Epistaxis (Nasenbluten) ist ein häufiges und meist harmloses, jedoch potenziell lebensbedrohliches Notfallbild im Rettungsdienst. Während Blutungen aus den vorderen Nasenabschnitten in der Regel durch konservative Maßnahmen gestillt werden können, gehen posteriore Blutungen häufig mit einem erheblichen Blutverlust sowie einem erhöhten Risiko für Aspiration und einem hämorrhagischen Schock einher.
Die präklinische Versorgung zielt auf eine rasche Blutstillung, die Sicherung der Atemwege, die Stabilisierung der Vitalfunktionen sowie das frühzeitige Erkennen möglicher Komplikationen ab.
Besonders Patient:innen mit Trauma, Gerinnungsstörungen, einer antikoagulatorischen Therapie oder hämodynamischer Instabilität benötigen eine strukturierte Diagnostik, konsequente rettungsdienstliche Maßnahmen und einen zeitnahen Transport in eine geeignete Zielklinik.
Merke
Frühzeitige Blutungskontrolle und Atemwegsmanagement sind entscheidend, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden.
Um den Einstieg in das Thema Epistaxis etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: Unklare Blutung
Ort: Privathaushalt, Wohnzimmer
Alarmzeit: 17:25 Uhr
Anrufer: Ehefrau des Betroffenen
Anzahl der Betroffenen: 1
Zusatzinfo:
Betroffener, männlich, 68 Jahre
Bekannt mit Hypertonie
Starkes Nasenbluten seit 30 Minuten
Lageeinweisung vor Ort:
Der Patient sitzt nach vorngebeugt auf einem Stuhl und hält ein blutgetränktes Tuch unter die Nase. Seine Ehefrau berichtet, dass bereits in den vergangenen zwei TagenwiederholtkleinereNasenblutungen aufgetreten seien, die allerdings spontansistierten.
Die Lage ist wie folgt:
Vor dem Patienten liegt ein starkblutgetränktesHandtuch, das auf eine bereits erhebliche Blutmenge schließen lässt
Der Patient wirkt deutlichverängstigt, ist unruhig und zeigt eine leichte Desorientierung
Trotz anhaltenderKompression der Nase besteht weiterhin eine aktiveBlutung
Die Ehefrau wirkt sichtlich besorgt und gibt an, dass die Blutungheute deutlichstärker sei als bei den vorherigen Episoden
Ersteindruck nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit Epistaxis aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Messung des Blutzuckers in diesem Fall hintangestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x
Starkes Nasenbluten, geschätzter Blutverlust 300 ml
Kein aktives Blutungsmanagement vor Ort
A
Atemwege frei
Schleimhäute rosig, mit Blutablagerungen an den Nasenflügeln und im Rachen
Pat. spricht selbständig
Kein A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion beidseits physiologisch
Tachypnoe, 21/min
Auskultatorisch:
Beidseits vesikuläres Atemgeräusch
Keine Atemnebengeräusche
Palpatorisch:
Thorax insgesamt stabil
SpO2: 97%
Kein B-Problem
C
Hautkolorit rosig
Recap-Zeit: 2 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses am Handgelenk
Rhythmisch
Gut tastbar
Tachykard, 105/min
Kein C-Problem
D
Wach, orientiert, ansprechbar
GCS 15
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 5
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Keine weiteren Verletzungen ersichtlich
Symptome:
Starkes Nasenbluten seit 30 Minuten
Früher auch schon öfter Nasenbluten gehabt
Allergien/Infektionen: Keine bekannt
Medikamente:
Dauermedikation: Ramipril, Amlodipin
Akutmedikation: Gestern Aspirin bei Kopfschmerz eingenommen
Patientengeschichte: Bekannte arterielle Hypertonie, gelegentlich begleitet von Kopfschmerzen
Letzte Mahlzeit: um ca. 12 Uhr
Ereignis:
Stress durch Streit mit Ehefrau
Risikofaktoren: Hypertonie und Aspirineinnahme
Akutes E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Definition
Epistaxis
Epistaxis bezeichnet eine Blutung aus der Nasenschleimhaut, die meist aus den vorderen Nasenabschnitten, insbesondere dem Locus Kiesselbachi im vorderen Nasenseptum, stammt.
Klassifikation
Einteilung nach Lokalisation:
Vordere Epistaxis: Blutungsquelle meist im Locus Kiesselbachi des vorderen Nasenseptums. Die Blutung ist in der Regel leicht, selbstlimitierend und konservativ behandelbar
Hintere Epistaxis: Blutungsquelle aus Ästen der A. sphenopalatina oder A. ethmoidalis. Die Blutung ist häufig stärker, oft arteriell und geht mit einem erhöhten Risiko für Aspiration sowie hämorrhagischem Schock einher.
