Zusammenfassung

Butylscopolamin ist ein peripher wirksames Anticholinergikum
Es blockiert muskarinerge Acetylcholinrezeptoren, wodurch der Parasympathikus
Der Wirkeintritt erfolgt rasch innerhalb von etwa 2 Minuten, die Wirkdauer beträgt ungefähr 3–4 Stunden. Butylscopolamin ist nicht ZNS-gängig, weshalb zentrale anticholinerge Effekte im Vergleich zu Atropin
Typische Nebenwirkungen resultieren aus der anticholinergen Wirkung und umfassen Tachykardie
In klinischen Studien konnte bei Nierenkoliken keine relevante Wirksamkeit gezeigt werden, weshalb der Einsatz hier nicht empfohlen wird.
Lernkarte

Wirkstoffklasse und Etikett
- Wirkstoffklasse: Anticholinergika
, Spasmolytika - Handelsnamen: z.B. Buscopan®, Butylscopolamin-ratiopharm®, Butylscopolamin HEXAL®, Butylscopolamin STADA®
Indikationen
- Kolikartige Schmerzen
AchtungGemäß der S2k-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis
wird die Anwendung von Butylscopolamin bei Harnleiterkoliken nicht empfohlen, da keine ausreichende Wirksamkeit gezeigt wurde.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit
- Harnverhalt
- Engwinkelglaukom
- Tachykardie
- Myasthenia gravis
- Ileus/Megakolon
Dosierung
- Erwachsene: Titration nach Wirkung, ggf. Wiederholung nach 2–3 min
- 20–40 mg i.v. oder i.m (maximal 100 mg/Tag)
- Kinder (>1 Jahr):
- 0,3–0,6 mg/kgKG i.v. (maximal 1,5 mg/kgKG i.v.)
Besonderheiten
- Butylscopolamin gehört wie Atropin
zu den Anticholinergika , ist aber im Gegensatz zu Atropin nicht ZNS-gängig - Bei Nierenkoliken konnte keine relevante Wirksamkeit nachgewiesen werden
→ Gabe nicht empfohlen - Oft in Kombination mit Metamizol
, welches analgetisch und ebenfalls spasmolytisch wirkt - Langsam i.v. applizieren
Wirkeintritt/-dauer
- Wirkeintritt: innerhalb von 2 min
- Wirkdauer: ca. 3–4 Std
- Metabolisierung: überwiegend hepatische zu inaktiven Metaboliten
- Ausscheidung: hauptsächlich renal über den Urin
Wirkung
- Butylscopolamin ist ein kompetitiver Antagonist
an den muskarinergen Acetylcholinrezeptoren - Dadurch wird der Parasympathikus
gehemmt (Anticholinergikum / Parasympatholytikum)
→ Spasmolyse der glatten Muskulatur
→ Hemmung der gastrointestinalen Peristaltik und der Magensäureproduktion
Wechselwirkungen
- Wirkung verstärkt bei gleichzeitiger Gabe von:
- Metamizol
→ Verstärkte krampflösende Wirkung bei kolikartigen Schmerzen - Anticholinerg wirkenden Medikamenten (z. B. trizyklische Antidepressiva
, Antihistaminika, Atropin ) → Verstärkung anticholinerger Nebenwirkungen wie Tachykardie , Mundtrockenheit, Harnverhalt oder Akkommodationsstörungen - Sympathomimetika (z. B. Adrenalin
, Noradrenalin , β-Sympathomimetika)→ Verstärkte Tachykardie
- Metamizol
Nebenwirkungen
- Akkommodationsstörungen
- Tachykardie
- Schwindel
- Hypotonie
- Mundtrockenheit
- Allergische Reaktionen
- Blasenentleerungsstörungen
Lagerung
- Temperatur: Nicht über 25 °C lagern
- Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
Weiterführende Artikel
Nierensteinleiden (RD) Analgesie für Notfallsanitäter:innen (RD) Intoxikation mit anticholinergen Substanzen (RD) Anticholinergika
Quellen
- Sanofi-Aventis Deutschland GmbH: Fachinformation Buscopan® Ampullen Injektionslösung, Stand: April 2023
- S2k-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis, Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU)
- Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
- Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9
