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BGA-Fallbeispiel 7

6 Minuten Lesezeit

Ein 45-jähriger Mann, Peter Hoffmann, wird bewusstlos von seinem Mitbewohner in die Notaufnahme gebracht. Laut Mitbewohner hatte der Patient am Vorabend erhebliche Mengen Alkohol konsumiert und sich heute Morgen über starke Kopfschmerzen, Übelkeit und eine zunehmende Sehstörung beklagt. Die Pupillenreaktion ist verlangsamt, der Patient reagiert nicht auf Schmerzreize. Der Atem riecht süßlich

BGA-Fallbeispiel
Algorithmus zur Bewertung des pH-Wertes

Methanolintoxikation mit schwerer metabolischer Azidose und erhöhter Anionenlücke

Blutgase: Der pO2-Wert ist normwertig. Das pCO2 ist leicht erniedrigt, was auf eine teilweise respiratorische Kompensation der metabolischen Azidose hinweist.

Säure-Basen-Status: Der pH-Wert ist stark erniedrigt. Es liegt also eine schwere Azidose vor. Das HCO3- ist erniedrigt, ebenso der Base-Excess, was für eine metabolische Azidose spricht. Die Anionenlücke ist mit 21 mmol/L deutlich erhöht, was auf eine Additionsazidose (durch Säureakkumulation) hinweist.

BGA: Methanolintoxikation mit schwerer metabolischer Azidose und erhöhter Anionenlücke

Oxymetrie: Die Sauerstoffsättigung (sO2) ist normwertig. Kein Hinweis auf eine relevante CO-Hämoglobin- oder Methämoglobinämie.

Elektrolyte: Keine schweren Elektrolytstörungen, jedoch ein moderat erniedrigtes ionisiertes Calcium.

Metabolite: Laktat ist erhöht, was eine zusätzliche Laktatazidose andeuten könnte. Glucose und Bilirubin sind unauffällig.

Beurteilung: Der Patient zeigt eine schwere metabolische Azidose mit erhöhter Anionenlücke, was für eine Vergiftung mit organischen Säuren sprechen könnte.

Die Kombination aus Bewusstseinsstörung, Sehstörungen, süßlichem Atemgeruch und schwerer metabolischer Azidose ist hochverdächtig für eine Methanolvergiftung. Dies passt auch zum anamnestischen Alkoholkonsum am Vorabend.

Methanol wird in der Leber zu Formaldehyd und Ameisensäure abgebaut, die eine metabolische Azidose verursachen und eine retrobulbäre Neuritis mit Sehstörungen auslösen können.

Bei einer Additionsazidose sollten differenzialdiagnostisch auch die anderen Ursachen anhand des Akronyms „KUSMEL“ bedacht werden.

 Merke
Mund
Merkspruch bei vergrößerter Anionenlücke: KUSMEL
  • Ketoazidose (Diabetes mellitus Typ I)
  • Urämie (Niereninsuffizienz)
  • Salicylate (z.B. ASS Überdosierung)
  • Methanol (selbst gebrannter Alkohol)
  • Ethanol (Alkoholvergiftung)
  • Laktatazidose (z.B. Schock: Hypoperfusion, Hypoxie)

Mögliche nächste Schritte:

  • Fomepizol oder Ethanolgabe zur Hemmung der Alkoholdehydrogenase und Verhinderung der Methanol-Metabolisierung
  • Hämodialyse bei schwerer Intoxikation mit schwerer Azidose und neurologischer Beteiligung
  • Bicarbonatgabe zur Pufferung der Azidose
  • Intensivmedizinische Überwachung mit Kreislaufstabilisierung
  • Bestimmung des Methanolspiegels im Labor zur Sicherung der Diagnose
  • Weitere BGA-Fallbeispiele findest du im Ordner BGA-Fallbeispiele
  • Die Grundlagen der BGA-Auswertung kannst du hier lernen: BGA-Auswertung
Zuletzt aktualisiert am 05.02.2025
BGA-Fallbeispiel 6
BGA-Fallbeispiel 8
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