Du hast Nachtdienst auf der kardiologischen Station. Gegen 4:00 Uhr klingelt dein Telefon: Herr Müller sei nicht mehr erweckbar. In der Patientenakte liest du, dass Herr Müller am Vorabend aufgrund eines Lungenödems bei kardialer Dekompensation aufgenommen wurde. In der körperlichen Untersuchung fällt dir auf, dass der Patient schwer atmet und auskultatorisch beidseits Rasselgeräusche aufweist. Der Blutdruck liegt bei 110/60 mmHg. Die Herzfrequenz liegt bei 90/min.
Du nimmst eine arterielle BGA ab und erhältst folgenden Befund:
Orientierungshilfe
Auswertung
Respiratorische Azidose bei Lungenödem
Blutgase: Das pO2 ist mit 50 mmHg vermindert und das pCO2 mit 114 mmHg stark erhöht. Es liegt somit eine hyperkapnische respiratorische Insuffizienz vor.
Säure-Basen-Status: Der pH-Wert ist stark erniedrigt. Es besteht eine ausgeprägte Azidose. Das erhöhte pCO2 und das normwertige Bicarbonat sprechen für eine respiratorische Genese. Es besteht eine respiratorische Azidose. Der erhöhte Base-Excess von 4,8 mmol/L deutet auf eine beginnende metabolische Kompensation hin.
Oxymetrie: Die Sauerstoffsättigung (sO2) ist mit 80,4% deutlich zu gering.
Elektrolyte: Es besteht eine Hyperkaliämie.
Metabolite: Die Metabolite sind normwertig.
Beurteilung: In diesem Fall liegt eine ausgeprägte respiratorische Azidose vor. Der Patient leidet an einem Lungenödem im Rahmen seiner dekompensierten Herzinsuffizienz. Durch die Flüssigkeitsansammlung an der alveo-kapillären Membran kann nicht mehr ausreichend Sauerstoff aufgenommen und Kohlenstoffdioxid abgeatmet werden. Es besteht eine hyperkapnische respiratorische Insuffizienz. Der erhöhte Base-Excess deutet auf eine teilweise metabolische Kompensation hin. Der erhöhte Kalium-Wert ist auf die Azidose zurückzuführen (Wo H+ ist, da ist auch K+).
Mögliche nächste Schritte: In diesem Fall sollte schnell gehandelt werden. Zur Therapie des Lungenödems kann bei stabilen Patient:innen Furosemid und Nitroglycerin verabreicht werden. Weiterhin sollte eine Sauerstoffgabe erfolgen. Bei diesem Patienten ist jedoch aufgrund der respiratorischen Insuffizienz trotz der bereits eingeleiteten Maßnahmen eine Beatmung notwendig.
Bei vigilanten Patient:innen kann beispielsweise eine Nicht-invasive-Beatmung (NIV) erfolgen. Eine übermäßig hohe Sauerstoffgabe kann zu einer Minderung des Atemantriebes führen und hierdurch die CO2-Retention noch weiter verstärken. Bei einer Korrektur des pH-Wertes wird es ebenfalls zu einer Korrektur des Kalium-Wertes kommen.