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Direkte nicht orale Antikoagulantien

8 Minuten Lesezeit

Direkte nicht orale Antikoagulantien

  • Bivalirudin: rekombinantes Hirudin (wird aus Blutegeln gewonnen)
  • Argatroban: synthetisches L-Arginin-Derivat

Wirkprinzipien:

  • Direkte Thrombinhemmung (unabhängig von Antithrombin)
Direkte nicht orale Antikoagulantien
  • Bivalirudin: Verwendung während der Herzkatheteruntersuchung (intravenös)
    • Antikoagulation im Rahmen eines akuten Koronarsyndroms bei bekannter HIT 2 (Reserve-Antikoagulation)
  • Argatroban: Therapie der HIT 2 (intravenös über eine Spritzenpumpe)
    • Therapie der akuten HIT 2
    • Therapie von akuten thromboembolischen Erkrankungen bei Kontraindikationen gegen Heparin (insbesondere bei HIT)

- Nur intravenöse Gabe möglich

- Bivalirudin: bei GFR <30 ml/min kontraindiziert

- Bivalirudin: kein Antidot vorhanden (schnelles Nachlassen der Wirkung (ca. 35-40 min.)

- Argatroban: regelmäßige Kontrolle der aPTT notwendig

- Argatroban: kein Antidot vorhanden

  • Kontrolle durch die aPTT
  • Bei der Therapie einer HIT 2: Diagnose einer HIT 2 sollte bei der Therapie mit Argatroban durch den HIPA (siehe HIT) bestätigt werden (sollte den Behandlungsbeginn jedoch nicht verzögern)
  • INR-Werte können bei gleichzeitiger Gabe von Argatroban je nach Assay verfälscht sein (siehe Fachinformation)
  • Hb-Wert zur Identifikation von äußerlich nicht sichtbaren/okkulten Blutungen
    • CAVE: der Hb-Wert kann bei einer akuten Blutung noch normwertig sein. Er fällt in der Regel erst im Verlauf durch den kompensatorischen Flüssigkeitseinstrom aus dem Gewebe in die Gefäße ab
  • Kein Antidot
  • Blutungen
  • Bivalirudin: allergische Reaktionen
  • Argatroban: Anämie, Übelkeit, Purpura (Hauteinblutungen)

Bivalirudin siehe Fachinformation.

Argatroban:

  • Zu Beginn: Heparin absetzen und nach ca. 1-2 Stunden Ausgangswert der aPTT erheben
  • Anschließend: 2 µg pro Kg Körpergewicht pro Minute als Dauerinfusion in einer Spritzenpumpe (bei Leberinsuffizienz und kritisch kranken Patient:innen siehe unten)
    • Kontrolle der aPTT alle 2 Stunden nach Beginn der Infusion ➜ bei 2 aufeinanderfolgend stabilen aPTT-Werten Reduktion der Kontrollintervalle möglich (mindestens einmal pro Tag)
    • aPTT erreicht in der Regel innerhalb von 1-3 Stunden nach Beginn der Behandlung einen Gleichgewichtszustand
      • aPTT-Zielbereich im Gleichgewichtszustand: 1,5 – 3-fache Verlängerung des Ausgangswertes (<= 100 Sekunden)
      • Ggf. Dosisanpassung zur Erreichung des aPTT-Zielbereiches
        • aPTT <1,5-fache Erhöhung des Ausgangswertes: Steigerung der Infusionsrate um 0,5 µg pro Kg Körpergewicht pro Minute als Dauerinfusion ➜ erneute Kontrolle der aPTT nach 2 Stunden
          • Maximale Dosis: 10 µg pro Kg Körpergewicht pro Minute als Dauerinfusion
        • aPTT 1,5 - 3-fache Erhöhung des Ausgangswertes (<= 100 Sekunden): keine Änderung der Infusionsrate notwendig ➜ aPTT-Kontrollen fortsetzen (siehe oben)
        • aPTT >3-fache Erhöhung des Ausgangswertes oder >100 Sekunden: Infusion pausieren, bis aPTT im Zielbereich liegt (meistens innerhalb von unter 2 Stunden nach Pausierung der Infusion) ➜ anschließend Infusion mit der Hälfte der Infusionsgeschwindigkeit fortführen ➜ erneute Kontrolle der aPTT nach 2 Stunden
  • Behandlungsdauer in der Regel für 14 Tage (keine klinischen Erfahrungen bei längerer Anwendung)
 Achtung

Bei einer Leberinsuffizienz oder kritisch kranken Patient:innen sollte eine Dosisreduktion erfolgen:

Es sollte mit einer Initialdosis von 0,5 µg pro Kg Körpergewicht pro Minute als Dauerinfusion begonnen werden.

Bei einer aPTT <1,5-fache Erhöhung des Ausgangswertes sollte eine Steigerung der Infusionsrate um 0,1 µg pro Kg Körpergewicht pro Minute als Dauerinfusion erfolgen.

Die Dosis sollte an den klinischen Status des/der Patient:in angepasst werden (z.B. bei einer Veränderung der Leberfunktion). Es sollten regelmäßige Kontrollen (bei instabilen Werten alle 4 Stunden) der aPTT erfolgen.

 Achtung

Bei der Umstellung von Argatroban auf Vitamin-K-Antagonisten ist zu beachten, dass je nach verwendetem Assay zur Messung der INR-Werte, eine Verfälschung der INR-Werte vorliegen kann. Vor der Umstellung sollte man sich anhand der Fachinformation über den Einfluss von Argatroban auf den INR-Wert des verwendeten Assays informieren.

Zuletzt aktualisiert am 26.09.2024
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