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Blutdruckregulation

Blutdruckregulation
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4 Minuten Lesezeit

Einleitung

Die kurzfristige Blutdruckregulation erfolgt durch schnelle Anpassungen des Herz-Kreislauf-Systems, wie z.B. durch Veränderungen der Herzfrequenz und des Gefäßtonus, gesteuert durch das autonome Nervensystem und chemische Botenstoffe. Hierbei spielen Pressorezeptoren (Druckrezeptoren), Chemorezeptoren und Volumenrezeptoren eine wichtige Rolle.

Pressorezeptoren

  • Pressorezeptoren befinden sich vorwiegend im Karotissinus und am Aortenbogen
  • Sie befinden sich als freie Nervenendigungen in der Media und in der Adventitia
  • Sie leiten Information über N. glossopharyngeus und N. vagus zum Nucleus tractus solitarii in der Medulla oblongata
  • Die Perikaryen (Zellkerne der Nervenzellen) liegen im Ganglion inferius des Nervus glossopharyngei

Reaktion auf Druckabfall

  • Größere akute Schwankungen des Blutdrucks werden durch den Pressorezeptorreflex (Synonym: Barorezeptorreflex) gedämpft
  • Ein plötzlicher Abfall des arteriellen Blutdrucks führt zur Abnahme der Impulsfrequenz der Pressorezeptoren
  • Information wird über den N. glossopharyngeus und N. vagus an das Kreislaufzentrum in der Medulla oblongata übermittelt
  • Die Erregung wird zur kaudalen ventrolateralen Medulla oblongata weitergeleitet
  • Sympathische Efferenzen ziehen nach Umschaltung in sympathischen Ganglien im Gefäßsystemzu den Widerstandsgefäßen und zum Herzen
  • Noradrenalin wird freigesetzt und bindet an α1-Adrenorezeptoren in Gefäßmuskelzellen, was zu einer Vasokonstriktion und einem erhöhten Widerstand führt
  • Die Konstriktion der Kapazitätsgefäße mobilisiert ein größeres Blutvolumen, der venöse Rückstrom wird gefördert und das Schlagvolumen erhöht
  • Zusätzlich zu einer Erhöhung der Sympathikus-Aktivität erfolgt eine Hemmung der Parasympathikus-Aktivität, was zu einem raschem Blutdruckanstieg führt
  • Noradrenalin bindet auch an β1-Adrenorezeptoren an den Kardiomyozyten, was zu einer gesteigerten Herzfrequenz (positiv chronotrop) und einer gesteigerten Kontraktionskraft (positiv inotrop) führt

    Reaktion auf Druckabfall

Reaktion auf Druckanstieg

  • Wenn der transmurale Druck oder der arterielle Blutdruck in den herznahen Gefäßen ansteigt, dehnt sich die Gefäßwand aus
  • Diese Dehnung aktiviert die Pressorezeptoren über mechanosensitive Kationenkanäle und führt zu einer Zunahme der Impulsfrequenz
  • Hierdurch wird die Sympathikus-Aktivität gehemmt und die Parasympathikus-Aktivitätaktiviert/gefördert
  • Als Folge sinken die Herzfrequenz, der Tonus der Widerstandsgefäße und der totale periphere Widerstand. Weiterhin können die Kapazitätsgefäße mehr Volumen aufnehmen (Dilatation der venösen Kapazitätsgefäße)
  • Das zentrale Blutvolumen und das Schlagvolumen nehmen ab, was schließlich zu einer Blutdrucksenkung führt
  • Die Pressorezeptoren reagieren pulssynchron auf den Blutdruckanstieg während der Systole und den Blutdruckabfall während der Diastole
  • In der langfristigen Blutdruckregulation sind die Pressorezeptoren aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit nicht geeignet
Reaktion auf Druckanstieg

Chemosensoren

  • Zentrale Chemosensoren liegen in der Medulla oblongata
  • Periphere Chemosensoren befinden sich in den Glomera aortica und im Glomus caroticum
  • Zentrale Chemosensoren reagieren auf den pH-Wert und CO2-Partialdruckänderungen
  • Periphere Chemosensoren reagieren auf O2- und CO2-Partialdruck sowie pH-Wertveränderungen
  • Eine Aktivierung der peripheren Chemosensoren führt zu einer Stimulation der Atmung und zu einer Blutdrucksteigerung
  • Die physiologische Bedeutung der peripheren Chemosensoren für die Blutdruckregulation ist gering

Volumenrezeptoren

  • Kardiopulmonale Dehnungsrezeptoren befinden sich in den Vorhöfen, Hohlvenen (V. cava superior und V. cava inferior) und in der A. pulmonalis
  • Es gibt A- und B-Dehnungsrezeptoren:
  • Ein erhöhtes Blutvolumen aktiviert A-Rezeptoren (Bainbridge-Reflex) und führt zu einer Steigerung der Herzfrequenz
  • B-Rezeptoren (Vorhofdehnungsreflex) messen den Füllungszustand der Vorhöfe und den zentralen Venendruck
  • Eine Abnahme der Aktivität der Dehnungsrezeptoren bei Volumenmangel führt zu einer Stimulation der vaskulär-efferenten Sympathikusaktivität und ADH-Freisetzung (Gauer-Henry-Reflex)
Presso, Chemo und Volumenrezeptoren

Längerfristige Blutdruckregulation über das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS)

Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS)
HormonWirkmechanismus
Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (=RAAS)
ReninFreisetzung aus dem juxtaglomerulären Apparat den Nieren bei niedrigem Blutdruck und geringer Natriumkonzentration in der Niere, spaltet Angiotensinogen in Angiotensin I
Angiotensin IUmwandlung in Angiotensin II durch das Angiotensin ConvertingEnzyme (= ACE) in der Lunge, wirkt vasokonstriktiv und erhöht den Blutdruck
Angiotensin IIStimuliert die Freisetzung von Aldosteron in den Nebennierenrinden, erhöht die Rückresorption von Natrium in der Niere und erhöht somit das Blutvolumen
Antidiuretisches Hormon (= ADH, Vasopressin)
FreisetzungAusgeschüttet bei niedrigem Blutdruck und erhöhter Osmolarität des Blutes
WirkungErhöht die Wasserrückresorption in den Nieren durch die Aktivierung von Aquaporin-2-Kanälen und erhöht somit das Blutvolumen
Atriales natriuretisches Peptid (= ANP)
FreisetzungFreisetzung aus den Vorhöfen des Herzens bei erhöhtem Blutdruck und erhöhtem Blutvolumen
WirkungErhöht die Natriumausscheidung in den Nieren, senkt somit das Blutvolumen und den Blutdruck
Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (=RAAS)
Zuletzt aktualisiert am 27.01.2025
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