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Nierenerkrankungen (Ernährung)

15 Minuten Lesezeit

Patient:innen mit Nierenerkrankungen bilden eine heterogene Gruppe von Menschen mit differierenden Stoffwechselstörungen und Nährstoffbedürfnissen. Dementsprechend müssen bei der Therapie unterschiedliche Ernährungsempfehlungen berücksichtigt werden.

Als chronische Nierenerkrankung bezeichnet man eine dauerhafte und progrediente Funktionsstörung der Nieren. Sie wird in Abhängigkeit von der glomerulären Filtrationsrate (GFR) und dem Ausmaß der bestehenden Albuminurie in 5 Stadien eingeteilt.

Die eingeschränkte Nierenleistung führt unter anderem zu Störungen des Wasser-, Elektrolyt- & Säure-Basen-Haushaltes, zur Ansammlung harnpflichtiger Substanzen, zu Störungen der Hormonproduktion und schließlich zu schwerwiegenden Komplikationen. Im späteren Verlauf der Erkrankung kann es zu einem terminalen Nierenversagen kommen, welches eine Dialyse oder eine Nierentransplantation erforderlich macht.

Die diabetische Nephropathie ist in Deutschland die häufigste Ursache für die Entwicklung einer chronischen Nierenerkrankung.

Die Therapie erfolgt in Abhängigkeit von der Ursache und zielt in erster Linie darauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Neben medikamentösen Maßnahmen gilt auch die Ernährungstherapie als ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung. Insgesamt soll eine angepasste Ernährung dazu beitragen, die Lebensqualität der Patient:innen zu verbessern.

Ernährungstherapie 

Für Patient:innen mit chronischer Nierenerkrankung wird eine ausgewogene und vollwertige Mischkost grundsätzlich als empfehlenswert erachtet. Neben den allgemeinen Empfehlungen der DGE sind jedoch spezifische Bedürfnisse zu berücksichtigen. Die Ernährung sollte immer individuell angepasst werden (z.B. in Abhängigkeit von bestehenden Begleiterkrankungen und dem Stadium der Nierenfunktionsstörung).

Im Hinblick auf die Ernährungstherapie wird zunächst zwischen der Prädialyse- und der Dialysephase unterschieden. Während in der Prädialysephase die Verzögerung der Krankheitsprogression im Vordergrund steht, geht es in der Dialysephase vor allem um die Vermeidung von Mangelernährung und die Reduktion des kardiovaskulären Risikos.

Ernährungstherapie bei chronischen Nierenerkrankungen
Ziele der Ernährungstherapie

Allgemeine Ernährungsempfehlungen

Proteinzufuhr:

  • Allgemeine Zufuhrempfehlung laut KDIGO-Leitlinien: 0,8 g/kg KG/Tag (→ Individuelle Anpassung empfohlen)
    • Erwachsene mit chronischer Nierenerkrankung und Progressionsrisiko sollten hohe Proteinmengen (>1,3 g/kg KG/Tag) vermeiden
    • Bei Erwachsenen mit chronischer Nierenerkrankung und einem erhöhten Risiko für Nierenversagen kann die Verordnung einer eiweißarmen Diät (0,3–0,4 g/kg Körpergewicht pro Tag) in Erwägung gezogen werden, vorausgesetzt, sie wird durch essenzielle Aminosäuren ergänzt und unter ärztlicher Überwachung durchgeführt
    • Bei metabolisch instabilen Personen und Kindern wird eine Eiweißrestriktion nicht empfohlen
    • Bei älteren Personen mit Grunderkrankungen (z.B. Sarkopenie) sind ggf. höhere Proteinziele anzustreben
 Info
Eiweißarme Diät bei Nierenerkrankungen

Der Nutzen einer eiweißarmen Diät bei Patient:innen mit Nierenerkrankung wird schon seit längerer Zeit kontrovers diskutiert. Der erwartete positive Effekt beruhte zunächst auf tierexperimentellen Befunden, bei denen unter einer eiweißreduzierten Diät seltener glomeruläre Vernarbungen auftraten. Neuere Studien zeigen allerdings kontroverse Ergebnisse. Im Rahmen der Eiweißrestriktion steigt auch das Risiko einer Mangelernährung, wodurch Patient:innen einem wesentlich höheren Mortalitätsrisiko ausgesetzt sind. Ein Großteil der Expert:innen rät mittlerweile dazu, den Fokus eher auf den Erhalt der Muskelmasse zu legen. Dazu sind ca. 0,8 g Protein pro kg KG/Tag erforderlich. Auch in den neuesten KDIGO-Ernährungsrichtlinien wird eine eiweißreduzierte Kost nur noch in bestimmten Fällen und für metabolisch stabile Patient:innen empfohlen. 

