Medi Know
Logo Image

Blickdiagnosen in der Dermatologie

KW
88 Minuten Lesezeit

Blickdiagnosen in der Dermatologie bezeichnen auffällige Hautveränderungen, die anhand ihrer typischen klinischen Morphologie unmittelbar visuell erkannt und diagnostiziert werden können. Sie sind oft mit pathognomonischen Merkmalen assoziiert, ermöglichen eine schnelle Verdachtsdiagnose, sie sollten allerdings stetig hinterfragt und neu evaluiert werden, um nicht dem Fokussierungsfehler zu unterliegen.

Einleitung

Entzündliche Hauterkrankungen umfassen eine Vielzahl von Erkrankungen, die durch eine gestörte Hautbarriere und komplexe Immunreaktionen hervorgerufen werden. Sie können akute, subakute oder chronische Verläufe zeigen und beeinflussen häufig die Lebensqualität der Betroffenen. Typische klinische Bilder wie Erytheme, Schuppung, Papeln oder Plaques erfordern eine sorgfältige Diagnostik, die oft anhand von Blickdiagnosen gestellt wird, unterstützt durch spezifische Tests wie Biopsien oder Allergietests. Die Therapieansätze reichen von lokaler Pflege über medikamentöse Optionen bis hin zu systemischen Behandlungen und zielen darauf ab, Entzündung, Juckreiz und Infektionen zu reduzieren sowie die Hautbarriere zu stabilisieren. Dieses Kapitel beleuchtet die wichtigsten entzündlichen Hauterkrankungen, ihre Pathophysiologie, diagnostischen Kriterien und Behandlungsoptionen. 

1. Hautbefund: Psoriasis vulgaris

Psoriasis vulgaris
Hautbefund: Am gesamten Oberkörper mit Betonung des unteren Brustkorbes und ebenfalls befallenem Bauchnabel finden sich teils konfluierende erythrosquamöse Plaques mit einem Maximaldurchmesser von ca. 10 cm. Die Plaques sind scharf begrenzt und diffus angeordnet. Die Schuppung zeigt sich fein silbrig.
Diagnose

Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte)

  • Chronisch, schubhaft verlaufende Entzündung der Haut mit übermäßiger Schuppung v.a. an den Streckseiten der Extremitäten, behaartem Kopf, äußerem Ohr, Bauchnabel und der Sakralregion
Hautbefund & Symptome

Oftmals am gesamten Oberkörper(Bild 1), mit Betonung des unteren Brustkorbes und ebenfalls befallenem Bauchnabel, finden sich teils konfluierende erythrosquamöse Plaques mit einem Maximaldurchmesser von ca. 10 cm. Die Plaques sind scharf begrenzt und diffus angeordnet. Die Schuppung zeigt sich fein silbrig. 

  • In der Regel mit deutlichem Juckreiz
  • Typ 1 (früher Beginn, schwerer Verlauf), Typ 2 (später Beginn, milder Verlauf)
PathophysiologiePolygen und multifaktoriell durch Trigger (z.B. Infektionen, Stress, Alkohol etc.) ausgelöste T-Zell-vermittelte organspezifische Autoimmunerkrankung mit proinflammatorischer Wirkung auf Keratinozyten und Blutgefäße, dadurch kommt es zu einer übermäßigen Verhornung und Erythem.
Diagnostik

In der Regel erfolgt die Diagnostik klinisch. Außerdem sollte die Familienanamnese genauso, wie potenzielle Trigger, erfragt werden. “Kratzphänomene” finden in der Klinik zu diagnostischen Zwecken heutzutage kaum noch Anwendung.

  • PASI-Score zur Bestimmung von Schweregrad und Ausdehnung
  • DLQI- Score zur Bestimmung der Lebensqualität
Therapie

Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad:

  • Lokaltherapie: Vitamin D3-Präparate im Wechsel mit topischen Glukokortikoiden, zusätzlich Salicylsäure und Harnstoffsalben zur Schuppenlösung (Keratolyse)
  • UV-Therapie: Phototherapie, PUVA (Psoralen als topischer Lichtsensibilisator und folgend Bestrahlung mit UVA-Licht)
  • Systemtherapie: V.a. Retinoide, Methotrexat (MTX), Ciclosporin und Biologika (z.B. Infliximab, Ustekinumab)

Exkurs: Nagelpsoriasis

Nagelpsoriasis
Hautbefund: Nagelbefall bei Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte)
Die Nägel zeigen sich dystroph und brüchig
Diagnose

Nagelbefall bei Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte)

  • Vermehrt assoziiert mit Psoriasis Arthritis, kann aber auch alleine auftreten
Hautbefund & SymptomeDie Nägel zeigen sich dystroph und brüchig, weitere Auffälligkeiten können Tüpfelnägel (kleine trichterförmige Einziehungen der Nagelplatte) und Ölflecken (subunguale Hyperkeratosen, die sich als gelblich-bräunliche Verfärbungen zeigen) sein.
TherapieNagelbefall bei Psoriasis ist schwierig zu behandeln und erfordert oft eine systemische Therapie mit Biologika.
 Achtung

Biologika wirken immunsuppressiv und benötigen immer den Ausschluss latenter Infektionen wie Tuberkulose oder Hepatitis B und C vor Therapieeinleitung, genauso wie regelmäßige Kontrollen der Leber und Nierenwerte!

2. Hautbefund: Intertrigo

Hautbefund: Unterhalb der Mammae befinden sich kreisrunde, teilweise konfluierende erythematöse Maculae von durchschnittlich ca. 1,5 cm Durchmesser. Vor allem die Unterbrustfalte ist durchgehend betroffen. 
DiagnoseIntertrigo (irritative Kontaktdermatitis)
Hautbefund & SymptomeUnterhalb der Mammae befinden sich kreisrunde, teilweise konfluierende erythematöse Maculae von durchschnittlich ca. 1,5 cm Durchmesser. Vor allem die Unterbrustfalte ist durchgehend betroffen. Die Anordnung entspricht einer Abklatschform, teils zeigt sich weißlicher Belag (Candida albicans), einzelne Herde präsentieren sich erosiv.
Pathophysiologie

In Hautfalten (Intertrigines) entwickelt sich durch mechanische Reibung durch Risikofaktoren wie Übergewicht, zu enge Kleidung, mangelnde Körperhygiene und behindertem Schweißabfluss eine Entzündung mit Erosionen und Mazeration.

  • Sekundär siedeln sich Pilze (v.a. Candida albicans) bzw. Bakterien an
DiagnostikDie Diagnosestellung erfolgt in der Regel klinisch, zusätzlich kann die mikroskopische Untersuchung von abgeschabten Hautprobenerfolgen. Hierbei lässt sich eine fragliche Infektion mit Hefepilzen bestätigen.
TherapieDie betroffenen Areale sollten mit Gaze trocken gehalten werden, Antimykotika und topische Glukokortikoide kommen bei Sekundärinfektionen zum Einsatz. Die Körperpflege, vor allem die Reinigung der betroffenen Stellen, erfolgt mit synthetischenTensiden.
 Definition

Mazeration: Aufweichen der Haut durch anhaltende Feuchtigkeit

3. Hautbefund: Dermatitis solaris

Hautbefund: Vor allem die helleren Hauttypen nach Fitzpatrick neigen dazu, schnell Sonnenbrand zu entwickeln. Die Dermatitis solaris ist die häufigste Fotodermatose.
Diagnose

Dermatitis solaris (Sonnenbrand)

  • Häufigste Fotodermatose
  • Vor allem die helleren Hauttypen nach Fitzpatrick neigen dazu, schnell Sonnenbrand zu entwickeln. (Was dunklere Typen nicht davon ausschließt.)
Hautbefund & Symptome

Am oberen Rücken zeigt sich ein großflächiges, scharf begrenztes Erythem.

  • Zusätzliche Symptome: Schwellung, Schmerzen, Juckreiz, Blasenbildung
PathophysiologieUV-Exposition schädigt die Epidermis, durch Entzündungsmediatoren breitet sich die Entzündung bis in die Dermis aus, es kommt zu Hyperkeratose und Hyperpigmentation.
Diagnostik

Die Diagnostik wird zusätzlich mithilfe der Anamnese gestellt, hierbei wird auch der zeitliche Zusammenhang zwischen Sonnenexposition und Beginn der Hautveränderung erfragt.

  • 3 Schweregrade:
  1. Schmerzhafte, entzündliche Hautrötung
  2. Blasenbildung
  3. Hautablösung
Therapie
  • Die Therapie erfolgt bei leichten bis mittelschweren Ausprägungenlokal mit Glukokortikoiden, Antiseptika und kühlenden Maßnahmen
  • Bei einer schweren Ausprägung kommen zusätzlich systemische Antiphlogistika zum Einsatz.
 Info
Hauttypen nach Fitzpatrick:
  • I. Sehr helle, empfindliche Haut (oft mit Sommersprossen), helle Augen, rotblondes Haar
  • II. Helle, empfindliche Haut mit blauen, grünen, grauen oder braunen Augen, blonde bis braune Haare
  • III. Hell bis hellbraune Haut mit grauen oder braunen Augen, dunkelblonde bis braune Haare, selten Sommersprossen
  • IV. Hellbraune, olivfarbene Haut mit dunklen Augen und Haaren
  • V. Dunkelbraune bis schwarze Haut mit dunkelbraunen Augen und schwarzen Haaren
 Tipp

Aufgrund der zunehmend beschädigten Ozonschicht steigt die Intensität der UV-Strahlung weltweit. Auch bei bedecktem Himmel ist es deshalb empfehlenswert, Sonnenschutz aufzutragen!

4. Polymorphe Lichtdermatose

Hautbefund: Am gesamten sichtbaren Bereich des Rumpfes zeigt sich ein polymorphes, lichenoides Exanthem mit erythematösen Papeln von ca. 5 mm Durchmesser.
DiagnosePolymorphe Lichtdermatose (Sonnenallergie)
Hautbefund & Symptome

Am gesamten sichtbaren Bereich des Rumpfes zeigt sich ein polymorphes, lichenoides Exanthem mit erythematösen Papeln von ca. 5 mm Durchmesser.

  • Starker Juckreiz
Pathophysiologie

Die Ätiologie ist bisher ungeklärt, hervorgerufen wird das Exanthem durch Licht, es heilt narbenlos ab.

Es handelt sich um eine allergische Spätreaktion durch Autoantigene verursacht durch UV-Strahlen (vor allem UVB-Strahlung).

Die meisten Fälle treten in der Regel nach dem ersten intensiveren Kontakt mit Sonne (Frühling, Sommer) auf, die Symptome hängen von der Sonnenintensität ab und beginnen mit einer Latenz von 3 bis 5 Tagen.

DiagnostikVor allem erwachsene Frauen sind betroffen, die Inzidenz ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Diagnostik erfolgt aus Zusammenschau des klinischen Befundes und der Anamnese.
Therapie
  • Lichtschutz (sowohl durch Lotionen als auch durch Kleidung)
  • Langsame Gewöhnung an UV-Strahlung
  • In schweren Fällen kann eine Therapie mit dem Immunsuppressivum Azathioprin erfolgen
 Achtung

Azathioprin ist kontraindiziert bei Nieren- oder Leberfunktionsstörungen sowie vorbestehender Schädigung des Knochenmarks.

5. Erythema ab igne (Buschke-Hitzemelanose)

Erythema ab igne (Buschke-Hitzemelanose)
Hautbefund: Im Bereich des rechten Unterbauches zeigt sich ein bräunlich-livides Erythem mit netzartiger Struktur und scharfer Begrenzung. In den lividen Bereichen zeigen sich sekundär bedingte Hautablösungen. 
DiagnoseErythema ab igne (Buschke-Hitzemelanose)
Hautbefund & Symptome

Im Bereich des rechten Unterbauches zeigt sich ein bräunlich-livides Erythem mit netzartiger Struktur und scharfer Begrenzung. In den lividen Bereichen zeigen sich sekundär bedingte Hautablösungen. Am linken Unterbauch zeigt sich die Hautveränderung blasser und ohne Sekundäreffloreszenzen.

  • Die Patient:innen berichten selten von weiteren Symptomen, allerdings kann es zu Juckreiz und Brennen kommen.
PathophysiologieDurch übermäßige und dauerhafte Hitzeeinwirkung, zum Beispiel durch Wärmflaschen oder Heizkissen entsteht die marmorierte Hautveränderungen. Früher trat sie vor allem bei Personen auf, die dauerhaft in der Nähe von Hitze saßen oder arbeiteten.
Diagnostik

Die Diagnose ergibt sich aus der Zusammenschau von klinischem Befund und Anamnese.

Differenzialdiagnostisch ist die Unterscheidung von der Livedo reticularis, wie sie z.B. beim Lupus erythematodes auftritt, wichtig.

Therapie

Die Hautveränderung verläuft in den meisten Fällen selbstlimitierend, kann sich allerdings über einen langen Zeitraum ziehen.

Ein Verzicht auf die verursachende Wärmequelle führt zur langsamen Besserung des Hautbefundes, häufig verschwindet dieser jedoch nicht komplett.

 

6. Lichen ruber planus (Knötchenflechte)

Lichen ruber planus (Knötchenflechte)
Hautbefund: An beiden Unterschenkeln finden sich polygonale, erythematöse Papeln mit scharfer Begrenzung und einem Maximaldurchmesser von ca. 1 cm. Diese konfluieren teilweise zu Plaques.
DiagnoseLichen ruber planus (Knötchenflechte)
Hautbefund & Symptome

An beiden Unterschenkeln finden sich polygonale, erythematöse Papeln mit scharfer Begrenzung und einem Maximaldurchmesser von ca. 1 cm. Diese konfluieren teilweise zu Plaques.

  • Nagelveränderungen sind möglich
  • Prädilektionsstellen: beugeseitige Handgelenke, Kniebeugen, Ellenbeugen, unterer Rücken und Unterschenkel, Anogenitalregion und Schleimhäute
  • Die Patient:innen leiden an schubweise auftretendem, starkem Juckreiz, kratzen ist sehr schmerzhaft
PathophysiologieDie Ätiologie ist unklar, kann jedoch aufgrund einer Reaktion auf Medikamente oder durch eine Infektion mit Hepatitis B/C entstehen. Außerdem besteht eine Assoziation zu Autoimmunerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder die primär biliäre Zirrhose (bis zu 40% d.F. mit Lebererkrankungen assoziiert). Man vermutet eine zelluläre Autoimmunreaktion gegen basale Keratinozyten. Nach Heilung der Hautveränderungen tritt eine De-/ Hyperpigmentation auf.
DiagnostikDie Diagnostik und Differenzierung in die verschiedenen bekannten Unterformen erfolgt histopathologisch mithilfe einer Biopsie, hier zeigen sich sägezahnartige Ausfransungen, es handelt sich um eine Interface Dermatitis. Oft ist das klinische Bild zwar wegweisend, allerdings kommen differenzialdiagnostisch ebenfalls andere Erkrankungen wie z.B. kutaner Lupus erythematodes in Betracht.
Therapie
  • Hohe Spontanheilungsrate des Lichen ruber der Haut (an Schleimhäuten, Haaren und Nägeln nicht so gut behandelbar)
  • Gabe von lokalen oder systemischen Glukokortikoiden
  • Bei schweren Fällen kann eine systemische Therapie mit Isotretinoin erfolgen
  • Bei starkem Juckreiz kann eine Phototherapie (PUVA) infrage kommen
Lichen ruber planus (Schleimhaut)
Hautbefund: Lichen ruber planus
Ein Schleimhautbefall tritt bei ca. 50% der Patient:innen auf und stellt eine Präkanzerose dar, deshalb sind hier engmaschige Kontrollen erforderlich.
Diagnose

Lichen ruber planus (Schleimhautbefall)

Schleimhautbefall tritt bei ca. 50% der Patient:innen auf und stellt eine Präkanzerose dar, deshalb sind hier engmaschige Kontrollen erforderlich.

Hautbefund & Symptome

An der (Mund)schleimhaut findet sich ein weißes Netz = Wickham Streifung

  • Klassischerweise beim Lichen ruber auftretend
TherapieMeiden von reizender Nahrung, Nikotin und Alkohol bei Befall der Schleimhäute, sowie nutzen von Lokalanästhetika im Mundbereich zur Schmerzlinderung.

7. Lichen sclerosus et atrophicus

Lichen sclerosus et atrophicus
Hautbefund: Im Bereich der Vulva zeigt sich eine großflächige, atrophe und weiß-glänzende Makula. Es sind feine Falten sichtbar. Die Umgebung der Makula zeigt sich erythematös und gereizt.
Diagnose

Lichen sclerosus et atrophicus

  • In der Regel chronischer Verlauf
  • Altersgipfel präpubertär und postmenopausal
  • Inzidenz des assoziierten Plattenepithelkarzinoms liegt bei 4-5%
Hautbefund & Symptome

Im Bereich der Vulva zeigt sich eine großflächige, atrophe und weiß-glänzende Makula. Es sind feine Falten sichtbar. Die Umgebung der Makula zeigt sich erythematös und gereizt. Im betroffenen Gebiet finden sich keine Haare und im Zentrum der Makula scheint die Hautveränderung narbig.

  • Juckreiz
  • Brennende Schmerzen
  • Dyspareunie, Dysurie, genitale oder analen Blutungen
  • Extragenitale Prädilektionsstellen: Hals, Oberkörper, Gesäß, Beugeseiten der Extremitäten
  • Im Verlauf Narben, Depigmentierung und Fissuren
  • Schrumpfung der kleinen und großen Labien bei Krankheitsprogression
PathophysiologieZu dieser idiopathischen Dermatose kommt es überwiegend im Anogenitalbereich bei beiden biologischen Geschlechtern, hierbei sind Frauen etwas 5- bis 7-mal häufiger betroffen, bisher vermutet man eine autoimmune Genese
DiagnostikDie Vorstellung der Patient:innen erfolgt meist in der gynäkologischen Praxis, die Diagnose wird meist anhand des klassischen klinischen Bildes gestellt. Klinisch zeigen sich klassisch weißlich-atrophe flache Plaques oder Makulae, die ringförmig um die Genitale oder an Analeingang gelegen sind. Eine Biopsie kann erfolgen, wenn die Diagnose nicht eindeutig ist, sich eine Progression trotz Therapie zeigt oder malignitätsverdächtige Läsionen auftreten.
Therapie

Zu Beginn und im Verlauf der Therapie sollte eine Fotodokumentation erfolgen, um Progressionen und eventuell dysplastische Veränderungen feststellen zu können.

Die Therapie der Wahl besteht in der topischen Behandlung mit hochpotenten Glukokortikoiden. Das primäre Therapieziel ist hierbei nicht die Heilung, sondern die Symptomfreiheit, wobei die Hautveränderungen irreversibel sind. Der Behandlungserfolg ist besser, je früher die Therapie begonnen wird.

8. Periorale Dermatitis

Periorale Dermatitis
Hautbefund: Rund um den Mund (perioral), mit Aussparung eines schmalen Saumes um die Lippen befindet sich ein leicht begrenztes Erythem mit Papeln und leichter Schuppung.
DiagnosePeriorale Dermatitis (veraltet: Stewardessen-Krankheit oder Mundrose)
Hautbefund & Symptome

Rund um den Mund (perioral), mit Aussparung eines schmalen Saumes um die Lippen befindet sich ein leicht begrenztes Erythem mit Papeln und leichter Schuppung.

  • Teilweise treten Pusteln auf
  • In der Regel sind Frauen zwischen 16 und 45 betroffen
  • Die Patient:innen klagen über trockene Haut, sowie ein brennendes und spannendes Hautgefühl.
PathophysiologieDie genaue Ursache ist nicht bekannt, häufige Auslöser sind übermäßiger Kosmetikagebrauch oder die Anwendung falscher Kosmetika mit dadurch entstehender Störung der Hautbarriere. Zusätzlich können Stress, chronisch trockene Haut und Glukokortikoide die Hautveränderungen triggern
DiagnostikDurch die klinische Untersuchung können differenzialdiagnostische Merkmale ausgeschlossen werden. Bei der perioralen Dermatitis treten in der Regel keine Komedone auf, was sie von der Acne unterscheidet. Bei der ebenfalls zu beachtenden Rosazea wiederum treten die Hautveränderungen nicht in Augen- und Mundbereich auf.
Therapie

Es gibt keinen „Goldstandard“ der Therapie, weil der Nutzen einiger Wirkstoffe nicht ausreichend durch Studien belegt ist.

  • Nulltherapie mit Karenz aller Kosmetika
  • zusätzlich gegebenenfalls Lokaltherapie mit topischen Antibiotika (z.B. Metronidazol, Doxycyclin) oder bei starken Entzündungen Calcineurininhibitoren (z.B. Pimecrolimus)
 Achtung

Glukokortikoide sind kontraindiziert!

9. Urtikaria

Urtikaria
Hautbefund: Am Rumpf finden sich scharf begrenzte und sichtbar erhabene Quaddeln mit einem Durchmesser von maximal 3 cm und begleitendem Erythem.
DiagnoseUrtikaria (Nesselsucht)
Hautbefund & Symptome

Am Rumpf finden sich scharf begrenzte und sichtbar erhabene Quaddeln mit einem Durchmesser von maximal 3 cm und begleitendem Erythem.

  • Juckreiz, allerdings selten Kratzexkoriationen, weil eher gerieben wird
  • Bei Druck mit einem Glasspatel blasst das Erythem ab
  • Ggf. Assoziation zu Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder Fieber
PathophysiologieBei einer Quaddel handelt es sich um ein dermales Ödem, das entsteht, wenn durch IgE-AK aktivierte Mastzellen Mediatoren wie Histamin, Prostaglandine und Heparin freisetzen, die eine Dilatation der Hautgefäße und gleichzeitige Permeabilitätssteigerung bewirken. Diese Reaktion kann sowohl immunologisch, infektassoziiert, autoreaktiv oder pseudoallergisch durch Medikamente (vor allem ASS) ausgelöst werden.
Diagnostik

In Bezug auf die Effloreszenz handelt es sich in der Regel um eine Blickdiagnose, wichtiger ist es hierbei, die Ursache durch eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung zu finden. Die Unterscheidung erfolgt in:

  • Akut spontane Urtikaria: nicht induzierbares Auftreten und Persistenz bis zu 6 Wochen, hohe Spontanheilungsrate
  • Chronische Urtikaria: Dauer von mehr als 6 Wochen
  • Chronisch spontane Urtikaria: rezidivierend auftretend mit begleitendem Angioödem mit einer Persistenz von mehr als 6 Wochen; in diesem Fall muss ggf. eine Infektionssuche (z.B. Helicobacter pylori) erfolgen, genauso wie die Untersuchung von Schilddrüsenhormonen und -antikörpern, allergologische Diagnostik und Provokationstests
  • Induzierbare Urtikaria: u.a. Urticara facticia; verursacht durch mechanische Reizung (=symptomatischer Dermografismus), sonstige Auslöser: Kälte, Hitze, Druck, Vibration, Licht, Wasser etc.
TherapieBei bekanntem Auslöser der Reaktion kann eine kausale Therapie in Form einer Hyposensibilisierung gegen das Allergen erfolgen. Ansonsten erfolgt die Therapie bei akuten Formen symptomatisch, da viele kausale Zusammenhänge noch nicht abschließend geklärt sind. Zur Symptomlinderung sind Antihistaminika der zweiten Generation (z.B. Desloratadin), in bis zu vierfacher Dosis (normalerweise 10 mg/Tag bei gesunden Erwachsenen) zugelassen. Der anti-IgE-Antikörper Omalizumab wird bei fehlendem Ansprechen subkutan in regelmäßigen Intervallen verabreicht (v.a. bei der chronisch spontanen Urtikaria), außerdem kann eine Symptomkontrolle auch mit Ciclosporin A erreicht werden. 
 Achtung

Zu differenzieren von Urtikaria sind Angioödeme. Vor allem Histamin-vermittelte Angioödeme treten oft zusammen mit Urtikaria auf. Angioödeme liegen in der tieferen Dermis oder Subkutis, sind selten mit Juckreiz assoziiert, können aber Schmerzen verursachen. Vor allem in den Atemwegen stellen sie eine besondere Gefahr durch Obstruktion dar.

10. Allergisches Kontaktekzem

Allergisches Kontaktekzem
Hautbefund: Auf dem Unterarm zeigen sich disseminiert verteilte Papeln von Stecknadelkopfgröße in einem etwa kreisrund begrenzten Areal auf erythematösem Grund. Die Haut erscheint insgesamt trocken.
Diagnose

Allergisches Kontaktekzem (allergische Kontaktdermatitis)

•häufigster Ekzemtyp, oft chronisch-rezidivierend

Hautbefund & Symptome

Auf dem Unterarm zeigen sich disseminiert verteilte Papeln von Stecknadelkopfgröße in einem etwa kreisrund begrenzten Areal auf erythematösem Grund. Die Haut erscheint insgesamt trocken.

