Als Emphysem wird eine pathologische Ansammlung von Luft oder Gas bezeichnet. Im Röntgenbild kann man ein Lungenemphysem, Weichteilemphysem und Mediastinalemphysem unterscheiden. Dabei stellt sich die Luft immer als Transparenzerhöhung (dunkel) dar.
Das Lungenemphysem ist eine chronische Erkrankung, die durch eine Zerstörung und pathologische Erweiterung der Atemwege distal der terminalen Bronchiolen (Bronchioli respiratorii und Alveolen) gekennzeichnet ist. Hauptursache ist die chronische Entzündungsreaktion durch langjähriges Rauchen (Endstadium der COPD). Seltener sind genetische Faktoren wie ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel die Ursache. Alpha-1-Antitrypsin ist ein Protein, das die Lunge normalerweise vor Schäden durch bestimmte Enzyme wie Elastasen schützt. Ein Mangel führt zum enzymatischen Abbau des Elastins und zur Zerstörung der Alveolen, was ebenfalls zur Entwicklung eines Lungenemphysems führt.
Radiologische Zeichen
Ein Lungenemphysem ist im Röntgenbild meist erst im fortgeschrittenen Stadium erkennbar. Je nach Ursache ist das Lungenemphysem in unterschiedlichen Lungenabschnitten stärker ausgeprägt. In der Regel finden sich emphysematöse Veränderungen beim Rauchen vor allem in den apikalen Lungenanteilen, beim Alpha-1-Antitrypsin-Mangel vor allem in den basalen Lungenanteilen.
Im Röntgenbild lassen sich vor allem folgende pathologische Veränderungen eines Lungenemphysems feststellen:
Indirekte Zeichen
- Transparenzerhöhung: Rarefizierung der Gefäße in der Peripherie
- Zeichen der Lungenüberblähung:
- Abgeflachtes Zwerchfell
- Zwerchfelltiefstand: die Zwerchfellkuppel projiziert sich unterhalb der ventralen 7. Rippe oder der dorsalen 11. Rippe
- Vergrößerter Retrosternalraum (> 2,5 cm) in der Seitaufnahme
- Fassthorax: Erweiterte Interkostalräume, horizontal verlaufende Rippen
- Emphysemherz: tropfenförmiges Herz mit reduziertem Herz-Thorax-Quotienten
Direktes Zeichen
- Emphysembullae: scharf begrenzte gefäßfreie Lungenregionen

Zum Weichteilmantel gehören Muskeln, Fett, Bindegewebe und Haut. Ein Weichteilemphysem ist eine häufige Komplikation, z. B. nach der Anlage einer Thoraxdrainage oder bei Rippenfrakturen.
Bei kleinen Weichteilemphysemen kann man einzelne Luftbläschen im subkutanen Gewebe als umschriebene Transparenzerhöhungen (dunkel) erkennen. Bei großen Weichteilemphysemen breitet sich die Luft entlang der anatomischen Strukturen aus. So verteilt sich beispielsweise bei einem großen thorakalen Weichteilemphysem die Luft über die gesamte Thoraxwand aus und es kommt zu einer aufgefiederten Darstellung der Muskulatur. Dadurch ist die Beurteilbarkeit der Lunge, insbesondere eines Pneumothorax bei ausgeprägtem Weichteilemphysem, im Röntgenbild nur eingeschränkt möglich.


Ein Mediastinalemphysem, auch Pneumomediastinum genannt, entsteht, wenn Luft in den Mediastinalraum eindringt. Hauptursachen sind Thoraxtraumata, invasive medizinische Eingriffe oder eine Ruptur der Alveolen (Macklin-Effekt). Die Ruptur der Alveolen kann durch eine verminderte Stabilität des Lungenparenchyms (z.B. bei Lungenemphysem, Pneumonie) oder durch eine intraalveoläre Druckerhöhung (z.B. bei maschineller Beatmung) bedingt sein.
Radiologisch ist das Mediastinalemphysem durch das Vorhandensein von Luft oder Gas im Mediastinalraum charakterisiert, was zu einer scharfen Konturierung der mediastinalen Strukturen führt und häufig als lineare oder bandförmige Transparenzerhöhungen, insbesondere paratracheal oder parakardial, sichtbar wird.

AchtungDer Mach-Effekt ist ein optisches Phänomen, bei dem unser Auge an Grenzlinien zwischen dunklen und hellen Strukturen automatisch eine Kantenverstärkung erzeugt, die zu einer vorgetäuschten Schatten- oder Aufhellungslinie führt.
- S3-Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie COPD, Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