Natrium:

  • Allgemeine Empfehlung: Natriumzufuhr <2 g/Tag (≙ etwa 5 g Kochsalz) → Empfehlung gilt auch für die Allgemeinbevölkerung, wobei die durchschnittliche Zufuhr deutlich höher liegt!
    • Die Empfehlungen zur Natrium- bzw. Kochsalzzufuhr sollten von Beginn an und im Verlauf jedes Stadiums einer chronischen Nierenerkrankung berücksichtigt werden
    • Eine kochsalzarme Diät kann u.a. dazu beitragen, die Blutdruckregulation zu unterstützen
    • Beispiele für Lebensmittel mit hohem Natriumgehalt: einige Gewürze (z.B. Sojasauce, Gewürzsalz oder Teriyaki-Sauce), verarbeitete Fleischprodukte (Speck, Wurstwaren…), gesalzene Snacks (z.B. Chips), Fertiggerichte
    • Tipp: beim Kochen Salz einsparen und stattdessen mit Kräutern würzen

Kalium:

  • Individuelle Herangehensweise empfohlen → In den Stadien 1-4 wird eine Kaliumrestriktion in der Regel nicht empfohlen (Ausnahmen bilden z.B. Patient:innen mit hohem Risiko für Hyperkaliämie oder erhöhten Kaliumwerten)
  • Ist eine Kaliumrestriktion indiziert, sollten besonders kaliumreiche Lebensmittel vermieden werden
    • Beispiele für Lebensmittel mit hohem Kaliumgehalt: Bananen, Trockenobst, Tomatenkonzentrat, Milch, Fleisch (siehe Empfehlungen Dialysephase)
 Tipp
Kaliumarme Ernährung: Differenzierte Betrachtung von Obst und Gemüse

Viele Obst und Gemüsesorten sind kaliumreich. Aus diesem Grund wurde in der Vergangenheit häufig dazu geraten, den Verzehr von Obst und Gemüse allgemein einzuschränken. Daraus resultiert jedoch z.B. auch eine geringere Vitamin- und Ballaststoffzufuhr. Aus diesem Grund ist es ratsam, zwischen verschiedenen Obst- und Gemüsesorten zu differenzieren und kaliumärmere Sorten zu bevorzugen. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass verarbeitete Lebensmittel und tierische Produkte vergleichsweise mehr absorbierbares Kalium enthalten.

Phosphat:

  • Begrenzung der Phosphatzufuhr auf 800-1000 mg/Tag (ggf. zusätzlicher Einsatz von Phosphatbindern) → Erhöhte Phosphatwerte treten meist erst im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf auf. Ziel der Ernährungstherapie sollte es dennoch sein, die Phosphatbelastung bereits in frühen Stadien gering zu halten.
    • Hohe Phosphatwerte sind mit erhöhter Mortalität, Störungen des Mineral- & Knochenstoffwechsels (insb. renale Osteopathie) und Gefäßschädigungen (endotheliale Dysfunktion, Kalzifikationen) assoziiert
    • Eine phosphatreiche Ernährung fördert die Ausschüttung des Botenstoffs FGF-23, der wiederum die renale Phosphatausscheidung steigert. Der FGF-23-Spiegel steigt bereits im frühen Stadium einer chronischen Nierenerkrankung, noch bevor eine Phosphatretention nachweisbar ist. Ein erhöhter FGF-23-Spiegel gilt als unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen.
  • Beispiele für phosphathaltige Lebensmittel:
    • Verarbeitete Produkte mit zugesetztem Phosphat: Softdrinks, Fertiggerichte & Konserven, verarbeitete Wurst- & Fleischprodukte → Enthalten häufig phosphathaltige Zusätze (z.B. Orthophosphorsäure E338), die u.a. als Konservierungsmittel oder Geschmacksverstärker dienen. Verarbeitete Produkte weisen daher oft einen deutlich höheren Phosphatgehalt auf als frische Lebensmittel.
    • Lebensmittel mit natürlichem Phosphatgehalt: Fleisch, Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte…
 Info
Phosphathaltige Zusatzstoffe

