Die Exsikkose ist eine klinisch manifeste Form der Dehydratation, die durch einen ausgeprägten Flüssigkeits- und Elektrolytverlust gekennzeichnet ist. Unbehandelt kann sie zu schwerwiegenden Komplikationen wie hypovolämischem Schock, prärenalem Nierenversagen oder einem Multiorganversagen führen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder sowie Patient:innen mit chronischen Grunderkrankungen.
Für den Rettungsdienst ist die frühzeitige Erkennung von zentraler Bedeutung. Symptome wie Schwäche, Verwirrtheit, Vigilanzminderung, Tachykardie oder Hypotonie sollten als mögliche Hinweise auf eine relevante Exsikkose gewertet werden.
Die präklinische Therapie konzentriert sich auf die symptomorientierte Rehydratation. Hierzu werden bevorzugt balancierte, isotone Vollelektrolytlösungen in individuell angepassten Bolusgaben unter kontinuierlicher klinischer und hämodynamischer Überwachung verabreicht.
Ziel ist die Stabilisierung der Kreislaufsituation, die Verbesserung der Organperfusion sowie die Wiederherstellung eines ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalts.
Um den Einstieg in das Thema Exsikkose etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: Unklare Bewusstseinsveränderung
Ort: Pflegeheim
Alarmzeit: 11:45 Uhr
Anrufer:in: Pflegekraft
Anzahl der Betroffenen: 1
Zusatzinfo:
75-jähriger männlicher Patient
Seit mehreren Tagen zunehmende Schwäche und reduzierter Allgemeinzustand
Deutlich verminderte Flüssigkeitsaufnahme in den vergangenen Tagen
Aktuell unklare Bewusstseinsveränderung
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes werden Sie von Pflegekräften am Eingang empfangen und zum Zimmer des Patienten begleitet.
Die Lage stellt sich wie folgt dar:
Das Pflegepersonal berichtet, dass der Patient seit etwa 48 Stunden nur geringe Mengen Flüssigkeit zu sich genommen hat
In den vergangenen Tagen sei eine zunehmende Schwäche und Apathie aufgefallen
Der Patient ist bettlägerig und weist eine bekannte kardiale Vorerkrankung auf
Aktuell reagiert er nur eingeschränkt auf Ansprache und wirkt deutlich vigilanzgemindert
Trotz wiederholter Unterstützung durch das Pflegepersonal konnte keine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme erreicht werden
Zudem wurde eine erhöhte Körpertemperatur festgestellt
Ersteindruck nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit Exsikkose aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würden diese meist hinten angestellt.
x
Keine kritischen Blutungen
A
Freie Atemwege
Keine Zeichen einer Verlegung
Schleimhäute trocken, rissig und stumpf
Kein A-Problem
B
Inspektorisch:
Flache Atmung
Auskultatorisch:
Atmung flach, ohne pathologische Atemmuster oder Atemgeräusche
Tachypnoe bei ca. 22 Atemzügen/Minute
Mittelbares B-Problem
C
Hautkolorit blass
Hautturgor vermindert
Kalte Extremitäten
Recap-Zeit: 3 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Letzte Einname von Getränken: zuletzt deutlich weniger getrunken, lehnt Getränke zumeist ab
Ereignis: kein Erbrechen, kein Durchfall
Risikofaktoren: älterer Patient, hat zuletzt wenig getrunken
Kein E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Definition
Exsikkose
Exsikkose bezeichnet eine ausgeprägte Form der Dehydratation, bei der ein erheblicher Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten zu einer deutlichen Austrocknung des Organismus führt. Durch den resultierenden Volumenmangel im Intravasalraum sowie die verminderte Gewebshydratation entsteht ein akuter Zustand, der unbehandelt lebensbedrohliche Folgen haben kann.
Terminologische Abgrenzung
Begriff
Definition
Klinische Bedeutung
Typische Befunde
Dehydratation
Verminderung des Gesamtkörperwassers mit möglicher Veränderung des Elektrolyt- und Osmolaritätshaushalts
Beschreibt den pathophysiologischen Zustand eines Flüssigkeitsdefizits
Die Einteilung in isotone, hypotone und hypertone Formen bezieht sich primär auf die Dehydratation. Da die Exsikkose die klinisch manifeste und schwerere Ausprägung einer Dehydratation darstellt, wird diese Klassifikation in der klinischen Praxis häufig auch auf Exsikkosen übertragen.
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Merke
Eine Exsikkose entsteht, wenn der Flüssigkeitsverlust des Körpers die Flüssigkeitsaufnahme übersteigt und dadurch ein relevanter Wasser- und Volumenmangel entsteht.