Einteilung nach Schweregrad:
Leichte Epistaxis: Selbstlimitierende Blutung, die mehrheitlich ambulant und konservativ behandelt werden kann
Schwere Epistaxis: ausgeprägte Blutung mit möglicher Notwendigkeit einer Nasentamponade, interventioneller Blutstillung (z.B. Embolisation) oder Kreislaufstabilisierung, da sie potenziell lebensbedrohlich sein kann
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Kategorie
Ursachen
Beispiele und Hinweise
Lokale Ursachen
Schleimhautveränderungen
Trockene Nasenschleimhaut
Rhinitis oder Sinusitis
Langzeitgebrauch von steroidalen Nasentropfen oder Sprays
Vaskulitiden (z.B. Granulomatose mit Polyangiitis)
Wiskott-Aldrich-Syndrom
Idiopathische Epistaxis
Keine nachweisbare Ursache
Häufig bei Kindern sowie in den Wintermonaten aufgrund trockener Raumluft
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Merke
Reminder: Physiologische Grundlagen
Arterielle Versorgung:
Die Nasenschleimhaut wird über ein dichtes Gefäßnetz aus Ästen der A. carotis interna (Aa. ethmoidales anterior et posterior) und der A. carotis externa (A. sphenopalatina, A. palatina descendens, A. facialis) versorgt
Im Locus Kiesselbachi an der vorderen Nasenscheidewand vereinigen sich diese Gefäße zu einem oberflächlichen Kapillarnetz, das die Erwärmung und Befeuchtung der Atemluft ermöglicht, gleichzeitig jedoch eine hohe Blutungsneigung aufweist
Venöser Abfluss:
Erfolgt über die V. facialis, den Plexus pterygoideus und die Vv. ethmoidales
Venöse Verbindungen können die Ausbreitung von Infektionen bis zum Sinus cavernosus begünstigen
Mikrovaskuläre Struktur:
Fenestrierte Kapillare ermöglichen einen effizienten Stoffaustausch sowie die Erwärmung und Befeuchtung der Atemluft
Arteriovenöse Anastomosen regulieren über den Plexus cavernosus concharum die Schleimhautschwellung und damit den Luftstrom durch die Nasenhöhle
Die Pathophysiologie der Epistaxis wird durch lokale Schädigungen der Nasenschleimhaut sowie systemische Veränderungen der Gefäß- oder Gerinnungsfunktion bestimmt. Die dichte Gefäßversorgung und die oberflächliche Lage der Gefäße machen die Nasenschleimhaut besonders blutungsanfällig.
Lokale pathophysiologische Mechanismen
Mechanische Verletzungen oder Entzündungen: Nasenbohren, Fremdkörper, Intubation, Rhinitis oder Sinusitis → Schleimhautschwellung und Epithelauflockerung → Gefäßrupturen → Blutung
Trockene Nasenschleimhaut: trockene Luft oder übermäßiger Gebrauch abschwellender Nasensprays → Schädigung der Schleimhaut und Gefäßwand → Einrisse oberflächlicher Gefäße → Blutung
Aktivierung der Hämostase: Verlust der Epithelbarriere → Freilegung subendothelialer Strukturen (v a. Kollagen) → Thrombozytenadhäsion und -aggregation → Einleitung der primären Hämostase
Atherosklerose: Verlust elastischer Gefäßfasern → erhöhte Gefäßsprödigkeit → gesteigerte Blutungsneigung, insbesondere im höheren Lebensalter
Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer: verminderte Gerinnungs- bzw. Thrombozytenfunktion → eingeschränkte Blutstillung → rezidivierende oder schwere Blutungen bereits bei kleinen Schleimhautläsionen
Zusammenspiel lokaler und systemischer Pathomechanismen
Lokale Schleimhautschädigung: Trockene Nasenschleimhaut, Nasensprayabusus oder Entzündungen → Schleimhautläsion → Blutung
Systemische Einflussfaktoren: Gerinnungsstörungen oder arterielle Hypertonie → verminderte Blutstillung und verstärkter Blutverlust → prolongierte Blutung
Klinische Konsequenz: Kombination aus lokaler Läsion und systemischen Faktoren → anhaltende Blutung → bei ausgeprägtem Blutverlust Gefahr einer Kreislaufdekompensation
Übergang zum hämorrhagischen Schock bei schwerer Blutung
Kompensationsmechanismen: Aktivierung der Barorezeptoren → Tachykardie und periphere Vasokonstriktion → Aufrechterhaltung der Perfusion lebenswichtiger Organe
Dekompensation: Blutvolumen < ca. 70 % des Normalwerts → Hypovolämie und Mikrozirkulationsstörung → Zellhypoxie, Laktatanstieg und metabolische Azidose
Endstadium: Persistierende Minderperfusion → endotheliale Dysfunktion, Mikrothrombenbildung und schließlich Multiorganversagen im Rahmen des dekompensierten hämorrhagischen Schocks
Info
Auswirkungen des Blutverlusts:
Leichte vordere Epistaxis: lokale Schleimhaut- oder Gefäßverletzung → geringer Blutverlust → Blutstillung durch eine intakte Hämostase → meist keine systemischen Auswirkungen
Schwere hintere Epistaxis: arterielle Blutung aus Ästen der A. sphenopalatina oder A. ethmoidalis posterior → erheblicher Blutverlust → Gefahr einer hämodynamischen Instabilität bis zum hämorrhagischen Schock
Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme bei Epistaxis
Lokale Schleimhautschäden durch Traumata, Entzündungen oder eine trockene Nasenschleimhaut führen zu Gefäßrupturen und lösen die Blutung aus
Der Verlust der Epithelbarriere legt subendotheliales Kollagen frei und aktiviert die primäre Hämostase mit Thrombozytenadhäsion und -aggregation
