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Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Ernährung)

CED
5 Minuten Lesezeit
 Definition
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Unter dem Begriff "chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED)" werden Erkrankungen zusammengefasst, bei denen schubweise rezidivierend oder kontinuierlich entzündliche Veränderungen des Darms auftreten. Die beiden wichtigsten Krankheitsbilder sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die typischerweise segmental auftritt. Prinzipiell können alle Abschnitte des Gastrointestinaltraktes betroffen sein, wobei das terminale Ileum und das proximale Colon besonders typische Manifestationsorte darstellen.

Die genauen Ursachen sind bisher nicht bekannt. Der einzige nachweisliche und vermeidbare Risikofaktor ist Nikotinabusus. Zudem wurden einige Genmutationen identifiziert, welche die Erkrankung begünstigen.

In Bezug auf die Pathophysiologie lassen sich Hinweise auf eine gestörte Barrierefunktion des Darmepithels feststellen. In der Konsequenz kommt es zu einer vermehrten Infiltration von Bakterien der physiologischen Darmflora in die Darmschleimhaut. Dies führt zu Entzündungsreaktionen mit lokaler Gewebeschädigung.

In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung schubweise mit symptomfreien Intervallen. Neben gastrointestinalen Beschwerden wie Diarrhoe oder Abdominalschmerzen zeigen Patient:innen mit Morbus Crohn häufig auch extraintestinale Symptome (z.B. Erythema nodosum oder Gelenkbeschwerden).

Eine häufige Komplikation ist das Malabsorptionssyndrom (insb. bei ausgeprägtem Befall des Ileums), das u.a. mit Gewichtsverlust und einem Mangel an Nährstoffen einhergeht. Bei Kindern können außerdem Wachstumsstörungen auftreten.

Eine Heilung des Morbus Crohn ist nicht möglich. Die Therapie zielt darauf ab, eine Progredienz und das Wiederauftreten entzündlicher Schübe zu verhindern.

Neben Morbus Crohn zählt auch Colitis ulcerosa zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Im Gegensatz zu Morbus Crohn zeigt sich jedoch in der Regel ein Ausbreitungsmuster mit Beginn im Rektum und kontinuierlicher Ausbreitung in den proximalen Dickdarm.

Die genauen Ursachen der Erkrankung sind bisher nicht bekannt, wobei genetische Prädispositionen als wesentliche Risikofaktoren gelten.

Klinisch äußert sich die Erkrankung meist durch blutig-schleimige Durchfälle. Weitere typische Beschwerden sind abdominelle Krämpfe, Appetitlosigkeit,  Gewichtsverlust und Fieber. In einigen Fällen manifestieren sich auch extraintestinale Symptome (insb. primär sklerosierende Cholangitis), allerdings seltener als bei Morbus Crohn.

Während bei der Diagnose von Morbus Crohn kein standardisiertes Verfahren existiert, stellt die Koloskopie bei Colitis ulcerosa den Goldstandard dar. In den meisten Fällen erlaubt dieses Verfahren eine Nachweisung des charakteristischen Befallsmusters.

Die Therapie kann (in Abhängigkeit vom Schweregrad der Erkrankung) sowohl medikamentös als auch chirurgisch erfolgen.

 Tipp

Ausbreitungsmuster - Merkspruch: Colitis ulcerosaKontinuierlicher Befall; beginnt unten

Die Bedeutung der Ernährung für die Ätiologie und Therapie von CED ist umstritten. Es besteht jedoch Konsens darüber, dass CED mit einer erhöhten Prävalenz von Mangelernährung assoziiert sind, was die Prognose der Erkrankung verschlechtert. 

Prävention

  • Stillen trägt zur Risikominderung von CED bei (die Stilldauer sollte mind. 6 Monate betragen)
  • Mit Ausnahme des Stillens sind keine spezifischen Ernährungsfaktoren bekannt, die eindeutig mit der Entstehung von CED in Verbindung gebracht werden können
  • Nahrungsmittelallergien & –intoleranzen treten bei Patient:innen mit CED häufiger auf und sollten daher in der Anamnese erfasst werden (die Datenlage zur ätiologischen Bedeutung ist bislang unklar)

Mangelernährung

 Definition
Formen der Malnutrition
  • Malnutrition (Fehlernährung): Überbegriff für jede Form von unausgewogener Ernährung (umfasst sowohl Unter- als auch Überernährung)
    • Mangelernährung: unzureichende Nährstoffzufuhr (Makro- und/oder Mikronährstoffe) ("qualitative Mangelernährung")
    • Unterernährung: Form der Mangelernährung, die v.a. durch eine unzureichende Energiezufuhr oder einen Mangel an Makronährstoffen gekennzeichnet ist ("quantitative Mangelernährung")
    • Überernährung: zu hohe Kalorienzufuhr über einen längeren Zeitraum

