Medi Know
Logo Image

Darmpolypen

Kolonpolypen
8 Minuten Lesezeit

Darmpolypen sind Schleimhautvorwölbungen im Kolon, die meist asymptomatisch sind und oft zufällig bei Koloskopien entdeckt werden. Sie treten häufiger bei Männern und mit zunehmendem Alter auf. Das wichtigste diagnostische Verfahren ist die Koloskopie. Die Behandlung erfolgt durch endoskopische Abtragung und histologische Untersuchung, gefolgt von regelmäßigen Kontrollkoloskopien. Polyposis-Syndrome wie die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) erhöhen das Risiko für kolorektale Karzinome erheblich. Darmpolypen sind klinisch relevant, da sie potenziell zu bösartigen Tumoren entarten können, was eine sorgfältige Überwachung und frühzeitige Therapie erfordert.

  • Polypen treten häufiger bei Männern als bei Frauen auf.
  • Das Auftreten steigt mit zunehmendem Alter:
    • 60 Jahre: 30 % mit Polypen
    • 70 Jahre: 40% mit Polypen
  • In ca. der Hälfte der Fälle können mehrere Polypen festgestellt werden
  • Meist finden sich die Polypen im Rektum und Sigmoid

Histologisch

  • Neoplastische Polypen
    • Adenome: 
      • Tubuläres Adenom: Geringes Entartungsrisiko
      • Villöses Adenom: Hohes Entartungsrisiko
      • Tubulovillöses Adenom: Mittleres Entartungsrisiko
    • Serratierte Polypen: Hohes Entartungsrisiko
  • Nicht-neoplastische Polypen
    • Hyperplastische Polypen (häufigster Typ): variables Entartungsrisiko
    • Entzündliche Polypen
      • Pseudopolypen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
    • Hamartome
      • Ggf. Syndrom-assoziiert
Darmpolyp (Kolonpolyp
Tubuläres Adenom
 Achtung

Die Adenom-Karzinom-Sequenz beschreibt den Prozess, bei dem aus normaler Schleimhaut durch Hyperproliferation Adenome entstehen, die sich zu einem Carcinoma in situ und schließlich zu einem invasiven kolorektalen Karzinom entwickeln. Wichtige genetische Veränderungen betreffen die Gene APC, KRAS und TP53. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und Polypektomie sind entscheidend für die Prävention.

Polypen sind meistens asymptomatisch und werden oft als Zufallsbefund bei einer Koloskopie oder anderen Bildgebungsverfahren entdeckt. Sofern Symptome auftreten, sind diese meistens unspezifisch.

Wichtig zur Differenzierung der Darmpolypen von malignen Neoplasien. 

  • Körperliche Untersuchung: digital rektale Untersuchung (DRU)
  • Koloskopie
    • Es kann auch zunächst nur eine flexible Sigmoidoskopie durchgeführt werden (muss bei Vorhandensein von Polypen auf das gesamte Kolon ausgedehnt werden)
    • Makroskopisch wird zwischen breitbasigen, taillierten und gestielten Polypen unterschieden
  • Alternativ: Virtuelle Koloskopie (CT-Untersuchung nach rektaler CO2–Insufflation)
  • Endoskopische Abtragung und nachfolgende Histologie
    • Verfahren: Biopsiezange (<5 mm), elektrische Schlinge (>5 mm), transanale endoskopische Mikrochirurgie (= TEM)
  • Regelmäßige Kontrollkoloskopien

Neben sporadisch auftretenden Polypen sind auch verschiedene Syndrome mit vermehrter Polypenbildung beschrieben. Eine große Anzahl von Polypen bedeutet auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelner Polyp entartet. Bei diesen Syndromen besteht daher ein erhöhtes Risiko für kolorektale Karzinome. Man unterscheidet hereditäre und nicht-hereditäre Syndrome (z.B. hyperplastische Polypen). Zu den hereditären Polyposis-Syndromen gehören:

SyndromeGenetikPolypen-AnzahlKlinikPrognose
Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP)Autosomal-dominant>100Intestinale Polypen, CHRPE (Hypertrophie des Pigmentepithels), DesmoidtumorenLebenszeitrisiko für kolorektales Karzinom 100% (obligate Präkanzerose)

Sonderform der FAP: Gardner-Syndrom

Intestinale Polypen, Knochentumore (wie Osteome) und Weichteiltumoren (wie Epidermoidzysten)

MUTYH-assoziierte PolyposisAutosomal-rezessiv>20Intestinale PolypenLebenszeitrisiko für kolorektales Karzinom >80%
Peutz-Jeghers-SyndromAutosomal-dominant oder Neumutation<20Intestinale Polypen, perorale Hyperpigmentierung, erhöhtes KrebsrisikoLebenszeitrisiko für kolorektales Karzinom 40%, Weitere Malignome: Ovarial-, Mamma- und Pankreaskarzinom
Familiäre juvenile PolyposisAutosomal-dominant> 5Intestinale Polypen, positive FamilienanamneseLebenszeitrisiko für kolorektales Karzinom 20-70%
Cowden-SyndromAutosomal-dominantMultipelIntestinale Polypen, Haut-veränderungenErhöhtes Risiko für kolorektales Karzinom
 Tipp

Bei der familiären adenomatösen Polyposis (FAP) sollten ab dem 10. Lebensjahr Vorsorgekoloskopien durchgeführt werden. Meistens wird zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr eine prophylaktische Kolektomie durchgeführt.

Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP)
Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP)
  • S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), Deutschen Krebsgesellschaft e.V. und Deutschen Krebshilfe
Zuletzt aktualisiert am 23.09.2024
Reizdarmsyndrom
Hereditäres nicht-polypöses kolorektales Karzinom
Deine Medizin-Lernplattform
Jetzt weiterlesen
Zugang zu diesem und über 800 weiteren leitlinienbasierten Artikeln, unserem einzigartigen medizinischen AI-Tutor und Quiz