Häufige Ursachen sind:
Unzureichende Flüssigkeitszufuhr, insbesondere bei älteren, pflegebedürftigen oder bewusstseinsgestörten Personen
Erhöhte Flüssigkeitsverluste über die Nieren, den Gastrointestinaltrakt, die Haut oder die Atemwege
Pathologische Flüssigkeitsverluste beispielsweise bei Diabetes mellitus, Diabetes insipidus, Erbrechen, Diarrhö oder großflächigen Verbrennungen
Begünstigende Faktoren wie Fieber, starkes Schwitzen, Hyperventilation oder eine unzureichende Flüssigkeitssubstitution
Ursachengruppe
Typische Ursachen
Pathophysiologischer Mechanismus
Unzureichende Flüssigkeitsaufnahme
Vermindertes Durstempfinden, Demenz, Bewusstseinsstörungen, Nüchternphasen, eingeschränkter Zugang zu Flüssigkeit
Flüssigkeitsverluste werden nicht ausreichend kompensiert → negativer Flüssigkeitshaushalt
Renale Verluste
Diuretikatherapie, Diabetes insipidus, chronische Nierenerkrankungen, Hyperglykämie mit osmotischer Diurese
Gesteigerte Wasserausscheidung über die Nieren → intravasaler Volumenmangel
Erhöhter Flüssigkeitsverlust über Haut und Atemwege
Iatrogene Ursachen
Osmotisch wirksame Medikamente (z. B. Mannitol), Glukoseinfusionen, unzureichende Flüssigkeitssubstitution
Erhöhte Flüssigkeitsausscheidung oder osmotisch bedingter Wasserverlust
Stoffwechsel- und endokrine Erkrankungen
Diabetes mellitus, Morbus Addison
Osmotische Diurese bzw. Salz- und Wasserverlust infolge hormoneller oder metabolischer Störungen
Info
Abhängig von derUrsache der Exsikkose treten ElektrolytverschiebungeninunterschiedlichemAusmaß auf, die maßgeblich die klinische Symptomatik und den Schweregrad beeinflussen können.
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Merke
Reminder: physiologische Grundlagen
Flüssigkeitsverteilung im Körper: Das Gesamtkörperwasser entspricht etwa 60 % des Körpergewichts. Davon befinden sich rund ⅔ im Intrazellulärraum (IZR) und ⅓ im Extrazellulärraum (EZR), der sich in Interstitium und Plasma unterteilt
Wasserbilanz:
Täglich werden etwa 2,6 Liter Flüssigkeit aufgenommen (Getränke, Nahrung, Oxidationswasser) und in ähnlicher Menge über Urin, Haut, Lunge und Stuhl ausgeschieden.
Negative Wasserbilanz: Übersteigen die Flüssigkeitsverluste die Aufnahme, entsteht eine Dehydratation bzw. Exsikkose
Positive Wasserbilanz: Übersteigt die Flüssigkeitsaufnahme die Ausscheidung, resultiert eine Hyperhydratation
Isotone Dehydratation: Wasser- und Natriumverlust erfolgen im gleichen Verhältnis → Serumnatrium normal
Hypotone Dehydratation: Natriumverlust überwiegt → Serumnatrium ↓ → Wasser tritt in die Zellen ein → Gefahr eines Hirnödems
Hypertone Dehydratation: Wasserverlust überwiegt → Serumnatrium ↑ → Wasser tritt aus den Zellen aus → Zelldehydratation
Regulationsmechanismen:
ADH (Vasopressin): Ein Anstieg der Plasmaosmolarität oder eine Abnahme des Blutvolumens stimuliert die ADH-Freisetzung. Dadurch steigt die Wasserrückresorption in den Sammelrohren der Niere → Wasserretention ↑, Osmolarität ↓
RAAS (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System): Verminderte renale Perfusion oder ein Natriummangel aktivieren das RAAS → Natrium- und Wasserresorption ↑ → Blutdruck ↑ und Volumen ↑
ANP und BNP: Eine erhöhte Vorhof- bzw. Ventrikelfüllung führt zur Freisetzung von ANP/BNP → Hemmung der Natriumresorption und Förderung der Diurese → Volumen ↓ und Blutdruck ↓
Durstmechanismus: Eine erhöhte Osmolarität oder ein vermindertes Blutvolumen aktivieren das Durstzentrum im Hypothalamus → Wasseraufnahme ↑
Alle Regulationsmechanismen sind eng miteinander verknüpft und dienen der konstanten Aufrechterhaltung von Osmolarität, intravasalem Volumen und Blutdruck.
