
Chitosan ist ein topisches Hämostatikum zur schnellen Kontrolle starker äußerer Blutungen.
Der Wirkstoff wird aus Chitin gewonnen, einem natürlichen Strukturpolysaccharid aus den Panzern von Krebstieren (z. B. Garnelen oder Krabben), das durch Deacetylierung zu Chitosan umgewandelt wird. Aufgrund seiner positiven Oberflächenladung bindet Chitosan negativ geladene Erythrozyten und Gerinnungsproteine, wodurch unabhängig von der physiologischen Gerinnung rasch ein mechanisch stabiler Blutpfropf entsteht.
Die Anwendung erfolgt als hämostatische, medikamentenbeschichtete Wundgaze mit direkter Tamponade der Blutungsquelle und konsequenter manueller Kompression. Der Wirkeintritt erfolgt innerhalb von etwa einer Minute, die Wirkung hält bis zur Entfernung der Gaze an. Da Chitosan rein lokal wirkt und keine systemische Gerinnungsaktivierung verursacht, ist der Einsatz auch bei antikoagulierten Patientinnen und Patienten möglich. Im präklinischen Setting bestehen keine relevanten notfallmedizinischen Kontraindikationen, entscheidend bleibt jedoch die korrekte Wundhöhlentamponade und der schnellstmögliche Transport zur definitiven chirurgischen Blutstillung.
- Lier H, Gooßen K, Trentzsch H. Die Kapitel „Stop the Bleed – Prähospital“ sowie „Gerinnungsmanagement und Volumentherapie (Schockraum)“ in der neuen S3-Leitlinie „Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung“ [The chapters "Stop the bleed-prehospital" and "Coagulation management and volume therapy (emergency departement)" in the new S3 guideline "Polytrauma/severe injury treatment"]. Notf Rett Med. 2023;26(4):259-268. German. doi: 10.1007/s10049-023-01147-8
- S3-Leitlinie Polytrauma / Schwerverletzten-Behandlung, Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU)