  • Juckreiz
  • Die Dermatitis ist zunächst auf die Kontaktstelle begrenzt, bei weiterem Kontakt entsteht eine Ausbreitung der Herde auf den gesamten Körper.
  • Durch die geschädigte Kontaktbarriere kann es zu Sekundärinfektionen kommen.
PathophysiologieEs handelt sich um eine allergische Reaktion vom Typ IV, die durch Kontaktallergene ausgelöst wird (oft Nickel, Latex und andere Naturstoffe, Formaldehyd etc.). Die Entwicklung durchläuft zwei Phasen: Bei Erstkontakt (Sensibilisierungsphase) mit dem Allergen kommt es zu einer stummen Sensibilisierung, wenn danach erneuter Kontakt (Auslösungsphase) erfolgt, kommt es nach 24-72 Stunden zu einer mainfesten Kontaktdermatitis. Die Entstehung ist abhängig von genetischer Disposition und Zustand der Hautbarriere. Man unterscheidet die Verlaufsformen akut, subakut und chronisch, die Ausprägung ist abhängig vom Grad der Sensibilisierung und der Kontaktdauer.
Diagnostik

Ziel in der Diagnostik ist die Allergenidentifizierung, hierfür ist eine ausführliche Anamnese inklusive Berufsanamnese wichtig, außerdem die Dauer und Lokalisation der Hautveränderung.

Der Nachweis einer Kontaktallergie erfolgt durch einen Epikutantest.

TherapieDie Therapie zielt auf die dauerhafte Genesung durch Allergenkarenz ab, wenn nötig sollen Patienten Allergiker-freundlichen Alternativen nutzen. Durch dauerhafte Allergenkarenz bilden sich die Hautveränderungen nach einiger Zeit selbst zurück, trotzdem kann unterstützend mit Hautbarriere-stärkenden Externa gepflegt werden, diese sollten vor allem ölhaltig und rückfettend sein. Medikamentös finden Glukokortikoid-haltige Salben, wenn nötig in Kombination mit Keratinolytika wie Salizylsäure oder Harnstoff, Anwendung. Es gibt keine Möglichkeit der Desensibilisierung.
 Achtung

Seifen schädigen den natürlich schützenden Lipidfilm der Haut und sollten daher beim allergischen Kontaktekzem nicht angewandt werden und sind auch insgesamt aufgrund ihres alkalischen pH-Wertes von 8 bis 11 nicht zu empfehlen, lediglich zur Entfernung von Bakterien an den Händen z.B. vor dem Essen oder zum Einseifen vor chirurgischen Eingriffen sind Seifen sinnvoll.

 Info

Epikutantest: Kontaktallergene werden mit Pflastern auf den Rücken aufgebracht und nach einigen Tagen werden die Stellen auf Kontaktreaktionen untersucht.

11. Atopisches Ekzem

Atopisches Ezkem
Hautbefund: Am Unterarm zeigt sich eine ca. 6 cm messende, ekzematös-erythematöse Plaque mit scharfer Begrenzung und feiner glänzender Schuppung bei vergröberter Hautfelderung.
DiagnoseAtopisches Ekzem (Neurodermitis)
Hautbefund & Symptome

Am Unterarm zeigt sich eine ca. 6 cm messende, ekzematös-erythematöse Plaque mit scharfer Begrenzung und feiner glänzender Schuppung bei vergröberter Hautfelderung.

  • zusätzlich oft Kratzexkoriationen, Erosionen, Nässen und Hyperpigmentierung
  • Starker Juckreiz
  • Beeinflussbar durch exogene Faktoren wie Allergene (z.B. Nahrung, Kosmetika) und endogene Faktoren wie Infekte oder psychische Faktoren
PathophysiologieEs handelt sich um eine multifaktoriell bedingte Erkrankung: Ausgelöst durch eine polygenetische Disposition bewirken immunologische (allergische Sofortreaktion, hohes IgE), biochemische (verminderte Talgsekretion führt zu trockener Haut und gestörter Barrierefunktion) und neurovegetative Störungen (weißer Dermografismus durch veränderte Reaktivität auf ß-adrenerge Reize) den Krankheitsausbruch.
Diagnostik

In Bezug auf die Diagnostik ist zunächst vor allem eine Familienanamnese, die klinische Untersuchung auf Atopiestigmata und das Erfragen anderer Erkrankungen des atopischen Formenkreises wichtig, darüber hinaus sollte eine Allergietestung erfolgen, genauso wie die Identifikation von Triggerfaktoren.

  • Zur Einteilung der Erkrankung in die Schweregrade 1-4 werden verschiedene Scores benutzt (z.B. SCORAD, EASI, DLQI).
  • Die Patienten haben oft ein erhöhtes Gesamt-IgE, zur Identifikation von bestimmten Allergien werden Allergen-spezifische IgE-Tests durchgeführt.
  • Pricktest (dient dem Nachweis allergischer Sofortreaktionen)
  • Epikutantests können bei Atopie-Patient:innen eine allergische Kontaktdermatitis aufdecken, da die Hautirritabilität der Patient:innenn allerdings erhöht ist, kann es zu falsch-positiven Ergebnissen kommen.
Therapie
  • Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung, ein wichtiger Bestandteil ist die Schulung der Patient:innen.
  • Die Lokaltherapie erfolgt mit intensiver Hautpflege, Triggervermeidung und harnstoffhaltigen Präparaten (brennt bei akuten Läsionen) zur Stabilisierung der Hautbarriere.
  • Außerdem wird UVA/UVB-Strahlung angewandt, sowie lokale Glukokortikoide und Calcineurininhibitoren (z.B. Tacrolimus).
  • In schweren Fällen wird das Biologikum Dupilumab eingesetzt, das die Zytokine Interleukin-4 und -13 blockiert.
Atopiestigmata•Trockene Haut, Vertiefung der Handlinien, blasses Gesicht, infraorbitale doppelte Lidfalte (Dennie-Morgan-Falte), Reduktion der lateralen Augenbrauen (Hertoghe-Zeichen), weißer Dermografismus, Milchschorf bei Säuglingen
Verlauf
  • Befall beginnt fast immer vor dem 5. Lebensjahr und bessert sich im Erwachsenenalter
  • Säuglinge: Milchschorf, exsudativ-entzündliche Ekzemherde im Gesicht, Kapillitium und Streckseiten der Extremitäten (50% Spontanremission)
  • Kindheit: Lichenifikation, Exkoriationen und trockene Haut an den Beugeseiten der Extremitäten
  • Jugend/Erwachsene: chronisch-lichenifiziertes Ekzem, Exazerbationen durch Trigger möglich, betroffen sind vor allem Gesicht, Hals und Beugeseiten der Extremitäten
 Merke
  • Atopischer Formenkreis = atopisches Ekzem, Rhinoconjunctivitis allergica und Asthma bronchiale
  • Unter atopischem Marsch/Etagenwechsel versteht man die sequenzielle Abfolge atopischer Erkrankungen, die allerdings keiner strikten Gesetzmäßigkeit folgt, das atopische Ekzem erleichtert die Manifestation anderer Erkrankungen durch Sensibilisierung.
 Info
  • SCORAD = Scoring Atopic Dermatitis Index
  • EASI = Eczema Area and Severity Index
  • DQLI = Daily Life Quality Index (dieser spiegelt die Lebensqualität der Betroffenen wider)
 Info

Therapiesäulen: Hautpflege, Patientenschulung, Pharmakologie

12. Rosazea

Rosazea
Bild 1 An der Nase und den Wangen befinden sich teilweise konfluierende Papeln, Pusteln und Teleangiektasien auf stark erythematösem Grund. 
Rhinophym
Bild 2: Die Poren zeigen sich stark erweitert, in diesem Fall kann man von einem beginnenden Rhinophym sprechen.
Diagnose

Rosazea (mit Rhinophym)

Die Erkrankung wird in drei Stadien eingeteilt:

I.Flush, persistierende Erytheme und Teleangiektasien

II.Papeln, Pusteln, Erythem

III.Entzündliche, großflächig auftretende Knoten, diffuse Hyperplasie von Bindegewebe und Talgdrüsen

Hautbefund & Symptome

An der Nase und den Wangen befinden sich teilweise konfluierende Papeln, Pusteln und Teleangiektasien auf stark erythematösem Grund. Die Poren zeigen sich stark erweitert, in diesem Fall kann man von einem beginnenden Rhinophym sprechen.

(Auf Bild 2 lässt sich ein ausgeprägtes Rhinophym sehen.)

PathophysiologieDie Ursache ist bisher unbekannt, es handelt sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung. Durch physiologische Reize wie Stress, Alkohol, Temperaturextreme oder UV-Licht erweitern sich die Gesichtsgefäße, was wiederum eine Rötung auslöst. Sekundär kommt es zur bakteriellen Entzündung der Haarfollikel und einer Talgdrüsen-Hypertrophie.
DiagnostikDie Diagnose wird anhand des klinischen Bildes gestellt. Für die Differenzierung zur Acne ist vor allem das Erkrankungsalter und das Fehlen von Komedonen relevant.
Therapie

Die Therapie richtet sich nach dem Stadium:

I. Meiden von Triggern, topische Anwendung von Metronidazol

II.+ III. systemische Therapie mit Tetracyclin oder Isotretinoin

  • Immer augenärztliche Untersuchung wegen Gefahr der Augenbeteiligung bei Rosazea (Konjuktivitis, Blepharitis)
 Merke

Teleangiektasien sind mit bloßem Auge sichtbare Erweiterungen kleinster, oberflächlicher Blutgefäße von Haut und Schleimhaut!

13. Acne vulgaris

Acne vulgaris
Bild 1: Auf der Wange sowie dem Unterkiefer zeigt sich die Haut uneben bis knotig aufgrund von diversen Pusteln, Papeln und Komedonen mit erythematöser Umgebung und teilweise krustigem Belag. 
Acne vulgaris
Bild 2: Auf der Stirn zeigt sich die Haut uneben bis knotig aufgrund von diversen Pusteln, Papeln und Komedonen mit erythematöser Umgebung.
Diagnose

Acne vulgaris

  • Stadien:
    • Acne comedonica: offene/ geschlossene Komedonen, auf das Gesicht beschränkt
    • Acne papulopustulosa: entzündlich-erythematöse Papeln und Pusteln, Befall von Rücken, Gesicht und Brust
    • Acne conglobata: starke Seborrhoe, entzündliche Knoten und Abszesse mit narbiger Abheilung, Befall von Gesicht, Rücken und Brust, immer schwerer Verlauf
Hautbefund & Symptome

Auf der Wange sowie dem Unterkiefer zeigt sich die Haut uneben bis knotig aufgrund von diversen Pusteln, Papeln und Komedonen mit erythematöser Umgebung und teilweise krustigem Belag. Die Papeln zeigen teilweise konfluierende Tendenzen und die Poren erscheinen vergrößert.

  • Weitere Prädilektionsstellen: Brust und Rücken
  • Je nach Schweregrad können sich Abszesse und Zysten bilden, diese verheilen oft narbig.
  • Stadien und deren Effloreszenzen liegen oft parallel vor.
PathophysiologieDie Genese der Erkrankung ist multifaktoriell: sowohl genetische Prädisposition als auch hormonelle Faktoren (Androgenanstieg mit folgender Seborrhoe und Östrogenabfall bei Frauen) führen zu follikulärer Hyperkeratose und bakterieller Besiedlung.
Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt in der Regel anhand des klinischen Bildes. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass 70-95% aller Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren und vor allem das männliche Geschlecht betroffen sind.

  • Der Hormonhaushalt ist in den meisten Fällen unauffällig, deshalb sollte eine Hormontestung nur bei bestimmten Patient:innengruppen erfolgen.
  • Abstriche zur mikrobiellen Diagnostik sind in der Regel nicht nötig, sollten aber erfolgen, falls sich kein Therapieerfolg oder sogar eine Verschlechterung unter der Therapie einstellt.
  • Um die psychische Belastung der Patient:innen zu evaluiere, ist es sinnvoll zu Beginn der Therapie Fragebögen mit Bezug zur Lebensqualität einzusetzen.
Therapie

Die Therapie richtet sich nach Schwere des Befalls:

  • Täglich gründliche Reinigung mit nonkomedogenen Produkten, Peelings (Glykolsäure oder Salicylsäure), monatlich manuelle Aknetherapie
  • 1. Wahl topische Retinoide, ggf topisches Antibiotikum, Benzylperoxid
  • Systemische Antibiotikatherapie (z.B. Minocylcin, Doxycyclin): bei unzureichendem Ansprechen auf topische Therapie, mittelschwerer Erkrankung und großflächigem Befall
  • Systemische Isotretinoin-Therapie: regelmäßige Kontrolle der Leber- und Nierenwerte, führt zu  Reduktion der Sebumproduktion, Talgdrüsengröße, Komedogenese, sowie Entzündungsreaktion und Bakterienzahl
 Achtung

Im Gegensatz zur Rosazea treten bei der Acne vulgaris Komedonen auf!

 Info

Acne inversa: Bei der Acne inversa bilden sich knotige Entzündungen, Abszesse und Fisteln, die ihr Wachstum nach Innen richten (daher inversa) und sich sekundär infizieren können. Am häufigsten betroffen sind die Achseln, Leisten und Genitalregion. Risikofaktoren sind rauchen, Übergewicht, starkes Schwitzen und mechanische Reizung. Die Erkrankung kann als Ko-Morbidität (z.B. bei Morbus Crohn) auftreten und wird sowohl medikamentös mit Antibiotika und Biologika als auch operativ versorgt.

14. Sinus pilonialis

Sinus pilonidalis
Bild 1: In der Rima ani findet sich eine kleine Öffnung, die einer vergrößerten Pore ähnelt und einen Durchmesser von ca. 3 mm hat
Sinus pilonidalis
Bild 2: Entzündung des subkutanen Fettgewebes durch von außen eingedrungene Haare.
DiagnoseSinus pilonidalis (Haarnestgrübchen, Steißbeinfistel)
Hautbefund & Symptome

In der Rima ani findet sich eine kleine Öffnung, die einer vergrößerten Pore ähnelt und einen Durchmesser von ca. 3 mm hat.

  • Risikofaktoren sind männliches Geschlecht, Übergewicht, starke Körperbehaarung, starkes Schwitzen und Acne inversa
  • Früher trat das Bild öfter bei Männern im Militär auf, da sich bei kurzen Haarschnitten die Haare in der Rima ani verfingen
  • Es müssen keine Symptome auftreten, im Falle einer Entzündung kommt es zu Schmerzen und Eiterentleerung, gelegentlich auch zur Abszessbildung.
PathophysiologieEs handelt sich um eine Entzündung des subkutanen Fettgewebes durch von außen eingedrungenen Haaren, dadurch kann ein Granulom oder Abszess entstehen, der sich sekundär infiziert.
Diagnostik

Die Diagnose wird klinisch gestellt.

Man unterscheidet zwischen drei Formen:

  • Asymptomatische Form
  • Akut abszedierende Form (ggf. begleitet von Fieber)
  • Chronisch-entzündliche Form (rezidivierende serös-eitrige Sekretion)
TherapieDadurch, dass es nicht zur Spontanheilung kommt, ist eine operative Therapie indiziert. Bei Vorliegen einer eitrigen Entzündung in Form eines Abszesses wird dieser vor elektiver Versorgung entlastet und das Abklingen der Entzündungszeichen abgewartet. Operativ entfernt man Fistelgänge und umliegendes Gewebe, zur besseren Darstellung färbt man die Fistelgänge mit Methylenblau ein. Perioperativ findet eine Antibiotikagabe statt. Postoperativ kann ein primärer Wundverschluss mittels Naht oder eine offene, sekundärer Wundheilung erfolgen, wobei das Rezidivrisiko bei sekundärer Wundheilung geringer ist.
 Achtung

Ubi pus, ibi evacua = Wo Eiter ist, dort räume aus!

Einleitung

Autoimmunerkrankungen der Haut zeichnen sich durch fehlgeleitete Immunreaktionen aus, bei denen körpereigene Strukturen wie Haut- und Schleimhautbestandteile angegriffen werden. Diese Erkrankungen sind häufig chronisch und verlaufen schubweise, was sie zu einer besonderen Herausforderung in Diagnostik und Therapie macht. Typische Erscheinungsbilder wie Blasenbildungen, Erytheme oder entzündliche Plaques stellen oft diagnostische Schlüsselmerkmale dar. Die pathophysiologischen Grundlagen basieren meist auf Autoantikörpern gegen spezifische Zielstrukturen, die durch Immunfluoreszenz- und serologische Tests nachgewiesen werden können. Therapeutisch kommen Immunsuppressiva, Glukokortikoide und symptomatische Maßnahmen zum Einsatz. Dieses Kapitel beleuchtet relevante Autoimmunerkrankungen der Haut wie Pemphigus vulgaris, bullöses Pemphigoid und systemischen Lupus erythematodes, deren klinische Präsentation, Pathophysiologie und Therapieoptionen.

1. Hautbefund: Pemphigus vulgaris

Pemphigus vulgaris
Bild 1: Am oberen Rücken und im Brustbereich zeigen sich scharf begrenzte Crustae mit einem Maximaldurchmesser von 3 cm und Erosionen auf erythematösem Grund.
Pemphigus vulgaris
Bild 2: Pemphigus vulgaris an der Mundschleimhaut
DiagnosePemphigus vulgaris
Hauptbefund & Symptome

Am oberen Rücken und im Brustbereich zeigen sich scharf begrenzte Crustae mit einem Maximaldurchmesser von 3 cm und Erosionen auf erythematösem Grund. Vereinzelt zeigen sich hyperpigmentierte Maculae am Rücken, die für abgeheilte Blasen sprechen.

  • Schlaffe Blasen, platzen schnell
  • Schmerzhaft für die Betroffenen, schubweiser Verlauf
  • Zu 70% beginnend an der Mundschleimhaut
PathophysiologieBei dieser Autoimmunerkrankung entstehen IgG-Autoantikörper und C3-Komplement (Protein des humoralen Immunsystems) gegen Desmoglein 1 und 3, dabei handelt es sich um Adhäsionsproteine in der Epidermis und den Schleimhäuten. Durch die Antikörper wird die Adhäsion der Epidermiszellen gestört und es kommt zur intraepidermalen Blasenbildung.
Diagnostik

Die Diagnosestellung erfolgt nach Entnahme einer Biopsie histopathologisch, hierbei wird eine direkte Immunfluoreszenz durchgeführt. In dieser zeigen sich Ablagerungen von IgG und C3-Komplement. Außerdem erfolgt eine Untersuchung auf Desmoglein-Antikörper.

  • In akuten Phasen sind die Nikolski-Phänomene positiv
  • Mithilfe eines ELISA können andere bullöse Dermatosen ausgeschlossen werden
Therapie
  • Systemische Therapie mit hochdosierten Glukokortikoiden in Kombination mit Immunsuppressiva (z.B. Cyclophosphamid), bei Therapieresistenz i.v. Immunglobuline und/oder CD20-Antikörper (Rituximab)
  • Lokaltherapie mit Antiseptika zur Verhinderung von Sekundärinfektionen (analog zur Verbrennungstherapie)
  • Schmerztherapie
 Info

Bei einem ELISA handelt es sich um eine immunologische Untersuchung, mit der Moleküle in Körperflüssigkeiten nachgewiesen werden können.

 Merke
  • Nikolski I: Blasen entstehen durch Schiebedruck auf gesunder Haut
  • Nikolski II: bestehende Blasen lassen sich durch seitlichen Druck verschieben

2. Hautbefund: Bullöses Pemphigoid

Bullöses Pemphigoid
Bild 1: In der Axilla zeigen sich unregelmäßig verteilte, pralle Blasen mit variablem Durchmesser.
Bullöses Pemphigoid
Bild 2: An den Extremitäten zeigen sich unregelmäßig verteilte, pralle Blasen mit variablem Durchmesser.
DiagnoseBullöses Pemphigoid
Hauptbefund & Symptome

In der Axilla zeigen sich unregelmäßig verteilte, pralle Blasen mit variablem Durchmesser, maximal allerdings ca. 1,5 cm.

  • Selten Befall der Mundschleimhaut
  • Oft beginnend mit starkem Juckreiz und ekzemartigen Erythemen
  • Patienten sind in der Regel >60 Jahre alt
Pathophysiologie

Durch IgG-Autoantikörper und C3 Komplement (Teil des humoralen Immunsystems) gegen die Hemidesmosom-Proteine BP 180 und 230 der Basalmembran entstehen subepidermale Blasen.

  • Antikörper-Titer korrelieren nicht mit der Krankheitsaktivität
  • Kann paraneoplastisch auftreten (ca. 30% der Fälle), genauso aber auch durch Medikamente (Furosemid, Spironolacton, monoklonale AK) oder UV-Strahlung ausgelöst werden.
DiagnostikDie Diagnostik der Erkrankung erfolgt mittels Hautbiopsie und histopathologischer Untersuchung in Kombination mit einer indirekten Immunfluoreszenz. Hierbei zeigen sich Ablagerungen von IgG und C3-Komplement entlang der Basalmembran. Außerdem sind IgG-Antikörper gegen BP 180 und 230 nachweisbar.
TherapieSystemische und lokale Glukokortikoid-Therapie, zusätzlich zum Einsatz kommen systemische Immunsuppressiva (MTX, Azathioprin).
 Achtung

Direkte Immunfluoreszenz (DIF):

Die gesuchten Antigene sind gewebsgebunden, also in der Hautprobe enthalten, und werden dort durch zugegebene Antikörper gegen humanes IgG, IgM, IgA, Komplement C3 und Fibrinogen detektiert.

 

Indirekte Immunfluoreszenz (IIF):

Es werden im Serum zirkulierende Autoantikörper gesucht, detektiert werden diese mittels Substraten (wie z.B. Affenösophagus oder humane Haut), die diese Autoantikörper gut binden, im Umkehrschluss das Zielantigen also in hohem Maße exprimieren. Im Verlauf werden die gebundenen Autoantikörper mit einem antihumanen IgG- oder IgA-Antikörper markiert

 Merke

Pemphigus vulgaris

Pemphigus vulgaris betrifft meist jüngere Patient:innen und ist durch schlaffe, intraepidermale Blasen sowie Schleimhautbefall gekennzeichnet. Ursache sind Autoantikörper gegen Desmoglein 1 und 3. Die Erkrankung erfordert oft eine i.v. Therapie und hat eine eher schlechte Prognose.

 

Bullöses Pemphigoid

Das Bullöse Pemphigoid betrifft überwiegend Patient:innen über 60 Jahre und ist durch pralle, subepidermale Blasen ohne Schleimhautbeteiligung gekennzeichnet. Die Autoantikörper richten sich gegen BP180 und BP230. Die Erkrankung spricht gut auf orale Glukokortikoide an und hat insgesamt eine bessere Prognose.

3. Hautbefund: Schmetterlingserythem

Schmetterlingserythem
Hautbefund: Auf den Wangen der Patientin zeigt sich ein symmetrisches Erythem im Sinne eines Schmetterlingserythems. Die Nase sowie die Nasolabialfalte sind ausgespart.
Diagnose

Schmetterlingserythem (bei systemischem Lupus erythematodes, SLE)

Die Erkrankung gehört zu den Kollagenosen und wird in vier Unterformen unterteilt:

  • Akut kutaner LE (ACLE): systemischer Lupus erythematodes (SLE)
  • Subakut kutaner LE (SCLE)
  • Chronisch kutaner LE (CCLE): chronisch-diskoider LE (CDLE)
  • Intermittierend kutaner LE  (ICLE)

Beim systemischen Lupus (SLE) erfolgt die Unterteilung weiter in drei Formen: mild, mittelgradig und schwergradig.

Hauptbefund & Symptome

Auf den Wangen der Patientin zeigt sich ein symmetrisches Erythem im Sinne eines Schmetterlingserythems. Die Nase sowie die Nasolabialfalte sind ausgespart.