Bei der Einschränkung der Phosphatzufuhr spielt vor allem die Quelle eine entscheidende Rolle. In natürlichen Lebensmitteln liegt Phosphat in Form organischer Verbindungen vor, wodurch das enthaltene Phosphat nur teilweise resorbiert wird. Darüber hinaus birgt der Verzicht auf entsprechende Lebensmittel u.a. die Gefahr einer Eiweißunterernährung. Eine wesentliche Einschränkung der natürlichen Phosphatzufuhr ist daher nicht erforderlich.

Im Gegensatz dazu wird freies Phosphat in Form von Zusatzstoffen deutlich effizienter aufgenommen und hat somit einen entscheidenden Einfluss auf den Phosphatspiegel. Phosphatreiche Produkte pflanzlichen Ursprungs enthalten dagegen oft hohe Mengen an Phytinsäure, was die Bioverfügbarkeit des enthaltenen Phosphats deutlich verringert.

Unabhängig von der Phosphatquelle sollte die Gesamtzufuhr bei Patient:innen mit fortgeschrittener Nierenerkrankung dennoch 1000 mg/Tag nicht überschreiten.

Zudem weisen neuere Studien darauf hin, dass erhöhte Phosphatspiegel nicht nur für Menschen mit Nierenerkrankungen relevant sind. Bereits leicht erhöhte Serumphosphatwerte bei jungen, gesunden Männern stehen mit einem erhöhten Risiko für Koronarverkalkungen in Verbindung. In diesem Zusammenhang ist es daher wichtig, das allgemeine Bewusstsein für die Rolle von Phosphatzusätzen als möglichen Risikofaktor zu schärfen.

Trinkmenge:

  • Allgemein sollten Patient:innen in der Prädialysephase auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (ca. 1,5-2 l/Tag) achten und einen Flüssigkeitsmangel vermeiden
  • Eine Flüssigkeitsrestriktion wird in den Stadien 1-5 in der Regel nicht empfohlen. Eine Ausnahme bilden z.B. Patient:innen mit Herzschwäche. Hier muss die Trinkmenge ggf. schon früher angepasst werden.
 Tipp

Durch tägliches Wiegen kann frühzeitig festgestellt werden, ob sich Wassereinlagerungen bilden

Allgemeine Ernährungsempfehlungen

Energiebedarf:

  • In der Dialysephase ist der Energiebedarf in der Regel leicht erhöht
  • Allgemeine Empfehlung: 30-40 kcal/kg KG/Tag mit Anpassung an das individuelle Aktivitätslevel (bei über 60-Jährigen ist der Bedarf etwas geringer)
 Achtung
Peritonealdialyse: Kalorienzufuhr und Diabetesmanagement

Die bei der Peritonealdialyse verwendete Dialyseflüssigkeit enthält Zucker, wodurch Patient:innen zusätzliche Kalorien aufnehmen (ca. 600-800 kcal pro Dialysat). Dies sollte bei der Planung des täglichen Energiebedarfs berücksichtigt werden. Für Patient:innen mit Diabetes kann es außerdem notwendig sein, die Insulindosis entsprechend der aufgenommenen Zuckermenge anzupassen

Proteinzufuhr:

  • Im Rahmen der Dialyse kommt es zu einem Eiweißverlust → Erhöhte Zufuhr empfohlen:
    • Hämodialyse: 1-1,2 g/kg KG/Tag
    • Peritonealdialyse: 1,2-1,5 g/kg KG/Tag
  • Bevorzugung hochwertiger Eiweißquellen
  • Da eiweißreiche Lebensmittel oft auch einen hohen Phosphatgehalt aufweisen, sollte die Auswahl idealerweise nach dem Phosphor-Eiweiß-Quotienten (mg Phosphor/g Eiweiß) erfolgenOptimal sind Werte <16
  • Geeignete Proteinquellen sind z.B. Milchprodukte (Speisequark, Brie…), frisches Fleisch, Fisch oder Eier
    • Milchprodukte können täglich, Fisch 1-2 x pro Woche und Fleisch ca. 300(-600) g pro Woche verzehrt werden