Wasser- und Elektrolytverlust
Isotone Verluste: proportionaler Verlust von Wasser und Natrium (z.B. Blutungen, Gastroenteritis) → Extrazellulärvolumen ↓, Osmolalität unverändert
Hypotone Verluste: Natriumverlust übersteigt den Wasserverlust (z.B. Erbrechen, Diuretikatherapie) → Wasser verschiebt sich in die Zellen → extrazelluläres Volumen ↓, Zellödem
Hypertone Verluste: Wasserverlust übersteigt den Natriumverlust (z.B. Fieber, starkes Schwitzen, Diabetes insipidus) → Osmolalität ↑ → Wasser tritt aus den Zellen aus → zelluläre Schrumpfung
Störungen des Wasserhaushalts
Osmotische und hormonelle Regulation
ADH-Aktivierung: erhöhte Osmolalität wird durch Osmorezeptoren im Hypothalamus registriert → ADH-Sekretion ↑ → gesteigerte Wasserrückresorption in der Niere
RAAS-Aktivierung: Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems → Natrium- und Wasserretention ↑ → Stabilisierung des intravasalen Volumens
Durstreaktion: Stimulation des Durstzentrums im Hypothalamus → Flüssigkeitsaufnahme ↑
Osmotischer Durst
Hämodynamische Folgen
Volumenmangel: Abnahme des Plasmavolumens → venöser Rückstrom ↓ → Schlagvolumen ↓ → kompensatorisch Tachykardie und Vasokonstriktion ↑
Kompensation: Sympathikusaktivierung und hormonelle Gegenregulation dienen der Aufrechterhaltung von Blutdruck und Organperfusion
Organhypoperfusion: anhaltende Minderperfusion der Nieren → Gefahr eines prärenalen Nierenversagens
Zelluläre und systemische Effekte
Zelldehydratation: Erhöhte Osmolarität des Extrazellulärraums → Wasser tritt aus den Zellen aus → insbesondere im Gehirn Gefahr von Desorientierung, Krampfanfällen oder Koma
Hämokonzentration: Volumenmangel führt zu einer relativen Zunahme zellulärer Blutbestandteile → Hämatokrit ↑ und erhöhtes Thromboserisiko
Endstadium: Ausgeprägte Hypovolämie in Kombination mit Elektrolytstörungen → Gefahr eines Multiorganversagens
Merke
Zusammenfassung: die kritischen Probleme einer Exsikkose
Fortschreitende Hypovolämie → Hypotonie und Organhypoperfusion
Nierenminderperfusion → Gefahr eines prärenalen Nierenversagens
Zelldehydratation (v.a. bei hypertoner Exsikkose) → Desorientierung, Krampfanfälle oder Koma
Zellödem (v.a. bei hypotoner Exsikkose) → Gefahr eines Hirnödems
Hämokonzentration → erhöhtes Thromboserisiko
Schwere Exsikkose → hypovolämischer Schock
Ausgeprägte Exsikkose mit Elektrolytstörungen → Multiorganversagen
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Typische Zeichen
Stehende Hautfalte als Zeichen einer Exsikkose
Trockene Haut: Verminderte Hautfeuchtigkeit und reduzierte Elastizität mit stehenden Hautfalten
Trockene Schleimhäute: Trockene, klebrige Mund- und Zungenschleimhaut als Ausdruck des Flüssigkeitsmangels
Eingesunkene Augen: Verminderte Gewebshydratation mit eingesunkenen oder halonierten Augen sowie reduzierter Tränenproduktion
Eingefallene Fontanelle: typisches Zeichen bei Säuglingen mit ausgeprägtem Flüssigkeitsdefizit
Durstgefühl: Physiologische Reaktion auf den Wasserverlust, bei älteren oder bewusstseinsgestörten Personen häufig abgeschwächt
Verminderte Venenfüllung: Geringe Füllung peripherer Venen bzw. flache Halsvenen infolge des intravasalen Volumenmangels
Generalisierte Zeichen
Schwäche, Müdigkeit und Benommenheit: Folgen der verminderten Organ- und Gewebeperfusion
Desorientierung: Ausdruck einer beeinträchtigten zerebralen Durchblutung oder Hyperosmolarität
Tachykardie und Hypotonie: Kompensationsmechanismen bei intravasalem Volumenmangel
Schwacher Puls und verlängerte Rekapillarisierungszeit: Hinweise auf eine eingeschränkte periphere Perfusion
Kühle, blasse Extremitäten: Zeichen der zentralisierten Kreislaufregulation, ggf. mit Zyanose
Oligurie oder Anurie: Verminderte Urinausscheidung als Folge der renalen Wasserretention
Konzentrierter Urin: Ausdruck der gesteigerten Wasserrückresorption in der Niere
Laborveränderungen: Hämatokritanstieg sowie mögliche Veränderungen des Serumnatriums
Kreislaufinstabilität: Fortschreitender Volumenmangel bis zum hypovolämischen Schock
Neurologische Symptome bei schwerer Hypernatriämie: Muskelhypertonie, Krampfanfälle und Vigilanzminderung als Zeichen der zerebralen Zelldehydratation
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Achtung
Die Exsikkose ist ein heterogenes Krankheitsbild mit häufig unspezifischen Symptomen. Einzelne klinische Befunde besitzen nur eine begrenzte Aussagekraft, weshalb die Diagnose stets im Gesamtkontext bewertet werden sollte.
Wichtig ist die Abgrenzung gegenüber Differenzialdiagnosen wie Sepsis, kardiovaskulären Ereignissen, Schlaganfall, Hypo- oder Hyperglykämie, Elektrolytstörungen, Synkopen sowie Medikamentennebenwirkungen oder Einnahmefehlern. Gleichzeitig sollten mögliche Ursachen der Exsikkose gezielt identifiziert werden.
Anamnese
S (Symptome): Schwindel, Müdigkeit, Schwäche, Benommenheit, Appetitlosigkeit, Durst, trockene Schleimhäute sowie verminderte Urinausscheidung mit konzentriertem, dunklem Urin
Fortgeschrittene Exsikkose: Kopfschmerzen, Desorientierung oder Bewusstseinsstörungen bei ausgeprägtem Flüssigkeitsmangel
A (Allergien, Infektionen): Relevante Allergien sowie akute Infektionen erfragen. Insbesondere Gastroenteritiden und fieberhafte Erkrankungen können zu erhöhten Flüssigkeitsverlusten führen.