  • Zusätzlich bestehen oft disseminierte Exantheme, Teleangiektasien an den Fingern, Hämorrhagien, sowie vernarbende Alopezie und Ödeme, Erosionen der Mundschleimhaut und insgesamt gesteigerte Lichtempfindlichkeit, es kann zu einer Livedo reticularis kommen.
  • Jedes Organsystem kann betroffen sein: Fieber, Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust (95%), Arthritis und muskuloskelettale Beschwerden (85%), Hautmanifestationen (70%), Beteiligung des Gastrointestinal-Trakts (50%), neuro-psychiatrische Komplikationen (50%), Lungenbeteiligung (40%), Nierenbeteiligung (30%), Raynaud-Phänomen (20%), Koronarbeteiligung (20%)
  • Frauen sind häufiger betroffen als Männer (4:1)
  • Typische Trigger sind Licht, Stress, Medikation, Infektionen, Traumata und Hormone
PathophysiologieEs handelt sich um eine rheumatologische Autoimmunerkrankung. T-Lymphozyten versagen in der Kontrolle von B-Lymphozyten, die wiederum proliferieren unkontrolliert und bilden autoreaktiv Antikörper gegen Zellkernbestandteile (ANAs). Die entstandenen zirkulierenden Immunkomplexe lagern sich in der Basalmembran, den Nierenglomeruli und den Gefäßen ab.
Diagnostik

Die Diagnostik des systemischen Lupus erythematodes erfolgt anhand der Zusammenschau unterschiedlicher diagnostischer Verfahren:

  • Zusätzlich zur Anamneseerhebung inklusive Familienanamnese und körperlicher Untersuchung erfolgt eine rheumatologische Antikörper-Untersuchung. Diese zeigt sich positiv auf zirkulierende ANAs, deren Spezifität allerdings gering ist. Die Spezifizierung der ANAs zeigt Antikörper gegen Doppelstrang-DNA (Anti-dsDNA-AK) und Anti-SM-Antikörper (Anti-SM-AK). Anti-dSDNA-AK sind weitaus spezifischer und zeigen eine Korrelation mit der Krankheitsaktivität. Anti-SM-AK treten nur bei ca. 30% der Patient:innen auf, sind aber hochspezifisch und haben vor allem hinsichtlich der Nieren- und ZNS-Beteiligung prognostische Relevanz.
  • In der direkten Immunfluoreszenz einer Hautbiopsie lässt sich das krankheitstypische Lupusband sowohl in gesunder als auch in betroffener Haut feststellen, dieses besteht aus IgG- Antikörpern und C3-Komplement.
  • Die Wahrscheinlichkeit der Diagnose kann anhand von zwei klinischen Kriterienkatalogen bestimmt werden (ACR-EULAR-Kriterien und SLICC-Kriterien), die allerdings nur angewandt werden können, wenn der ANA-Wert >1:80 ist.
  • Durchführung einer laborchemischen Untersuchung mit Bestimmung von Nieren- und Leberwerten, Blutsenkungsgeschwindigkeit, Differenzialblutbild (oft besteht eine hämolytische Anämie) und zusätzlicher Urinanalyse
Therapie

Es gibt bisher keine kausale Therapie, daher erfolgt die Standardtherapie bei allen Patient:innen symptomatisch mittels der systemischen Gabe von Hydroxychloroquin, einem Malariamittel. In akuten Phasen und bei schwerer Erkrankung sind zusätzlich Therapien mit Glukokortikoid-Stößen und Immunsupressiva (Azathioprin, Cyclophosphoamid oder off-label: Rituximab, MTX, Mycophenolatmofetil) indiziert. Zusätzlich werden bei milden Beschwerden NSAR verabreicht.

  • Bei unzureichendem Therapieerfolg unter Immunsuppressiva und Glukokortikoiden kann eine Add-on-Therapie mit Belimumab erfolgen.
  • Eine Dauertherapie mit Glukokortikoiden sollte unterhalb der Cushing-Schwelle (<7,5 mg Prednisolonäquivalent pro Tag) bleiben und wenn möglich ganz ausgeschlichen werden.
  • Im Alltag der Patient:innen spielt Sonnenschutz eine große Rolle, zum Ausgleich von Mangelzuständen substituieren die Patient:innen Vitamin D
  • Aktualisierung des Impfstatus bei Immunsuppression
  • Bewertung des Therapieerfolgs anhand der klinischen Situation
 Achtung

Schmetterlingserytheme sind zwar ein charakteristisches Symptom des systemischen Lupus erythemathodes, treten aber nur in 50 % der Fälle auf und können auch bei perioraler Dermatitis, Dermatomyositis, Ringelröteln, allergischem Kontaktekzem und Rosazea vorliegen!

 Achtung

ANAs sind der Oberbegriff für Autoantikörper gegen Zellkernbestandteile und lassen sich weiter unterteilen. Alleinstehend sind sie unspezifisch. Per definitionem sind Kollagenosen systemische Autoimmunerkrankungen mit positiven ANAs.

 Info

Hydroxychloroquin bewirkt in dendritischen Zellen die Blockade von Rezeptoren, die normalerweise für die Bildung von Interferonen, die Ausbildung weiterer dendritischer Zellen und für die Präsentation von Antigenen durch T-Zellen verantwortlich sind. Durch diese Blockade werden Entzündungsprozesse minimiert.

 Merke
Diagnostische Kriterien: 
  • S Serositis (Pleuritis, Perikarditis)
  • O orale Ulzera
  • A Arthritis
  • P Photosensitivität

     

  • B Blutbildveränderungen (Panzytopenie)
  • R renale Beteiligung
  • A ANAs positiv
  • I Immunologie (Anti-dsDNA, Anti-SM)
  • N neurologische Auffälligkeiten

     

  • M Malar (Wangentaschen)
  • D diskoide Hautveränderungen
 Info

Belimumab ist ein monoklonaler Antikörper gegen den B-Lymphozytenstimulator BLys, welcher dafür sorgt, dass B-Lymphozyten zu antikörperproduzierenden B-Plasmazellen heranreifen und hemmt gleichzeitig die B-Zell-Apoptose.

Pathophysiologischer Hintergrund: Bei SLE-Patienten konnten erhöhte BLyS-Serumspiegel nachgewiesen und eine Korrelation dieser Spiegel mit Immunglobulinspiegeln, Anti-dsDNA-Antikörper-Titern und mit der Krankheitsaktivität beschrieben werden.

  • Indikation besteht vor allem bei unter individuell angepasster Standardtherapie weiterhin bestehendem klinisch und serologisch aktivem SLE.
  • Die Anwendung sollte erwägt werden, wenn dauerhaft eine Glukokortikoiddosis oberhalb der Cushingschwelle verabreicht wird, da Belimumab Glukokortikoid-sparend wirkt.
  • In Studien ließ sich eine Verbesserung mehrerer Organsysteme feststellen.
  • Die Gabe erfolgt intravenös in einem Intervall von 2 bis 4 Wochen.
  • Kontraindikationen sind Nieren- und ZNS-Beteiligung.
  • Keine Lebendimpfungen unter Immunsuppression
  • Ein Ansprechen auf die Therapie ist in der Regel nach 8 Wochen zu bemerken, falls nach 24 Wochen keine Wirkung nachweisbar ist, sollte ein Therapieabbruch erwägt werden
  • Sichere Verhütung während und mindestens 4 Monate nach der Therapie
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Augenprobleme und kardiale Beschwerden

Einleitung

Pilzinfektionen der Haut sind häufige dermatologische Erkrankungen, die durch unterschiedliche Pilzarten verursacht werden und je nach Erreger und Lokalisation vielfältige klinische Erscheinungsbilder zeigen. Sie reichen von oberflächlichen Infektionen, die nur die Epidermis betreffen, bis hin zu tiefen Entzündungen, die Haarfollikel oder Nägel einbeziehen. Die Erreger sind meist Dermatophyten, Hefepilze oder Schimmelpilze, wobei Umwelt- und Wirtsfaktoren wie Feuchtigkeit, Immunsuppression oder lokale Hautschäden eine entscheidende Rolle spielen.

Die Diagnostik umfasst eine gründliche Anamnese, klinische Inspektion und mikrobiologische Untersuchungen wie Nativpräparate, Pilzkulturen oder spezifische Färbemethoden. Therapeutisch kommen lokale und systemische Antimykotika zum Einsatz, deren Auswahl sich nach Erreger und Schweregrad der Erkrankung richtet. Präventive Maßnahmen, wie die Vermeidung von Risikofaktoren, spielen eine wesentliche Rolle in der Langzeitkontrolle.

Dieses Kapitel gibt einen detaillierten Überblick über typische Pilzinfektionen wie Tinea corporis, Tinea capitis, Onychomykose, Pityriasis versicolor und das seborrhoische Ekzem. Besondere Schwerpunkte liegen auf der Pathophysiologie, den spezifischen diagnostischen Verfahren und den evidenzbasierten Behandlungsansätzen.

1. Hautbefund: Tinea corporis superficialis

Tinea corporis superficialis
Bild 1: Am gesamten Rumpf befinden sich 16 kreisrunde Maculae, die teilweise konfluieren und einen Maximaldurchmesser von ca. 12 cm haben. 
Tinea corporalis superficialis
Bild 2: Die Maculae sind scharf begrenzt und zeigen eine randständige Rötung sowie kleieartige Schuppung bei zentraler Abblassung.
DiagnoseTinea corporis superficialis
Hauptbefund & SymptomeAm gesamten Rumpf befinden sich 16 kreisrunde Maculae, die teilweise konfluieren und einen Maximaldurchmesser von ca. 12 cm haben. Die Maculae sind scharf begrenzt und zeigen eine randständige Rötung sowie kleieartige Schuppung bei zentraler Abblassung.
PathophysiologieAusgelöst durch Dermatophyten (in 60-80% der Fälle Trichophyton spezies) sind ausschließlich Haut, Haare und Nägel befallen. Die Übertragung erfolgt über Tier-, Mensch- oder Erdbodenkontakt. Dermatophyten lösen variabel aggressive Entzündungen im Stratum corneum der Epidermis aus, die sich zentrifugal ausbreiten. Bei der Tinea superficialis ist nur die Epidermis betroffen, sie kann den ganzen Körper befallen.
DiagnostikZur Diagnostik ist vor allem die klinische Inspektion sowie die Anamnese wichtig, hierbei sollte auch nach Haustieren gefragt werden, da diese oft Überträger sind. Die Bestätigung der Verdachtsdiagnose erfolgt durch die Mikrobiologie, hierzu erfolgt die Mikroskopie eines Nativpräparates und das folgende Anlegen einer Pilzkultur zur Erregerdifferenzierung nach Bebrütung von 4 bis 6 Wochen. Fakultativ kann zur Unterstützung der klinischen Untersuchung das Wood-Licht angewandt werden.
Therapie
  • Lokaltherapie mit antimykotischen Cremes oder Lösungen (z.B. Ciclopiroxamin)
  • Bei starkem Befall ist eine systemische Therapie mit oralen Antimykotika nötig (z.B. Terbinafin).
  • Insgesamt dauert die Therapie ca. 2-3 Wochen, kann sich aber auch länger ziehen.
  • Für Kinder ist systemisch nur Griseofluvin zugelassen!
 Info

Die Einteilung der humanpathogenen Pilze erfolgt nach dem DHS-System in  drei Gruppen:

D- Dermatophyten: Fadenpilze, die Infektionen an Haut, Haaren und Nägel hervorrufen, vor allem wichtig sind Trichophyton-Arten

H- Hefepilze: Wichtige Vertreter sind die Candidosen, viele Hefepilze sind Teil der natürlichen Darmflora

S- Schimmel: Fadenpilze, in erster Linie Aspergillus-Arten

 Achtung

Es handelt sich um einen Kunstfehler die Diagnose einer Tinea ohne vorherige Kultur zu stellen!

2. Hautbefund: Tinea capitis profunda

Tinea capitis profunda
Bild 1: An der Schläfe im Bereich der behaarten Kopfhaut befindet sich eine ca. 5 cm messende kreisrunde erythematöse Macula mit scharfer Begrenzung
Tinea capitis profunda
Bild 2: Tinea capitis profunda verheilt mit vernarbender Alopezie und betrifft vor allem den behaarten Kopf- und Bartbereich.
Diagnose

Tinea capitis profunda

  • Meistens bei Kindern, die Haustieranamnese ist wichtig
  • Diagnostik mittels Kultur
  • Tinea capitis profunda verheilt mit vernarbender Alopezie und betrifft vor allem den behaarten Kopf- und Bartbereich
Hauptbefund & Symptome

An der Schläfe im Bereich der behaarten Kopfhaut befindet sich eine ca. 5 cm messende kreisrunde erythematöse Macula mit scharfer Begrenzung. Im Areal der Hautveränderung befinden sich nur noch vereinzelt abgebrochene Haare, teilweise zeigen sich Krusten und Schuppen.

  • Regionäre Lymphknotenschwellung, Fieber und Schwäche bei Tinea capitis profunda
  • Tinea capitis superficialis zeichnet sich durch münzgroße Herde mit feinlamellärer Schuppung aus
PathophysiologieInsbesondere die Haarfollikel werden durch Dermatophyten angegriffen, bei der oberflächlichen Form (superficialis) ist nur das Infundibulum des Follikels betroffen, bei der tiefen Form (profunda) ist das gesamte Haar betroffen und es zeigt sich eine starke Entzündungsreaktion.
DiagnostikZur Diagnostik ist vor allem die klinische Inspektion sowie die Anamnese wichtig, hierbei sollte auch nach Haustieren gefragt werden, da diese oft Überträger sind. Die Bestätigung der Verdachtsdiagnose erfolgt durch ein Kaliumhydroxid-Nativpräparat ausgerissener oder ausgekämmter Haare. Zur Differenzierung der Erreger kann das Wood-Licht genutzt werden. In selteneren Fällen ist es nötig, eine zusätzliche Kultur anzulegen.
Therapie
  • Bei einer Tinea capitis ist in der Regel eine systemische Therapie mit oralen Antimykotika notwendig (z.B. Terbinafin, Fluconazol, Griseofulvin), eine Lokaltherapie mit antimykotischen Shampoos kann unterstützend erfolgen, die alleinige Lokaltherapie ist oft erfolglos.
  • Bei einer Tinea profunda erfolgt immer eine systemische antimykotische Therapie
 Info

In der Mikroskopie des Kaliumhydroxid-Nativpräparat können die Hyphen der Pilze nachgewiesen werden.

 Tipp

Die abgebrochenen Haare bei einer Tinea superficialis lassen sich am besten mit dem Phänomen der „gemähten Wiese beschreiben!

3. Befund: Tinea unguium (Onychomykose)

Tinea unguium (Onychomykose)
Bild 1: Die Nägel beider Großzehen zeigen sich gelblich-weiß verfärbt und glanzlos. Die Oberfläche der Nägel zeigt sich uneben und an der Schnittkante bröckelig zerfallend.
Tinea unguium (Onychomykose)
Bild 2: Die Oberfläche der Nägel zeigt sich uneben und an der Schnittkante bröckelig zerfallend. 
DiagnoseTinea unguium (Onychomykose)
Hauptbefund & SymptomeDie Nägel beider Großzehen zeigen sich gelblich-weiß verfärbt und glanzlos. Die Oberfläche der Nägel zeigt sich uneben und an der Schnittkante bröckelig zerfallend.
PathophysiologieMeist ausgelöst wird Nagelpilz durch Dermatophyten in Kombination mit unterschiedlichen Risikofaktoren wie Durchblutungsstörungen, peripheren Neuropathien, zu engem Schuhwerk und Fuß-/Zehfehlstellungen. Es handelt sich um eine chronisch-progrediente Infektion.
DiagnostikZusätzlich zum klinischen Erscheinungsbild wird die Diagnose durch mikrobiologische Untersuchungen bestätigt. In der Mikroskopie einer Nagelprobe in Form eines Karliumhydroxid- Nativpräparates sind Pilzhyphen sichtbar, im Anschluss angelegte Pilzkulturen zur Erregerdiagnostik benötigen eine Bebrütung von ca. 4-6 Wochen. Der empfindlichste Test zur Bestätigung ist die PAS-Reaktion, die an abgeschnittenen Nägeln durchgeführt wird.
Therapie

Es besteht immer die Indikation für eine antimykotische Therapie, da eine Onychomykose ein Risikofaktor für die Entstehung eines Erysipels ist.

  • Zusätzlich erfolgt eine Lokaltherapie mit Ciclopirox-Nagellack zur Minimierung der Kontagiösität
 Achtung

Erkrankungen der Nägel und des Nagelbettes sind sehr komplex, schwer zu behandeln und zeigen sich oft auf unterschiedliche Weise!

 Info

Für die PAS-Reaktion (PAS = periodic acid-Schiff reaction) wird Periodsäure genutzt, durch die Reaktion färben sich neutrale Mucopolysaccharide pink (magenta-rot bis rosa), demnach sind Pilze PAS-positiv.

4. Hautbefund: Seborrhoisches Ekzem

Seborrhoisches Ekzem
Bild 1: Im gesamten Bartareal befinden sich unscharf begrenzte bräunlich-erythematöse Plaques mit teils fettig-gelblicher Schuppung.
Seborrhoisches Ekzem
Bild 2: Das Erythem und die Schuppung sind in der Regel auf die behaarten Gesichtsareale begrenzt.
Diagnose

Seborrhoisches Ekzem

  • Das Erythem und die Schuppung sind in der Regel auf die behaarten Gesichtsareale begrenzt
Hauptbefund & Symptome

Im gesamten Bartareal befinden sich unscharf begrenzte bräunlich-erythematöse Plaques mit teils fettig-gelblicher Schuppung.

  • Prädilektionsstellen: Gesicht (Nasolabialfalten), Haargrenze, Brust und die Schweißrinne am Rücken
PathophysiologieDas seborrhoische Ekzem ist multifaktoriell bedingt, die Kombination aus angeborener Veranlagung zur Hyperfunktion der Talgdrüsen (Seborrhö) und zusätzlicher Besiedlung mit dem Hefepilz Pityrosporum ovale wirkt krankheitserregend. Außerdem spielen Klimafaktoren und endogene Faktoren wie z.B. Stress eine Rolle in der Intensität der Ausprägung.
DiagnostikDie Diagnose wird meistens anhand des klinischen Bildes gestellt, die Betroffenen weisen an den bekannten, oft erythematösen Prädilektionsstellen gelblich-fettige Schuppen auf. Im Vergleich zu möglichen Differenzialdiagnosen (z.B. Tinea barbae, periorale Dermatitis, Pityriasis rosea oder Impetigo contagiosa) fehlt der Juckreiz.
TherapieIn der Therapie kommen Antimykotika mit Azolderivaten (z.B. Ketokonazol) und leichte, lokale Glukokortikoide zum Einsatz.

5. Hautbefund: Pityriasis versicolor rubra/alba

Pityriasis versicolor rubra
Bild 1: Am Rücken des Patienten befinden sich viele konfluierende erythematöse Maculae von variablem Durchmesser, die großflächig ausgebreitet und scharf begrenzt sind.
Pityriasis versicolor alba
Bild 2: Es zeigen sich konfluierende erythematöse Maculae von variablem Durchmesser, die großflächig ausgebreitet und scharf begrenzt sind. Im Sommer weiß durch Farbwechsel nach UV-Exposition.
Diagnose

Pityriasis versicolor rubra/alba

  • Vor allem junge Männer betroffen
Hauptbefund & Symptome

Am Rücken des Patienten befinden sich viele konfluierende erythematöse Maculae von variablem Durchmesser, die großflächig ausgebreitet und scharf begrenzt sind.

Rubra: im Winter braun

Alba: im Sommer weiß durch Farbwechsel nach UV-Exposition

  • Wenig bis kein Juckreiz
  • Oft wiederkehrende Infektion
  • Prädilektionsstellen: oberer Rücken, Schulterbereich
PathophysiologieAusgelöst wird die Infektion durch Malassezia furfur, einem Hefepilz der normalen Hautflora. Risikofaktoren für die Erkrankung sind feuchtwarmes Klima, Neigung der Patient:innen zu vermehrtem Schwitzen und die Veranlagung zur atopischen Diathese (=atopischer Marsch).
Diagnostik

Zusätzlich zum klinischen Befund ergänzt die Untersuchung mit dem Mikroskop die Diagnostik: Ein auf die Haut geklebter Tesafilm-Streifen dient als Probe, dieser wird zur besseren Darstellung mit Methylenblau angefärbt. Die Pilzzellen stellen sich unter dem Mikroskop in Form eines „Spaghetti and Meatball“-Aspekt dar.

  • Bei der Inspektion auf das Hobelspanphänomen achten: es zeigt sich eine feine, weißliche Schuppung
Therapie

Zur Behandlung werden lokale Antimykotika in Form von z.B. Ketokonazol-Shampoos über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen angewandt.

  • Die Anwendung von Selensulfid-Shampoo erfolgt täglich über einen Zeitraum von einem Monat oder einer wöchentlichen 24h Anwendung innerhalb eines Monats.
 Merke

Malassezia furfur als Auslöser der Pityriasis rubra/ alba  führt zu „Spaghetti and Meatballs“ unter dem Mikroskop!

Einleitung

Virale Infektionen der Haut sind häufige Krankheitsbilder mit vielfältigen Erscheinungsformen. Sie reichen von akuten, selbstlimitierenden Exanthemen bis zu chronischen und rezidivierenden Manifestationen, die durch verschiedene Virusarten ausgelöst werden. Die Übertragung erfolgt meist über direkten Kontakt, Tröpfchen- oder Schmierinfektion, wobei Faktoren wie Immunsuppression oder Hautverletzungen die Infektanfälligkeit erhöhen.

Klinisch zeigt sich ein breites Spektrum, von typischen Effloreszenzen wie Bläschen, Papeln oder Warzen bis hin zu komplexen kutanen und systemischen Erkrankungen. Die Diagnosestellung basiert häufig auf dem charakteristischen klinischen Bild, unterstützt durch molekulare Nachweisverfahren wie PCR oder serologische Tests. Prävention und Therapie richten sich nach dem Erreger und reichen von Impfungen über symptomatische Maßnahmen bis hin zu antiviralen oder chirurgischen Eingriffen.

Dieses Kapitel gibt einen Überblick über relevante virale Infektionen wie Varizellen, Herpes zoster, Herpes labialis, Erythema exsudativum multiforme und Pityriasis rosea. Besondere Schwerpunkte liegen auf Pathophysiologie, Diagnostik und evidenzbasierten Therapieansätzen, ergänzt durch differenzialdiagnostische Hinweise und präventive Maßnahmen.

1. Hautbefund: Varizelleninfektion (Windpocken)

Varizelleninfektion (Windpocken)
Hautbefund: Am gesamten Integument zeigen sich unregelmäßig verteilte erythematöse Maculae, Papeln, Bläschen, Pusteln und Krusten mit scharfer Begrenzung im Sinne der „Heubner‘schen Sternenkarte“. 
Diagnose

Varizelleninfektion (Windpocken)

  • Meist sind Kinder betroffen
  • Nahezu 100% der weltweiten Bevölkerung durchseucht
Hauptbefund & Symptome

Am gesamten Integument zeigen sich unregelmäßig verteilte erythematöse Maculae, Papeln, Bläschen, Pusteln und Krusten mit scharfer Begrenzung im Sinne der „Heubner‘schen Sternenkarte“. 

  • Prodromi mit Kopf- und Gliederschmerzen 1-2 Tage vor eigentlichem Krankheitsbeginn
  • Beginnend am Rumpf; Hand- und Fußsohlen bleiben in der Regel ausgespart
  • Viele Effloreszenzen gleichzeitig
  • Juckreiz
PathophysiologieDurch das sehr ansteckende Varizella Zoster-Virus (VZV) ausgelöste Primärinfektion, die Übertragung erfolgt meist durch Kontakt mit infektiösem Sekret durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion. Die Inkubationszeit beträgt 8-21 Tage.
DiagnostikDie Diagnosestellung ergibt sich zusätzlich zu dem klassischen klinischen Bild des Exanthems aus Anamnese und Virusnachweis aus serösem Inhalt der Bläschen, anhand derer eine PCR zum direkten Virusnachweis erfolgt. Der Virusnachweis ist nicht immer zwingend erforderlich, dient aber zur Bestätigung im Falle einer unklaren Diagnose. Ebenfalls ist es möglich, einen indirekten Virusnachweis mithilfe eines ELISA durchzuführen.
Therapie

In der Regel ist der Krankheitsverlauf mild, den besten Schutz bietet eine rechtzeitige Immunisierung durch Impfung, diese kann aktiv (Alter 11-15 Monate) oder als Totimpfstoff (in höherem Alter zur Vermeidung eines Herpes Zoster) verabreicht werden.

  • Zur symptomatischen Therapie tragen Fieber-senkende Medikamente und Juckreiz-lindernde Lotionen bei.
 Info

Die Heubner‘sche Sternkarte beschreibt bei Varizellen-Infektionen das Vorkommen vieler Effloreszenzen gleichzeitig!

