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Extrazelluläre Matrix (EZM)

EP
5 Minuten Lesezeit

Definition:

Die extrazelluläre Matrix bezeichnet den Anteil des Gewebes, der die Zellen zwischen den Zellverbänden ausfüllt, netzartig umhüllt und für mechanische Stabilität, Stofftransport und Signalübertragung verantwortlich ist.

Hauptbestandteile:
1. Bindegewebsfasern:

a)  Kollagene Fasern → Zugfestigkeit

b)  Retikuläre Fasern → feine Netzstrukturen in lymphatischen Organen, Basalmembran (Lamina fibroreticularis)

c)  Elastische Fasern → Dehnbarkeit und Rückstellkraft

2. Grundsubstanz:

  • Proteoglykanen (z. B. Decorin, Aggrecan)
  • Glykosaminoglykanen (z. B. Hyaluronan)
  • Adhäsive Glykoproteine (z. B. Fibronectin, Laminin) → Zell-Matrix-Interaktionen

3. Wasser

a) Kollagenfasern

  • Bilden die häufigste Faserart im Bindegewebe
  • Bestehen aus Tropokollagen, einem Protein aus drei zu einer Tripelhelix gewundenen Peptidketten
  • Tropokollagen lagert sich versetzt zu Kollagenfibrillen, diese zu Kollagenfasern und schließlich zu Faserbündeln zusammen
  • Sind zugfest und nur minimal dehnbar
  • Zeigen elektronenmikroskopisch Querstreifung, bedingt durch die versetzte Tropokollagen-Anordnung
  • Entstehen durch Synthese von Prokollagen in Fibroblasten und anschließende Modifikation im Extrazellulärraum

Straffes parallelfaseriges Bindegewebe:

Straffes parallelfaseriges Bindegewebe
  • Wichtige Kollagentypen
    • Typ I: Sehr zugfest, in Knochen, Sehnen, Dentin, straffem und lockerem Bindegewebe
    • Typ II: Im hyalinen und elastischen Knorpel
    • Typ III: Bildet retikuläre Fasern (lymphatische Organe, Lamina fibroreticularis, Gefäßwand)
    • Typ IV: Bestandteil der Basallamina (v.a. Lamina densa)
    • Typ VI: Perizelluläres Kollagen, vermittelt Zell-Matrix-Verbindungen; Defekte führen u. a. zu Muskeldystrophien
    • Typ VII: Bildet Ankerfibrillen, die Basallamina mit dem darunterliegenden Bindegewebe verbinden
    • Typ XVII: Transmembran-Kollagen der Hemidesmosomen (wichtiger Bestandteil der Dermal-Epidermalen Verbindung, kein fibrilläres Kollagen)
    • Typ XI: fibrillär, Bestandteil des Knorpels

b) Retikuläre Fasern

  • Bestehen aus Kollagen Typ III und verschiedenen Glykosaminoglykanen
  • Bilden das feines, netzartiges Gerüst in retikulärem Bindegewebe, z. B. in lymphatischen Organen
  • Durchmesser unter 1 μm, bestehen aus feinen Mikrofibrillen mit ca. 45 nm (dünnste Faser)
  • Besitzen die typische Querstreifung und sind zugfest bei begrenzter Dehnbarkeit
  • Ermöglichen Durchtritt von Immun- und Blutzellen

Retikuläres Bindegewebe:

Retikuläres Bindegewebe

c) Elastische Fasern

  • Bestehen aus einem zentralen Kern aus Elastin, umgeben von Mikrofibrillen (v. a. Fibrillin)
  • Stark dehnbar, kehren danach wieder in den Ursprungszustand zurück
  • Durchmesser meist etwa 2 μm, häufig verzweigt
  • Bilden entweder Netze, Membranen oder faserige Bündel
  • Entstehung durch Sekretion von Tropoelastin und Fibrillin durch Fibroblasten, anschließende Vernetzung im Extrazellulärraum
  • Vorkommen elastischer Fasern
    • In elastischem Knorpel
    • In der Wand großer herznaher Arterien
    • In elastischen Bändern (z. B. Ligamentum flavum)
    • In der Lunge

Milchdrüse – Elastische Fasern:

Milchdrüse – Elastische Fasern:

Vergleich der Fasertypen der EZM:

MerkmalKollagenfasernRetikuläre FasernElastische Fasern
GrundbausteineKollagen (v. a. Typ I)

Kollagen (v. a. Typ III)

 

Elastin und Fibrillin-Mikrofibrillen
Faserdicke2–20 μm (dickste Faser)<1 μm (dünnste Faser)Ca. 2 μm
EigenschaftenSehr zugfest, kaum dehnbarZugfest, begrenzt dehnbarStark dehnbar, hohe Rückstellkraft
VorkommenKnochen, Sehnen, Dentin, straffes/lockeres BindegewebeRetikuläres Bindegewebe (lymphatische Organe, rotes Knochenmark), Basalmembran (Lamina fibroreticularis)Elastischer Knorpel, Wände großer Arterien, Ligamentum flavum, Lunge (v. a. Alveolarsepten)
  • Allgemeine Merkmale
    • Ungeformter Bestandteil der extrazellulären Matrix
    • Füllt die Zwischenräume zwischen Zellen und Fasern
    • Stark hydratisiert, erscheint in Routinefärbungen (z. B. HE-Färbung) oft leer
    • Enthält eine heterogene Mischung löslicher Moleküle
  • Glykosaminoglykane (GAGs)
    • Lange, unverzweigte Polysaccharide aus wiederholten Disacchariden
    • Stark negativ geladen → binden Wasser und Kationen
    • Wichtige Vertreter:
      • Hyaluronsäure (als einziges GAG nicht sulfatiert, frei in der Matrix, bildet Aggregate mit Proteoglykanen)
      • Chondroitinsulfat, Dermatansulfat, Keratansulfat, Heparansulfat
      • Heparin (vor allem in Mastzellen gespeichert, antikoagulatorisch) 
  • Proteoglykane
    • Bestehen aus einem Core-Protein, an das mehrere GAG-Ketten (außer Hyaluronsäure) kovalent gebunden sind
    • Hyaluronsäure bildet selbst kein Proteoglykan, verknüpft aber über Verbindungsproteine, die sich nicht-kovalent anlagern, große Proteoglykan- Aggregate (z. B. Aggrecan im Knorpel)
    • Funktion: Wasserspeicherung, Dämpfungs- und Stützfunktion, Bindung von Signalmolekülen
    • Wichtige Vertreter:
      • Aggrecan (Knorpel, Chondroitinsulfat-reich, bildet große Aggregate)
      • Decorin (unterstützt die Bildung und Reifung der Kollagentypen I, II und III)
      • Perlecan (Basallamina, Heparansulfat-Proteoglykan, bindet Laminin und Kollagen IV)
Proteoglykan
 Merke
  • Proteoglykane = wenig Protein, viel Zucker
  • Glykoproteine = wenig Zucker, viel Protein
  • Glykoproteine
    • Aufbau: Proteine mit kurzen, verzweigten Oligosaccharidketten, die meist kovalent gebunden sind (geringer Zuckeranteil im Vergleich zu Proteoglykanen)
    • Funktion: Multifunktionale Adhäsionsproteine der extrazellulären Matrix, die Zellen mit der EZM verknüpfen und Signalwege regulieren
    • Wichtige Vertreter:
      • Fibronectin → Zelladhäsion, Kollagenbindung, Wundheilung
      • Laminine → zentraler Bestandteil der Basallamina
Glykoproteine
Zuletzt aktualisiert am 10.10.2025
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