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Chronische Obstipation

3 Minuten Lesezeit

Bei der chronischen Obstipation handelt es sich um ein häufiges Krankheitsbild, das durch eine verminderte Stuhlfrequenz (<3x/Woche) gekennzeichnet ist. Meist ist die Defäkation durch weitere Faktoren erschwert (z.B. harte Stuhlkonsistenz). Insgesamt kann die Erkrankung zu einem hohen Leidensdruck führen und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken.

Die Ursachen der chronischen Obstipation sind vielfältig, wobei man grob zwischen primären funktionellen Formen und sekundären Formen unterscheidet. Die sekundäre Obstipation ist meist durch exogene Einflüsse (Ernährungsfaktoren, Medikamente etc.), systemische Erkrankungen oder anatomische Veränderungen bedingt. Die häufigste funktionelle Form wird als „Normal-Transit-Constipation“ bezeichnet. Diese geht mit einer normalen Darmpassagezeit einher, wobei die Ursachen unklar sind. Weitere funktionelle Formen umfassen die Obstipation bei Beckenbodendyssynergie und die Obstipation bei Neuropathie des enterischen Nervensystems (Slow-Transit-Constipation).

Im Vordergrund der Diagnostik steht eine ausführliche Anamnese (Lebensgewohnheiten, Medikamenteneinnahme etc.) und körperliche Untersuchung. Abhängig von der Verdachtsdiagnose sind ggf. weitere Untersuchungen (z.B. Laboranalysen oder Ultraschall) notwendig.

Die therapeutischen Maßnahmen umfassen neben einer gezielten Behandlung der Grunderkrankung (sofern bekannt), die Durchführung einer Stufentherapie. Diese setzt sich aus allgemeinen Maßnahmen und ggf. erforderlichen medikamentösen Interventionen zusammen.

Chronische Obstipation - Stufentherapie
Chronische Obstipation - Stufentherapie

Allgemeinmaßnahmen

  • Ausreichende Ballaststoffzufuhr: Ballaststoffe können zur Steigerung der Stuhlfrequenz beitragen (siehe Artikel Ballaststoffe)
    • Anzustreben ist eine Ballaststoffzufuhr von 30 g/Tag.
  • Ausreichende Trinkmenge: 1,5-2 l/Tag
    • Eine darüber hinausgehende Flüssigkeitszufuhr zeigt keinen therapeutischen Nutzen und wird zur Behandlung der Obstipation daher nicht empfohlen
  • Vermeidung körperlicher Inaktivität (Berücksichtigung altersentsprechender Bewegungsempfehlungen)

Ballaststoffpräparate

Neben den Allgemeinmaßnahmen gilt die Therapie mit Ballaststoffpräparaten (z.B. Flohsamenschalen oder Weizenkleie) als geeignete Erststrategie bei der Behandlung chronischer Obstipation.

  • Vorteile der Therapie mit Ballaststoffpräparaten:
    • Einfache Umsetzung
    • Geringe Kosten
    • Geringes Risiko schwerwiegender unerwünschter Ereignisse
  • Bei Auftreten unerwünschter Begleitsymptome empfiehlt es sich, die Ballaststoffzufuhr versuchsweise zu reduzieren und zunächst andere Therapiemaßnahmen zu bevorzugen
  • Der tägliche Verzehr von 2 Portionen (300 g) ballaststoffreichem Obst kann dazu beitragen, Symptome zu lindern und die Dauer der Obstipation zu verringern. Dabei sollten v.a. Obstsorten mit nachgewiesener Wirkung empfohlen werden (z.B. Mango, Kiwi oder Pflaumen).

Komplementäre Verfahren

Probiotika:

  • Bei chronischer funktioneller Obstipation kann ein probatorischer Einsatz von Probiotika sinnvoll sein
    • Bei Patient:innen mit funktioneller Obstipation zeigen Probiotika u.a. positive Effekte auf die Stuhlfrequenz, Stuhlkonsistenz und Kolontransitzeit
  • Probiotika können auch bei Kindern und Schwangeren eingesetzt werden
  • Der therapeutische Erfolg sollte nach 4-6 Wochen überprüft werden
 Definition

Als Probiotika bezeichnet man lebende Mikroorganismen, die bei Verabreichung in ausreichender Menge potenziell positive Auswirkungen auf die Gesundheit des Wirts haben.

 Info
Mikrobiom bei Obstipation

Das Darmmikrobiom von Patient:innen mit chronischer Obstipation weist im Vergleich zu dem von gesunden Personen häufig signifikante Unterschiede auf:

  • Diversität↓: die Vielfalt der Mikroorganismen ist häufig reduziert
  • Veränderte Zusammensetzung:
    • Bacteroidetes↓
    • Firmicutes, Proteobacteria & Actinobacteria↑
    • Domination von Methanbildnern 
  • S2k-Leitlinie chronische Obstipation, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie & Motilität (DGNM)
  • Häuser W et al.: Funktionelle Darmbeschwerden bei Erwachsenen, Deutsches Ärzteblatt 109(5): 83-94, 2012, DOI: 10.3238/arztebl.2012.0083
  • Herold G et al.: Innere Medizin, Eigenverlag, 2015, ISBN: 978-3-981-46605-8.
  • Biesalski H, Grimm P, Nowitzki-Grimm S: Taschenatlas Ernährung, Georg Thieme Verlag, 2020, ISBN: 978-3-13-242607-8
  • Biesalski H et al.: Ernährungsmedizin, Georg Thieme Verlag, 2017, ISBN: 978-3-13-100295-2
Zuletzt aktualisiert am 28.12.2024
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