 Merke

Primärinfektion Varizellen:

Replikation im oberen Respirationstrakt → Transport in die Blutbahn über Lymphozyten → Dissemination in innere Organe und Haut à über sensible Hautnerven in regionäre Spinalganglien und dort Persistenz

Exkurs: Exantheme viraler Infektionen bei Kindern

Exantheme viraler Infektionen bei Kindern
Masern
  • Erreger: Morbillivirus (RNA-Virus), sehr kontagiös (Ansteckung vor allem im Prodromalstadium)
  • Übertragung durch Tröpfcheninfektion, Inkubationszeit 8-12 Tage
  • Im Prodromalstadium sind die Symptome Fieber, Lichtscheu, Rhinitis, Konjunktivitis, Bronchitis und Koplik-Flecken (Enanthem der Mundschleimhaut) klassisch
  • Das Exanthemstadium beginnt hinter den Ohren, breitet sich kraniokaudal aus und ist von Fieber begleitet. Es zeigt sich unregelmäßig begrenzt und konfluierend.
  • Die Therapie erfolgt symptomatisch mit Antipyretika und Volumensubstitution, präventiv sollten zwei Grundimmunisierungen erfolgen (10-12. und 15-23. Lebensmonat).
  • Komplikationen: Pneumonie, Enzephalitis, subakute sklerosierende Panenzephalitis
Koplik-Flecken bei Maserninfektion
Bild: Koplik-Flecken der Mundschleimhaut
Scharlach
  • Erreger: Streptokokken
  • Übertragung durch Tröpfchen- oder Kontaktinfektion, Inkubationszeit 1-3 Tage
  • Im Prodromalstadium leiden die Kinder an Tonsillopharyngitis mit Halsschmerzen und Schluckbeschwerden sowie Fieber, außerdem zeigt sich ein Enanthem dunkelroter Färbung mit weiß belegter Zunge bei gleichzeitig blassem Munddreieck.
  • Das Exanthem ist sandpapierartig, zieht sich ausgehend von den Achseln und Leisten über den gesamten Körper und ist mit Juckreiz verbunden.
  • Im weiteren Verlauf entwickelt sich aus dem weißen Belag der Zunge eine gerötete „Himbeerzunge“ und die Haut beginnt sich zu schuppen.
  • Komplikationen: toxischer Scharlach mit schwerem Verlauf in Form von Fieberkrämpfen und Hautblutungen, septischer Scharlach, rheumatisches Fieber, Poststreptokokkenglomerulonephritis
Röteln
  • Erreger: Rötelnvirus (RNA-Virus)
  • Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektionen mit einer Infektionsrate von 20-70%, die Inkubationszeit beträgt 14-16 Tage, nach durchgemachter Infektion besteht lebenslange Immunität
  • Prodromalstadium: Fieber und leichte Erkältungssymptome
  • Exanthemstadium: beginnend hinter den Ohren und im Gesicht breitet sich das Exanthem kraniokaudal aus, es zeigt sich hellrot, mit unter 5 mm durchmessenden Maculae, die nicht konfluieren, aber leicht erhaben sind
  • Retroaurikuläre Lymphknotenschwellung
  • Präventive Grundimmunisierung
  • Komplikationen: Arthralgien, Arthritis, postinfektiöse thrombozytopenische Purpura

Ringelröteln

(Erythema infectiosum)

  • Erreger: Parvovirus B19
  • Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion, nach einer Inkubationszeit von 6 bis 14 Tagen beginnt die Infektion, allerdings tritt nur bei 20% der Infizierten ein Exanthem auf
  • Die Patient:innen haben kein Krankheitsgefühl, das Exanthem mit Schmetterlingsform beginnt im Gesicht („slapped cheeks“) mit Aussparung des Munddreiecks, die weitere Ausbreitung erfolgt auf die Streckseiten der Extremitäten und das Gesäß
  • Das Exanthem blasst zentral ab und schreitet am Rande weiter fort, wodurch die klassische Girlandenform entsteht
  • Es ist keine Therapie notwendig
Dreitagefieber (Exanthema subitum)
  • Erreger: HHV-6/7 (DNA-Herpesviren)
  • Inkubationszeit von 3 bis 7 Tagen, nach durchgemachter Infektion besteht lebenslange Immunität
  • Die Infektion beginnt mit plötzlichem Fieberanstieg über 3 bis 4 Tage, begleitet von Erbrechen, Durchfall und Fieberkrämpfen
  • Nachdem das Fieber sinkt, zeigt sich ein blassrotes, klein- bis mittelfleckiges Exanthem am Stamm

Varizellen

(Windpocken)

  • Erreger: Varizella-Zoster-Virus (VZV), Erstinfektion
  • Ansteckung erfolgt über Effloreszenzen und deren Sekret, die Inkubationszeit beträgt 10-21 Tage
  • Nach einmaliger Infektion besteht lebenslange Immunität; durch Persistenz der Viren in den sensorischen Spinalganglien kann durch bspw. Stress oder Immuninsuffizienz eine Reinfektion als Herpes Zoster verursacht werden.
  • Am Stamm, behaartem Kopf und Gesicht zeigt sich ein polymorphes Exanthem (Heubner‘sche Sternkarte) mit Bläschen in verschiedenen Stadien; die Extremitäten sind weniger befallen
  • Teilweise ebenfalls Befall der Mund- und Genitalschleimhaut
  • Starker Juckreiz
  • Therapie erfolgt in der Regel symptomatisch mit Antipruriginosa (Juckreiz-reduzierende Mittel) und ggf. antiviral mit Aciclovir
  • Präventiv kann eine Grundimmunisierung in den ersten zwei Lebensjahren erfolgen.
  • Komplikationen: bakterielle Superinfektion, Pneumonie, Zerebellitis

2. Hautbefund: Herpes Zoster (Gürtelrose)

Herpes Zoster (Gürtelrose)
Bild 1: Es zeigt sich ein diffuses, flächiges Erythem mit unscharfer Begrenzung sowie vereinzelt Papeln und Vesikel.
Herpes Zoster (Gürtelrose)
Bild 2: Die rechte Schläfe zeigt ein diffuses, flächiges Erythem mit unscharfer Begrenzung sowie vereinzelt Papeln und Vesikeln. Das rechte Auge zeigt sich bei mäßiger Schwellung stark gerötet und tränend.
Diagnose

Herpes Zoster (Gürtelrose)

  • Komplikationen: Post-Zoster Neuralgie, Sehverlust, Hörverlust
Hauptbefund & Symptome

Die rechte Schläfe zeigt ein diffuses, flächiges Erythem mit unscharfer Begrenzung sowie vereinzelt Papeln und Vesikeln. Das rechte Auge zeigt sich bei mäßiger Schwellung stark gerötet und tränend.

  • Starke Schmerzen, reduzierter Allgemeinzustand und Fieber
  • Augenbefall (Zoster ophtalmicus), Ohrenbefall (Zoster oticus)
PathophysiologieEs handelt sich um eine Dermatom-bezogene Reaktivierung (= entlang eines peripheren Nervens) einer Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus (VZV), die eine Primärinfektion voraussetzt und bei Immunschwäche, schwerer Grundkrankheit oder in höherem Alter auftritt.
DiagnostikDer Goldstandard der Diagnostik ist der molekulare Nachweis der VZV-DNA durch eine Realtime-PCR. Die Diagnose erfolgt außerdem oft aufgrund des klinischen Bildes, im Prodromalstadium wird die Erkrankung aufgrund der unspezifischen Schmerzsymptomatik oft fehldiagnostiziert.
Therapie

Die Therapie erfolgt entweder oral oder in schweren Fällen systemisch mit Virostatika (z.B. Aciclovir oder Valacivlovir), zusätzlich ist eine Schmerztherapie nötig. Zur Austrocknung der Blasen werden lokal synthetische Gerbstoffe angewandt.

  • Wenn möglich Isolation zur Vermeidung einer Ausbreitung
  • Die wirksamste Prävention stellt die Impfung dar, die aktiv (Alter 11-15 Monate) oder als Totimpfstoff (in höherem Alter zur Vermeidung eines Herpes Zoster) verabreicht werden kann.
 Achtung

Die Post-Zoster-Neuralgie ist definiert als dumpfer Dauerschmerz, der über drei Monate nach Abheilung der Hautläsionen anhält. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens steigt mit dem Patientenalter und ist abhängig von der Lokalisation der Infektion.

Zur Prävention ist eine rechtzeitige antivirale Therapie sowie eine Schmerztherapie nach WHO-Stufenschema indiziert.

Zur Stufentherapie der Post-Zoster-Neuralgie gehören Antidepressiva, Antikonvulsiva (v.a. Pregabalin), Schmerztherapie und in schweren Fällen auch die TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation).

 Merke
  • Zoster ophtalmicus: Hutchinson-Zeichen = herpetiforme Läsionen auf der Nasenspitze
  • Zoster oticus: Ramsay-Hunt-Syndrom = Ohrenschmerzen, ipsilaterale Fazialisparese, Bläschen im äußeren Gehörgang

3. Hautbefund: Herpes labialis

Herpes labialis
Hautbefund: An der Unterlippe zeigt sich eine solitäre, kreisrunde Blase von etwas unter einem Zentimeter Durchmesser. Die unmittelbare Umgebung zeigt sich gerötet.
Diagnose

Herpes labialis

  • Durchseuchung von 90%  der Erwachsenen in Deutschland
Hauptbefund & Symptome

An der Unterlippe zeigt sich eine solitäre, kreisrunde Blase von etwas unter einem Zentimeter Durchmesser. Die unmittelbare Umgebung zeigt sich gerötet.

  • Patient:innen klagen oft über Brennen und Schmerzen
  • Befall der Mundschleimhaut möglich
PathophysiologieDie Infektion wird in der Regel durch Herpes simplex Typ 1 verursacht, die Übertragung erfolgt über den ansteckenden Blaseninhalt. In der Bevölkerung herrscht eine oft asymptomatische Durchseuchung von nahezu 100%. Die Viren ruhen in den Spinalganglien und werden bei temporärer Immuninsuffizienz (ausgelöst durch z.B. Stress oder Krankheit) reaktiviert.
DiagnostikDie Diagnose kann in den meisten Fällen aufgrund des klinischen Befundes gestellt werden, in der Anamnese sollten auslösende Faktoren wie Erkältung, weitere Krankheiten oder Stressbelastung erfragt werden. Der Nachweis der Virus-DNA erfolgt durch eine Realtime-PCR, ebenfalls kann durch die direkte Immunfluoreszenz ein direkter Antigennachweis erfolgen.
Therapie

In der Regel ist keine Therapie notwendig und es kommt zu einer Spontanremission, allerdings dienen Cremes oder Gele mit antiviralen Wirkstoffen wie Acivlovir zur Lokaltherapie.

  • Der Beginn der Lokaltherapie erfolgt bereits im Prodromalstadium.
  • Bei häufigen Rezidiven oder starken Beschwerden ist eine systemisch-virostatische Therapie mit z.B. Valacivlovir über 5-10 Tage indiziert.
 Info

Bei der Stomatitis aphthosa (Gingivostomatitis herpetica) handelt es sich um eine starke Ausprägung einer Primärinfektion mit Herpes simplex Typ 1. Hierbei sind vor allem die Mund- und Gingivaschleimhaut sowie die periorale Umgebung von Bläschen und Erosionen befallen. Die Patient:innen leiden unter starken Schmerzen, reduziertem Allgemeinzustand mit Fieber sowie Lymphknotenschwellungen. Aufgrund der Hautveränderungen kann die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme eingeschränkt sein. In der Regel heilt die Erkrankung ohne Therapie folgenlos aus, Mundspülungen mit Lokalanästhetika und Antiseptika wirken schmerzlindernd, in schweren Fällen kommen auch hier Virostatika zum Einsatz.

 Achtung

In 10-20 % der Fälle wird die Infektion an der Lippe auch über Herpes simplex Typ 2 ausgelöst, der normalerweise Genitalherpes verursacht!

4. Hautbefund: Erythema exsudativum multiforme (EEM)

Erythema exsudativum multiforme
Hautbefund: Am gesamten Oberkörper befinden sich teilweise konfluierende kokardenförmige, leicht livide Maculae mit erythematösem Randsaum.
DiagnoseErythema exsudativum multiforme (EEM)
Hauptbefund & Symptome

Am rechten Arm sowie am gesamten Oberkörper befinden sich teilweise konfluierende kokardenförmige, leicht livide Maculae mit erythematösem Randsaum.

  • Prädilektionsstellen: distale Extremitäten unter Einbezug von Händen, Fußsohlen und Gesicht; kann auch auf den Stamm übergreifen
  • Auch Schleimhautbefall möglich
  • Oft rezidivierend
PathophysiologieMan unterscheidet eine Minor-Variante, die in der Regel viral (v.a. Herpes simplex) bedingt ist und auf dem Boden einer T-Zell-vermittelten zellzerstörenden Reaktion auf HSV-DNA-Fragmente entsteht, von einer Major-Variante durch Arzneimittel, bei der es eine massive Schleimhautbeteiligung gibt.
DiagnostikDer klinische Befund führt zur Diagnose. In der Anamnese können die Frage nach Medikamenten sowie der Titernachweis von HSV oder Mykoplasmen hilfreich sein.
TherapieEs kommt oft zur Spontanremission, ansonsten unterstützt eine intensive Lokalbehandlung mit lokalem Glukokortikoiden die Genesung. Zur Prävention von Sekundärinfektionen werden Desinfektion sowie feuchte Umschläge genutzt. Wenn nötig, kann eine antivirale Prophylaxe erfolgen.

5. Hautbefund: Pityriasis rosea  (Röschenflechte)

Pityriasis rosea  (Röschenflechte)
Hautbefund: An der gesamten Brust zeigen sich klein-ovaläre hyperpigmentierte Herde mit fein-schuppigem Saum.
DiagnosePityriasis rosea  (Röschenflechte)
Hauptbefund & Symptome

An der gesamten Brust zeigen sich klein-ovaläre hyperpigmentierte Herde mit fein-schuppigem Saum, sowie parasternal eine kreisförmige Plaque mit randständiger Schuppung („Primärmedallion“) von ca. 2,5 cm Durchmesser.

  • Aussparung von Händen, Füßen und Gesicht
  • Teilweise starker Juckreiz
  • Hautveränderungen orientieren sich an den Spaltlinien der Haut
PathophysiologieDie Ätiologie der Erkrankung ist bisher unklar, es wird eine Infektion mit humanen Herpesviren (HHV) Typ 6, 7 oder 8 vermutet, trotzdem besteht keine Ansteckungsgefahr. In 90% der Fälle beginnt die Krankheit mit einem asymptomatischen Primärherd („Primärmedallion“ oder „Mutterplatte“) am Stamm und es folgt eine zentripetale Ausbreitung innerhalb von 7-14 Tagen.
DiagnostikDurch das typische klinische Bild und den auffälligen Primärherd erfolgt die Diagnosestellung häufig nach der klinischen Untersuchung. Differenzialdiagnostisch ist die Psoriasis vulgaris zu beachten. Falls der Primärherd fehlt oder Hände, Füße und Gesicht mitbetroffen sind, sollte der Patient:innen auf Syphilis untersucht werden.
Therapie
  • Bei Juckreiz: Therapie mit Antipruriginosa
  • Spontanes, narbenfreies Ausheilen nach 6-8 Wochen
  • künstliches oder natürliches Sonnenlicht beschleunigt die Heilung
 Info

Syphilis gilt als Chamäleon unter den STIs und kann sich in vielen verschiedenen Symptomen und Beschwerden äußern, oft tritt allerdings ein den ganzen Körper betreffender Hautausschlag auf. Dieser verschwindet allerdings häufig, bevor die Patienten Arztkontakt suchen. Aufmerksam werden sollte man ebenfalls, wenn typische Schleimhautläsionen auftreten!

 Achtung

Medikamente wie ACE-Hemmer, Barbiturate, Allopurinol oder Metronidazol können ähnlich aussehende Hautveränderungen verursachen!

 Merke

Bei Patient:innen mit heller Haut wirken die Flecken eher rosa bis bräunlich; bei Patient:innen mit dunkler Haut erscheinen die Hautveränderungen eher violett bis hyperpigmentiert.

6. Hautbefund: Molluscum contagiosum (Dellwarzen)

Molluscum contagiosum (Dellwarzen)
Bild 1: Am seitlichen Rumpf zeigen sich neun teils regellos, vereinzelt oder gruppiert angeordnete Papeln.
Molluscum contagiosum (Dellwarzen)
Bild 2: Die breitbasig aufsitzenden Papeln zeigen sich leicht hyperpigmentiert mit zentraler Eindellung.
DiagnoseMolluscum contagiosum (Dellwarzen)
Hauptbefund & Symptome

Am seitlichen Rumpf zeigen sich neun teils regellos, vereinzelt oder gruppiert angeordnete Papeln mit einem Durchmesser von durchschnittlich ca. 0,5 cm. Die breitbasig aufsitzenden Papeln zeigen sich leicht hyperpigmentiert mit zentraler Eindellung.

  • Juckreiz
  • Aus den Hautveränderungen entleert sich eine talgartige Masse, der ansteckende Molluscumbrei
PathophysiologieIn der Regel sind Kinder und Jugendliche betroffen, ausgelöst wird die Infektion durch das Molluscum-contagiosum-Virus unter anderem bei Immuninsuffizienz und Atopie. Die Übertragung und Verbreitung erfolgt oft durch Kratzen und direktem Kontakt mit dem infektiösen Molluscumbrei.
DiagnostikAufgrund des typischen Aussehens der Hautveränderungen und dem häufigen Auftreten im Kindesalter ergibt sich die Diagnose häufig aus der Zusammenschau der klinischen Befunde. In unklaren Fällen kann zur Sicherung der Diagnose eine Biopsie erfolgen.
Therapie

Nach einigen Monaten ist eine Spontanheilung möglich, ansonsten wird eine invasive Therapie aus kosmetischen Gründen und zur Hemmung der Infektionen durch Kryochirurgie, Lasertherapie, Trichloressigsäure, Ausdrücken oder Kürettage der Warzen durchgeführt, der Juckreiz kann durch eine Lokaltherapie mit gelindert werden.

  • Bei Kindern ist es nicht nötig, diese aus öffentlichen Einrichtungen zu isolieren, allerdings sollten die Dellwarzen abgedeckt werden, um Ansteckungen zu vermeiden.

7. Hautbefund: Verruca vulgaris

Verruca vulgaris
Bild 1: An der Großzehe befinden sich mehrere, gruppiert angeordnete hyperkeratotische Papeln weiß-gelblicher Färbung.
Diagnose

Verruca vulgaris

  • Diagnosestellung mittels PCR
Hauptbefund & SymptomeAn der Großzehe befinden sich mehrere, gruppiert angeordnete hyperkeratotische Papeln weiß-gelblicher Färbung mit einem Maximaldurchmesser von ca. 0,5 cm. Die Oberfläche der Papeln zeigt sich unregelmäßig und rau.
PathophysiologieAusgelöst wird die Infektion durch Humane Papillomaviren (v.a. HPV 1,2,4 und 7), die durch Mazeration und Verletzungen in die Epidermis gelangen. Es kommt zur Hyperplasie und Hyperkeratose der Epidermis.
DiagnostikDie Diagnose ergibt sich aus der klinischen Untersuchung. Um Warzen auf Schleimhäuten zu diagnostizieren, werden diese mit Essigsäure (5%) betupft: handelt es sich um eine verruköse Hyperkeratose, färbt sich die betupfte Stelle weiß.
Therapie

Die Entfernung kann durch konservative Keratinolyse erfolgen, ansonsten durch lokal zytostatische Therapie (z.B. 5-Fluoruracil-Lösung oder Salicylsäure-Salbe).

  • Bei der invasiven Therapie werden die Warzen chirurgisch exzidiert.
 Merke

Beide Arten von Warzen werden durch HPV ausgelöst!

  • Dornwarzen lassen sich vor allem an den Fußsohlen finden, da hier hoher Druck herrscht. Dadurch wachsen die Warzen dornartig nach innen und verursachen beim Gehen Schmerzen.
  • Feigwarzen treten vor allem im Anal- und Genitalbereich auf

8. Hautbefund: Condylomata acuminata (Feigwarzen)

Condylomata acuminata (Feigwarzen)
Bild 1: Im Anogenitalbereich zeigen sich exophytische, beetformig angeordnete Knötchen mit rauer Oberfläche und leichter Hyperpigmentierung.
Condylomata acuminata (Feigwarzen)
Bild 2: zeigen sich exophytische, beetformig angeordnete Knötchen mit rauer Oberfläche und leichter Hyperpigmentierung.
DiagnoseCondylomata acuminata (Feigwarzen)
Hauptbefund & Symptome

Im Anogenitalbereich zeigen sich exophytische, beetformig angeordnete Knötchen mit rauer Oberfläche und leichter Hyperpigmentierung.

  • Juckreiz
  • Gegenebenfalls Schmerzen bei mechanischer Reizung
PathophysiologieDurch humane Papillomaviren (HPV; v.a. Typ 6 und 11) ausgelöste Infektion, die Erkrankung zählt zu den am häufigsten durch Geschlechtsverkehr übertragenen Infektionen.
Diagnostik

Aufgrund des typischen Befundes ergibt sich die Diagnose oft aus Zusammenschau der Klinik und der Anamnese. Bei unklarer Diagnose kann zusätzlich eine Hautbiopsie entnommen werden. Nach der Diagnosestellung ist es wichtig, den intraanalen Befall durch Proktoskopie oder Rektoskopie auszuschließen.

Nach dem Betupfen mit Essigsäure (5%) weisen die Hautveränderungen nach kurzer Zeit eine weißliche Färbung auf.

  • Im weiteren Verlauf sollte die Untersuchung auf weitere STIs und die Mituntersuchung anderer Partner:innen erfolgen.
  • Diagnostik mittels PCR und ggf. Histologie
TherapieDie Entfernung erfolgt mittels lokal zytostatischer Therapie (z.B. 5-Fluoruracil-Lösung, Trichloressigsäure oder Salicylsäure-Salbe) oder bei starkem Befall operativ durch Kürettage, Laser- oder Elektrokoagulation.
 Merke

Die Maximalvariante, der Buschke-Löwensteintumor (Condylomata gigantea), ist ein großer, exophytisch wachsender Tumor im Anal- oder Genitalbereich. Er geht in ca. 30% der Fälle in ein Plattenepithelkarzinom über und erfordert eine chirurgische Exzision.

 Achtung

Bei Kindern mit (rezidivierenden) anogenitalen Feigwarzen ist es wichtig, eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung durchzuführen, da man hier als behandelnde:r Arzt/Ärztin an die Möglichkeit des sexuellen Kindesmissbrauchs denken muss!

Einleitung

Bakterielle Infektionen der Haut stellen eine häufige und vielfältige Gruppe dermatologischer Erkrankungen dar. Sie reichen von oberflächlichen Manifestationen wie Impetigo contagiosa bis zu tiefen und potenziell lebensbedrohlichen Zuständen wie nekrotisierender Fasziitis. Ausgelöst durch bakterielle Erreger insbesondere Streptokokken oder Staphylokokken entstehen diese Infektionen oft in Folge von Hautläsionen oder Immunschwäche. Klimatische Faktoren, Komorbiditäten wie Diabetes mellitus oder Übergewicht sowie Hygiene spielen dabei eine zentrale Rolle.

Die Diagnostik basiert meist auf dem klinischen Bild, unterstützt durch mikroskopische und mikrobiologische Untersuchungen wie Kultur oder PCR. Typische Befunde umfassen Erytheme, Ulzera, Blasen oder Abszesse mit begleitenden Allgemeinsymptomen wie Fieber oder Lymphadenopathie.

Therapeutisch kommen je nach Ausprägung topische oder systemische Antibiotika sowie chirurgische Maßnahmen wie Débridement oder Drainagen zum Einsatz.

Dieses Kapitel gibt einen umfassenden Überblick über bakterielle Hautinfektionen, darunter Erythema migrans, Erysipel, Phlegmone, Impetigo contagiosa und Staphylococcal Scalded Skin Syndrome. Es werden pathophysiologische Mechanismen, diagnostische Verfahren und evidenzbasierte Therapieansätze detailliert beschrieben, ergänzt durch Hinweise zur Differenzialdiagnostik und Prävention.

1. Hautbefund: Erythema migrans

Erythema migrans
Hautbefund: Am Oberarm zeigt sich ein ca. 8 cm messendes, solitäres und kreisrundes Erythem mit Randbetonung und Kokardenform, es stellt sich nicht erhaben dar.
Diagnose

Erythema migrans (Erststadium bei Lyme-Borreliose)

  1. Lokale Frühmanifestation: Erythema migrans und Lymphadenosis cutis benigna (rot-livide solitäre Knoten vor allem an den Ohrläppchen mit begleitender, lokaler Lymphadenopathie)
  2. .Frühe disseminierte Infektion: akute Neuroborrelliose (Bannwarth-Syndrom = schmerzhafte, fluktuierende Polyneuroradikulopathie), Lyme-Karditis
  3. Späte disseminierte Infektion: Lyme-Arthritis, Acrodermatitis chronica atrophicans (Atrophie des subkutanen Fettgewebes; Prädilektionsstellen sind Streckseiten der Extremitäten)
Hauptbefund & Symptome

Am Oberarm zeigt sich ein ca. 8 cm messendes, solitäres und kreisrundes Erythem mit Randbetonung und Kokardenform, es stellt sich nicht erhaben dar.

  • Potentiell sind auch Blasen und Wunden, Krusten oder Erosionen möglich.
PathophysiologieDer Borrelia burgdorferi Komplex (gramnegative, mikroaerophile Spirochäten) wird durch Zecken übertragen, außerhalb des Wirtes sind sie nicht überlebensfähig. Die Übertragungswahrscheinlichkeit steigt mit der Dauer des Saugaktes. Die Inkubationszeit des Erythema migrans beträgt im Mittel 7 bis 10 Tage. Nach erfolgter Übertragung breiten sich die Borrelien zentrifugal aus, was die Form des Erythema migrans erklärt. Außerdem können sowohl durch hämatogene als auch lymphogene Ausbreitung andere Organe befallen werden, daher handelt es sich um eine Systemerkrankung.
Diagnostik

Beim Erythema migrans ist es möglich, die Diagnose klinisch zu stellen, ansonsten erfolgt keine Borrellien-Serologie ohne typische Anamnese oder Klinik.

