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Drüsenepithelien

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17 Minuten Lesezeit
  • Allgemeine Merkmale:
    • Drüsenepithelien sind spezialisierte Epithelzellen, die Stoffe wie Hormone, Enzyme, Schweiß oder Schleim produzieren und abgeben (Sekretion)
    • Sie sind meist in Zellverbänden organisiert und reagieren auf äußere Reize (z. B. Nervensignale) oder arbeiten konstitutiv (dauerhafte Grundsekretion)
    • Nicht-epitheliale sekretorische Zellen (z. B. Fibroblasten oder neurosekretorische Zellen des Hypothalamus) besitzen ebenfalls sekretorische Fähigkeiten, gelten jedoch nicht als Drüsenepithel
  • Grundtypen:
    • Exokrine Drüsen: Sekretabgabe an äußere oder innere Körperoberflächen
    • Endokrine Drüsen: Sekretabgabe in das Blutgefäßsystem (Hormone)
Drüsenepithelien

Exokrine Drüsen lassen sich anhand von verschiedenen Merkmalen einteilen:

Einteilung;

  1. Nach Anzahl der Drüsenzellen
  2. Nach Lage der Drüsenzellen im Verhältnis zum Oberflächenepithel (intraepithelial, extraepithelial)
  3. Nach Struktur des Ausführungsgangsystems (einfach, verzweigt, zusammengesetzt)
  4. Nach Form der Drüsenendstücke (tubulös, azinös, alveolär, gemischt)
  5. Nach Sekretionsmechanismus (merokrin, apokrin, holokrin)
  6. Nach Eigenschaften des Sekrets (serös, mukös, seromukös/gemischt)

1. Einteilung nach Anzahl der Drüsenzellen:

  • Einzellige Drüsen → Beispiel: Becherzelle
  • Mehrzellige Drüsen → Zellverbände bilden ein Drüsenepithel

2. Einteilung nach Lage der Drüsenzellen im Verhältnis zum Oberflächenepithel: 

Unterscheidung zwischen intra- und extraepithelialen exokrinen Drüsen:

Einteilung nach Lage der Drüsenzellen im Verhältnis zum Oberflächenepithel
Intraepitheliale Drüsenzellen:
Einzellige intraepitheliale Drüsenzellen
  • Definition: In das Oberflächenepithel eingelagerte Drüsenzellen
  • Formen von intraepithelialen Drüsenzellen:: a) Einzellig, b) Mehrzellige

a) Einzellige intraepitheliale Drüsenzellen:

  • Typisches Beispiel sind Becherzellen:
  • Form: Kelchförmig Vorkommen:
    • Verdauungstrakt (v. a. Dünn- und Dickdarmepithel)
    • Atemwege (z. B. Bronchialepithel, Tuba auditiva)
  • Funktion:
    • Kontinuierliche Sekretion von Muzinen
    • Muzine sind große Glykoproteine
    • Muzine binden große Mengen Wasser  → Bildung eines viskösen, schützenden Schleims
  • Aufbau der Becherzellen:
    • Zellkern: basal gelegen, oft keilförmig
    • Zytoplasma: apikal gefüllt mit mukösen Sekretvesikeln (Muzingranula), die den Kern basal verdrängen
    • Sekretabgabe: erfolgt merokrin über Exozytose
    • Funktion: Schutz des Epithels durch visköse Schleimschicht (mechanische Barriere, Feuchtigkeitsregulation, Abwehr von Pathogenen)
    • Histologie: in Standardfärbungen oft blass, da die Muzine ausgewaschen werden → Nachweis mit PAS-Reaktion, da Muzine reich an Kohlenhydraten sind
Aufbau der Becherzellen
 Merke

Becherzellen sind typische einzellige intraepitheliale Drüsen – gut erkennbar durch ihren kelchförmigen Aufbau, die apikal gelagerten Sekretvesikel und die PAS-positiven Muzine.

