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Blutbild (Physiologie)

EP
9 Minuten Lesezeit

Der Hämatokrit gibt den Anteil der Zellen am gesamten Blut an. Diesen machen mit ca. 96% überwiegend die Erythrozyten aus.

Erhöhung:

Hämatokrit (Hkt)

Ein hoher Hämatokrit kann entweder aus einer Zunahme der zellulären Bestandteile oder aus einer Verminderung des Blutplasmas bedingt sein.

  • Polyglobulie (Doping, Lungenerkrankungen, Polycythämia vera)
  • Dehydratation

Erniedrigung:

Ein geringer Hämatokrit kann aus einer geringen Zellzahl oder einer Volumenüberladung resultieren.

  • Zytopenie (Anämie, Niereninsuffizienz, Störung der Erythropoese)
  • Volumenüberladung (Infusionen, Herzinsuffizienz)

Hämoglobinkonzentration (Hb)

Das Hämoglobin befindet sich in den Erythrozyten und transportiert den Sauerstoff. Im deutschsprachigen Raum wird der Hämoglobinwert zur Klassifikation einer Anämie, also einer Blutarmut herangezogen. Im angelsächsischen Raum wird hierzu meistens der Hämatokrit-Wert verwendet.

Bei einer Erniedrigung des Hb-Wertes, des Hämatokrits oder der Erythrozytenzahl spricht man von einer Anämie. Mittels der Transfusion von Erythrozytenkonzentraten kann eine Anämie kurzfristig therapiert werden. Eine nachhaltige Therapie ist jedoch nur möglich, wenn man die Ursache herausfindet. Neben akuten und chronischen Blutungen gibt es viele weitere Ursachen, wie z.B. eine Hämolyse, eine chronische Erkrankung oder ein Mangel an Eisen oder Vitaminen.

Differenzialdiagnostik:

Bei einem geringen Hb-Wert liegt eine Anämie vor. Abhängig vom MCV und MCH-Wert unterscheidet man:

Änamie
  • MCV↓: Mikrozytäre Anämie
  • MCH↓: Hypochrome Anämie
  • MCV=: Normozytäre Anämie
  • MCH=: Normochrome Anämie
  • MCV↑: Makrozytäre Anämie
  • MCH↑: Hyperchrome Anämie

MCV & MCH

Bei einer Eisenmangelanämie kommt es zu einer mikrozytären, hypochromen Anämie. Dies liegt daran, dass zwar genug Erythrozyten gebildet werden können. Es liegt jedoch nicht genug Eisen für die Synthese von Hämoglobin vor. Es resultieren kleine Erythrozyten mit einer geringen Hämoglobinbeladung.

Bei einem Vitamin-B12- oder Folsäuremangel können nicht genug Erythrozyten gebildet werden. Die vorhandenen Erythrozyten werden übermäßig mit Hämoglobin beladen und es resultieren große Erythrozyten mit einem hohen Hb-Gehalt.

 

Die Eisenmangelanämie ist die häufigste Anämieform und der Eisenmangel die häufigste Form der Mangelerkrankung. Weltweit leiden ca. 2 Milliarden Menschen an einem Eisenmangel. Die laborchemische Diagnostik eines Eisenmangels nimmt daher einen besonderen Stellenwert ein. Es sind insbesondere Frauen von einem Eisenmangel betroffen. Ursächlich hierfür kann eine mangelnde Zufuhr (z.B. im Rahmen einer vegetarischen Ernährung), eine mangelnde Resorption (z.B. bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes) oder ein erhöhter Bedarf (z.B. in der Schwangerschaft) sein. Ebenfalls können chronische Blutverluste (z.B. Menstruationsblutung) oder eine chronische Entzündung (Anämie des chronisch Kranken) die Ursache sein.

Eisenstoffwechsel:

Eisen ist ein essenzielles Spurenelement, das im Körper eine wichtige Rolle spielt. Die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung wird durch das Enzym DMT1 und Hepcidin in der Darmwand reguliert. Eisen wird vom Protein Transferrin transportiert. Das Eisen wird über den Transferrin-Rezeptor in die Zellen (z.B. in das Knochenmark zur Erythrozytensynthese) aufgenommen. Der größte Teil des Eisens wird für die Produktion von Hämoglobin in Erythrozyten benötigt. Hierbei wird das Eisen in ein Häm-Molekül eingebaut. Dieses wiederum ist in den Retikulozyten, den Vorläuferzellen der Erythrozyten, enthalten. Überschüssiges Eisen wird in Ferritin gespeichert, das in der Leber, dem Knochenmark und den Muskeln vorkommt.

