In der Notaufnahme stellt sich eine 47-jährige Patientin aufgrund einer Leistungsminderung und linksthorakal stechenden Schmerzen vor, die bei der Inspiration stärker werden.
PericarditisMyocarditis.jpg, James Heilman, MD, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons: Es wurde die Schreibgeschwindigkeit und die Herzfrequenz hinzugefügt. Die untere Abbildung, die die Brustwandableitungen zeigt, wurde basierend auf der oberen Abbildung (Extremitäten- und Brustwandableitungen) zugeschnitten. Die Lizenzangaben beziehen sich auf die beiden obigen EKGs.
Perikarditis

Auswertung
Frequenz: Mit 94 Schlägen pro Minute ist das EKG normofrequent.
Rhythmus: Das EKG ist rhythmisch
Lagetyp: Es liegt ein Rechtstyp vor.
P-Welle & PQ-Intervall: Es liegen regelmäßige, uniforme P-Wellen mit einem normalen PQ-Intervall vor. Es besteht ein Sinusrhythmus.
QRS-Komplex: Der QRS-Komplex ist mit ca. 60-80 ms schmal. Der R/S-Umschlag liegt in V2/V3.
Erregungsrückbildung: Es liegen in nahezu allen Ableitungen ST-Streckenhebungen aus dem aufsteigenden S vor. In den Ableitungen aVR und V1 liegen ST-Streckensenkungen vor.
Bewertung: Die ubiquitär verteilten ST-Streckenhebungen aus dem aufsteigenden S sind ein Hinweis für eine Perikarditis. In diesem Fall sollte zuerst ein akuter Myokardinfarkt ausgeschlossen werden. Eine Perikarditis kann sich mit ähnlichen Symptomen wie ein akuter Myokardinfarkt darstellen. Das Troponin kann erhöht sein, weist in der Regel jedoch in der kurzfristigen sequentiellen Messung keine relevante Dynamik auf. Die ST-Streckenhebungen sind im Gegensatz zum STEMI/akuten Myokardinfarkt nicht einem koronararteriellen Gefäßversorgungsgebiet zuordbar. Sie sind diffus und teilweise sogar ubiquitär (über allen Ableitungen) verteilt. Die ST-Streckenhebung entspringt in der Regel aus dem aufsteigenden S und nicht aus dem absteigenden R wie bei einem STEMI. Weiterhin liegen bei einer Perikarditis in der Regel kein R-Verlust über der Vorderwand, keine reziproken ST-Streckensenkungen und kein pathologisches Q vor.
In diesem Fall besteht zusätzlich zu der Perikarditis auch eine Mitbeteiligung des Myokards (nicht direkt und sicher anhand des EKGs erkennbar). Es liegt also eine Perimyokarditis vor. Im Gegensatz zur Peri(myo)karditis liegen bei der isolierten Myokarditis meistens keine ST-Streckenhebungen, sondern eher ST-Streckensenkungen oder T-Negativierungen vor. Es können jedoch dennoch sattelförmige ST-Streckenhebungen vorliegen. Diese sind ähnlich wie bei der Perikarditis meistens diffus und ubiquitär verteilt und nicht einem koronararteriellen Versorgungsgebiet zuordbar.
- Für viele weitere praktische EKG-Fallbeispiele zum Üben siehe Ordner EKG-Fallbeispiele oder EKG-Fallbeispiele-Kurs.
EKG-Grundlagen Herzrhythmusstörungen: Übersicht - Perikarditis
- Erregungsrückbildungsstörungen
Entzündliche Herzerkrankungen

