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Endotracheale Intubation

12 Minuten Lesezeit

Die endotracheale Intubation ist das etablierte Standardverfahren zur intraoperativen Sicherung der Atemwege. Durch den luftdichten Abschluss des Cuffs im Bereich der Trachea bietet sie einen effektiven Schutz vor Aspiration und ermöglicht die Anwendung höherer Beatmungsdrücke.

Material endotracheale Intubation
  • (1) Nicht-sterile Handschuhe
  • (2) Laryngoskop mit Macintosh-
    Spatel (Erwachsene: meist 
    Größe 3–4)
  • (3) Endotrachealtubus (ggf. mit 
    Führungsstab)
  • (4) Gleitmittel
  • (5) 10-ml-Spritze zum Blocken des
    Cuffs
  • Stethoskop
  • Cuffdruckmesser
  • Klebeband für die Fixierung oder
    Verwendung einer speziellen Tubusfixierung/Tubenhalterung
  • Funktionierende Absaugung
  • Augenschutz
Material endotracheale Intubation
 Tipp

Vor Beginn der Intubation sollte das Licht des Laryngoskops kontrolliert und die Dichtigkeit des Cuffs überprüft worden sein, um einen optimalen Ablauf zu gewährleisten.

1. Kopflagerung: verbesserter Jackson-Position („Schnüffelstellung“)

Verbesserte Jackson-Position („Schnüffelstellung“)

2. Mundöffnung: mit der rechten Hand kann der Kreuzgriff durchgeführt werden
(alternative Techniken sind ebenfalls möglich)

Kreuzgriff bei der Intubation

3. Direkte Laryngoskopie: Mit der linken Hand wird das Laryngoskop vorsichtig eingeführt. Durch eine Drehbewegung gegen den Uhrzeigersinn wird die Zunge „aufgeladen“. Die Spitze des Laryngoskops sollte oberhalb der Epiglottis auf der Plica glossoepiglottica mediana zu liegen kommen. Durch Zug am Laryngoskop kann die Epiglottis nach oben geklappt und der Kehlkopfeingang dargestellt werden.

Direkte Laryngoskopie

4. Laryngoskopische Sicht: Der Befund in der Laryngoskopie lässt sich nach Cormack und Lehane einteilen (hier: Cormack-Lehane I).

Laryngoskopische Sicht auf den Kehlkopfeingang

5. Einführen des Endotrachealtubus: Mit der rechten Hand kann nun der Endotrachealtubus unter Sicht eingeführt werden. Die Stimmritze ist zwischen den beiden schwarzen Markierungen zu positionieren.

Einführen des Endotrachealtubus
Sicht auf den Kehlkopfeingang während der Intubation

6. Cuff blocken: Der Cuff wird mit einer 10-ml- Spritze geblockt. Mithilfe eines Cuffdruckmessers kann der Cuffdruck später noch genauer adjustiert werden (Zieldruck: 25–30 cmH2O)!

Cuff blocken

7. Anschluss an Beatmungsgerät oder den Beatmungsbeutel

Anschluss an Beatmungsgerät oder den Beatmungsbeutel

8. Lagekontrolle (z.B. Kapnometrie, Auskultation)

9. Tubusfixierung (nach Klinikstandard)

10. Augenschutz aufbringen (z.B. Bepanthen®-Augensalbe oder Augenpflaster)

11. Dokumentation

 

Klassifikation nach Cormack und Lehane

Die Klassifikation nach Cormack und Lehane beschreibt die Sichtbarkeit der Stimmritze und Epiglottis während einer direkten Laryngoskopie und dient der Einschätzung der Schwierigkeit einer endotrachealen Intubation.

 Achtung

Klassifikation nach Cormack und Lehane: Grad III oder IV ist ein Indikator für eine schwierige Intubation und geht dementsprechend mit einem erhöhten Risiko für Intubationsverletzungen und Atemwegskomplikationen einher!

Es gibt sichere und unsichere Zeichen zur Beurteilung der Tubuslage. Sichere Intubationszeichen bestätigen eindeutig eine korrekte endotracheale Intubation, während unsichere Intubationszeichen lediglich Hinweise darauf geben können und auch bei einer Fehllage des Tubus auftreten können.

 BezeichnungBefund

Unsicher

Angst
Inspektion
  • Thoraxexkursionen
  • Beschlagen des Tubus
Auskultation
  • Bei fehlendem Atemgeräusch kann der Tubus trotzdem korrekt platziert sein 
    → Bsp. „silent chest“ bei obstruktiver Lungenerkrankung
  • Ausschluss einer zu tiefen Lage des Tubus 
    → Einseitiges Atemgeräusch (meist rechts) → Vorsichtiger Rückzug des Tubus bis bds. vesikuläres Atemgeräusch
Pulsoxymetrie
  • Kein direkter Sättigungsabfall

Sicher

Fähigkeiten
Direkte oder indirekte Laryngoskopie
  • Der Tubus passiert die Stimmlippen unter Sicht
Kapnografie
  • Typische Kapnografiekurve → Nachweis von CO2 in der ausgeatmeten Luft
Bronchoskopie
  • Bronchoskopischer Nachweis von trachealen Knorpelspangen
Sonografie
  • Sonografischer Nachweis der intratrachealen Lage des Tubus
Vorgehen bei erwartet schwierigem Atemweg
Erwartet schwieriger Atemweg
Vorgehen bei unerwartet schwierigem Atemweg
Unerwartet schwieriger Atemweg

BURP-Manöver: Durch diesen einfachen Trick kann die Sicht bei der direkten Laryngoskopie oft deutlich verbessert werden. Dafür wird der Larynx von außen mit Daumen, Mittel- und Ringfinger nach hinten, oben und rechts (Backward, Upward Rightward Pressure) gedrückt. Daneben ist auch noch das OELM (optimal external laryngeal manipulation) beschrieben. Dabei wird ebenfalls durch externe Manipulationen des Larynx, die Glottis in das Sichtfeld des Intubierenden gerückt.

BURP-Manöver
 Tipp

Wiederholte Intubationsversuche können zu Schwellungen und Verletzungen führen, die weitere Intubationsversuche und die Maskenbeatmung erschweren. Intubationsversuche mit direkter Laryngoskopie sollten daher auf maximal zwei beschränkt werden. Spätestens nach dem zweiten erfolglosen Intubationsversuch sollte ein Videolaryngoskop (indirekte Laryngoskopie) eingesetzt werden.

  • S1-Leitlinie: Atemwegsmanagement,Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI)
Zuletzt aktualisiert am 04.05.2026
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