Arterielle Hypertonie, Atherosklerose sowie Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmer erschweren die Blutstillung und begünstigen rezidivierende oder schwere Blutungen
Das Zusammenspiel lokaler Schleimhautläsionen und systemischer Gerinnungs- oder Gefäßstörungen kann zu einer prolongierten Blutung und einem verstärkten Blutverlust führen
Bei einer schweren arteriellen Epistaxis führt der akute Blutverlust zunächst zu Tachykardie und peripherer Vasokonstriktion. Bei anhaltender Blutung drohen Hypovolämie, Zellhypoxie, metabolische Azidose und im Extremfall ein hämorrhagischer Schock mit Multiorganversagen
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Typische Zeichen
Epistaxis (Nasebluten)
Sichtbares Nasenbluten: Blutung aus einem oder beiden Nasenlöchern
Koagel oder Blutkrusten: nach Sistieren der Blutung im Nasenvorhof oder an der Nasenscheidewand sichtbar
Blutiger Abfluss in den Rachen: besonders bei hinterer Epistaxis oder zurückgelehntem Kopf
Begleitsymptome:
Behinderte Nasenatmung: durch Koagel, Schleimhautschwellung oder eine Nasentamponade
Druckgefühl oder Brennen: leichtes Druck- oder Brenngefühl im Bereich der Nase
Blut im Rachen: metallischer Geschmack im Mund sowie Übelkeit durch geschlucktes Blut
Blutaspiration: insbesondere bei starker oder hinterer Epistaxis mit möglicher Atemwegsbeeinträchtigung
Generalisierte Zeichen
Blässe, Kaltschweißigkeit: periphere Vasokonstriktion zur Aufrechterhaltung der Organperfusion
Tachykardie, Hypotonie: Kompensatorische Kreislaufreaktion auf Hypovolämie oder einen beginnenden hämorrhagischen Schock
Dyspnoe, Unruhe: Blutaspiration oder Hypoxie infolge einer Atemwegsverlegung
Zeichen eines drohenden hämorrhagischen Schocks: ausgeprägte Hypovolämie → Kreislaufinstabilität mit kalten Extremitäten und Bewusstseinseintrübung
Achtung
Red Flags:
Starke oder persistierende Blutung
Zeichen eines hämorrhagischen Schocks
Blutaspiration
Blutung nach Trauma oder unter Antikoagulation sowie Verdacht auf eine hintere Epistaxis
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Anamnese
S (Symptome):plötzlich auftretendes Nasenbluten, ein- oder beidseitig, ggf. mit Blutabfluss in den Rachen oder Blutgeschmack im Mund. Bei stärkerem Blutverlust auf Schwindel, Blässe, Tachykardie oder Hypotonie achten.
Red Flags:starke oder persistierende Blutung, Zeichen eines hämorrhagischen Schocks, Blutaspiration, Blutung nach Trauma oder unter Antikoagulation sowie Verdacht auf eine hintere Epistaxis
A (Allergien, Infektionen): nach Allergien sowie kürzlich durchgemachten oder bestehenden Infektionen der oberen Atemwege (z.B. Rhinitis oder Sinusitis) fragen
Zusätzlich mögliche Schleimhautirritationen durch Medikamente oder Inhalationsstoffe erfassen
M (Medikation): Aktuelle Medikamente dokumentieren, insbesondere Antikoagulanzien (z.B. DOAKs, Phenprocoumon), Thrombozytenaggregationshemmer (z.B. ASS, Clopidogrel) sowie weitere Medikamente mit Einfluss auf die Blutgerinnung
P (Patientengeschichte): Nach rezidivierender Epistaxis, Koagulopathien, arterieller Hypertonie, früheren Nasenverletzungen oder Operationen sowie bekannten Tumoren der Nase oder Nasennebenhöhlen fragen
L (Letzte …): Zeitpunkt des Blutungsbeginns dokumentieren
Zusätzlich nach der letzten Einnahme gerinnungshemmender Medikamente, kürzlich erfolgten Operationen, zahnärztlichen Eingriffen oder Nasenverletzungen fragen
E (Ereignis): nach einem möglichen Auslöser fragen, z.B. Trauma, Nasenbohren, starkes Schnäuzen, körperliche Anstrengung oder eine hypertensive Entgleisung
R (Risiken):arterielle Hypertonie, Gerinnungsstörungen, Antikoagulation, Schleimhautschäden (z.B. durch Nasensprayabusus oder Drogenkonsum), fortgeschrittenes Lebensalter sowie rezidivierende Epistaxis erhöhen das Blutungsrisiko
S (Schwangerschaft): Bei Patientinnen nach einer bestehenden Schwangerschaft fragen, da hormonell bedingte Gefäßhyperämie und eine erhöhte Schleimhautempfindlichkeit Nasenbluten begünstigen können
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei Epistaxis abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Körperliche Untersuchung
Inspektion:
Nase und Gesicht: Sichtbare Blutung aus einem oder beiden Nasenlöchern, Koagel oder Blutspuren erkennen
Blutungslokalisation:
Vordere Epistaxis mit sichtbarem Blutaustritt aus der Nase
Hintere Epistaxis mit Blutabfluss in den Rachen oder Mund, häufig ohne erkennbare äußere Blutungsquelle
Traumazeichen: Auf Hämatome, Schürfungen, Deformitäten oder andere Hinweise auf ein Nasentrauma achten
Nasenschleimhaut: sofern möglich Beurteilung auf Austrocknung, Entzündungszeichen oder eine sichtbare Blutungsquelle
Haut- und Allgemeinzustand:Blässe, Kaltschweißigkeit als Hinweis auf einen relevanten Blutverlust oder beginnenden hämorrhagischen Schock
Mund- und Rachenraum:Blut im Oropharynx spricht für eine hintere Epistaxis oder einen Blutabfluss in den Rachen
Info
Eine Inspektion des Mund- und Rachenraums ist bei starken Blutungen oft schwierig.