M (Medikation): Einnahme von Diuretika, Antidiabetika (z.B. SGLT-2-Hemmern), Laxantien oder Medikamenten mit anticholinergen Nebenwirkungen
Wichtig sind Medikamente, die Flüssigkeitsverluste fördern, das Durstempfinden vermindern oder eine Hypotonie bei Volumenmangel verstärken können
P (Patientengeschichte): Trinkverhalten, Mobilität und Vorerkrankungen erfragen. Besondere Bedeutung haben Demenz, Dysphagie, chronische Niereninsuffizienz oder Herzinsuffizienz
L (Letzte…): Zeitpunkt und Menge der letzten Flüssigkeitsaufnahme, Zeitpunkt der letzten Miktion sowie Veränderungen der Urinfarbe erfragen
Hinweise auf Erbrechen, Diarrhö oder vermehrtes Schwitzen berücksichtigen
E (Ereignis): Die Symptomatik entwickelt sich häufig im Zusammenhang mit Erbrechen, Durchfall, Fieber, Hitzeexposition, körperlicher Belastung oder einer unzureichenden Flüssigkeitsaufnahme
R (Risiko): Höheres Lebensalter, Demenz, chronische Niereninsuffizienz, Diuretikatherapie, Diabetes mellitus sowie Hitzeperioden erhöhen das Risiko einer Exsikkose
S (Schwangerschaft): Bei Schwangeren besteht speziell in der Spätschwangerschaft oder bei Hyperemesis gravidarum (schwere Form der Schwangerschaftsübelkeit) ein erhöhter Flüssigkeitsbedarf und damit ein erhöhtes Risiko für eine Exsikkose
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf eine Exsikkose abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Körperliche Untersuchung
Inspektion:
Haut: Trockene, matte und wenig elastische Haut als Hinweis auf einen Flüssigkeitsmangel
Stehende Hautfalten: klassisches Zeichen einer Exsikkose durch verminderten Hautturgor
Blasse Haut oder periphere Zyanose: Hinweis auf Hypovolämie und eingeschränkte periphere Perfusion
Schleimhäute: Trockene Mundschleimhaut, verminderte Speichelbildung oder belegte Zunge als Zeichen der Dehydratation
Augen: Eingesunkene Augen und reduzierte Tränenproduktion als Ausdruck eines ausgeprägten Flüssigkeitsdefizits
Allgemeinzustand: Apathie sowie mögliche neurologische Auffälligkeiten wie Desorientierung oder Somnolenz bei fortgeschrittener Exsikkose
Infektfokus: Kontrolle auf Fieber, Husten, Hautinfektionen, Dekubitalulzera oder Zeichen eines Urogenitalinfekts als mögliche Ursache erhöhter Flüssigkeitsverluste
Palpation:
Hautturgor: Verminderte Hautelastizität mit stehender Hautfalte am Handrücken oder Unterarm als Hinweis auf einen Flüssigkeitsmangel
Periphere Durchblutung: Kalte oder kaltschweißige Extremitäten als Zeichen einer Zentralisation bei Volumenmangel
Rekapillarisierungszeit: Verlängerung über 2 Sekunden als Hinweis auf eine eingeschränkte Mikrozirkulation
Puls: häufig tachykard und schwach tastbar als Ausdruck einer Hypovolämie
Perkussion:
Unauffälliger Klopfschall: In der Regel kein direkter Hinweis auf das Ausmaß der Exsikkose
Auffällige Perkussionsbefunde: Sprechen eher für zugrunde liegende Erkrankungen als für die Exsikkose selbst
Auskultation:
Unauffällige Auskultation: Häufig regelrechte Atemgeräusche
Atemgeräusche: Bei ausgeprägter Hypovolämie flache und beschleunigte Atmung als kompensatorische Reaktion möglich
Hinweise auf Infektfokus: Rasselgeräusche bei Pneumonie, auffällige Darmgeräusche bei gastrointestinalen Ursachen sowie Fieber als möglicher Auslöser der Exsikkose
Auffällige Auskultationsbefunde: Sprechen häufig für die Ursache der Exsikkose (z.B. Infektion) und weniger für den Flüssigkeitsmangel selbst
Initial oft normwertig, bei ausgeprägter Exsikkose Hypotonie
Abnahme des intravasalen Volumens → Herzzeitvolumen ↓ → verminderte Organperfusion
Atemfrequenz
Meist normwertig bis leicht erhöht
Kompensatorische Stressreaktion, bei schwerer Exsikkose oder metabolischer Azidose verstärkte Atemarbeit möglich
Temperatur
Häufig normwertig, ggf. erhöht bei zugrunde liegender Infektion
Exsikkose selbst verursacht keine primäre Temperaturveränderung, Fieber verstärkt jedoch den Flüssigkeitsverlust
Sauerstoffsättigung
In der Regel normwertig
Exsikkose führt primär zu einer Volumenstörung und nicht zu einer Beeinträchtigung der Oxygenierung
Blutzucker
Meist normwertig, ggf. erhöht bei Diabetes mellitus oder hyperosmolarem Syndrom
Abhängig von der zugrunde liegenden Ursache der Exsikkose
Tipp
Blutzuckermessung nicht vergessen
Sowohl eine Hyperglykämie als auch eine Hypoglykämie können mit Zeichen einer Exsikkose einhergehen.
