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Elektrische Kardioversion

8 Minuten Lesezeit

Die elektrische Kardioversion ist ein medizinisches Verfahren zur Behandlung von tachykarden Herzrhythmusstörungen mittels synchronisierter Stromimpulse. Sie wird hauptsächlich bei Vorhofflimmern, Vorhofflattern und bestimmten ventrikulären Tachykardien eingesetzt. Ziel ist die Wiederherstellung eines normalen Sinusrhythmus durch kurzzeitige elektrische Depolarisation des Myokards.

 Tipp

Bei instabilen tachykarden Herzrhythmusstörungen (z. B. mit Schockzeichen, Hypotonie (RR<90 mmHg), Zeichen einer Herzinsuffizienz, Synkopen oder Angina pectoris) ist eine sofortige elektrische Kardioversion indiziert. Merkspruch: Je instabiler, desto Strom!

Elektrische Kardioversion
  • Vorhofflimmern/Vorhofflattern – elektiv
    • Antikoagulation über 4 Wochen oder nach transösophageales Echo (TEE) zum Ausschluss von intrakardialen Thromben erforderlich
  • Instabile Tachykardien:
    • Instabilitätszeichen: Schockzeichen, Hypotonie (RR<90 mmHg), Zeichen einer Herzinsuffizienz, Synkopen oder Angina pectoris
    • Vorgehen: Bis zu 3 synchronisierte Versuche der elektrischen Kardioversion
    • Bei Versagen: Amiodaron 300 mg i.v. über 10-20 Minuten, dann erneute elektrische Kardioversion
  • Stabile Tachykardien nach frustraner medikamentöser Kardioversion

Im Notfall bestehen keine absoluten Kontraindikationen.

  • Digoxin-Überdosierungen, da hierdurch potenziell lebensbedrohliche Arrhythmien ausgelöst werden können
  • Vorliegen eines intrakardialen Vorhof- oder Ventrikelthrombus (Risiko für Embolien, vorherige Antikoagulation notwendig oder TEE-Ausschluss notwendig)
  • Unzureichende Sedierung
  • Fehlendes Einverständnis der Person
  • In akuten Notfällen genügt eine mündliche Aufklärung
    • Dringlichkeit der Maßnahme aufgrund akuter hämodynamischer Instabilität
    • Mögliche Risiken und Nutzen
  • Bei elektiver Kardioversion ist eine schriftliche Einwilligung erforderlich
    • Zweck und Ziel der Behandlung
    • Alternative Therapieoptionen, insbesondere medikamentöse Frequenz- oder Rhythmuskontrolle
    • Mögliche Risiken, darunter Thromboembolien, Arrhythmien, Hautverbrennungen oder Bradykardien
    • Ablauf der Sedierung
  • Defibrillator mit Synchronisationsmodus
  • Haft-Elektroden oder Hand-Paddles mit Kontaktgel
  • Monitorüberwachung (Blutdruck, EKG und SpO2)
  • Mindestens einen sicheren intravenösen Zugang
  • Injektionsanästhetika (z. B. Propofol, Ketamin, etc.)
  • Notfall-Equipment (Sauerstoff, Notfallmedikamente, Beatmungsbeutel und Absaugung)
     

Vorbereitung

  • Vorstellung des Teams und der Funktionen
    • Optimal: Eine Person für die Sedierung und Überwachung der Hämodynamik und eine Person für die eigentliche Kardioversion
  • Erklärung der geplanten Maßnahme und Einholung des Einverständnisses
  • Hygienische Händedesinfektion
  • Person liegend positionieren und Oberkörper entkleiden
  • Vorbereitung aller benötigten Materialien
  • Anschließen der Person an kontinuierliches Monitoring (EKG, Sauerstoffsättigung)
  • Sicherstellen eines funktionierenden großlumigen intravenösen Zugangs
  • Ableitung eines aktuellen 12-Kanal-EKGs → Kontrolle des Monitorbefunds auf einen kardiovertierbaren Rhythmus

Durchführung der elektrischen Kardioversion

  • Anbringen der Defibrillations-Patches am nackten Oberkörper
    • Anterior-lateral oder anterior-posterior
 Tipp

Bei einem implantierten Schrittmacher sollten die Defibrillations-Patches mindestens 8 cm vom Gerät entfernt angebracht werden, um eine Beschädigung zu vermeiden. In diesen Fällen ist die anterior-posterior-Platzierung in der Regel vorteilhafter.

Defibrillation

  • Defibrillator:
    • Defibrillator einschalten
    • R-Zacken-Synchronisation aktivieren (Taste heißt oft „SYNC“)
    • Energiemenge: Initial ca. 100-120 Joule biphasisch (Steigerung bei weiteren Versuchen)
      • Bei Kindern: Initial 0,5–1 Joule/kgKG, max. 2 Joule/kgKG
  • Analgosedierung:
    • Sauerstoffgabe (Präoxygenierung zur Vermeidung einer Hypoxie)
    • Einleiten der Sedierung (z.B. mit Fentanyl und Propofol oder Ketamin und Midazolam → Dosisanpassung bei instabilen Patienten, um eine medikamentös bedingte Kreislaufdepression zu vermeiden)
    • Überprüfung der Sedierungstiefe
  • Sicherheitscheck:
    • Vergewissern, dass keine Person den Patienten oder die Patientin berührt
    • Lautes Kommando: „Achtung Kardioversion – weg vom Patienten!“
  • Synchronisierte Schockabgabe
 Tipp

Halte die Schocktaste, solange gedrückt, bis der Schock EKG-getriggert abgegeben wurde. Sofern der erste Schock nicht erfolgreich war, kann eine erneute Schockabgabe mit höherer Energie durchgeführt. werden

Nachsorge:

  • Weiterführung des Monitorings und körperliche Untersuchung
    • Bei frustraner Kardioversion: Ggf. erneuter Versuch mit höherer Energie (z. B. 50 Joule höher)
    • Nach drei frustranen Kardioversionen: Ggf. Amiodaron zur Rhythmuskontrolle vor erneutem Versuch
    • Bei fehlendem Puls: Reanimation starten
 Achtung

Bei hohen Herzfrequenzen oder polymorph deformierten QRS-Komplexen kann der Defibrillator die R-Zacken möglicherweise nicht zuverlässig erkennen. Bei einer instabilen ventrikulären Tachykardie (VT) und fehlender Synchronisationsmöglichkeit ist daher eine unsynchronisierte Defibrillation erforderlich.

Defibrillierbare Rhythmen
Exkurs: Defibrillierbare und nicht-defibrillierbare Rhythmen
  • Thromboembolien (z. B. Schlaganfall bei gelöstem Vorhofthrombus)
  • Auslösung von Arrhythmien (Bradykardie, ventrikuläre Tachykardien, Kammerflimmern)
  • Hypotonie, insbesondere bei schlechter linksventrikulärer Pumpfunktion
  • Verbrennungen an der Haut durch Elektroden
Zuletzt aktualisiert am 30.01.2025
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