 

b) Mehrzellige intraepitheliale Drüsenzellen

  • Bestehen aus kleinen Zellverbänden ohne Ausführungsgang
  • Vorkommen:
    • Sehr selten
    • Beispielsweise in der Nasenschleimhaut und im Fornix conjunctivae
Extraepitheliale Drüsen:
  • Definition: liegen außerhalb des Oberflächenepithels, aus dem sie hervorgehen
  • Vorkommen: die großen Speicheldrüsen (Gl. parotidea (Parotis), Gl. submandibularis, Gl. Sublingualis), Pankreas, Tränendrüse
  • Aufbau: bilden meist ein eigenständiges Organ und sind in Lappen (Lobi) und Läppchen (Lobuli) gegliedert
    Drüsenendstücke
  • Definition: kolbenartig aufgetriebene, blind endende Abschnitte, in denen die eigentliche Sekretproduktion stattfindet
  • Funktion: Bildung und Abgabe des Primärsekrets in das Lumen des Endstücks
  • Formen: tubulös, azinös (serös, englumig), alveolär (mukös, weitlumig), gemischt

Ausführungsgangsystem

  • Definition: von Epithelzellen ausgekleidete Gänge, die Endstücke mit der Drüsenmündung verbinden
  • Funktion: Weiterleitung und Modifikation des Sekrets (z. B. Ionenaustausch, pH- Regulation)
  • Untergliederung: intralobuläre, interlobuläre und Hauptausführungsgänge 
    • Intralobuläre Ausführungsgänge:
      • Schaltstücke (Ductus intercalatus)
        • Definition: erstes, dünnstes Segment des Gangsystems
        • Epithel: einschichtig flach bis kubisch, sehr enges Lumen
        • Funktion: drainieren mehrere Endstücke, münden in Streifenstücke oder größere intralobuläre Gänge; zusätzlich pH-Regulation (HCO₃⁻/Cl⁻-Austausch)
        • Vorkommen: stark ausgeprägt in serösen Drüsen (z. B. Glandula parotidea, Pankreas), vorhanden in serösen Anteilen gemischter Speicheldrüsen (z. B. Gl. submandibularis), kaum ausgebildet in mukösen Drüsen
    • Streifenstücke (Ductus striatus)
      • Definition: Streifenstücke schließen sich an Schaltstücke an
      • Epithel: einschichtig iso- bis hochprismatisch, eosinophil
      • Basale Streifung: lichtmikroskopisch sichtbare Streifen durch ‚ Mitochondrien in basalen Membraneinfaltungen
      • Funktion: drainieren mehrere Schaltstücke; Modifikation des Sekrets durch Resorption/ Sezernierung von Elektrolyten
      • Vorkommen: nur in Speicheldrüsen (Gl. parotidea, Gl. submandibularis, Gl. sublingualis); nicht im Pankreas
Extraepitheliale Drüsen:
 Merke
  • Schaltstücke: kommen in den drei großen Speicheldrüsen (Gl. parotidea, Gl. submandibularis, Gl. sublingualis) sowie im exokrinen Pankreas vor 
  • Streifenstücke: finden sich ausschließlich in den drei großen Speicheldrüsen und fehlen im Pankreas
  • Interlobuläre Ausführungsgänge
    • Definition: größere Sammelgänge in den Bindegewebssepten zwischen den Lobuli
    • Epithel: einschichtig iso- bis hochprismatisch
    • Funktion: Zusammenführung der intralobulären Gänge, Weiterleitung zum Hauptausführungsgang
  • Hauptausführungsgang (Ductus excretorius)
    • Definition: letzter, dickster Abschnitt des Gangsystems
    • Epithel: ein- bis mehrschichtig iso- bis hochprismatisch, teilweise zweischichtig (z. B. in Schweißdrüsen, Gll. oesophageae)