Palpation:
Nasenrücken und Nasenseptum: Auf Druckschmerz, Instabilität oder ein Septumhämatom achten
Gesicht und periorbitale Region: Untersuchung auf Druckschmerz, Stufenbildung, Weichteilschwellungen oder andere Hinweise auf Gesichtsfrakturen
Hauttemperatur und Pulsqualität: Beurteilung der Kreislaufstabilität sowie möglicher Zeichen einer Hypoperfusion
Perkussion:
Der Perkussionsbefund sollte physiologisch ausfallen. Ist das nicht so, muss differenzialdiagnostisch gedacht werden
Auskultation:
Atemgeräusche:gurgelnde oder brodelnde Atemgeräusche können auf eine Blutaspiration oder Atemwegsverlegung hinweisen
Atemfrequenz und Atemmuster: Tachypnoe oder flache Atmung können Hinweise auf eine Hypoxie oder Hypovolämie sein
Vitalparameter
Parameter
Leichte Blutung
Schwere Blutung
Pathophysiologischer Hintergrund
Herzfrequenz
Meist normwertig bis leicht erhöht
Deutlich erhöht (Tachykardie)
Stressreaktion oder Volumenverlust → Sympathikusaktivierung → Katecholaminausschüttung → Herzfrequenz ↑ zur Aufrechterhaltung des Herzzeitvolumens
Blutdruck
Meist normwertig bis leicht erhöht
Initial erhöht, später erniedrigt
Stressreaktion → Sympathikusaktivierung → Blutdruck zunächst ↑
Ziel der orientierenden neurologischen Untersuchung ist der AusschlusszentralerUrsachen der Epistaxis, insbesondere einer Schädelbasisfraktur, einer intrakraniellenDrucksteigerung oder anderer zerebralerPathologien.
Vigilanz: Beurteilung des Bewusstseinszustands, z.B. mittels GCS → Bewusstseinsstörungen sind bei einer isolierten Epistaxis untypisch und sprechen für eine zentrale Ursache oder bei massivem Blutverlust für einen hämorrhagischen Schock.
Pupillenstatus: Kontrolle von Pupillengröße, Symmetrie, Lichtreaktion sowie Augenbewegungen → Anisokorie, Blickparese oder fehlende Lichtreaktionen können auf eine intrakranielle Pathologie hinweisen
Sprache: Überprüfung von Sprachverständnis und Sprachproduktion → Aphasie oder Dysarthrie sprechen für eine zentrale neurologische Ursache
Motorik: Orientierung der Kraftprüfung an oberen und unteren Extremitäten unter Beachtung von Seitendifferenzen sowie Durchführung eines Arm- und Beinhalteversuchs → fokale Paresen sprechen für eine zerebrale Beteiligung
Sensibilität: Prüfung auf seitendifferente Sensibilitätsstörungen oder Hypästhesien als Hinweis auf ein fokalneurologisches Defizit
Faziale Motorik: Kontrolle auf hängenden Mundwinkel oder andere Zeichen einer Fazialisparese
Liquorrhö: Inspektion auf klaren, wässrigen Nasenausfluss, insbesondere nach einem Trauma → Verdacht auf Liquorfistel bei Schädelbasisfraktur oder – selten – im Rahmen einer idiopathischen intrakraniellen Hypertension
Achtung
Eine isolierte Epistaxis geht nicht mit fokalneurologischen Defiziten einher. Bewusstseinsstörungen, Pupillenanomalien, Blickparesen, Fazialisparesen, andere fokale neurologische Ausfälle oder eine Liquorrhö sprechen für eine zentrale Ursache bzw. eine Schädelbasisverletzung und erfordern die sofortige weiterführende Diagnostik.
Weiterführende apparative Diagnostik
12-Kanal-EKG: Ausschluss kardialer Differenzialdiagnosen sowie Beurteilung von Herzfrequenz und Herzrhythmus
Sinusrhythmus: Typischerweise unauffälliges EKG, gelegentlich leichte Sinustachykardie als Ausdruck einer Stressreaktion oder Sympathikusaktivierung
Differenzialdiagnostik: Pathologische EKG-Befunde sprechen gegen eine isolierte Epistaxis und erfordern die Abklärung einer kardialen Ursache (z.B. Arrhythmie oder ACS) bzw. anderer systemischer Auslöser, insbesondere bei Synkope, Kreislaufinstabilität oder thorakalen Beschwerden
Differenzialdiagnosen
Da Epistaxis ein Symptom und keine eigenständige Erkrankung ist, stehen Ursachenabklärung und Risikoeinschätzung im Vordergrund. Klassische Differenzialdiagnosen sind präklinisch von untergeordneter Bedeutung.
