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Leitsymptom: Diarrhoe

Duchfall
ME
8 Minuten Lesezeit

Diarrhoe ist definiert als ≥ drei ungeformte Stühle pro Tag, mit einem Wassergehalt ≥ 75 % und einem Stuhlgewicht ≥ 250 g (alternativ ≥ 200 g) täglich. Die Konsistenz ist typischerweise wässrig bis flüssig oder ungeformt.

Es wird unterschieden zwischen: Akuter Diarrhoe: Dauer < 2 Wochen und chronischer Diarrhoe: Dauer > 4 Wochen. 

Diarrhoe kann ein Symptom harmloser bis lebensbedrohlicher Erkrankungen sein. Zentral ist neben der Therapie der Grunderkrankung die Vermeidung von Dehydration und die Wiederherstellung des Elektrolytgleichgewichts.

 Merke
Diagnostische Kriterien
  • ≥ drei ungeformte Stühle pro Tag
  • Wassergehalt des Stuhls ≥ 75 %
  • Stuhlgewicht ≥ 250 (200) g täglich
  • Akuter Durchfall: <2 Wochen
  • Chronischer Durchfall: >4 Wochen

Pathophysiologisch unterscheidet man zwischen verschiedenen Mechanismen:

Osmotische DiarrhoeVermehrte osmotisch aktive Substanzen im Darmlumen, die Wasser binden (z. B. Laktoseintoleranz, Lactulose)
Malabsorptive DiarrhoeVerminderte Resorption führt zur Ansammlung osmotisch aktiver Substanzen (z. B. Kurzdarmsyndrom)
Sekretorische DiarrhoeVermehrte Sekretion von Elektrolyten durch Schleimhautschäden (z. B. Cholera, Enterotoxine bei Nahrungsmittelvergiftungen)
Hypermotile DiarrhoeBeschleunigte Darmpassage mit verminderter Resorptionszeit (z. B. Hyperthyreose, Reizdarmsyndrom)
Exsudativ-entzündliche DiarrhoeEntzündliche Schleimhautschäden mit Exsudation von Flüssigkeit und Elektrolyten (z. B. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, invasive Infektionen wie EHEC, ischämische Kolitis)
 Merke

Bei vielen Erkrankungen treten mehrere Mechanismen gleichzeitig auf!

 Info
Abgrenzung zu anderen Stuhlveränderungen:
  • Tenesmus: schmerzhafter Stuhl- oder Harndrang
  • Stuhlinkontinenz: Unkontrolliertes Absetzen kleiner Stuhlvolumina (z. B. bei Rektumkarzinom)
  • Paradoxe Diarrhoe: Sonderform des Durchfalls bei distalen Stenosen (z. B. im Kolon oder Rektum), bei der trotz Verstopfung flüssiger Stuhl abgesetzt wird
    • Fester Stuhl staut sich vor dem Hindernis und verweilt lange im Darm
    • Durch bakterielle Zersetzung und Schleimproduktion wird der Stuhl aufgeweicht, sodass flüssige Anteile ausgeschieden werden können → Flüssige, übelriechende Stühle
 Achtung

Akut lebensbedrohliche Differentialdiagnosen

  • Mesenterialischämie
  • Sepsis
  • Komplikationen bei schwerer Diarrhoe
    • Elektrolytentgleisungen (insbesondere Hypokaliämie)
    • Hypovolämischer Schock
  • Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) (z.B. nach EHEC-Infektion)

1. Akute Diarrhoe

Infektiöse Ursachen

  • Virale Infektionen z.B. Norovirus, Rotavirus
  • Bakterielle Infektionen z.B. Salmonellen, Shigellen, Campylobacter, Escherichia coli
  • Parasitäre Infektionen, z.B. Giardia lamblia
  • Lebensmittelvergiftung z.B. Clostridium perfringens, Staphylococcus aureus, Bacillus cereus