Hyperglykämie: Durch die osmotische Diurese werden vermehrt Wasser und Elektrolyte ausgeschieden, wodurch ein ausgeprägter Flüssigkeitsmangel entstehen kann
Hypoglykämie: Bei unzureichender Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme kann der Blutzuckerspiegel erniedrigt sein und zu Bewusstseinsstörungen beitragen
Orientierende neurologische Untersuchung
Vigilanz: Beurteilung des Bewusstseinszustands, beispielsweise mittels GCS-Score
Sprache: Überprüfung von Sprachverständnis und Sprachproduktion auf Hinweise für neurologische Defizite
Pupillenstatus: Kontrolle von Pupillengröße, Symmetrie und Lichtreaktion sowie möglicher Blickabweichungen
Motorik: orientierende Kraftprüfung der oberen und unteren Extremitäten unter Beachtung von Seitendifferenzen
Fokalneurologische Zeichen: Fazialisparese, Hemiparese, Sensibilitätsstörungen oder andere Herdzeichen als Hinweis auf eine neurologische Ursache des Bewusstseinsverlustes
Weiterführende apparative Diagnostik
12-Kanal-EKG: Beurteilung von Herzfrequenz, Rhythmus und möglichen Elektrolytstörungen als Ursache oder Folge der Exsikkose
Hypokaliämie: Abflachung der T-Wellen, U-Wellen, ST-Senkungen
Tachykardie: häufig Ausdruck einer kompensatorischen Sympathikusaktivierung bei intravasalem Volumenmangel
Ggf. Ultraschall (Abdomen / Pleura): Fokussierte sonografische Untersuchung zum Nachweis freier Flüssigkeit, eines Aszites oder anderer Begleitbefunde
Freie Flüssigkeit oder Aszites: können Hinweise auf alternative Ursachen einer Hypotonie oder auf relevante Begleiterkrankungen liefern
Orientierende Volumenbeurteilung: unterstützt die Einschätzung der Kreislaufsituation hauptsächlich bei multimorbiden Patient:innen
Info
Eine Sonografie ist bei Exsikkose in der Regel nicht erforderlich. Sie kann jedoch zur Bestätigung der Verdachtsdiagnose beitragen und dabei helfen, wichtige Differenzialdiagnosen auszuschließen.
EKG bei HypokaliämieEKG bei Hyperkaliämie
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Merke
Im präklinischen Umfeld steht die symptomorientierte Rehydratation im Vordergrund.Die Therapie der Wahl ist die Gabe von balancierten, isotonen Vollelektrolytlösungen in individuell angepassten Bolusgaben unter kontinuierlicher klinischer und hämodynamischer Überwachung.
Basismaßnahmen
Lagerung:
Kreislaufstabile Patient:innen: Bequeme Lagerung, bei Schwindel oder orthostatischen Beschwerden vorzugsweise in Flachlagerung
Hypotonie oder ausgeprägter Volumenmangel: Flachlagerung, gegebenenfalls mit Hochlagerung der Beine zur Verbesserung des venösen Rückstroms
Sauerstoffgabe: bedarfsorientierte Sauerstofftherapie bei Hypoxämie oder respiratorischer Beeinträchtigung
Angepasstes Atemwegsmanagement: Sicherung und regelmäßige Kontrolle der Atemwege bei Vigilanzminderung oder Bewusstseinsstörung
Monitoring und Basisdiagnostik: Kontinuierliche Überwachung mittels EKG, SpO₂, Blutdruck- und Atemfrequenzkontrollen sowie wiederholte Blutzuckermessungen
Venöser Zugang: Anlage eines intravenösen Zugangs zur Volumentherapie sowie für weiterführende therapeutische Maßnahmen
Ursachenorientiertes Vorgehen: Identifikation und Behandlung möglicher Auslöser wie Infektionen, gastrointestinale Verluste, Fieber, Medikamentennebenwirkungen oder unzureichende Flüssigkeitsaufnahme
Begleiterkrankungen: Beachtung und Mitbehandlung relevanter Grunderkrankungen, insbesondere Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz oder Diabetes mellitus
Transportentscheidung: Risikostratifizierung zur Entscheidung über ambulante Weiterbetreuung oder stationäre Aufnahme, insbesondere bei ausgeprägter Exsikkose, Kreislaufinstabilität oder relevanten Begleiterkrankungen
Besondere Vorsicht bei Herz- oder Niereninsuffizienz: Flüssigkeitstherapie zurückhaltend titrieren und auf Zeichen einer Volumenüberladung achten
Kinder: Volumensubstitution mit VEL initial 20 ml/kgKG i.v. als Bolus, Wiederholung abhängig vom klinischen Ansprechen
Therapiesteuerung: Ziel sind eine Verbesserung der Kreislaufsituation, ein systolischer Blutdruck > 90 mmHg sowie eine Herzfrequenz < 100/min
Achtung
Zur Volumentherapie werden bevorzugt balancierte Vollelektrolytlösungen eingesetzt,da größere Mengen NaCl 0,9 % eine hyperchlorämische metabolische Azidose begünstigen können.