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Info
Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
Merke
Das primäre Ziel der präklinischen Behandlung der Epistaxis besteht in der raschen Blutstillung, der Sicherung der Vitalfunktionen sowie der Vermeidung von Komplikationen wie Aspiration, hämodynamischer Instabilität oder hämorrhagischem Schock.
Basismaßnahmen
Lagerung: Oberkörper aufrichten und Patient:in leicht nach vorn beugen → Blut nach vorn ablaufen lassen und ein Verschlucken oder Aspirieren von Blut vermeiden
Nasenflügelkompression: kontinuierliche Kompression des weichen Nasenanteils für 15–20 Minuten ohne Unterbrechung → effektivste Erstmaßnahme zur Blutstillung bei anteriorer Epistaxis
Monitoring und Basisdiagnostik: kontinuierliche Überwachung mittels EKG, SpO₂, Blutdruck-, Herzfrequenz-, Atemfrequenz- und Temperaturkontrolle → frühzeitiges Erkennen einer hämodynamischen Instabilität
Sauerstoffgabe: bedarfsorientierte Sauerstofftherapie bei Hypoxämie, respiratorischer Beeinträchtigung oder hämodynamischer Instabilität → eine routinemäßige Sauerstoffgabe ist nicht erforderlich
Stressreduktion: ruhige, beruhigende Gesprächsführung und empathische Betreuung → Verminderung der sympathischen Stressreaktion
Lokale Kühlung (Eiskrawatte): Kühlung im Nacken oder an der Nasenwurzel kann unterstützend erfolgen → Ziel ist eine reflektorische Vasokonstriktion
Venöser Zugang: Anlage eines intravenösen Zugangs bei starker Blutung, Kreislaufinstabilität oder notwendiger Volumen- bzw. Medikamententherapie
Komplikationen erkennen:persistierende oder rezidivierende Blutungen, hämodynamische Instabilität, Zeichen eines hämorrhagischen Schocks, Aspirationsgefahr oder eine posteriore Epistaxis erfordern eine unverzügliche Eskalation der Versorgung. Bei traumatischer Ursache müssen insbesondere Schädelbasisfrakturen oder andere relevante Gesichtsverletzungen ausgeschlossen werden.
Zielklinik: nach Herstellung der Transportfähigkeit Transport in eine Klinik mit HNO-Fachabteilung. Bei hämodynamischer Instabilität, persistierender Blutung oder Verdacht auf eine posteriore Epistaxis sofortiger Transport in eine geeignete Notaufnahme bzw. HNO-Fachklinik. Bei traumatischer Genese Auswahl einer geeigneten Traumaklinik entsprechend dem Verletzungsmuster
Info
Der klinische Nutzen einer Eiskrawatte bei Epistaxis ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, da kontrollierte Studien fehlen. Die Eiskrawatte kann ergänzend angewendet werden, ersetzt jedoch nicht die Nasenflügelkompression und darf diese nicht verzögern.
Tipp
Nasenschleuder
Bei leichter Epistaxis kann eine Nasenschleuder zum Auffangen des Blutes angelegt werden.
Steht keine Nasenschleuder zur Verfügung, lässt sie sich einfach aus zwei Mullbinden herstellen.
Merke
Bereits 50–100 ml geschlucktes Blut können die Magenschleimhaut reizen und Übelkeit sowie Erbrechen auslösen.
Spezifische Maßnahmen bei anhaltender Epistaxis
Volumentherapie: Bei klinischen Zeichen einer Hypovolämie oder eines hämorrhagischen Schocks frühzeitige Volumensubstitution mittels VEL einleiten
Abschwellende Nasentropfen: Applikation von Xylometazolin 2-4 Tropfen in jedes Nasenloch als Ergänzung zur Nasenflügelkompression zur lokalen Vasokonstriktion und Unterstützung der Blutstillung
Tranexamsäure: Bei persistierender oder starker Epistaxis Applikation von Tranexamsäure 0,5 g i.n. zur Unterstützung der lokalen Hämostase
Blutdruckmanagement: Bei anhaltenden Blutdruckwerten > 180/100 mmHg kontrollierte Blutdrucksenkung um 15–25 % des Ausgangswertes mit Urapidil 5-10 mg i.v. titriert, max. 50 mg
Antiemese: Bei Übelkeit oder Erbrechen Gabe eines Antiemetikums, z.B. Ondansetron4 mg i.v. oder Dimenhydrinat62 mg i.v.
Zusätzliche Maßnahmen bei lebensbedrohlicher Epistaxis
Info
Bei persistierender Epistaxis mit hämodynamischer Instabilität oder Zeichen eines hämorrhagischen Schocks können weiterführende Maßnahmen erforderlich werden. Deren Anwendung erfolgt indikationsgerecht und unter Berücksichtigung der Kompetenzen und Erfahrung der Anwender:innen.
Nicht jede Maßnahme ist in jedem Fall erforderlich.