Nichtinfektiöse Ursachen 

  • Ischämische Kolitis
  • Paradoxe Diarrhoe
  • Divertikulitis
  • Appendizitis
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
    • Morbus Crohn
    • Colitis ulcerosa
  • Purpura Schönlein-Henoch (IgA-Vaskulitis)
  • Medikamenteneinnahme z.B. NSAR, Antidepressiva, Statine, Laxanzien, Chemotherapeutika
  • Psychisch (Angst, Stress, akute Belastungssituation)

2. Chronische Diarrhoe

  • Reizdarmsyndrom (RDS)
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)
    • Morbus Crohn
    • Colitis ulcerosa
  • Malabsorption z.B. Laktoseintoleranz, Zöliakie, Pankreasinsuffizienz
  • Medikamenteninduzierter Durchfall
    • Als Nebenwirkung: z.B. Antibiotika, Chemotherapeutika
    • Laxantienabusus
  • Darmischämie
  • Endokrine Erkrankungen z. B.Hyperthyreose, Diabetes mellitus (autonomen Neuropathie)
  • Tumore
    • Kolon-, Dünndarmtumore
    • Endokrine Tumore z.B. Vipom, Gastrinom
  • Darm- / Magenbypass, Darm-/Magenresektion 
 Merke

Red Flags sind Warnsymptome, die auf eine akut lebensbedrohliche Ursache hinweisen und ein sofortiges Handeln erfordern.

Red Flags 

  • Blutiger oder eitriger Stuhl
  • Anzeichen von Dehydratation (stehende Hautfalten, trockene Schleimhaut, Oligurie oder Anurie)
  • Schockzeichen (z.B. Hypotonie, Tachykardie, Kaltschweißigkeit, Bewusstseinsstörung, verzögerte Rekapillarisierungszeit, marmorierte Haut)
  • Immunsuppression
  • Hohes Fieber
  • Starke abdominelle Schmerzen
  • Anhaltendes oder unstillbares Erbrechen

Basismaßnahmen

  • Vitalparameter erheben, ggf. kontinuierlich überwachen: Blutdruck, Herzfrequenz, EKG, Sauerstoffsättigung (SpO₂), Körpertemperatur
  • i.v. Zugang legen (bei Schock mindestens zwei großlumige Zugänge)
  • 12-Kanal-EKG, insbesondere bei Verdacht auf kardiale Ursachen
  • Blutabnahme mit folgenden Parametern:
    • Labor:
      • Entzündungsparameter: CRP, BSG, Procalcitonin (bei V.a. Sepsis, Hinweis auf bakterielle Infektion)
      • Blutkulturen: bei Verdacht auf Sepsis (mindestens zwei Sets, möglichst vor Antibiotikagabe)
      • Blutbild: Leukozyten, Thrombozyten, Hämoglobin zur Einschätzung einer Anämie
      • Elektrolyte: Natrium, Kalium, Chlorid, Calcium
      • Nierenparameter: Kreatinin, GFR, Harnstoff
      • D-Dimere: bei Verdacht auf Mesenterialischämie
    • BGA:
      • Laktat: Hinweis auf Schock oder Hypovolämie
      • Elektrolyte: Natrium, Kalium
      • pH
      • Hb
      • Blutgase: Hypoxämie, Hyperkapnie
  • Ggf. Stuhlkultur: Bei Verdacht auf infektiöse Genese (insb. bakterielle Infektion, Parasiten)

Ersteindruck

  • Kreislaufstabilität beurteilen (z. B. Hautkolorit, RR, HF, Vigilanz)
  • Red Flags prüfen
  • Akute Maßnahmen bei Auffälligkeiten:
    • Schockzeichen: Schockindex (HF/RR) berechnen, ggf. Katecholamine (Ziel-MAD 60–70 mmHg),
    • Intravenöse Volumentherapie einleiten, wenn oral keine ausreichende Flüssigkeitszufuhr möglich ist
 Tipp

Die strukturierte Versorgung erfolgt nach dem xABCDE-Schema, das in Notfallsituationen standardisiert angewendet wird.