    • Funktion: Ableitung des gesamten Sekrets zur Drüsenmündung 
  • Bindegewebskapsel (Capsula fibrosa)
    • Umgibt die Drüse, bildet das Stroma
    • Enthält Gefäße und Nerven
    • Septen unterteilen die Drüse in Lappen (Lobi) und Läppchen (Lobuli)
  • Myoepithelzellen
    • Kontraktile Zellen zwischen Basalmembran und Drüsenzellen
    • Unterstützen den Sekrettransport vom Endstück zur Oberfläche
    • Vorkommen: Speichel-, Tränen-, Schweiß- und Brustdrüsen (nicht vorhanden z. B. in der exokrinen Bauchspeicheldrüse)
3. Einteilung nach Struktur des Ausführungsgangsystems:
  • Einfache Drüsen:
    • Ein einzelnes Endstück mündet direkt oder über einen kurzen Gang auf die Oberfläche
    • Beispiel: Schweißdrüsen
  • Verzweigte Drüsen:
    • Mehrere Endstücke entleeren sich in einen gemeinsamen Gang
    • Beispiel: Drüsen des Magens
  • Zusammengesetzte Drüsen:
    • Stark verzweigtes Gangsystem, baumartig aufgebaut
    • Das in den Endstücken gebildete Primärsekret wird unterwegs zu Sekundärsekret umgewandelt
    • Beispiel: Große Speicheldrüsen
4. Einteilung nach Form der Drüsenendstücke:
  • Tubulöse Drüsen (schlauchförmig)
    • Form: schlauchförmig, weites, längliches Lumen
    • Beispiele: Kolonkrypten, Magendrüsen (Fundus/Korpus)
    • Unterarten:
      • Einfach-tubulös: unverzweigte Endstücke (z. B. Kolonkrypten)
      • Gewunden-tubulös: aufgeknäuelt (z. B. ekkrine Schweißdrüsen)
      • Verzweigt-tubulös: mehrere Röhren münden in einen Gang, z. B. Meibom- Drüse
  • Azinöse Drüsen (beerenförmig)
    • Form: kugelig, enges Lumen
    • Beispiele: Ohrspeicheldrüse (Gl. parotidea), Bauchspeicheldrüse (Pankreas)
  • Alveoläre Drüsen (bläschenförmig)
    • Form: kugelig, weites Lumen
    • Beispiele: apokrine Schweißdrüsen, Milchdrüse (laktierend), Duftdrüsen
  • Gemischte Drüsenformen
    • Kombination tubulöser und azinöser oder alveolärer Endstücke
    • Tubuloazinös: z. B. Tränendrüse, Gl. submandibularis
    • Tubuloalveolär: z. B. Prostata
Drüsenendstücke
5. Einteilung nach Sekretionsmechanismus:
  • Ekkrine Sekretion
    • Mechanismus: Transport von Ionen oder kleinen Molekülen über Transportproteine in der Zellmembran; osmotisch folgt Wasser → Bildung eines wässrigen Sekrets
    • Vorkommen: ekkrine Schweißdrüsen des Menschen (dünnflüssiger, elektrolytreicher Schweiß)
  • Merokrine Sekretion (Exozytose):
    • Häufigste Form der Sekretion in Drüsen
    • Mechanismus:
      • Sekret wird im Golgi-Apparat in membranbegrenzte Sekretgranula verpackt
      • Abgabe erfolgt durch Exozytose ohne Zellverlust
      • Signal: Erhöhung von Ca2+ im Zytosol (Second Messenger) durch nervale oder hormonelle Reize
    • Formen:
      • Regulierte Sekretion: ausgelöst durch Reize (klassisch in Drüsen)
      • Konstitutive Sekretion: kontinuierlich ohne Reiz (z. B. Antikörpersekretion von Plasmazellen)
    • Vorkommen: Speicheldrüsen, exokrines Pankreas, Drüsen des Geschlechtsapparates, Milchdrüse (Proteine und Milchzucker) und fast allen exokrinen Drüsenzellen
 Merke