Einbringen einer Nasentamponade:
Mullkompresse: getränkt mit Tranexamsäure 0,5 g und Adrenalin 1:10000 2 mlzur lokalen Blutstillung
Hämostyptische Verbandmittel: Bei diffusen Schleimhautblutungen kann eine Tamponade mit hämostyptischen Verbandmitteln eingelegt werden. Diese fördern die lokale Hämostase und unterstützen die Blutstillung
Einbringen eines Blasenkatheters (14 F):
Den Katheter parallel zum Nasenboden bis in den Oropharynx vorschieben
Die korrekte Lage durch Inspektion des Rachenraums überprüfen. Hierzu ggf. die Zunge mit einem Holzspatel nach unten drücken
Ist die Katheterspitze im Oropharynx sichtbar, den Ballon blocken und den Katheter vorsichtig bis zu einem spürbaren Widerstand zurückziehen
Den Katheter unter leichtem Zug am Nasenrücken fixieren
Atemwegssicherung: Bei Aspirationsgefahr oder eingeschränkten Schutzreflexen endotracheale Intubation
Nasentamponade mit einem Blasenkatheter
Achtung
Komplikation bei der Anlage einer Tamponade
Die schwerwiegendste Komplikation einer Nasentamponade ist die posteriore Dislokation mit der Gefahr einer Aspirationsobstruktion. Daher muss jede Tamponade sicher fixiert werden (z.B. mit Pflaster am Nasenrücken oder an der Wange), um eine Dislokation zu verhindern.
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Morbus Osler
Definition
Morbus Osler
Morbus Osler (hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie) ist eine autosomal-dominant vererbte systemische Gefäßerkrankung, die durch Teleangiektasien und arteriovenöse Malformationen gekennzeichnet ist. Leitsymptom ist das rezidivierende Nasenbluten. Zusätzlich können Haut, Schleimhäute sowie verschiedene innere Organe betroffen sein.
Pathophysiologie:
Genmutation: Mutation von ENG- oder ACVRL1-Genen
Signalstörung: gestörte TGF-β-Signalübertragung mit fehlerhafter Gefäßentwicklung
Gefäßreifung: verminderte Stabilität der Gefäßwand und Ausbildung fragiler Gefäße
Gefäßveränderungen: Entstehung von Teleangiektasien und arteriovenösen Malformationen
Klinische Folge: bereits geringe mechanische Reize führen zu rezidivierenden Blutungen, insbesondere der Nasenschleimhaut
Klinische Bedeutung bei Epistaxis:
Leitsymptom: Rezidivierende, spontane Epistaxis ist häufig das Erstsymptom des Morbus Osler und tritt oft bereits vor dem 30. Lebensjahr auf
Diagnostischer Hinweis: Bei positiver Familienanamnese oder mukokutanen Teleangiektasien sollte an einen Morbus Osler gedacht werden
Blutungsneigung: Die fragilen Teleangiektasien reißen bereits bei geringfügiger mechanischer Belastung ein und verursachen wiederkehrende Blutungen
Komplikationen: Chronisch-rezidivierende Epistaxis kann zu einer Eisenmangelanämie und einer klinisch relevanten Blutungsanämie führen
Blutstillung: Eine schleimhautschonende Therapie ist anzustreben. Chemische Ätzungen und monopolare Elektrokoagulation sollten möglichst vermieden werden
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Zielkrankenhaus
Grundsätzlich richtet sich die Wahl des Zielkrankenhauses nach dem Schweregrad der Blutung, dem klinischen Zustand der Patient:innen, dem Verdacht auf Komplikationen sowie der Notwendigkeit einer HNO-ärztlichen oder traumatologischen Intervention.
Leichte Epistaxis: ggf. ambulante Vorstellung bei einer niedergelassenen HNO-Fachärztin oder einem niedergelassenen HNO-Facharzt oder einer HNO-Ambulanz zur weiteren Diagnostik und Behandlung
Persistierende oder lebensbedrohliche Epistaxis:Krankenhaus mit HNO-Fachabteilung und jederzeit verfügbarer HNO-ärztlicher Interventionsmöglichkeit, da häufig eine interventionelle Blutstillung oder bei hämodynamischer Instabilität eine notfallmedizinische Versorgung erforderlich ist
Traumatische Epistaxis:geeignete Traumaklinik entsprechend dem Verletzungsmuster, insbesondere bei Verdacht auf Mittelgesichtsverletzungen oder eine Schädelbasisfraktur
Transportbegleitende Maßnahmen
Monitoring: Kontinuierliche Überwachung von EKG, Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz und Vigilanz
Lagerung: Oberkörperhochlagerung und leichte Vorneigung des Kopfes zur Reduktion des Blutflusses und Vermeidung einer Blutaspiration
Sauerstofftherapie: bedarfsorientierte Sauerstoffgabe bei Hypoxämie, respiratorischer Beeinträchtigung oder hämodynamischer Instabilität
Blutstillung: Fortführung der begonnenen lokalen Blutstillungsmaßnahmen (z.B. Nasenflügelkompression oder Nasentamponade) sowie regelmäßige Kontrolle auf erneute Blutungen oder eine Dislokation der Tamponade
Volumentherapie: Fortführung einer balancierten Vollelektrolytlösung entsprechend Blutverlust, Volumenstatus und Hämodynamik
Atemwegsmanagement: regelmäßige Beurteilung der Atemwegssituation und frühzeitige Eskalation bei Aspirationsgefahr, zunehmender Blutung oder eingeschränkten Schutzreflexen
Dokumentation: Erfassung von Blutungsbeginn, vermuteter Ursache, Blutungsverlauf, Vitalparametern sowie sämtlichen präklinisch durchgeführten Maßnahmen und deren Wirkung
Übergabe in der Klinik
Strukturierte Übergabe nach standardisierten Schemata, z.B. SINNHAFT oder ISOBAR.