Anamnese und Fremdanamnese Körperliche Untersuchung Gezielte Bildgebung
  • Art des Durchfalls
    • Akut oder chronisch
    • Stuhlbeschaffenheit (wässrig, schleimig, blutig, eitrig)
    • Frequenz und Menge
    • Zeitlicher Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln
  • Begleitende Symptome
    • Abdominelle Schmerzen (Charakter, Lokalisation, Ausstrahlung)
    • Fieber
    • B-Symptomatik
  • Kontakt mit erkrankten Personen z.B. Gastroenteritis
  • Reiseanamnese
  • Berufsanamnese (Meldepflicht beachten)
  • Vorerkrankungen / Risikofakoren
    • Tumorerkrankungen, Immunsupression
    • Gastrointestinale Erkrankungen, Voroperationen (Abdomen, Darm, Magen)
    • Arteriosklerose, KHK, pAVK
    • Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen
    • Medikamentenanamnese (NSAR, Antibiotika, Laxanzien)
  • Inspektion
    • Exsikkosezeichen (stehende Hautfalten, trockene Schleimhäute)
    • Kreislaufstatus (Rekapillarisierungszeit zur Prüfung einer Zentralisation)
  • Palpation
    • Schmerzlokalisation, Druckdolenz
    • Verhärtungen, Abwehrspannung (Peritonitiszeichen)
  • Auskultation
    • Darmgeräusche (z.B. verminderte oder fehlende Darmgeräusche - paralytischer Ileus, Darmischämie)
  • Ggf. digital rektale Untersuchung (DRU): auf Blut, Schleim, tumorverdächtige Raumforderungen
     

 

  • Abdomensonografie
    • Initialdiagnostik (freie Flüssigkeit, Darmwandverdickung, Ileuszeichen)
  • Computertomographie (CT-Abdomen)
    • Bei unklaren Fällen, schwerer Klinik oder V.a. Mesenterialischämie, Perforation
  • Endoskopie
    • Bei chronischer Diarrhoe, Blutungen oder Verdacht auf CED, oder Kolonkarzinom
 SymptomeAnamnese / Untersuchung / DiagnostikSonstiges
Gastroenteritis
  • Art der Diarrhoe
    • Akut (< 2 Wochen)
    • Wässrige Konsistenz
    • Häufig Übelkeit und Erbrechen
  • Krampfartige abdominelle Schmerzen
  • Verschlechterung des Allgemeinzustands (AZ ↓), ggf. Fieber
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Oft Kontakt mit infizierten Personen
  • Labor:
    • Entzündungsparameter erhöht (CRP, Leukozyten)
    • Procalcitonin (PCT) bei bakteriellen Infektionen häufig erhöht
 