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Herzinsuffizienz
Bei Patient:innen mit Herzinsuffizienz kann trotz klinischer Exsikkosezeichen gleichzeitig eine erhöhte Gefahr der Volumenüberlastung bestehen.
Pathophysiologie: Eingeschränkte kardiale Pumpfunktion begrenzt die Kompensationsfähigkeit bei Volumengaben
Therapeutische Besonderheiten: Flüssigkeitsgabe nur vorsichtig und schrittweise unter engmaschigem Monitoring
Therapieziel: Erreichen einer Normovolämie bei gleichzeitiger Vermeidung einer Volumenüberlastung
Chronische Niereninsuffizienz
Bei chronischer Niereninsuffizienz ist die Anpassung des Wasser- und Elektrolythaushalts eingeschränkt.
Besonderheiten: Erhöhtes Risiko für Elektrolytstörungen, insbesondere eine Hyperkaliämie
Therapeutische Besonderheiten: Flüssigkeitszufuhr orientiert sich an Urinmenge und Kreislaufzustand
Differenzialdiagnostische Bedeutung: Volumentherapie muss individuell angepasst werden, um eine Volumenüberladung zu vermeiden
Ältere Menschen
Bei älteren Menschen besteht ein erhöhtes Risiko für eine Exsikkose durch vermindertes Durstempfinden, eingeschränkte Mobilität, Diuretikatherapie oder kognitive Einschränkungen.
Besonderheiten: Erhöhtes Risiko für Hypotonie, Hypoperfusion, Stürze und Delir
Therapeutische Besonderheiten: Flüssigkeitszufuhr langsam und kontrolliert, um eine kardiale Überlastung zu vermeiden
Differenzialdiagnostische Bedeutung: Bei Herzinsuffizienz Gefahr eines Lungenödems bei zu rascher Volumengabe
Kinder und Säuglinge
Kinder und Säuglinge reagieren aufgrund ihres hohen Körperwasseranteils und erhöhten Flüssigkeitsumsatzes besonders empfindlich auf Flüssigkeitsverluste.
Typische Ursachen: Fieber, Diarrhö, Erbrechen oder Stoffwechselstörungen
Besonderheiten: Rasche Entwicklung einer klinisch relevanten Exsikkose
Volumentherapie: Alters- und gewichtsadaptierte Gabe von Elektrolytlösungen
Besondere Vorsicht: Zu schnelle Natriumkorrekturen können ein Hirnödem verursachen
Menschen mit Diabetes mellitus
Bei Diabetes mellitus kann eine Exsikkose infolge einer osmotischen Diurese bei Hyperglykämie entstehen.
Pathophysiologie: Glukoseverlust über den Urin → osmotische Diurese → Volumenmangel
Besonderheiten: Exsikkose kann Hinweis auf eine Erstmanifestation oder eine hyperglykämische Stoffwechselentgleisung sein
Therapeutische Besonderheiten: Initiale Volumensubstitution mit isotonen Elektrolytlösungen
Hitzebedingte Dehydratation
Durch hohe Umgebungstemperaturen kann es zu Flüssigkeitsverlusten kommen, die die körpereigenen Kompensationsmechanismen überfordern.
Risikogruppen: Ältere Menschen, Herz- oder Nierenkranke sowie Patient:innen unter Diuretika, ACE-Hemmern, SGLT2-Inhibitoren oder Anticholinergika
Pathophysiologie: Vermehrtes Schwitzen → Flüssigkeitsverlust → Blutdruckabfall und Volumenmangel
Therapeutische Besonderheiten: Frühzeitige Flüssigkeitszufuhr und körperliche Schonung
Menschen mit neurologischen Erkrankungen oder Demenz
Neurologische Erkrankungen und Demenz können die Wahrnehmung von Durst sowie die selbstständige Flüssigkeitsaufnahme beeinträchtigen.
Besonderheiten: Gestörtes Durstempfinden und eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit erhöhen das Exsikkoserisiko
Therapeutische Besonderheiten: strukturierte Trinkpläne und regelmäßige Flüssigkeitsbilanzierung
Unterstützende Maßnahmen: Bei Bedarf assistierte Flüssigkeitszufuhr oder subkutane Infusionstherapie im geriatrischen Setting
Therapieziel: Sicherstellung einer ausreichenden Hydratation und Vermeidung rezidivierender Exsikkosen
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Zielkrankenhaus
Grundsätzlich richtet sich die Wahl des Zielkrankenhauses nach dem Schweregrad der Exsikkose, den Begleiterkrankungen sowie möglichen Komplikationen.