Natrium:

  • Allgemeine Empfehlung: Natriumzufuhr <2 g/Tag (≙ etwa 5 g Kochsalz) → Empfehlung gilt auch für die Allgemeinbevölkerung, wobei die durchschnittliche Zufuhr deutlich höher liegt!
    • Die Empfehlungen zur Natrium- bzw. Kochsalzzufuhr sollten von Beginn an und im Verlauf jedes Stadiums einer chronischen Nierenerkrankung berücksichtigt werden
    • Eine kochsalzarme Diät kann u.a. dazu beitragen, die Blutdruckregulation zu unterstützen
    • Beispiele für Lebensmittel mit hohem Natriumgehalt: einige Gewürze (z.B. Sojasauce, Gewürzsalz oder Teriyaki-Sauce), verarbeitete Fleischprodukte (Speck, Wurstwaren…), gesalzene Snacks (z.B. Chips), Fertiggerichte
    • Tipp: beim Kochen Salz einsparen und stattdessen mit Kräutern würzen

Kalium:

  • In der Dialysephase spielt die Kaliumzufuhr eine entscheidende Rolle. Sowohl Hyper- als auch Hypokaliämie können insbesondere zu schweren Herzrhythmusstörungen führen → Strenge Überwachung der Kaliumspiegel erforderlich!
    • Im Falle erhöhter Kaliumwerte sollte eine professionelle Ernährungsberatung erfolgen (ggf. ist zusätzlich eine medikamentöse Therapie notwendig)
    • Die Zufuhrempfehlungen sollten immer individuell an die Laborwerte angepasst werden
  • Tipp: da Kalium wasserlöslich ist, kann der Kaliumgehalt von Lebensmitteln durch bestimmte Zubereitungsmethoden verringert werden:
    • Auslaugen: Gemüse vor dem Kochen zerkleinern und in Wasser einweichen (am besten über Nacht); Wasser anschließend verwerfen und Gemüse gründlich waschen; das Wasser während des Kochvorgangs wechseln
    • Tiefkühlwaren ohne Abtauwasser verwenden
    • Bei Obst oder Gemüse aus Konserven das Wasser abgießen
Kaliumarme LebensmittelKaliumreiche Lebensmittel
Ananas, Beeren, Äpfel, MangoBananen, Kiwis, Aprikosen, Trockenobst
Gurken, Paprika, Zwiebeln, ZucchiniTomaten & Tomatenprodukte, Kartoffeln, Spinat, Kürbis
Reis, Nudeln, Weißbrot, Couscous, HirseVollkornprodukte, Quinoa, Haferflocken
Marmelade, HonigNüsse & Samen, Schokolade, Chips, Pommes
Tee, LimonadeKaffee, Fruchtsaft
Kaliumarme & kaliumreiche Lebensmittel – Beispiele

Phosphat:

  • Empfehlungen für eine phosphatarme Ernährung (siehe Prädialysephase)
  • Die Einhaltung empfohlener Höchstmengen ist in der Dialysephase schwer umsetzbar (mit dem erhöhten Proteinbedarf steigt in der Regel auch die Phosphatzufuhr) → In den meisten Fällen ist der zusätzliche Einsatz von Phosphatbindern notwendig

Vitamine:

  • Bei der Dialysebehandlung kommt es zu einem Verlust von wasserlöslichen Vitaminen → In der Regel wird daher ein geeignetes Vitaminpräparat verordnet

Flüssigkeitszufuhr:

  • Beschränkung der Flüssigkeitszufuhr → Individuelle Festlegung (abhängig von Behandlungsart & Restnierenfunktion)
  • Übliche Empfehlung: 500-800 ml/Tag + Restdiurese (→ Zwischen den Dialysebehandlungen sollte die tägliche Gewichtszunahme 500-1500 g nicht überschreiten)
  • Im dialysepflichtigen Stadium sind Patient:innen nicht mehr in der Lage, Wasser in ausreichender Menge auszuscheiden → Ziel der Flüssigkeitsrestriktion ist die Vermeidung einer Überwässerung und der damit einhergehenden Komplikationen (Lungenödem, Bluthochdruck…)
  • Tipps zur Einhaltung der Flüssigkeitsrestriktion:
    • Bevorzugung zuckerarmer Getränke (gesüßte Getränke steigern das Durstgefühl) → Obstsäfte eignen sich auch aufgrund des hohen Kaliumanteils nicht als Durstlöscher!
    • Einschränkung der Salzzufuhr: salzreiche Ernährung steigert das Durstgefühl
    • Zuckerfreie Bonbons, Eiswürfel oder Zitronenscheiben lutschen
    • Langsam und in kleinen Schlucken trinken; kleine Gläser verwenden
    • Medikamente zusammen mit den Mahlzeiten einnehmen, um zusätzliche Trinkmengen zu vermeiden
    • Lebensmittel als zusätzliche Flüssigkeitsquellen berücksichtigen

Bei Patient:innen mit chronischer Nierenerkrankung spielt Mangelernährung eine zentrale Rolle. Schätzungen zufolge sind 40-70% der Dialysepatient:innen mangelernährt, was mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden ist.

Ursachen:

  • Eingeschränkte Lebensmittelauswahl
  • Stoffwechselveränderungen: Energieverbrauch↑, Eiweißkatabolismus↑, anabole Stoffwechselvorgänge↓
  • Verminderter Appetit, Störungen des Geruchsempfindens

Empfehlungen:

  • Patient:innen sollten regelmäßig (ca. alle 3-6 Monate, ab Stadium 4 monatlich) auf das Vorliegen einer Mangelernährung untersucht werden
  • Regelmäßige Auswertung von Ernährungstagebüchern (neben der Energie- & Eiweißzufuhr ist so u.a. auch eine Einschätzung der Kalium-, Phosphat- & Natriumzufuhr möglich)
  • Starke Hinweise für eine Mangelernährung:
    • Stadium 1–3a: Eiweißzufuhr <0,6 g/kg KG/Tag
    • Stadium 3b–5: Eiweißzufuhr <0,8 g/kg KG/Tag
    • Alle Stadien: Energiezufuhr <25 kcal/kg KG/Tag

Wenn trotz regelmäßiger Kontrollen eine Mangelernährung festgestellt wird und keine anderen Ursachen (z.B. unzureichende Dialysedosis, akuter Infekt, Malignom…) vorliegen, stehen grundsätzlich 4 Therapiemöglichkeiten zur Auswahl:

  • Zusätzliche Steigerung der täglichen Kalorienzufuhr
  • Orale (enterale) Zusatznahrung
  • Nahrungszufuhr über perkutane endoskopische Sonde (PEG/PEJ)
  • Intradialytische parenterale Ernährung
 Achtung

Die intradialytische parenterale Ernährung konnte in bisherigen Studien bei Dialysepatient:innen keinen signifikanten Nutzen zeigen und sollte daher nur in absoluten Ausnahmefällen erwogen werden.  

Nach einer Nierentransplantation zielen die Ernährungsempfehlungen v.a. darauf ab, das Immunsystem zu unterstützen, das Risiko für Infektionen zu minimieren und den allgemeinen Gesundheitszustand zu fördern. 

Allgemeine Empfehlungen

Kontrolle des Körpergewichts:

  • Verschiedene Faktoren (z.B. Medikamente und Rückkehr des Appetits) führen dazu, dass das Körpergewicht nach einer Transplantation tendenziell steigt
  • Vereinbarung eines individuellen Gewichtziels
  • Vorbeugung einer übermäßigen Gewichtszunahme durch ausgewogene Ernährung und kontrollierte Kalorienzufuhr

Vermeidung von Infektionen:

  • Das Immunsystem wird durch die Einnahme von Immunsuppressiva eingeschränkt (v.a. in den ersten 6 Monaten nach der Transplantation)
  • Vorsichtsmaßnahmen:
    • Mindesthaltbarkeitsdatum beachten (abgelaufene Lebensmittel sollten sicherheitshalber nicht verzehrt werden)
    • Rohes Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich waschen oder schälen (auch abgepackte Fertigsalate sollten gewaschen werden)
    • Kühlkette möglichst nicht unterbrechen (für den Transport eignen sich z.B. Kühltaschen)
    • Rohes Fleisch, Fisch und Eier sollten sorgfältig durchgegart werden
    • Vermeidung von Rohmilch und daraus hergestellten Produkten
    • Allgemeine Hygienemaßnahmen berücksichtigen (Hände gründlich waschen, Schneidebretter reinigen…)

Ernährung und Medikamente:

  • Einige Lebensmittel können den Wirkspiegel bestimmter Medikamente beeinflussen und sollten daher gemieden werden – Beispiele:
    • Johanniskraut → Wirkstoffspiegel↓
    • Grapefruit(-saft), Bitterorange → Wirkstoffspiegel↑

Als Urolithiasis (Harnsteinleiden) bezeichnet man das Auftreten von Konkrementen in den ableitenden Harnwegen (Ureteren, Harnblase, Urethra) und/oder in den Hohlsystemen der Niere (Nephrolithiasis). Harnsteine entstehen durch kristalline Ablagerungen von Harnbestandteilen. In Abhängigkeit von der chemischen Zusammensetzung unterscheidet man Calciumoxalat-, Urat-, Magnesiumammoniumphosphat-, Calciumphosphat-, Zystin- und Xanthinsteine. Calciumoxalatsteine machen mit ca. 75% den größten Anteil der Harnsteine aus.

Neben Ernährungsgewohnheiten zählen u.a. auch pathologisch veränderte Stoffwechselvorgänge (z.B. Hyperparathyreoidismus), anatomische Besonderheiten (Hufeisenniere, ektope Harnleiter…) und Störungen der Nierenfunktion zu den möglichen Ursachen.

Beschwerden treten i.d.R. erst dann auf, wenn der Stein in den Harnleiter gelangt. Typische Symptome sind z.B. kolikartige Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Makrohämaturie. Tritt bei einem Steinleiden zusätzlich Fieber auf, handelt es sich um eine Notfallsituation (Gefahr einer Urosepsis!).

Neben der symptomatischen Therapie spielt v.a. auch die Rezidivprophylaxe eine wichtige Rolle (Rezidivrisiko beträgt ca. 60%). Hierbei sind v.a. eine gesteigerte Flüssigkeitszufuhr und die Anpassung der Ernährungsgewohnheiten von Bedeutung. Ist ein spontaner Steinabgang nicht möglich oder aufgrund der Größe oder Lage des Steins nicht zu erwarten, ist eine interventionelle Steintherapie erforderlich.

Allgemeine Rezidivprophylaxe

Folgende Empfehlungen beziehen sich auf die allgemeine Harnsteinmetaphylaxe und gelten grundsätzlich für alle Patient:innen mit Harnsteinleiden:

  • Flüssigkeitszufuhr
    • Ausreichende Harndilution als wichtigste rezidivprophylaktische Maßnahme: Trinkmenge↑ → Verbesserte Dilution → Konzentration lithogener Substanzen im Urin↓
    • Empfohlene Trinkmenge: 2,5-3 l/Tag (→ Anpassung der Flüssigkeitsmenge bei Dialysepatient:innen und Patient:innen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko!)
    • Trinkmenge gleichmäßig über 24 Std verteilen à Vermeidung von Konzentrationsspitzen der lithogenen Substanzen
    • Zuckerhaltige Softdrinks erhöhen das Steinbildungsrisiko und sind daher nicht geeignet
  • Ausgewogene Ernährung
    • Empfehlung einer ausgewogenen und ballaststoffreichen Ernährung mit hohem Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln
    • Moderate Zufuhr von Fleisch, Wurstwaren und Fisch
    • Kochsalzzufuhr: <6 g/Tag
    • Calciumzufuhr: 1-1,2 g/Tag
  • Lebensstil: Gewichtsnormalisierung & ausreichend körperliche Aktivität

Steinartspezifische Ernährungsempfehlungen

Die Empfehlungen zur allgemeinen Harnsteinmetaphylaxe gelten unabhängig von der Steinart als Basistherapie. Diese sollte in Abhängigkeit des individuellen Risikoprofils ggf. durch eine steinartspezifische, ernährungsmedizinische und medikamentöse Therapie ergänzt werden.