Prävalenz und Screening:

  • Bei Patient:innen mit CED ist die Prävalenz von Unter- bzw. Mangelernährung deutlich erhöht (v.a. in aktiven Krankheitsphasen)
  • Ein Screening auf Unter- bzw. Mangelernährung sollte initial zum Zeitpunkt der Erstdiagnose sowie im weiteren Krankheitsverlauf (mind. alle 6 Monate) durchgeführt werden
  • Ein Screening auf spezifische Mikronährstoffdefizite sollte bei CED initial und im Verlauf durchgeführt werden, wenn klinische Anzeichen eines Defizits oder erhöhte Risiken für einen Mangel an Mikronährstoffen vorliegen (z.B. Befall des terminalen Ileums)
  • Mangelernährung sollte konsequent behandelt werden, da sie den klinischen Verlauf, die postoperative Komplikationsrate, die Mortalität und die Lebensqualität verschlechtert
 Info
Ätiologie der Malnutrition

Die Mangelernährung bei CED ist multifaktoriell bedingt – Beispiele:

  • Gastrointestinale Symptomatik (z.B. Bauchschmerzen oder Übelkeit) → Verminderte Nahrungsaufnahme
  • Proinflammatorische Zytokine (z.B. TNF-α, IL-6…) → Appetitlosigkeit
  • Erhöhter Grundumsatz während akuter Schübe
  • Entzündung verschiedener Darmabschnitte → Gestörte Nährstoffabsorption
  • Rezidivierende Diarrhoe → Nährstoffverluste
  • Chirurgische Eingriffe (Darmresektion) → Verringerte Nährstoffaufnahme

Prävention und Therapie:

  • Patient:innen mit CED sollten initial und im Verlauf (mind. 1x jährlich) eine qualifizierte Diätberatung erhalten
  • Bei Feststellung einer Malnutrition sollte umgehend eine gezielte Ernährungstherapie durch qualifiziertes Fachpersonal erfolgen
  • Präoperativ sollte bei CED-Patient:innen mit schwerer Mangelernährung zuerst eine Ernährungstherapie durchgeführt werden
  • Ein isolierter Mangel an Mikronährstoffen kann durch Supplementation therapiert werden
  • Der Einsatz ausgewählter Prä- & Probiotika (z.B. E. coli Stamm Nissle 1917, VSL#3) wird zur Remissionserhaltung bei Colitis ulcerosa, nicht jedoch bei Morbus Crohn empfohlen
  • Die Supplementation von Fischöl (n-3-Fettsäuren) wird zur Remissionserhaltung bei CED allgemein nicht empfohlen (→ Keine eindeutige Verbesserung des Krankheitsverlaufs)

Künstliche Ernährung

Enterale Ernährung:

  • Eine ausschließlich enterale Ernährung kann bei Erwachsenen mit Morbus Chron im akuten Schub als primäre Therapie zur Remissionsinduktion eingesetzt werden, wenn die leitliniengerechte medikamentöse Therapie unwirksam ist, unerwünschte Wirkungen zeigt oder abgelehnt wird
  • Bei Kindern und Jugendlichen gilt die ausschließliche enterale Ernährung als bevorzugte Therapieoption zur Remissionsinduktion
  • Enterale Ernährung oder Trinknahrung können bei Morbus Crohn zur Remissionserhaltung eingesetzt werden
  • Unter bestimmten Umständen wird die enterale Ernährung bei CED als supplementäre Therapie eingesetzt (z.B. bei Unterernährung oder ernährungsbedingten Komplikationen)
  • Bei Colitis ulcerosa ist eine ausschließliche enterale Ernährung im akuten Krankheitsschub als primäre Therapie zur Remissionsinduktion nicht indiziert
  • Sondennahrung ist der Trinknahrung vorzuziehen, wenn ein Kaloriendefizit von >600 kcal/Tag besteht à Verabreichung vorzugsweise über Nasensonde
  • Die enterale Ernährung soll i.d.R. in Form einer hochmolekularen Diät erfolgen

Parenterale Ernährung:

  • Parenterale Ernährung sollte in der primären Therapie bei CED im akuten Schub zur Remissionsinduktion generell (abgesehen von Ausnahmefällen) nicht eingesetzt werden (→ Kein Vorteil gegenüber enteraler Ernährung)
  • Parenterale Ernährung sollte bei CED nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden → Z.B. bei Vorliegen einer schweren Mangelernährung, wenn eine orale oder enterale Ernährung nicht (oder nicht ausreichend) möglich ist oder wenn spezielle Komplikationen bestehen, die gegen eine enterale Ernährung sprechen (z.B. enterokutane Fisteln, Stenosen oder Kurzdarmsyndrom)
Zuletzt aktualisiert am 28.12.2024
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