  1. Suchtest mittels ELISA
    IgM- und IgG-AK persistieren über Jahre und es herrscht eine hohe Antikörper-Prävalenz in der Bevölkerung, deshalb ist die Serologie nur in Kombination mit passender Klinik sinnvoll.
  2. Bestätigungstest mittels Immunoblot
    Der direkte Erregernachweis wird nicht primär genutzt, mit Materialien aus Liquor, Haut oder Gelenkpunktat kann allerdings eine PCR durchgeführt werden, wenn z.B. der Verdacht auf Beteiligung des Nervensystems besteht.
Therapie
  1. Lokale Frühmanifestation: Doxycyclin oder Amoxicillin oral über zwei Wochen
  2. Frühe disseminierte Infektion: Frühe Neuroborreliose: Doxycyclin oral über zwei Wochen, bei ausbleibender Besserung: Liquorkontrolle
  3. Späte disseminierte Infektion:
  • Chronische Neuroborreliose: Ceftriaxon i.v.
  • Lyme-Arthritis und Acrodermatitis chronica atrophicans: Doxycyclin oder Amoxicillin oral

2. Hautbefund: Erythrasma (Pseudomykose)

Erythrasma (Pseudomykose)
Hautbefund: In der Achsel zeigt sich eine scharf abgrenzbare ca. 6 cm durchmessende bräunlich-rote Makula
Diagnose

Erythrasma (Pseudomykose)

  • Oft zusätzliche Infektion mit Candida oder Dermatophyten (v.a. intertriginös)
Hauptbefund & Symptome

In der Achsel zeigt sich eine scharf abgrenzbare ca. 6 cm durchmessende bräunlich-rote Makula. Auf der Hautveränderung zeigen sich feine Falten (Lichenifikation) und leichte Schuppung. 

  • Juckreiz kann vorhanden sein, ist aber nicht obligat.
  • Prädilektionsstellen: Achselhöhlen, Leistenregion, Skrotum und Zehenzwischenräume.
  • Bei Fettleibigkeit sind häufig auch Hautfalten der Bauchdecke betroffen.
PathophysiologieOft chronische, oberflächliche, bakterielle Infektion insbesondere in Achsel und Leiste, ausgelöst durch Corynebacterium minutissimum. Dieses Bakterium stellt einen normalen Bestandteil der menschlichen Hautflora dar. Verstärkt wird die Infektion sowie die  Optik der Hautveränderung durch externe Faktoren wie Hitze und Feuchtigkeit, gleichzeitig aber vermehrtes Vorkommen bei Diabetes mellitus, Hyperhidrosis, Adipositas und Immunsuppression. Eine Ausbreitung auf andere Hautregionen ist möglich.
DiagnostikNach der klinischen Untersuchung, die oft bereits eine wegweisende Verdachtsdiagnose gibt, kann zur Bestätigung des Verdachts das Wood-Licht eingesetzt werden: hierbei stellen sich die Hautveränderungen als leuchtend rot dar, da die Corynebakterien Porphyrin (organisch-chemischer Farbstoff) bilden. Unter dem Mikroskop zeigen sich gram-positive Erreger.
Therapie
  • Topische Therapie mit Miconazol oder Fusidinsäure
  • Systemische Therapie mit Erythromycin oral über 14 Tage
  • Einmalgabe von Clarithromycin oral
  • Trockenhalten der betroffenen Areale und luftdurchlässige Kleidung, zusätzlich Änderung der Hygienegewohnheiten sowie Gewichtsreduktion
 Info

Wood Lampen erzeugen Licht im langwelligen UVA-Bereich (340-365 nm), sie ermöglichen die Darstellung von Pigmentveränderungen und fluoreszierenden Hautauffälligkeiten.

3. Hautbefund: Ecthyma

Ecthyma
Bild 1: An beiden Unterschenkeln und Füßen des Patienten zeigen sich münzgroße, wie ausgestanzt wirkende oberflächliche Ulzera livider Färbung, erosive Blasen und teils gelbliche Krusten.
Diagnose

Ecthyma

  • Begünstigend wirken tropisches Klima, Drogenmissbrauch oder Diabetes mellitus
Hauptbefund & Symptome

An beiden Unterschenkeln und Füßen des Patienten zeigen sich münzgroße, wie ausgestanzt wirkende oberflächliche Ulzera livider Färbung, erosive Blasen und teils gelbliche Krusten mit umgebendem Erythem bei insgesamt trocken wirkender Haut.

  • Narbige Abheilung
PathophysiologieSekundär ausgelöst durch eine Schmierinfektion mit ß-hämolysierenden Streptokokken auf dem Boden vorbestehender Läsionen oder Verletzungen entstehen die schmerzhaften Ulzera.
DiagnostikDie Diagnose ergibt sich aus der Kombination von klinischem Bild und Mikrobiologie, in der der ß-hämolysierende Streptokokken nachweisbar sind. Falls die eingeleitete Therapie keine Besserung zeigt, ist das Anlegen einer Kultur indiziert.
TherapieSystemische oder lokale antibiotische Therapie mit Penicillinen oder Makroliden.
 Merke

Bei einem Ecthyma handelt es sich um eine lokale Infektion, das Erysipel ist flächig!

4. Hautbefund: Erysipel

Erysipel
Bild 1: Es zeigt sich ein ca. 30 cm messendes, flächiges Erythem mit scharfer Begrenzung und flammenförmigen Ausläufern sowie glänzender Oberfläche bei Schwellung des gesamten Unterschenkels.
Erysipel
Bild 2: Am Ohr zeigt sich ein flächiges Erythem mit Schwellung.
Diagnose

Erysipel

  • Häufigste Komplikation bei Lymphödemen
  • Oberflächliche Hautinfektion
Hauptbefund & Symptome

Es zeigt sich ein ca. 30 cm messendes, flächiges Erythem mit scharfer Begrenzung und flammenförmigen Ausläufern sowie glänzender Oberfläche bei Schwellung des gesamten Unterschenkels.

  • Patient:innen leiden unter enormem Krankheitsgefühl mit Schüttelfrost, Schmerzen, Fieber und Leukozytose, die betroffene Körperstelle ist überwärmt.
  • In der Regel einseitiger Befall, da die Bakterien über Mikroverletzungen in den Organismus gelangen.
PathophysiologieMeistens ausgelöst durch ß-hämolysierende Streptokokken (S.pyogenes), seltener durch Staph. aureus oder Klebsiellen. Die Infektion erfolgt meist über kleine Hautdefekte (z.B. bei Diabetikern oder bei Interdigitalmykose) mit Ausbreitung über die Lymphgefäße. Betroffen sind vor allem die Epidermis und die Dermis.
Diagnostik

Die Diagnose ergibt sich aus neben dem klassischen klinischen Bild zusätzlich aus körperlicher Untersuchung und Anamnese, hierbei ist das Erfragen kleiner Verletzungen im betroffenen Bereich sinnvoll.

  • Weil die Patient:innen ein enormes Krankheitsgefühl haben, ist die Untersuchung der Entzündungswerte (Blutbild, CRP, Protein, BSG) indiziert.
  • Bei Verdacht auf eine systemische Infektion, insbesondere bei hohem Fieber, sollte die Abnahme von Blutkultursets erfolgen, um eine systemische Ausbreitung entdecken und angemessen behandeln zu können,
Therapie

Die Therapie besteht aus der systemischen Gabe von Penicillin G (bei Allergie: Makrolide) je nach Schwere der Infektion oral oder i.v. mit zusätzlichen Therapiemaßnahmen in Form von:

  • Ruhigstellung der betroffenen Extremität und Sanierung der Eintrittspforte.
  • Schmerztherapie mit NSAR
  • Wenn die Patient:innen aufgrund des Erysipels nicht dazu in der Lage sind, sich ausreichend zu mobilisieren, sollte eine zusätzliche Thromboseprophylaxe erfolgen.

5. Hautbefund: (Begrenzte) Phlegmone

Phlegmone
Hautbefund: Am rechten Fuß zeigt sich eine ca. 8 cm messende, teigig livid-erythematöse Macula mit unscharfer Begrenzung und matter Oberfläche bei insgesamt geschwollenem Fuß.
Diagnose

(Begrenzte) Phlegmone

  • Diagnostik über direkten Erregernachweis und Blutkulturen
  • Unterscheidung zwischen begrenzter und tiefer Phlegmone
Hauptbefund & Symptome

Am rechten Fuß zeigt sich eine ca. 8 cm messende, teigig livid-erythematöse Macula mit unscharfer Begrenzung und matter Oberfläche bei insgesamt geschwollenem Fuß.

  • zentrale Eintrittspforte oft sichtbar
  • Spannungsgefühl, Schmerzen und Schüttelfrost
PathophysiologieDie Infektion befindet sich zwischen Dermis und Subkutis. Meistens ausgelöst durch Staph.aureus bei Bagatellverletzungen, die sich als Ulzera zentral im Erythem darstellen.
Diagnostik

Bei der Diagnosestellung ist vor allem die Abgrenzung zu anderen Weichteilinfektionen der Haut wichtig. In der Zusammenschau aus Klinik und Mikrobiologie ergibt sich die Diagnose: hierbei ist es wichtig, Abstriche vom Wundgrund unterhalb der Wundränder von unterschiedlichen Lokalisationen in der Wunde zu entnehmen.

  • Da die Infektion sich systemisch ausbreiten kann, ist hier ein Blutbild inklusive Entzündungsparametern indiziert.
  • Bei Fieberanstieg erfolgt die Entnahme von Blutkulturen, um einer systemischen Ausbreitung schnell therapeutisch entgegensteuern zu können.
Therapie

Die betroffene Extremität sollte gekühlt werden und eine systemische i.v. Therapie mit Cephalosporinen (z.B. Cefazolin) erfolgen.

  • In schweren Fällen kann eine operative Sanierung notwendig werden.
  • Bettruhe, Hochlagern der betroffenen Extremität, Schmerztherapie nach WHO-Stufenschema
 Merke

In der Regel ist in die Infektion bei einer Phlegmone schneller progredient als beim Erysipel.

Exkurs: Weichteilinfektionen der Haut

Erysipel
  • Ausgelöst durch ß-hämolysierende Streptokokken, die durch kleine Eintrittspforten in die Haut gelangen und sich über das Lymphsystem ausbreiten.
  • Glänzendes Erythem mit scharf begrenzten, flammenförmigen Ausläufern
  • Patient:innen leiden unter Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen und Schwellung sowie allgemeinem Krankheitsgefühl.
  • Therapie: systemische Gabe von Penicillin G oral oder i.v., angemessene Schmerztherapie und Ruhigstellung der betroffenen Extremität.
Phlegmone
  • Begrenzte Phlegmone:
  • durch Staph. aureus ausgelöst, die Infektion befindet sich zwischen Dermis und Subkutis.
  • Die Erreger treten meistens durch kleine Bagatellverletzungen ein, diese zeigen sich als zentrale Ulzera in der Hautveränderung.
  • Die begrenzte Phlegmone zeigt sich als teigig livide Macula mit Schwellung und unscharfer Begrenzung.
  • Patient:innen leiden an Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen und Spannungsgefühl.
  • Therapie erfolgt durch Kühlung und eine i.v. Therapie mit Cephalosporinen. In schweren Fällen kann eine operative Sanierung notwendig werden.
  • Tiefe Phlegmone:
  • Auslöser und Klinik zeigen sich ähnlich wie bei der begrenzten Phlegmone, allerdings sind hier die Subkutis und Faszien mitbetroffen.
  • Grenzüberschreitende, meist eitrige Infektion mit Nekrosen. Ebenfalls kann es zu einer systemischen Infektion kommen.
  • Die Patient:innen leiden an starken Schmerzen, Fieber, regionaler Lymphadenopathie und erfüllen ggf. die SIRS-Kriterien.
  • Therapeutisch erfolgt ein chirurgisches Débridement zusätzlich zu einer i.v. Antibiotikatherapie nach Erregerspektrum.
 Merke

SIRS (Systemic Inflammatory Response Syndrome) - Kriterien:

Mindestens zwei von vier müssen für die Diagnose eines SIRS vorliegen:

  • Fieber (mind. 38 °C) oder Hypothermie ( 36 °C und weniger) durch rektale oder intravasale Messung
  • Tachykardie >90/Min
  • Tachypnoe (mind. 20/Min) oder Hyperventilation (<33 mmHg)
  • Leukozytose (mind. 12.000/mm3), Leukopenie (< 4000/ mm3) oder mindestens 10% unreife Neutrophile im Differenzialblutbild.
Nekrotisierende Fasziitis
  • Erreger: Strep. pyogenes oder Mischinfektionen mit aeroben und anaeroben Erregern, das Krankheitsbild wird vor allem durch die von den Bakterien gebildeten Toxine verursacht.
  • Zunächst horizontale Ausbreitung entlang der oberflächlichen Faszie. Da zusätzlich Thromben in den kleinen Arterien der Dermis und Subkutis durch Gefäßschädigung entstehen, kommt es zu einer vertikalen Ausbreitung mit folgender Ischämie und Nekrose durch eine überschießende Entzündungsreaktion.
  • Initial leiden die Patient:innen trotz des oft nur geringen klinischen Befundes an heftigsten Schmerzen („pain out of proportion“).
  • Es bilden sich Blasen und Nekrosen, im folgenden foudroyanten Verlauf entwickeln die Patient:innen starkes Fieber, Hypotension und systemische Toxizität.
  • Die Diagnosestellung erfolgt klinisch, weiterhin sollte eine Sonografie oder MRT zur Tiefenbestimmung durchgeführt werden. In der chirurgischen Exploration (Finger-Test) zeigt sich keine Blutung, allerdings übelriechendes Sekret sowie eine brüchige Faszie, die sich grau und nekrotisch zeigt.
  • Therapeutisch sind ein radikales chirurgisches Débridement, eine initial breite Antibiotikatherapie (z.B. Piperacillin/Tazobactam) und anschließende intensivmedizinische Behandlung notwendig.
  • Die Prognose ist abhängig vom Zeitpunkt der chirurgischen Intervention sowie der betroffenen Körperoberfläche.
  • Letalität von bis zu 70%
 Achtung

Patient:innen mit nekrotisierender Fasziitis haben trotz geringen klinischen Befundes extreme Schmerzen! Diese Auffälligkeit wird als pain out of proportion beschrieben.

Schmerz ist immer subjektiv und sollte ernst genommen werden.

 Info

Die Sonderform der nekrotisierenden Fasziitis im Anogenitalbereich heißt Fournier-Gangrän.

6. Hautbefund: Staphylococcal Scalded Skin Syndrome (SSSS, Lyell-Syndrom)

Staphylococcal Scalded Skin Syndrome (SSSS, Lyell-Syndrom)
Bild 1: Das gesamte Integument des Säuglings löst sich und hängt teilweise schlaff vom Körper. Die tiefer liegende Haut zeigt sich erythematös-glänzend.
Staphylococcal Scalded Skin Syndrome (SSSS, Lyell-Syndrom)
Bild 2: Die Haut an der Hand des Säuglings löst sich ab. 
Diagnose

Staphylococcal Scalded Skin Syndrome (SSSS, Lyell-Syndrom)

  • Meist narbenlose Abheilung
  • Kontraindikation für Glukokortikoide
Hauptbefund & Symptome

Das gesamte Integument des Säuglings löst sich und hängt teilweise schlaff vom Körper. Die tiefer liegende Haut zeigt sich erythematös-glänzend.

  • Hohes Fieber, zu Beginn Scharlach-ähnliches Exanthem, nach 24-48 Stunden bildet sich eine diffuse Rötung mit schlaffen Blasen, die sekundär zu Erosionen führen.
  • Kein Schleimhautbefall
  • Groblamelläre Hautablösung
  • Reduzierter Allgemeinzustand
PathophysiologieVor allem Säuglinge, Kinder und immungeschwächte Personen sind betroffen, ausgelöst wird die Erkrankung bei einer akuten Infektion mit S. aureus durch das von den Bakterien gebildete Exfoliatin A bzw. B, das sich hämatogen ausbreitet. Die Übertragung erfolgt meist durch Schmierinfektionen oder endogen (z.B. bei Otitis media, Pharyngitis oder Konjunktivitis).
DiagnostikDie Diagnose wird vor allem nach klinischem Befund gestellt, zur Bestätigung ist allerdings oft eine zusätzliche Biopsie nötig. Das Anlegen einer Kultur erfolgt nach Abstrichen aus Bindehaut, Nasenrachenraum, verdächtigen Hautläsionen und potenziell ursprünglichem Infektionsherd. Da die Blasen steril sind, ist hier eine Kulturentnahme nicht sinnvoll.
Therapie

Die Therapie erfolgt intensivstationär mit lokalen Antiseptika und Antibiotika (Fusidinsäure), systemisch wird Nafcillin (ein Penicillinase-festes Penicillin) oder Flucloxacillin nach Erregernachweis verabreicht.

  • Falls MRSA-Stämme auslösend sind, sind Antibiotika wie Vancomycin oder Linezolid indiziert.
  • Topische Antibiotika allein reichen nicht aus.
  • Die Therapie erfolgt analog zu Verbrennungspatient:innen, es sollte eine Reduktion des Flüssigkeitsverlustes erreicht und die topische Therapie auf ein Minimum begrenzt werden.
  • Die Prognose ist meist gut.
 Achtung

Beim SSSS sind Glukokortikoide zur Therapie absolut kontraindiziert! Differentialdiagnostisch zu beachten ist das SJS, das mit Glukokortikoiden behandelt werden kann, auch wenn die Evidenzgrundlage nicht aussagekräftig und ihr Nutzen umstritten ist.

7. Hautbefund: Impetigo contagiosa

Impetigo Contagiosa
Bild 1: Im gesamten Gesicht mit besonderer Betonung des Kinns und der Nase zeigen sich großflächig konfluierende Erosionen und honiggelbe Krusten.
Impetigo Contagiosa
Bild 2: Am Arm zeigen sich großflächig konfluierende Erosionen und honiggelbe Krusten.
Diagnose

Impetigo contagiosa

  • Hohe Kontagiösität
Hauptbefund & SymptomeIm gesamten Gesicht mit besonderer Betonung des Kinns und der Nase zeigen sich großflächig konfluierende Erosionen und honiggelbe Krusten.
PathophysiologieBei dieser Erkrankung handelt es sich um die häufigste bakterielle Erkrankung im Kindesalter. Ausgelöst werden die Hautveränderungen durch ß-hämolysierende Streptokokken bei kleinblasiger Impetigo oder Staphylokokken bei großblasiger Impetigo.
DiagnostikDie Diagnosestellung erfolgt aufgrund der klassischen Morphologie der honiggelben Krusten klinisch, vor allem ist es wichtig, in der Anamnese nach weiteren Fällen im Umfeld zu fragen (z.B. Kindergarten), da die Erkrankung hoch ansteckend ist. Je nach Ausprägung ist die Anlage eine Kultur inklusive Antibiogramm indiziert
TherapieDie Therapie der Wahl besteht aus der topischen Anwendung von Fusidinsäure oder einer systemischen, oralen Therapie mit Cephalosporinen der 1. Generation (z.B. Cefalexin) zusätzlich zu topischen Antiseptika.
 Tipp

Streptokokken = kleinblasige Impetigo

 Merke

Von einer Impetiginisierung spricht man bei einer bakteriellen Superinfektion bestehender Hautdefekte.

8. Hautbefund: Nummuläres Ekzem

Nummuläres Ekzem
Bild 1: Am Rücken des Patienten zeigen sich paravertebral am oberen Rücken hyperpigmentiert-erythematöse Maculae.
Nummuläres Ekzem
Bild 2: Die Hautveränderungen zeigen sich scheibenförmig.
Diagnose

Nummuläres Ekzem

  • Auftreten vor allem in mittlerem und höherem Alter
Hauptbefund & Symptome

Am Rücken des Patienten zeigen sich paravertebral am oberen Rücken hyperpigmentiert-erythematöse Maculae, die etwas über Münzgröße aufweisen Vereinzelt zeigt sich eine weißliche Oberfläche im Sinne trockener Haut oder sekundärer Kratzexkoriationen. Am unteren Rücken zeigt sich eine ebenfalls  hyperpigmentiert- erythematöse Plaque mit gut sichtbarer Begrenzung. Die Hautveränderungen zeigen sich scheibenförmig.

  • Starker Juckreiz
  • Prädilektionsstellen: Streckseiten der Extremitäten sowie Gesäß und Stamm
Pathophysiologie
  • Oft assoziiert mit atopischer Dermatitis und dann gleichzeitig mit anderen Hautveränderungen auftretend.
  • Ohne Atopie ist die Genese unklar, dann sollte eine Testung auf allergische Kontaktdermatitis erfolgen.
  • Bakterielle Besiedlung oder allergische Kontaktreaktionen an den betroffenen Hautläsionen sind sekundär möglich.
TherapieDie Therapie der Wahl besteht aus der topischen Anwendung von Fusidinsäure oder einer systemischen, oralen Therapie mit Cephalosporinen der 1. Generation (z.B. Cefalexin) zusätzlich zu topischen Antiseptika.

9. Hautbefund: Follikulitis

Follikulitis
Bild 1: Es zeigen sich auf die Haarfollikel bezogene Pusteln, innerhalb derer sich das Haar befindet. 
Follikulitis
Bild 2: Die Pusteln haben eine umgebende erythematöse Randbetonung und befinden sich insgesamt auf dem Boden eines dezenten Erythems. 
DiagnoseFollikulitis
Hauptbefund & SymptomeEs zeigen sich auf die Haarfollikel bezogene Pusteln, innerhalb derer sich das Haar befindet. Die Pusteln haben eine umgebende erythematöse Randbetonung und befinden sich insgesamt auf dem Boden eines dezenten Erythems. Zusätzlich zeigt sich eine Kruste, die vermutlich durch manuelle Manipulation entstanden ist.
Pathophysiologie
  • Meistens durch Staph. aureus (v.a. MRSA) ausgelöste Infektionen, die auf den Haarfollikelausgang begrenzt sind
  • Risikofaktoren sind fortgeschrittenes Alter, Adipositas, mechanische Reizung sowie Okklusion und Immuninsuffizienz
  • Rezidivierende Schübe treten vor allem bei unzureichender Hygiene und chronischer Besiedlung mit Staphylokokken auf.
DiagnostikDie Diagnosestellung erfolgt in der Regel anhand des klinischen Bildes der Pustel mit perifollikulären Entzündung. Mikrobiologische Untersuchungen erfolgen nicht routinemäßig.
Therapie
  • Bei Follikulitis genügt in der Regel eine Therapie mit topischen Antiseptika und Antibiotika wie z.B. Clindamycin bei ausgeprägtem Befund.
  • Bei Abwehrschwäche wird eine systemische Therapie nötig, hier sind das Mittel der Wahl Flucloxacillin oral oder Cephalosporine der 1. Generation i.v.
  • Bei fluktuierenden Abszessen kann eine Abszessspaltung indiziert sein.

10. Hautbefund: Furunkel

Furunkel
Hautbefund: Es zeigt sich eine subkutane Schwellung von ca. 4 cm Durchmesser unterhalb eines unscharf begrenzten Erythems mit zentraler Einschmelzung und Eiterbildung. 
DiagnoseFurunkel
Hauptbefund & Symptome

Es zeigt sich eine subkutane Schwellung von ca. 4 cm Durchmesser unterhalb eines unscharf begrenzten Erythems mit zentraler Einschmelzung und Eiterbildung. 

  • Überwärmung
  • Prädilektionsstellen: vorrangig Hals, Brust, Gesicht und Gesäß
Pathophysiologie
  • Meistens durch S. aureus ausgelöste Infektionen
  • Auf dem Boden einer Follikulitis entstehen Furunkel durch Ausbreitung auf den gesamten Follikel und dessen Umgebung mit konsekutiver zentraler Einschmelzung.
DiagnostikIn Erweiterung der Diagnosestellung einer Follikulitis ergibt sich der Verdacht eines Furunkels aus der Zusammenschau der Follikel-bezogenen Entzündung in Form eines Nodus bzw. einer Pustel mit nekrotischen Anteilen und blutigem Eiter. Zur Diagnostik und Erregerdifferenzierung werden beim Furunkel Kulturen angelegt.
Therapie
  • Bei Furunkeln und Karbunkeln sowie Abwehrschwäche wird eine systemische Therapie nötig, hier sind das Mittel der Wahl Cephalosporine der 1. Generation i.v.
  • Die auftretenden Läsionen werden drainiert
  • Bei fluktuierenden Abszessen kann eine Abszessspaltung indiziert sein.