In der Regel kommen ekkrine und merokrine Sekretion gemeinsam in einer Drüsenzelle vor.

Merokrine Sekretion
  • Apokrine Sekretion:
    • Mechanismus:
      • Sekret sammelt sich in einer apikalen Vorwölbung der Zelle
      • Diese schnürt sich mitsamt Vesikeln und Membran ab
      • Teil des Zytoplasmas geht verloren
      • Vorkommen: laktierende Brustdrüse (Fetttröpfchen), apokrine Schweißdrüsen
  • Holokrine Sekretion:
    • Mechanismus:
      • Ganze Zelle füllt sich mit Sekret und geht durch Apoptose (Holozytose) zugrunde
      • Zellkern wird pyknotisch, Zelle zerfällt → gesamte Zelle wird zum Sekret
    • Vorkommen: Talgdrüsen der Haut (mit vielschichtigem Drüsenepithel):
Apokrine- und Holokrine Sekretion
 Info

Funfact: Die Kropfmilch von Tauben und Flamingos, mit der die Elternvögel ihre Jungen füttern, entsteht durch holokrine Sekretion. Damit kann man sagen: Nicht nur Säugetiere „säugen“ ihren Nachwuchs.

Merokrine Schweißdrüse (obere Bildhälfte) und Apokrine Schweißdrüse (untere Bildhälfte):

Merokrine Schweißdrüse (obere Bildhälfte) und Apokrine Schweißdrüse (untere Bildhälfte)
 Merke

Je größer die Sekretionsleistung und je visköser bzw. voluminöser das Sekret, desto weiter sind auch die Lumina der Drüsen.

Talgdrüse mit holokriner Sekretion:

Talgdrüse
6. Einteilung nach Eigenschaften des Sekrets:
  • Seröse Drüsen
    • Sekret: dünnflüssig, protein- und enzymreich
    • Endstücke: azinös, mit sehr engem Lumen
    • Drüsenzellen: basal gelegener runder Zellkern, basophiles Zytoplasma, granuliert durch Sekretgranula (v.a. apikal)
    • Vorkommen: Tränendrüse, Gl. Parotidea (Ohrspeicheldrüse), Pankreas (Bauchspeicheldrüse)
  • Muköse Drüsen:
    • Sekret: zähflüssig (viskös), enzymarm, mucinreich
    • Endstücke: tubulös, mit relativ weitem (rundem) Lumen, Durchmesser größer als bei den serösen Endstücken
    • Drüsenzellen: abgeflachte Zellkerne basal, hell-schaumiges Zytoplasma, deutliche Zellgrenzen
    • Vorkommen: Gl. sublingualis, Gll. oesophageae, Brunner-Drüsen, alle intraepithelialen Drüsen
  • Gemischte Drüsen:
    • Sekret: mäßig dünnflüssig, enthält sowohl Muzine als auch Enzyme
    • Endstücke: tubuloazinös, Kombination aus mukösen Tubuli und serösen Azini
    • Besonderheiten:
      • Seröse Halbmonde (von-Ebner-Halbmonde): seröse Zellen liegen halbmondförmig den mukösen Tubuli auf; funktionell spülen sie die Tubuli durch das dünnflüssige seröse Sekret frei
      • Interzelluläre Sekretkapillaren: verbinden die Zellen der serösen Halbmonde mit dem Tubuluslumen → dienen der Sekretabgabe
    • Vorkommen:
      • Gl. submandibularis: seromukös (serös > mukös) 
      • Gl. sublingualis: mukoserös (mukös > serös)
Seröse und Muköse Drüse
 Tipp

Merkhilfe für seröse Drüsen: Papageien Tränen sind serös!

  • Seröse Drüsen: Pankreas, Parotis, Tränendrüse

Merkhilfe für die seromuköse Drüse (Gl. submandibularis)

  • Die Glandula submandibularis ist eine seromuköse Drüse

Seröse Drüsenendstücke (Gl. parotidea):

Seröse Drüsenendstücke (Gl. parotidea):

Seromuköse Drüse (Glandula submandibularis):

Seromuköse Drüse (Glandula submandibularis)

Seröse Halbmonde (Glandula submandibularis):

Seröse Halbmonde der Glandula submandibularis
  • Sekretion: geben die chemischen Botenstoffe (Hormone) direkt in Blut ab
  • Besonderheit: besitzen keinen Ausführungsgang → daher werden sie auch Hormondrüsen genannt
  • Transport: Hormone werden über Blut- oder Lymphgefäße im Kreislauf des gesamten Organismus verteilt
  • Speicherformen:
    • Follikulär: Hormone werden extrazellulär in Follikeln gespeichert (z. B. Schilddrüse)
    • Intrazellulär: Speicherung in Vesikeln sekretorischer Zellen (z. B. Hypophyse, Nebennieren, Langerhans-Inseln)
  • Wirkung: die Hormone binden an spezifische Rezeptoren der Zielzellen und steuern zentrale Prozesse wie Stoffwechsel, Wachstum, Homöostase und Reproduktion
  • Vorkommen: Schilddrüse, Hypothalamus, Hypophyse, Nebenschilddrüsen, Nebennieren, Epiphyse, Langerhans-Inseln des Pankreas, Ovarien, Hoden
Endokrine Drüsen
Zuletzt aktualisiert am 16.07.2026
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