Mesenterial-ischämie
  • Art der Diarrhoe
    • Akuter Beginn (< 2 Wochen)
    • Anfangs oft Hämatochezie (Blutauflagerungen)
    • Im Verlauf typischerweise hämorrhagische Diarrhoe
  • Starke abdominelle Schmerzen, typischer Verlauf:
    1. Initial: Krampfartige, diffuse Schmerzen
    2. Verlauf: Intermittierende Schmerzreduktion („fauler Frieden“)
    3. Spätstadium: Peritonitis, stärkste Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Ältere Patient:innen (> 60 Jahre)
    • Bekannte kardiovaskuläre Vorerkrankungen (Atherosklerose, pAVK, KHK, Vorhofflimmern, Z.n. Gefäßoperationen)
  • Körperliche Untersuchung:
    1. Initial: Abdomen häufig noch weich, Darmgeräusche vorhanden
    2. Verlauf: verminderte oder fehlende Darmgeräusche
    3. Spätstadium: Peritonitiszeichen, harte Bauchdecke (Abwehrspannung)
  • Labor:
    • Entzündungsparameter erhöht (Leukozytose, CRP)
    • CK, D-Dimere erhöht (Hinweis auf Gewebsuntergang)
  • Blutgasanalyse: Laktat↑ (Ischämie), metabolische Azidose
  • Bildgebung:
    • CTA (CT-Angiografie): Diagnosesicherung durch Nachweis des Gefäßverschlusses
  • Cave: hypovolämer Schock, Darmperoration
Morbus Crohn
  • Art der Diarrhoe:
    • Akut oder chronisch
    • Meist normale Stuhlfrequenz (Obstipation möglich)
    • Selten blutig, eher wässrig
    • Tenesmen möglich
  • Krampfartige abdominelle Schmerzen, typischerweise im rechten Unterbauch
  • Reduzierter Ernährungszustand, Gewichtsverlust
  • Ggf. leichtes Fieber
  • Anale Manifestationen häufig: Fisteln, Abszesse, Analfissuren
  • Anamnese/Risikofaktoren:
    • Positive Familienanamnese
    • Gewichtsverlust, bei Kindern Wachstumsstörung
    • Rauchen (Risikofaktor für schwereren Verlauf)
  • Körperliche Untersuchung:
    • Inspektion: Hautmanifestationen möglich (z.B. Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum)
    • Auskultation: Hyperaktive Darmgeräusche („gurgelnd“, „blubbernd“)
    • Palpation: Druckschmerz im rechten Unterbauch
  • Labor:
    • Entzündungsparameter erhöht (CRP, BSG)
    • Ggf. Anämie, Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel (durch terminalen Ileumbefall)
    • Stuhluntersuchung: Entzündungsmarker (z.B. Calprotectin, Lactoferrin)
  • Bildgebung:
    • Sonografie: Ödematöse Darmwandverdickung
    • Röntgen mit Kontrastmittel: „Fahrradschlauchphänomen“
    • MRT: Befallsausdehnung, Fistelbildung
    • Koloskopie:
      • Diskontinuierlicher Befall des GI-Traktes („Skip lesions“)
      • Typisch: Pflastersteinrelief, Pinpoint-Läsionen
      • Häufig: Terminales Ileum, Kolon
    • Histologie: Transmuraler Entzündungsbefall
  • Weitere extraintestinale Manifestation möglich:
    • Haut: Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum
    • Gelenke: enteropathische Spondyloarthritis
    • Leber / Galle: Primär sklerosierende Cholangitis (seltener als bei Colitis ulcerosa)
  • Cave: Ileus, Perforation, Fisteln
Colitis ulcerosa (Schub)
  • Art der Diarrhoe:
    • Akut
    • Stark erhöhte Stuhlfrequenz
    • Blutig-schleimig
  • Krampfartige abdominelle Schmerzen, typischerweise im linken Unterbauch
  • Meist normaler Ernährungszustand (außer bei schwerem Verlauf)
  • Ggf. leichtes Fieber
  • Anamnese/Risikofaktoren:
    • Positive Familienanamnese
    • Gewichtsverlust, bei Kindern Wachstumsstörung
  • Körperliche Untersuchung:  
    • Inspektion: Hautmanifestationen möglich (z.B. Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum)
    • Auskultation: Hyperaktive Darmgeräusche („gurgelnd“, „blubbernd“)
    • Palpation: Druckschmerz im linken Unterbauch
  • Labor:
    • Entzündungsparameter erhöht
    • Ggf. Anämie (insb. bei chronischem Blutverlust)
    • pANCA positiv (in ca. 70 % der Fälle, aber nicht spezifisch)
    • Stuhluntersuchung: Entzündungsmarker wie Calprotectin, Lactoferrin erhöht
  • Bildgebung:
    • Sonografie: Ödematöse Darmwandverdickung des Kolons
    • Koloskopie
      • Kontinuierlicher Befall, von Rektum nach oral,
      • Meist nur Kolon
      • Histologie; Mukosa- und Submukosabefall, Typisch: Kryptenabszesse, Entzündungsinfiltrate
  • Weitere extraintestinale Manifestation:
    • Haut: Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum
    • Gelenke: enteropathische Spondyloarthritis
    • Leber / Galle: Primär sklerosierende Cholangitis (seltener als bei Colitis ulcerosa)
  • Cave: Ileus, Perforation, toxisches Megakolon
Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) 
  • Art der Diarrhoe:
    • Akut
    • Wässrig
    • Hämatochezie
  • Starke abdominelle Schmerzen
  • Meteorismus
  • Periphere Ödeme (durch Nierenschädigung)
  • Petechien (Zeichen der Thrombozytopenie)
  • Ikterus (durch Hämolyse bedingt)
  • Blässe (Zeichen der Anämie)
  • Ggf. neurologische Symptome (z.B. Somnolenz, Krampfanfälle)
  • Anamnese/Risikofaktoren:
    • Vorangegangene gastrointestinale Infektion (v.a. durch EHEC, Serotyp O157:H7)
    • Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln (z. B. nicht ausreichend erhitztes Rindfleisch, ungewaschenes Gemüse)
    • Kontakt zu infizierten Personen (Fäkal-orale Übertragung)
    • Seltener atypisches HUS (aHUS): genetisch bedingte Komplementdysregulation
  • Körperliche Untersuchung:
    • Inspektion: Blässe, Petechien, periphere Ödeme, Ikterus
  • Labor:
    • Nierenparameter erhöht: Harnstoff, Kreatinin
    • Anämie (hämolytisch bedingt)
    • Hämolysezeichen: LDH↑, Haptoglobin↓, fragmentierte Erythrozyten (Schistozyten im Blutausstrich)
    • Thrombozytopenie
    • Urinbefunde: Hämaturie, Proteinurie
  • BGA: metabolische Azidose, Hyperkaliämie, Hyponatriämie
  • Bildgebung:
    • Sonografie: Hepatosplenomegalie möglich
  • Tritt vor allem bei Kindern auf, kann aber auch Erwachsene betreffen 
Reizdarm-syndrom
  • Art der Diarrhoe
    • Chronisch
    • Häufig wässrig, ggf. schleimige Auflagerung
    • Im Wechsel mit Obstipation
  • Blähungen
  • Abdominelle Schmerzen: Unterbauch
  • Extrainstestinale Symptome: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen
  • Anamnese/Risikofaktoren:
    • Stress, psychosoziale Belastungen, bestimmte Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Untersuchung, Labor und Bildgebung unauffällig (Ausschlussdiagnose)
  • Klinische Diagnose nach ROME-IV-Kriterien
 