Eine unzureichende Eisenaufnahme oder ein Blutverlust kann zu einer Eisenmangelanämie führen, die durch einen niedrigen Hämoglobinwert und eine geringe Transferrin-Sättigung gekennzeichnet ist. Die Konzentration des löslichen Transferrin-Rezeptors (= sTfR/soluble Transferrin-Rezeptor) im Blut kann zur Unterscheidung zwischen einer Eisenmangelanämie und anderen Formen der Anämie beitragen. Der Transferrin-Rezeptor wird bei einem Eisenmangel vermehrt exprimiert. Hierdurch kommt es zu einer Erhöhung der sTfR-Konzentration bei einem Eisenmangel. Die Bestimmung der Retikulozyten im Blut kann zur Überwachung der Eisentherapie bei einer Eisenmangelanämie verwendet werden.

Eisenstoffwechsel

Die Leukozyten, auch als weiße Blutkörperchen bezeichnet, enthalten im Gegensatz zu den Erythrozyten einen Zellkern. Sie spielen eine entscheidende Rolle im Immunsystem.

Anhand ihrer Morphologie lassen sich die Leukozyten weiter unterteilen.

  • Lymphozyten
    • B-Lymphozyten
    • T-Lymphozyten
    • Natürliche Killerzellen
  • Granulozyten
    • Neutrophile Granulozyten
    • Basophile Granulozyten
    • Segmentkernige Granulozyten
    • Eosinophile Granulozyten
  • Monozyten
  • Mastzellen
  • Dendritische Zellen

Die Leukozyten werden ausgehend von Stammzellen im Knochenmark gebildet und bei Entzündungen ins Blut ausgeschwemmt.

  • Myeloide pluripotente Vorläuferzellen (von griechisch myelon = „Knochen-, Rückenmark“) sind der Ausgangspunkt der Granulozytopoese
  • Die Reifungsschritte umfassen: Myeloblast → Promyelozyt → Myelozyt → Metamyelozyt
  • Nach der Reifung erfolgt die Ausschwemmung der Granulozyten ins Blut
  • Bereits auf der Ebene der Myeloblasten bzw. myeloischen Stammzellen trennen sich Monozyten und Mastzellen von den Granulozyten, wobei keine morphologischen Ähnlichkeiten bestehen
  • Die absolute Anzahl der Granulozyten im Blut liegt normalerweise zwischen 2.400 und 6.900/μL
  • Wenn die Anzahl der Granulozyten auf <500/μL reduziert wird, spricht man von Agranulozytose

Beim Differenzialblutbild werden die Leukozyten anhand ihrer Morphologie weiter differenziert.

Das Differenzialblutbild kann entweder maschinell oder mikroskopisch erstellt werden. Mikroskopisch wird das Blut mit der Pappenheim-Färbung angefärbt. Anschließend zählt der Untersuchende 100-200 Leukozyten und differenziert sie anhand ihrer Morphologie. Mikroskopisch kann weiterhin die Morphologie der Thrombo- und Erythrozyten sowie abnorme Zellen, wie Blasten, identifiziert werden.

Das Differenzialblutbild wird insbesondere bei dem Verdacht auf eine hämatoonkologische Erkrankung, angeborenen Erythrozytenstörungen (z.B. Thalassämie) angefertigt.

Differenzialblutbild

Die Thrombozyten sind kleine unregelmäßig geformte Blutbestandteile, die eine entscheidende Rolle in der Blutgerinnung einnehmen. Sie entstehen im Knochenmark durch Abschnürung von den Megakaryozyten. Die Thrombozyten haben aufgrund ihres fehlenden Zellkerns eine Lebensdauer von ca. 7 Tagen. Sie werden in der Milz, Leber und Lunge abgebaut.

Thrombozyt
Zuletzt aktualisiert am 27.05.2026
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