Zusammenfassung
Der Dreiwegehahn (Englisch: three-way stopcock) ist ein Medizinprodukt zur Steuerung des Flüssigkeits- oder Medikamentenflusses. Er verfügt über drei Verbindungsstellen, die je nach Bedarf einzeln geschlossen oder miteinander verbunden werden können. Bei einigen Modellen ist auch ein gleichzeitiger Verschluss aller Verbindungen möglich. Dadurch ist es möglich, mehrere Infusionen oder Medikamente gleichzeitig zu verabreichen und die Flussrichtung zu ändern. Eine korrekte Anwendung trägt dazu bei, Komplikationen wie Infektionen, Verstopfungen

“Intravenöser Zugang an Handvene mit zwei Anschlüssen.JPG” von Mattes, CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons
Indikationen
- Infusionstherapie: Zusätzliche Applikation von Medikamenten oder Flüssigkeiten
- Blutentnahme: Kontrollierter Zugang zu venösen oder arteriellen Gefäßsystemen (siehe Artikel
Blutentnahme aus einem ZVK ) - Drucküberwachung: Invasives Monitoring des Blutdrucks in der Anästhesie und Intensivmedizin
Aufbau und Funktion
- Aufbau: Enthält drei Verbindungsstellen (Ports) mit Luer-Lock- oder Luer-Slip-Verbindungen
- Langer Schenkel: zum direkten Anschluss an einen peripheren Venenverweilkatheter
- Kurze Schenkel: zum Anschluss von Infusionen oder Spritzen
- Langer Schenkel: zum direkten Anschluss an einen peripheren Venenverweilkatheter
- Markierungen: Pfeile zeigen die möglichen Flussrichtungen
- Zeigt ein Griff auf eine Verbindungsstelle, kann durch diese Flüssigkeit fließen
- Zeigt kein Griff auf die Verbindungsstelle, ist diese geschlossen
- Drehmechanismus: Ein rotierender T-förmiger Griff (blau im Bild) dient zur Steuerung des Flusses
- Gerader Durchfluss: Der Griff zeigt in Richtung zweier gegenüberliegender Verbindungsstellen → Der Durchfluss erfolgt in einer geraden Linie durch den Hahn
- Durchfluss um die Ecke: Der Griff zeigt in Richtung einer seitlichen Verbindungsstelle → Der Fluss wird in einem 90°-Winkel umgeleitet
- Alles geöffnet: Der Griff zeigt genau auf die drei Verbindungsstellen → Alle Verbindungsstellen sind gleichzeitig miteinander verbunden, wodurch der Durchfluss in alle Richtungen möglich ist
- Alles geschlossen: Der Griff befindet sich in einer 45°-Schräglage zwischen den Verbindungsstellen → Alle Öffnungen sind gleichzeitig verschlossen, sodass kein Durchfluss möglich ist

AchtungFarbcodierung
- Blau: Wird häufig für venöse Infusionen verwendet
- Rot: Wird oft an arterielle Verweilkanülen/Systeme angeschlossen und darf nicht für die Medikamentenapplikation genutzt werden
Komplikationen
Trotz seiner Vielseitigkeit birgt der Dreiwegehahn Risiken, die durch eine unsachgemäße Verwendung oder mangelnde Hygiene entstehen können. Zu den häufigsten Komplikationen gehören:
- Infektionen: Durch mangelnde Desinfektion der Verbindungsstellen oder Kontakt mit kontaminierten Flächen
- Verstopfungen
: Bildung von Gerinnseln oder Ablagerungen bei unzureichendem Spülen - Luftembolie: Unachtsames Handling kann dazu führen, dass Luft in das Gefäßsystem gelangt
- Undichtigkeiten: Defekte Dichtungen oder Beschädigungen des Hahns
- Fehlapplikation: Falsche Einstellung des Drehmechanismus kann zu unbeabsichtigtem Durchfluss führen
- Wenn kein Rückschlagventil vorhanden ist, kann es zu einer Umverteilung der Medikamente von einem Schenkel des Dreiwegehahns zum anderen kommen, sodass kein Medikament die Person erreicht
Quellen
- S3-Leitlinie Intravasale Volumentherapie beim Erwachsenen, Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI). Stand: 2020, Abrufdatum: 15.01.2025
- S1-Leitlinie Die intraossäre Infusion in der Notfallmedizin, Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI), Stand 2017, Abrufdatum: 15.01.2025