11. Hautbefund: Karbunkel

Karbunkel
Hautbefund: Im ventralen Anteil der Achsel zeigt sich ein ca. 9 cm messender subkutaner Nodus mit zentraler Kruste und punktförmiger Eiterbildung an mehreren Stellen, sowie einem begleitenden lividen Erythem
DiagnoseKarbunkel
Hauptbefund & Symptome

Im ventralen Anteil der Achsel zeigt sich ein ca. 9 cm messender subkutaner Nodus mit zentraler Kruste und punktförmiger Eiterbildung an mehreren Stellen, sowie einem begleitenden lividen Erythem. Die Haut stellt sich als gespannt dar. Von Zentral ausgehend löst sich die oberste Hautschicht bereits ab, 

  • Überwärmung
  • Schmerzen
Pathophysiologie
  • Meistens durch Staph. aureus ausgelöste Infektionen
  • Durch das konfluieren von Furunkeln entstehen Karbunkel
DiagnostikDa es sich bei Karbunkeln um subkutan verbundene Furunkel handelt, die Eiter entleeren und narbig abheilen, erfolgt die Diagnosestellung ähnlich wie bei Furunkeln anhand des klinischen Bildes in Kombination mit dem Anlegen einer Kultur.
Therapie
  • Bei Furunkeln und Karbunkeln sowie Abwehrschwäche wird eine systemische Therapie nötig, hier sind das Mittel der Wahl Cephalosporine der 1. Generation i.v.
  • Bei fluktuierenden Abszessen kann eine Abszessspaltung indiziert sein.
  • Bei nötiger chirurgischer Versorgung von rezidivierenden Furunkeln oder Karbunkeln kann es zu rascher Ausbreitung kommen.
 Merke

Follikulitis → Furunkel → Karbunkel

 Achtung

Bei Befall der zentralen Gesichtsregion durch Follikulitiden, Furunkel oder Karbunkel besteht durch die Gefäßverbindung zu Auge und Hirnregion die Gefahr einer Orbitaphlegmone, Meningitis oder Sinus-Cavernosus-Thrombose, deshalb besteht hier die Indikation einer i.v. Antibiose!

Einleitung

Parasitäre Infektionen der Haut umfassen eine Gruppe von Erkrankungen, die durch Ektoparasiten wie Milben oder Läuse hervorgerufen werden. Diese Infektionen sind weltweit verbreitet und häufig mit intensivem Juckreiz und sekundären Hautveränderungen (Sekundäreffloreszenzen) assoziiert. Ihre Ausbreitung wird durch enge zwischenmenschliche Kontakte, beengte Lebensbedingungen und mangelnde Hygiene begünstigt.

Die Pathophysiologie basiert auf der Interaktion der Parasiten mit der Hautbarriere und der Immunreaktion des Wirts. Typische klinische Bilder wie Skabies oder Pediculosis capitis lassen sich oft anhand charakteristischer Hautbefunde diagnostizieren, unterstützt durch Anamnese, mikroskopische Verfahren und dermatoskopische Untersuchungen.

Die Therapie umfasst antiparasitäre Wirkstoffe wie Permethrin oder Ivermectin, ergänzt durch hygienische Maßnahmen zur Vermeidung von Reinfektionen und einer Behandlung aller Kontaktpersonen.

Dieses Kapitel gibt einen umfassenden Überblick über parasitäre Hautinfektionen, beschreibt ihre Pathophysiologie, Diagnostik und evidenzbasierte Therapieansätze und liefert wichtige Hinweise zur Prävention und Kontrolle von Infektionsketten.

1. Hautbefund: Skabies

Skabies
Hautbefund: Längliche erythematöse Papeln mit erhabenem Ende.
Diagnose

Skabies

  • Extremform Scabies norvegica: massiver, hochansteckender Befall meist bei Patient:innen mit Immunschwäche
Hauptbefund & Symptome

Längliche erythematöse Papeln mit erhabenem Ende (oft nur dermatoskopisch sichtbar)

  • Juckreiz vor allem nachts durch Bettwärme
  • Prädilektionsstellen: Beugestellen der Extremitäten, Handgelenke, Interdigitalfalten und Genitale
  • Nach Sensibilisierung treten Juckreiz und vesikulo-papuläre Hauterscheinungen am gesamten Körper auf
  • Durch Kratzen: Sekundärinfektion, Kratzexkoriationen und Impetiginisation
PathophysiologieAusgelöst durch Milben, die Übertragung erfolgt durch engen Körperkontakt. Die weiblichen Milben legen Eier und Kot in den Gängen ab, die sie zwischen Stratum corneum und granulosum graben. Weil erst eine Sensibilisierung gegen die Milbenantigene erfolgen muss, wird die Infektion oft erst nach einigen Wochen bemerkt, wenn sich starker Juckreiz einstellt.
DiagnostikHäufig erfolgt die Diagnosestellung anhand des klinischen Bildes mit Untersucher-abhängiger Sensitivität und Spezifität. Zusätzlich sind in der Anamnese nächtlicher Juckreiz sowie beengte Wohnbedingungen auffällig. Weitere diagnostische Verfahren sind die Mikroskopie von Milben oder Milbeneiern auf Hautschuppen, die Suche nach Milbengängen mithilfe des Dermatoskops und die histopathologische Untersuchung einer Hautbiopsie.
Therapie

Die Therapie kann lokal mit Permethrin (5% Erwachsene, 2,5% Kinder) erfolgen, dabei wird der Wirkstoff auf den gesamten Körper aufgetragen, wirkt 12h ein und wird danach abgeduscht.

  • Falls notwendig erfolgt eine Wiederholung der Therapie nach einer Woche
  • Zur systemischen Therapie ist Ivermectin oral zugelassen, das ans Körpergewicht angepasst wird.
  • Zusätzlich wichtig ist die Reinigung des gesamten Haushaltes und die Mituntersuchung und -behandlung von Kontaktpersonen (Bettwäsche, Kleidung, Sofa etc.)
 Achtung

Bei der Behandlung von Skabies-Patient:innen muss immer auch eine Mituntersuchung und –behandlung weiterer im Haushalt lebender Personen erfolgen, da es sonst auch hier zu einem Ping-Pong-Effekt kommen kann. Auch die sorgfältige Reinigung der Wohnumgebung gehört zur Therapie.

Auch nach erfolgreicher Therapie klagen manche Patient:innen weiterhin über Juckreiz in Form eines postskabiösen Ekzems, dieses kann bis zu 6 Wochen anhalten.

2. Hautbefund: Pediculosis capitis (Kopfläuse)

Pediculosis capitis (Kopfläuse)
Bild 1: Im Nacken der Patientin zeigen sich ca. 0,5 cm regellos angeordnete Krusten und urtikarielle Papeln mit umgebendem Erythem, die teilweise konfluieren.
Pediculosis capitis (Kopfläuse)
Bild 2: Aufnahme einer Kopflaus
DiagnosePediculosis capitis (Kopfläuse)
Hauptbefund & Symptome

Im Nacken der Patientin zeigen sich ca. 0,5 cm regellos angeordnete Krusten und urtikarielle Papeln mit umgebendem Erythem, die teilweise konfluieren.

  • Juckreiz
  • Sekundär sind bakterielle Superinfektionen möglich, die Ekzeme auslösen, die meist an den Ohren, am Hinterkopf und im Nacken lokalisiert sind.
  • Lokoregionale Lymphknotenschwellung
PathophysiologieLäuse sind stationäre Ektoparasiten, deren einziger Wirt der Mensch ist. Mit ihren Mundwerkzeugen sind sie in der Lage zu stechen und zu beißen, um Blut des Wirtes als Nahrung aufzunehmen. Im Austausch geben sie Speichelsekrete ab, was den als Leitsymptom bekannten Juckreiz auslöst. Läuse sind durch ihre mit klauenartigen Fortsätzen versehene Beinpaare nicht dazu in der Lage zu springen, deshalb erfolgt die Übertragung durch „Haar zu Haar“-Kontakt oder bei gemeinsamer Nutzung von Kämmen und Kopfbedeckungen in kurzem zeitlichem Intervall. Ansteckungsgefahr besteht, solange die Patient:innen nicht vollständig therapiert sind.
DiagnostikDie Diagnose wird durch systematische Untersuchung der behaarten Kopfhaut gestellt, hierbei wird eine Haarpflegespülung und ein Läusekamm genutzt mit den einzelnen Strähnen vom Haaransatz bis zu den Spitzen fest gekämmt werden. Dies stellt nicht nur eine diagnostische, sondern auch eine therapeutische Maßnahme dar. Nach jeder Strähne sollte der Kamm auf Läuse untersucht werden.
TherapieDie Therapie besteht aus einem multimodalen Konzept, das einen synergistischen Effekt erzielen soll. Hierzu werden chemische, mechanische und physikalische Wirkprinzipien genutzt. Pedikulozide Substanzen (Pyrethroide) werden zur sicheren Entfernung zweimal in einem Abstand von neun bis zehn Tagen angewandt. Nasses auskämmen mit einem geeigneten Läusekamm und Haarpflegespülung an den Tagen 1, 5, 9 und 13 der Behandlung soll zunächst die erwachsenen Läuse und folgend nachgeschlüpfte Larven entfernen. Bakterielle Superinfektionen benötigen eine antibiotische Behandlung.
 Info

In Wales und Israel gibt es laut Studien starke Resistenzen der Läuse gegen Pyrethroide, in Deutschland sind bisher nur vereinzelt Resistenzen aufgetreten.

Einleitung

Medikamenteninduzierte Hautveränderungen gehören zu den unerwünschten Arzneimittelreaktionen und können in ihrer Schwere stark variieren – von harmlosen Exanthemen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen wie dem Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) oder der toxisch epidermalen Nekrolyse (TEN). Diese Hautreaktionen entstehen meist durch immunologische Mechanismen, oft in Zusammenhang mit der Einnahme spezifischer Medikamente wie Antibiotika, Antiepileptika oder NSAR.

Klinisch präsentieren sich diese Erkrankungen mit einer Vielzahl von Symptomen wie Erythemen, Blasenbildung oder großflächiger Epidermolyse. Sie können Schleimhäute mit einbeziehen und sind häufig mit Allgemeinsymptomen wie Fieber und starkem Krankheitsgefühl verbunden. Die Diagnosestellung basiert auf Anamnese, klinischem Bild und, bei unklaren Fällen, histopathologischen Untersuchungen.

Die Therapie richtet sich nach der Schwere der Reaktion und umfasst das Absetzen des auslösenden Medikaments, symptomatische Maßnahmen wie Hautpflege und Volumenersatz sowie, je nach Schweregrad, intensivmedizinische Betreuung. Die Prognose hängt entscheidend vom frühzeitigen Therapiestart und der Schwere der Hautbeteiligung ab.

Dieses Kapitel bietet einen detaillierten Überblick über die verschiedenen medikamenteninduzierten Hautveränderungen, deren Pathophysiologie, Diagnostik und Therapieansätze. Es beleuchtet dabei auch die Differenzialdiagnosen und das Vorgehen bei lebensbedrohlichen Reaktionen wie SJS und TEN.

1. Hautbefund: Stevens-Johnson-Syndrom

Steven-Johnson-Syndrom
Hautbefund: Im gesamten Gesicht sowie am Hals sind hyperpigmentiere Maculae mit randständiger Ablösung der Haut sichtbar, diese haben einen Durchmesser von ca. 1 cm und sind teilweise konfluierend
Diagnose

Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) /  Toxisch epidermale Nekrolyse (TEN)

  • <10% der Körperoberfläche betroffen = SJS
  • Zwischen 10 und 30% = Übergangsform SJS/TEN
  • >30% der Körperoberfläche betroffen = TEN (Maximalvariante)
Hauptbefund & Symptome

Im gesamten Gesicht sowie am Hals sind hyperpigmentiere Maculae mit randständiger Ablösung der Haut sichtbar, diese haben einen Durchmesser von ca. 1 cm und sind teilweise konfluierend. Im Gesicht zeigt sich ein vor allem perioral betontes Erythem. Die Lippen des Patienten sind randständig erosiv verändert und weisen blutige Blasen auf. 

  • Fieber, starkes Krankheitsgefühl
  • Positives Nikolski-Phänomen I und II
PathophysiologieDie Pathogenese ist nicht abschließend geklärt, es handelt sich um eine immunologische Intoleranz-Reaktion der Haut mit hoher Letalität (10%). Der häufigste Auslöser sind Medikamente (z.B. SSRI, NSAR, Allopurinol, Sulfonamide, Sulfasalazin, Phenobarbitat). Die Reaktion beginnt in der Regel eine bis drei Wochen nach Beginn der Einnahme.
Diagnostik

Durch die typischen Läsionen und den schnellen Progress der Hautveränderungen in Kombination mit der (Medikamenten)Anamnese lässt sich die Diagnose häufig bereits anhand der klinischen Zusammenschau stellen. In der zusätzlich durchgeführten Biopsie in Fällen mit unschlüssiger Klinik stellt sich histopathologisch nekrotisches Epithel dar.

  • Sterblichkeitsrate individueller Patienten wird anhand der SCORTEN-Skala (Severity-of-Illness Score for Toxic Epidermal Necrolysis) bestimmt
Therapie
  • Auslöser absetzen
  • Therapie analog zur Verbrennungstherapie: Volumen- und Elektrolytsubstitution, Wundbehandlung, Vermeiden einer Hypothermie, Antibiotika-Gabe bei Sekundärinfektion bzw. Sepsis, ggf. Einsatz von Glukokortikoiden
 Merke
SJS

Es handelt sich um eine immunologische Intoleranzreaktion der Haut, die stets mit einer Beteiligung der Schleimhäute einhergeht. Meist werden solche Reaktionen durch Medikamente ausgelöst. Die Therapie besteht in erster Linie im Absetzen des auslösenden Medikaments, gegebenenfalls dem Einsatz von Glukokortikoiden sowie einer Wundversorgung, die der Verbrennungstherapie entspricht. Die Letalität liegt bei etwa 10 %.

SSSS

Wird durch Staphylokokken ausgelöst. Ein Schleimhautbefall ist nicht zu erwarten. Glukokortikoide sind absolut kontraindiziert, die Therapie erfolgt mit Flucloxacillin. Die Wundversorgung sollte analog zur Verbrennungstherapie erfolgen. Die Prognose ist gut.

Einleitung

Nävi, Tumore und Präkanzerosen bilden eine vielfältige Gruppe dermatologischer Veränderungen, die von gutartigen Hautveränderungen bis hin zu bösartigen Tumoren reichen. Während Nävi wie der Nävuszellnävus oft harmlose Befunde darstellen, können Präkanzerosen wie die aktinische Keratose in invasive Karzinome übergehen. Tumore wie das Basalzellkarzinom oder das maligne Melanom stellen wichtige Entitäten dar, die eine frühzeitige Diagnostik und Behandlung erfordern, um eine Progression oder Metastasierung zu verhindern.

Die Pathophysiologie reicht von genetischen Mutationen, wie beim malignen Melanom, bis hin zu umweltbedingten Faktoren wie UV-Strahlung, die Präkanzerosen und Tumore begünstigen. Klinisch zeigen sich diese Hautveränderungen in einer Vielzahl von Erscheinungsbildern, die von scharf begrenzten Nävi bis zu exophytischen oder ulzerierenden Tumoren reichen. Die Diagnostik basiert auf klinischer Untersuchung, Dermatoskopie und histopathologischer Analyse, ergänzt durch molekulare Marker bei fortgeschrittenen Tumoren.

Therapeutisch stehen je nach Entität konservative Maßnahmen wie topische Behandlungen, chirurgische Exzision oder systemische Therapien wie Immuncheckpoint-Inhibitoren zur Verfügung. Präventive Maßnahmen wie Sonnenschutz und regelmäßige Hautkrebsscreenings sind entscheidend für die frühzeitige Erkennung und Behandlung.

Dieses Kapitel beleuchtet die wichtigsten Nävi, Tumore und Präkanzerosen, deren Pathophysiologie, Diagnostik und Therapieoptionen. Besondere Schwerpunkte liegen auf der Differenzialdiagnostik, der Prävention und den neuesten Therapieansätzen für bösartige Hautveränderungen.

1. Hautbefund:  Nävuszellnävus (NZN, Leberfleck, Muttermal)

Nävuszellnävus
Hautbefund: Im Ausschnitt der Patient:in befindet sich eine ca. 1,3 cm messende, braun pigmentierte Macula mit scharfer Begrenzung, zentral wirkt die Oberfläche rau und minimal erhaben.
DiagnoseNävuszellnävus (NZN, Leberfleck, Muttermal)
Hauptbefund & Symptome

Im Ausschnitt der Patient:in befindet sich eine ca. 1,3 cm messende, braun pigmentierte Macula mit scharfer Begrenzung, zentral wirkt die Oberfläche rau und minimal erhaben.

  • Im Alter bilden sich Nävi oft zurück, es bleiben hautfarbene Knötchen zurück.
Pathophysiologie

Es handelt sich um erworbene Nävi, die in der Kindheit und im Jugendalter entstehen. In der Bevölkerung sind sie sehr weit verbreitet, jeder Erwachsene hat ca. 20-40 Stück. Je weniger pigmentiert die Haut einer Person, umso mehr Nävi entwickelt sie. Ihre Entstehung ist multifaktoriell bedingt, sowohl familiäre Veranlagung (v.a. in Bezug auf Melanome), Sonnenexposition und endogene Faktoren wie hormonelle Umstellungen bei z.B. Schwangerschaft spielen eine Rolle.

Die Entwicklung folgt drei aufeinanderfolgenden Stadien:

  • Junktionsnävus: in der dermoepidermalen Junktionszone entstehen epidermal gelegene Nester aus Melanozyten
  • Compundnävus: die Melanozytennester tropfen in die obere Dermis ab, hier besitzt der Nävus dermale und epidermale Anteile. Weil die Melanozyten oft ihre Fähigkeit zur Melaninproduktion verlieren, sind diese Nävi oft heller.
  • Dermaler Nävus: hier ist der Endzustand der Entwicklung erreicht, diese findet man meistens bei Erwachsenen. Die Unterscheidung zu malignen Melanomen besteht hier darin, dass die Melanozyten weiter in die Dermis wandern (abtropfen) und ihre Dendriten verlieren.
Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt vor allem bei Hautkrebsscreenings, hierbei ist die Unterscheidung zu malignen Melanomen wichtig: NZN sind symmetrisch, besitzen eine regelmäßige Pigmentierung und sind scharf begrenzt, in der dermatoskopischen Untersuchung zeigt sich ein regelmäßiges Pigmentnetz.

Auch die Unterscheidung zu anderen Nävi-Arten und Fibromen dient der sicheren Identifizierung von NZN.

Therapie

Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Anzahl an Nävi und dem Vorkommen von malignen Melanomen, da ca. 30% der MM aus NZN entstehen.

Prinzipiell sind unauffällige Nävi nicht behandlungsbedürftig, regelmäßige Hautkrebsscreenings und Sonnenschutz sind unabhängig von der Anzahl an Nävi jedem Patienten nahezulegen.

Auffällige Nävi (z.B. schnelles Wachstum, Veränderung der Pigmentierung, Juckreiz, Blutung oder Schmerzen) werden exzidiert.

 Merke

Die Entwicklung eines NZN lässt sich mit der Abtropftheorie beschreiben: die Melanozyten tropfen von der epidermalen Junktionszone in immer tiefere Schichten der Dermis ab.

Exkurs: Unterschiede zwischen malignem Melanom und Nävuszellnävus

Malignes Melanom (MM)Nävuszellnävus (NZN)
  • Asymmetrisch, teilweise bizarre Formen
  • Unscharfe Begrenzung
  • Ungleichmäßige Pigmentierung, ggf Grauschleier
  • Veränderung von Struktur und Aussehen
  • Schmerzen, Jucken oder Blutungen
  • Bildung von Krusten oder Knötchen
  • Auffällige Größe ab 0,5 cm
  • Symmetrisch, in der Regel rund-oval
  • Scharf begrenzt
  • Flache Maculae
  • Gleichmäßiges Pigmentnetz
  • Keine Veränderungen, nachdem die Stadien der Entwicklung durchlaufen sind
  • Symptomlos 
  • Zur Beurteilung wird die ABCDE-Regel genutzt (siehe malignes Melanom)
  • Die Wahrscheinlichkeit ein Melanom zu entwickeln, steigt mit der Anzahl an vorhandenen Nävi, da sich ca. 30% der Melanome aus Nävi entwickeln, außerdem spielen familiäre Veranlagungen eine wichtige Rolle.
  • Regelmäßige Selbstuntersuchungen und Hautkrebsscreenings durch Dermatolog:innen sind zur frühzeitigen Entdeckung und ggf. Therapie auffälliger Hautveränderungen sinnvoll.
Durchführung eines Hautkrebsscreenings

Ab einem Alter von 35 Jahren bezahlen gesetzliche Krankenkassen in einem Zeitintervall von zwei Jahren ein dermatologisches Hautkrebsscreening zur effektiven Prävention und Frühentdeckung von verdächtigen Hautveränderungen, hierbei kann es sich um Melanome oder andere Tumore handeln.

Eingangs ergibt es Sinn, die Patient:innen zu fragen, ob ihnen selbst neue Hautveränderungen aufgefallen seien, sich bekannte Nävi verändert haben oder andere Symptome wie Juckreiz oder Blutungen an den Nävi aufgetreten seien.

Die Patient:innen entkleiden sich bis auf die Unterwäsche und können sich je nach Vorliebe der Patient:innen und Untersucher:innen hinlegen oder stehen bleiben.

Da viele Patient:innen Scham bei der Untersuchung empfinden, ist es wichtig ein professionelles und sicheres Umfeld zu erzeugen, dies kann unter anderem mit einer strukturierten Untersuchung mit dem Dermatoskop erfolgen. Die hier beschriebene Struktur dient als Leitfaden und kann nach eigenem Belieben modifiziert werden:

  • Beginn mit der frontalen Körperseite, mit Orientierung von kranial nach kaudal: Die Untersuchung sollte die behaarte Kopfhaut und die Schleimhäute miteinbeziehen. Da Nävi an den Hand- und Fußzwischenräumen oft übersehen werden, ist es wichtig auch hier sorgfältig zu untersuchen.
  • Untersuchung der Rückseite; um Nävi in den von der Unterwäsche bedeckten Stellen nicht zu übersehen, sollte man die Patient:innen punktuell darum bitten, die Unterwäsche beiseitezuschieben.
  • Auch die Fußsohlen der Patient:innen sind zu untersuchen, falls die Untersuchung im Stehen erfolgt ist, können die Patient:innen sich mit Hilfe (z.B. Stuhl)  im Einbein-Stand untersuchen lassen.

2. Hautbefund: Melasma 

Melasma
Hautbefund: Im Bereich der Wange zeigen sich 3 (mit rot markierte) leicht hyperpigmentierte Makulae mit minimal unscharfer Begrenzung und landkartenähnlicher Konfiguration bei weitestgehender Symmetrie.
DiagnoseMelasma
Hauptbefund & SymptomeIm Bereich der Wange zeigen sich 3 (mit rot markierte) leicht hyperpigmentierte Makulae mit minimal unscharfer Begrenzung und landkartenähnlicher Konfiguration bei weitestgehender Symmetrie.
PathophysiologieDas Melasma fällt unter die Gruppe der Hyperpigmentierungen, diese können verschiedene Ursachen haben und fokal oder diffus auftreten. Vor allem das Melasma tritt oft während einer Schwangerschaft oder in Zusammenhang mit der Einnahme von oralen Kontrazeptiva auf. Durch vermehrte UV-Exposition steigt das Risiko, daher vermutet man eine Überproduktion von Melanin. Zusätzlich auslösend können autoimmune Schilddrüsenerkrankungen und photosensibilisierende Medikamente sein. Mit Ende der Schwangerschaft oder der Kontrazeption verschwinden in der Regel auch die hyperpigmentierten Maculae, bei Männern bestehen die Hautveränderungen oft dauerhaft.
DiagnostikDie Diagnose ergibt sich aus dem klinischen Bild in Zusammenhang mit der Anamnese, hierbei sollte dann auch die Frage der oralen Kontrazeption gestellt werden.
Therapie

Da es sich nicht um eine malignitätsverdächtige Hautläsion handelt, besteht in der Regel keine Indikation für eine Therapie. Die Patient:innen sollten auf sorgfältigen Sonnenschutz achten. Oft wünschen Patient:innen aufgrund kosmetischer Gründe eine Therapie, diese besteht aus einer topischen Dreifach-Kombination aus Hydrochinon (wirkt depigmentierend), Tretinoin (fördert den Keratinozytenumsatz) und einem Glukokortikoid (hemmen Synthese und Sekretion von Melanin).

Während der Schwangerschaft sind Azelainsäure und chemische Peelings mit Glykolsäure zur Anwendung zugelassen.

