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Ernährung in der Stillzeit

5 Minuten Lesezeit

Die Stillzeit stellt eine entscheidende Phase für die Gesundheit von Mutter und Kind dar. Die Ernährung der stillenden Mutter hat einen direkten Einfluss auf die Qualität der Muttermilch und somit auf die Nährstoffversorgung des Säuglings.

Die Ernährung während der Stillzeit ist jedoch nicht nur von entscheidender Bedeutung für das Wachstum und die Entwicklung des Kindes, sondern spielt auch eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden und die Regeneration der Mutter.

Energiebedarf:

Für die Bildung von 100 ml Muttermilch verbraucht der Körper 70-80 kcal. Damit steigt der Energiebedarf während der Stillzeit um ca. 600 kcal/Tag. Ein Teil des Mehrbedarfs kann durch die im Rahmen der SS aufgebauten Fettdepots gedeckt werden. Von einer strengen Diät wird jedoch unbedingt abgeraten. Dies kann u.a. zu einer Verringerung der Milchleistung führen. Darüber hinaus werden bei gesteigertem Fettabbau fettlösliche Schadstoffe freigesetzt. Diese können in die Muttermilch übergehen.

Die DGE empfiehlt eine Mehrzufuhr von etwa 500 kcal/Tag. Eine wöchentliche Gewichtsreduktion von 0,5-1 kg gilt als wünschenswert.

Flüssigkeitsbedarf:

Pro Tag werden durchschnittlich 700-800 ml Milch produziert. Diese Menge muss durch eine entsprechende Flüssigkeitsaufnahme seitens der Mutter kompensiert werden.

Proteine:

  • Erhöhter Proteinbedarf → Beim Stillen kommt es zu Eiweißverlusten über die Muttermilch
  • Während der Stillzeit beträgt der Mehrbedarf ca. 23 g/Tag

Fette:

  • Der Gesamtfettgehalt der Muttermilch ist weitgehend unabhängig von der mütterlichen Fettzufuhr. Die Fettsäurezusammensetzung der Nahrung spiegelt sich jedoch in der Muttermilch wider.
  • Grundsätzlich gelten die Empfehlungen einer normalen Mischkost: normale Fettzufuhr (25-35% der Gesamtenergie) mit ausreichendem Anteil an essenziellen Fettsäuren (mind. 200 mg Docosahexaensäure pro Tag → 1-2 Fischmahlzeiten pro Woche oder Supplementierung)

Kohlenhydrate:

  • Empfehlungen entsprechen denen einer normalen Mischkost (Kohlenhydratzufuhr >50% der Gesamtenergie)
  • Komplexe Kohlenhydrate (z.B. in Form von Vollkornprodukten, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten) sollten bevorzugt werden. Diese Lebensmittel sind nicht nur nährstoffreich, sondern weisen auch einen hohen Anteil an Ballaststoffen auf, welche die Verdauung unterstützen und zur Regulierung des Blutzuckerspiegels beitragen.

Auch während der Stillzeit ist der Mehrbedarf an Mikronährstoffen deutlich höher als der Mehrbedarf an Energie. Bei vielen Nährstoffen ist der Gehalt in der Muttermilch weitgehend unabhängig von der mütterlichen Zufuhr.

Ein Beispiel ist Folsäure: der Bedarf an Folsäure bleibt während der Stillzeit weiterhin erhöht und kann durch die Ernährung allein nur schwer gedeckt werden. Dennoch wird der Folsäuregehalt in der Muttermilch auch bei niedriger Zufuhr relativ konstant gehalten, was jedoch auf Kosten mütterlicher Reserven geschieht. Um die Gesundheit der Mutter zu schützen, sollte daher eine ausreichende Versorgung sichergestellt werden.

Ähnliches gilt für fettlösliche Vitamine sowie die meisten Mineralstoffe und Spurenelemente. Da diese bis zu einem gewissen Grad im Körper gespeichert werden, ist ihr Gehalt in der Muttermilch regulierbar. Eine Voraussetzung hierfür ist, dass die mütterlichen Speicher ausreichend gefüllt sind.

Bei den meisten wasserlöslichen Vitaminen (Ausnahme: Folsäure) und Jod ist der Gehalt in der Muttermilch jedoch abhängig vom Ernährungsverhalten der Mutter. Als besonders kritischer Nährstoff sollte Jod in jedem Fall auch während der Stillzeit supplementiert werden. Die DGE empfiehlt eine Supplementierung von 100-150 µg/Tag.

Bei alternativen Ernährungsformen kommen weitere kritische Nährstoffe hinzu (z.B. Vitamin B12 bei pflanzlicher Ernährung). In diesen Fällen sollte bereits vor Beginn der SS eine ärztliche Beratung erfolgen.

 Info
Nährstoffversorgung – Erhalt der Muttermilchqualität und Schutz mütterlicher Reserven

Bei einigen Nährstoffen ist der Gehalt in der Muttermilch weitgehend unabhängig von der mütterlichen Zufuhr. Es gibt jedoch auch Nährstoffe (z.B. Jod, Vitamin C oder Vitamin B12), deren Konzentration in der Muttermilch stark von der Ernährung der Mutter abhängt. Aufgrund der limitierten Kompensationsmechanismen ist eine adäquate Zufuhr entsprechender Nährstoffe unerlässlich.

Darüber hinaus erfolgt die Aufrechterhaltung bestimmter Nährstoffkonzentrationen in der Muttermilch oft auf Kosten der mütterlichen Speicher. Dies bedeutet, dass die mütterlichen Reserven bei unzureichender Nährstoffzufuhr langfristig abgebaut werden, wodurch das Risiko für Mangelerscheinungen steigt. Dies gilt insbesondere für Frauen, die mehrere Schwangerschaften und Stillphasen in kurzer Zeit durchlaufen. Um die mütterliche Gesundheit langfristig zu unterstützen, wird daher eine bewusste Auffüllung der Speicher durch eine gezielte Nährstoffaufnahme empfohlen.

  • Biesalski H, Grimm P, Nowitzki-Grimm S: Taschenatlas Ernährung, Georg Thieme Verlag, 2020, ISBN: 978-3-13-242607-8
  • Biesalski H et al.: Ernährungsmedizin, Georg Thieme Verlag, 2017, ISBN: 978-3-13-100295-2
  • Suter, P.: Checkliste Ernährung, Georg Thieme Verlag, 2008, ISBN: 9783131526731
  • Martin S et al.: Ernährungspraxis Frauen und Männer: Beratungswissen kompakt, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2020, ISBN: 978-3-8047-3394-7
Zuletzt aktualisiert am 17.12.2024
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