Calciumoxalatsteine:

  • Patient:innen mit einer Hyperoxalurie von >0,5 mmol/Tag sollten oxalatreiche Lebensmittel vermeiden
  • Beispiele für oxalatreiche Lebensmittel: Rote Beete, Rhabarber, Spinat, Mangold, Schokolade, Kakao(-pulver), Kaffee, Nüsse…
  • In Einzelfällen kann eine Magnesium- oder Calciumsubstitution sinnvoll sein, um das Nahrungsoxalat im Darm zu binden und so die enterale Absorption zu begrenzen  (Empfehlung gilt nur für Erwachsene)
 Info
Calcium und Nierensteine

Bei Calciumoxalatsteinen ist es sinnvoll, auf oxalatreiche Nahrungsmittel zu verzichten. Eine Einschränkung calciumhaltiger Lebensmittel ist dagegen nicht zu empfehlen. Studien haben gezeigt, dass eine reduzierte Calciumaufnahme das Risiko für Nierensteine sogar erhöht. Bei verminderter Calciumzufuhr steigt die Oxalatkonzentration im Urin. Das Steinbildungsrisiko ist bei einer Zufuhr von 1000-1200 mg/Tag am geringsten

Harnsäuresteine:

  • Purinarme Kost: als Proteinquelle sollten pflanzliche Lebensmittel und Milchprodukte gegenüber Fleisch und Fisch bevorzugt werden (siehe auch Ernährung bei Gicht)
  • Achtung: auch Hülsenfrüchte und Sojaprodukte enthalten relativ große Mengen an Purinen

Zystinsteine:

  • Die Trinkmenge sollte zu einem Urinvolumen von mind. 3,5 l/Tag führen (≙ etwa einer Trinkmenge von 4,5-5 l)
  • Die Trinkprophylaxe soll auch von Kindern durchgeführt werden. Wird eine ausreichende Trinkmenge (insbesondere im Kleinkindalter) nicht erreicht, sollte die Anlage einer PEG-Sonde in Betracht gezogen werden.

Harnsäure-, Zystin- & Calciumoxalatsteine – Alkalisierung des Urins:

  • Harnsäure-, Zystin- und Calciumoxalatsteine bilden sich bevorzugt in saurem Milieu. Die Alkalisierung des Urins gilt daher als effektive Präventionsmaßnahme. Neben dem ggf. notwendigen Einsatz von Medikamenten können auch Ernährungsfaktoren zur Alkalisierung des Harns beitragen. Geeignete Maßnahmen:
    • Basische Lebensmittel
      • Einige Lebensmittel wirken basenbildend und können so den pH-Wert des Urins erhöhen
      • Pflanzenbetonte Kost (Obst und Gemüse sind die Hauptquellen basenbildender Substanzen) - Besonders geeignet sind z.B.: Zitrusfrüchte, Kartoffeln, Brokkoli, Kohlrabi oder Bananen (einige pflanzliche Produkte wie z.B. Hülsenfrüchte können das Steinbildungsrisiko durch ihren vergleichsweise hohen Purinanteil erhöhen → Differenzierte Betrachtung empfohlen)
    • Alkalisierende Getränke
      • Mineralwasser mit hohem Hydrogencarbonatgehalt (≥1.500 mg/l HCO3-)
      • Wasser mit Limetten- oder Zitronensaft
      • Reduzierte Zufuhr säurebildender Lebensmittel – Beispiele: verarbeitete & zuckerhaltige Produkte, Fisch, Fleisch und Wurstwaren
 Achtung

Calciumphosphatsteine bilden sich bevorzugt in alkalischem Milieu → Mineralwasser mit niedrigem Hydrogencarbonatgehalt bevorzugen; Zitrussäfte nur in geringen Mengen!

Zuletzt aktualisiert am 28.12.2024
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