3. Hautbefund: Nävus sebaceus

Nävus sebaceus
Hautbefund: Im Bereich der behaarten Kopfhaut zeigt sich ein ca. 0,8 cm messender, rosa-farbener Nodus mit bizarrer Form. 
Diagnose

Nävus sebaceus

  • Männliches und weibliches Geschlecht gleichermaßen betroffen
  • In ca. 10-30% der Fälle kann ein gut- oder bösartiger Tumor entstehen (Basaliom, Trichoblastom etc.), die Entartung erfolgt allerdings erst im mittleren bis hohen Erwachsenenalter
  • Häufiges Vorkommen bei Kindern
Hauptbefund & Symptome

Im Bereich der behaarten Kopfhaut zeigt sich ein ca. 0,8 cm messender, rosa-farbener Nodus mit bizarrer Form. Bei überwiegender Haarlosigkeit in dem Bereich zeigt sich vereinzeltes Haarwachstum aus der Hautveränderung hinaus. In der Umgebung ist das Haarwachstum nicht beeinträchtigt.

  • Patient:innen empfinden die Hautveränderung potenziell als kosmetisch störend.
  • Die Anordnung kann sowohl diffus als auch linear sein.
Pathophysiologie

Beim Nävus sebaceus handelt es sich um einen Hauttumor, der der Gruppe der Hamartome zugehörig ist. Hamartome sind gutartige Tumore, die aus versprengtem Keimepithel entstehen, es handelt sich um ungeordnetes aber differenziertes Gewebe. Dieses übermäßige Wachstum kommt durch somatische HRAS- und KRAS-Mutationen zustande, die für das RAS-Protein codieren. Das Protein hat normalerweise Regulatorfaktoren in Differenzierungs- und Wachstumsprozessen. Hamartome können überall im Körper auftreten, vor allem an Haut, Leber und Lunge.

Hamartome der Haut entstehen durch eine Hyperplasie der Epidermis, histologisch lassen sich außerdem unreife Haarfollikel und zahlreiche Talg- und Schweißdrüsen finden.

In den meisten Fällen treten sie sporadisch auf, in Zusammenhang mit Syndromen (z.B. Schimmelpenning-Feuerstein-Mims-Syndrom) sind sie sehr selten.

Diagnostik

Eigentlich handelt es sich um eine Blickdiagnose, eine Biopsie kann in unklaren Fällen den Verdacht bestätigen, in 90% der Fälle ist die behaarte Kopfhaut betroffen, absteigend folgen Gesicht, retroaurikulär, Nacken, Rumpf, Genitalien. Außerdem gibt es einen klassischen, altersabhängigen, klinischen Verlauf:

  • Präpubertät: Zum Zeitpunkt der Geburt präsentiert sich der Nävus mit einer weiß-gelblichen, wachsartigen Plaque mit glatter Oberfläche und diagnostisch wegweisender zirkumskripter Alopezie im betroffenen Bereich, ansonsten ist die Hautveränderung symptomlos.
  • Durch Talgdrüsenwachstum während der Pubertät kommt es zu einer Dickenzunahme und der Entwicklung einer beetartigen, warzigen Plaque von gelb-roter bis gelb-brauner Farbe mit schwammig-fester Konsistenz.
  • Postpubertär: verruköse Oberfläche und oft dunkle Pigmentierung
TherapieProphylaktische chirurgische Exzision der gesamten Hautveränderung oder auch nur Teilen, hierbei spielt auch der kosmetische Aspekt eine Rolle. Alternativ ist auch kontrolliertes zuwarten möglich.

4. Hautbefund: Hämangiom (Blutschwämmchen)

Hämangiom (Blutschwämmchen)
Hautbefund: In Umgebung des Bauchnabels zeigt sich eine ca. 1,5 cm messende flächige Plaque. Diese sitzt breitbasig auf und präsentiert sich stark erythematös, die Oberfläche ist segmentiert, zeigt sich aber ansonsten glatt.
Diagnose

Hämangiom (Blutschwämmchen)

  • Auftreten oft bei Neugeborenen und Kindern, allerdings auch bei Erwachsenen möglich
Hauptbefund & SymptomeIn Umgebung des Bauchnabels zeigt sich eine ca. 1,5 cm messende flächige Plaque. Diese sitzt breitbasig auf und präsentiert sich stark erythematös, die Oberfläche ist segmentiert, zeigt sich aber ansonsten glatt.
PathophysiologieBei Hämangiomen handelt es sich um einen gutartigen Tumor, der durch vaskuläre Malformationen entsteht. Je nach Größe und Lokalisation des Hämangioms kann es zu Einschränkungen, z.B. Visusverlust kommen, daher erfolgt die Therapie in solchen Fällen zeitig.
DiagnostikDie Diagnose erfolgt anhand des klinischen Bildes, in seltenen Fällen erfolgt zusätzlich eine Biopsie.
TherapieHämangiome sind in der Regel gutartig, trotzdem ist die regelmäßige Kontrolle der Hautveränderung sinnvoll, um eine mögliche Entartung nicht zu versäumen. Aktuell liegt kein Goldstandard für die Therapie vor, hierbei erfolgt sowohl der Einsatz von lokalen Glukokortikoide als auch der Einsatz von topischen oder systemischen Betablockern (Propranolol). Auch eine Spontanheilung des Hämangioms ist möglich, daher verzichtet man, wenn möglich auf eine chirurgische Exzision.
 Info

Der genaue Wirkmechanismus von Betablockern in der Therapie von Hämangiomen ist noch nicht geklärt. Durch eine Vasokonstriktion kommt es zur schnellen Farb- und Konsistenzreduktion. Durch Reduktion von Wachstumsfaktoren (VEGF, bFGF) wird das Gefäßwachstum unterdrückt, der langfristige Effekt beruht vermutlich auf einer beschleunigten Apoptose der Endothelzellen.

5. Hautbefund: Nävus flammeus (Feuermal, Storchenbiss)

Nävus flammeus (Feuermal, Storchenbiss)
Bild 1: Am ulnarseiten Handrücken und an den Fingern drei bis fünf befinden sich hellrote Makulae.
Nävus flammeus (Feuermal, Storchenbiss)
Bild 2: Am lateralen Unterschenkel befinden sich hellrote Makulae. 
DiagnoseNävus flammeus (Feuermal, Storchenbiss)
Hauptbefund & SymptomeAm ulnarseiten Handrücken und an den Fingern drei bis fünf befinden sich hellrote Makulae, wobei die Finger weniger stark erythematös sind. Die Makulae zeigen sich teilweise konfluierend bei eher unscharfer Begrenzung.
Pathophysiologie

Diese Hautveränderung tritt während der Embryogenese durch minimale Differenzierungsstörungen auf und ist damit bereits oft bei Geburt vorhanden oder entwickelt sich im Säuglings- bis Kleinkindalter. Die Makulae kommen durch dilatierte Kapillaren unterhalb der Epidermis zustande.

Man unterscheiden zwischen medialen Nävi, die keine Assoziation zu weiteren Fehlbildungen haben und oft selbstlimitierend sind und lateralen Nävi. Diese betreffen oft den 1./2. Trigeminusast und sind mit Phakomatosen und Syndromen (z.B. Von-Hippel-Lindau-Syndrom) assoziiert und zeigen keine Rückbildungstendenz.

DiagnostikDie Diagnose erfolgt anhand des klinischen Bildes, in seltenen Fällen erfolgt zusätzlich eine Biopsie.
TherapieDie meisten Fälle sind selbstlimitierend und die Nävi verschwinden mit der Zeit, bei ausbleibender Rückbildung und kosmetischer Beeinträchtigung kann eine Lasertherapie zur Verödung der Kapillaren durchgeführt werden.
 Achtung

Im Unterschied zum Hämangiom sind Nävi flammei immer streng im Hautniveau.

6. Hautbefund: Fibrom (weich)

Fibrom (weich)
Bild 1: In der behaarten Achsel zeigen sich disseminiert angeordnete, erhabene, warzenartige Hautanhänge, die in Form und Pigmentierung untereinander von blassrosa bis bräunlich variieren. 
Fibrom (weich)
Bild 2: Am oberen Augenlid zeigt sich ein erhabener, warzenartiger Hautanhang. 
DiagnoseFibrom (weich)
Hauptbefund & Symptome

In der behaarten Achsel zeigen sich disseminiert angeordnete, erhabene, warzenartige Hautanhänge, die in Form und Pigmentierung untereinander von blassrosa bis bräunlich variieren. Die Haut zeigt sich insgesamt mit Hyperpigmentierung, vergröberter Hautfelderung und leicht zerklüftet wirkender Oberfläche.

  • Beschwerden sind selten, können aber auftreten, wenn das Fibrom an einer ungünstigen Stelle lokalisiert ist, sich entzündet oder gereizt ist. Hierbei kann es auch zu Blutungen kommen.
PathophysiologieBei einem Fibrom handelt es sich um einen gutartigen Hauttumor, der durch eine vermehrte Proliferation von Fibroblasten entsteht. Diese produzieren wiederum zusätzlich vermehrt Kollagen, sodass ein Fibrom als flache, knotige oder gestielte Hautveränderung in Erscheinung tritt. Man unterscheidet zwischen hartem und weichem Fibrom. Hierbei vermutet man beim weichen Fibrom eine familiäre Komponente, wohingegen bei harten Fibromen kleine Entzündungen der Haut begünstigend wirken.
Diagnostik

Bei einem Fibrom handelt es sich um eine klassische Blickdiagnose. Im Zweifel ist zum Ausschluss eines bösartigen Hauttumors eine histopathologische Untersuchung indiziert.

  • Weiche Fibrome finden sich vor allem in Hautfalten
  • Harte Fibrome befinden sich häufiger an den Beinen und sind nur wenig erhaben
  • Die Häufigkeit der Fibrome steigt mit zunehmendem Lebensalter
TherapieFibrome bedürfen in der Regel keiner Therapie, sind aber auch nicht selbstlimitierend. Eine Entfernung kann elektiv durchgeführt werden, wenn sie Beschwerden bereiten oder die Patient:innen kosmetisch stören. Durchführen lässt sich die Entfernung mittels Schere, Skalpell, Vereisung, Laserbehandlung oder Elektrochirurgie.
 Merke

Beim Fitzpatrick-Zeichen handelt es sich um eine klinische Tastuntersuchung: Bei einem harten Fibrom zieht sich die Hautveränderung nach innen, wenn der umliegende Bereich zwischen Daumen und Zeigefinger zusammengedrückt wird.

 Info

Vor allem an den Beinen von Patient:innen, die sich regelmäßig die Beine rasieren lassen sich harte Fibrome finden, die Hautreizung begünstigt ihr Entstehen.

7. Hautbefund: Atherom (Epidermalzyste, Grützbeutel)

Atherom
Bild 1: Im Bereich des Nackens zeigt sich ein ungefähr 1 cm messender subkutaner Nodus mit umgebendem Erythem im Sinne einer Entzündung.
Atherom
Bild 2: Hinter dem Ohr zeigt sich ein ungefähr 1 cm messender subkutaner Nodus.
Diagnose

Atherom (Epidermalzyste, Grützbeutel)

  • Häufigster benigner Tumor der Haut
Hauptbefund & Symptome

Im Bereich des Nackens zeigt sich ein ungefähr 1 cm messender subkutaner Nodus mit umgebendem Erythem im Sinne einer Entzündung.

  • Schmerzen, Schwellung und Eiterbildung bei Entzündung und Manipulation
PathophysiologieEine Zyste ist per definitionem ein neu formierter abgekapselter Hohlraum, der mit einer Epithel-Kapsel ausgekleidet ist. Die Epidermalzyste ist in den tieferen Hautschichten gelegen und entwickelt sich aus verstopften Talgdrüsen. Wenn der Talg nicht abfließen kann, sammelt sich dieser und bildet die Fett-gefüllten Zysten. Oft finden sie sich bei Acne oder anderen die Talgdrüsen- und Haarfollikel-betreffenden Erkrankungen. Obwohl sie am ganzen Körper auftreten können, sind Prädilektionsstellen Gesicht, Nacken oder Rückenbereich. Die Größe kann variieren, manche erreichen die Größe eines Hühnereis.
DiagnostikEs handelt sich um eine Blickdiagnose in Zusammenschau mit der Anamnese. Ihre Konsistenz ist prallelastisch bis derb und es findet sich ein schwarzgrauer Punkt, der den verstopften Taldrüsenausgang markiert.
TherapieAufgrund der Entzündungsgefahr ergibt die Entfernung nicht nur aus ästhetischen Gründen Sinn, zumal die Patient:innen sie oft als störend empfinden. Die Entfernung eines unauffälligen Atheroms findet unter lokaler Betäubung statt. Um sicherzugehen, dass es nicht zu einem Rezidiv kommt, ist es wichtig, die gesamte Kapsel zu entfernen. Im Falle eines entzündeten Atheroms wird zunächst eine Drainage gelegt und das Atherom antibiotisch versorgt, bevor auch hier die gesamte Kapsel exzidiert wird. Bei Entfernung großer Atherome ist es möglich, durch Fettgewebstransplantationen die Hohlräume zu füllen.

8. Hautbefund: Leukoplakie

Leukoplakie
Bild 1: Im Gaumen zeigt sich hinter der unteren Zahnreihe eine etwas über einen Zentimeter messende Schleimhautveränderung, weißlich-matter Färbung und scharfer Begrenzung
Leukoplakie
Bild 2: Es zeigt sich eine Schleimhautveränderung mit weißlich-matter Färbung und scharfer Begrenzung.
Diagnose

Leukoplakie

  • Fakultative Präkanzerose des Plattenepithelkarzinoms
  • Risikofaktoren: Rauchen, Kautabak, Alkohol, mangelhafte Mundhygiene, schlecht sitzender Zahnersatz oder auch chronische Virusinfektionen (v.a. Genitalschleimhaut)
Hauptbefund & Symptome

Im Gaumen zeigt sich hinter der unteren Zahnreihe eine etwas über einen Zentimeter messende Schleimhautveränderung, weißlich-matter Färbung und scharfer Begrenzung. Die Oberfläche wirkt leicht gefältelt und minimal segmentiert.

  • Prädilektionsstellen: Lippen, Mundhöhle und Genitalien
Pathophysiologie

Durch mechanische, chemische oder biologische Dauerreize wird eine Verdickung des Plattenepithels bewirkt, wodurch die tieferliegenden Kapillaren nicht mehr sichtbar sind und die Hautveränderung weißlich wirkt.

Nach klinischem und histologischem Aspekt unterscheidet man drei Formen:

  • Leukoplakia simplex (homogen): homogene, weiße Oberfläche mit scharfer Begrenzung, geringe Entartungswahrscheinlichkeit
  • Leukoplakia verrucosa (inhomogen): sie präsentieren sich mit einer warzigen, unebenen Oberfläche, das Entartungsrisiko beträgt 5%
  • Leukoplakia erosiva (inhomogen): zusätzlich zur weißen Oberfläche finden sich rote, erosive Areale, das Entartungsrisiko beträgt 30%
Diagnostik

Histopathologisch zeigt sich eine Verhornungsstörung des mehrschichtigen Plattenepithels, das potenziell dysplastisch verändert sein kann. Zur Differenzierung von anderen Erkrankungen dient die Biopsie.

Typisch ist, dass die Hautveränderungen sich nicht abstreifen lassen, wie es zum Beispiel bei einer oralen Candidose der Fall wäre.

TherapieIn der Regel verschwinden die Schleimhautveränderungen beim Absetzen der Noxen nach ungefähr 2 bis 4 Wochen. Im Fall von auffälligen oder erosiven Leukoplakien ist die Kürettage oder Exzision eine angemessene Therapie. Die Exzision hat hier den Vorteil der Schnittrandkontrolle, um die komplette Entfernung sicherzustellen und gleichzeitig ermöglicht sie eine histologische Aufarbeitung.

9. Hautbefund: Seborrhoische Keratose

Seborroische Keratose
Bild 1: In der rechten Gesichtshälfte des Patienten, oberhalb des Nasenflügels, zeigt sich eine ca. 3 cm messende breitbasig aufsitzende bräunliche Plaque mit zerklüfteter, verruköser Oberfläche
DiagnoseSeborrhoische Keratose
Hauptbefund & Symptome

In der rechten Gesichtshälfte des Patienten, oberhalb des Nasenflügels, zeigt sich eine ca. 3 cm messende breitbasig aufsitzende bräunliche Plaque mit zerklüfteter, verruköser Oberfläche. Die Hautveränderung präsentiert sich scharf begrenzt, zweigeteilt und wirkt speckig.

  • Durch mechanische Manipulation kann es zu Blutungen und Sekundärinfektionen kommen.
  • Prädilektionsstellen: Gesicht, Oberkörper, Arme und Handrücken
Pathophysiologie

Die genaue Ursache der seborrhoischen Keratose ist unbekannt, man vermutet eine chronische Inflammation sowie Alterungsprozesse der Haut. Es handelt sich um einen gutartigen Hauttumor, allerdings kann die Hautveränderung auch paraneoplastisch als Leser-Trélat-Syndrom auftreten, z.B. bei Lymphomen oder gastrointestinalen Tumoren. Risikofaktoren sind steigendes Lebensalter sowie hohe UV-Exposition.

  • Keine Entartung
DiagnostikSeborrhoische Keratosen treten in der Regel ab dem mittleren Alter auf und sind klassische Blickdiagnosen, auch wenn sie sich sehr unterschiedlich präsentieren können. Wenn nötig, ergänzt man die Untersuchung mit einem Dermatoskop. In der Zusammenschau mit der Lokalisation, Verlauf der Hautveränderung und dem Alter der Patient:innen ergibt sich die Diagnose. Nur bei Unsicherheit sollte eine Biopsie erfolgen.
TherapieDa es sich um eine gutartige Hautveränderung handelt, wird die Entfernung nur angestrebt, wenn die Patient:innen sie als optisch oder manuell störend empfinden. Die Entfernung erfolgt unter lokaler Betäubung mittels Kürettage oder unter geringer Narbenbildung mit Kryotherapie.
 Achtung

Weil seborrhoische Keratosen sich im Aussehen stark unterscheiden können, ist es wichtig, sie von bösartigen Hauttumoren zu differenzieren!

 Merke

Obwohl die Hautveränderung den Namen seborrhoische Keratose trägt, ist keine Störung oder Veränderung der Talgdrüsen ursächlich. Vielmehr wird dadurch die speckige Oberfläche der Hautveränderungen beschrieben.

10. Hautbefund: Basalzellkarzinom  (Basaliom)

Basalzellkarzinom
Bild 1: Auf der Nasenspitze zeigt sich ein etwas mehr als einen Zentimeter durchmessender erythematöser Nodus mit scharfer Begrenzung und randständigen Teleangiektasien
Basalzellkarzinom
Bild 2: Unter dem Auge zeigt sich ein kleiner Nodus mit Randsaum und zentraler Eindellung
Diagnose

Basalzellkarzinom  (Basaliom)

  • Es handelt sich um den häufigsten Tumor der Haut, vor allem tritt er bei älteren Patient:innen auf
  • Die Prävention erfolgt am effektivsten mit Sonnenschutz
  • Unterformen: knotig, sklerodermiform, pigmentiert, superficial, Ulcus rodens (zentral ulzerierend) und das Ulcus terebrans (Infiltration tief über die Dermis hinaus)
Hauptbefund & Symptome

Auf der Nasenspitze zeigt sich ein etwas mehr als einen Zentimeter durchmessender erythematöser Nodus mit scharfer Begrenzung und randständigen Teleangiektasien. Die Oberfläche erscheint glänzend und hart. Zentral zeigt sich eine kleine Ulzeration mit Einziehungen und  Kruste.

  • Dermatoskopisch ist ein perlschnuratiger Randwall sichtbar, dieser ist wegweisend für die Diagnosestellung
Pathophysiologie

Der Tumor kommt ausschließlich an behaarter Haut vor, da durch eine Mutation des Sonic-Hedgehog-Gens Haarfollikel und andere Hautanhangsgebilde nachgeahmt werden.

  • Keine Metastasierung bei lokal destruierendem Wachstum
  • Sehr langsames horizontales und vertikales Wachstum, verbleibt lange als Carcinoma in situ
  • Hauptrisikofaktoren sind chronische UV-Schädigung und Immunsuppression
Diagnostik

Beim Verdacht eines Basalioms erfolgt die Untersuchung der gesamten Haut. Vor allem unter dem Dermatoskop zeigen sich für das Basaliom typische Veränderungen, wie z.B. der perlschnurartige Randwall. Diese Auffälligkeiten helfen, potenzielle Differentialdiagnosen auszuschließen. Zur Bestätigung der Verdachtsdiagnose erfolgt die Entnahme einer Hautbiopsie unter lokaler Betäubung, Histopathologisch lässt sich so der Verdacht bestätigen, außerdem ist die Angabe der Tumordicke sowie die Reinheit der Exzisionsränder wichtig, da bei randständigen Tumoranteilen eine Nachexzision erfolgt.

Es kommt fast nie zur Metastasierung, dennoch sollte bei Verdacht darauf eine Ausbreitungsdiagnostik erfolgen.

Therapie

Die Therapie des Tumors erfolgt durch chirurgische Exzision im Gesunden mit 4-5 mm Sicherheitsabstand.

  • Bei inoperablen Tumoren wird eine Strahlentherapie angewandt sowie topisch 5-Fluoruracil.
  • Bei oberflächlichen Befunden genügt eine Lokaltherapie mit Imiquimod sowie alternativ eine photodynamische Therapie
  • Rezidive sind vor allem in den ersten Jahren nach Exzision möglich
 Merke

Die Risikoabschätzung des Basalioms erfolgt nach folgenden Kriterien: Größe, Lokalisation, histologischer Subtyp, Begrenzung, Rezidivsituation, stattgefundene Bestrahlung am Ort des Tumors.

11. Hautbefund: Aktinische Keratose

Aktinische Keratose
Bild 1: Auf dem Handrücken zeigt sich ein unscharf begrenztes, fleckiges Erythem durchzogen von hyperpigmentierten bräunlichen Hyperkeratosen
Aktinische Keratose
Bild 2: Auf dem Kopf zeigt sich ein unscharf begrenztes, fleckiges Erythem
Diagnose

Aktinische Keratose (Keratosis solaris, Feldkanzerisierung)

  • Die Feldkanzerisierung beschreibt das parallele Auftreten unterschiedlicher Schweregrade aktinischer Keratosen in einem großflächigen Hautareal.
Hauptbefund & Symptome

Auf dem Handrücken zeigt sich ein unscharf begrenztes, fleckiges Erythem durchzogen von hyperpigmentierten bräunlichen Hyperkeratosen. Die Hyperkeratosen zeigen sich teils krustig belegt. Die betroffene Hautstelle wirkt insgesamt atroph und rau. Die Hautveränderung präsentiert sich im Sinne einer Feldkanzerisierung.

  • Berufliche Sonnenexposition erfragen
  • Sonnenschutz erfragen
Pathophysiologie

Durch übermäßige UV-Exposition findet eine unkontrollierte Hyperplasie atypischer epidermaler Keratinozyten statt, diese gilt als Präkanzerose und kann sich zu einem Plattenepithelkarzinom entwickeln.

  • Risikofaktoren sind Hauttypen I und II, Immunsuppression, genetische Veranlagung und hohe kumulative UV-Exposition, sowie ionisierende Strahlung und Basaliome/ Spinaliome in der Krankheitsgeschichte.
  • Die klinische Einteilung der aktinischen Keratose erfolgt in unterschiedliche Schweregrade:
  1. Schwach/ mild: flache, rosafarbene Flecken ohne Hyperkeratose oder Erythem, insgesamt besser tast- als sichtbar.
  2. Moderat: erythematöse Papeln und Plaques mit Hyperkeratose, sowohl tast- als auch sichtbar.
  3. Schwer: dicke und auffällige Hyperkeratosen, außerdem atypische Keratinozyten und Mitosefiguren
DiagnostikEs handelt sich um eine klassische Blickdiagnose. Bei passendem klinischem Befund in Kombination mit der Anamnese ist laut Leitlinie keine histopathologische Untersuchung indiziert, diese sollte allerdings bei Therapieresistenz erfolgen.
Therapie

Zur Therapie finden unterschiedliche Modalitäten Anwendung, die sowohl konservativ als auch invasiv sein können.

  • Kryochirurgie, Laserverfahren, Phototherapie und Ablation stellen invasive Therapieoptionen dar.
  • Diclofenac, 5-Fluoruracil, Imiquimod stellen topische Therapien dar.
  • Nebenwirkungen der Behandlungen können Narben- oder Blasenbildung sein, außerdem kann es zu Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut sowie Lichtempfindlichkeit kommen. Oft treten zusätzlich lokale Entzündungsreaktionen auf.
 Merke

Aufgrund der potentiell starken lokalen Entzündungsreaktion beenden viele Patient:innen die Therapie eigenständig, obwohl mehr Anwendungen nötig wären. Eine Aufklärung über die Nebenwirkung und das dünne Auftragen der topischen Therapie ist wichtig!