Übergabe relevanter Informationen zu:
Zeitpunkt des Blutungsbeginns und bisherigem Blutungsverlauf
Vermuteter Ursache (spontan, traumatisch oder medikamentös)
Lokalisation der Blutung (anterior oder Verdacht auf posteriore Epistaxis)
Relevanten Begleitsymptomen (z. B. Schwindel, Synkope, Hämatemesis oder Aspirationsereignis)
Antikoagulatorischer oder thrombozytenaggregationshemmender Medikation sowie relevanten Vorerkrankungen
Erhobenen Vitalparametern und deren Verlauf
Durchgeführten Maßnahmen (z.B. Nasenflügelkompression, abschwellende Nasentropfen, TXA, Nasentamponade, Volumentherapie, Sauerstoffgabe oder Atemwegssicherung) einschließlich deren Wirkung
Verdacht auf Komplikationen: Hinweise auf hämodynamische Instabilität, posteriore Epistaxis, Aspirationsgefahr, traumatische Begleitverletzungen oder einen hämorrhagischen Schock ausdrücklich kommunizieren
Hochrisikopatient:innen: Bei hämodynamischer Instabilität, unkontrollierbarer Blutung, notwendiger Atemwegssicherung oder schweren Gesichtsverletzungen frühzeitige Übergabe an das zuständige Schockraumteam veranlassen
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Definition
Definition
Epistaxis
Epistaxis bezeichnet eine Blutung aus der Nasenschleimhaut, die meist aus den vorderen Nasenabschnitten, insbesondere dem Locus Kiesselbachi im vorderen Nasenseptum, stammt.
Ursachen
Kategorie
Ursachen
Beispiele und Hinweise
Lokale Ursachen
Schleimhautveränderungen
Trockene Nasenschleimhaut
Rhinitis oder Sinusitis
Langzeitgebrauch von steroidalen Nasentropfen oder Sprays
Vaskulitiden (z.B. Granulomatose mit Polyangiitis)
Wiskott-Aldrich-Syndrom
Idiopathische Epistaxis
Keine nachweisbare Ursache
Häufig bei Kindern sowie in den Wintermonaten aufgrund trockener Raumluft
Klinischer Eindruck
Sichtbares Nasenbluten: Blutung aus einem oder beiden Nasenlöchern
Koagel oder Blutkrusten: nach Sistieren der Blutung im Nasenvorhof oder an der Nasenscheidewand sichtbar
Blutiger Abfluss in den Rachen: besonders bei hinterer Epistaxis oder zurückgelehntem Kopf
Begleitsymptome:
Behinderte Nasenatmung: durch Koagel, Schleimhautschwellung oder eine Nasentamponade
Druckgefühl oder Brennen: leichtes Druck- oder Brenngefühl im Bereich der Nase
Blut im Rachen: metallischer Geschmack im Mund sowie Übelkeit durch geschlucktes Blut
Blutaspiration: insbesondere bei starker oder hinterer Epistaxis mit möglicher Atemwegsbeeinträchtigung
Diagnostik
Inspektion:
Nase und Gesicht: Sichtbare Blutung aus einem oder beiden Nasenlöchern, Koagel oder Blutspuren erkennen
Blutungslokalisation:
Vordere Epistaxis mit sichtbarem Blutaustritt aus der Nase
Hintere Epistaxis mit Blutabfluss in den Rachen oder Mund, häufig ohne erkennbare äußere Blutungsquelle
Traumazeichen: Auf Hämatome, Schürfungen, Deformitäten oder andere Hinweise auf ein Nasentrauma achten
Nasenschleimhaut: sofern möglich Beurteilung auf Austrocknung, Entzündungszeichen oder eine sichtbare Blutungsquelle
Haut- und Allgemeinzustand:Blässe, Kaltschweißigkeit als Hinweis auf einen relevanten Blutverlust oder beginnenden hämorrhagischen Schock
Mund- und Rachenraum:Blut im Oropharynx spricht für eine hintere Epistaxis oder einen Blutabfluss in den Rachen
Palpation:
Nasenrücken und Nasenseptum: Auf Druckschmerz, Instabilität oder ein Septumhämatom achten
Gesicht und periorbitale Region: Untersuchung auf Druckschmerz, Stufenbildung, Weichteilschwellungen oder andere Hinweise auf Gesichtsfrakturen
Hauttemperatur und Pulsqualität: Beurteilung der Kreislaufstabilität sowie möglicher Zeichen einer Hypoperfusion
Perkussion:
Der Perkussionsbefund sollte physiologisch ausfallen. Ist das nicht so, muss differenzialdiagnostisch gedacht werden
Auskultation:
Atemgeräusche:gurgelnde oder brodelnde Atemgeräusche können auf eine Blutaspiration oder Atemwegsverlegung hinweisen
Atemfrequenz und Atemmuster: Tachypnoe oder flache Atmung können Hinweise auf eine Hypoxie oder Hypovolämie sein
Therapie
Basismaßnahmen:
Lagerung: Oberkörper aufrichten und Patient:in leicht nach vorn beugen → Blut nach vorn ablaufen lassen und ein Verschlucken oder Aspirieren von Blut vermeiden
Nasenflügelkompression: kontinuierliche Kompression des weichen Nasenanteils für 15–20 Minuten ohne Unterbrechung → effektivste Erstmaßnahme zur Blutstillung bei anteriorer Epistaxis