Lactose-intoleranz
  • Art der Diarrhoe:
    • Akut (episodisch, nach Laktoseexposition)
  • Blähungen, Flatulenzen
  • Krampfartige abdominelle Schmerzen, meist im Unterbauch
  • Ggf. Übelkeit, Erbrechen
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Beschwerden ca. 10–30 Minuten nach Konsum laktosehaltiger Produkte
  • Körperliche Untersuchung:
    • Auskultation: rege Darmgeräusche
  • H₂-Laktose-Atemtest (Standarddiagnostik)
  • Laktase-Biopsie-Schnelltest (selten, invasiv)
 
Zöliakie
  • Art der Diarrhoe:
    • Chronisch
    • Steatorrhoe (fettreiche, übelriechende Diarrhoe)
  • Malassimilationssyndrom:
    • Meteorismus
    • Übelkeit, Erbrechen
    • Gewichtsverlust, Muskelatrophie, Gedeihstörung (v.a. bei Kindern)
  • Extraintestinale Symptome:
    • Neuropathien, Ataxie
    • Konzentrationsschwäche
    • Dermatitis herpetiformis Duhring
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Besserung der Symptomatik bei glutenfreier Ernährung
    • Positive Familienanamnese möglich (genetische Prädisposition)
  • Körperliche Untersuchung:
    • Ggf. Dermatitis herpetiformis, schlechter Ernährungszustand
  • Labor:
    • Tissue-Transglutaminase-Antikörper (tTG-IgA) – wichtigster Screeningmarker
    • Ggf. Leberwerte (Transaminasen) erhöht
    • Mangel fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K)
    • Eisenmangel, Vitamin-B12- und Folsäuremangel → Anämie
  • Bildgebung:
    • Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD):
      • Schleimhautatrophie, „Scalloping“ der Falten im Duodenum
      • Duodenalbiopsie: Zottenatrophie, kryptenhyperplastische Veränderungen (Goldstandard zur Diagnosesicherung)
 
