schwindel, Atemnot, Kribbeln in den Händen und eine Enge in der Brust verspürte. Er berichtet, dass er das Gefühl hatte, nicht genug Luft zu bekommen und begann, schnell und tief zu atmen. Die Symptome traten plötzlich auf. Kardiale oder pulmonale Vorerkrankungen sind nicht bekannt.

Beim Eintreffen ist der Patient tachypnoeisch (Atemfrequenz: 30/min), hat kaltschweißige Hände und wirkt sichtlich ängstlich. Es bestehen Kribbelparästhesien an Händen und um den Mund (periorale Parästhesien).

BGA-Befund zu Fallbeispiel 10
Algorithmus zur Bewertung des pH-Wertes

Akute respiratorische Alkalose durch Hyperventilation bei Panikattacke

BGA-Befund zu Fallbeispiel 10 mit Auflösung

Blutgase: Der pO2–Wert ist erhöht. Der pCO2–Wert ist stark erniedrigt.

Säure-Basen-Status: Der pH-Wert ist erhöht. Es liegt also eine Alkalose vor. Der pCO₂–Wert ist stark erniedrigt. Es liegt somit eine primär respiratorische Ursache vor. Das Standardbicarbonat (cHCO3-(P,st)) ist im Normbereich. Dies zeigt, dass es sich um eine akute Störung ohne renale Kompensation handelt. Es liegt somit eine respiratorische Alkalose durch eine exzessive CO₂-Abatmung vor.

Oxymetrie: Die Sauerstoffwerte sind normwertig.

Elektrolyte: Es liegt eine Hypokaliämie vor. Diese ist durch eine Alkalose-bedingte Kaliumverschiebung in die Zellen bedingt. Weiterhin besteht eine Hypokalzämie. Diese ist durch eine vermehrte Albuminbindung von Ca²⁺ aufgrund der Alkalose entstanden. Die Hypokalzämie kann zu Muskelkrämpfen und Parästhesien führen.

Metabolite: Keine Auffälligkeiten bei Glucose, Laktat oder Bilirubin.

Beurteilung: Die respiratorische Alkalose ist durch eine plötzliche Hyperventilation bei emotionaler Stresssituation erklärbar. Dies kann im Rahmen einer Panikattacke auftreten.

Der stark erniedrigte pCO₂–Wert ist ein Hinweis auf die überschießende Ventilation (Hyperventilation). Durch die vermehrte Ventilation wird das CO2 abgeatmet.
Der normale HCO₃⁻–Wert zeigt, dass die Störung akut ist und keine
metabolische Kompensation
erfolgt ist.
Die Hypokalzämie und Hypokaliämie sind durch die Alkalose entstanden und erklären die Kribbelparästhesien und Muskelkrämpfe.

Da die Calcium-Ionen an die gleiche Bindungsstelle der Serum-Proteine wie die H+-Ionen binden, hat der pH-Wert einen direkten Einfluss auf die Konzentration des freien Calciums und umgekehrt:

  • Azidose → freie H+-Ionen ↑ → weniger freie Bindungsstellen → freies Ca2+ ↑
  • Alkalose → freie H+-Ionen ↓ → mehr freie Bindungsstellen → freies Ca2+ ↓
Gesamt- und ionisiertes (freies) Calcium

Eine respiratorische Alkalose im Rahmen einer Panikattacke ist ungefährlich. Bei einer normalen Atmung kommt es zu einer Normalisierung der Werte. Zwar können sich die Symptome sehr unangenehm anfühlen, es ist jedoch wichtig, den Patient:innen zu vermitteln, dass keine Gefahr besteht und sie sich beruhigen können.

Mögliche nächste Schritte:

  • Beruhigung und kontrollierte Atmung. Der Patient sollte langsam in eine Tüte atmen. Hierdurch kann das CO2 zurückgeatmet werden. Alternativ kann auch mit einer Lippenbremse geatmet werden
  • Elektrolytüberwachung: Kalium- und Kalziumwerte kontrollieren, Substitution nur bei persistierenden Symptomen
  • Psychosomatische Abklärung: Falls wiederholt Hyperventilationen oder Panikattacken auftreten, ggf. psychologische Betreuung erwägen
  • EKG-Kontrolle: aufgrund der Hypokaliämie auf Arrhythmien achten
  • Patientenaufklärung: über den harmlosen, aber unangenehmen Mechanismus der panikbedingten Hyperventilation informieren
  • Weitere BGA-Fallbeispiele findest du im Ordner BGA-Fallbeispiele
  • Die Grundlagen der BGA-Auswertung kannst du hier lernen: BGA-Auswertung
  • Blutgase: Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid
Zuletzt aktualisiert am 07.09.2026
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