Leichte bis moderate Exsikkose: Nächstgelegenes Akutkrankenhaus mit internistischer Notaufnahme oder nach ärztlicher Rücksprache gegebenenfalls ambulante Weiterbehandlung → Kontrolle von Hydratationszustand, Elektrolyten und Nierenfunktion
Schwere Exsikkose: Klinik mit internistischer Intensivstation → erhöhtes Risiko für hypovolämischen Schock, Nierenversagen und relevante Elektrolytstörungen
Kinder und Säuglinge: Kinderklinik oder pädiatrische Notaufnahme → erhöhtes Risiko für rasche Flüssigkeitsverluste und Elektrolytverschiebungen
Transportbegleitende Maßnahmen
Monitoring: Kontinuierliche Überwachung von EKG, Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Vigilanz, bei hämodynamischer Instabilität engmaschige Kontrollen
Lagerung:
Hypotonie oder ausgeprägter Volumenmangel: Flachlagerung bzw. Schocklage zur Verbesserung des venösen Rückstroms
Begleiterkrankungen (insbesondere Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz oder Diabetes mellitus)
Aktuelle Medikation, insbesondere Diuretika oder SGLT2-Inhibitoren
Vitalparametern und klinischen Exsikkosezeichen
Durchgeführte Maßnahmen und Ansprechen auf die Volumentherapie
Hochrisikopatient:innen: Bei schwerer Exsikkose, persistierender Kreislaufinstabilität oder relevanten Begleiterkrankungen frühzeitige Übergabe an das zuständige Schockraum-, oder Intensivteam
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Definition
Dehydratation: Pathophysiologischer Zustand mit Verminderung des Gesamtkörperwassers und möglichen Elektrolytverschiebungen. Typische Zeichen sind Durst, trockene Schleimhäute und verminderte Urinausscheidung
Exsikkose: Klinisch manifeste, meist fortgeschrittene Form der Dehydratation mit Gewebe- und Kreislaufdehydrierung. Typische Zeichen sind stehende Hautfalten, eingefallene Augen, trockene Schleimhäute, Hypotonie, schwacher Puls und Vigilanzminderung
Ursachen
Unzureichende Flüssigkeitszufuhr, insbesondere bei älteren, pflegebedürftigen oder bewusstseinsgestörten Personen
Erhöhte Flüssigkeitsverluste über die Nieren, den Gastrointestinaltrakt, die Haut oder die Atemwege
Pathologische Flüssigkeitsverluste beispielsweise bei Diabetes mellitus, Diabetes insipidus, Erbrechen, Diarrhö oder großflächigen Verbrennungen
Begünstigende Faktoren wie Fieber, starkes Schwitzen, Hyperventilation oder eine unzureichende Flüssigkeitssubstitution
Pathophysiologie
Merke
Die Exsikkose führt zu einem Wasser- und Elektrolytverlust mit intravasalem Volumenmangel.
Formen:
Isotone Verluste: Wasser- und Natriumverlust im gleichen Verhältnis → Extrazellulärvolumen ↓
Hypotone Verluste: Natriumverlust überwiegt → Wasser tritt in die Zellen ein → Zellödem
Hypertone Verluste: Wasserverlust überwiegt → Wasser tritt aus den Zellen aus → Zelldehydratation
Kompensationsmechanismen: Aktivierung von ADH, RAAS und Durstzentrum zur Erhöhung der Wasser- und Natriumretention
Folgen des Volumenmangels: Verminderter venöser Rückstrom → Schlagvolumen ↓ → kompensatorisch Tachykardie und Vasokonstriktion
Schwere Verläufe: Hypotonie, Organhypoperfusion, prärenales Nierenversagen, neurologische Symptome sowie im Extremfall hypovolämischer Schock und Multiorganversagen.
Klinischer Eindruck
Trockene Haut und Schleimhäute, stehende Hautfalten
Eingesunkene Augen, bei Säuglingen ggf. eingefallene Fontanelle
Durstgefühl und verminderte Venenfüllung
Schwäche, Müdigkeit, Benommenheit bis zur Desorientierung
Tachykardie, Hypotonie, schwacher Puls und verlängerte Rekapillarisierungszeit
Kühle, blasse Extremitäten als Zeichen der Zentralisation
Oligurie bzw. Anurie und konzentrierter Urin
Bei schwerer Exsikkose: Kreislaufinstabilität bis zum hypovolämischen Schock sowie neurologische Symptome wie Krampfanfälle oder Vigilanzminderung.
