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Chronische Gastritis

Chronische Magenschleimhautentzündung
8 Minuten Lesezeit

Die chronische Gastritis ist eine häufige Erkrankung, die oft lange asymptomatisch bleibt. Symptome sind unspezifische Oberbauchschmerzen, Appetitmangel und gelegentlich Übelkeit. Sie wird in Typ-A-Gastritis (autoimmun), Typ-B-Gastritis (bakteriell, durch Helicobacter pylori) und Typ-C-Gastritis (chemisch, verursacht durch Gallereflux, Alkoholkonsum oder NSAR) unterteilt. Die Diagnostik erfolgt durch Gastroskopie mit Biopsie und H. pylori Diagnostik. Die Therapie umfasst die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache: Vitamin-B12-Substitution bei Typ-A-Gastritis, H. pylori Eradikationstherapie bei Typ-B-Gastritis und Verzicht auf schädliche Substanzen sowie Protonenpumpeninhibitoren bei Typ-C-Gastritis.

  • Häufigkeitsverteilung:
    • Typ-A-Gastritis ~ 5%
    • Typ-B-Gastritis ~ 85%
    • Typ-C-Gastritis ~ 10%

Typ-A-Gastritis (autoimmune)

  • Bei der Typ-A-Gastritis bestehen Antikörper gegen Parietalzellen und die Bindungsstellen des Intrinsic-Factors
  • Der Intrinsic-Factor wird für die Absorption von Vitamin B12 im Ileum benötigt. Wenn dieser fehlt, kommt es zu einem Vitamin-B12-Mangel mit makrozytärer, hyperchromer Anämie (=perniziöse Anämie)
    • Bleibt der B12- Mangel langfristig bestehen, kann sich eine Neuropathie entwickeln (funikuläre Myelose)
  • Die Parietalzellen atrophieren und weniger Magensäure wird sekretiert → Daraus resultiert eine Hypochlorhydrie (↓ HCl im Magen) und eine kompensatorische Hypergastrinämie
  • Da die ulzerativ wirkende Magensäure fehlt, gibt es bei Typ A in der Regel keine Ulzera
  • Assoziation mit anderen Autoimmunerkrankungen: Diabetes mellitus Typ-1-, Hashimoto-Thyreoiditis, etc.
  • Typische Lokalisation: Kardia, Korpus 

Typ-B-Gastritis (Bakterielle)

  • Der Erreger ist meist Helicobacter pylori (H. pylori)
    • Übertragung: fäkal-oral oder oral-oral
    • Helicobacter pylori produziert das Enzym Urease, welches das säurehaltige Milieu des Magens alkalisiert und dafür sorgt, dass das Bakterium trotz Magensäure überleben kann
    • Bei einer Infektion mit H. pylori kommt es zunächst zu einer akuten Gastritis (oberflächliche Entzündung)
    • Die Entzündung beginnt typischerweise im Antrum und kann sich proximal bis zu einer Pangastritis ausbreiten
    • Durch die Freisetzung von Proteasen kommt es zur Zerstörung der Drüsenarchitektur der Magenschleimhaut
    • Unbehandelt kann eine H. pylori-Gastritis in eine atrophische Gastritis mit perniziöser Anämie übergehen
    • Es kann zur Entstehung einer Hypochlorhydrie (↓ HCl im Magen) kommen (Nie zu einer Achlorhydrie)
    • H. pylori Bakterien, die VacA oder CagA (Virulenzfaktoren) produzieren, sind mit einer stärkeren Entzündung der Schleimhaut assoziiert.
    • Typische Lokalisation: Antrum 

Typ-C-Gastritis (Chemische) 

  • Durch eine Dysfunktion des Pylorus/ des Duodenums oder durch eine partielle Gastrektomie (z.B. Billroth Resektion) kann es zum Gallereflux in den Magen kommen, welcher lokal eine Gastritis auslöst
  • Auch Noxen wie Alkohol und Zigaretten sowie Medikamente wie NSAR können zu einer Typ C Gastritis führen
  • Typische Lokalisation: Antrum, Pylorus 

Weitere Formen

  • Eosinophile Gastritis (assoziiert mit Allergien, Therapie: Glukokortikoide)
  • Granulomatöse Gastritis (Morbus Crohn, Sarkoidose, Tuberkulose, Syphilis)
  • Morbus MénétrierHypertrophe Gastritis „Riesenmagenfaltengastritis“
    • Hyperplasie der Magenschleimhaut mit auffälliger Faltenbildung
    • Diarrhoe, Hypoproteinämie mit Ausbildung von Ödemen
    • Erhöhtes Risiko für ein Magenkarzinom
    • Häufig assoziiert mit H. pylori-Besiedelung
    • Therapie: H. pylori-Eradikation, regelmäßige Gastroskopien

Meist lange asymptomatisch!

  • Epigastrische Beschwerden: Unspezifische Oberbauchschmerzen, Druckgefühl im Epigastrium
  • Gastrointestinale Symptome:
    • Übelkeit, Erbrechen
    • Appetitlosigkeit
    • Blähungen
    • Völlegefühl nach Mahlzeiten (postprandiales Völlegefühl), schnelle Sättigung
  • Systemische Symptome:
    • Müdigkeit und Schwäche, insbesondere bei Anämie
    • Gewichtsverlust
  • Zusätzliche Symptome bei spezifischen Typen:
    • Typ-A-Gastritis: Vitamin-B12-Mangel, periphere Neuropathien, Zungenbrennen
    • Typ-B-Gastritis: Magenulzera, ggf. Blutungszeichen: Meläna (Teerstuhl), Hämatemesis (Bluterbrechen)
    • Typ-C-Gastritis: Medikamenteneinnahme, Alkoholkonsum
 Merke

Merke: Zur Diagnosestellung einer chronischen Gastritis ist die Durchführung einer Gastroskopie mit Biopsieentnahme und H. pylori-Diagnostik obligat. Die objektiven Befunde korrelieren nicht mit den Beschwerden der Patient:innen. 

