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BGA-Fall 3: Husten und Auswurf

6 Minuten Lesezeit

In diesem Fallbeispiel stellt sich eine 75-jährige Patientin über die zentrale Notaufnahme vor. Sie gibt an, seit mehreren Tagen Husten und Auswurf sowie Dyspnoe zu haben. Weiterhin leide sie seit vielen Jahren an einer COPD.

BGA-Befund zu Fallbeispiel 3
Algorithmus zur Bewertung des pH-Wertes

Respiratorische Azidose bei COPD

BGA-Befund zu Fallbeispiel 3 mit Auflösung

Blutgase: Das pO2 ist mit 52 mmHg vermindert und das pCO2 mit 75 mmHg erhöht. Es liegt somit eine hyperkapnische respiratorische Insuffizienz vor.

Säure-Basen-Status: Der pH-Wert ist leicht erniedrigt. Es besteht eine Azidose. Das erhöhte pCO2 spricht für eine respiratorische Genese. Der erhöhte Base-Excess (SBE) sowie das erhöhte Standard-Bicarbonat (cHCO3-(P,st)) spricht für eine metabolische Kompensation.

Oxymetrie: Die Sauerstoffsättigung (sO2) ist mit 81,7% vermindert. Der Anteil des oxygenierten Hämoglobins (FO2Hb) ist mit 80,2 % erniedrigt und folgt damit der Sauerstoffsättigung.

Elektrolyte: Natrium, Kalium und Chlorid sind normwertig. Das ionisierte Calcium ist mit 1,07 mmol/L leicht erniedrigt und deshalb auf dem Ausdruck markiert. Für die Einordnung der Säure-Basen-Störung ist das hier ohne Bedeutung.

Metabolite: Laktat und Bilirubin sind normwertig. Die Glucose ist mit 115 mg/dL leicht erhöht, was sich in der akuten Situation als Stressreaktion erklären lässt.

Beurteilung: In diesem Fall liegt ähnlich wie im vorherigen Fall eine respiratorische Azidose vor. In diesem Beispiel ist sie durch eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) bedingt. Die Symptome der Patientin (Husten, Auswurf) deuten auf eine Pneumonie hin. Es besteht also der Verdacht auf eine exazerbierte COPD. Da bei dieser Patientin aufgrund der COPD eine chronische Ventilationsstörung vorliegt, ist es bereits zu einer stärkeren Kompensation als im vorherigen Fall gekommen. Diese erkennt man an dem erhöhten Standard-Bicarbonat-Wert (cHCO3-(P, st)) und dem erhöhten Base-Excess. Das Standard-Bicarbonat ist eine errechnete Größe, die angibt, wie der Bicarbonat-Wert bei einem normwertigen CO2 wäre. Bei einer akuten respiratorischen Störung ist nur das aktuelle Bicarbonat verändert, das Standard-Bicarbonat bleibt normwertig. Sobald die Niere kompensiert, wie hier bei der chronischen COPD, hält sie tatsächlich zusätzliche Basen zurück. Dann steigt auch das Standard-Bicarbonat und der Base-Excess wird positiv, auf diesem Ausdruck auf 28,1 mmol/L und 5,3 mmol/L. Bei einer metabolischen Störung sind beide von Anfang an verändert.

Mögliche nächste Schritte: Bei einer COPD sollte eine Sauerstoff-Sättigung von ca. 90% angestrebt werden. Im Rahmen einer Sauerstoffgabe kann es zur Reduktion des Atemantriebes und somit zu einer weiteren CO2-Retention kommen. Bei dieser Patientin sollte somit primär eine Therapie der exazerbierten COPD erfolgen (Antibiotika, Prednisolon-Stoßtherapie, Bronchodilatatoren, sitzende Lagerung). Auch bei einer COPD sollte eine Sauerstoffgabe bei gegebener Indikation erfolgen. Wenn es unter dieser jedoch zu einer zunehmenden Hyperkapnie kommt, sollte eine engmaschige Evaluation der Indikation für eine NIV-Therapie erfolgen.

Zielwert der Sauerstoffsättigung bei COPD-Patient:innen

  • Weitere BGA-Fallbeispiele findest du im Ordner BGA-Fallbeispiele
  • Die Grundlagen der BGA-Auswertung kannst du hier lernen: BGA-Auswertung
  • Blutgase: Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Akut exazerbierte COPD
  • Sauerstoffsättigung bei COPD
  • Pneumonie
Zuletzt aktualisiert am 21.09.2026
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