12. Hautbefund: Plattenepithelkarzinom

Plattenepithelkarzinom
Bild 1: An der Nasenspitze zeigt sich ein ca. 1,5 cm messender, breitbasig aufsitzender, hautfarbener Nodus mit exophytischem Wachstum, umgeben von einem randständigen Erythem.
Plattenepithelkarzinom
Bild 2: Am seitlichen Nasenrücken zeigt sich Nodus mit exophytischem Wachstum und randständigem Erythem. 
 Achtung

Das Plattenepithelkarzinom wächst lange nicht sichtbar intradermal und spät destruierend, die sichtbare Hautveränderung wird oft als „Spitze des Eisbergs“ beschrieben. Das Plattenepithelkarzinom wird auch als „weißer Hautkrebs“ beschrieben. Merkhilfe: Auf einem Eisberg liegt weißer Schnee!

Diagnose

Plattenepithelkarzinom (Spinaliom, Stachelzellkarzinom)

  • Zweithäufigster Hauttumor, häufigster bösartiger Hauttumor der Schleimhäute
  • Erkrankung des 7.-8. Lebensjahrzehnts
Hauptbefund & Symptome

An der Nasenspitze zeigt sich ein ca. 1,5 cm messender, breitbasig aufsitzender, hautfarbener Nodus mit exophytischem Wachstum, umgeben von einem randständigen Erythem. Zentral sind ein zentrales, induriertes Ulcus sowie umgebende Krusten sichtbar.

  • Nicht schmerzhaft, aber leicht verletzlich
  • Auch endophytisches Wachstum möglich
  • Dermatoskopisch parakeratotische Hornperlen sichtbar
Pathophysiologie

Durch eine Mutation im Tumorsuppressorgen p53 kommt es zur unkontrollierten Vermehrung atypischer Keratinozyten durch die mutationsbedingt entstandene Apoptoseresistenz.

  • Der Tumor ist epidermalen Ursprungs, mit langem intradermalem Wachstum als Carcinoma in situ und späterem destruierenden Wachstum.
  • Entstehen kann der Tumor aus aktinischen Keratosen genauso wie aus chronisch-entzündlichen, degenerativen Hauterkrankungen.
  • Risikofaktoren sind männliches Geschlecht, UVB-Strahlung, Arsen, Teer, Mineralöle und Immunsuppression
  • Die Metastasierung erfolgt in der Regel lymphogen, potenziell kann der Krankheitsverlauf tödlich sein, Faktoren die beeinflussend wirken sind Größe, Lokalisation und Eindringtiefe des Tumors.
Diagnostik

Die Diagnosestellung erfolgt in der Regel anhand der klinischen Untersuchung und wird mit einer Hautbiopsie bestätigt. Histopathologisch zeigt sich ein epithelialer Tumor mit Verhornungsneigung,

  • Palpation der Lymphknotenstationen in der körperlichen Untersuchung
  • Hinweisend sind sichtbare parakeratotische Hornperlen durch das Dermatoskop
  • In 90% der Fälle sind sonnenexponierte Hautareale betroffen.
  • Die Diagnose muss histopathologisch gesichert werden, hierbei ist die Tumordicke ein wichtiger prognostischer Marker, außerdem wird der Grad der Differenzierung bestimmt.
Therapie

Die Therapie der Wahl ist die chirurgische Exzision unter Schnittrandkontrolle.

  • Bei Lymphknotenmetastasen erfolgt eine radikale Lymphadenektomie begleitet von einer adjuvanten Radiotherapie.
  • Bei metastasiertem, inoperablem Befund erfolgt eine Chemotherapie mit Cisplatin und 5-Fluoruracil.

13. Hautbefund: Cornu cutaneum

Cornu cutaneum
Hautbefund: Am rechten Ohr zeigt sich eine 0,8 cm messende breitbasig aufsitzende Hyperkeratose mit starker Hyperpigmentierung und exophytisch-konischem Wachstum. 
DiagnoseCornu cutaneum
Hauptbefund & Symptome

Am rechten Ohr zeigt sich eine 0,8 cm messende breitbasig aufsitzende Hyperkeratose mit starker Hyperpigmentierung und exophytisch-konischem Wachstum. Die Oberfläche erscheint rau und brüchig. In der Regel haben die Patient:innen keine Schmerzen, lediglich durch Druckbelastung (z.B. beim Liegen) können Beschwerden auftreten.

  • Prädilektionsstellen: Wangen, Nase, Lippen, Stirn, Ohrmuschel, Scheitelregion und selten Hand- und Fußrücken oder Stamm
Pathophysiologie

Beim Cornu cutaneum handelt sich um eine aus Keratin bestehende Hautwucherung, die oft einem Tierhorn ähnelt und bei Personen während der 6. und 7. Lebensdekade vorkommt. In den meisten Fällen tritt es an lichtexponierten Stellen auf und kann sowohl gut- als auch bösartig sein und auf verschiedene Diagnosen hinweisen.

Mögliche Krankheitsbilder sind:

  • Plattenepithelkarzinom
  • Basalzellkarzinom
  • Aktinische Keratose
  • Verruca vulgaris
  • Seborrhoische Keratose
DiagnostikDas Cornu cutaneum ist in der Regel eine klinische Diagnose, da die Entität allerdings nicht rein klinisch geklärt werden kann, erfolgt zusätzlich eine histopathologische Untersuchung.
TherapieAufgrund der unterschiedlichen Krankheitsbilder, die sich durch ein Cornu cutaneum darstellen und potenziell maligne sein können, empfiehlt sich hier immer eine chirurgische Exzision und die anschließende histopathologische Untersuchung.
 Merke

Wegen der optischen Ähnlichkeit kann ein Cornu cutaneum mit einer Pomadenkruste verwechselt werden, hierbei handelt es sich um eine pflegebedingte Hautverdickung durch eine okklusiv bedingte Hyperplasie der Epidermis, die bei Kindern und pflegebedürftigen Erwachsenen vor allem im Glutealbereich auftritt. Auslösend sind unzureichend entfernte fettige Externa.

Exkurs: Vergleich Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom

BasalzellkarzinomPlattenepithelkarzinom
  • Häufigster Tumor der Haut, am häufigsten sind Gesicht und Hals betroffen
  • Risikofaktoren sind vor allem höheres Alter (ab dem 6. Lebensjahrzehnt), Immunsuppression, chronische UV-Schädigung und chemische Noxen (z.B. Arsen)
  • Das Basaliom wird als semimaligne eingestuft, da es fast nie metastasiert, aber lokal destruierend wächst.
  • Aufgrund der fehlenden Metastasierung und des destruierenden Wachstums erübrigt sich beim Basaliom die TNM-Klassifikation
  • Bildet durch eine Mutation im Sonic-Hedgehog-Gen Haarfollikel und Hautanhangsgebilde nach, betrifft nie die Schleimhäute, sondern nur behaarte Haut
  • Dermatoskopie: Perlschnurartiger Randwall, sowie Teleangiektasien
  • Das Wachstum ist in der Regel nodulär mit hautfarbener bis rosiger Färbung, im Gegensatz zum Plattenepithelkarzinom gibt es hier keine Vorstufen. Im Verlauf des Wachstums kommt es zur Ulzeration inklusive Nässen und Blutung.
  • Die Therapie der Wahl stellt eine chirurgische Exzision mit einem Sicherheitsabstand von 4-5 mm dar, bei Inoperabilität kann eine Bestrahlung erfolgen.
  • Zweithäufigster Tumor der Haut, häufigster bösartiger Tumor, auftreten kann er auf gesunder Haut, aber auch auf dem Boden einer aktinischen Keratose oder anderen chronisch-degenerativen Hauterkrankungen ist die Entstehung möglich.
  • Risikofaktoren sind vor allem höheres Alter (v.a. 7.-8. Lebensjahrzehnt), Immunsuppression, HPV-Infektion, chronische UV-Schädigung und chemische Noxen (z.B. Arsen)
  • Das Spinaliom wird als maligne eingestuft, es metastasiert spät lymphogen, deshalb ist das palpieren der Lymphknotenstationen in der körperlichen Untersuchung wichtig.
  • Durch die UV-Schädigung entsteht eine Mutation des Tumorsupressorgens p53, wodurch eine Apoptoseresistenz bewirkt wird, was die Proliferaton atypischer Keratinozyten begünstigt.
  • Dermatoskopie: parakeratotische Hornperlen
  • Das Wachstum kann exo- oder endophytisch erfolgen, der Tumor zeigt sich breitbasig und hyperkeratotisch bis Warzen-ähnlich, mit späterer Ulzeration. Der Tumor ist leicht verletzlich, aber schmerzfrei, die Tumordicke ist prognostisch relevant.
  • Die Therapie der Wahl stellt auch hier die Exzision unter Schnittrandkontrolle dar, inklusive radikaler Lymphadenektomie begleitet von einer adjuvanten Radiotherapie bei Befall der Lymphknoten. Bei Inoperabilität erfolgt eine Chemotherapie mit 5-Fluoruracil und Cisplatin.
 Achtung

Die Risikofaktoren beider Hauttumore sind sich sehr ähnlich!

14. Hautbefund: Malignes Melanom (superfiziell spreitendes Melanom, SSM)

Malignes Melanom
Hautbefund: An der rechten Wange befindet sich eine ca. 1 cm große dunkel pigmentierte Makula mit unscharfer Begrenzung und unregelmäßiger Pigmentierung
Diagnose

Malignes Melanom (superfiziell spreitendes Melanom, SSM)

  • Verursacht 75% aller Todesfälle durch Hautkrebs
  • Diagnose erfolgt meistens zwischen dem 30. und 70. Lebensjahr, Im Alter von 25-29 Jahren ist es die häufigste maligne Erkrankung
  • Frauen sind ungefähr doppelt so häufig betroffen wie Männer
  • Inzidenz steigt jährlich um ca. 4-8%
  • Prognose: ist der Sentinel-Lymphknoten nicht betroffen, liegt das 5-Jahresüberleben bei 85%, bei positivem Befall bei 30%; erhöhtes LDH hängt mit einer schlechten Prognose zusammen
Hauptbefund & Symptome

An der rechten Wange befindet sich eine ca. 1 cm große dunkel pigmentierte Makula mit unscharfer Begrenzung und unregelmäßiger Pigmentierung. Die Makula steht in direkter Verbindung zu einem ebenfalls ca. 1 cm messenden hautfarbenen Nodus.

  • Juckreiz, Schmerzen und spontane Blutungen sind möglich
  • Dermatoskopisch zeigt sich oft ein Grauschleier, sowie ein irreguläres Pigmentnetz, das Melanom kann knotige Anteile aufweisen, die Färbung variiert von schwarz bis rötlich oder sogar amelanotisch
Pathophysiologie

In der Entstehung spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle, diese können sowohl genetisch als auch umweltbezogen sein:

  • Risikofaktoren: vorliegende Naevi (30%) oder unauffällige Haut (70%), Familienanamnese (10%) sowie familiäre Syndrome, UV-Strahlung, Hauttyp I/II nach Fitzpatrick
  • Der Tumor geht von Melanozyten aus, zunächst erfolgt das Wachstum intraepidermal als Melanoma in situ, nach Durchbrechen der Basallamina handelt es sich um ein invasives Melanom.
  • Abhängig vom Melanom-Typen unterscheidet sich die Dauer des horizontalen und vertikalen Wachstums, je früher das vertikale Wachstum einsetzt, umso schlechter ist die Prognose. Melanome metastasieren früh meist lymphogen und hämatogen. Die am meisten betroffenen Organe sind in folgender Reihenfolge: Haut, Subkutis, Lymphknoten, Lunge, Leber, Gehirn und Knochen.
  • Molekulargenetisch erfolgt die Einteilung nach dem Vorliegen von Mutationen: BRAF > NRAS > ckit: in 50% der Fälle liegt eine BRAF-Mutation vor.
  • In 50% der Fälle zuerst regionale Lymphknoten-Metastasen, 25% in Periphere des Primärtumors
Diagnostik

Die Untersuchung auffälliger Nävi erfolgt nach der ABCDE- Regel:

A - Asymmetrie

B-  Begrenzung

C-  Colour

D – Durchmesser (>0,5 cm)

E – Erhabenheit/ Evolution

 

An die Untersuchung der auffälligen Hautveränderungen schließt sich eine Inspektion des gesamten Körpers inklusive Palpation der Lymphknotenstationen an. Anhand der histopathologischen Untersuchung kann sich die Verdachtsdiagnose bestätigen. Die Bestimmung der AJCC-Klassifikation I - IV hat Relevanz für Prognose und Therapie und beinhaltet als wichtigsten prognostischen Faktor die Tumordicke nach Breslow sowie die Mitoserate bei Melanomen <1mm Dicke:

I. Tumor <1 mm Dicke mit Ulzerationen/ <2 mm Dicke ohne Ulzerationen, N0, M0

II. Tumor 2-4 mm, N0, M0

III. Tumor jeder Dicke, LK-Befall, M0

IV. Fernmetastasen (M1)

Neben der AJCC-Klassifikation kann die Stadieneinteilung anhand der TNM-Klassifikation erfolgen. Bei Diagnose eines malignen Melanoms erfolgt das Staging gerichtet nach den TNM-Stadien. Die initiale Ausbreitungsdiagnostik bis TNM-Stadium IIB (entsprechend Stadium II nach AJCC) beinhaltet: Lymphknoten-Sonografie und Bestimmung des Tumormarkers S100B. Bei höheren Tumorstadien erfolgen zusätzlich cMRT, Abdomen-Sonografie, Röntgen-Thorax, Skelettszintigrafie, Ganzkörperschnittbildgebung und LDH im Serum. LDH gilt als unspezifischer Metastasenmarker.

 

Ab einer Eindringtiefe des Tumors von 1 mm (oder einer Tumordicke von 0,75 mm in Kombination mit Ulzerationen, erhöhter Mitoserate oder einem Alter von unter 40 Jahren) erfolgt zusätzlich eine Wächterlymphknotenbiopsie (SLND: Sentinel Lymph Node Dissection). Hierbei erfolgt nach Injektion von radioaktivem Tc-99m-Kolloid in die Umgebung des Tumors eine Szintigrafie, um dessen Abflussgebiet zu bestimmen. Auf dem Boden der Szintigrafie erfolgt die intraoperative Entnahme des Lymphknotens durch Detektion der Strahlung mittels Gamma-Sonde. Bei Befall des Sentinel-Lymphknotens mit Mikrometastasen ist eine radikale Lymphadenektomie indiziert.

Therapie

Der Goldstandard der Therapie des malignen Melanoms ist die Exzisionsbiopsie bis auf das subkutane Fettgewebe inklusive Nachexzision nach histopathologischer Untersuchung. Die chirurgische Nachexzision erfolgt mit Sicherheitsabstand, abhängig von der gemessenen Tumordicke:

In situ: 0,5 cm Abstand

Bis 2 mm: 1 cm Abstand

>2 mm: 2 cm Abstand

Bei Lymphknotenbefall erfolgt eine elektive radikale Lymphadenektomie. Je nach Tumorstadium bzw. Metastasenfund schließt sich eine adjuvante Therapie mit alpha-Interferon oder eine Immuntherapie mit dem PD-1-Rezeptor-Antikörper Pembrolizumab an. Nach Resektion von mehr als drei Metastasen, kapselübergreifendem Wachstum, R1-Resektion und Tumorknoten über 3 cm Durchmesser empfiehlt sich eine adjuvante Strahlentherapie.

Immuncheckpointinhibitoren:

  • Ipilimumab: Antikörper gegen das zytotoxische T-Lymphozyten assoziierte Antigen CTLA4, erhöht Antitumor-Immunität, aber auch Autoimmunität, daher Nebenwirkungen: Exanthem, Colitis, Hepatitis, Hypophysitis
  • Pembrolizumab/ Nivolumab: anti-PD1-Antikörper, welche T-Zell-Antwort gegen Tumorgewebe verstärken, sie verursachen vor allem kutane und gastrointestinale Nebenwirkungen (z.B. Erbrechen, Diarrhö, Exanthem, Pruritus)

BRAF-Inhibitoren:

  • Vemurafenib/ Dabrafenib bei nachgewiesenen BRAF-Mutationen (hemmen Signaltransduktion der Tumorzellen), Nebenwirkungen: QT-Zeitverlängerung, Hautveränderungen
  • Kombination von BRAF-Inhibitoren mit anderen Medikamenten empfohlen (um Resistenzbildung der Melanozyten vorzubeugen) z.B. mit dem MEK-Inhibitor Cobimetinib  bei inoperablem oder metastasiertem Melanom (Nebenwirkungen: Plattenepithelkarzinome, Kerathoakanthome, Exantheme)

MEK-Inhibitoren:

  • Tramatenib, Cobimentenib

Eine Chemotherapie steht als last-line Option bei Kontraindikationen für den Einsatz von BRAF-/MEK- und PD1-Antikörpern zur Verfügung, die Ansprechrate liegt allerdings nur bei 5-12%.

NachsorgeIn den ersten zwei Jahren ist das Rezidivrisiko am höchsten, daher sollte ein regelmäßiges Hautscreening, Untersuchung der Lymphknoten und der Tumormarker erfolgen.
 Merke

Sentinel-Lymphknoten (Sentinel: lat. Wächter): Erster Lymphknoten im Abflussgebiet einer Tumorregion, der typischerweise als Erstes Tumorzellen aufnimmt – etwa bei einem Melanom. Dieser wird entfernt, um festzustellen, ob Tumorzellen sicdh bereits systemisch ausgebreitet haben.

Superfiziell-spreitendes-Melanom (SSM)

Superfiziell spreitendes Melanom (SSM): Relative Häufigkeit 65%, meist an sonnenexponierten Arealen, horizontale Wuchsphase dauert mit 5-7 Jahren recht lange, daher ist eine Früherkennung möglich.

  • intraepidermale melanozytäre Hyperplasie mit Zellatypien = Melanoma in situ; große, plasmareiche, teils in Nestern liegende Melanozyten befinden sich in der gesamten Epidermis, in den hellen Bereichen entzündliche Infiltrate mit starker Makrophagenaktivität

 

Lentigo-maligna-Melanom (LMM)

Lentigo-maligna-Melanom (LMM): Relative Häufigkeit 10%, lange Zeit als Präkanzerose mit horizontalem Wachstum, dunkelbraun bis schwarz gescheckte Pigmentierung, atypische Melanozyten liegen entlang der dermoepithelialen Grenze (Melanoma in situ)

  • Übergang zu invasivem Melanom zeigt sich durch Knötchenbildung und vertikalem Wachstum
  • Tritt häufig bei älteren Menschen an lichtexponierten Arealen auf
Akrolentiginöses malignes Melanom (ALM)

Akrolentiginöses malignes Melanom (ALM): Relative Häufigkeit 5%, horizontales, später umschrieben vertikales Wachstum, häufiger bei schwarzen Menschen und Menschen asiatischer Ethnie betroffen, wegen schwieriger Lokalisation oft späte Diagnose und deshalb schlechte Prognose

  • Bei Nagelbefall: Longitudinaler braun- schwarzer Strich = Hutchinson-Zeichen
  • Mit der Zeit Zunahme der Breite und Knotenbildung, Exulzeration nach langem Krankheitsverlauf möglich
  • Prädilektionsstellen: Nägel, Hand- und Fußinnenflächen, sowie Schleimhäute
Primär noduläres malignes Melanom (NMM)

Primär noduläres malignes Melanom (NMM): Relative Häufigkeit 15%, sofort einsetzendes vertikales Wachstum mit früher Metastasierung innerhalb von Monaten, daher weist es die schlechteste Prognose aller Melanome auf.

  • Tumorzellen bilden dermalen Nodus, der sich glatt und glänzend zeigt, in manchen Fällen aber auch eine verruköse Oberfläche und Ulzerationen aufweisen kann
  • Das Beispiel zeigt ein amelanotisches Melanom
Sonstige
  • Amelanotisches Melanom
  • Aderhautmelanom
 Info

Es wird vermutet, dass Bob Marley an den Folgen eines akrolentiginösen Melanoms starb.

1.Terhorst-Molawi, Dorothea: Basics Dermatologie, 5. Auflage, München, Elsevier, 2019

2.https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-001l_S3_Therapie-Psoriasis-vulgaris_2024-04_01.pdf

3.https://www.rosenfluh.ch/media/arsmedici/2024/08/Psoriasisarthritis-Update-der-EULAR-Empfehlungen-vorgestellt.pdf

4.https://www.universimed.com/ch/article/rheumatologie/biologika-sind-bei-psoriasis-arthritis-schon-in-erster-linie-empfohlen-2163894

5.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21629846/

6.https://dermnetnz.org/topics/erythema-ab-igne

7.https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0034-1393062.pdf

8.https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/haut-haare-naegel/mundrose.html#:~:text=Die%20periorale%20Dermatitis%20(auch%20Mundrose,zwischen%2016%20und%2045%20Jahren.

9.https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-028l_S3_Klassifikation-Diagnostik-Therapie-Urtikaria_2022-04.pdf

10.https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-055l_S1_Kontaktekzem_2021-11.pdf

11.https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-027l_S3_Atopische-Dermatitis-AD-Neurodermitis-atopisches-Ekzem_2024-01.pdf

12.https://www.arztcme.de/elearning/fakten-zur-allergie-epidemie/#!page=lernmodul/der-atopische-marsch

13.https://www.altmeyers.org/de/dermatologie/dermographismus-albus-1000

14.https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-065l_S2k_Rosazea_2022-02.pdf

15.https://www.usz.ch/krankheit/akne-inversa/

16.https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-065

17.https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-071l_S2k_Diagnostik-Therapie-Pemphigus-vulgaris-foliaceus-bulloese-Pemphigoids_2019-10-abgelaufen.pdf

18.https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-003l_S1_Onychomykose_2022-09_1.pdf

19.https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-023l_S2k_Diagnostik-Therapie-Zoster-Postzosterneuralgie_2020-09.pdf

20.https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Varizellen.html

21.https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/scharlach/

22.https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/dgim-innere-medizin/feigwarzen-condyloma-acuminata?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-54676-1_333

23.https://www.gesundheitsinformation.de/feigwarzen-genitalwarzen.html

24.https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-044l_S2k_Kutane_Lyme_Borreliose_2024-06.pdf

25.https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_LymeBorreliose.html#doc2398672bodyText5

26.https://dgrh.de/Start/Publikationen/Empfehlungen/Medikation/Belimumab.html#empfehlung

27.https://www.pschyrembel.de/Ecthyma/K06HG#:~:text=FeedbackInfektiöse%20Hauterkrankung%20unterschiedlicher%20Ätiologie%2C%20gekennzeichnet,chirurgisch%2C%20lokal%20antiseptisch%20und%20antibiotisch

28.https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-100l_S1_Differentialdiagnose-akuter-chronischer-Roetungen_Unterschenkel_2021-12.pdf

29.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK448135/

30.https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Kopflausbefall.html

31.https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Services/Kodierfragen/ICD-10-GM/Spezielle-Kodierfragen/icd-10-gm-1007.html

32.https://register.awmf.org/assets/guidelines/032-022OLl_S3_Aktinische_Keratosen-Plattenepithelkarzinom-PEK_2023-01.pdf

33.https://www.cochrane.org/de/CD008955/SKIN_interferon-zur-behandlung-von-melanompatienten-nach-operativer-entfernung-des-tumors

33.https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/dgim-innere-medizin/malignes-melanom?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-54676-1_505

34.https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/hautkrebs/der-aufbau-der-haut.html#:~:text=Die%20Haut%20ist%20mit%20etwa,Gewicht%20von%2020%20kg%20erreichen.

36.hhttps://www.hautarzt-itzehoe.de/patienteninfo/26-178-815-Malignes-Melanom-(Schwarzer-Hautkrebs).html/

37.https://www.compgefa.de/wissen/propranolol

38.https://www.altmeyers.org/de/dermatologie/naevus-sebaceus-2647https://www.altmeyers.org/de/dermatologie/naevus-sebaceus-2647

39.https://www.ukw.de/hautklinik/schwerpunkte/hauterkrankungen-im-kindesalter/muttermale-naevi/

40.https://www.mkg-kaufbeuren.de/de/info/wissen/derma/atherome-talgdruesen.html

41.https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/hautkrebs/malignes-melanom-schwarzer-hautkrebs.html

42.https://www.thieme-connect.de/products/ebooks/lookinside/10.1055/f-0037-0009-b000000424

43.https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/histopathologie-der-haut/entzuendliche-dermatosen-mit-interface-dermatitis?epediaDoi=10.1007%2F978-3-662-44367-5_9#

44.https://www.springerpflege.de/hautpflege/hauterkrankungen/haut-aufbau-funktion-und-krankheiten/15089698

45.https://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/wirkung/hauttypen/hauttypen_node.html

46.https://link.springer.com/article/10.1007/s12326-023-00554-5

Zuletzt aktualisiert am 22.09.2025
Lupus erythematodes
Plattenepithelkarzinom
Deine Medizin-Lernplattform
Jetzt weiterlesen
Zugang zu diesem und über 800 weiteren leitlinienbasierten Artikeln, unserem einzigartigen medizinischen AI-Tutor und Quiz