Diagnostik
Inspektion:
Haut: Trockene, matte und wenig elastische Haut als Hinweis auf einen Flüssigkeitsmangel
Stehende Hautfalten: klassisches Zeichen einer Exsikkose durch verminderten Hautturgor
Blasse Haut oder periphere Zyanose: Hinweis auf Hypovolämie und eingeschränkte periphere Perfusion
Schleimhäute: Trockene Mundschleimhaut, verminderte Speichelbildung oder belegte Zunge als Zeichen der Dehydratation
Augen: Eingesunkene Augen und reduzierte Tränenproduktion als Ausdruck eines ausgeprägten Flüssigkeitsdefizits
Allgemeinzustand: Apathie sowie mögliche neurologische Auffälligkeiten wie Desorientierung oder Somnolenz bei fortgeschrittener Exsikkose
Infektfokus: Kontrolle auf Fieber, Husten, Hautinfektionen, Dekubitalulzera oder Zeichen eines Urogenitalinfekts als mögliche Ursache erhöhter Flüssigkeitsverluste
Palpation:
Hautturgor: Verminderte Hautelastizität mit stehender Hautfalte am Handrücken oder Unterarm als Hinweis auf einen Flüssigkeitsmangel
Periphere Durchblutung: Kalte oder kaltschweißige Extremitäten als Zeichen einer Zentralisation bei Volumenmangel
Rekapillarisierungszeit: Verlängerung über 2 Sekunden als Hinweis auf eine eingeschränkte Mikrozirkulation
Puls: häufig tachykard und schwach tastbar als Ausdruck einer Hypovolämie
Perkussion:
Unauffälliger Klopfschall: In der Regel kein direkter Hinweis auf das Ausmaß der Exsikkose
Auffällige Perkussionsbefunde: Sprechen eher für zugrunde liegende Erkrankungen als für die Exsikkose selbst
Auskultation:
Unauffällige Auskultation: Häufig regelrechte Atemgeräusche
Atemgeräusche: Bei ausgeprägter Hypovolämie flache und beschleunigte Atmung als kompensatorische Reaktion möglich
Hinweise auf Infektfokus: Rasselgeräusche bei Pneumonie, auffällige Darmgeräusche bei gastrointestinalen Ursachen sowie Fieber als möglicher Auslöser der Exsikkose
Auffällige Auskultationsbefunde: Sprechen häufig für die Ursache der Exsikkose (z.B. Infektion) und weniger für den Flüssigkeitsmangel selbst.
Therapie
Merke
Im präklinischen Umfeld steht die symptomorientierte Rehydratation im Vordergrund.Die Therapie der Wahl ist die Gabe von balancierten, isotonen Vollelektrolytlösungen in individuell angepassten Bolusgaben unter kontinuierlicher klinischer und hämodynamischer Überwachung.
Basismaßnahmen:
Lagerung:
Kreislaufstabile Patient:innen: Bequeme Lagerung, bei Schwindel oder orthostatischen Beschwerden vorzugsweise in Flachlagerung
Hypotonie oder ausgeprägter Volumenmangel: Flachlagerung, gegebenenfalls mit Hochlagerung der Beine zur Verbesserung des venösen Rückstroms
Sauerstoffgabe: bedarfsorientierte Sauerstofftherapie bei Hypoxämie oder respiratorischer Beeinträchtigung
Angepasstes Atemwegsmanagement: Sicherung und regelmäßige Kontrolle der Atemwege bei Vigilanzminderung oder Bewusstseinsstörung
Monitoring und Basisdiagnostik: Kontinuierliche Überwachung mittels EKG, SpO₂, Blutdruck- und Atemfrequenzkontrollen sowie wiederholte Blutzuckermessungen
Venöser Zugang: Anlage eines intravenösen Zugangs zur Volumentherapie sowie für weiterführende therapeutische Maßnahmen
Ursachenorientiertes Vorgehen: Identifikation und Behandlung möglicher Auslöser wie Infektionen, gastrointestinale Verluste, Fieber, Medikamentennebenwirkungen oder unzureichende Flüssigkeitsaufnahme
Begleiterkrankungen: Beachtung und Mitbehandlung relevanter Grunderkrankungen, insbesondere Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz oder Diabetes mellitus
Transportentscheidung: Risikostratifizierung zur Entscheidung über ambulante Weiterbetreuung oder stationäre Aufnahme, insbesondere bei ausgeprägter Exsikkose, Kreislaufinstabilität oder relevanten Begleiterkrankungen
Besondere Vorsicht bei Herz- oder Niereninsuffizienz: Flüssigkeitstherapie zurückhaltend titrieren und auf Zeichen einer Volumenüberladung achten
Kinder: Volumensubstitution mit VEL initial 20 ml/kgKG i.v. als Bolus, Wiederholung abhängig vom klinischen Ansprechen
Therapiesteuerung: Ziel sind eine Verbesserung der Kreislaufsituation, ein systolischer Blutdruck > 90 mmHg sowie eine Herzfrequenz < 100/min
Besondere Situationen
Ältere und herzinsuffiziente Patient:innen: erhöhtes Risiko für Volumenüberlastung und Lungenödem
Kinder und Menschen mit Diabetes mellitus: erhöhtes Risiko für metabolische Entgleisungen
Hitze, bestimmte Medikamente und Nierenfunktionsstörungen können den Flüssigkeitsmangel verstärken und erfordern ein engmaschiges Monitoring
Transport
Grundsätzlich richtet sich die Wahl des Zielkrankenhauses nach dem Schweregrad der Exsikkose, den Begleiterkrankungen sowie möglichen Komplikationen.
Leichte bis moderate Exsikkose: Nächstgelegenes Akutkrankenhaus mit internistischer Notaufnahme oder nach ärztlicher Rücksprache gegebenenfalls ambulante Weiterbehandlung → Kontrolle von Hydratationszustand, Elektrolyten und Nierenfunktion
Schwere Exsikkose: Klinik mit internistischer Intensivstation → erhöhtes Risiko für hypovolämischen Schock, Nierenversagen und relevante Elektrolytstörungen
Kinder und Säuglinge: Kinderklinik oder pädiatrische Notaufnahme → erhöhtes Risiko für rasche Flüssigkeitsverluste und Elektrolytverschiebungen
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Tipp
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