Monitoring und Basisdiagnostik: kontinuierliche Überwachung mittels EKG, SpO₂, Blutdruck-, Herzfrequenz-, Atemfrequenz- und Temperaturkontrolle → frühzeitiges Erkennen einer hämodynamischen Instabilität
Sauerstoffgabe: bedarfsorientierte Sauerstofftherapie bei Hypoxämie, respiratorischer Beeinträchtigung oder hämodynamischer Instabilität → eine routinemäßige Sauerstoffgabe ist nicht erforderlich
Stressreduktion: ruhige, beruhigende Gesprächsführung und empathische Betreuung → Verminderung der sympathischen Stressreaktion
Lokale Kühlung (Eiskrawatte): Kühlung im Nacken oder an der Nasenwurzel kann unterstützend erfolgen → Ziel ist eine reflektorische Vasokonstriktion
Venöser Zugang: Anlage eines intravenösen Zugangs bei starker Blutung, Kreislaufinstabilität oder notwendiger Volumen- bzw. Medikamententherapie
Spezifische Maßnahmen bei anhaltender Epistaxis:
Volumentherapie: Bei klinischen Zeichen einer Hypovolämie oder eines hämorrhagischen Schocks frühzeitige Volumensubstitution mittels VEL einleiten
Abschwellende Nasentropfen: Applikation von Xylometazolin 2-4 Tropfen in jedes Nasenloch als Ergänzung zur Nasenflügelkompression zur lokalen Vasokonstriktion und Unterstützung der Blutstillung
Tranexamsäure: Bei persistierender oder starker Epistaxis Applikation von Tranexamsäure 0,5 g i.n. zur Unterstützung der lokalen Hämostase
Blutdruckmanagement: Bei anhaltenden Blutdruckwerten > 180/100 mmHg kontrollierte Blutdrucksenkung um 15–25 % des Ausgangswertes mit Urapidil 5-10 mg i.v. titriert, max. 50 mg
Zusätzliche Maßnahmen bei lebensbedrohlicher Epistaxis
Einbringen einer Nasentamponade:
Mullkompresse: getränkt mit Tranexamsäure 0,5 g und Adrenalin 1:10000 2 mlzur lokalen Blutstillung
Hämostyptische Verbandmittel: Bei diffusen Schleimhautblutungen kann eine Tamponade mit hämostyptischen Verbandmitteln eingelegt werden. Diese fördern die lokale Hämostase und unterstützen die Blutstillung
Einbringen eines Blasenkatheters (14 F):
Den Katheter parallel zum Nasenboden bis in den Oropharynx vorschieben
Die korrekte Lage durch Inspektion des Rachenraums überprüfen. Hierzu ggf. die Zunge mit einem Holzspatel nach unten drücken
Ist die Katheterspitze im Oropharynx sichtbar, den Ballon blocken und den Katheter vorsichtig bis zu einem spürbaren Widerstand zurückziehen
Den Katheter unter leichtem Zug am Nasenrücken fixieren
Atemwegssicherung: Bei Aspirationsgefahr oder eingeschränkten Schutzreflexen endotracheale Intubation
Besondere Situationen
Definition
Morbus Osler
Morbus Osler (hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie) ist eine autosomal-dominant vererbte systemische Gefäßerkrankung, die durch Teleangiektasien und arteriovenöse Malformationen gekennzeichnet ist. Leitsymptom ist das rezidivierende Nasenbluten. Zusätzlich können Haut, Schleimhäute sowie verschiedene innere Organe betroffen sein.
Blutstillung: Eine schleimhautschonende Therapie ist anzustreben. Chemische Ätzungen und monopolare Elektrokoagulation sollten möglichst vermieden werden
Transport
Grundsätzlich richtet sich die Wahl des Zielkrankenhauses nach dem Schweregrad der Blutung, dem klinischen Zustand der Patient:innen, dem Verdacht auf Komplikationen sowie der Notwendigkeit einer HNO-ärztlichen oder traumatologischen Intervention.
Leichte Epistaxis: ggf. ambulante Vorstellung bei einer niedergelassenen HNO-Fachärztin oder einem niedergelassenen HNO-Facharzt oder einer HNO-Ambulanz zur weiteren Diagnostik und Behandlung
Persistierende oder lebensbedrohliche Epistaxis:Krankenhaus mit HNO-Fachabteilung und jederzeit verfügbarer HNO-ärztlicher Interventionsmöglichkeit, da häufig eine interventionelle Blutstillung oder bei hämodynamischer Instabilität eine notfallmedizinische Versorgung erforderlich ist
Traumatische Epistaxis:geeignete Traumaklinik entsprechend dem Verletzungsmuster, insbesondere bei Verdacht auf Mittelgesichtsverletzungen oder eine Schädelbasisfraktur
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Tipp
Wenn ihr mehrInformationen und weiteretherapeutischeMaßnahmen erfahren möchtet, empfehlen wir euch die verlinktenArtikel aus dem klinischenBereich.
Nase
Fall 13: Nasenbluten
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.