Kolorektales Karzinom
  • Art der Diarrhoe:
    • Chronisch
    • Flüssige Stühle möglich, auch paradoxe Diarrhoe
    • Hämatochezie (sichtbares Blut), häufig auch okkultes Blut (nur im Test nachweisbar)
    • Obstipation möglich
    • Ileus-Symptomatik bei fortgeschrittenem Tumor
    • „Falsche Freunde“: Stuhlabgang bei Flatulenzen
  • Abdominelle Schmerzen (meist dumpf, lokalisiert je nach Tumorsitz)
  • B-Symptomatik (Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Fieber)
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Familienanamnese (z.B. familiäre adenomatöse Polyposis, Lynch-Syndrom)
    • Zunehmendes Alter (> 50 Jahre)
    • Fehlende Vorsorgeuntersuchungen (z.B. Koloskopie)
  • Körperliche Untersuchung:
    • DRU (digitale rektale Untersuchung): ggf. rektales Karzinom tastbar
  • Labor:
    • Chronische Blutungsanämie (hypochrom-mikrozytär) möglich
    • Tumormarker CEA (nicht diagnostisch, aber für Therapiemonitoring relevant)
  • Bildgebung:
    • Koloskopie (Goldstandard): Tumornachweis, Biopsie
    • Abdomensonographie: Lebermetastasen-Screening
    • Röntgen-Thorax: Ausschluss von Lungenmetastasen
 
Divertikulitis
  • Art der Diarrhoe
    • Chronisch-rezidivierend (typischerweise Phasen mit Obstipation im Wechsel)
    • Hämatochezie möglich (selten), ggf. okkulte Blutungen
  • Linksseitiger progredienter Unterbauchschmerz
  • Fieber (> 38 °C)
  • Blähungen, Völlegefühl
  • Übelkeit, selten Erbrechen
  • Lokale Abwehrspannung / lokaler Peritonismus (bei unkomplizierter Entzündung)
  • Generalisierte Abwehrspannung oder akutes Abdomen bei Perforation

 

  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Alter (insbesondere bei Personen >60 Jahren)
    • Ballaststoffarme Ernährung
    • Bewegungsmangel, Adipositas
    • Rauchen
    • NSAR, Glukokortikoide und Immunsuppressiva steigern das Risiko für komplizierte Verläufe
    • Positive Familienanamnese
  • Körperliche Untersuchung:
    • Palpation:
      • Druckschmerz im linken Unterbauch
      • Abwehrspannung und Loslassschmerz bei peritonealer Reizung
      • Generalisierte Abwehrspannung bei Perforation
  • Labor:
    • Entzündungsparameter erhöht (CRP, Leukozyten)
  • Bildgebung:
    • Abdomensonografie:
      • Divertikel, echoarme Wandverdickung, Kokardenphänomen
      • Entzündliche Reaktion im umgebenden Fettgewebe
    • CT-Abdomen mit Kontrastmittel:
      • Wandverdickung des Kolons
      • Perikolische Infiltration / Fettgewebsimbibierung
      • Abszesse, Perforation, freie Luft darstellbar
    • Endoskopie:
      • Nicht in der akuten Phase empfohlen (wegen Perforationsgefahr)
      • Nach Abklingen der Entzündung zur Beurteilung der Divertikulose möglich
 
  • ESC Pocket Guidelines, Diagnose und Therapie der peripheren arteriellen Erkrankungen, Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
  • S2k-Leitlinie, Gastrointestinale Infektionen, Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
  • S3-Leitlinie, Kolorektales Karzinom, Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
  • S2k-Leitlinie, Zöliakie, Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
  • S3-Leitlinie, Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn - Living Guideline, Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
  • S3-Leitlinie, Colitis ulcerosa, Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
  • S3-Leitlinie, Divertikelkrankheit / Divertikulitis, Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) / Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie e.V. (DGAV)
  • Baenkler et al: Kurzlehrbuch Innere Medizin, Georg Thieme Verlag KG, 2021, ISBN: 978-3-13-220000-5
  • Steffen et al.: Internistische Differenzialdiagnosen, Schattauer GmbH, 2008, ISBN: 978-3-7945-23-42.9
  • Japp et al: Macleods klinische Diagnosen, Elsevier GmbH, 2018, ISBN: 978-3-437-42203-4
Zuletzt aktualisiert am 23.04.2025
Leitsymptom: Fieber
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