  • Gastroskopie mit Biopsieentnahme aus Antrum und Korpus
    • Indikation: Zur Diagnosesicherung obligat
  • Bei Typ-A-Gastritis
    • Jährliche Gastroskopien aufgrund Gefahr eines Magenkarzinoms
    • Laboranalyse bei Verdacht einer Typ-A-Gastritis:
      • Vitamin-B12-Spiegel im Blut
      • Bestimmung von Autoantikörpern gegen Intrinsic-Factor und Parietalzellen
      • Anämiediagnostik (makrozytär, hyperchrom)

H. pylori Diagnostik:

Es bestehen verschiedene Möglichkeiten, eine Infektion mit H. pylori nachzuweisen

  • Histologisch (Biopsie): Giemsa oder Silberfärbung (sehr spezifisch, aber teuer)
  • HUT = Helicobacter Urease Test (günstig & schnell): Nachweis von Ammoniak, welches durch die Urease gebildet wird
  • 13C Atemtest (nicht-invasiv)
    • Durchführung: → Gabe von markiertem 13C-Harnstoff → Spaltung durch H. pylori über die Urease → 13CO2 in der ausgeatmeten Luft bestimmbar
    • Indikation: Therapiekontrolle nach Eradikationstherapie 
  • H. pylori Antigen im Stuhl  (nicht-invasiv)
    • Indikation: Therapiekontrolle nach Eradikationstherapie
  • Bakterienkultur (Sensitivität niedriger, langwierig)
    • Indikation: Nur bei spezifischen Fragestellungen, V.a. resistente Erreger
  • IgG-Serologie (schnell, günstig; auf unbestimmte Zeit positiv, daher keine Unterscheidung vorangegangener/präsenter Infektion möglich)
 Tipp

Falsch negative H. pylori-Testungen können v.a. bei Nutzung von PPIs, Antibiotika oder Bismuth in den letzten 2-4 Wochen auftreten. Bei starkem Verdacht sollte die Testung wiederholt werden. 

  • H. pylori-Eradikationstherapie
    • Indikationen: Nachgewiesene Infektion mit H. pylori, auch bei asymptomatischen Verläufen
 Tipp

Die Wahl der Therapieregimen richtet sich nach der Resistenzlage gegen Clarithromycin. Früher galten die französische und italienische Triple-Therapie als erste Wahl.  Aktuell wird häufig direkt die Bismut-Quadrupel-Therapie empfohlen, was aufgrund einer erhöhten Resistenzlage gegen Clarithromycin beruht. 

  1. Bismut Quadrupel Therapie (10 Tage):
    1. PPIs (Pantoprazol z.B 40 mg 2x täglich) + Metronidazol z.B. 2 x 400 mg/Tag + Tetracyclin + Bismut
    2. Indikation: Erste Wahl aufgrund erhöhter Resistenzlage gegen Clarithromycin
  2. Französische Triple Therapie (14Tage)
    1. PPIs (Pantoprazol z.B. 40 mg 2x täglich) + Clarithromycin z.B. 2 x 500 mg/Tag + Amoxicillin z.B. 2x 1000 mg/Tag
    2. Indikation: zweite Wahl
  3. Italienische Triple Therapie (14 Tage)
    1. PPIs (Pantoprazol z.B. 40 mg 2x täglich) + Clarithromycin z.B. 2 x 500 mg/Tag + Metronidazol z.B. 2 x 400 mg/Tag
    2. Indikation: zweite Wahl

Kontrolle des Therapieerfolges nach 4-8 Wochen

  • Durchführung nicht-invasiver H.pylori-Diagnostik (z.B. 13C-Atemtest, H. pylori-Antigen im Stuhl)
  • Bei Ulcus: Gastroskopische Kontrolle mit Biospieentnahme und invasiver H.pylori-Diagnostik

Typ-A-Gastritis

  • Substitution von Vitamin-B12 (intramuskulär) & Folsäure
  • Falls Nachweis von H. pylori →H. pylori Eradikationstherapie
  • Regelmäßige Kontroll-Gastroskopien 

Typ-C-Gastritis

  • Reizende Substanzen meiden (Alkohol, NSAR)
  • Gabe von PPIs

Typ-A-Gastritis

  • Entwicklung einer atropischen Gastritis
  • Perniziöse Anämie
  • Magenkarzinom
  • Neuroendokrine Neoplasien

Typ-B-Gastritis

KomplikationenBeschreibung
Ulcus ventriculi/duodeniDurch H. pylori bedingte Schleimhautschäden → Blutung & ggf. Eisenmangelanämie (s.u.)
MagenkarzinomEine maligne Entartung von Zellen im Magen aufgrund von jahrelanger Entzündung durch H. pylori
MALT-LymphomMucosa Associated Lymphoid Tissue-Lymphom, kann durch antibiotische H. pylori-Eradikation therapiert werden
EisenmangelanämieDurch chronischen Blutverlust aufgrund von Ulkuserkrankungen
Vitamin B12-MangelDurch Atrophie der Magenschleimhaut→ verminderte Bildung des Intrinsic-Factors → Entstehung einer perniziösen Anämie

Typ-C-Gastritis

  • Gastroduodenale Ulkuskrankheit mit oberer GI-Blutung
Zuletzt aktualisiert am 15.01.2025
Akute Gastritis
Gastroduodenale Ulkuskrankheit
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